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- Banknotenatlas – Paraguay
Fläche: 406.752 qkm Einwohner: 6.704.000 (2017) Hauptstadt: Asunción Staatsform: Präsidial-Republik Amtssprachen: Guaraní/Spanisch Währung: 1 Guaraní = 100 Céntimos Vor der Ankunft der Europäer war das Gebiet des heutigen Paraguay von den indigenen Stämmen der Guaraní (Krieger) besiedelt. Auf ihrer Suche nach einem „Land ohne Übel“ wanderten die Guaraní auch nach Westen, wo es Gerüchten nach Städte und ganze Berge aus Gold geben sollte. 1513 bis 1518 kam es deshalb zu Konflikten mit dem Inkareich. Mit der Gründung der heutigen Hauptstadt Asunción durch die Spanier 1537 begann die späte europäische Kolonisierung und der Ostteil des heutigen Paraguay wurde ohne bedeutenden Widerstand der indianischen Ureinwohner von Spaniern besiedelt. 1609 gründeten Jesuiten zur Bekehrung der Ureinwohner, aber auch zu deren Schutz vor Sklavenjägern aus Brasilien, Missionssiedlungen, in denen etwa 100.000 Guaraní lebten und Landwirtschaft und Handwerk betrieben. Der sog. „Jesuitenstaat“, zu dem auch die heute argentinische Provinz Misiones gehörte, war weitgehend autonom. Als der Orden dem spanischen König Karl III. zu einflussreich geworden war, endete die Missionstätigkeit auf dessen Weisung. Die Jesuiten wurden 1767 aus dem Land vertrieben und die Missionsdörfer verfielen innerhalb weniger Jahre. Paraguay wurde Teil des spanischen Vizekönigreichs La Plata. Banco Central del Paraguay: 5000 Guaranies von 2011 (2013) Die Vorderseite der Banknote aus Polymer-Kunststoff zeigt ein Porträt des ersten Präsidenten von Paraguay, Don Carlos Antonio López (1792 bis 1862), Präsident von 1844 bis 1862. Auf der Rückseite ist der Präsidentenpalast in der Hauptstadt Asunción, der Palaco de Los López, abgebildet. Eine Dampflokomotive bildet ein farbiges Durchsichtsfenster. In der Amtszeit von Los López wurden durch ihn 1861 die Eisenbahnen Paraguays eingeweiht. 1000 Paraguay-Guaraní (PYG) entsprechen etwa 0,15 Euro. 1811 nutzte Paraguay die Schwäche Spaniens während der Napoleonischen Kriege und erklärte seine Unabhängigkeit von Spanien und Argentinien. Unter dem Diktator Gaspar Rodrígez de Francia (1814 – 1840) entstand ein politisch und wirtschaftlich isolierter Binnenstaat. Als Francias Großneffe, der 1862 an die Macht kam, versuchte, dem Land einen Zugang zum Meer zu erkämpfen, kam es zu einem Krieg mit Brasilien, Argentinien und Uruguay, der bis 1870 dauerte und verheerende Folgen für das Land hatte. Von den zuvor 1,4 Millionen Einwohnern Paraguays überlebten den Krieg nur 230.000. Das Land verlor zudem über die Hälfte seines Territoriums an die Kriegsgegner und war bis 1876 brasilianisch besetzt. Es folgte eine Phase des Wiederaufbaus und es entstanden mehrere Parteien, die noch bis heute das politische System bestimmen. 1932 bis 1935 war Paraguay in den sog. „Chacokrieg“ verwickelt und erhielt nach dem Sieg über Bolivien mit dem Frieden von Buenos Aires 1938 einen Teil des umstrittenen Chaco Boreal mit einer Fläche von 240.000 qkm zugesprochen, mehr als die Hälfte des heutigen Staats-Territoriums. Das führte dazu, dass das Militär zu beherrschenden Macht im Land wurde. 1954 kam der Oberbefehlshaber der Armee, Alfredo Stroessner, durch einen Putsch an die Macht. Seine Diktatur dauerte 34 Jahre, bis er 1989 von seinem eigenen Schwiegersohn gestürzt wurde, der eine Demokratisierung einleitete. 1992 wurde eine neue Verfassung angenommen, die die Macht des Militärs deutlich einschränkte. Von einer funktionierenden Demokratie ist das Land bis heute weit entfernt und so kam es erst im Frühjahr 2017 zu schweren Unruhen. Die ersten primitiv gedruckten Geldscheine wurden 1847 bis 1870 vom Tesoro Nacional ausgegeben. Sie wurden nach der Niederlage von 1870 praktisch wertlos. In der Zeit von 1871 bis 1916 folgten Ausgaben staatlichen Papiergelds. Die Noten der Banco Nacional del Paraguay wurden per Gesetz vom 31.10.1883 ausgegeben. Sie war die erste Notenbank des Landes. Mit Gesetz vom 26.12.1907 entstand die Banco de la República, die ihre Noten unter staatlicher Kontrolle ausgeben sollte. Deren Noten wurden zwar gedruckt, kamen aber nie in den Umlauf. Heute ist die Banco Central del Paraguay die einzige Notenbank des Landes. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2018/04 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de
- Tschechische Republik: 100 Kronen auch als numismatisches Produkt
Die Národní Banka Česká hat einen Wettbewerb zur Gestaltung einer neuen 100-Kronen-Banknote mit Porträt von Alois Rasin anlässlich des 100. Jahrestags der Tschechoslowakischen Krone durchgeführt. Am 1. März 2018 gab die Bank ihre Entscheidung bekannt, den abgebildeten Entwurf der Malerin Eva Hašková zu genehmigen. Der neue Geldschein wird ab dem 31. Januar 2019 für 35 Euro verkauft. Abgegeben werden angeblich nur drei Scheine pro Person. Auf der World Money Fair in Berlin wurde er bereits für 100 Euro angeboten. In der Tschechischen Republik selbst gab es auch Angebote mit 3.300 Kč (128 Euro), 3.990 Kronen (155 Euro) und sogar für umgerechnet 203 Euro. Nach dem Kurswert würde er nur etwa 3,90 Euro wert sein. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com #Nachrichten #Weltbanknoten #Gedenkbanknoten #Europa #Tschechien #Krone #Grabowski
- Schweden: Geldmenge stieg im Umlauf
In Schweden, dem Vorreiter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, konnte 2018 laut EZB ein Plus der Umlaufmenge der schwedischen Banknoten und Münzen verzeichnet werden - zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt. Seit 2007 war das Bargeld bei den Schweden stetig im Schwinden. Die Umlaufmenge, die sich seither fast halbiert hatte, stieg jedoch vergangenes Jahr auf 62,18 Milliarden SEK (+7%). Kana Totsuka Abb. Hans-Ludwig Grabowski #Nachrichten #Weltbanknoten #Europa #Schweden #Kronen #Totsuka
- 50 Gulden der Kgl. Bayerischen Staats-Schuldentilgungs-Commission vom 5.9.1866
Objekttyp: Staats-Kassenanweisung Sammlung: Gerhard Reichert Historischer Kontext: Der Preußisch-Österreichische Krieg im Jahr 1866 endete mit dem Sieg Preußens. Für das Königreich Bayern, das als Mitglied des Deutschen Bundes unter österreichischer Führung am Krieg teilgenommen hatte, bedeutete diese Niederlage unter anderem die Zahlung einer Kriegsentschädigung in Höhe von 30 Mio. Gulden. Die finanzielle Notlage führte zur Bewilligung einer Ausgabe unverzinslicher Kassenanweisungen durch die Staats-Schuldentilgungs-Commission, die noch im selben Jahr Staatspapiergeld für insgesamt 15 Mio. Gulden in den Werten 2, 5 und 50 Gulden emittierte. Zu einer erneuten Ausgabe der Scheine in Höhe von insgesamt 6 Mio. Gulden mit selbem Datum kam es im Jahr 1870 nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges. Im Zuge der Währungsumstellung nach der Reichsgründung wurden diese Scheine wieder eingezogen. Land/Region/Ort: Königreich Bayern, München Emittent: Königlich Bayerische Staats-Schuldentilgungs-Commission Nominal: 50 Gulden süddeutscher Währung Datierung: 5. September 1866 Vorderseite: Um Legende Ornamentrahmen mit Medaillons in den vier Ecken: links oben Personifikationen der Musik und Malerei, rechts oben Personifikationen der Architektur und Plastik, links und rechts unten Bavaria-Büsten; oben mittig gekröntes Staatswappen mit gekrönten Löwen als Schildhalter. Unterschriften: v. Sutner / Dr. v. Bayer / Gf. v. Hegnenberg-Dux Rückseite: Mittig Hüftbild der Bavaria, flankiert von den Personifikationen der Flüsse Donau, Isar, Rhein und Main. Format: 160 mm x 100 mm Material: Papier Druck: Dondorf & Naumann, Frankfurt a. Main Nummerierung: Ser. XXV. – No 129. Authentizität: Original (restauriert) Zitate: GK-72 (Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten) GER-S153 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues) A38 (Pick/Rixen: Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Mit den Darlehnskassenscheinen wurde der Grundstein für die spätere Inflation gelegt
Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 begann der spätere Erste Weltkrieg. Das Deutsche Reich war fest entschlossen, der verbündeten k. u. k. Monarchie zur Hilfe zu eilen. Am 31. Juli erklärte Kaiser Wilhelm II. den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ und eine kaiserliche Verordnung verbot die Ausfuhr kriegswichtiger Gegenstände, wie Tiere, tierische Erzeugnisse, Verpflegungs-, Streu- und Futtermitteln und Kraftfahrzeuge. Nur einen Tag später folgte die Kriegserklärung an Russland und am 3. August die an Frankreich und der Einmarsch – unter Verletzung der Neutralität – in Belgien und Luxemburg, woraufhin am 4. August Großbritannien dem Reich den Krieg erklärte. Der Ausbruch des Krieges stellte die Reichsbank vor neue Aufgaben. Die Kreditvergabe an das Reich stand nun im Vordergrund ihrer Tätigkeit. Dies machte die Änderung verschiedener bankgesetzlicher Vorschriften notwendig und erfolgte am 4. August 1914 durch die verabschiedeten Kriegsgesetze: § 2 des Gesetzes, betreffend die Reichskassenscheine und die Banknoten (RGBl. S. 347) befreite die Reichsbank von der Verpflichtung zur Noteneinlösung. Bereits am Nachmittag des 31. Juli, unmittelbar nach Erklärung des Zustandes der drohenden Kriegsgefahr, hatte die Reichsbank die Einlösung ihrer Banknoten gegen Gold eingestellt.1) Nun wurde dieses Vorgehen gesetzlich sanktioniert. Dieses Gesetz befreite auch die Privatnotenbanken von der bisherigen Goldeinlösungspflicht. Sie durften nun ihre Noten durch Zahlung von Reichsbanknoten und Reichskassenscheinen einlösen. Das Gesetz betreffend die Änderung des Münzgesetzes (RGBl. S. 326) erlaubte den Reichs- und Landeskassen, bei Einlieferung von Scheidemünzen statt Goldmünzen bis auf weiteres Reichskassenscheine und Reichsbanknoten auszuzahlen. Die Bestimmungen in den §§ 2 und 3 des Gesetzes, betreffend die Änderung des Bankgesetzes (RGBl. S. 327), ließen Schatzanweisungen des Reichs und Wechsel mit einer höchstens dreimonatigen Laufzeit, die allein das Reich verpflichteten, als bankmäßige Notendeckung zu. Gleichzeitig wurde durch Gesetz, betreffend die Ergänzung der Reichsschuldenordnung (RGBl. S. 325) bestimmt, dass die Bereitstellung der im Wege des Kredits zu beschaffenden Mittel auch durch Ausgabe von Reichswechseln erfolgen könne. Ferne wurde die Reichsbank von der Notensteuer befreit, die bisher bei ungedeckter Notenausgabe zu zahlen war. Vielleicht die wichtigste Neuerung waren die durch Darlehnskassengesetz (RGBl. S. 340) geschaffenen Darlehnskassen. Diese Gesetzesänderungen spiegeln Planungen wider, die bereits seit Jahren für den Fall eines Krieges betrieben worden waren.2) Das Darlehnskassengesetz beginnt mit den Worten: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrats und des Reichstags, …“ Was nun folgte war ein 22 Paragrafen umfassendes Gesetz, mit dem in Berlin und an anderen Orten des Reichs, in denen die Reichsbank Reichsbankstellen unterhielt bei Bedarf Darlehnskassen errichtet werden sollten.3) Sie sollten Darlehen in Höhe von wenigstens 100 Mark und einer Laufzeit von längstens drei Monaten bzw. ausnahmsweise bis zu sechs Monaten gegen Sicherheiten gewähren. Als Sicherheit konnten nicht verderbliche Waren, Boden- Bergwerks- und gewerbliche Erzeugnisse dienen, die in der Regel bis zur Hälfte ihres Schätzwertes beliehen wurden; ferner Wertpapiere, die vom Reich oder von der Regierung eines Bundesstaats, von Korporationen und Aktiengesellschaften mit Sitz im Reich ausgegeben wurden, und zwar mit einem Abschlag vom Kurs oder marktgängigen Preis. Ebenso konnten Forderungen, die im Reichsschuldenbuch oder in einem Staatsschuldenbuch eines deutschen Staates eingetragen waren als Pfand dienen. Die Verwaltung der Darlehnskassen übernahm für Rechnung des Reichs die Reichsbank und zwar durch eine besondere Bankabteilung unter dem Namen „Hauptverwaltung der Darlehnskassen“. In Höhe der gewährten Lombarddarlehen stellte die Reichsschuldenverwaltung der Darlehnskassenverwaltung Darlehnskassenscheine aus, die auf Beträge von 5, 10, 20 und 50 Mark lauteten. Auch Darlehnskassenscheine über höhere Beträge waren erlaubt. Sie waren aber jedoch nicht für den öffentlichen Umlauf bestimmt. Bereits „1912 waren die technischen Vorbereitungen für die Ausgabe von Darlehnskassenscheinen in ‚weitestem Maße‘ gediehen. Die benötigten Maschinen standen ausschließlich für diesen Zweck bereit, und große Mengen der Scheine waren schon halbfertig gedruckt, zum genannten Termin für ca. 550 Mio Mark in Abschnitten von 5, 20 und 50 Mark. Außerdem war vorgesehen, ‚Interimsscheine‘ a 500 Mark für insgesamt 400 Mio Mark herzustellen; hierfür war ebenfalls mit Papier und Maschinen gesorgt – Interessant ist, dass die Nenngrößen, die im Weltkrieg am meisten gebraucht wurden (zu 1 und 2 Mark), nicht geplant waren. Offensichtlich rechneten die Verantwortlichen nicht damit, dass das neue Geld Funktionen der großen Scheide- bzw. Reichssilbermünzen übernehmen musste."4) Die Jubiläumschrift der Reichsdruckerei berichtete über das Verhältnis im August 1914: „Aus den vorhandenen Reserven an Halbprodukten konnten in dem nunmehr einsetzenden steten Tag- und Nachtbetrieb innerhalb der ersten vier Wochen allein der Reichsschuldenverwaltung 33.461.020 Stück Darlehnskassenscheine in den Werten von 5, 20 und 50 Mark im Gesamtbetrag von 549.611.000 Mark geliefert werden. Nebenher wurden noch 50.000 Stück Dahrlehnskassenscheine (sic!) zu 500 Mark hergestellt. Aber diese Beträge reichten nur für den Anfang. Durch Neudruck von 550.585.800 Scheinen wurden die ersten Lieferungen im Laufe des Krieges um weitere 9.975.435.000 Mark erhöht, wozu noch als Kleingeld 1.573.913.000 Darlehnskassenscheine zu 1 Mark und 1.098.036.000 Darlehnskassenscheine zu 2 Mark kamen.“5) Möglicherweise war am Druck der Darlehnskassenscheine auch die Buchdruckerei W. Büxenstein, Berlin, beteiligt. Sie half jedenfalls seit 1916 der Reichsdruckerei beim Druck von Geldscheinen. Zeitweilig waren 20 bis 30 Schnellpressen im Einsatz. Obwohl die Darlehnskassenscheine formal Schuldscheine waren, die nur durch das Versprechen der jederzeitigen Einlösung gedeckt waren und nur von staatlichen Einrichtungen in Zahlung genommen werden mussten, wurden sie de facto wie normales Geld benutzt. Die von den Darlehnskassen erteilten Darlehen wurden den Darlehnsnehmern von den zuständigen Reichsbankanstalten in beliebigen Zahlungsmitteln ausgezahlt, vornehmlich in Reichsbanknoten. Die Hauptverwaltung der Darlehnskassen erstattete dann der Reichsbank die von den Bankanstalten verauslagten Summen in Darlehnskassenscheinen. „Bis zum Jahresende [1914] hatte die Reichsbank dem freien Verkehr … insgesamt 445,8 Millionen Mark Darlehnskassenscheine zugeführt, davon 65,5 Millionen Mark zu 1 M, 135,8 Millionen Mark zu 2 M, 225,4 Millionen Mark zu 5 M und 19,1 Millionen Mark zu 20 M. Der der Bank verbliebene Vorrat an solchen Scheinen hatte zum gleichen Termin die Höhe von 871,2 Millionen Mark erreicht; denn der Darlehnsbestand bei den Darlehnskassen war am 31. Dezember 1914 bis auf 1.317 Millionen Mark angewachsen.“6) Der Gesamtbetrag der Lombardkredite sollte nach den Bestimmungen des Darlehnskassengesetzes 1.500 Millionen Mark nicht übersteigen. Dadurch, dass die Darlehnskassenscheine, soweit sie nicht in den freien Verkehr übergingen, sondern in den Kassen der Reichsbank verblieben, dem Barvorrat zugerechnet werden konnten, wurden die Lombardanlagen der Darlehnskassen zur Notendeckung verwendbar. Nach § 17 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 (RGBl. S. 177) war die Ausgabe ungedeckter Banknoten begrenzt. Die Reichsbank war verpflichtet, für den Betrag ihrer im Umlauf befindlichen Banknoten jederzeit mindestens ein Drittel in kursfähigem deutschem Geld – also in 10- und 20-Mark-Goldmünzen –, Reichskassenscheinen oder sonstigen Goldwerten in ihren Kassen als Deckung bereit zu halten. Nun kam der Bestand an Darlehnskassenscheinen hinzu. „Formal belieh die Reichsschuldenverwaltung zur Herausgabe dieser neuen Form des Geldes Waren und Wertpapiere des Staates. Letztlich wurde damit aber schlicht die Druckerpresse angeworfen. Der bis dahin geltende Goldstandard war somit tot, und es wurde die Basis für die spätere Inflationsspirale gelegt.“7) „Die Dritteldeckung im ursprünglichen Sinne des Bankgesetzes war bereits Ende 1916 nicht mehr vorhanden, betrug doch der Goldbestand der Reichsbank zu jenem Zeitpunkt nur 31,3 %, 1917 – 21 %, 1918 – 10,2 %, 1919 – 3,1 % und Ende 1920 – 1,58 % des Notenumlaufes. Ende 1921 (Status vom 7. November 1921) belief sich bei einem Notenumlauf der Reichsbank von 92,6 Milliarden Mark der reine Goldbestand auf 993,6 Millionen Mark; er deckte mithin die Noten mit etwa 1,07 %.“8) Schon bald wurde der Gesamtkreditbetrag der Darlehnskassen auf 3.000 Millionen Mark (Bekanntmachung vom 11. November 1914, RGBl. S. 475) erhöht. Ab 1916 erfolgten weitere Erhöhungen der Darlehnskassenscheinausgaben:9) 9. März 1916 auf 4 Milliarden Mark 12. Oktober 1916 auf 6 Milliarden Mark 24. Mai 1917 auf 8 Milliarden Mark 2. November 1917 auf 12 Milliarden Mark 23. Juli 1918 auf 16 Milliarden Mark 28. November 1918 auf 30 Milliarden Mark 15. April 1920 auf 40 Milliarden Mark 25. November 1920 auf 50 Milliarden Mark 28. September 1922 auf 75 Milliarden Mark 16. November 1922 auf 100 Milliarden Mark 7. Dezember 1922 auf 225 Milliarden Mark 21. Dezember 1922 auf 400 Milliarden Mark 8. Februar 1923 auf 1 Billion Mark 27. März 1923 auf 2 Billionen Mark 5. Juni 1923 auf 4 Billionen Mark 9. August 1923 auf 15 Billionen Mark 1. September 1923 auf 300 Billionen Mark 27. September 1923 auf 5 Billiarden Mark 30. Oktober 1923 auf 750 Billiarden Mark 22. November 1923 auf 10 Trillionen Mark „Die Gesamtumsätze10) der Darlehnskassen haben betragen: 1914 4.794.389.032 Mark 1915 16.844.212.059 Mark 1916 38.901.668.707 Mark 1917 68.544.337.594 Mark 1918 91.702.799.128 Mark 1919 214.213.239.950 Mark 1920 572.548.667.449 Mark Das macht für die Zeit von der Eröffnung der Darlehnskasse bis zum 31. Dezember 1920 zusammen rund 1.007,5 Milliarden Mark aus. Die dafür aufgekommenen Zinsen beliefen sich für den gleichen Zeitraum auf 3.186.407.908 Mark. Der Zinsfuß machte 1920 für gewöhnliche Darlehen 5 ½ %, für Vorzugsdarlehen (Verpfändung von Kriegsanleihen) 5 ¼ % und für Kriegsanleihezeichnungsdarlehen 5 1/8 % aus.“11) 1. Übersicht über die ausgegebenen Darlehnskassenscheine Der Darlehnskassenschein zu 5 Mark vom 5. August 1914 wurde mit sechs-, sieben- und achtstelliger Kontrollnummer gedruckt. Während die Vorderseite der Scheine mit der sechsstelligen Kennziffer in gelblichgrüner Farbe ausgeführt ist, weisen die späteren Scheine eine hellbraune/violette Farbe auf. Die Vorderseite zeigt im Unterdruck den gekrönten Reichsadler und die Rückseite in der Mitte gekreuzte Schwerter unter der Reichskrone, links und rechts jeweils ein Germania-Brustbild Die Scheine zu 20 und 50 Mark wurden sowohl mit sechs- als auch mit siebenstelliger Kontrollnummer ausgegeben. Auf der Vorderseite des 20-Mark-Scheins sind zwei gekreuzte Schwerter unter der Reichskrone abgebildet. Auf der linken Seite der Scheinrückseite der Minervakopf und auf der rechten der Merkurkopf. Auf der Vorderseite des erst 1916 in Umlauf gesetzten Wertes zu 50 Mark werden links gekreuzte Schwerter mit Krone und rechts der gekrönte Reichsadler mit Wappenschild abgebildet. Auf der Rückseite links und rechts jeweils ein Germania-Brustbild. Abb. 1.1: DEU-54a, 5 Mark vom 5. August 1914, Vorderseite, Format: 125 x 80 mm, Papier mit Wilcox-Fasereinlagen, Wasserzeichen: 5 im Spiralband. Abb. 1.2: DEU-54a, 5 Mark vom 5. August 1914, Rückseite. Abb. 2.1: DEU-54b, 5 Mark vom 5. August 1914, Vorderseite. Abb. 2.2: DEU-54b, 5 Mark vom 5. August 1914, Rückseite. Abb. 3.1: DEU-55b, 20 Mark vom 5. August 1914, Vorderseite, Format: 140 x 90 mm, Papier mit Wilcox-Fasereinlagen, Wasserzeichen: 20 in Ranken. Abb. 3.2: DEU-55b, 20 Mark vom 5. August 1914, Rückseite. Abb. 4.1: DEU-56b, 50 Mark vom 5. August 1914, Vorderseite, Format: 150 x 100 mm, Papier mit Wilcox-Fasereinlagen, Wasserzeichen: Kaiserkrone und Lorbeerzweige. Abb. 4.2: DEU-56b, 50 Mark vom 5. August 1914, Rückseite. Die Nominale zu 1 und 2 Mark vom 12. August 1914 gelangten Anfang September in den Umlauf. Drei deutlich voneinander unterscheidbare Ausgaben wurden ausgegeben. Alle weisen auf der Vorderseite in der Mitte ein farbiges Unterdruck-Ornament und auf der Rückseite in der Mitte den gekrönten Reichsadler auf, der von einem Ornament umschlossen wird. Der eigentlichen Kontrollnummer ist eine Serienbezeichnung vorangestellt. Die 1. Ausgabe wurden ohne Unterdruckzeichnung gedruckt. Der Ornamentdruck der Vorderseite des 1-Mark-Scheins mit der Serienbezeichnung 1 – 240 ist dabei blassgrün, die Serien 695 – 850 fallen dunkelgrün aus. Ähnlich verhält es sich beim Nominal zu 2 Mark, bei dem der Ornamentdruck der Serien 1 – 180 hellrot ist, die Serien 476 – 615 dagegen karminrot. Die Scheine der 2. Ausgabe wurden mit einer dezenten verschlungenen Unterdruckzeichnung versehen. Die 2-Mark-Scheine bis zur Serie 638 fallen dabei heller (rosafarbig) aus als die Serien mit höheren Seriennummern. Bei der 3. Auflage wurde im Gegensatz zur 1. und 2. Ausgabe die Farbe der Kontrollziffer und des Siegels von Rot in Blau geändert. Abb. 5.1: DEU-57a, 1 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite, Format: 95 x 60 mm, Wasserzeichen: Kreuzblüten. Abb. 5.2: DEU-57a, 1 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 6.1: DEU-57b, 1 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite. Abb. 6.2: DEU-57b, 1 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 7.1: DEU-187, 1 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite. Abb. 7.2: DEU-187, 1 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 8.1: DEU-59a, 1 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite. Abb. 8.2: DEU-59a, 1 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 9.1: DEU-59b, 2 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite, Format: 110 x 70 mm, Wasserzeichen: Kreuzblüten. Abb. 9.2: DEU-59b, 2 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 10.1: DEU-60, 2 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite. Abb. 10.2: DEU-60, 2 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 11.1: DEU-60, 2 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite. Abb. 11.2: DEU-60, 2 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Abb. 12.1: DEU-188, 2 Mark vom 12. August 1914, Vorderseite. Abb. 12.2: DEU-188, 2 Mark vom 12. August 1914, Rückseite. Vom 5-Mark-Schein kam eine zweite Auflage mit Datum vom 1. August 1917 heraus. Statt der bisher sieben Mitglieder der Reichsschuldenverwaltung haben diesmal acht Mitglieder unterschrieben. Auf diesen und allen späteren Scheinen wird statt „Darlehen“ die der Sprachweise angepasste kürzere Schreibweise „Darlehn“ in der Überschrift wie im Text verwendet. Der Schein zeigt auf der Vorderseite eine imaginäre Frauenfigur, durch einen entrückten Blick und Blumen im Haar leicht im Jugendstil romantisiert. Die Vorderseite kommt in blaugrauer und violettgrauer Farbe sowie mit sieben- wie achtstelliger Kontrollnummer vor. Kaiserkrone und Ornamente schmücken die Rückseite Abb. 13.1: DEU-61b, 5 Mark vom 1. August 1917, Vorderseite, Format: 125 x 80 mm, Papier mit Wilcox-Fasereinlagen, Wasserzeichen: 5 in Ornamenten. Abb. 13.2: DEU-61b, 5 Mark vom 1. August 1917, Rückseite. Abb. 14.1: DEU-61d, 5 Mark vom 1. August 1917, Vorderseite. Abb. 14.2: DEU-61d, 5 Mark vom 1. August 1917, Rückseite. Die letzte Ausgabe während des Kriegs war der braune 20-Mark-Schein vom 20. Februar 1918, der nun neun Unterschriften aufweist. Bei der Gestaltung der Vorderseite nahm man Bezug auf alte römische Gottheiten: links Minerva, die römische Göttin der Weisheit und rechts Merkur, der Gott der Händler. Auf der Rückseite ist neben einer allegorischen Frauengestalt, die Weizenähren in ihrer Hand hält, ein deutscher Ritter in voller Rüstung abgebildet. Abb. 15.1: DEU-62, 20 Mark vom 20. Februar 1918, Vorderseite, Format: 140 x 90 mm, Papier mit Wilcox-Fasereinlagen, Wasserzeichen: 20 in Ornamenten. Abb. 15.2: DEU-62, 20 Mark vom 20. Februar 1918, Rückseite. Nach den politischen Umwälzungen (Novemberrevolution, Sturz der Monarchie und Ausrufung der ersten deutschen Republik) wurden die Scheine zu 1 und 2 Mark mit Datum vom 1. März 1920 verändert. Der Wert zu einer Mark wurde im Mai 1920 und der Schein zu zwei Mark 1 ¼ Jahr später, im August 1921, ausgegeben. Beide Nominale sind im Format etwas kleiner als ihre Vorgänger. Das Siegel mit der Kaiserkrone wich dem Siegel mit dem republikanischen Reichsadler. Nun unterschrieben gar elf Mitglieder der Reichsschuldenverwaltung. Beim Wert zu 2 Mark lassen sich eine Ausgabe mit braunem Druck und rotem Siegel sowie eine Ausgabe mit rotem Druck und braunem Siegel unterscheiden. Abb. 16.1: DEU-189, 1 Mark vom 1. März 1920, Vorderseite, Format: 90 x 60 mm, Wasserzeichen: Kreuzblüten. Abb. 16.2: DEU-189, 1 Mark vom 1. März 1920, Rückseite. Abb. 17.1: DEU-190, 2 Mark vom 1. März 1920, Vorderseite, Format: 100 x 65 mm, Wasserzeichen: Kreuzblüten. Abb. 17.2: DEU-190, 2 Mark vom 1. März 1920, Rückseite. Abb. 18.1: DEU-191, 2 Mark vom 1. März 1920, Vorderseite. Abb. 18.2: DEU-191, 2 Mark vom 1. März 1920, Rückseite. Schließlich wurde eine letzte Ausgabe der beiden kleinen Werten im März 1923 in Umlauf gesetzt. Die Scheine datieren vom 15. September 1922 und wurden nun von zehn Mitgliedern der Reichsschuldenverwaltung unterzeichnet. Der einzige Fälschungsschutz der einseitig bedruckten Geldscheine besteht in der Verwendung eines Papiers mit Wasserzeichen. Aber wer hätte diese Scheine noch fälschen wollen? Es werden immer wieder 1-Mark-Scheine angeboten, deren grüner Druck statt auf graugrünem bis mattgrünem Papier auf gelbem bzw. grauem Papier erfolgte. Auch Scheine mit blauem bzw. olivgrauem Text auf grauem Papier sind bekannt. Die Meinungen über diese andersfarbigen Scheine geht weit auseinander. Handelt es sich um Varianten oder doch um manipulierte Stücke. Es ist also Vorsicht geboten. Abb. 19.1: DEU-192, 1 Mark vom 15. September 1922, Vorderseite, Format: 85 x 60 mm, Wasserzeichen: Kreuzblüten. Abb. 19.2: DEU-192, 1 Mark vom 15. September 1922, Rückseite. Abb. 20.1: DEU-193, 1 Mark vom 15. September 1922, Vorderseite. Abb. 20.2: DEU-193, 1 Mark vom 15. September 1922, Rückseite. Abb. 21.1: DEU-, 1 Mark vom 15. September 1922, Manipulation, Vorderseite. Abb. 21.2: DEU-, 1 Mark vom 15. September 1922, Manipulation, Rückseite. Abb. 22.1: DEU-196, 2 Mark vom 15. September 1922, Vorderseite, Format: 90 x 65 mm, Wasserzeichen: Kreuzblüten. Abb. 22.2: DEU-196, 2 Mark vom 15. September 1922, Rückseite. Durch die die Herstellung und Ausgabe der Scheine zu 1 und 2 Mark (Bekanntmachung, betreffend die Ausstellung von Darlehnskassenscheinen auf Beträge von 2 und 1 Mark vom 31. August 1914, RGBl. S. 393) und weiteren Scheinen zu 5 Mark sowie der Erhöhung der Ausgabemenge der Reichskassenscheine zu 10 Mark (Gesetz, betreffend die Ausgabe von Reichskassenscheinen und Reichsbanknoten zu 10 Mark, vom 22. März 1915, RGBl. S. 179), konnte auf den Druck und die Ausgabe eines Darlehnskassenscheins zu 10 Mark verzichtet werden. Der Betrag der umlaufenden Darlehnskassenscheine sowie die Bestände bei der Reichsbank schwankten während der gesamten Ausgabezeit. Bei den im Besitz der Reichsbank verbliebenen Darlehnskassenscheinen handelt es sich spätestens seit 1918 in der Hauptsache um nicht umlauffähige Scheine, also insbesondere Papiere über 50 Millionen, 10 Millionen, 5 Millionen und 1 Million Mark. Und im Geschäftsbericht der Reichsbank für das Jahr 1923 heißt es: „Der Bestand am Jahresende setzte sich fast ausschließlich aus Scheinen großer Stücklung zusammen, die handschriftlich ausgefertigt wurden und nicht Umlaufzwecken dienten.“ 2. Darlehnskassenscheine im Umlauf und im Bestand der Reichsbank In der Bekanntmachung vom 17. März 1924 (Reichsanzeiger Nr. 75 vom 28. März 1924) gab der Reichsminister der Finanzen bekannt, dass die Darlehnskassen des Reichs mit dem 30. April 1924 für den Verkehr geschlossen und aufgelöst werden. Auf die noch umlaufenden Geldscheine hatte dies keine Auswirkung, da die Scheine zu einer und zwei Mark faktisch seit Oktober 1922, die zu fünf Mark seit November 1922 und die Scheine zu 20 und 50 Mark seit Mai 1923 wertlos waren. Nach dem Geschäftsbericht der Reichsbank für das Jahr 1924 waren bei ihr noch Darlehnskassenscheine im Betrag von 221.000 RM vorhanden, die 1925 vollständig abgewickelt wurden. Uwe Bronnert Anmerkungen In den Tagen vor der Mobilmachung hatte weite Kreise der Bevölkerung erhebliche Mengen an Banknoten in Goldmünzen umgewechselt. S. hierzu Reinhold Zilich, Die Reichsbank und die finanzielle Kriegsvorbereitung 1907 bis 1914, Berlin (Ost) 1987. Die Zahl der Darlehnskassen betrug in den Jahren 1914 bis 1922 meist 99 sowie zwischen 115 und 129 Hilfsstellen. Reinhold Zilich, S. 123. Fünfzig Jahre Reichsdruckerei 1879 – 1929, Mit einem Rückblick auf den Berliner Buchdruck für Hof und Staat bis zur Begründung der Reichsdruckerei, Verfaßt und herausgegeben von der Direktion der Reichsdruckerei unter Mitwirkung von Dr. Ernst Crous, Mit zahlreichen Abbildungen in verschiedenen Druckverfahren nebst einem Wasserzeichenblatt, Berlin 1929, S. 158. Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1914. Vorgelegt in der Generalversammlung am 29. März 1915, S. 9. Franz Stocker, Diese Scheine waren der Ursprung der Hyperinflation. (01.06.2021) Gustav Prange, Das deutsche Kriegsnotgeld, Eine kulturgeschichtliche Beschreibung, Band II, Görlitz 1922, S. 31. Joh. Notzke, Das Bankgesetz und das Statut der Reichsbank in neuester Fassung mit Gesetzen, Verordnungen, Bekanntmachungen von 1876 bis heute nebst Darlehnskassen-, Rentenbank-, Golddiskontbankgesetz, Berlin 1924, S. 201. Anm. d. Verf.: Der Gesamtumsatz ist nicht gleichbedeutend mit der Kreditsumme am Jahresende, da die Laufzeit der Lombardkredite in der Regel drei Monate betrug. Gustav Prange, S. 31.
- Aus privaten Sammlungen: 20 Kuruş des Finanzministeriums des Osmanischen Reichs von 1877
Objekttyp: Staatspapiergeld Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Im Osmanischen Reich wurden ab 1840 sogenannte "Kaime" in Umlauf gegeben: Diese mit 12,5 % verzinslichen Staatsschuldscheine sollten die 1844 eingeführte Einheitswährung der Lira (1 Lira = 100 Kuruş) mit dem neuen Bimetall-System stabilisieren und verbreiten. Dies gelang jedoch nicht auf Dauer: Insbesondere im Zuge des Krimkriegs (1853–1856) wurden große Mengen an Papiergeld ausgegeben, um die enormen Kriegskosten finanzieren zu können, und verursachten so eine Inflation. 1856 wurde die Ottoman Bank gegründet; ab 1863 trieb die ehemals private und nun verstaatliche Bank ihre Geschäfte unter dem Namen "Banque Impériale Ottomane". Die ormanische Regierung stattete diese Bank außerdem mit dem Notenprivileg aus. Eine Sanierung des von In- und Auslandsschulden geplagten Staatshaushalts war inzwischen gescheitert; 1875 stand das Reich de facto vor einem Staatsbankrott. Um das Ruder der Geldpolitik wieder in eigene Hände nehmen zu können, entzog der Staat der Bank wieder das Notenprivileg und begann abermals mit der – seit Beginn des Russisch-Osmanischen Kriegs im April 1877 wieder übermäßigen – Emission von Kaime: 1876 bis 1878 wurden Staatsschuldscheine im Wert von etwa 1.800.000.000 Kuruş ausgegeben, die die Bank mithilfe eines Handstempels mit Nummern versah. Diese Papiergeldemission trug jedoch keineswegs zur ursprünglich angestrebten Stabilisierung der Wirtschaft bei: In den zweieinhalb Jahren ihrer Ausgabe verloren diese Noten bis zu 90 % ihres Wertes. Land/Region/Ort: Osmanisches Reich, Konstantinopel Emittent: Osmanisches Reich, Finanzministerium Nominal: 20 Kuruş Datum: AH 1294 = 1877 Vorderseite: Tughra des Abdülhamid II.; Legende in arabischer Schrift. Rückseite: blank; Stempel mit dem Rundsiegel des Finanzministers Yusuf Ziya Paşa mit der AH-Datierung 1294, Stempel der Banque Impériale Ottomane mit Nummer, Ort und Jahr nach der christlichen Ära in französischer Sprache. Format: 167 mm x 121 mm Material: Papier Nummerierung: 54.75760 Authentizität: Original Zitate: TUR-49b (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Die japanische 10-Yen-Banknote als Vorlage US-amerikanischer Propaganda-Scheine
Im Sommer 1945 warfen fast täglich US-amerikanische Flugzeuge über Japan Propaganda-Flugblätter ab. Wie man aus Geheimdienstberichten wusste, wurden diese Flugblätter wegen der großen abgeworfenen Menge von der japanischen Bevölkerung immer weniger zur Kenntnis genommen. Daher suchte man nach Wegen, erneut Aufmerksamkeit zu erregen. Die Idee bestand darin, Geld vom Himmel regnen zu lassen. Wer könnte dem schon widerstehen und es nicht aufheben? Das Military Intelligence Hawaiian Department unter Oberstleutnant Richardson erhielt den Auftrag, die Vorderseite der aktuellen 10-Yen-Note zu reproduzieren und die freien Rückseiten mit Propaganda-Texten zu versehen. Ziel dieser Aktion war es, Ressentiments in der japanischen Bevölkerung gegen die gegenwärtige japanische Regierung zu erzeugen und Unzufriedenheit zu schüren. Die 10-Yen-Note der Bank von Japan ist 142 x 81 mm groß und gelangte ab 21. Mai 1930 in Umlauf. Von späteren Auflagen unterscheidet sie sich durch die sieben Schriftzeichen, die mittig am oberen Rand der Vorderseite angebracht sind und den Schein als konvertible Note der Bank von Japan identifizieren. Die rechte Hälfte nimmt das Brustbild des japanischen Beamten Wake no Kiyomaro (和気清麻呂; * 733–799 in Kioto) ein, der im Jahr 769 die Thronbesteigung des buddhistischen Mönchs Dōkyō verhinderte – nach der Meiji-Restauration wurde Dōkyō gemeinsam mit zwei weiteren Persönlichkeiten der japanischen Geschichte als die Drei Bösen Japans bezeichnet, da sie gegen das Kaisertum intrigiert hatten. Die Rückseite zeigt die Haupthalle des Goō-Schreins in Kioto, in dem Wake no Kiyomaro verehrt wird. Abb. 1: Bank of Japan, o. D. (1930), 10 Yen, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: Gemeinsame Vorderseite der Propagandanote. Die Vorderseite der Propaganda-Note, die als Lithografie produziert wurde, weist die gleichen Maße wie das Original auf und ist eine sehr gelungene Nachahmung. Einziger auffälliger Unterschied ist die Farbe des Stempels des Generaldirektors der Bank von Japan, in Rot auf echten Scheinen und beim Nachdruck in Braun, der gleichen Farbe wie der Unterdruck. Alle Propaganda-Scheine tragen die Nummer 450941 und die Blocknummer 1124. Insgesamt wurden Noten mit vier verschiedenen rückseitigen Propaganda-Texten gedruckt. Jede Ausgabe ist mit einer Code-Nummer in der rechten oberen bzw. unteren Ecke gekennzeichnet: 2009, 2016, 2017 und 2034. Die Botschaft des Scheins mit der Code-Nummer 2009 fordert die Japaner auf, die Steuern mit diesem Schein zu bezahlen. Die Übersetzung des Propaganda-Aufdrucks lautet: „Zahlt mit diesem Geld Ihre Steuern. Die Militärclique (gunbatsu) verschleudert Euer Steuergeld. Das Militär vergeudet für diesen Krieg eine Unsumme von 5000 Yen pro Person. Je länger der Krieg dauert – sei es auch nur ein Tag –, umso mehr verprassen die Militaristen von Eurem Geld.“[1] Abb. 3: Rückseite der Propagandanote mit der Code-Nummer 2009. Der Schein mit dem Code 2016 wendet sich an Fabrikarbeiter. Es war bekannt, dass die Familien von Soldaten und Offizieren besondere Privilegien bei rationierten Waren genossen. Dies nutzten die Propagandisten bei der Abfassung des Rückseitentextes, um Unzufriedenheit unter den Arbeitern zu erzeugen: „Fabrikarbeiter! Bis jetzt haben Sie eine Menge Geld verdient. Aber was nützt es Ihnen? Dieser Schein steht einem 10-Yen-Schein in der Kaufkraft um nicht viel nach. Diejenigen, die sich mit aller Kraft für die Produktion von Kriegswaffen einsetzen, sind nichts anderes als Soldaten. Sie sind Soldaten der Produktion. Aber können Sie ausreichend Reis oder Bier kaufen? Sind auch Sie in der Lage, Sonderrationen zu erwerben, wie sie die Soldaten und deren Familien kaufen können?“ Abb. 4: Rückseite der Propagandanote mit der Code-Nummer 2016. Auch in Japan zeichnete die Bevölkerung Kriegsanleihen, deren Wert im Schein mit dem Code 2017 angezweifelt wird. Die Übersetzung lautet: „An das japanische Volk. Was nützt das Geld in der Bank oder die Anleihen? Wir empfehlen Ihnen, Waren des täglichen Bedarfs und solche, die Sie in der Zukunft brauchen werden, zu kaufen, weil die Waren knapp werden. Wegen der Luftangriffe werden viele Geschäfte bald ihre Türen schließen, während andere nur für begrenzte Zeit geöffnet sein werden. In diesen schwierigen Zeiten empfehlen wir Ihnen, Lebensmittel, Kleidung und Güter des täglichen Bedarfs zu kaufen. Geld allein kann den Hunger nicht stillen oder Sie kleiden. Anleihen werden Ihr Kind nicht vom Weinen abhalten. Wenn Sie umsichtig sind, werden Sie Waren kaufen, anstatt Ihr Geld zu deponieren. Dies ist die Zeit des Kaufs von Waren.“ Anmerkung der Redaktion Natürlich machten sich die US-Militärs nicht wirklich Sorgen darum, ob die Japaner auch genügend zu Essen oder an Bekleidung hatten. Mit diesem Aufruf sollte vielmehr ganz gezielt ein Kaufrausch ausgelöst werden, der zwangsläufig zu Versorgungsengpässen und damit zu wachsender Unzufriedenheit und Verunsicherung in der japanischen Bevölkerung führen sollte. Sämtliche Propaganda war natürlich Teil der sog. "Psychologischen Kriegsführung", die bereits im Ersten Weltkrieg praktiziert wurde. Der letzte Schein, der hier vorgestellt wird, hat den Code 2034 und zeigt anhand von Beispielen die inflationistischen Tendenzen in der Wirtschaft auf: „Bevor die Militärclique den Krieg in China begann, konnte man 1930 die folgenden Waren um 10 Yen kaufen: • 2 to 5 shō [etwa 45 l] guten Reis • oder Stoff für 8 Sommerkimonos • oder 4 hyō [Menge je Sack regional unterschiedlich] Holzkohle. Im Jahr 1937, nach dem Beginn des China-Zwischenfalls, konnte man mit 10 Yen die folgenden Waren kaufen: • 2 to 5 shō Reis minderer Qualität • oder Stoff für 5 Sommerkimonos • oder zwei hyō Holzkohle. Heute, nachdem Ihr drei Jahre lang einen aussichtslosen Krieg mit der größten Weltmacht geführt habt, kann man mit 10 Yen Folgendes kaufen: • 1 shō 2 gō [etwa 2,165 l] Reis von guter Qualität auf dem Schwarzmarkt • eine kleine Menge Holzkohle (wenn man sie bekommen kann) • Baumwollstoff: nichts. Dies sind die Ergebnisse der gemeinsamen Wohlstandssphäre, von der Eure Führer reden!“ Abb. 5: Rückseite der Propagandanote mit der Code-Nummer 2034. Als die US-Militärbehörde nach dem Krieg japanische Führungskräfte interviewte, wurde ihnen von diesen berichtet, dass diese Kriegspropaganda recht erfolgreich war. Uwe Bronnert Abb. 1: Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de) Abb. 2–5: Uwe Bronnert [1] Die Übersetzungen folgen US-amerikanischen Übersetzungen: Gregory Hale, The Collector’s Guide to Japanese Invasion Money, Second Edition, Albany Creek Qld. 2019, S. 16. SGM Herbert A. Friedman (Ret.), WWII Allied Propaganda Banknotes (30.03.2021).
- Nordafrika im Fokus der Deutschen Wehrmacht
Mit Anmerkungen zur 1000-Francs-Note der Banque de l‘Algerie Der italienische Diktator Benito Mussolini begründete seine Entscheidung an der Seite Hitlers am 10. Juni 1940 in den Krieg gegen Großbritannien und Frankreich einzutreten mit den zynischen Worten: „Er brauche ein paar hundert Tote, um sich an den Tisch der Sieger setzen zu können.“[1] Frankreich stand zu diesem Zeitpunkt vor dem Fall und England würde schon bald folgen, so sein Kalkül. Mussolini setzte daher große Hoffnungen auf einen Sieg über die Briten in Ägypten. Er sollte ihm nicht nur die Herrschaft über die wichtige Schifffahrtsroute durch den Suezkanal sichern und Zugang zu den Ölfeldern des Nahen Ostens ermöglichen, sondern auch ein zusammenhängendes Kolonialreich vom italienischen Libyen bis zum italienischen Ostafrika unter Einschluss von Ägypten und dem Sudan. Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung hatte Italien zwei Armeen in der Kolonie Libyen stationiert. Während die 5. Armee die Grenze zum französischen Protektorat Tunesien sicherte, überschritt am 13. September 1940 die 10. Armee mit 170.000 Mann die libysch-ägyptische Grenze. Der Vormarsch erwies sich wie erwartet als äußerst schwierig. Die zahlenmäßig hoffnungslos unterlegenen Briten zogen sich langsam zurück und verminten das hinter ihnen liegende Gelände. Dem italienischen Befehlshaber Marschall Rodolfo Graziani war bewusst, dass aufgrund von Versorgungsengpässen und der unterlegenen Feuerkraft der italienischen Panzer, die alliierten Verbände nicht zu schlagen seien. Daher ließ er seine Truppen etwa 100 km hinter der Grenze in Sidi Barrani halten und Feldbefestigungen bauen. Die Situation in Nordafrika blieb militärisch zunächst weitgehend unverändert, bis die Briten schließlich am 9. Dezember 1940 mit der Operation Compass einen Gegenangriff starteten, die italienischen Stellungen durchbrachen und dabei etwa 40.000 Gefangene machten. Geschockt traten die Italiener fluchtartig den Rückzug an. Bis Anfang Februar 1941 hatten die britischen Truppen die gesamte Cyrenaika besetzt und 130.000 Gefangene gemacht sowie 845 Geschütze und 380 Panzer erbeutet. Hitler sah sich gezwungen, dem bedrängten Verbündeten zu Hilfe zu kommen. Zwar sah die Weisung Nr. 22 vom 11. Januar 1941 zunächst nur die Aufstellung eines „Sperrverbandes“ vor, jedoch wurde schnell klar, dass dies nicht ausreichen würde, um die Niederlage Italiens abzuwenden. Anfang Februar 1941 begann das „Unternehmen Sonnenblume“. Erste Konvois mit deutschen Truppen verließen den Hafen von Neapel in Richtung Tripolis, wo sie am 11. Februar eintrafen. Am 16. Februar wurde der Stab des „Befehlshabers der deutschen Truppen in Libyen“ eingerichtet, der wenige Tage später in „Deutsches Afrikakorps“ umbenannt wurde. Obwohl die deutschen Truppen formal dem „Comando Supremo“, dem italienischen Oberkommando, unterstellt waren, lag die eigentliche Führung des „Afrikakorps“ bei Generalleutnant Erwin Rommel. Auf Anweisung Churchills wurden ab März 1941 britische Truppen zur Verteidigung Griechenlands abgezogen. In der Cyrenaika blieben nur Sicherungstruppen. Diese Schwäche nutzte Rommel. Am 24. März, noch bevor das gesamte Afrikakorps eingetroffen war, wurden die britischen Stellungen bei El Agheila durchbrochen und die Mersa-el-Brega-Stellung genommen. Am 4. April stand die deutsche Panzerspitze vor Bengasi. Das Afrikakorps setzte den Vormarsch weiter fort und erreichte eine Woche später Tobruk, wo sich mehrere australische Divisionen einigelten und sich erst nach 242-tägiger Belagerung am 7. Dezember ergaben. Die Hauptstreitmacht des Afrikakorps folgte den zurückweichenden Briten nach Ägypten. Am 30. Juni 1942 stieß man 100 Kilometer vor Alexandria bei El Alamein an die letzte britische Verteidigungslinie. Den Truppen der Achsenmächte gelang es aber nicht, diese Verteidigungsstellungen zu durchbrechen. Die alliierte Lufthoheit war so erdrückend, dass die Versorgung des Afrikakorps erhebliche Probleme bereitete. In den Monaten Juli, August und September 1941 wurden 43 Schiffe mit 150.000 Tonnen und 64 Kleinfahrzeuge des Afrikana-Nachschubs versenkt. Im Oktober erreichten 60 Prozent aller deutschen Transporte nicht ihr Ziel.[2] Nach vorübergehender Besserung kamen im Herbst 1942 nur noch vereinzelte kleine Schiffe nach Tripolis durch. Die Versorgung der Frontbesatzung wurde noch dadurch erschwert, dass die Güter auf dem Landweg über weite Entfernungen transportiert werden mussten. Es fehlte an Treibstoff, Munition und Lebensmitteln. Am 23. Oktober gingen 230.000 britische, südafrikanische, indische und neuseeländische Soldaten der 8. Armee mit über 1.200 Panzern zum Gegenangriff über. Ihnen standen knapp 100.000 deutsche und italienische Soldaten mit 550 Panzern gegenüber. Als die Briten am 2. November 1942 die deutschen Stellungen durchbrachen, verfügte Rommel gegen den Befehl Hitlers den Rückzug seiner fast völlig aufgeriebenen und erschöpften Truppen nach Libyen. Damit nicht genug. In Marokko und Algerien landeten bei der „Operation Torch“ am 8. November 1942 insgesamt 100.000 US-amerikanische und britische Soldaten, denen anfänglich französische Vichy-Truppen[3] Widerstand leisteten. Als Reaktion auf die Landung der Alliierten in Nordafrika besetzen deutsche und italienische Truppen die Süd-Zone Frankreichs (Unternehmen Anton). Bereits im November 1942 wurden mehrere deutsche und italienische Divisionen aus Frankreich und Italien nach Tunesien verlegt,[4] wo sie in der 5. Panzerarmee unter dem Befehl von General Hans-Jürgen von Arnim zusammengefasst wurden. Sie sollten den Nordwesten Tunesiens gegen die aus Westen anrückenden alliierten Truppen verteidigen. Am 23. Januar 1943 besetzten britische Einheiten Tripolis. Die zurückweichende italienische 1. Armee zog sich gemeinsam mit dem Deutschen Afrikakorps in das südliche Tunesien zurück und bezog Stellung an der Mareth-Linie, eine Befestigungsanlage die Frankreich 1936 und 1940 stark ausgebaut hatte, um das Protektorat Tunesien gegenüber der italienischen Kolonie Libyen zu schützen. Am 16. März griffen die Alliierten sowohl im Süden als auch im Westen an. Nach schweren Kämpfen mussten sich die deutsch-italienischen Verbände immer weiter zurückziehen. Am 9. Mai 1943 konnten sie ihre Stellungen nur noch auf Cap Bon und bei Enfidaville halten. Am 12. Mai kapitulierten die Reste der 5. Panzerarmee und einen Tag später auch die 1. italienische Armee. 160.000 deutsche und 90.000 italienische Soldaten gingen in Gefangenschaft, unter ihnen der Oberbefehlshaber Feldmarschall Giovanni Messe, wie auch General von Arnim. Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr erst nach der Kapitulation des Afrikakorps, dass Rommel Afrika bereits im März verlassen hatte. Die deutsche Bevölkerung sprach von einem „2. Stalingrad“ oder passend von „Tunisgrad“. Am 15. Januar 1943 hatte der deutsche General von Arnim das Kommando in Tunesien übernommen, das ab November 1942 von der Versorgung aus Frankreich weitgehend abgeschnitten war. Schon bald machte sich ein Mangel an Zahlungsmitteln höherer Nominale bemerkbar, sodass die tunesische Verwaltung in Vichy um die Erlaubnis bat, 1000-Francs-Banknoten ausgeben zu dürfen. Es ist anzunehmen, dass sich in Tunis größere Reserven an alten, bisher nicht emittierten 100 Francs-Noten der Banque de France befanden. Sie wurden mit „MILLE FRANCS“ und „BANQUE DE L'ALGERIE“ überdruckt. Die Noten sind mit einem Datum zwischen dem 5. Mai und 22. August 1892 versehen und wurden nun aufgewertet in Tunesien zwischen dem 4. Februar und 15. April 1943 in Umlauf gesetzt. Abb. 1.1: BANQUE DE L'ALGERIE, 17-5-(18)92, 1000 Francs, Vorderseite. Abb. 1.2: BANQUE DE L'ALGERIE, 17-5-(18)92, 1000 Francs, Rückseite. Der Druck der 180 x 112 mm großen Scheine ist blau und rosa. Auf der Vorderseite wurden die alten blauen Texte „BANQUE DE FRANCE“ und „CENT FRANCS“ durchbalkt und dafür zwei schwarze Aufdrucke „BANQUE DE L'ALGERIE“ und „MILLE FRANCS“ angebracht. Die links sitzende Frau symbolisiert Minerva, die rechts sitzende Abundantia, die Göttin des Überflusses. im Medaillon links ein Frauenkopf, die Industrie symbolisierend, und rechts ein Frauenkopf als Symbol für die Landwirtschaft. In der Mitte sitzt Merkur schreibend. Die oberen Ecken der Rückseite zeigen in Medaillons die Porträts von zwei jungen Frauen. In der Mitte der Rückseite eine aus drei Personen bestehende allegorische Gruppe: Göttin Fortuna zwischen einer Frau, die auf einer Garbe sitzt und die Landwirtschaft verkörpert und einem auf einem Amboss sitzenden Schmied, der für die Arbeit steht. Das Wasserzeichen zeigt links das Profil eines behelmten Kriegers und rechts das Profil einer Frau mit Haarband. Die Nummerierung ist für die Banque de France typisch. Gedruckt wurden die Serien 1 bis 84 mit jeweils einem Buchstaben des Alphabets. Die Unterschriften stammen vom Generalsekretär J. B. Billotte, dem Generalrechnungsprüfer A. Delmotte und dem Hauptkassierer V. d'Anfreville. Der Entwurf der Note stammt von Daniel Dupuis und G. Duval, die Gravur der Druckplatte von A. Leveille und L. Rousseau. Bereits im Mai 1943, nach der Rückeroberung des Protektorats Tunesien, wurden die Geldscheine wieder eingezogen. Anzumerken ist, dass es ähnliche Aufdrucke für Guadeloupe, die Banque de Madagascar (ausgegeben 1926) und die Banque de l’Afrique Occidentale gibt. Nach der Dienstanweisung für das Deutsche Afrikakorps erhielten Wehrmachtsangehörige für die Dauer ihrer Anwesenheit auf dem afrikanischen Kontinent eine tägliche Zulage zu ihrem Wehrsold. Mannschaftsdienstgrade2 RM, Unteroffiziere 3 RM und Offiziere 4 RM. Die gleiche Regelung galt auch für Wehrmachtsbeamte. Die Afrika-Zulage wurde steuerfrei gewährt und nicht auf andere Zulagen angerechnet. Da sie eine Urlaubs- und Erholungsbeihilfe darstellte, wurde sie dem Empfangsberechtigten erst nach Beendigung des Afrika-Einsatzes ausgezahlt. Im Gegensatz dazu, dürften der Sold in italienischen Münzen und Banknoten ausgezahlt worden sein. Eigene Zahlungsmittel der Wehrmacht für Libyen und Tunesien sind nicht bekannt, verwendet wurden italienische Münzen und Banknoten in Libyen bzw. die auf Francs lautende Währung in Tunesien. Bei den Kämpfen gerieten zahlreiche Soldaten der alliierten Truppen in Kriegsgefangenschaft. Sie führten häufig Geld ihres Heimatlandes mit sich. So gelangten „exotische“ Währungen zum Umtausch an die Wehrmachts-Kassendienststellen in Nordafrika. Die Hauptverwaltung der Reichskreditkassen sah sich genötigt auf die Wehrmachtskurse hinzuweisen, die im Heeresverordnungsblatt, Teil B 1942, aufgeführt waren.[5] So wurden umgetauscht: Abb. 2.1/2: Maria-Theresia-Taler, 1780 (spätere Prägung), Vorder und Rückseite. Welche Bedeutung der Maria-Theresien-Taler noch in Afrika und auf der arabischen Halbinsel hatte, zeigt die Tatsache, dass im Oktober 1941 die Auslandsabwehr beim Reichsfinanzministerium den Antrag stellte, 6.000 Taler der bereits seit dem 1. November 1858 in Österreich demonetisierten Münze in Wien prägen zu lassen. Da noch ein Bestand von 6.900 Münzen vorhanden war, erübrigte sich die Prägung. In den folgenden Wochen wurde aber heftig darüber gefeilscht, wer entsprechende Silbermengen an die Münze zu erstatten habe; auch über die Höhe der Prägekosten wurde gestritten. „Am 31. Dezember 1941 übersandte das Hauptmünzamt dem Reichsfinanzministerium eine Rechnung über 6.033,63 Reichsmark, die sich aus 5.404,86 Reichsmark für Silber, 20,77 Reichsmark für Kupfer, nur 600,- für Prägekosten und 10,- Reichsmark für Verpackung zusammensetzten. Am 22. Januar 1942 präsentierte das Ministerium dem OKW die Rechnung und ersuchte es, diese in Wien direkt zu begleichen.“[6] Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Christian Zentner (Hrsg.), Der Zweite Weltkrieg; Daten, Fakten, Kommentare, Rastatt 1994, S. 153. [2] Ebenda, S. 162. [3] Mit dem Waffenstillstand von Compiègne, der am 22. Juni 1940 in Compiègne unterzeichnet wurde, wurde De-facto Frankreich in einen unter deutscher Militärverwaltung stehenden Nord- und Westteil sowie einen unbesetzten Südteil (etwa 40 % der Landesfläche) mit Vichy als Sitz der französischen Regierung geteilt. Diese Regierung erhob grundsätzlich den Anspruch, weiterhin für ganz Frankreich einschließlich der Überseegebiete zuständig zu sein. Die Vichy-Regierung unter Marschall Philippe Pétain war um eine Neutralität Frankreichs zwischen den kriegführenden Parteien bemüht. Im Gegensatz dazu rief General Charles de Gaulle von London aus zum Kampf gegen die deutschen Besatzer und die Vichy-Regierung auf. Ende Juli 1940 bildet er die Forces françaises libres. [4] Zwischen dem 8. und 10. November 1942 zogen sich die vichy-französischen Streitkräfte in Tunesien unter Kommando von General Georges Barré an die algerische Grenze zurück und überließen den Deutschen kampflos das Land. Erst nach entsprechenden Befehlen des Generals Juín, nahm die Tunesienarmee, das sog. 19. Korps, mit ca. 60.000 Mann den Kampf gegen die deutschen und italienischen Truppen auf. [5] Bundesarchiv Berlin, Aktenbestand R29/260. TAO 2/43. [6] Konrad Schneider, Die Ausprägung von Mariatheresientalern im Auftrag des Oberkommando der Wehrmacht für Zwecke der Auslandsabwehr im Winter 1941/42 und ihre Vorgeschichte, in: Hamburger Beiträge zur Numismatik, Heft 30/32, 1976/78, hrsg. Von Walter Hävernick und Gert Hatz, S. 204. Literatur: Grabowski, Huschka und Schamberg, Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Regenstauf 2006. Maurice Muszynski und Maurice Kolsky, Les Billets du Maghreb et du Levant, Volume 11, Collection Histoire du Papier monnaie Français, Monaco 2002. Zum Buch ...
- Anatomie der tibetischen 100-Srang-Note
Das Papiergeld Tibets ist möglicherweise das schönste und kunstvollste unter dem des 20. Jahrhunderts. Es stellt eine einzigartige Mischung aus der Kunstfertigkeit des Druckers und einer langen Tradition der tibetischen Malerei dar. Die hier abgebildete undatierte 100-Srang-Note, die wie ein bunter Wandteppich daherkommt, entführt uns in die geheimnisvolle und exotische Welt Tibets. Sowohl die Schrift[1] wie auch die Darstellungen sind uns fremd und unverständlich, voller mystischer Symbole. Abb. 1: Vorderseite der 100-Srang-Note, Format: ca. 205 x 143 mm. Abb. 2: Rückseite der 100-Srang-Note. Bevor dieser Geldschein genauer betrachtet wird, scheint es sinnvoll zunächst einen kurzen Blick auf das Land und seine Geschichte zu werfen. Die zentralasiatische Region Tibet, auch das Dach der Welt genannt, wird im äußersten Süden von einem großen Teil des Himalayas, im Westen vom Karakorum, im Norden von der Altun-Qilian-Kunlun-Kette und im Osten vom Hengduan Shan begrenzte. Das Hochland liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 4500 Metern. Schon vor dem 7. Jahrhundert entwickelte sich in dieser abgeschiedenen Region eine eigenständige Kultur. Mitte des 13. Jahrhunderts geriet das Hochland unter die Herrschaft Kublai Khans und in den Einzugsbereich des chinesischen Vielvölkerstaates. Infolge der chinesischen Revolution im Oktober 1911 und dem Sturz der Qing-Dynastie proklamierte am 14. Februar 1913 der 13. Dalai Lama, Thubten Gyatsho,in Lhasa die staatliche Unabhängigkeit. Die buddhistische Religion bestimmte das Leben der von der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung. Die damalige feudalistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung erinnert an die des europäischen Mittelalters. Meist wurden Waren gegen Waren getauscht. Wenn dies z.B. bei größeren Transaktionen nicht möglich war, wurden die Waren mit Silbermünzen oder -barren bezahlt. Banknoten fanden in Tibet erst relativ spät Eingang, obwohl das Land mehr als 1.000 Jahre lang in Kontakt mit China stand, wo das Papiergeld bereits seit Jahrhunderten genutzt wurde. Als 1912 die ersten Banknoten zu 5, 10, 15, 25 und 50 Tam (auch Tamka, Tramka, Tangka oder Tranga genannt) in Tibet in Umlauf gegeben wurden, betrachtete die Mehrheit der analphabetischen Bevölkerung diese Zahlungsmittel mit großem Misstrauen. Die Scheine wurden zunächst ausschließlich mit schwarzer Tinte mit gravierten Holzplatten # (Xylographie) gefertigt. Erst im Jahr 1926 wurden mehrfarbige 50-Tam-Schein gedruckt. Hierbei verwendete man für jede Farbe einen eigenen Druckstock. Ab 1941 wurde die Tam- durch die Srang-Währung ersetzt.[2] 7 ½ Srang entsprachen 50 Tam oder 1 Srang 6 ⅔ Tam. Zur Ausgabe gelangten Scheine zu 5, 10, 25 und 100 Srang. Nach dem Tod des 13. Dalai Lama im Dezember 1933 geriet Tibet in eine Phase der politischen Instabilität und war viele Jahre lang ohne verantwortungsvolle Führung. Waren die ersten tibetischen Banknoten in streng kontrollierter Anzahl ausgegeben worden und bis zu einem gewissen Grad durch Gold gedeckt, so scheint es, dass diese beiden Vorsichtsmaßnahmen bereits nach der Eröffnung der Notendruckerei und Münzanstalt „Trabshi Lekhung“, die 1932 ihren Betrieb aufnahm, weitgehend aufgegeben wurden. Geldscheine wurden in immer größerer Zahl ausgegeben, um den Staatshaushalt zu decken. Die Inflation nahm besonderes nach Ausgabe der 100-Srang-Noten zu. Der Preis für Gerste, das tibetische Grundnahrungsmittel, lag 1959 zwanzigmal höher als 1936. Nach chinesischen Schätzungen wurden in Trabshi Lekhung zwischen 1932 und März 1959 Münzen und Banknoten im Nennwert von 200 Millionen Srang produziert, dabei entfielen ungefähr 135 Millionen Srang auf das höchste Nominal, die 100-Srang-Note. Die tibetischen Geldscheine bestanden ursprünglich aus drei Lagen Papier, die nach dem Druck der einzelnen Papierbögen zusammengeklebten wurden. Die mittlere Lage nahm dabei einen aufgedruckten Text auf. Die 100-Srang-Note besteht dagegen nur noch aus zwei Lagen, wobei auf der Innenseite eines Blattes die zweizeilige Sicherheitslegende in schwarzer Farbe gedruckt wurde. Wird der Schein gegen eine starke Lichtquelle gehalten, wird das „schwarze Wasserzeichen“ sichtbar. Es bedeutet: „Der Palast der Regierung von Tibet, gekennzeichnet durch den Himmel, der in allen Richtungen völlig siegreich ist“. Wie es scheint, wurden zu Beginn der chinesischen Besatzung einige 100-Srang-Noten ohne sie ausgegeben. Dabei handelte es sich wohl nicht um Fälschungen, sondern um Banknoten, die außerhalb der offiziellen Kanäle in Umlauf gebracht wurden. Das Papier der Srang-Ausgaben wurde in der Nähe von Lhasa in einer speziellen Papierfabrik mit dem Namen „Jing-Dong“ produziert. Es wurde ausschließlich für die Banknoten verwendet und sein Verkauf an Privatpersonen war verboten. Die monatliche Papierproduktion wird auf 500 Kisten geschätzt, von denen jede zwischen 500 und 1.000 Blatt Papier enthielt. Als Rohmaterial des Papiers verwendete man Seidelbaststräucher, nämlich „Daphne papyracea“ sowie die giftige „Daphne bholua“, sie sollte den Papierfraß durch Insekten und Ratten verhindern. Generell ist festzustellen, dass das für die Srang-Banknoten verwendete Papier viel dünner ist, als das für die frühen Tam-Banknoten. In den späteren Jahren der Srang-Ausgaben wird es tendenziell noch dünner, offensichtlich wollte man mit der gleichen Menge an Rohmaterial Papier eine größere Anzahl von Banknoten gherstellen. Die 100-Srang-Noten wurden mit importierten Druckmaschinen aus Britisch-Indien und Metalldruckstöcken gedruckt. Auch weiterhin wurde für jeden Farbton ein eigener Druckstock verwendet. Die Hauptthemen der tibetischen Noten sind religiöser Natur und spiegeln die Kultur des Landes wider. Auf diese uns fremde Welt soll nun näher eingegangen werden. Dabei dienen die Ziffern und kleinem Buchstaben im Kreis des folgenden Textes der Kommentierung der abgebildeten 100-Srang-Note. Abb. 3: Kommentierte Vorderseite der 100-Srang-Note. Abb. 4: Kommentierte Rückseite der 100-Srang-Note. Die Vorderseite der Note ist dreifarbig - Rot, Schwarz und Gelb. Der rote Außenrahmen ① ist mit einem Rautenmuster verziert, in dessen Rauten sich kleine Hakenkreuze befinden. Die Swastika ⓐ, die sich die Nationalsozialisten für ihre Zwecke aneigneten, sind ein altes buddhistisches Symbol für „gutes Omen“ oder „Erlösung“. Der erste innere Rahmen ② zeigt abwechselnd acht heilige Glückssymbole („ashtamangala“), die die tibetischen Buddhisten in Haushalt und öffentlicher Kunst verwenden: Das rechtsdrehende weiße Schnecken-hornⓑ, ist eigentlich ein Musikinstrument. Ruft der Mönch in das Gehäuse, so entsteht der tiefe, melodiöse, durchdringende und allgegenwärtige Laut, wie er in den buddhistischen Klöstern zu hören ist. Genauso wie sich dieser Ton in alle Richtungen verbreitet, so breitet sich der Ruhm der Lehre Buddhas in alle Himmelsrichtungen aus. Die Schnecke steht für ethisches Wissen und Moral. Der endlose Knoten ⓒ spiegelt die Unendlichkeit der Lehre Buddhas wider und die endlose Wiedergeburt, denen der Mensch ausgesetzt ist. Daneben repräsentiert er Kontinuität bei weltlichen Dingen, wie z. B. Freundschaft oder Liebe. Die zwei Goldfische ⓓ symbolisieren Glück, Reichtum und Fruchtbarkeit. Die heilige Lotusblume ⓔ steht für die ursprüngliche Reinheit von Körper, Sprache und Geist. Das Banner ⓕ steht für den Sieg des Buddhismus über die Unwissenheit, des Guten über das Böse. Die Schatzvase oder Urne der Weisheit ⓖ steht für Gesundheit, Langlebigkeit, Wohlstand, Fülle, Weisheit und das Phänomen des Raums. Das Rad ⓗ ist von besonderer Bedeutung. Die acht Speichen stehen für den „Edlen Achtfachen Pfad“, den Buddha als praktische Anleitung verkündete, wie man Weisheit erlangt und Unwissenheit überwindet. Der juwelenbesetzte Sonnenschirm ⓘ repräsentiert den Schutz von Lebewesen vor schädlichen Einflüssen und Krankheit. Einzigartig macht die Scheine die Tatsache, dass sie von Hand nummeriert wurden. Diese Tätigkeit erforderte eine spezielle Fachausbildung in Kalligrafie. Die Kopisten wurden innerhalb des Potala von einem Amt namens „e-khang“ ausgebildet. Dort wurde das kalligraphische Schreiben von Regierungsdokumenten erlernt. Jemandem, der nicht über diese Spezialausbildung verfügt, ist es beinahe unmöglich die auf den Noten geschriebenen Ziffern exakt nachzuahmen. Fälschungen lassen sich deshalb anhand einer laienhaften Schreibweise der Kontrollnummern leicht enttarnen. Die schwarzen Nummern ③ befinden sich in der oberen linken und unteren rechten Ecke des ersten inneren Rahmens. In den beiden oberen Ecken des zweiten inneren Rahmens befinden sich die Währungs-bezeichnung „Srang“ ④ und in den unteren Ecken die Wertangabe „100“ ⑤ in tibetischen Ziffern. Zwischen den Währungsbezeichnungen sowie den Wertangaben die folgenden Texte ⑥: Die Übersetzung lautet: „Papiergeld des 16. Rab-byung[3], der doppelten religiösen und zivilen Macht des Palastes des siegreichen Dga'ldan[4] in allen Himmelsrichtungen. Vom Himmel erwählt“. Die Abbildung ⑦ in der Mitte des Scheins zeigt zwei Schneelöwen, das nationale Symbol Tibets, mit einer Obstschale. Der Schneelöwe ist ein allegorisch-mythologisches Tier des tibetischen Buddhismus. Neben dem schlangetötenden, halb mensch-, halb adlergestaltigen Reittier, dem Garuda, dem Drachen und dem Tiger, gehört er zu den vier Würden der vier Himmelsrichtungen. Das Garuda symbolisiert Weisheit, der Drache sanftmütige Macht, der Tiger Zuversicht und Vertrauen und der Schneelöwe furchtloses Glück. Der Schneelöwe wird der Himmelsrichtung Osten und nach der buddhistischen Fünf-Elemente-Lehre dem Element Erde zugeordnet.[5] Auf der vertikalen Seite des innersten Rahmens findet sich links ein rundes, rotes Siegel ⑧, das die Autorität des XIV. Dalai Lama symbolisiert. Das schwarze, rechteckige Siegel dagegen steht für das Schatzamt ⑨. Es hat eine lesbare Inschrift. Die Quadratschrift wird auch Phagspa-Schrift genannt, die mit „Jede Daseinsform vermehrt das Gute“ oder „Eine friedvolle Regierung bringt Wohlstand hervor“ übersetzt werden kann. Beide Siegel wurden in einer Zeremonie angebracht. Erst dadurch wurde das Papier zu Geld. Die Rückseite weist fünf Farben auf: rot, gelb, grün, blau und rosa. Beherrscht wird die Rückseite durch ein großes Bild, das in der tibetischen Ikonographie die „Sechs Gefährten der Langlebigkeit“ symbolisieren. In der Mitte ein alter, heiliger Mann ⑩ unter einer Linde auf dem Boden sitzend, schräg hinter ihm hockt ein kleiner Jüngling ⓙ. Der Heilige hält eine magische Flasche ⓚ in der Hand, die die Düngung der Erde symbolisiert; die zwei Fledermäuse ⓛ in den oberen Ecken verheißen Glück. Rechts unterhalb der heiligen Männer zwei Hirsche ⓜ, die Wohlstand verheißen. Die zwei Kraniche ⓝ am linken Bildrand stehen für Langlebigkeit. Der Hintergrund des Heiligen ist mit einer Landschaft aus Bergen, Wasserfall ⓞ und Wolken ausgefüllt. Der Wasserfall steht als Sinnbild für den Strom des Lebens. Ein blauer „Punkt“ ⓟunterhalb der rechten Fledermaus, der wie zufällig aufgedruckt erscheint, ist als weiteres Sicherheitsmerkmal anzusehen. Der rote äußere Rahmen ist der gleiche wie auf der Vorderseite: Rauten mit Hakenkreuzen ⓐ. Der innere grüne Rahmen ⑫ ist mit einem Blumenmuster bedruckt, an den vertikalen Seiten des Rahmens ist eine Inschrift in Quadratschrift ⑬ angebracht. Diese sigilläre Texte lauten übersetzt „Palast der Dga’ldan“ (links) und „Siegreich in allen Richtungen“ (rechts). Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und Gründung der Volksrepublik China unter Führung von Mao Tse-tung im Oktober 1949 erwachte der chinesische Anspruch auf Tibet erneut. 1950 marschierte die chinesische Armee in das Land ein und am 23. Mai 1951 unterzeichneten Vertreter Chinas und Tibets das sog. 17-Punkte-Abkommen, mit dem Tibet zur „Autonomen Region Chinas“ wurde. Das Abkommen garantierte die Rechte und die Würde des Dalai Lama als geistliches Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. Acht Jahre nach Unterzeichnung der Vereinbarungen begann der sogenannte Tibet-Aufstand. Auslöser war eine Einladung des Dalai Lama zu einer Theateraufführung in einem chinesischen Militärlager außerhalb der Hauptstadt Lhasa, die das geistige und politische Oberhaupt der Tibeter jedoch ohne Leibwächter besuchen sollte. Viele Tibeter fürchteten wegen der bestehenden Spannungen eine Verhaftung und Verschleppung des Dalai Lama. Am 10. März 1959 kam es zu Massenprotesten. China behauptete, dass es sich bei den Demonstrationen um einen von der tibetischen Führung organisierten Aufstand handelte und zog Truppen der Volksbefreiungsarmee zusammen. Am 17. März, eine Woche nach Ausbruch der Proteste, floh der 14. Dalai Lama nach Dharamsala in Indien. Hier nahm die tibetische Exilregierung ihren Sitz. Die tibetischen Banknoten wurden zusammen mit den tibetischen Münzen im August 1959 demonetisiert; dieses Datum markiert auch das Ende der kurzen Geschichte der tibetischen Papierwährung. 50 Srang wurden von den Chinesen in einen Yuan Renminbi umgewechselt. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die tibetische Schrift gehört zu den indischen Schriften. Wie diese, ist sie eine Zwischenform aus Alphabet- und Silbenschrift, eine sog. Abugida. Durch ihre Silbenstruktur unterscheidet sie sich aber grundlegend von den anderen indischen Schriften. Die tibetische Schrift wird hauptsächlich zur Schreibung der tibetischen Sprache in Tibet, des Dzongkha in Bhutan sowie des Bhoti im indischen Unionsterritorium Ladakh verwendet. Sie ist die Schrift, in der die heiligen Texte der tibetischen Buddhisten abgefasst sind. https://de.wikipedia.org/wiki/Tibetische_Schrift (01.09.2021) [2] Der Tam (auch Tangka, Tamka, Tamba) wurde von Nepal aus übernommen. Das Gewicht entsprach ursprünglich 10,5 g Silber. 1914 entsprach 1 Tam ca. 0,12 US-Dollar. Der Srang war ursprünglich eine Gewichtseinheit, die dem chinesischen Tael entsprach und knapp über 37 g wog. 1908 wurde erstmals ein Silber-Srang geprägt, der jedoch nur die Hälfte des Gewichts hatte, nämlich ca. 18,65 g. (28.08.2021) [3]„Der Rab-byung-Zyklus ist ein Sechzig-Jahres-Zyklus indischer Herkunft, auch als (Sanskrit) Brhaspaticakra bezeichnet. Dieser Sechzig-Jahres-Zyklus entstand in Tibet durch Übernahme der indischen „Telinga Jahreszählung“, wobei das Jahr 1027, welches in Tibet das 1. Jahr im 1. Rab-byung-Zyklus ist, mit dem 1. Jahr des 70. Zyklus der Telinga-Zeitrechnung gleichzusetzen ist. Der Rab-byung-Zyklus wurde mit der Übersetzung des Kalacakratantra (Zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts) in Tibet bekannt. Zu Datierungszwecken wurde er aber erst viele Jahrhunderte später verwendet.“ (01.09.2021) [4] Der Text nimmt Bezug auf eines der geistigen Zentren der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus. Dga’ldan ist eines der „Drei Großen Klöster“ Tibets. [5] Der Buddhismus kennt die Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Leere. Literatur: Wolfgang Bertsch: A Study of Tibetan Paper Money with a Critical Bibliography, Dharamsala 1997. Wolfgang Bertsch: The Currency of Tibet, A sourcebook for the Study of Tibetan Coins, Paper Money and other Forms of Currency, Dharamsala 2002. Maurice Muszynski: Anatomie d’un Billet Tibetain, in: pm Magazine, Bulletin de l’Association Française pour l'Etude du Papier-monnaie, No. 7, Janvier 1996.
- „Corona-Fünfziger“
Vor einigen Tagen war ich mit meinem Hund im Wald unterwegs. Immer Ausschau haltend nach interessanten Fotomotiven sah ich an einem Schild einer Wegmarkierung etwas, das ganz nach einer 50-Euro-Banknote aussah. Hatte hier in der Nähe etwa ein Wanderer den Geldschein verloren und ein ehrlicher Finder hatte diesen dort befestigt? Oder machten Kinder einen Schabernack mit einer Imitation und beobachteten aus einem sicheren Versteck die Reaktion der Erwachsenen? Natürlich war meine Neugierde geweckt. Obwohl ich nur einen Teil des Scheins sah, kamen mir beim Näherkommen Zweifel ob seiner Echtheit. Also zog ich ihn vorsichtig aus der Haltung heraus. Ich staunte nicht schlecht, als ich mir das Druckerzeugnis genauer ansah. Hielt ich doch eine waschechte Blüte in der Hand. Abb. 1.1: Blüte, 50 Millionen Coronen, Vorderseite. Abb. 1.2: Blüte, 50 Millionen Coronen, Rückseite. Abb. 2.1: EZB, 2017, 50 Euro mit der Unterschrift der EZB-Präsidentin Lagarde, Vorderseite. Abb. 2.2: EZB, 2017, 50 Euro mit der Unterschrift der EZB-Präsidentin Lagarde, Rückseite. Die Vorderseite war einer echten 50-Euro-Note gut nachempfunden, zeigte andererseits aber auch erhebliche Unterschiede. Statt Euro steht dort „FÜNFZIG MILLIONEN CORONEN“ und an Stelle der Europa-Flagge und der Unterschrift der EZB-Präsidentin Lagarde befindet sich das Konterfeit und die Unterschrift von Bill Gates; darunter klein sechszeilig „DARK WINTER . ATLANTIC / STORM . CLADE X . ID 2020 / EVENT 201 . THE GREAT RESET / GLOBAL GOVERNANCE / ERKLÄRUNGEN HIERZU / WWW.CORONEN.ORG“. Die den Schein dominierende Abbildung, das Renaissance-Fenster, weist zerbrochene Glasscheiben auf und die umgebenden Sterne wurden durch Abbildungen von Corona-Viren ersetzt. Der rechte Streifen mit den Porträt-Hologramm wird angedeutet und enthält von oben nach unten die Kopfbilder des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der Bundeskanzlerin Angela Merkel, des Chefs der Virologie an der Charité Christian Drosten sowie des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, in der Mitte dreizeilig „Sind sie / wirklich / für uns da?“. Schließlich werden am linken Rand nicht die Abkürzung für Europäische Zentralbank in verschiedenen Sprachen angegeben, sondern „NWO IWF UNSC NATO G7 WTO WEF CFR WHO GAVI BLACKROCK FB ALPHABET AMAZON ZOOM“. Auf der Rückseite werden unter der beschädigten Renaissance-Brücke die drei Affen (nichts sehen – nichts hören – nichts sagen) mit Mundschutz abgebildet. Statt des €- Zeichens in der oberen linken Ecke „C“ und des Durchscheinregisters mit dem Kopf Europas, das Brustbild des SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach. In der rechten Ecke wird die Wertangabe EURO durch „MILLIONEN / CORONEN / Coronen bestellen unter / www.coronen.org“ ersetzt. Als Kennziffer wird „ZC1933-1984-2020“ angegeben und auf dem „Schaurand“ „FÜR WAHRHEIT / UND GERECHTIGKEIT“. Zusätzlich nennt der Schein eine Anzahl von Internet-Adressen: www.corona-ausschuss.de, www.corona.org, www.swprs.org, www.wodarg.de, www.nichtohneuns.de und www.reitschuster.de“. Mein Verdacht, dass ich hier einen Propaganda-Flyer von Impfgegnern in Händen hielt, wurde bestätigt, als ich die angegebenen Internetseiten aufrief. Die hier dargebotenen Berichte reichen von besorgten Fragen über kaum nachprüfbare Behauptungen und Falschmeldungen bis hin zu absurden Verschwörungstheorien, wie z. B. um die Person Bill Gates. Danach soll die Bevölkerung aufgrund ihrer Angst vor dem Corona-Virus dazu gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Geldgierige Geschäftsleute rund um Microsoft-Gründer Bill Gates injizieren auch gleich einen winzigen Mikrochip in den Körper, um die „totale Kontrolle“ über die Menschen zu erhalten. Als Beweis für ihre Behauptungen, dass das Covid-Virus durch Regierungsstellen freigesetzt wurde, ziehen Impfgegner gerne einige Planspiel heran, die in den USA durchgeführt wurden. Clade X ist die Bezeichnung des Wirkstoffs in einem danach benannten pandemischen Planspiel im Mai 2018 vom Center for Health Security der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Simuliert wurde eine Atemwegserkrankung durch ein Laborvirus. Die Simulation geht von 900 Millionen Toten aus. Andere Quellen sprechen von 150 Millionen Toten. Es war das vierte Planspiel von fünf dieser Art. Im Pandemie-Planspiel „Dark Winter“, das am 22. und 23. Juni 2001 vom Johns-Hopkins-Center for Civilian Biodefense Strategies zusammen mit dem Center for Strategic and International Studies, dem Analytic Services Institute for Homeland Security und dem Oklahoma National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism durchgeführt wurde, simulierten die Forscher eine Pockenepidemie, die von unbekannten Angreifern ausgelöst wurde. Um ähnliche Szenarien ging es auch in anderen Planspielen: Atlantic Storm (2005), SPARS Pandemic 2025-2028 (2017) oder Event 201 (2019). Das Misstrauen gegenüber der deutschen Regierung drücken die Impfgegner nicht nur durch den Aufdruck im Streifen mit den Porträt-Hologramm „Sind sie wirklich für uns da!“ aus, sondern auch in der Angst, dass der Staat Freiheitsrechte beschneidet. Die Kennnummer „ZC1933- 1984-2020“ symbolisiert dies deutlich: 1933 Machtübernahme Hitler und Errichtung des Dritten Reiches; 1984 steht für den totalitären Überwachungsstaat (im Roman von George Orwel); und 2020 deutet auf die Beschränkungen durch die Corona-Gesetzgebung hin. Egal wie man zu den Impfgegnern steht, die Blüte erregt Aufmerksamkeit. Bleibt zum Schluss noch anzumerken, dass sich neben den 50-Millionen-Coronen-Scheine auch 20-Millionen-Coronen-Scheine im Stil der 20-Euro-Note im Angebot der Corona-Leugner befinden, das Bündel zu 100 Stück zum Preis von fünf Euro. Das Porto ist im Preis bereits eingeschlossen. Uwe Bronnert
- KdF-Sparer fordern Vertragserfüllung – Certifikat der Arbeits- und Interessengemeinschaft
Im Herbst 2015 wurde bekannt, dass bei bestimmten VW-Dieselmotoren eine Software eingebaut war, die den Ausstoß von Stickoxid nur auf dem Prüfstand senkt, nicht aber im Straßenverkehr. Rund um den Globus gab es mehrere Gerichtsverfahren. VW musste in der Folge Entschädigungszahlungen sowie Gerichtskosten von rund 32 Milliarden Euro leisten. Für den Weltkonzern aus der niedersächsischen Provinz ist das kein Novum. Schon in seinen frühen Jahren musste Volkswagen sich mit Forderungen Hunderttausender Kunden auseinandersetzen, die allerdings nie einen VW besessen hatten. Begonnen hatte alles in den 1930er Jahren. Schon 1930 beschäftigte sich der Reichsverbandes der Deutschen Automobilindustrie (RDA) mit dem Projekt, ein kostengünstiges Auto zu fertigen. Im März 1934 propagierte Adolf Hitler dann anlässlich der Eröffnung der Automobilausstellung das Auto für Jedermann und beauftragte den Konstrukteur Ferdinand Porsche mit der Planung eines Fahrzeugs, das nicht mehr kosten sollte als ein mittleres Motorrad. Schon 1935 fuhren die ersten luftgekühlten Prototypen des Volkswagen zu Testzwecken auf Deutschlands Straßen. Im Mai 1937 wurde die „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens“ (Gezuvor) gegründet und ein Jahr später, am 26. Mai 1938, legte Hitler im Rahmen einer aufwendigen Einweihungsfeier den Grundstein für das Volkswagenwerk in Wolfsburg. Träger des gesamten Projekts war die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF), eine Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF), die 50 Millionen Reichsmark zur Verfügung stellte. Dieses Geld stammte fast ausschließlich aus dem beschlagnahmten Vermögen des ehemaligen „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes“ (ADGB). Abb. 1: Titelseite der Werbeschrift „Dein KdF-Wagen. Ab 1. August 1938 wurde der KdF-Wagen, wie er nun hieß, mit dem Slogan „5 Mark die Woche mußt du sparen, willst du im eigenen Wagen fahren!“ beworben. Das Serienmodell sollte 990 RM, die Cabrio-Limousine 1050 RM kosten, hinzu kamen 200 RM für eine zweijährige Kasko- und Haftpflichtversicherung sowie 60 RM für den Transport zur jeweiligen Gau-Hauptstadt des Käufers. Der Prototyp des Volkswagens war 4,20 Meter lang, 1,55 Meter breit und hoch und bot Platz für vier Erwachsene und ein Kind. Das Auto hatten einen Vierzylinder-Boxermotor, der im Heck des Wagens untergebracht war. Die Zylinder arbeiteten im Viertakt und hatten einen Hubraum von 986 ccm. Bei einer normalen Drehzahl von 3000 p. M. leistete der Motor 23,5 PS, das entsprach einer Reisegeschwindigkeit von 100 km/h; der Verbrauch lag bei sechs bis sieben Liter auf 100 Kilometer (Angaben nach der Werbebroschüre „Dein KdF-Wagen). Bezahlt werden sollte das Auto durch Sparraten von wöchentlich mindestens 5 RM. Zum Nachweis der Sparraten mussten Marken, die von den örtlichen Dienststellen der KdF ausgegeben wurden, auf besondere KdF-Wagen-Sparkarten geklebt werden. War eine Karte voll, d.h. 250 RM angespart, gab es eine neue, bei der dritten die Gaubestell- und bei der vierten die Reichsbestellnummern, die vom VW-Werk ausgegeben wurden. In der Reihenfolge der Reichsbestellnummern sollten die Wagen dann ausgeliefert werden. Das von den Sparern eingezahlte Geld wurde treuhänderisch von der Deutschen Arbeitsfront verwaltet. Entgegen der offiziellen Propaganda kam der KdF-Wagen nicht als ein „Volkswagen“ für die Arbeiterschaft in Betracht. Bei den KdF-Sparern handelte es sich überwiegend um vergleichsweise gut situierte Mittelständler. Facharbeiter, deren Tariflöhne damals bei weniger als 80 Pfennig/Stunde lagen, konnten es sich nicht leisten, jede Woche für 5 RM Sparmarken zu erwerben. Ende 1939 sparten bereits 273.000 Kaufinteressenten für einen KdF-Wagen. Ende Dezember 1944 betrug die gesamte Sparsumme 268 Millionen RM bei 336.638 Sparern (Oktober 1944). Abb. 2: KdF-Wagen-Sparkarte. Abbildung aus: „Dein KdF-Wagen", S. 26. Abb. 3: Sparmarke über 5 RM für KdF-Wagen, Deutsche Arbeitsfront. Nach dem Willen des Führers sollten innerhalb weniger Jahre mindestens 6.000.000 KdF-Wagen auf den Straßen des Deutschen Reichs unterwegs sein und innerhalb von zehn Jahren sollte jeder arbeitende Deutsche einen Volkswagen besitzen. Doch es sollte alles anders kommen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Fertigung des KdF-Wagens als ziviler Pkw zugunsten militärischer Fahrzeuge eingestellt. Kübelwagen Typ 82, Kommandeurswagen Typ 87 und Schwimmwagen Typ 166 basierten allesamt auf dem KdF-Wagen. Keiner der KdF-Sparer konnte für sein Guthaben ein Fahrzeug in Empfang nehmen. Die 630 bis dahin produzierten zivilen Autos wurden an das Deutsche Afrikakorps, die Luftwaffe und zivile Dienststellen ausgeliefert. Nach dem Krieg forderten die ehemaligen Sparer Vertragserfüllung vom VW-Werk. Deren Geschäftsleitung lehnte dies jedoch mit dem Hinweis ab, dass nicht sie, sondern die KdF-Organisation der Vertragspartner gewesen sei. Auch habe das VW-Werk keine Zahlung erhalten. Abb. 4: Certificat der Arbeits- und Interessengemeinschaft, o. D., 5 DM / Dollarmark, Vorderseite, Größe: 122 x 76 mm Abb. 5: Certificat der Arbeits- und Interessengemeinschaft, o. D., 5 DM / Dollarmark, Rückseite. Auf der Rückseite des hier vorgestellten Dollarmark-Zertifikats ist folgender Text aufgedruckt: Mahnung Das Volkswagenwerk Wolfsburg-Fallersleben wurde mit Hilfe der Kreditstütze der Volkswagensparer, welche 1945 zu einem Kapitalbetrag von 302 Millionen Reichsmark angewachsen war, errichtet zu dem Zweck, einen Volkswagen zum Preise von ca 1000 Mark auf den deutschen Markt zu bringen und die mit den Volkswagensparern abgeschlossenen Verträgen zu erfüllen. Technische Gutachten ergeben, daß auch heute dieser Preis in DM nicht überschritten zu werden brauchte. Die Sparer sind ihren Pflichten aus den auf Treu und Glauben mit dem Werk abgeschlossenen Verträgen nachgekommen. Durch Nichteinhaltung der gegebenen Lieferversprechen, Preissteigerung und Mißbrauch der Spargelder wurde der Sparer um die Lieferung seines angesparten Volkswagens betrogen. Dieser Betrug ist wieder gutzumachen. Jeder, der für diese Wiedergutmachung eintritt, ist berechtigt, dieses Certificat zu erwerben. Unterschrift und Anschrift des Geschädigten Das Certificat ist ohne diese Unterschrift ungültig. Leider findet sich auf dem Schein keine Ortsangabe und auch die Unterschrift ist nicht zweifelsfrei zu entziffern, sodass eine Zuordnung zu einem der vielen Hilfsverein nicht möglich ist. Auch das verwendete Wappen hilft nicht weiter. Erst im Oktober 1961 endete der zwölfjährige Rechtsstreit, der durch neun Instanzen ging und den Bundesgerichtshof in Karlsruhe viermal beschäftigte. Der 66jährige Rentner Karl Stolz aus dem sauerländischen Dorf Erlinghausen und sein Mitstreiter Rudolf Meichsner erklärten sich schließlich bereit, den Vergleichsvorschlag des Karlsruher Senatspräsidenten Dr. Kurt Padendarm anzunehmen; und auch der VW-Chef Heinz Nordhoff war des Prozessierens müde. Unter dem Titel „Nordhoff zahlt“ berichtete die Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ in Heft 44/1961 über einen gerichtlichen Vergleich zwischen der Volkswagen AG und einem Verein aus dem Hochsauerland. Danach erhielten Sparer, die mehr als 750 RM angespart hatten, die Möglichkeit, einen Volkswagen mit 1,2-Liter-Motor 600 DM unter dem Listenpreis zu erwerben. Bei Kaufverzicht sollten 100 DM bar ausgezahlt werden. Wer mehr als 500 RM angespart hatte, erhielt einen Rabatt beim Kauf von 450 DM bzw. 75 DM bar usf. Im Gegenzug konnte VW-Chef Nordhoff nun über das Arbeitsfront-Konto 21 706 bei der ehemaligen Bank der Deutschen Arbeit verfügen. Auf ihm waren knapp 300 Millionen RM eingefroren, die nun gemäß Umstellungs-Ergänzungsgesetz auf fünf Prozent abgewertet wurden. Uwe Bronnert Literatur: Werbebroschüre „Dein KdF-Wagen“. Johannes Bähr, „Dein Sparen hilft dem Führer.“ Sparen in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Sparen. Geschichte einer deutschen Tugend, hrsg. von Robert Muschalla für das Deutsche Historische Museum, Berlin 2018. Es läßt sich nachrechnen, in: Der Spiegel 8/1952. Nordhoff zahlt, in: Der Spiegel 44/1961.
- Anmerkungen zu einem Wertgutschein der Kantine des Truppenübungsplatzes Jüterbog
Ab 1860 begann die preußische Armee Gelände bei der Stadt Jüterbog zu erwerben, zunächst 249 Morgen seitlich der Chaussee Jüterbog-Treuenbrietzen. Hier wurde der erste Schießplatz errichtet, der anfänglich 650 Meter breit und 850 Meter lang war. 1864 entstanden wohl auch die ersten Kasernen. Damals wurde der Feind von den Artilleristen noch im direkten Richten bekämpft und das Ergebnis konnte noch von der Batteriestellung beobachtet werden. Bedingt durch die rasante Entwicklung der Waffentechnik (rauchloses Pulver als Treibladung, Dynamit als Sprengmittel der Granaten und das Laden der Geschütze von hinten) waren Ziele in viel größerer Reichweite möglich und man ging zum indirekten Schießen über. Da man für das Übungsschießen ein hügliges Gelände benötigte, dass eine Weitsicht erschwerte und gefechtsnahe Bedingungen entsprach, wurde der Schießplatz durch Ankäufe von weiteren Ländereien erweitert. Zuletzt war er rund 8.000 ha groß. Truppenübungsplatz Jüterbog, "Altes Lager" in der Zeit des Ersten Weltkriegs (Abb. https://ansichtskarten-lexikon.de) 1897 wurde aus dem Schießplatz der Truppenübungsplatz, der einen eigenen Heeresgutsbezirk bildete. Von den 2.229 Einwohnern waren im Jahr 1900 1.996 Soldaten von Heer und Marine. Ab 1909 fanden Schießversuche mit der „Dicken Berta“ statt. Das Geschütz wurde auf dem Pionierübungsplatz Markendorf in Stellung gebracht und damit Ziele auf dem Schießplatz in Jüterbog beschossen. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte das Deutsche Reich nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags nur noch ein Berufsheer von 100.000 Mann zuzüglich 15.000 Marinesoldaten unterhalten. Auch der Besitz schwerer Waffen war untersagt, dies galt nicht nur für jegliche Art von Luftstreitkräften, Panzerfahrzeugen, U-Booten und Großkampfschiffen, sondern auch für Artillerie oberhalb des Kalibers 105 mm. Obwohl die Bestimmungen bis 1927 von der Interalliierten Militär-Kontrollkommission überwacht wurden, umging die Reichswehr-Führung durch eine Reihe geheimer und illegale Maßnahmen diese. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb der Truppenübungsplatz in Jüterbog als Artillerie-Schießplatz erhalten. Truppenübungsplatz Jüterbog, Verwaltungsgebäude und "Neue Kaserne" 1925 (Abb. https://www.lexikon-der-wehrmacht.de) Schießplatz Jüterbog, St. Barbara-Kirche 1929 (Abb. https://ansichtskarten-lexikon.de) Aus der Zeit der "Weimarer Republik" stammt ein Wertgutschein über 50 Reichspfennig der Kantine des „TrÜbPlatzes Jüterbog, Schiessplatz“, aus dem Jahr 1929. Der Schein ist einseitig mit blauer Schrift auf einem gelblichen, gemusterten Papier gedruckt. In den vier Ecken die Zahl 50 und in der Mitte das Wappen von Jüterbog. Das geteilte spätgotische Wappenschild ist oben silberfarbig und Rot, darauf ein vom Betrachter links springender schwarzer Bock mit goldenen Hufen und Hörnern. Zusätzlich trägt der Schein ein Siegelabdruck mit dem auffliegenden preußischen Adler und der Umschrift „AMT SCHIESSPLATZ JÜTERBOG – JÜTERBOG-LUCKENWALDE". Am rechten unteren Rand die Kontrollnummer „00070“. Abb. 1: Jüterbog, Kantine TrÜbPlatz, Schießplatz, 1929, 50 Reichspfennig, Vorderseite. Abb. 2: Jüterbog, Kantine TrÜbPlatz, Schießplatz, 1929, 50 Reichspfennig, Rückseite. Warum dieser Schein ausgegeben wurde, ist leider nicht bekannt. Da er jedoch keinen Siegelabdruck einer militärischen Einheit trägt und von einer zivilen Behörde ausgegeben wurde, ist anzunehmen, dass damit zivile Beschäftigten des Übungsplatzes entlohnt wurden oder darüber eine Zusatzversorgung erhielten. Vielleicht wollte man damit erreichen, dass das Geld vor Ort ausgegeben wurde. Verschiedene Kommunen verfuhren so während der Weltwirtschaftskrise. Truppenübungsplatz Jüterbog, "Altes Lager" (Luftaufnahme) 1933 (Abb. https://ansichtskarten-lexikon.de) Ab 1930 fanden wieder vermehrt Übungen auf dem Truppenübungsplatz statt und im Alten Lager entstand 1933 der Fliegerhorst Niedergörsdorf und im Zinnaer Forst wurde Anfang der 1930iger Jahre das Adolf-Hitler-Lager (auch als Lager III oder Waldlager bezeichnet) errichtet. 1934 war Jüterbog der größte Truppenübungsplatz Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände bis 1992 von der Roten Armee genutzt. Im April 1994 ging es wieder in deutsche Verwaltung über und ist seit dem 24. November 1999 Naturschutzgebiet (Forst Zinna-Jüterbog-Keilberg), dass bei Waldbränden in der Presse immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Im August 2018 hieß es z. B., dass das Brandgebiet so groß ist, dass es zwei Stunden dauere, um es mit einem Geländewagen zu umrunden. Es gebe kaum Wege in dem Waldgebiet. Das Feuer könne nicht direkt bekämpft werden, weil sich im Boden noch Munition befinden könnte. Uwe Bronnert












