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  • Banknotenatlas – Pakistan

    Fläche: 796.095 qkm (ohne Kaschmir) Einwohner: 207.800.000 (2017) Hauptstadt: Islamabad Staatsform: Islamische Bundesrepublik Amtssprachen: Urdu/Englisch Währung: 1 Pakistanische Rupie = 100 Paisa Die Harappa-Kultur bestand vom 4. bis 2. Jahrtausend v.u.Z. Damals wurde vor allem Handel getrieben und die Bauern in dieser Region kultivierten als erste überhaupt Reis und Baumwolle. Im Ergebnis des Feldzugs Alexanders des Großen wurde das Gebiet des heutigen Pakistan Teil des Maurya-Reichs und ab 320 des nordindischen Gupta-Reichs. Der Hinduismus verdrängte den Buddhismus. Im Jahr 712 eroberten die Araber im Süden die heutige Provinz Sindh. Ab 1000 herrschten dann hier die muslimischen Ghasnawiden aus Afghanistan. Im 14. Jahrhundert fielen die Mongolen ein. 1526 konnte Babur, ein Nachfahre von Dschngis Khan, die Herrschaft über ganz Indien erringen und gründete das legendäre Mogulreich. Zu dieser Zeit hatte der Islam bereits viele Anhänger im Norden Indiens, vor allem im Kampf gegen die Ende des 15. Jahrhunderts gestiftete Religion der Sikhs. State Bank of Pakistan: 20 Rupien von 2013 Die Vorderseite zeigt das auf allen modernen Noten der Staatsbank zu findende Porträt des Widerstandskämpfers gegen die Briten und Staatsgründers von Pakistan Muhammad Ali Jinnah (1876 – 1948) sowie Ornamente. Jinnah wird in Pakistan als „Größter Führer“ und „Vater der Nation“ verehrt. Die Rückseite zeigt das ausgegrabene Mohenjo-Daro, das vermutliche Hauptzentrum der Harappa- und Indus-Kultur vor rund 5000 Jahren. 100 Pakistanische Rupien (PKR) entsprechen 0,82 Euro. Münzen auf Paisa werden wegen ihres geringen Werts nicht mehr genutzt. 1843 wurde Sindh von den Briten annektiert und 1849 nach erbitterten Kämpfen gegen die Sikhs auch das Pandschab, das später zu einer Provinz Britisch-Indiens werden sollte. Die britische Ostindien-Kompanie beseitigte den bereits ab 1505 bestehenden Einfluss anderer europäischer Länder (Portugal, Niederlande, Dänemark und Frankreich) und loyalen Fürsten wurden Staaten mit begrenzter Souveränität zugestanden. Ab 1877 waren die britischen Monarchen sogar Kaiser von Indien. Britisch-Indien zerfiel nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1940 griff die 1906 gegründete Muslim-Liga die Theorie auf, dass Hindus und indische Muslime zwei Nationen seien. Am 14. August 1947 wurde aus den vorwiegend muslimischen Gebieten im Nordwesten Britisch-Indiens ein neuer Staat namens Pakistan gebildet. Nur einen Tag später wurde die verbliebene Indische Union unabhängig im Verband des Commonwealth of Nations. Die Landesbezeichnung geht auf keine historische Region oder gar ein Volk zurück. Das neue Land bekam einen neuen Namen, der bereits 1933 von der Nationalbewegung vorgeschlagen worden war und sich aus den Anfangsbuchstaben der Landesteile (Pandschab, Afghanistan, Kaschmir, Indus, Sindh) und der Endung von Belutschistan zusammensetzt. Gleichzeitig bedeutet „Pak“ im neupersischen Farsi „heilig“ und „stan“ in Urdu „Land“ – also das „heilige Land“. Der ehemalige Fürstenstaat Kaschmir im Himalaja und Hindukusch ist bereits seit 1947 umkämpft. Nach der Teilung Britisch-Indiens hatte der Maharadscha den Beitritt zur Indischen Union erklärt. Darauf hin besetzten die Inder Gebiete im Süden und die Pakistani im Osten Kaschmirs. Teile des nördlichen Kaschmir gehören heute sogar zu China. Eine Demarkationslinie trennt die Konfliktparteien, doch es kam immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen und Pakistan und Indien haben sich zu Atom-Mächten hochgerüstet. 1948 liefen zunächst indische Banknoten mit dem Aufdruck „Government of Pakistan“ in Englisch und Urdu um. 1948/1949 gab es dann auch das erste Staats­papiergeld des „Government“ und ab 1949 kamen Noten der State Bank of Pakistan ohne Datum in Umlauf. Offiziell wurde die Bank aber erst 1953 gegründet. Der Wert zu 1 Rupie blieb bis heute Staatspapiergeld. Sowohl die Regierung (100 Rupien), als auch die Staatsbank (10 Rupien) gaben 1950 Scheine ohne Datum mit Aufdruck zur regional eingeschränkten Nutzung durch Pilger aus, die nur in Saudi-Arabien und dem Irak gültig waren. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2018/01 Abbildung: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas – Ostkaribische Staaten

    Fläche: 4.271 qkm Einwohner: 1.049.000 (2015) Hauptstadt: Hauptstädte der Einzelstaaten (Basseterre) Staatsform: Supranationaler Staatenbund Amtssprachen: Englisch/Französisch Währung: 1 Ostkaribischer Dollar = 100 Cents Die Organisation der Ostkaribischen Staaten (OECS) wurde durch den Vertrag von Basseterre am 18. Juni 1981 gegründet. Der Staatenbund umfasst die Inselstaaten Anguilla (96 km, 16.086 Einwohner, Hauptstadt: The Valley, Mitglied ab 1995), Antigua und Barbuda (442 qkm, 91.295 Einwohner, Hauptstadt: Saint John’s), die Britischen Jungferninseln (qkm, 32.680 Einwohner, Hauptstadt: Road Town, Mitglied ab 1984), Dominica (746 qkm, 73.449 Einwohner, Hauptstadt: Roseau), Grenada (344 qkm, 110.152 Einwohner, Hauptstadt: St. George’s), Martinique (1128 qkm, 386.486 Einwohner, Hauptstadt: Fort-de-France, Mitglied ab 2015), Montserrat (102 qkm, 5.215 Einwohner, Hauptstadt: Plymouth), St. Kitts und Nevis (269 qkm, 51.538 Einwohner, Hauptstadt: Basseterre), St. Lucia (616 qkm 163.362 Einwohner, Hauptstadt: Castries) und St. Vincent und die Grenadinen (389 qkm, 102.918 Einwohner, Hauptstadt: Kingstown). Bis auf Martinique, das ein französisches Überseegebiet mit französischer Amtssprache ist, wird auf allen anderen Inseln englisch gesprochen. Anguilla, die Jungferninseln und Montserrat sind britische Überseegebiete. Der Rest sind unabhängige Staaten im Commonwealth of Nations. Eastern Caribbean Central Bank: 10 Dollars ohne Datum (2015) Die Vorderseite zeigt ein Porträt von Königin Elisabeth II., eine Meeresschildkröte, Fische, einen Kolibri und das Gebäude der Ostkaribischen Zentralbank. Die Ausgabe 2015 erkennt man an dem weit unterbrochenen Sicherheitsstreifen. Der Schein trägt, wie alle ostkaribischen Ausgaben, kein Datum. Auf der Rückseite sieht man die Admiralitäts-Bucht auf St. Vincent und den Grenadinen, die Inselkette, das Segelschiff „Warspite“, einen Pelikan und Fische. 1 Ostkaribischer Dollar (XCD) entspricht 0,31915 Euro. Bis auf die Jungferninseln, auf denen seit 1959 der US-Dollar und Martinique, wo seit 2002 der Euro gilt, wurde die Gemeinschaftswährung „Ostkaribischer Dollar“ auf den anderen Inselstaaten bereits 1965 eingeführt. Die ersten Scheine wurden im gleichen Jahr durch die East Caribbean Currency Authority ausgegeben. 1976 wurde der Ostkaribische Dollar an den US-Dollar gebunden. Der Kurs beträgt seitdem 1 US-Dollar = 2,7 Ostkaribische Dollars. Gültig ist der Ostkaribische Dollar nur in zwei britischen Überseegebieten und sechs unabhängigen Staaten, die ehemals britische Kolonien oder Schutzgebiete waren. Nur Dominica hat ein eigenes Staatsoberhaupt. Staatsoberhaupt der fünf anderen Inselstaaten ist Königin Elisabeth II., ihr Porträt findet man deshalb auch auf allen Geldscheinen. Die Ostkaribische Zentralbank (Eastern Caribbean Central Bank) löste am 5. Juni 1983 die staatliche britische Currency Authority ab. Der Sitz der Bank befindet sich in Basseterre auf St. Kitts. Ihre ersten Banknoten gab sie 1985 aus. Der Ostkaribische Dollar ist Nachfolgewährung des Westindischen Dollars, der in der kurzlebigen Westindischen Föderation verwendet wurde, die die britischen Kolonien in der Karibik umfasste, aber nur von 1958 bis 1962 existierte. Sie hatte aus zwölf Bundesstaaten bestanden. Als 1961 Jamaika nach einer Volksabstimmung unabhängig wurde und aus der Föderation austrat, löste sie sich schon bald selbst auf. Der Ostkaribische Dollar ist heute offizielle Währung in den sechs unabhängigen Staaten Antigua und Barbuda, Dominica, Grenada, St. Kitts und Nevis, St. Lucia und St. Vincent und die Grenadinen sowie in den britischen Überseegebieten Anguilla und Montserrat. Die Noten der Ostkaribischen Zentralbank sind durch Länderbuchstaben den einzelnen Staaten bzw. Gebieten zuordenbar, ähnlich, wie dies auch bei der ersten Euro-Serie der Fall war. Es handelt sich hier um den Buchstaben vor der Kontrollnummer (A = Antigua, D = Dominica, G = Grenada, K = St. Kitts und Nevis, L = St. Lucia, M = Montserrat, U = Anguilla und V = St. Vincent). Die Länderkennungen wurden jedoch nur von 1985 bis 2003 genutzt und entfielen schließlich mit den ab 2008 ausgegebenen Banknoten. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/12 Abbildung: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas – Oman

    Fläche: 309.500 qkm Einwohner: 4.398.000 (2015) Hauptstadt: Maskat Staatsform: Absolute Monarchie Amtssprache: Arabisch Währung: 1 Rial = 1000 Baisa Central Bank of Oman: 100 Baisa von 1995 (AH 1416) Die Vorderseite zeigt ein Porträt des regierenden Sultans Qabus ibn Said (geb. 1940). Der Sultan besitzt neben acht königlichen Palästen und einer eigenen Jacht auch eine Sommer-Residenz in Garmisch-Partenkirchen und eine Villa in Wien. In der Mitte sieht man einen Kanal des Faslajs-Bewässerungssystems. Die Rückseite zeigt verschiedene heimische Tierarten, darunter Kaffern-Adler und weißer Arabischer Oryx. 1 Osmanischer Rial (OMR) entspricht derzeit etwa 2,20 Euro. Das Gebiet des heutigen Oman war bereits in der Steinzeit besiedelt und gehörte später zur Provinz Dhofar im Reich der Sabäer, die durch die Legende um den Besuch der Königin von Saba bei König Salomo bekannt wurde. Den Sumerern war der Oman schon 3000 v.u.Z. bekannt. Aus der Bronzezeit stammen auch die UNESCO-Welterbestätten von Bat, Al-Khutm und Al-Ay, die die größte Ansammlung bronzezeitlicher Siedlungen und Totenstädten aus dem dritten Jahrtausend v.u.Z. darstellen. Nach der Übernahme des Islams um das Jahr 630 wurde das Land Teil des Kalifats der Omajaden und Abbasiden. Um 700 gründete die Sekte der Ibaditen im Innern des Lands ein eigenes Imamat. Teile der Bevölkerung siedelten sich in Ostafrika an und begründeten hier die Vorherrschaft der Araber im westlichen Indischen Ozean. Jahrhunderte lang beherrschten die Omanis mit ihren Schiffen, den Daus, die Meere Arabiens und Indiens. Die Stadt Suhar stieg zum bedeutendsten Handelszentrum der arabischen Welt mit Kontakten nach Indien und China auf. Nachdem die Stadt 965 durch die Buyiden zerstört wurde, besetzten immer wieder Perser den Oman und um 1500 übernahmen schließlich die Portugiesen die Kontrolle über Hormus und damit den Seeweg aus dem Persischen Golf nach Indien. Der Kampf gegen die Fremdherrschaft einte die Stämme ab dem 17. Jahrhundert unter der Yaruba-Dynastie. Nachdem die Portugiesen vertrieben waren, wurde der Oman zur Seemacht im Indischen Ozean und die heutige Hauptstadt Maskat zu einem bedeutenden Handelsplatz zwischen Arabien und Indien. 1730 eroberten die Omanis unter Saif ibn Sultan II. Sansibar und weitere Gebiete Ostafrikas. Sansibar war von 1826 bis 1856 sogar Residenz der omanischen Herrscher. Von hier aus trieben die Omanis gewinnbringend Sklavenhandel. Mit der Teilung und dem Verlust Sansibars begann der wirtschaftliche Niedergang. Ab 1798 erlangten die Briten, die weltweit nach Einfluss und Kolonien auf dem Weg zum Weltreich strebten, auch Einfluss im Oman. Bereits ein Vertrag zwischen dem Sultan und der britischen Ostindienkompanie stärkte die britische Vorherrschaft in der Golfregion. Obwohl das Land formal unabhängig blieb, geriet es u.a. durch die Verträge von 1891 als Protektorat faktisch in Abhängigkeit von den Briten. Das 1913 von Bergstämmen erneut ausgerufene Ibaditen-Imamat wurde 1955 von Truppen des Sultans aufgelöst. Der Imam wurde nach einem Aufstand 1957 vertrieben. Der Sultan, der noch bis 1970 regierte, führte das Land in Rückständigkeit und Isolierung. Auch wenn 1967 die Erdölförderung begann und die Briten 1968 den Abzug ihrer Truppen ankündigten, herrschte Mittelalter. Die Sklaverei bestand fort und Fahrräder und Sonnenbrillen waren als „Teufelszeug“ verboten. Im ganzen Land gab es lediglich drei Koranschulen für Jungen und eine einziges kleines Krankenhaus. Als der in Großbritannien erzogene Sohn des Sultans 1970 seinen eigenen Vater absetzte und die Macht übernahm, endete das Mittelalter im Oman schlagartig. In drei Jahrzehnten wurde aus dem Land ein prosperierender Staat mit funktionierendem Sozialwesen und Öffnung für den Tourismus. Mit der Unabhängigkeit 1970 wurde Staatspapiergeld eingeführt. Seit 1977 gibt die Central Bank of Oman eigene Banknoten aus. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/11 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Unfertige Noten am Ende des Kriegs – Ungarns 100 Pengö vom 24. Februar 1943

    Ungarische Banknoten zählen zu den schönsten der Welt, sie erfreuen sich deshalb bei Sammlern großer Beliebtheit. Hinzu kommt die in ihrer grafischen Gestaltung noch lange sichtbare Verwandtschaft zu denen Österreich-Ungarns und die gewaltige Inflation unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, die durch die sowjetische Besatzung Ungarns ausgelöst wurde. Schon im Ersten Weltkrieg kämpften die Ungarn im Rahmen der k.u.k. Truppen auf der Seite Österreichs und Deutschlands. Nach dem Krieg erfüllte sich zwar der Traum von der ungarischen Unabhängigkeit, der schon 1848 zu den ersten selbständigen ungarischen Geldscheinausgaben geführt hatte, doch Ungarn verlor nach dem Willen der Entente-Mächte einen Großteil seines Territoriums – bis heute ein nationales Trauma. Als Jugoslawien im März 1941 dem Dreimächtepakt Deutschlands, Italiens und Japans beigetreten war und es daraufhin zum Militärputsch in Belgrad kam, rückten die Achsenmächte im April 1941, auch unter ungarischer Beteiligung, in Jugoslawien ein. Auch an Jugoslawien hatte Ungarn Gebiete abtreten müssen. Ab 27. Juni 1941 nahm Ungarn auf der Seite Deutschlands auch am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Von 1938 bis 1941 konnte Ungarn sein Staatsgebiet durch Rückgewinnung des Oberlands, der Karpato-Ukraine, des nördlichen Siebenbürgens und der Batschka wesentlich erweitern, was auch starken Einfluss auf den Geldverkehr hatte. In den alten und nun wieder neuen ungarischen Gebieten mussten ungarische Banknoten ausgegeben werden, um die dort kursierenden zu ersetzen. Die sowjetische Frühjahrsoffensive im März 1944 begann mit dem Vorstoß der 1. Ukrainischen Front. Ungarn war massiv durch eine Invasion der Roten Armee bedroht und Hitler drängte den ungarischen Reichsverweser Horthy, der Besetzung Ungarns durch die Deutsche Wehrmacht (Unternehmen Margarethe I) zuzustimmen, die ab 19. März 1944 begann. Gemeinsam versuchten nun deutsche und ungarische Truppen den sowjetischen Vorstoß aufzuhalten. Als Horthy am 15. Oktober 1944 einen separaten Waffenstillstand mit der Sowjetunion und den Westalliierten aushandeln wollte, wurde er abgesetzt und interniert. Die neue faschistische „Pfeilkreuzler-Regierung“ führte den Kampf an der Seite Deutschlands bis zum bitteren Ende fort. Am 27. Dezember 1944 hatten die Sowjets Budapest eingeschlossen. Der Kampf um die ungarische Hauptstadt, die von Ungarn und Deutschen verteidigt wurde, endete erst am 12. Februar 1945 mit dem Einmarsch der Roten Armee. Die letzte deutsche Offensive begann am 6. März 1945 nördlich des Plattensees, wurde aber durch einen Gegenstoß der Sowjets auf dem Weg ins Herz Österreichs gebrochen. In den letzten Kriegstagen machte sich Panik breit. Deutsche und ungarische Truppen verließen Budapest Richtung Westen. Auf ihrem Rückzug nahmen die Ungarn auch unfertige Banknoten mit. Es handelte sich um beid- oder sogar nur einseitig bedruckte 100-Pengö-Scheine mit Datum vom 24. Februar 1943, die im Auftrag der „Pfeilkreuzler“ erst Ende 1944 in Veszprém gedruckt worden waren. Der Entwurf stammte von Endre Horváth, der die damals schon als Profi­modell arbeitende Ungarin Rózsi Tóth porträtiert hatte. Die männlichen Allegorien auf der Rückseite stehen für Handel und Industrie. Die Drucke tragen keine Kontrollnummern und kommen auch in ungeschnittenen Bogen zu je 35 Scheinen vor. Sie wurden zwar nicht mehr in Umlauf gegeben, dienten den nach Österreich verlegten ungarischen Truppenteilen aber zur Abwicklung interner Zahlungen. Es sollen auch ausstehenden Soldzahlungen an Offiziere damit erfolgt sein. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/11 Abbildung: Hans-Ludwig Grabowski

  • Banknotenatlas – Norwegen

    Fläche: 323.802 qkm Einwohner: 5.252.000 (2016) Hauptstadt: Oslo Staatsform: Konstitutionelle Monarchie Amtssprachen: Norwegisch (Regional: Samisch, Kvenisch) Währung: 1 Norwegische Krone = 100 Øre Norwegen gab es noch nicht, als germanische Wikinger ab dem 9. Jahrhundert von den Küsten aus auf Handels- und Entdeckungsfahrten, aber auch Raubzüge aufbrachen. Die verschiedenen kleinen Königreiche einte Harald I., während die Adligen, die sich ihm nicht unterwerfen wollten, mit ihren Leuten nach Westen flohen und dort Island besiedelten. Ihre Nachfahren sollten später Grönland und Amerika entdecken. Um das Jahr 1000 wurde das Nordland christianisiert, bis heute zeugen Stab­kirchen von der Zeit der Wikinger. Norges Bank: 50 Kronen von 2008 Die Vorderseite zeigt ein Porträt des norwegischen Schriftstellers, Försters und Sammlers norwegischer Märchen Peter Christen Asbjørnsen (1812 – 1885) sowie einen Nadelbaum im Unterdruck. Auf der Rückseite sieht man Wasserlilien, eine Libelle und einen Schlüssel. 50 Norwegische Kronen (NOK) entsprechen derzeit 5,38 Euro. Zahlreiche Konflikte mit Dänemark endeten erst 1397, als die Dänen mit der Kalmarer Union auch die Vorherrschaft über Norwegen und Schweden übernahmen. Schweden konnte sich 1523 aus der Union lösen, doch Norwegen verlor nach Einführung der Reformation jedes Recht auf Selbstverwaltung und wurde zur dänischen Provinz. Die dänische Herrschaft konnte erst im Rahmen der napoleonischen Kriege beendet werden. Dazu bedurfte es aber der Schweden, die im Kieler Frieden von 1814 die Loslösung Norwegens von Dänemark erreichen konnten. Damit waren die Norweger aber nicht unabhängig, denn die Schweden banden das Land in Personalunion direkt an sich, auch wenn Norwegen Selbstverwaltungsrecht und eine eigene Verfassung erhielt. Als es zum Konflikt mit Schweden wegen der Errichtung norwegischer Konsulate kam, erklärten die Norweger ihre Unabhängigkeit, die durch Volksabstimmung vom 13. August 1905 bestätigt wurde. Da Norwegen selbst keinen Thronfolger hatte und zuvor in Personalunion vom schwedischen König regiert wurde, wählte man einen dänischen Prinzen, der als Håkon VII. 1905 den Thron bestieg und bis 1957 herrschte. Damit überwanden die Norweger 500 Jahre Fremdherrschaft, denn Håkon VI. war der letzte norwegische König gewesen, der im 14. Jahrhundert regiert hatte. Bis heute gibt es aber keine einheitliche norwegische Sprache. Norwegisch gilt lediglich als Oberbegriff für die beiden Landessprachen Bokmål und Nynorsk, die beide, wie auch Schwedisch und Dänisch zu den nordgermanischen Sprachen zählen. Nynorsk geht aus dem Altnordischen hervor, doch Bokmål entwickelte sich aus einem Dialekt, der viel mit Dänisch und Schwedisch gemein hat, was mit der Zugehörigkeit Norwegens zu beiden Ländern zu tun hat. Im Ersten Weltkrieg blieb Norwegen trotz massiven britischen Drucks und des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs vor seinen Küsten neutral. Auch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wollte Norwegen seine Neutralität bewahren. Als die Pläne der Franzosen und Briten zum Eingreifen in den Finnisch-Russischen Krieg und zur Einbeziehung Skandinaviens in den Krieg gegen Deutschland wegen des Finnisch-Russischen Friedens im März 1940 scheiterten, entschlossen sich die Alliierten auch ohne den Vorwand der „Finnlandhilfe“ Streitkräfte in Noreuropa zu landen. Anfang April drangen britische Schiffe in norwegische Gewässer vor und verlegten Minenfelder um deutsche Handelsschiffe von den schwedischen Erzlieferungen abzuschneiden. Daraufhin besetzten deutsche Truppen Dänemark und Norwegen und kämpften u.a. bei Narvik gegen Briten, Franzosen und Exil-Polen. In Norwegen führte derweil Vidkun Quisling eine faschistische Marionettenregierung. 1949 gehörte Norwegen dann zu den Gründungsmitgliedern der NATO. Als im 17. Jahrhundert der Kaufmann Jørgen thor Møhlen in Norwegen eigenes Papiergeld ausgab, gehörte das Land noch zu Dänemark. Erst ein Gesetz vom 23. April 1892 gab der Norges Bank das ausschließliche Notenrecht. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg versuchte man den Kleingeldmangel durch 1- und 2-Kronen-Scheine zu beheben. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/10 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Das Geld der Zukunft – Silvio Gesell und sein „Freigeld“

    Die meisten Geldscheinsammler haben schon einmal von Silvio Gesell und seinen Geldtheorien gehört und in gut gepflegten Sammlungen, die sich nicht nur auf ein eng begrenztes Gebiet konzentrieren, sondern auch einen oder mehrere Blicke über den Tellerrand erlauben, kommen meist auch einige Scheine „Schwundgeld“ oder „Freigeld“ vor. Dennoch bleibt das mysteriöse Geld vielen ein Rätsel. Silvio Gesell wurde am 17. März 1862 in St. Vith im Rheinland geboren, in einer Region, die nach dem Willen der Entente-Mächte nach dem Ersten Weltkrieg an Belgien fiel. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und mehrjähriger Tätigkeit in Spanien und Deutschland wanderte er 1887 nach Argentinien aus, wo er ein Geschäft für medizinische Artikel eröffnete. Eigene Erfahrungen mit den damaligen Wirtschaftskrisen und sozialen Unruhen im Land führten dazu, dass er sich mit deren Ursachen und dem Geldwesen inkl. Inflation und Deflation, ungerechter Geldverteilung und Arbeitslosigkeit beschäftigte. 1891 erschien in Buenos Aires seine erste Veröffentlichung „Die Reformation im Münzwesen als Brücke zum sozialen Staat“ im Eigenverlag. Bereits hier schlug er vor, den Wirtschaftskreislauf von spekulativen Störungen zu befreien und so eine freie Zirkulation des Geldes zu ermöglichen. Erreicht werden sollte das durch sog. „rostende Banknoten“. Die Grundidee bestand darin, dass alle Tauschwaren mit der Zeit an Wert verloren (Lebensmittel verdarben, Eisen rostete), nur das Geld konnte zum Zwecke von Spekulationen und Erwirtschaftung von Zinsen gehortet und damit dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden. Geld, das genauso wie Waren an Wert verlöre, sollte in bereits kurzer Zeit für ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf den Arbeits-, Güter- und Kapitalmärkten führen. Geld würde also seine Gültigkeit nur durch Begleichung einer „Geldsteuer“ behalten oder verfallen, womit jede Hortung und Spekulation Geld vernichtete. Auf seine 1898 in spanischer Sprache veröffentlichten Vorschläge zur Überwindung der Wirtschaftskrise in Argentinien durch die Steuerung der Papiergeldmenge ging eine im gleichen Jahr durchgeführte Bankreform zurück, mit sehr positive Folgen für den argentinischen Wirtschaftsaufschwung in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. 1899 kehrte er nach Europa zurück und gab ab 1902 seine Zeitschrift „Die Geldreform“ heraus. Sein Hauptwerk „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ entstand 1916. Im April 1919 wurde er Volksbeauftragter für das Finanzwesen der libertären Bayerischen Räterepublik, die durch die Kommunisten gestürzt wurde. Vom Vorwurf des „Hochverrats“ wurde er aber freigesprochen. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg warnte er vor einem noch viel größeren Krieg innerhalb der nächsten 25 Jahre, wenn sich das internationale Geldsystem nicht ändern würde. Er wurde verlacht, sollte aber Recht behalten. Gesell starb am 11. März 1930 an den Folgen einer Lungenentzündung. Wenige Jahre später hoffte der berühmte britische Ökonom Keynes, dass die Zukunft mehr vom Geiste Gesells als von Marx lerne würde. Schon zu Lebzeiten hatte Gesell viele Anhänger und seinen Theorien folgten praktische Versuche, vor allem in den USA. In Österreich führte das mitten in der Weltwirtschaftskrise zum „Wunder von Wörgl“. Das Reichswährungsamt gab es nicht, genauso wenig wie das Reichsgeldamt oder das Weltgeld-Währungsamt. Beim Freigeld handelt es sich um Werbescheine für die Idee der neuen Wirtschaftsordnung mit deutschen Belegen bis 1952. Praktisches Schwundgeld waren dagegen z.B. die Wära-Scheine aus Erfurt und Ulm. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/10 Abbildungen: Hans-Ludwig Grabowski

  • Banknotenatlas – Nordkorea

    Fläche: 120.538 qkm Einwohner: 24.052.000 (2012) Hauptstadt: Pjöngjang Staatsform: Volksrepublik Amtssprache: Koreanisch Währung: Won = 100 Chon Die koreanische Halbinsel war schon in der Altsteinzeit besiedelt. Das legendäre Reich Chosŏn – das „Land der Morgenröte“ – soll der göttliche Kulturschöpfer Tan’gun im Jahr 2333 v.u.Z. gegründet haben. Um den Beginn unserer Zeitrechnung wurde der Norden Koreas von der Mandschurei aus erobert und in chinesische Militär­bezirke aufgeteilt. 400 Jahre später hatten sich drei mächtige koreanische König­reiche entwickelt, die um die Vormacht im Land kämpften. Korean Central Bank: 5000 Won, Juche 95 (2006) Die Vorderseite zeigt ein Porträt von Kim Il Sung, darunter dessen Lieblingsblume, die zur Nationalblume erhoben wurde, und links das Staatswappen. Die ländliche Szene auf der Rückseite ist nicht etwa eine unverfängliche Dorfidylle, sondern sie zeigt das Geburtshaus der „Sonne“, des „großen Führers“ Kim Il Sung in Mangyŏngdae. 100 Nordkoreanische Won (KPW) entsprechen etwa 0,70 EUR. Vom 7. bis zum 10. Jahrhundert entstand unter der Herrschaft des südlichen Reiches Silla im „goldenen Zeitalter“ der erste koreanische Nationalstaat. Als im 13. Jahrhundert die Mongolen eindrangen, zwangen sie die Koreaner zur Waffenhilfe gegen Japan. Als dann 1392 die Dynastie Chosŏn gegründet wurde, isolierte sich das Land völlig gegenüber dem Ausland. Im 17. Jahrhundert fielen erneut die Mandschuren in Korea ein und zwangen die Koreaner ihre Oberhoheit anzuerkennen. Nachdem Japan im Krieg 1894/1895 China und 1904/1905 auch noch Russland besiegen konnte, annektierten die Japaner 1910 die koreanische Halbinsel und beuteten das Land wirtschaftlich aus. Interessant ist, dass die japanischen Inseln ursprünglich von Korea aus besiedelt wurden und dabei die dortigen Ureinwohner, darunter die Ainu, verdrängt. 1919 kam es zur Proklamation der koreanischen Unabhängigkeit und zum unbewaffneten Aufstand, der jedoch blutig niedergeschlagen wurde. Als Japan am Ende des Zweiten Weltkriegs kapitulieren musste, wurde der Norden des Landes bis zum 38. Breitengrad durch die Sow­jetunion und der Süden durch die USA besetzt. 1947 forderte die UNO geheime und freie Wahlen in ganz Korea, durchgeführt wurden die 1950 dann schließlich nur im Süden. Nachdem im gleichen Jahr nordkoreanische Truppen in den Süden einmarschierten, griff eine UN-Streitmacht unter Führung der USA ein. Das kommunistische Nordkorea wurde derweil von China unterstützt. Der Korea-Krieg dauerte bis 1953, forderte das Leben von rund einer Million Soldaten und drei Millionen Zivilisten und endete mit einem Waffenstillstand, der den 38. Breitengrad erneut zur Grenze machte. Weil Friedensverhandlungen scheiterten, wurden alle Beziehungen zwischen Nord und Süd abgebrochen. In Nordkorea hatte nach dem Krieg mit Unterstützung der Sowjets Kim Il Sung mit seiner kommunistischen Partei der Arbeit die Macht übernommen. Er hatte einst als Partisanenführer gegen die Japaner gekämpft. Nach dem Koreakrieg wurde Nordkorea mit Hilfen aus China und der Sowjetunion wieder aufgebaut. Nach Stalins Vorbild festigte Kim seine Macht durch „Säuberungen“, bei denen alle politischen Konkurenten und Gegner ausgelöscht wurden. Am Ende stand seine uneingeschränkte Alleinherrschaft und ein maßloser Personenkult. 1997 wurde sogar eine neue Zeitrechung eingeführt, die mit dem „Sonnentag“, dem 15. April 1912, beginnt, dem Geburtstag des „Großen Führers“. Nach dieser Zeitrechung befindet sich Nordkorea heute im Jahr Juche 106 und der tote Kim ist immer noch offizielles Staatsoberhaupt. Nordkorea wird nun von seinem Enkel Kim Jong-un geführt. Die Juche-Doktrin prägt das gesamte gesellschaftliche Leben und auf Kritiker und deren Familien und Kinder wartet bis in die dritte Generation lebenslange Zwangsarbeit in Konzentrationslagern. Die ersten Geldscheine für Nordkorea waren sowjetische Besatzungsausgaben von 1945, gefolgt von einer ersten Notenserie der Koreanischen Zentralbank von 1947. Ab 1959 kursieren in der Volksrepublik wechselnde, aber stets propagandistisch überfrachtete, Geldscheine, die den Kult um die „Sonne“ und die Juche-Doktrin fortführen. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/09 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas - Niger

    Fläche: 1.267.000 qkm Einwohner: 17.129.000 (2012) Hauptstadt: Niamey Staatsform: Republik Amtssprache: Französisch Währung: CFA-Franc = 100 Cents Eine frühe Besiedlung des nigrischen Gebiets ist durch archäologische Funde, wie die Gräber von Gobero und Felszeichnungen aus der Epoche von 7700 bis 6200 v.u.Z. belegt. Damals war die Sahara noch feucht und das Land dicht besiedelt. Als sich um 660 der Islam ausbreitete, hatten die Völker im heutigen Niger bereits eigene Staaten gebildet. Bis 1590 gehörte der Westen zum Reich der Songhai und der Osten zum Machtbereich der Hausa-Staaten. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb die Bedeutung der Volks-Staaten bedeutend. Das gesamte Gebiet wurde 1897 bis 1899 von den Franzosen in Besitz genommen. Es dauerte aber noch bis 1916 um alle Stämme, vor allem die Tuareg und Tubu, der französischen Besatzung zu unterwerfen. Die Franzosen machten das Gebiet 1910 zum Militär-Territorium innerhalb Französisch-Westafrikas und 1922 dann zur Kolonie. Grenzen wurden willkürlich gezogen, ohne auf historische, sprachliche und kulturelle Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen. Banque Centrale des États de l’Afrique de l’Quest: 2000 Francs CFA (20)04 Jedem Land der Westafrikanischen Währungsgemeinschaft wurde ein Kennbuchstabe zugewiesen. Die Banknoten für den Niger erkennt man an der Länderkennung H. Vorderseite: Gewicht der Ashanti in Form eines Welses zum Abwiegen von Goldstaub und Verkehrsmittel (Flugzeug, Bahn, Bus). Rückseite: Zackenbarsche. 1000 CFA-Francs entsprechen derzeit etwa 1,5245 Euro. 1957 wurde die erste nigrische Regierung unter Djibo Bakary gebildet und Teilautonomie gewährt. Bakary trat aber bereits 1958 nach einem von seiner Partei verlorenen Referendum über die vollständige Unabhängigkeit zurück. 1958 wurde Niger dann eine autonome Republik der „Französischen Gemeinschaft“, einer im gleichen Jahr geschaffenen Staaten- und Völkergemeinschaft der ehemaligen Französischen Union, die mit dem britischen Commonwealth of Nations verglichen werden kann, in der ehemalige britische Kolonien versammelt wurden. Die „Französische Gemeinschaft“ (la Communauté) erlangte jedoch nie dessen Einfluss und wurde nach vielen Jahren politischer Bedeutungslosigkeit schließlich 1995 formell aufgelöst. Am 3. August 1960 wurde der Niger unabhängig. Hamani Diori wurde erster Präsident des Landes. Wie in vielen unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten folgten politisch turbulente Zeiten. 1974 wurde Diori durch einen Militärputsch gestürzt. Um ihre Macht dauerhaft zu sichern, schufen die Militärs 1989 die Einheitspartei MNSD. 1990 kam es zum Massaker von Regierungstruppen an den Tuareg. Trotz Friedensbemühungen ging der Kampf weiter und es kam erst 1995 zu einem Friedensvertrag. Nur ein Jahr später putschte das Militär erneut, die Verfassung wurde außer Kraft gesetzt und eine neue per Referendum angenommen. Inkompetenz führte zu Regierungswechseln und 1999 wurde der zu dieser Zeit amtierende Präsident bei einem erneuten Militärputsch getötet. Der aus Militärs gebildete “Nationale Versöhnungsrat“ wollte alsbald eine zivile Regierung einsetzen und so fanden Ende November 1996 Präsidentschaftswahlen statt. Mangels Alternativen wurde erneut ein Militär der MNSD an die Macht gewählt. Als 2004/2005 große Ernteausfälle eintraten, schlossen einige Länder der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, der auch der Niger angehört, ihre Grenzen und es kam zu einer Hungersnot im Land, von der bis zu 3,6 Millionen Menschen betroffen waren. Weil das Friedens-Abkommen von 1995 nie wirklich umgesetzt wurde, kam es 2007 erneut zu einem Aufstand der Tuareg, da in deren Weidegebieten internationale Firmen Uran abbauen. 2010 setzte nach einem erneuten Putsch eine Militärjunta die Regierung ab und die Verfassung außer Kraft. Im Niger herrschen in der Tat „afrikanische Verhältnisse“. Mit dem Bretton-Woods-Abkommen vom 26. Dezember 1945 wurde in den französischen Kolonien der CFA-Franc eingeführt. Unabhängig gewordene Teile der Kolonien schlossen sich zur Westafrikanischen Währungsunion zusammen, zu der neben dem Niger auch Benin, Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Mauretanien (nur bis 1973), Senegal und Togo gehören. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/05 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas - Niederlande

    Fläche: 41.548 qkm Einwohner: 16.979.000 (2016) Hauptstadt: Amsterdam (Regierungssitz: Den Haag) Staatsform: Konstitutionelle Monarchie Amtssprachen: Niederländisch, Friesisch (regional) Währung: 1 Euro = 100 Cents Während der römischen Herrschaft lebten germanische Bataver und Friesen auf dem Gebiet der heutigen Niederlande. Um das Jahr 300 wurden diese von den ebenfalls germanischen Franken unterworfen und zum Christentum bekehrt. Als das Frankenreich mit dem Vetrag von Verdun 843 unter den Söhnen Ludwigs des Frommen aufgeteilt wurde, fielen alle Gebiete westlich der Schelde an das Westfrankenreich, aus dem sich das heutige Frankreich entwickelte. Die Gebiete um die Maas, die Schelde und den Rhein sowie die Schweiz und Teile Österreichs und Norditaliens an Lotharingen (das Land Lothars I.) das zusammen mit dem Königreich Ludwigs des Deutschen zur Keimzelle des Deutschen Reichs wurde. Die Niederländer selbst wuchsen als Volk aus Friesen, Sachsen und Franken zusammen. Ihre Sprache, die erst seit dem 17. Jahrhundert als eigenständig angesehen wird, ist aus dem altniederfränkischen Dialekt des Niederdeutschen entstanden. Nederlandsche Bank: 10 Gulden vom 25.4.1968 Frühes Papiergeld in den Niederlanden waren private „Promessen“ im 18. Jahrhundert. Unter französischer Herrschaft folgten 1795 in der sog. Batavischen Republik Scheine der Bank van Beleening als Ersatz für Münzen sowie später Interimsscheine von Städten und Provinzen. Erst mit der Gründung des Vereinigten Königreichs wurde per Dekret vom 25. März 1814 die Nederlandsche Bank gegründet. Bis 1863 war ihr Notenrecht jedoch beschränkt. In den heutigen Niederlanden entwickelten sich unter der Herrschaft der Kaiser des heiligen römischen Reichs deutscher Nation bedeutende Handelszentren, vor allem in Flandern und Holland. Im 14. und 15. Jahrhundert fielen die Niederlande an das Fürstentum Burgund. Als Maria von Burgund 1477 Herzog Maximilian von Österreich heiratete, kamen die Niederlande zu Habsburg. 1555 vererbte Karl V. das Land seinem Sohn Philipp II. von Spanien. Da die katholischen Spanier brutal gegen den sich ausbreitenden Kalvinismus vorgingen, kämpften die Niederländer einen langen Kampf um ihre Freiheit. Aus dieser Zeit stammt mit den Pappmünzen von Leyden und Middelburg das älteste Papiergeld auf damals deutschem Boden. 1581 sagten sich die sieben kalvinistischen Nordprovinzen Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Overijssel, Friesland und Groningen von Spanien los und bildeten die Republik der Vereinigten Niederlande. Erst im Westfälischen Frieden von 1648 sollte diese anerkannt werden. Die katholischen Südprovinzen Flandern, Flamen und Limburg blieben unter spanischer Herrschaft. Ende des 16. Jahrhunderts schufen niederländische Seefahrer in allen Teilen der Welt Handelsniederlassungen. Pieter Stuyvesant gründete 1625 in Nordamerika Nieuw Amsterdam, das heutige New York. Der rasante Aufstieg der fleißigen Niederländer zu einer führenden See- und Kolonialmacht führte Ende des 17. Jahrhunderts zu insgesamt vier Kriegen mit den Briten, die neben der Herrschaft über die Meere auch die über die halbe Welt beanspruchten. Die Niederländer verloren erst im vierten und letzten Krieg. Nach der französischen Revolution schickten sich die Franzosen an, große Teile Europas in Besitz zu nehmen. 1795 wurden die Niederlande dem französischen Weltreich einverleibt. König war von 1806 bis 1810 der Bruder Napoleons I., Louis Bonaparte. Erst nach der endgültigen Niederlage der Franzosen in den Europäischen Befreiungskriegen erhielten die Niederlande 1815 durch den Wiener Kongress ihre Souveränität zurück. Der Kongress stellte die ursprüngliche Einheit als Königreich der Vereinigten Niederlande wieder her. 1831 spalteten sich jedoch die südlichen Provinzen als Königreich Belgien ab. Nur einige katholischen Gebiete verblieben als Nordbrabant und Limburg bei den Niederlanden. 1848 war das Jahr der Revolutionen und Aufstände in Europa. Während die einen um ihre Unabhängigkeit kämpften, stritten andere um bürgerliche Freiheiten in einer Zeit, die wie keine andere vor ihr vom technischen und industriellen Fortschritt geprägt war. Die parlamentarische Verfassung von 1848 bildet bis heute die Grundlage des niederländischen Staats. Am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg begannen viele Kolonien für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Niederländisch-Indien – das heutige Indonesien – wurde 1949 und Surinam 1975 selbständig. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/04 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas - Neuseeland

    Fläche: 269.652 qkm Einwohner: 4.242.000 (2013) Hauptstadt: Wellington Staatsform: Parlamentarische Monarchie Amtssprachen: Englisch, Maori Währung: 1 Neuseeland-Dollar = 100 Cents Die abgelegenen Inseln Neuseelands sind wahrscheinlich das zuletzt besiedelte Land im gesamten asiatisch-pazifischen Raum. Selbst die Osterinseln waren vor ihnen bewohnt. Im 9. Jahrhundert kamen sog. „Maojäger“ auf die Inseln. Sie lebten von den heute ausgestorbenen Riesenstraußen, die sie Mao nannten. Lange waren sie allein auf den Inseln bis im 14. Jahrhundert eine zweite Einwanderungswelle aus Polynesien folgte. Dabei handelte es sich um die Vorfahren der heutigen Maori. Der Holländer Abel Tasman war 1642 der erste Europäer, der das Land betrat und „Nieuw Zeeland“ nannte. Als James Cook 1769/1770 die Inseln umsegelte, entdeckte er die nach ihm benannte Meeresstraße zwischen Nord- und Südinsel. Reserve Bank of New Zealand: 1 Dollar ohne Datum (1981 bis 1992) Die Vorderseite zeigt ein Porträt der englischen Königin Elisabeth II., dem offiziellen Staatsoberhaupt Neuseelands. Die Rückseite einen Fächerschwanz und Clematis. 1 Neuseeland-Dollar (NZD) entspricht derzeit 0,6746 Euro. Die Besiedlung durch Europäer, vorwiegend Engländer, begann erst am Ende des 18. Jahrhunderts. Es entstanden Stationen für Wal- und Robbenfang sowie Holzfällerlager und 1814 dann die erste anglikanische Missionsstation. Am 6. Februar 1840 stimmten im Vertrag von Waitangi 46 Maori-Häuptlinge der Nordinsel zu, ihre Herrschaftsansprüche an die britische Krone abzutreten. Wie so oft in solchen Fällen, konnten sie kaum ahnen, was das für Auswirkungen für ihr Volk und Land haben sollte. Der Land- und Machthunger der Briten sollte schließlich die halbe Welt verschlingen. Von den ursprünglich bis zu 200.000 Maori auf den Inseln hatten bis zu diesem Zeitpunkt nur 70.000 überlebt. Bereits im Mai 1840 proklammierten die Briten ihre Herrschaft über ganz Neuseeland und 1841 wurde das Land Kronkolonie. Bis 1844 kamen rund 20.000 Siedler. Weil die sich das Land der Maori einfach nahmen, kam es unvermeidbar zu Konflikten mit den Ureinwohnern. Von 1843 bis 1848 mündeten die in den ersten Maori-Krieg. Im „Constitution Act“ von 1852 gestanden die Briten Neuseeland innere Selbstverwaltung zu. Das kam zwar den Siedlern entgegen, doch die Maori mussten sich gegen noch zunehmende Verdrängung wehren. Im zweiten Maori-Krieg von 1860 bis 1871 fiel den britischen Truppen mehr als die Hälfte des Maori-Volks zum Opfer. 1907 wurde Neuseeland als Dominion im britischen Commonwealth praktisch unabhängig, aber erst 1931 wurde die volle Unabhängigkeit Neuseelands in einem Statut anerkannt. Der Dominion-Status Neuseelands änderte nichts daran, dass neuseeländische Truppen an der Seite der Briten in beiden Weltkriegen kämpfen mussten. Im Ersten Weltkrieg besetzten die Neuseeländer die deutsche Kolonie Samoa, die sie von 1920 bis zu deren Unabhängigkeit 1962 als Mandatsgebiet der UNO verwaltete. Die UNO war überhaupt sehr großzügig in der Vergabe ehemaliger deutscher Kolonien als „Mandatsgebiete“ an die vermeintlichen Sieger des Ersten Weltkriegs. Auch im Zweiten Weltkrieg kämpften neuseeländische Verbände unter britischem Kommando in Europa. Weil sich die neuseeländische Politik gegen Kernwaffen und Atombombenversuche im Südostpazifik aussprach, kam es zu Spannungen mit Frankreich. Als die Neuseeländer schließlich sämtliche Häfen für Schiffe mit Kernwaffen sperrten und ihr Land zur kernwaffenfreien Zone erklärten, kam es auch zum Bruch mit den USA, die 1986 jegliche militärische Zusammenarbeit für beendet erklärten. Immerhin auch ein Weg, um sich von ewigen „Besatzern“ zu befreien. Bis 1934 liefen Noten australischer Banken um, die teilweise für Neuseeland eigene Scheine ausgaben. Daneben existierten auch neuseeländische Notenbanken. Sogar ein Maori-Häuptling, der auf einer Europa-Reise von Kaiser Franz Josef von Österreich eine Druckmaschine geschenkt bekam, gründete eine eigene Notenbank. Zwar galt die Bank of New Zealand durch Regierungsbeteiligung als Zentralbank, doch erst mit Gründung der Reserve Bank of New Zealand 1934 und der Abschaffung der anderen Notenbanken entstand ein Zentralbanksystem. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/03 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas - Nepal

    Fläche: 147.181 qkm Einwohner: 26.495.000 (2012) Hauptstadt: Kathmandu Staatsform: Parlamentarische Bundesrepublik Amtssprache: Nepali Währung: 1 Nepalesische Rupie = 100 Paisa Die Keimzelle des heutigen Nepal liegt im Kathmandu-Tal, dessen Geschichte es bis in die Neuzeit hinein teilte. Die frühesten Siedler des Hochgebirgslandes im Himalaja sind nur in Chroniken überliefert, die an Legenden erinnern. Aus der Zeit vom 4. bis 9. Jahrhundert sind Inschriften an Gebäuden erhalten, die aus der Licchavi-Dynastie stammen. Das heutige Tal um die Hauptstadt wird jedoch von den Einflüssen der ab 1200 herrschenden Malla geprägt, unter denen der Hinduismus gefördert und das Kasten-System eingeführt wurde. Eine kulturelle Blütezeit erlebte das Land im 14. Jahrhundert. Napal Rastra Bank: 20 Rupien ohne Datum (2005) Die Vorderseite zeigt ein Porträt des damaligen Königs Gynendra Bir Bikram Shah Dev sowie den Krishna-Tempel. Auf der Rückseite sieht man einen Sumpfhirsch vor Himalaja-Gipfeln, das Staatswappen und das Banksiegel. Gedruckt wurde der Schein bei der Canadian Bank Note Company. 1 Nepalesische Rupie (NPR) entspricht derzeit 0,0089 Euro. Die Herrschaft der Malla wurde mit der Eroberung des Kathmandu-Tals durch die aus dem Norden Indiens stammenden Gurkha 1768 beendet. Die Macht fiel an die Familie Rana, die das erbliche Amt des Premierministers gestellt hatte und ab 1846 den König. Im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg bedienten sich die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich in erheblichem Umfang menschlicher Ressourcen aus ihren Kolonien und Einflussgebieten für den Einsatz auf dem europäischen Kriegsschauplatz und darüber hinaus. Die Briten schlossen im Laufe ihrer Geschichte auf dem Weg zur Weltmacht immer wieder auch sog. Protek­tions-Verträge, über die sie Einfluss gewannen und so manche spätere Kolonie. Der Protektions-Vertrag mit dem Königreich Gorkha (dem heutigen Nepal) von 1816 sicherte der Armee der britischen Ostindienkompagnie und späteren britischen Indienarmee das Recht zu, Nepali-Söldner zu rekrutieren. So kämpften auch die als zähe und genügsame Soldaten bekannten Gurkhas mit ihren gefürchteten Langmessern (Khukuri) im Dienste der britischen Armee und der indischen Streitkräfte in jedem kommenden Krieg der Briten und sind heute noch in Nordindien stationiert. Nachdem König Tribhuvan Bir Bikram Schah 1951 eine konstitutionelle Monarchie ausgerufen hatte, fanden 1959 die ersten allgemeinen Wahlen in Nepal statt. Doch schon 1960 setzte der König die Regierung ab und hob das Parlament auf. 1961 verbot er sogar alle Parteien im Land. Erst nach blutigen Unruhen wurde 1990 eine neue Verfassung in Kraft gesetzt, die gesetzlich ein Mehrparteien-System festschrieb. 2001 ging die Nachricht über eine Schießerei im Königspalast um die Welt. Am 1. Juni 2001 wurde König Birendra, dessen Frau sowie weitere Familienangehörige getötet. Der bei dem Massaker schwer verletzte Kronprinz wurde zunächst noch zum neuen Monarchen ausgerufen, nach seinem Tod musste aber der Bruder des ermordeten Birendra zum neuen König gekrönt werden. Nach dem umstrittenen Bericht einer Untersuchungs-Kommission soll Kronprinz Dipendra allein die Mitglieder seiner Familie getötet haben. Die Porträts von Birendra, seinem nach ihm regierenden Bruder Gynendra und deren Vorfahren dominierten lange Zeit auch die Geldscheine des Landes. 1996 brach im Westen Nepals eine blutige Revolte maoistischer Guerillas aus, die sich nach dem Attentat im Königspalast zum „Volkskrieg“ steigerte, der bis 2006 andauerte. Ein nach Generalstreik am 24. April 2006 wieder eingesetztes Parlament beschloss bereits im Mai darauf, dass der König nur noch repräsentative Aufgaben übernehmen durfte. Am 8. Mai 2008 wurde die Republik ausgerufen, in der die Ansicht des Mount Everest ein Königsporträt auf den Scheinen ersetzt. Die Rupie wurde 1932 in Nepal eingeführt. Erst seit 1951 gab es eigenes Staatspapiergeld und ab 1961 gibt die Nepal Rastra Bank eigene Noten aus. International gehandelt werden Nepalesische Rupien nur für Sammler, im Land sind sie nur gegen Vorlage eines Reisepasses eintauschbar. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/02 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Banknotenatlas – Mauretanien

    Fläche: 1.030.700 qkm Einwohner: 3.597.000 (2015) Hauptstadt: Nouakchott Staatsform: Islamische Präsidialrepublik Amtssprache: Arabisch Währung: 1 Ouguiya = 5 Khoums Bank Centrale de Mauritanie: 200 Ouguiya vom 28.11.2006 Während die Vorderseite streng islamisch nur Ornamente zeigt und auf bildliche Darstellungen verzichtet, zeigt die Rückseite einen verzierten Stab, eine Schüssel, ein Kanu, eine Palme und einen Wasserschöpfer. Ab 1981 tragen alle Banknoten immer ein Ausgabedatum zum Nationalfeiertag, dem 28. November. Derzeit entspricht 1 Mauretanischer Ouguiya (MRO) = 0,0027 Euro. Das heutige Mauretanien war ursprünglich von schwarzafrikanischen Ackerbauern besiedelt, die etwa ab dem 3. Jahrhundert v.u.Z. von Berbern verdrängt wurden. Mit den aus dem Norden Afrikas stammenden Berbern kamen Viehwirtschaft und Nomadentum, die das Land bis heute prägen. Ab dem 8. Jahrhundert verbreitete sich durch arabische Händler über die Handelswege durch die Sahara der Islam. Im 11. Jahrhundert erreichte die Islamisierung ihren Höhepunkt. Aus dem Süden Mauretaniens zogen die radikal-islamischen Almoraviden in den Dschihad. Ihr Ziel war die Bekämpfung von Ungläubigen und „Ketzern“ und die Bildung eines strikt islamischen Staats. Sie zogen in den Norden, eroberten Marokko und schließlich rissen sie auch die Herrschaft über große Teile Spaniens an sich. Im Jahr 1147 übernahmen die Almohaden ihr Reich und der Norden Mauretaniens wurde nun von Marokko und der Süden von Mali beherrscht. Der Großteil der heutigen Bevölkerung – die Mauren, nach denen das Land seinen Namen hat – entstand aus der Vermischung zwischen Berbern und Arabern, während die Bevölkerung im Süden mit den Soudans hauptsächlich schwarzafrikanische Wurzeln hat. 1445 erreichten portugiesische Seefahrer auf dem Weg nach Indien als erste Europäer die südliche Küste Mauretaniens. Ihnen folgten mit Niederländern, Briten und Franzosen weitere See- und Handelsmächte, denen es um die koloniale Aufteilung der Welt und in Mauretanien um die Kontrolle des einträglichen Sklavenhandels ging. Für die Franzosen war das Land als Bindeglied zwischen ihren Kolonien im Norden und in Westafrika außerdem von großer strategischer Bedeutung. Sie konnten ihren „Anspruch“ Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzen und 1920 wurde Mauretanien Teil der Kolonie Französisch-Westafrika. Die Mauren ließen sich aber nicht ohne Widerstand unterwerfen. Erst 1934 gewannen die Franzosen ihren letzten Kampf, was direkt in eine maurische Unabhängigkeitsbewegung mündete. Als Mauretanien am 28. November 1960 unabhängig wurde, gab es kaum städtische Strukturen. Die meisten Mauren waren Nomaden und lebten in Zelten statt in Häusern. Die heutige Hauptstadt Nouakchott war noch von der Kolonialmacht für nicht mehr als 15.000 Menschen angelegt worden. Die Dürren der 1970er und 1980er Jahre führten jedoch zu einer starken Zuwanderung in die Stadt, deren Bevölkerung rasch anwuchs und heute rund 900.000 Einwohner zählt. Durch die Dürreperioden und die militärisch letztendlich erfolglose Teilnahme am Konflikt um Westsahara verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage Mauretaniens. Trotz mehrmaliger offizieller Abschaffung der Sklaverei (zuletzt 2007) besteht diese weiter fort, indem die Versklavung von Generation zu Generation übertragen wird. Noch heute sind Hunderttausende Menschen in Mauretanien Sklaven, womit das politisch unruhige Land den höchsten Bevölkerungsanteil von Sklaven weltweit hat. Die Hälfte der Bevölkerung sind Analphabeten. Vor 1960 liefen in Mauretanien die Noten der Banque de l’Afrique Occidentale und damit der französischen Kolonialmacht um. Bis 1973 war das Land noch Mitglied der Westafrikanischen Währungsunion. Ab 1973 gibt die Banque Centrale de Mauritanie eigene Banknoten aus. Die mauretanische Währung Ouguiya ist die weltweit einzige, die vom Dezimalsystem abweicht. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2016/03 Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

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