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- Leserpost: Bisher unbekannte Ausgabestelle von sächsischem Notgeld aus dem Jahr 1923
Kürzlich habe ich eine neue Ausgabestelle von sächsischem Notgeld aus dem Jahr 1923 gefunden. Es handelt sich um Schecks der Mitteldeutschen Privat-Bank mit der "Zschopauer Wirkwarenfabrik G.m.b.H. Bruno Simon" als Aussteller. Das Format beträgt 240 x 120 mm, Das Papier hat kein Wasserzeichen. Herzliche Grüße, T. Neldner Antwort der Redaktion Hallo Herr Neldner, vielen Dank für die Meldung dieser Ausgabe. Die Katalogisierung des Notgelds der deutschen Hochinflation durch Dr. Arnold Keller im Jahr 1958 ist ja nun schon eine ganze Weile her. Bisher gibt es leider keine Neubearbeitung zu diesem wichtigen Teil der deutschen Geldgeschichte. Ein Nachdruck erschien erst wieder 2024 im Battenberg Verlag. Schon vor Jahren ging man davon aus, dass ca. ein Viertel sämtlicher Notgeldausgaben ab Juli 1923 bis zum Ende der Hochinflation im "Keller-Katalog" fehlt. Etliche davon konnten in den vergangenen Jahrzehnten in "Der Geldscheinsammler" und auch hier im Geldschein-Blog vorgestellt werden. Jede Meldung aus Kreisen von Sammlern und Händlern trägt mit zur Vervollständigung dieses Kapitels der deutschen Inflation bei. Seit Keller sind Dank des Engagements fleißiger Autoren eine ganze Reihe von Regional-Katalogen erschienen. Alle kann ich an dieser Stelle natürlich nicht aufzählen. Für Sachsen, wo aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und Industrialisierung sehr viel Notgeld ausgegeben wurde, verfasst Hans Meyer 1977 seinen Katalog "Das Papiergeld des Königreichs Sachsen 1914-1924" als Band 32 der Schriftenreihe "Die Münze". In diesem Katalog werden nur Haupttypen aufgeführt, auf Varianten wird aber kaum eingegangen. Bei Zschopau wird die von Ihnen belegte Ausgabestelle nicht aufgeführt. Meyer, Ausgabestellen bei Zschopau: Stadt bzw. Stadtbank Stadtgirokasse Gewerbebank Zschopau e.G.m.b.H. Zschopauer Baumwollspinnerei AG Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen Die umfassendste Bearbeitung des sächsichen Papiergeld stammt von Mathias Bühn: der 2021 erschienene Katalog " Das Papiergeld von Sachsen 1772 – 1949 " in vier Bänden. Der Autor arbeitete Jahrzehnte an diesem Katalog und nahm alle ihm bekannten und nachgewiesenen Ausgaben und Varianten auf, was zu einem Katalogumfang von mehr als 2.250 Seiten führte. Bühn, Ausgabestellen bei Zschopau: Stadt / Stadtbank Stadtgirokasse Gewerbebank Zschopau e.G.m.b.H. Konsum-Verein, Spar- und Produktivgenossenschaft für Zschopau und Umg. e.G.m.b.H. Max Teichmann & Co. Aktiengesellschaft Zschopauer Baumwollspinnerei AG Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen Bei Bühn finden wir also zwei zusätzliche Ausgabestellen, die Verrechnungsschecks der Mitteldeutschen Privat-Bank Aktiengesellschaft, Zweigniederlassung Zschopau mit der Zschopauer Wirkwaren G.m.b.H. Bruno Simon als Herausgeber sind aber eine echte Neuentdeckung. Herzlichen Glückwunsch! Beide gezeigten Notgeldschecks lauten über 3 Millionen Mark. Ausgestellt wurden sie am 17. bzw. 18. August 1923. Auf den Rückseiten gibt es jeweils eine umfangreiche Auflistung von Einlösungsstellen. Ich werde Herrn Bühn einen Link zu diesem Beitrag schicken, damit er sich die neue Ausgabestelle mit ihren Schecks notieren kann. Nochmals herzlichen Dank, viel Spaß beim Sammeln und Entdecken und beste Grüße Hans-Ludwig Besler (Grabowski)
- Bolivien: Serie B
Die Zentralbank von Bolivien (BCB) bezeichnet ihre neue Serie „B“ als „Verschmelzung von Design, Sicherheit und Vertrauen“. Nachdem im Juni 2025 die ersten beiden Banknoten der Serie B im Wert zu 100 und 200 Bolivianos eingeführt worden waren, wurde die Serie kürzlich mit der Einführung von 10-, 20- und 50-Bolivianos-Scheinen vervollständigt. Die zweite Gruppe modernisierter Banknoten der Serie B wurde am 15. Oktober 2025 in Umlauf gebracht. Die ästhetische Gestaltung sowie die dynamischen Sicherheitsmerkmale der Banknoten der Serie B sprechen die Sinne an und ermöglichen es den Bürgern, die Echtheit durch Berührung, Sehen und Bewegung zu überprüfen. Dank ihrer schmutzabweisenden Beschichtung sind die Baumwollbanknoten zudem besonders strapazierfähig. Das Design der Serie B kommt den Verbrauchern bekannt vor, da die abgebildeten kulturellen Symbole und nationalen Motive denen der Banknoten der Serie A entsprechen. Die Serie B zeichnet sich jedoch durch eine höhere Druckqualität und lebendigere Farben aus. Diese Verbesserungen sind bei den neuesten Banknoten, die unten abgebildet sind, deutlich zu erkennen. 10 Bolivianos der Serie B (Vorderseite und Rückseite). 20 Bolivianos der Serie B (Vorderseite und Rückseite). 50 Bolivianos der Serie B (Vorderseite und Rückseite). 100 Bolivianos der Serie B (Vorderseite und Rückseite). 200 Bolivianos der Serie B (Vorderseite und Rückseite). Die Serie B weist mehrere Verbesserungen in Bezug auf Design, Sicherheit und Funktionalität auf. Dazu gehören: Unsichtbare Infrarot-Technologie (Detect®) und magnetische Druckfarben, die beide die Sicherheit erhöhen und eine verbesserte maschinelle Lesbarkeit der Banknoten ermöglichen. Dreifarbige fluoreszierende Fasern, die unter UV-Licht leuchtend erscheinen. Verbesserte UV-Grafiken auf der Rückseite. Die Banknoten der Serie B verfügen außerdem über RAPID® Vision, einen visuell interaktiven 3D-Mikrooptik-Sicherheitsfaden mit Farbwechsel, der bei Neigung der Banknote animiert wird. Die in der Serie A integrierte SPARK Live®-Merkmal wurde aufgrund der Sicherheit, der optischen Attraktivität und der Langlebigkeit der Technologie auch in der Serie B beibehalten. Taktile Details an wichtigen Stellen helfen Verbrauchern (mit und ohne Sehbehinderung), den Nennwert jeder Banknote durch Berühren zu erkennen. Bei allen Scheinen der Serie B sind die erhabenen Tiefdruckbereiche auf beiden Seiten größer und umfassen Elemente, die in der vorherigen Serie noch im Offsetdruck ausgeführt wurden. Donald Ludwig
- Sudan: Neue Banknoten im Umlauf
Am 6. November 2025 gab die Zentralbank des Sudan (CBoS) die Ausgabe einer neuen 2000-Pfund-Banknote – einer völlig neuen Stückelung – sowie die einer neuen 500-Pfund-Note bekannt. Beide sind auf Juni 2025 datiert. Die CBoS erklärte, dass die Entscheidung zur Ausgabe der neuen Banknoten im Einklang mit den Bestimmungen des Gesetzes über die Zentralbank des Sudan von 2002 und dessen späteren Änderungen steht und dass dieser Schritt im Rahmen des Schutzes der Landeswährung, der Stabilisierung ihres Wechselkurses und der Förderung der wirtschaftlichen Stabilität erfolgt. Der Präsidentenpalast in Khartum. Der Zusammenfluss des Blauen Nils (links) und des breiteren Weißen Nils (rechts). Auf der Vorderseite der 500-Pfund-Note ist der unter britischer Herrschaft ab Ende 1898 erbaute ehemalige Gouverneurspalast und heutige Präsidentenpalast in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, zu sehen, der seit Ausbruch des Bürgerkriegs im April 2023 von Paramilitärs besetzt und erst im März 2025 von den Sudanesischen Streitkräften zurückerobert werden konnte. Er hat historische und kulturelle Bedeutung für den Sudan und ist nicht zuletzt auch ein politisches Symbol des Landes. Die Rückseite zeigt den Blauen Nil (links) und den breiteren Weißen Nil (rechts), die in Khartum zusammenfließen und den Nil bilden, den längsten Fluss der Welt. Die aktualisierte 500-Pfund-Banknote misst 156 × 66 mm und ist in Blau- und Brauntönen gehalten. Zu den Sicherheitsmerkmalen gehören ein Sekretärvogel-Wasserzeichen mit dem Nennwert, ein gefensterter Sicherheitsfaden mit geometrischem Muster und den Buchstaben CBOS, Intaglio-Druck und versteckte Images. Taktile Markierungen für Sehbehinderte befinden sich an den Rändern der Vorderseite. Die Vorderseite der neuen 2000-Pfund-Note zeigt typische Vertreter der sudanesischen Fauna, darunter Rinder, die das landwirtschaftliche Erbe des Landes hervorheben. Die Rückseite zeigt den römischen Kiosk in Naqa oder Naga'a, einer zerstörten antiken Stadt des kuschitischen Königreichs Meroë im heutigen Sudan. Die antike Stadt liegt etwa 170 km nordöstlich von Khartum. Der römische Kiosk ist ein kleiner Tempel in der Nähe des Haupttempelgebäudes, der starke griechisch-römisch-hellenistische Elemente aufweist. Der Eingang zum Kiosk ist ägyptisch und wird von einem Sturz mit einer Reihe heiliger Uräen (Kobras) gekrönt, aber die Seiten bestehen aus Säulen mit verzierten korinthischen Kapitellen und Bogenfenstern im römischen Stil. Die Banknote misst 160 × 72 mm und ist in Grün- und Gelbtönen gehalten. Die Sicherheitsmerkmale ähneln denen der 500-Pfund-Note, jedoch mit einem breiteren gefensterten Sicherheitsfaden und einem farbwechselnden Element in Form eines fliegenden Vogels. An den Rändern der Vorderseite befinden sich ebenfalls taktile Markierungen für Sehbehinderte. Die folgenden Abbildungen der Sicherheitsmerkmale, wie sie von der CBoS freigegeben wurden, zeigen beide Seiten der neuen Banknoten: Donald Ludwig
- Zur Geldgeschichte Singapurs
Clement Liew und Peter Wilson - A History of Money in Singapore Clement Liew / Peter Wilson: A History of Money in Singapore Talisman Publishing Singapur 2021. Hardcover, 422 Seiten, 24,5 x 18 cm, durchgehend farbig. In englischer Sprache. ISBN 978-981-18-2129-5 Kosten ca. 35 EUR plus Porto, zu bestellen z.B. über Amazon. Zum 50jährigen Jubiläum der Monetary Authority of Singapur (MAS), der Zentralbank Singapurs, hat diese sich 2021 ein Geschenk gemacht und die Geldgeschichte Singapurs durch den Historiker Clement Lew und den Wirtschaftsexperten Peter Wilson umfangreich aufarbeiten lassen. Herausgekommen ist ein sehr hochwertig gemachtes, gut recherchiertes, reich bebildertes, flüssig lesbares Buch, mit dem man auf Entdeckungsreise gehen kann durch die Geld- und Währungsgeschichte des Landes. Wer mit europäischem Blick auf eine Weltkarte schaut, für den liegt Europa im Zentrum. Ein asiatischer Blick auf die Weltkarte verschiebt Europa an den linken oberen Rand. Ebenso verhält es sich mit einem Blick auf die Geld- und Währungsgeschichte: Kennen sich viele Numismatiker in Europa mit Gulden, Talern und Francs als den Leitwährungen ihrer Zeit in Europa bestens aus, schauen Sammler ostasiatischer Numismatik auf Duit, Rupien und Tradedollars, die den Zahlungsverkehr in Ostasien lange Zeit bestimmten. Singapur ist seit seiner Gründung als Hafen ein Umschlagplatz des Handels in Ostasien gewesen, was auch den Geldumlauf dort bestimmt hat. Die Autoren beschreiben die Vielzahl von Zahlungsmitteln, die im Laufe der Jahrhunderte in Singapur verwendet wurden, sowohl im Fernhandel als auch im täglichen Zahlungsverkehr auf den Basaren und in den Läden der Stadt. Kaufleute in Singapur haben in den ersten Jahrzehnten der britischen Kolonialisierung gegen viele von der East India Company und später von der britischen Kolonialverwaltung geplante Währungsmaßnahmen Widerstand geleistet, und sich durchgesetzt. Singapur hat nie die Indische Rupie als Zahlungsmittel eingeführt, obwohl die britische Kolonialverwaltung das mehrfach versuchte. Vielmehr entstand aus den silbernen Tradedollars geprägt in Mexiko, dann auch in Hongkong und den USA zunächst der Strait-Dollar als gemeinsame Währung der britischen Kolonien in Ostasien, dann der Dollar von Malaya und Britisch Nord-Borneo, den Singapur zusammen mit Malaysia, Nord-Borneo und Brunei nutze. Dieser war in einem festen Kurs an das Britische Pfund gebunden. Das Streben nach Selbstvertretung gipfelte 1959 in der internen Selbstverwaltung, 1963 in der Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft als Teil der Föderation Malaysia und 1965 im Status einer unabhängigen Republik, die 1967 den Singapur-Dollar als Währung einführte und erstmals eigene Münzen und Banknoten ausgab. Bevor es erstmals 1897 in Singapur zur Ausgabe von Papiergeld durch eine von der Kolonialverwaltung eingesetzte Währungskommission kam, hatten private Banken diese Aufgabe übernommen. Das System der Emission von Papiergeld durch eine Währungskommission (Currency Commission), die die Ausgabemengen nicht nach politischen Vorgaben, sondern allein entsprechend den vorhandenen Reserven an Gold, Silber und fremden Zahlungsmitteln steuerte, und das Singapur erst 2002 endgültige abschaffte, sorgte für eine über Jahrzehnte stabile Währung. Es förderte, zusammen mit geringen Zöllen und einer Migration von arbeitssuchenden Menschen aus der Region die Entwicklung Singapurs zunächst als führender Hafen, später als führender Finanzplatz in Ostasien. Die Autoren erläutern die Geld- und währungspolitischen Entwicklungen anschaulich und mit vielen Beispielen, und geben so einen Einblick in das Geld- und Währungsgeschehen, das sich immer wieder veränderte und auch von großen Krisen nicht verschont blieb, beispielsweise während der Zeit der japanischen Besatzung von 1942 bis 1945, die in einer Inflation mit von den japanischen Truppen auf mobilen Druckerpressen vor Ort gedrucktem Papiergeld endete. Man erfährt, wann welche Zahlungsmittel in Umlauf gesetzt wurden, wo sie hergestellt wurden, wie lange sie zirkulierten, und welche Kaufkraft sie zu ihrer Zeit hatten. Zahlreiche Fotos, Zeitungsausschnitte, sowie Abbildungen von Münzen und Banknoten erfreuen den Sammler. Wer sich für Geld- und Währungsgeschichte interessiert, hat an diesem Buch große Freude. Sammler ostasiatischen Münzen und Banknoten sollten es sich in jedem Fall zulegen. Der vertretbare Preis erleichtert die Kaufentscheidung. Dr. Sven Gerhard
- Zwischen den Fronten. Papiernotgeld 1945 in Deutschland.
Michael H. Schöne - Zwischen den Fronten. Papiernotgeld 1945 in Deutschland Von Michael H. Schöne. Nachdruck mit Ergänzungen und Korrekturen. Pirna 2025. Eigenverlag des Autors. Softcover, Spiralbindung. 80 + XI Seiten, 29,7 x 21,5 cm, durchgehend farbig. Ohne ISBN Preis 24 EUR plus Porto, zu bestellen beim Autor: michael@schoene-pirna.de Die deutschen Notgeldausgaben der Jahre 1914 bis 1923 sind bis heute Gegenstand intensiver Forschungen und umfassend katalogisiert. Vielen Sammlern kaum bekannt dürften dagegen die Notgeldausgaben auf dem Gebiet des Deutschen Reichs im April 1945 sein. Der Katalog von Michael H. Schöne aus dem Jahr 2015, der jetzt als ergänzter Nachdruck neu erschienen ist, bringt Licht in dieses besondere Sammelgebiet. Er knüpft an den 1979 im Battenberg-Verlag München erschienenen Katalog von Albert Pick und Carl Siemsen über das Notgeld des II. Weltkriegs sowie seinen eigenen, im Gietl Verlag 1994 erschienenen, Katalog "Das Papiergeld im besetzten Deutschland 1945 bis 1949" an, die beide heute vergriffen sind. Bereits vor Kriegsbeginn im August 1939 sahen die verantwortlichen Stellen voraus, dass es zu einer Situation kommen könnte, wonach ein Teil des Reichsgebiets von deutschen Truppen geräumt und von der Bargeldversorgung durch die Reichsbank abgeschnitten werden könnte. Grundsätzliche Überlegungen für die Ausgabe von kommunalem Notgeld wurden für diesen Fall angestellt. Im Herbst 1944 wurde die Situation dann akut: In einem geheimen Rundschreiben vom 14. September 1944 stellte die Deutsche Reichsbank erstmals Richtlinien für die Ausgabe von Notgeld für den Fall auf, dass deutsche Gebiete von deutschen Truppen und der deutschen Verwaltung geräumt würden, und dadurch der Bedarf an Bargeld nicht mehr befriedigt werden könnte. Während Pick/Siemsen 1979 nur 21 Ausgabestellen von Notgeld mit Ausgabejahr 1945 katalogisierten, belegt der ergänzte Katalog von Schöne nunmehr 40 Ausgabeorte. Teilweise waren Notgeldausgaben nur geplant und wurden vor dem Einmarsch alliierter Truppen nicht mehr realisiert, in anderen Orten waren Scheine bereits entworfen oder schon fertig gedruckt und wurden nicht mehr ausgegeben. Einige Ausgaben waren nur wenige Tage im Verkehr, bevor ihr Umlauf von den Alliierten verboten wurde. Am längsten liefen wohl die Scheine zu 20 Reichsmark der Sächsischen Staatsbank vom 26. April 1945 um, die bis zur Währungsreform in der SBZ im Juni 1948 im Zahlungsverkehr zu finden waren. Die Katalogisierung erfolgte alphabetisch nach Ausgabeorten. Zur Ausgabe von Notgeldscheinen kam es im April 1945 schwerpunktmäßig in Nord- und Nordwestdeutschland, in Württemberg sowie in Sachsen. Alle bekannten Scheine sind farbig mit Vorder- und Rückseite abgebildet. Der Sammler erhält umfassende Informationen zu Varianten und Auflagezahlen. Soweit bekannt, wurden auch Ausgabe- und Umtauschzahlen veröffentlicht, um eine Einschätzung der Seltenheit zu ermöglichen. Auch Bewertungen der Scheine für die Erhaltungsstufen I und II werden angegeben, soweit Ausgaben realisiert wurden. Wertvoll an dem Katalog von Schöne ist nicht allein die Katalogisierung der bekannten Ausgaben. Bemerkenswert und aus historischer Sicht nicht hoch genug einzuschätzen sind die dazu gelieferten detaillierten Informationen hinsichtlich Druckerei, Auflage- und Umlaufzahlen, soweit sie sich haben ermitteln lassen. Die Recherchen des Autors gehen insofern zurück bis auf Anfang der 1980er-Jahre. Jahrzehnte an Archiv- und Korrespondenzarbeit sind in dieses Werk geflossen. Teilweise konnte auf bekannte Sammlungen sowie auf Berichte von Augenzeugen zurückgegriffen werden, die heute längst verstorben sind. Ohne die Aufzeichnungen von Schöne wäre dieses Wissen verloren gegangen. Angereichert wird das Werk durch zahlreiche Originaldokumente sowie Karten zum Frontverlauf im Frühjahr 1945 in Westeuropa, um die Dynamik der historischen Ereignisse nachvollziehen zu können. Es gilt für dieses wie für alle von Michael H. Schöne herausgegeben Werke: Der Autor legt ein fundiertes und bestens recherchiertes Kompendium vor, dass die Notgeldausgaben in ihren historischen Kontext einordnet und vielfältige Hintergrundinformationen zu den einzelnen Scheinen liefert. Oft lesen sich die gut geschriebenen Recherche-Ergebnisse wie ein Kriminalroman. Wer sich für deutsche Geldgeschichte interessierte, für den ist der Katalog Pflichtlektüre. Heimatsammler werden darin interessante Informationen finden. Als Referenzwerk für die Notausgaben von 1945 ist er unentbehrlich. Es gilt: Kaufen, bevor auch die Neuauflage vergriffen ist. Dr. Sven Gerhard
- Aus privaten Sammlungen: Ministerrats-Muster der Staatsbank der DDR zu 100 Mark von 1975
Bereits 1967 wurde per Gesetz aus der Deutschen Notenbank die Staatsbank der DDR und die offizielle Währungsbezeichnung lautete nun nicht mehr Deutsche Mark (DM) oder Mark der Deutschen Notenbank (MDN) sondern „Mark der Deutschen Demokratischen Republik“ (M). Neue Staatsbanknoten sollten aber erst schrittweise von 1973 bis 1979 in den Umlauf kommen. Die Gestaltung der letzten DDR-Banknoten ist typischer Ausdruck des sozialistisch geprägten Selbstverständnisses der DDR, die zwischenzeitlich von über 100 Ländern staatlich anerkannt und Mitglied der UNO war. Von allen Werten wurden verschiedene Musterscheine gefertigt, darunter auch solche zur Vorlage beim damaligen Ministerrat der DDR. Sie erkennt man an einer niedrigen laufenden Kontrollnummer innerhalb der ersten Serie AA und einer 8 mm hohen MUSTER- oder 12 mm hohen SPECIMEN-Perforation. Objekttyp: Banknote, Staatsbanknote, Muster Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Besler (Grabowski) Authentizität: Original-Muster Land/Region/Ort: Deutsche Demokratische Republik, Berlin-Ost Emittent: Staatsbank der DDR Nominal: 100 Mark Datierung: 1975 Umlauf: 2. Oktober 1978 bis 30. Juni 1990. Vorderseite: Links: Staatswappen der DDR, Rechts: Porträt von Karl Marx. Rückseite: Links: Staatswappen der DDR, Rechts: Straßenszene mit Blick vorbei am Zeughaus links auf den Palast der Republik mit Turm des Roten Rathauses im Hintergrund und den Fernsehturm in Ostberlin. Material: Papier mit Kopfwasserzeichen Porträt von Karl Marx und Perforation "MUSTER". Format: 144 mm x 61 mm Nummerierung: AA 0000398 (Erste Auflage: Typensatz) Druck: VEB Wertpapierdruckerei der DDR, Leipzig. Zitate: DDR-25 M2 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) 363 M2 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) 31 s (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. III-Modern Issues) B305 as2 (Linzmayer: The Banknote Book: German Democratic Republic) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Zum Verlags-Shop
- Teutoburger Münzauktion: Vorschau auf die Weihnachts-Auktion 170 vom 5. bis 10. Dezember 2025
Die Weihnachtsauktion in der Lebkuchenstadt Borgholzhausen findet am 5. und 6. Dezember sowie vom 8. bis 10. Dezember 2025 statt. Sie beginnt dieses Mal an einem Freitag mit dem Sonderkatalog Banknoten und Briefmarken. Bei den Banknoten kommt u.a. der erste Teil eines großen Händlernachlasses zur Versteigerung, bei den Briefmarken sind viele große Nachlässe aus Sammlerbeständen im Angebot. Der diesmal zweite Teil der Auktion, versteigert am Nikolaustag, ist der Goldbereich mit Münzen, Medaillen, Uhren und Schmuck. Der dritte Teil der Auktion, dieses Mal der Hauptteil, beginnt erst am Montag, 8. Dezember mit China & Südostasien, antiken Münzen, Münzen aus aller Welt (vor allem Polen, Russland, Tschechoslowakei, USA). Zum Schluss kommen die angrenzenden Sammelgebiete, allen voran Orden und Militaria (hier eine Auswahl an Blankwaffen), aber auch andere Kleinantiquitäten. Nr. 1 - 679 Banknoten: Versteigerung am Freitag, 05.12.2025 ab 9 Uhr! Hier geht es direkt zum Banknotenteil der Auktion: https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/suche/12313/seite/1/?lot_range=1-679 Vorschau auf eine kleine Auswahl zum Banknotenteil: Los 194 Banknoten, Altdeutschland, Hannover, Königreich: Grabowski/Kranz 119, Pick S235 Cassenschein, 1 Thaler 7.12.1846. Magistrat der königlichen Residenzstadt 1846. III Ausruf: 1.000 EUR Los 204 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945: Rosenberg 7, Grabowski DEU-49 20 Mark 10.1.1882. Serie G. II, leichter Mittelknick, selten Ausruf: 5.000 EUR Los 216 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945 : Rosenberg 83, Grabowski DEU-94 10 Tsd. Mark 3.2.1923. Serie S, FZ: E. Mit rotem Aufdruck „MUSTER“. I Ausruf: 2.000 EUR Los 236 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945: Rosenberg 136, Grabowski DEU-169 50 Billionen Mark 10.2.1924. Serie A. I- / II+ Ausruf: 3.000 EUR Los 241 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945: Rosenberg 158b M, Grabowski DEU-203b M 50 Rentenmark 1.11.1923. Firmendruck, FZ: WB-K. Mit Perforation „Druckprobe“. II+, leichter Mittelknick, sehr selten Ausruf: 4.000 EUR Los 242 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945: Rosenberg 159, Grabowski DEU-204 100 Rentenmark 1.11.1923. Serie A. I / I-, äußerst selten in dieser Erhaltung Ausruf: 3.000 EUR Los 243 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945: Rosenberg 161, Grabowski DEU-206 1000 Rentenmark 1.11.1923. Serie A. I-, äußerst selten in dieser Erhaltung Ausruf: 5.000 EUR Los 244 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945: Rosenberg 163, Grabowski DEU-208 10 Rentenmark 3.7.1925. Serie F. I, sehr selten in dieser Erhaltung Ausruf: 2.000 EUR Los 306 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Westliche Besatzungszonen und BRD, ab 1948 : Rosenberg 244, Grabowski WBZ-8 100 Deutsche Mark (roter Hunderter), Serie 1948. Kenn-Bst./Serie L/A. II+, selten Ausruf: 2.000 EUR Hier geht es direkt zum Banknotenteil der Auktion: https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/suche/12313/seite/1/?lot_range=1-679 Teutoburger Münzauktion GmbH Brinkstraße 9 33829 Borgholzhausen Webseite: https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/ E-Mail: info@teutoburger-muenzauktion.de Telefon: 05425/930050
- Leserpost: Moderne Serienscheine aus Thüringen?
Vor einigen Jahren konnte ich drei Notgeldscheine der Stadt Weißensee in Thüringen von 1921 kaufen, die so nicht in ihrem Katalog der deutschen Serienscheine zu finden sind. Es handelt sich um Werte zu 1, 5 und 10 Mark von 1921 auf Karton. Handelt es sich evtl. um Probedrucke oder Muster, die nicht ausgegeben wurden? Könnten Sie mir bitte mitteilen, um was es sich dabei genau handelt und ob die Scheine einen höheren Sammlerwert haben als die normalen Serienscheine der Stadt? Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe. H. Weiss Antwort der Redaktion: Ich selbst konnte vor ca. zehn bis 15 Jahren diese drei Scheine für meine Sammlung erwerben. Natürlich stellte sich damals auch mir die Frage, was es damit auf sich hat, zumal es sich um meine Heimatstadt handelt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Nach einer Rückfrage beim Stadtarchiv war klar, dass es hier keine Belege dazu gab und man von einem Nachdruck zum Stadtjubiläum in den 1960er Jahren ausging. Henning Huschka führt deshalb die Scheine in seinem Katalog "Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR" unter GS 310 auf und schreibt: Gutscheine während der Feiern zu 700 Jahre Stadtrecht – Nachdruck des Notgeldscheines zu 1 M von 1921, sowie Änderung der Druckplatten bei den Scheinen zu 5 und 10 M. Die Scheine konnten für MDN [Mark der Deutschen Notenbank] umgetauscht werden und dienten als Bezahlungsmittel für Buden und Kioske während der Feierlichkeiten. Nicht eingelöste Scheine verblieben als Andenken beim Käufer. Bei der Verleihung des Stadtrechts ging man früher auf das Jahr 2012 zurück (1962 fand also eine 750-Jahr-Feier statt!), heute aber auf das Jahr 1265, was die Abweichung bei den Angaben zu den Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum ausmacht. Es gibt deswegen auch Angaben zu einer 700-Jahr-Feier 1965, die aber so nicht stattgefunden hat. Die sehr schönen Serienscheine der Stadt Weißensee wurden vom Erfurter Grafiker und Maler Alfred Hanf (1890-1974) gestaltet, der auch Notgeld für Erfurt und weitere Städte entworfen hat. Stadt Weißensee in Thüringen: Serienschein zu 1 Mark vom 1. August 1921, Original, Vorderseite mit der heiligen Elisabeth von Thüringen und dem sog. "Rosenwunder" und Rückseite mit der Wartburg oben und deren Schwesterburg, der Runneburg in Weißensee, unten. Spätestens seit der sehr lesenswerten Veröffentlichung "Erfurter Geld- und Medaillengeschichte, Band III – Alfred Hanf: 100 Jahre künstlerisches Notgeld für Erfurt, Gebesee, Sömmerda und Weißensee – Entwürfe, Proben und Geschichte(n)" von Hans-Peter Brachma ń ski und Ringo Staudt aus dem Jahr 2021 ist klar, dass es sich um Nachdrucke handelt, die vom ehemaligen Runneburgverein der Stadt zur 825-Jahr-Feier der Runneburg im Jahr 1993 ausgegeben worden sind. Die auf festem Karton ausgeführten und von ihrer Gestaltung ausschließlich am 1-Mark-Schein von 1921 orientierten Nachdrucke waren 1993 während eines Burgfestes gültig, das zu diesem Jubiläum veranstaltet wurde. Druckplatten wurden hierfür jedoch mit Sicherheit nicht geändert, da die Bearbeitung der Vorlage auch schon in den 1990er Jahren digital möglich war. Auch für den Druck selbst benötigte man zu dieser Zeit schon keine Druckplatten mehr. Im Juni diesen Jahres besuchte ich meine alte Heimatstadt und sowohl im Stadtarchiv als auch durch Sammler des ehemaligen Vereins der Briefmarken- und Münzfreunde von Weißensee, die sich immer noch regelmäßig treffen, wurde die Verwendung zum Burgfest 1993 bestätigt. Es gibt wohl keine Bestände dieser Nachdrucke mehr, der Runneburgverein hat sich leider 2010 aufgelöst. Es gibt auf der Burg seither kein Museum mehr (abgesehen von ehrenamtlichen Führungen an Wochenenden), auch Gastronomie, Burgfeste, Mittelalterfeste und das beliebte Steinschleuderschießen mit dem Nachbau einer mittelalterlichen Blide wurden leider eingestellt. Von den Nachdrucken dürften aber noch einige Stück als Souvenir aufbewahrt worden sein. Sie sind auf alle Fälle deutlich seltener als die Original-Serienscheine von 1921 und verdienen es, in Regional- oder Notgeldsammlungen aufbewahrt zu werden. Nach Rücksprache mit Herrn Thomas Stolle vom ehemaligen Runneburgverein, wurden die Nachdrucke definitiv zum Burgfest 1993 angefertigt. Der Originalschein zu 1 Mark von 1921 wurde dazu als Vorlage genutzt und vom Grafiker und Zeichner Fleischmann aus Sömmerda abgeändert. Es handelte sich um eine größere Auflage, da zum Burgfest etwa 10.000 Besucher kamen. Zur 750-Jahr-Feier 1962 (2012-1962) gab es lediglich runde Plastikmünzen. Weißensee/Thür., 1 Runneburg-Taler (Plastik, Durchmesser ca. 57 mm), ausgegeben zur 750-Jahr-Feier der Stadt 1962, Vorderseite mit Wertangabe im Lorbeerkranz, Rückseite mit Runneburg. Titel des Festheftes mit Programm zum Stadtfest "750 Jahre Stadt Weissensee Thüringen 1212 – 1962" für die Festwoche vom 30. Juni bis 8. Juli 1962. Vielen Dank an Manuela Pilz, Weißensee/Thür. für die Bereitstellung der Vorlage für diese Abbildung. Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Abbildungen Geldscheine: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte Plastikmünze: Thomas Stolle Literaturempfehlungen Hans-Ludwig Grabowski | Manfred Mehl Deutsches Notgeld, Band 1 und 2: Deutsche Serienscheine 1918 – 1922 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-518-3 Auflage: 3. völlig überarbeitete und neu bewertete Auflage 2009 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 960 Preis: 45,00 Euro Mehr lesen Hans-Peter Brachma ń ski / Ringo Staudt: Erfurter Geld- und Medaillengeschichte, Band III Alfred Hanf – 100 Jahre künstlerisches Notgeld für Erfurt, Gebesee, Sömmerda und Weißensee, Entwürfe, Proben und Geschichte(n) 100 Seiten, durchgängig farbig bebildert, Format 21 cm x 29,7 cm, Harteinband, Erfurt, 2021 Preis: 19,90 Euro ISBN: ohne Mehr lesen
- Die aktuellen 2025er Banknoten von Belize – Ein genauerer Blick
Die aktuelle Banknotenserie von Belize wurde am 4. August 2025 herausgegeben und umfasst sechs Werte. Seit Ende 1952 war Königin Elisabeth II. auf den Banknoten von Belize (früher Britisch-Honduras) abgebildet. Anstatt ihr Bildnis durch das ihres Sohnes, König Charles III., zu ersetzen, beschloss das Land, seine Nationalhelden Philip Goldson und George Cadle Price auf der neuen Serie zu ehren. Die neue Serie wurde ausführlich HIER in unserem Blog vorgestellt. Die neue Dollarserie der Central Bank of Belize verfügt über die neuesten Innovationen im Bereich Sicherheitsfäden mit einem PUREIMAGE™-Hologrammfaden auf den 2- und 5-Dollars-Scheinen und einem IGNITE®-Sicherheitsfaden sowie einem Hologrammstreifen auf den 10-, 20-, 50- und 100-Dollars-Scheinen. Unter UV-Licht erscheinen auf allen Werten verbesserte GEMINI®-Muster. Diese Sicherheitsmerkmale statten die neue Banknotenserie mit der modernsten Technologie zur Fälschungssicherheit aus. Detaillierte Beschreibungen aller Abbildungen und Merkmale auf der Vorder- und Rückseite jedes Nennwertes finden Sie im obigen Artikel. Genießen Sie die folgenden Abbildungen: 2 Dollars: 5 Dollars: 10 Dollars: 20 Dollars: 50 Dollars: 100 Dollars: Die holografischen Sicherheitsfäden PUREIMAGE™ (auf den 2- und 5-Dollars-Banknoten), die holografischen Streifen (auf den 10-, 20-, 50- und 100-Dollars-Banknoten) und die Wasserzeichen (Philip Goldson oder George Cadle Price) aller Stückelungen sehen Sie in den folgenden Detailabbildungen: Donald Ludwig
- Wechselfahrscheine und Fahrmarken 1947/48 als Notgeld
Eine einfache Fahrt mit den örtlichen Straßenbahnen in Westdeutschland kostete 1947 in der Regel 10 bzw. 20 Reichspfennig für eine „Geradeausfahrt“ – je nach Fahrstrecke. Durch den damals herrschenden Kleingeldmangel waren die Schaffner oftmals nicht in der Lage, nötiges Wechselgeld an die Fahrgäste herauszugeben. Abb. 1: Straßenbahnhaltestelle der Linie 4 in Remscheid-Hasten. So wurde die Idee geboren, sog. „Wechselfahrscheine“ auszuhändigen ... die gern im normalen Geschäftsleben als Notgeld verwendet wurden. Solches Ersatzgeld lief vor allem im Rheinland, in Westfalen, Niedersachsen und Hessen, aber auch in Sachsen-Anhalt in den Jahren 1947 bis zur Währungsreform im Juni 1948 um. Bekannt sind: Wechselfahrscheine Aachen 10 (Reichspfennig) – a: Wertziffer grün, b: Wertziffer rot 20 (Reichspfennig) Abb. 2: 10 Reichspfennig, Vs., 78 × 40 mm, o. D. (1947), Wechselfahrschein der Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG (ASEAG) – Rs. unbedruckt. Bochum-Gelsenkirchen 10 (Reichspfennig); 60 × 41 mm, o. D. – ab 22. Juli 1947 ausgegebene Wechselfahrscheine der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA), hergestellt bei der Druckerei J. Granderath in Düsseldorf, da die bisherige Heinrich Fasbender GmbH (Berlin, Wallstraße 11) nicht mehr ausreichend liefern konnte; die Scheine wurden durch die Ausgabe von Wechselmarken ergänzt – ein Vorschlag des Bochumer Stadtkämmerers, „Stadtgutscheine“ anstelle von Fahrmarken auszugeben, wurde nicht umgesetzt Düsseldorf 20 (Reichs-)Pfennig o. D. – a: KN 5stellig, b: KN 6stellig – im August 1947 ausgegeben Abb. 3: 20 (Reichs-)Pfennig, Vs., Wechselfahrschein der Rheinischen Bahngesellschaft A. G. Düsseldorf, o. D. (1947), Rs. unbedruckt. Gladbach-Rheydt 50 Reichspfennig, o. D. (1947) – Notgeld-Fahrscheine der Städtischen Straßenbahnen Gladbach-Rheydt mit 10 Feldern zu je 10 Pfennig, lt. Dr. A. Keller „doch Gesamtpreis 50 Pfg.“ Halle-Merseburg 10 Pfennig – a: Druckzeile „11 47“ (November 1947), b: Druckzeile „3 48“ (März 1948) 25 Pfennig, Druckzeile „3 48“ (März 1948) Abb. 5: 10 (Reichspfennig), Vs., 72 × 51 mm, Gutschein der Stadt Hamm, o. D. (1947). Hamm 10 (Reichspfennig) 20 (Reichspfennig) Abb. 5: 10 (Reichspfennig), Vs., 72 × 51 mm, Gutschein der Stadt Hamm, o. D. (1947). Abb. 6: Rs., Stadtansicht Hamm um 1870, „Gutschein der Stadt Hamm über eine Straßenbahnfahrt im Werte von ...“. Abb. 7: 20 (Reichspfennig), Vs., 72 × 51 mm, o. D. (1947), Gestaltung: „FUCHS“. Abb. 8: Rs., Stadtansicht Hamm, in der Druckerei Emil Griebsch, Hamm, Widumstraße 2–8, hergestellt. Hannover (20 Reichspfennig), o. D. (1947), Druckzeile „8 47“ (August 1947) Abb. 9: (20 Reichspfennig), Vs., Gutschein für eine Stadtfahrt mit der ÜSTRA = Überlandwerke und Straßenbahnen AG Hannover, o. J. (1947). Abb. 10: Rs., die Fahrscheine wurden in Viererstreifen (z. B. A1 -1 bis A1-4) mit 5stelliger Kontrollnummer von September bis Dezember 1947 in der Druckerei Dreske & Krüger, Hannover, Kriegerstraße 46, in einer Menge von 463.000 Stück hergestellt. Herne-Castrop-Rauxel (10 Reichspfennig), o. D. (1947), Wechselfahrscheine der Straßenbahn Herne–Castrop-Rauxel GmbH die Scheine waren ab 28. Juli 1947 in Umlauf Krefeld 10 (Reichspfennig), o. D. (1947), Fahrscheine der Krefelder Verkehrs-AG 20 (Reichspfennig), o. D. (1947), die Rückseiten wurden mit „Vorkaufsschein“ gestempelt Münster 20 Reichspfennig, o. D., (1947), Fahrscheine der Stadtwerke Münster, ausgegeben von der Abt. Verkehrsbetriebe Neuss 20 Reichspfennig, o. D., (1948), Teilstrecken-Fahrscheine Stadtwerke Neuss GmbH/Verkehrsbetriebe Remscheid 10 Reichspfennig, o. D. (1947) 20 Reichspfennig, o. D. (1947) Abb. 11: 10 Reichspfennig, Vs., 93 × 56 mm, Wechselfahrschein der Stadtwerke Remscheid, o. J. (1947). Abb. 12: Rs., mit Druckermerk „J. Granderath, Düsseldorf“ (Düsseldorf, Florastraße 75). Wiesbaden 20 (Reichspfennig), o. D. (1947), Fahrscheine der Stadtwerke Wiesbaden AG, 95 × 50 mm Wie erwähnt: Wenn den Schaffnern das knappe Wechselgeld ausging, gaben sie den Fahrgästen den fehlenden Betrag in Form nicht entwerteter Fahrscheine aus. Ein großes Problem war das weiche Papier der Fahrscheine; sie rissen leicht ein oder waren zerknüllt. Oftmals wurden sie deshalb nicht mehr akzeptiert. Schaffner und Fahrgäste gerieten manchmal in Streit darüber, ob die Fahrscheine noch neuwertig waren und für eine Fahrt anerkannt werden konnten. Die „Westfälischen Rundschau“ vom 23. Juli 1947 stellte klar, dass die Fahrscheine nur bedingt Notgeld waren: „Ein Umtausch in Bargeld an der Kasse der Straßenbahn oder beim Schaffner wird nicht vorgenommen.“ Vielerorts gab es außerdem Lieferprobleme der Druckereien. Wie die Berliner Fasbender GmbH konnte auch die Billettfabrik Franz Straubel in Wuppertal (Elberfeld, Trooststraße 5) nicht mehr zuverlässig liefern. Die Situation ausnutzend forderte bspw. die Düsseldorfer Druckerei J. Granderath in Verhandlungen mit der Stadt Bochum einen Vertrag mit 10-jähriger Laufzeit. Solche Schwierigkeiten wurden mit der Ausgabe von münzähnlichen Marken umgangen. Am 9. Juni 1947 führte die Städtische Straßenbahn Solingen Wertmarken in Messing ein. Andere Städte gaben ähnliche Marken aus: Fahrmarken Bochum-Gelsenkirchen 10 (Reichspfennig), o. D. (1947), Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG; a: 3,5 mm stark mit einem Punkt hinter „A-G · “ – b: 4 mm stark mit einem Strich hinter „A-G -“ Abb. 13: 10 (Reichspfennig), Vs./Rs., ca. 21 mm Ø, Eisen; Firma Gustav Hammesfahr in Solingen-Wald und die VDM Halbwerkzeuge GmbH in Altena; dem Vorschlag des Stadtdirektors Dr. Schmidt vom August 1947 folgte die Ausgabe der Fahrmarken am 5. Dezember 1947; geprägt wurden 1,0 Mio. Exemplare – zur Währungsreform gab man 996.380 Exemplare als Bestand an, die Frist der Einlösung wurde bis 30. Juni 1948 verlängert und 101.081 Marken eingelöst. Prägeanstalt: Gustav Hammesfahr, Solingen-Wald. Die Schrötlinge lieferte VDM Halbwerkzeuge GmbH Altena. Duisburg 10 (Reichspfennig), o. D. (1947), Duisburger Verkehrsgesellschaft A. G., a: Wertzahl 5 mm – b: Wertzahl 5,5 mm – c: Wertzahl 6 mm Abb. 14: 10 (Reichspfennig), Vs./Rs., ca. 21 mm Ø, Zink; die 10-Rpfg.-Marken (für eine Fahrt ohne Umsteigen) wurden am 26. August 1947 eingeführt und galten auch im Omnibusverkehr; die 1,0 Mio. Exemplare wurden in der Prägeanstalt Friedrich W. Schnürle GmbH in Duisburg hergestellt. Hagen 10 (Reichspfennig), o. D. (1947), Hagener Straßenbahn AG (HST) Abb. 15: 10 (Reichspfennig) = ½ Fahrt, Vs./Rs., ca. 21 mm Ø, Eisen; 500.000 Exemplare wurden ab 1. November 1947 ausgegeben und waren nur für eine „halbe“ Fahrt gültig, wobei zwei Teilstrecken, die ehemals jeweils 10 Reichspfennig gekosteten, als „eine Fahrt“ galten; Prägeanstalt: Vereinigte Metallwerke AG in Altena. Solingen (20 Reichspfennig), o. D. (1947), Städtische Straßenbahnen Solingen GmbH – a: Messing – b: Kupfer Abb. 16: „Gut für eine Fahrt“ = im Wert von 20 Reichspfennig, Vs./Rs., ca. 21 mm Ø, 650.000 Stück Exemplare wurden bei der Firma Gustav Hammesfahr in Solingen-Wald auf gelieferten Rohlingen der VDM Halbwerkzeuge GmbH (Vereinigte Deutsche Metallwerke) in Altena geprägt – davon wurden 116.374 eingelöst. . Die Fahrmarken hatten mit 21 mm den gleichen Durchmesser wie die damals geltenden 10-Reichspfennig- und 10-Rentenpfennig-Münzen. Von allen Fahrmarken sind Varianten vorhanden, die durch die groben Prägungen entstanden. Auch wurden unterschiedliche Abarten wie Fehllochungen, Kehrprägungen oder Stempeldrehungen bekannt. Weitere Marken wurden bisher nicht gemeldet. Die Fahrmarken hatten ein überregionales Verbreitungsgebiet weit über ihre Ausgabeorte hinaus. Manche Betriebsbahnhöfe gewährten einen Umtausch der Marken in gültige Reichsmark. Insgesamt sind die Fahrmarken nicht häufig; durch den sehr begrenzten Sammlerkreis und den wertlosen Materialwert ist der Sammlerwert aber gering. Offiziell galten die umfunktionierten Fahrscheine nur als Wechselscheine, wenn sie nicht entwertet waren und wurden dann auch entsprechend beim örtlichen Bäcker oder Fleischer usw. als Ersatzgeld akzeptiert. Bei den Wechselfahrscheinen hingegen hat es wahrscheinlich weitere Ausgabestellen gegeben, da der Kleingeldmangel in allen Teilen des besetzten Deutschlands herrschte. Ähnliche Scheine könnte es bspw. nicht nur im niedersächsischen Braunschweig gegeben haben. Der abgebildete 20-Pfg.-Schein der Straßenbahn Braunschweig zeigt in der Drucknorm außer dem bekannten Herstellerbetrieb Dreske & Krüger auch die von den Alliierten zugeordnete Lizenznummer CDH 11. Interessant ist jedoch das Herstellungsdatum: November 1946. Abb. 17: Fahrschein 20 Reichspfennig o. D. (1946), Vs. Auch vor und nach der Ersatzgeldperiode 1947/48 waren deutschlandweit Fahrscheine in Gebrauch, die sich in der Gestaltung manchmal ähneln. Das war mitunter auch den ausführenden Druckereien geschuldet. Abb. 18: Fahrschein 20 Reichspfennig o. D. (vor 1945), Vs., Elektrische Straßenbahn der Stadt Mülheim an der Ruhr. Abb. 19: Fahrschein 30 Deutsche Pfennige g o. D. (nach 1948), Vs., Stadtwerke Wiesbaden AG. Michal H. Schöne Quellen: Günter Fritz: „Fahrmarken – deutschsprachige Marken und Zeichen“, 2016 Dr. Arnold Keller: „Das Notgeld der deutschen Währungsreform 1947/1949“,1957 Michael H. Schöne: „Das Papiergeld im besetzten Deutschland 1945 bis 1949“, 1994 https://de.wikipedia.org https://en.numista.com https://gelsenkirchener-nahverkehr.de https://wertmarkenforum.de/wertmarken-hersteller
- Südossetien: Eine 100-Zarin-Gedenkbanknote
Die Bank von Alania in Südossetien gab am 19. September 2025 im Rahmen des ersten internationalen Wirtschaftsforums in Südossetien offiziell ihre erste Gedenkbanknote heraus. Am folgenden Tag wurde sie bei einer numismatischen Veranstaltung in den Niederlanden präsentiert. Südossetien, offiziell die Republik Südossetien oder Staat Alania, ist ein Binnenstaat im Südkaukasus mit teilweiser diplomatischer Anerkennung. Es hat eine offiziell angegebene Bevölkerung von etwas mehr als 56500 Einwohnern (2022), die auf einer Fläche von 3900 Quadratkilometern leben, davon 33000 in der Hauptstadt Zchinwali. Seit 2024 erkennen nur fünf Mitglieder der Vereinten Nationen (UN) Südossetien als souveränen Staat an – Russland, Venezuela, Nikaragua, Nauru und Syrien. Die georgische Regierung und alle anderen UN-Mitgliedstaaten betrachten Südossetien als souveränes Gebiet Georgiens. Der politische Status Südossetiens ist ein zentrales Thema des georgisch-ossetischen Konflikts und der Beziehungen zwischen Georgien und Russland. Die georgische Verfassung bezeichnet das Gebiet als „ehemaligen autonomen Bezirk Südossetien“ in Anlehnung an den 1990 aufgelösten Autonomen Oblast Südossetien. Die georgische Regierung bezeichnet das Gebiet informell als Region Zchinwali und betrachtet es als Teil der georgischen Region Schida Kartli. Da Georgien keine wirksame Kontrolle über das Gebiet ausübt, unterhält es eine Verwaltungsbehörde namens Provisorische Verwaltung Südossetiens. Die Gedenkbanknote ist weder in Südossetien noch in anderen Teilen Georgiens oder Russlands im Umlauf und wurde ausschließlich für Sammler hergestellt. Südossetien verwendet den russischen Rubel als offizielle Währung, hat jedoch in der Vergangenheit neben dem Rubel auch eigene Gedenkbanknoten ausgegeben. Die Banknote sei in Südossetien zu einem festen Kurs von 1 Zarin = 10 russischen Rubel zwar gesetzliches Zahlungsmittel, wurde jedoch als Sammlerstück produziert. Die Ausgabe hat einen Nennwert von 100 Zarin und wurde von Gosnak auf Papier gedruckt. Sie misst 157 mm x 69 mm. Es wurden 20000 Stück hergestellt. Die Vorderseite zeigt ein Porträt von Kosta Lewanowitsch Chetagurow (1859-1906), dem Nationaldichter Ossetiens. Rechts neben dem Porträt ist das historische Dorf Nar zu sehen, während links eine ossetische zwölfsaitige Harfe abgebildet ist. Das Wappen Südossetiens befindet sich in der oberen rechten Ecke, darunter ein traditionelles lila Kreuz, das Schutz symbolisiert. Die Wertzahl 100 ist in den unteren Ecken aufgedruckt. In der oberen linken Ecke befindet sich ein ornamentales Element, das alle guten Dinge symbolisiert, die vom Himmel und von der Sonne geschenkt werden. Die Rückseite zeigt einen Persischen Leoparden, der Stärke und die einzigartige Tierwelt des Kaukasus symbolisiert. Im Hintergrund erhebt sich der Berg Burkhokh, ein wichtiges Naturdenkmal Südossetiens. Oben links befindet sich das grafische Symbol der Währung Zarin. Die Wertzahl 100 ist zur leichteren Erkennung in der oberen linken und unteren rechten Ecke angegeben. Die Gestaltung verbindet natürliche Schönheit mit nationaler Symbolik und betont sowohl das kulturelle Erbe als auch die Unabhängigkeit Südossetiens. Nicht nur die UV-Images, aber auch das Wasserzeichen ist sehr gelungen: Diese neue Ausgabe ist zwar recht attraktiv, aber dennoch ein gewinnbringendes Souvenirprojekt, das in die Fußstapfen der jüngsten Ausgaben aus Abchasien tritt. Wir können uns also darauf freuen, in Zukunft weitere solche „Souvenirbanknoten“ aus Südossetien zu sehen. Donald Ludwig
- Das Geld von morgen – Der Europäische Friedensdollar des Josef Drach
Die Folgen des Ersten Weltkriegs führten nicht nur zum Sturz von drei Kaiserreichen in Europa und großen politischen Umwälzungen im Sog von linken und rechten Bewegungen, unmittelbar nach dem Krieg gab es auch eine Reihe von bedeutenden Initiativen, die eine neue dauerhafte Friedensordnung durch internationale statt nationale Lösungen schaffen wollten. Hierzu gehörte neben der Gründung des Völkerbunds sowohl eine Pan-Germanische Union, die einen wirtschaftlichen Zusammenschluss aller germanischen Staaten inkl. Großbritanniens und den USA vorsah, als auch eine Pan-Europäische Vision, die quasi als Vorbild für die spätere Europäische Union gelten kann, welche erst nach einem erneuten Weltkrieg Gestalt annehmen konnte. Einer der wichtigsten Vertreter Pan-Europas war der österreichische Schriftsteller, Philosoph und Politiker Graf Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894–1972). Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als "Bürgerkrieg unter Europäern" und "Katastrophe erster Ordnung" empfand, entwickelte er seine visionäre Idee von "Pan-Europa", die 1922 für internationales Aufsehen sorgte und ihn sein ganzes Leben begleitete. Sein Buch "Pan-Europa" von 1924 gilt als wichtigstes Werk der ersten europäischen Einigungsbewegung, die die "Vereinigten Staaten von Europa" zum Ziel hatte. Zu den späteren Anhängern Kalergis, der 1950 erster Träger des Karlspreises war, aber heute in Deutschland fast vergessen ist, zählten solch bedeutende Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Thomas Mann, Otto von Habsburg und Konrad Adenauer. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894–1972), Foto um 1926, Quelle: Wikipedia Kalergis Ideen stießen auch damals schon in Wien auf offene Ohren. Der Antiquitäten-Händler Josef Drach entwarf die Vision eines europäischen Friedens-Dollars, über den seinerzeit wiederholt in der Presse berichtet wurde: "Die Börse", Zeitung für das gesamte Wirtschaftsleben, Wien, den 29. Juni 1922 "Drachs Europäische Friedensbank" Interessante Gründungsgeschichte aus dem Zeitalter der Pläne, die die Menschheit retten wollen und niemals verwirklicht werden Eine der interessantesten Erscheinungen, die sich zu der Kroneninflation auf ihrem Leidensweg als Begleiterin gesellte, ist die Inflation der Sanierungspläne. Ein Blick in die düsteren Amtsstuben der Ministerien, in die von emsiger Arbeit erfüllten Stätten der Bankgebäude, in verstaubte Bureaus von Rechtsanwälten und blinkende Ordinationszimmer weißbekittelter Ärzte, in Studentenstuben und Professorenzimmer, kurz überall, wo geistige Arbeit herrscht, werden Rettungs-, Sanierungs-, Stabilisierungs-, Devalvierungs- und ähnliche Pläne besprochen, beschrieben und ersonnen. Diese flutartige Überschwemmung mit volkswirtschaftlichen und finanziellen Projekten brachte es allmählich dazu, daß man jeden Glauben an die praktische Verwendbarkeit derartiger, mit der Wirklichkeit zumeist in gar keinem Kontakt stehenden geistigen Turnübungen verlor. Von dieser Skepsis erfüllt, traten wir auch an das Projekt eines gewissen Josef Drach heran, der — wie sich einer seiner Mitarbeiter ausdrückte — in einem Augenblick der Erleuchtung einen Plan nicht nur zur Sanierung der österreichischen, sondern der gesamten europäischen Finanzen entwarf. Doch was diesem Plane schon auf den ersten Blick — unterschiedlich von seinen übrigen Gefährten — einen exzeptionellen und ernsteren Stempel aufdrückt, ist die Tatsache, daß Josef Drach nicht nur praktische Vorschläge entwarf, sondern bereits selbst an die Durchführung seines Planes schritt. Vor einigen Tagen wurde nämlich an die Adresse der zuständigen Behörden ein Gesuch zwecks Konzessionierung der Europäischen Friedensbank geleitet. Unter dem bei derartigen Gesuchen ungewöhnlichen Motto „Gegen Waffen und Grenzen!“ überreichte Josef Drach eine Eingabe an das Finanzministerium und das Ministerium des Innern, in der er um die Konzessionierung der oben genannten Bank mit einem Aktienkapital von einer Milliarde Kronen ansuchte. Dem Ansuchen ist ein mit anerkennenswertem volkswirtschaftlichen Wissen ausgearbeitetes umfangreiches Elaborat angeschlossen, das die Gründe, den zu erwartenden Effekt und die beabsichtigte Tätigkeit der neuen Bank zusammenfaßt. Josef Drachs theoretische Betrachtungen. In der Einleitung wird vorerst eine Lanze dafür gebrochen, daß nicht die Beseitigung der Defizitwirtschaft und die Herstellung des Gleichgewichtes im Staatshaushalt den Ausgangspunkt einer Sanierung bilden kann, sondern daß man in erster Reihe die Inflation beseitigen und die Währung wiederherstellen muß. Zu diesem Ziele aber führt laut dem Elaborat nur ein einziger Weg, der Weg der Devalvation und der Einführung einer neuen Währung, was als nächstes Ziel der zu gründenden Bank angegeben wird, mit der Bemerkung, daß das Endziel allerdings die Schaffung und Einführung einer einheitlichen Währung für ganz Europa und damit „das Wegräumen aller Schranken eines geregelten, nur auf produktive Arbeit aufgebauten Lebens ist". Das Elaborat befaßt sich sodann mit der möglichen Einwendung, die auf die Gefahr des Abwanderns und der Thesaurierung eines neuen, mit realem Werte ausgestatteten Geldes hinweisen könnte, und meint, daß nur in einem Lande mit schlechtem Gelde gutes Geld gehamstert wird, somit die Gefahr des Abwanderns und Thesaurierens nicht bestehen kann, wenn die schlechte Währung verschwindet. Sodann wird dafür eingetreten, daß als neue Währung der Dollar gewählt werde, allerdings eine neue Art von Dollar, der „europäische Friedensdollar“, der in seiner Grundeinheit nicht effektiv höher, sondern nur gegenüber dem jetzigen Werte der Krone stabil sein wird. Josef Drach wählt den Dollar schon aus dem Grunde als Muster der neuen Währung, da nach seiner Meinung Amerika ein größeres Vertrauen der neuen Währung gegenüber zeigen wird, wenn diese seiner Landeswährung gleich ist und die gleiche Fundierung besitzt. In den Vordergrund des Planes wird die Einführung von neuem Metallgeld gestellt, da dieses dem Fiskus große Vorteile bringt, der Gefahr der Thesaurierung weniger unterliegt und „vom Standpunkte der Volkspsychologie einen positiven Wert darstellt, so daß das Bewußtsein, sich mit einem „Cent“ etwas kaufen zu können, unbedingt die unheilvolle Vorstellung des „Fetzens“ verdrängen muß“, also auch der geringste Geldbetrag wieder gewertet wird. Schließlich wird als zweiter Hauptpunkt der Betätigung der neuen Bank die Aufbringung von Mitteln zwecks Hebung der produktiven Arbeit angegeben. Diese Mittel sollen der Industrie und dem Handel zugeführt werden, um den privatwirtschaftlichen Antrieb zur Steigerung der produktiven Arbeit zu stärken. Auch ein ausgiebiges Bauprogramm und eine Kreditpolitik in dieser Richtung wird ein Hauptbetätigungsgebiet der Bank sein. Die Konstruktion der neuen Bank. Sodann folgt die Schilderung der Konstruktion der Europäischen Friedensbank. Sie wird eine internationale Aktiengesellschaft sein mit dem Hauptsitze in Wien und ist als eine internationale Finanzorganisation gedacht, die nach dem Grundriß des amerikanischen föderativen Reservesystems aufzubauen ist. Da für eine solche auf ganz Europa und Amerika sich erstreckende Organisation eine eigene Rechtsform der Inkorporierung — offenbar im Wege des Völkerbundes — geschaffen werden müßte, ehe sie ihre Tätigkeit in mehreren Ländern gleichzeitig beginnt, so soll vorläufig mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Sanierung der österreichischen Währung eine Eintragung des Instituts unter der obbezeichneten Firma nach den für österreichische Aktiengesellschaften geltenden Bestimmungen erfolgen. Die Bank projektiert, das österreichische Geschäft mit einem volleingezahlten Kapital von 80 Millionen Dollar zu beginnen. Zu diesem Behufe werden 800.000 Stück Aktien im Nominale von 100 Dollar emittiert. Eine Beteiligung an der Übernahme von Aktien hat zu erfolgen entweder in Gold oder in solchen Apports, die für den Aufbau der industriellen Betätigung der Bank als gleichwertig mit effektivem Gelde angesehen werden. Es wird als Grundsatz fixiert, daß die Hälfte des Reingewinnes, wenn er die Höhe von 100 % der Bankreserven erreicht hat, dem Staate abzuführen ist. Um diesem die Kontrollmöglichkeit für die Geschäftsführung der Bank zu bieten, wird in das Statut die Bestimmung aufzunehmen sein, daß in der Verwaltung ein von der Regierung designierter aktiver Staatsfunktionär Sitz und Stimme haben muß. Europäische Friedensbank, Entwurf zur Münze zu 1 Cent von 1922, Vorder- und Rückseite. Europäische Friedensbank, Entwurf zur Münze zu 1 Dollar von 1922, Vorder- und Rückseite. Münzenprägung. Die Bank projektiert, unmittelbar nach Erlangung der Konzession folgende Münzstücke ausprägen zu lassen: In Silber: 6 Millionen europäische 1-Dollar-Stücke, 15 Millionen ½-Dollar-Stücke, 24 Millionen ¼-Dollar-Stücke und 200 Millionen 10-Cent-Stücke. Die Silberprägung werde laut dem Projekt einen Münzgewinn von nahezu 100 Milliarden Kronen ergeben, bei einem Einlegungskurs von 5000 Kronen per Dollar. Aus Nickel werden die 5-Cent-Stücke geprägt, und zwar beabsichtigt die Bank eine Emission von 225 Millionen 5-Cent-Stücken, wobei sie einen Mehrertrag von nahezu 48 Milliarden erhofft. Schließlich beabsichtigt die Bank, 200 Millionen Einzelstücke in Kupfer prägen zu lassen, die ihr einen Mehrertrag von ungefähr 8 Milliarden sichern würden. Was die Metallbeschaffung betrifft, so meint das Elaborat, daß es im Interesse der Regierung gelegen sein wird, von ihren Beständen gegen Abrechnung beizusteuern. Im übrigen übernimmt die Bank die Gesamtaufbringung aus eigenen Mitteln. Der hierfür verwendete Etat, der nach der Berechnung des Gründers ungefähr 120 Milliarden ausmacht, wird jedenfalls vom Staate durch Goldbons auf Friedensdollars zu garantieren sein, was einer entsprechenden Abmachung zwischen Bank und Regierung vorbehalten bleibt. Was die Hoheitsfrage betrifft, so anerkennt das Elaborat das Münzrecht als eine Prärogative des Staates, deren er sich nicht begeben kann, doch bezeichnet sich die Bank in diesem Falle nur als Vollstrecker des vom Staate erhaltenen Auftrages, den sie überdies mit eigenen Mitteln durchführt. Europäische Friedensbank, Entwurf zur Banknote zu 1 Friedensdollar von 1922, Vorderseite mit dem Porträt von Josef Drach. Notenemission. Diesbezüglich enthält das Elaborat folgende Ausführungen: „Als Grundsatz für die Notenemission wird folgende Bestimmung anzusehen sein: Drachs Europäische Friedensbank ist befugt, eigene Banknoten auszugeben, wobei das Vorhandensein einer Deckung von mindestens 20 % in Gold und 100 % in kurzfristigen Papieren als unerläßliche Vorbedingung gilt. Die Papiere würden von gutsituierten Banken indossiert und durch marktfähige Güter garantiert sein, die ihrer Natur nach nicht zugrunde gehen können, ordnungsmäßig versichert sind und deren Rechtsansprüche durch Dokumente begründet erscheinen. Nach der oberwähnten Aktienemission verbleibt, wenn man die Prägungskosten mit rund 40 Millionen Dollar beziffert, ein verfügbares Kapital von 30 Millionen Dollar. Zufolge des oben erwähnten Grundsatzes für unsere Notenemission ist daher auf diese Weise die Möglichkeit zu einer Emission von mindestens 150 Millionen Dollar gegeben, somit auch für reichliche Bestände an vollgedeckten Banknoten vorgesorgt." Sodann folgt der sogenannte Einlösungsplan, der von zwei Grundprinzipien ausgeht. Das erste ist die Stillegung der Notenpresse am Tage der Einführung der neuen Währung, das zweite bestimmt, daß die Einlösung nur nach Maßgabe der bei Beginn der Einlösung umlaufenden Papierkronenmenge erfolgt, so daß der Bestimmung der Relation eine feste Grenze nach oben gezogen erscheint. Das letzte Kapitel ist ein pazifistisches Bekenntnis, doch gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß den größten Vorteil aus diesem Unternehmen die Stadt Wien haben wird, die dadurch, daß sie als Hauptsitz der Friedensbank gewählt wird, die Möglichkeit bekommt, die reichste Stadt der Welt zu werden. In den Schlußsätzen werden sozial-ethische Gesichtspunkte ins Treffen geführt und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß „durch die neue Währung ein vereinigtes Europa geschaffen wird, daß die Geldspekulation aufhört und die vielen, die nicht von der Arbeit leben, gezwungen werden, redlich zu arbeiten.“ In einem mit prachtvollen Antiquitäten vollgestopften Geschäfte hatten wir Gelegenheit, Herrn Josef Drach im Kreise seiner Mitarbeiter zu begrüßen. Er ist ein sympathischer, blonder, blauäugiger junger Mann von höchstens 35 Jahren. Seinen Plan überreichte er bereits anfangs April dem Ministerialrat Doktor Bartsch im Finanzministerium und er glaubt, durch seine Idee viel dazu beigetragen zu haben, daß man zur Errichtung einer neuen Notenbank aus eigenen Kräften geschritten ist. Er soll die Zusage des Finanzministeriums haben, mit der Notenbank kooperieren und auf diese Weise seine Pläne verwirklichen zu können. Sein Projekt ist bis in die letzten Details ausgearbeitet, der akademische Maler Alfred Offner zeichnete bereits die Entwürfe sämtlicher neuer Geldtypen. Außer Josef Drach ist u. a. auch die Baronin Berta Suttner, Tolstoi, Lord Beakensfield und Christus auf den Banknoten abgebildet. (Das Bildnis der 1 Dollar-Note stellt Herrn Josef Drach dar.) Auf unsere Frage, ob die eine Milliarde für die neu zu gründende Bank bereits beisammen ist, erwidert Josef Drach, ein wenig verächtlich lächelnd, daß der Betrag bereits mit 250 Millionen Kronen überzeichnet ist. „Geld,“ sagt er, „haben wir, soviel wir wollen. Für den Plan sind schwerreiche ausländische Kapazitäten gewonnen, so Sir Salomon Moses, Bankier in London und New York, Samuel Mogendorff, Realitätenhändler in Amsterdam, der sich brieflich bereit erklärte, eine Filiale in Amsterdam zu errichten, Alexander Schenker, Kaufmann in London, Melech Liebsohn, Großindustrieller und Mühlenbesitzer aus Beßarabien, der auf einmal 1000 Waggons Mehl nach Wien zu schicken imstande ist, Sanders Samuel, Mitinhaber der Nähmaschinen-Weltfirma Singer & Co., Jacques Bronner aus Berlin u. a. Auch Österreicher beteiligen sich an dem Unternehmen, doch die Namen dieser Herren kann ich Ihnen noch nicht nennen. Es sind alle Voraussetzungen da, die die Durchführung des Planes sichern. Ich hoffe, daß auch die österreichische Regierung mir beistehen wird.“ Josef Drach ist von einem starken Geiste erfüllt, wie man ihn in Krämerläden nur selten findet. Er besitzt aber auch den starken Glauben, der in Krämerläden so häufig anzutreffen ist. Vielleicht wird dieser feste Glauben ihm dazu verhelfen, zum Siege seiner Ideen etwas beizutragen, wenn auch nur wenig Hoffnung vorhanden ist, daß die Form der Verkörperung dieser Ideen eben Drachs Europäische Friedensbank sein wird. Dr. L. M. "Neues Wiener Journal", Nr. 10.307, 19. Juli 1922 Der europäische Friedensdollar. Ein Projekt zur Gesundung und Pazifizierung Europas. Das große Problem unserer Zeit ist die aus dem Krieg hervorgegangene europäische Not. Es ist überflüssig zu sagen, worin sie besteht. Sie hat in gleicher Weise wirtschaftlichen wie kulturellen Charakter. Die Staaten leiden in gleich heftiger Weise an ihr wie die einzelnen Gesellschaftsklassen und das Individuum. Ein solcher Notstand bringt die ideologischen Helfer und Propheten hervor, die, dem tätigen Leben fern, in stillen Studierstuben phantastische Pläne aushecken, Theorien der Verzweiflung, die niemals praktische Verwirklichung erfahren. Aber auch menschliche Energien werden in solchen Zeiten geweckt, die mit tiefem Einblick in das Notwendige neue Auswege aus dieser Not suchen und finden. Solche Energien und tiefe klare Einblicke scheint der Mann zu besitzen, dessen Projekt zur Sanierung Europas bereits in ernster öffentlicher Diskussion steht. Es ist da entstanden, wo die Not am heiligsten empfunden wird und nach Abhilfe am stärksten drängt. Herr Josef Drach, von dem das Projekt herrührt, ist ein Selfmademan, der vom einfachen Arbeiter bis zum angesehenen Kunsthändler sich emporschwang. Er ist Praktiker und Idealist zugleich und über persönliche Vorteile hinaus geht seine weit ausschauende Sorge. In dem stillen Kontor seines mit künstlerischen Kostbarkeiten vollgefüllten Geschäftshauses weiht er alle, die seiner Idee Interesse und Verständnis entgegenbringen, in seinen grandiosen Plan ein. Er breitet sein Exposé vor dem Besucher aus, das in seiner lichtvollen Darstellung und mit seinen Argumenten auch den Skeptiker überzeugt. Herr Drach verfügt bereits über eine Anzahl von theoretisch und praktisch bestbeschlagenen Mitarbeitern, die ihn in seiner rastlosen Propaganda unterstützen. Das Projekt wird von Ressortministern bereits ebenso ernst genommen wie in den sonstigen maßgebenden Kreisen. Es handelt sich um eine Friedensbank, deren Hauptstelle zunächst in Wien errichtet werden soll. Von hier aus soll der europäische Friedensdollar ausgehen, zu dem sogar schon die von Künstlerhand herrührenden Entwürfe bereits vorliegen. Die Modelle sind mit den Bildnissen der großen europäischen Geister geschmückt und tragen die Namen aller europäischen Länder. Das Endziel der Bank ist die Schaffung einer europäischen Einheitswährung, eine Idee, die schon mehrfach erwogen wurde. Im Exposé werden die Durchführungsmöglichkeiten haarscharf dargelegt. Diese Sinnheitswährung soll ein Kampfmittel gegen alle künstlichen Mauern und Grenzen sein, die das Wirtschaftsleben in den Zustand einer hoffnungslosen Krise brachten und fortwährend unterbinden. Ein solcher Hemmschuh ist die so ungleiche Bewertung und die mangelnde Stabilität der Währungen. Der Friedensdollar soll, wie es im Exposé heißt, das Symbol gleichsam dafür sein, daß es, ähnlich wie jenseits des Ozeans auch in Europa nur einen einheitlichen Willen geben muß, den Willen zum Frieden und zu redlicher Arbeit. In ihm wird die Abhilfe des Nebels gesehen, das darin liegt, daß in dem einen Land sich die Rohstoffe ungenutzt häufen und in dem anderen bitter entbehrt werden müssen. Ein vereinigtes Europa soll geschaffen werden; nur ökonomische Kräfte können es begründen. Das ist das ethische Grundmotiv des projektierten Geldinstituts. Dafür ist eine eigene Rechtsform im Wege des Völkerbundes erforderlich. Das vorläufig nötige Kapital steht Herrn Drach zur Verfügung. Er zeigt die schriftlichen Zusicherungen hinreichender finanzieller Unterstützung. Der Hauptsitz der Bank soll in Wien errichtet werden, das dadurch die Aussicht gewinnt, die reichste Stadt der Welt zu sein. Eine Utopie? Das Exposé setzt sich mit jedem Einwand auseinander und baut das als phantastisch erscheinende Projekt mit nüchternen Erwägungen auf. Und es zeigt die wirtschaftlichen Vorteile, die diesem notleidenden Staat in dem ganzen werktätigen Leben daraus erwachsen würden. Utopisch war Herzl's Judenstaat, der im alten verwüsteten Palästina nach Jahrtausenden jetzt seine Verwirklichung findet; utopisch ist alles, was zuerst nur reine Idee ist. Die geschichtliche Notwendigkeit, ist sie einmal erst erahnt und begriffen, setzt sie ins Reale um. Es ist zu wünschen, daß der europäische Friedensdollar nicht der unerfüllte Traum eines mit geschäftlicher Genialität begabten Menschen, nicht eine ungenützte Idee bleibt. H. M. Ganz so problemlos war die Umsetzung für Drach und seine Unterstützer dann doch nicht. Noch über Jahre wurde seine Idee des europäischen Friedensdollars immer wieder in den Gazetten aufgegriffen. "Der Tag", Wien, 9. September 1924 Volkswirtschaft. Eine europäische Friedensbank. Nicht nur zum Kriegführen, sondern auch zur Begründung eines Friedens, der seinen Namen wirklich verdient, gehört Geld. Der Unterschied ist nur der, daß das Geld, das der Krieg verschlingt, vernichtet wird und vernichtet, das Geld, das den Frieden bringt, tausendfältig Frucht trägt. Darauf beruht der Gedanke des Wiener Kaufmannes Josef Drach, der durch die Gründung einer Europäischen Friedensbank und die Ausgabe einer einheitlichen europäischen Friedenswährung (Friedensdollar) den latenten Krieg, der an Europas Mark zehrt, beenden will. Josef Drach will seinen Kampf gegen „Waffen und Grenzen" mit der goldenen Waffe seines Friedensdollars führen, für dessen reichliche Goldfundierung durch ausländisches Gold vorgesorgt sein soll. Die Detaildurchführung der Idee, die bereits bis ins kleinste scharf und logisch durchdacht ist, zeigt ein klares Erfassen nicht allein aller wirtschaftlichen Möglichkeiten und Notwendigkeiten, sondern auch aller psychologischen Momente, die sich insbesondere in den Entwürfen für die einzelnen Noten deutlich zeigen. Der Proponent der Idee wünscht als Österreicher begreiflicherweise Wien zum Zentralsitz dieser europäischen Bank zu machen, was auch in den inneren Grundlagen des Planes seine volle Begründung findet. Bisher hat sich Drach die moralische und die materielle Hilfe einer Reihe von Persönlichkeiten gesichert, deren Namen guten Klang in der internationalen Finanzwelt besitzen. Nun wäre es gerade jetzt vielleicht an der Zeit, wenn sich auch unsere Regierung mit dem Projekt eingehender beschäftigen wollte und es nicht bei einigen anerkennenden Worten bewenden ließe, um dann den Akt der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. C. G. "Die Stunde", Wien, 24. Oktober 1925 Der Dollartraum eines Wiener Utopisten Das Projekt einer europäischen Friedensbank und der Emission des Friedensdollars vor der internationalen Währungskonferenz. Vor kurzem erschien in den Blättern folgendes Communique: „Auf Vorschlag des Präsidenten Coolidge wird eine internationale Währungskonferenz einberufen werden, auf der auch das Projekt einer europäischen Friedensbank und einer einheitlichen europäischen Währung erörtert werden soll." Josef Drach Diese kurze telegraphische Nachricht, an der wohl die meisten achtlos vorübergingen, hätte in Wien ein gewisses Interesse verdient. Der Plan einer Europäischen Friedensbank und das Projekt der Emission von europäischen Friedensdollars stammt doch wie wir schon vor längerer Zeit berichtet haben von einem Wiener. Ein Wiener Antiquitätenhändler, Josef Drach, entwickelte vor sechs Jahren in einem ausführlichen Memorandum ein Projekt, das geeignet sein solle, aus dem Elend der Inflation und dem Wirrwarr der schwankenden Valuten durch Schaffung einer einheitlichen europäischen Währung und Gründung einer europäischen Friedensbank herauszuführen. Seine Memoranda verschwanden in Regierungsarchiven und in Papierkörben der Finanzkapazitäten. Seine Idee wurde und wird auch vielfach jetzt noch als Utopie und Phantasterei betrachtet. Josef Drach verlor aber nicht die Geduld, verfaßte immer neue Elaborate, trat mit führenden Persönlichkeiten des europäischen und amerikanischen Wirtschaftslebens in Korrespondenz und entfaltete für seine pazifistische Währungsform eine rührige Propaganda. Er hat sogar durch einen angesehenen Wiener Künstler, Alfred Offner, Entwürfe für die Dollarmünzen und Dollarnoten ausführen lassen. Als wir Josef Drach besuchten, zeigte er vor allem diese interessanten Entwürfe. Die Noten der europäischen Friedensbank sind geschmückt mit Symbolen des Pazifismus und den Porträts der Helden europäischer Kultur. Der Fünf-Dollar-Schein trägt in der Mitte das Bild Tolstois, rechts und links Sinnbilder der friedlichen Arbeit. Auf der Vorderseite der Fünfzig-Dollar-Note sehen wir den charakteristischen Kopf Jean James. Der Zehn-Dollar-Schein ist sogar mit dem Bilde Christus’ geschmückt. Außer den Noten sind bereits auch die Entwürfe für die Metallmünzen (1 Dollar, ¼ Dollar, 10 Cent, 1 Cent), fertiggestellt. Eine vollkommene Serie. Haben diese Noten gegenwärtig zwar keinen valutarischen, so doch gewiß einen künstlerischen Wert. (Wie armselig und unkünstlerisch sind doch im Vergleich dazu unsere in Umlauf befindlichen Papiernoten der österreichischen Nationalbank!). Josef Drach, der seit sechs Jahren an seinen Friedensdollar-Plänen arbeitet ein origineller erfinderischer Kopf war in seiner Jugend Handwerker, gelernter Maschinenbau-Meister. (Er hat unter anderem auch eine Erfindung zur Verhütung von Eisenbahnzusammenstößen und Zugentgleisungen gemacht.) Wir fragten ihn über die Aussichten seiner Friedensdollar-Projekte: Ich bin Idealist, aber kein Utopist, sagte er. Ich hoffe, daß meine Pläne doch über kurz oder lang verwirklicht werden können. Die sechs Jahre, die seit der Veröffentlichung meiner Vorschläge verflossen sind, haben die Richtigkeit meiner Ansichten bewiesen. Die von mir vorgeschlagene Errichtung der europäischen Friedensbank hätte uns die richtige Sanierung gebracht. Wäre man mir gefolgt, so hätten wir den Zimmerman erspart, meint er. Wie stellen Sie sich die Gründung der europäischen Friedensbank praktisch vor? Nach den Beratungen der internationalen Währungskonferenz sollte der Völkerbund die Konzession zur Errichtung der europäischen Friedensbank und der Emission von 80 Millionen Friedensdollar erteilen. Wo soll der Sitz der Friedensbank sein? In Wien natürlich. Im Schloß Schönbrunn. Auf Grund der Ermächtigung des Völkerbundes sollte die österreichische Regierung die Friedensdollarmünzen im Hauptmünzamt, die Noten in der Banknotendruckerei der Notenbank herstellen lassen. Es wäre für Österreich auch ein glänzendes Geschäft. Glauben Sie wirklich daran, daß Ihre Idee tatsächlich verwirklich werden kann, fragten wir skeptisch. Ja, ich glaube fest daran. Josef Drach faltet seine Friedensbank-Entwürfe und seine Patentschriften (zur Verhütung der Eisenbahnzusammenstöße und Entgleisungen) zusammen. Es scheint bei ihm ein Gedankenkomplex zu sein. Wird sein Patent zur Verhütung europäischer Zusammenstöße und diplomatischer Entgleisungen Erfolg haben? Selig sind, die glauben! "Badener Zeitung", Baden bei Wien, 28. September 1927 Der Friedensdollar. Der Vorschlag eines Wieners zur Verhinderung künftiger Kriege. Motto: Gegen Waffen und Grenzen. Auf dem Dr. Karl Lueger-Platz in Wien befindet sich eine Antiquitätenhandlung. Josef Drach nennt sich der Firmainhaber. Im Beruf haust und verkauft er persische Teppiche, türkische Decken, indische Möbel, spanische Intarsien, japanische Netsukes, Alt-Wiener Porzellan. Auf ein paar Jahrhunderte kommt es ihm bei dem oder jenem Stück nicht an. Im Nebenberuf ist er Politiker, Amateurpolitiker, der aber, wie wir gleich hören werden, Beruf und Nebenberuf geschickt zu verquicken versteht, seine Idee an seine Kunden und solche, die es mangels nötigen Kleingeldes nicht werden können, weiterzugeben weiß und, ein tüchtiger Geschäftsmann, auch wenn die Idee keine Verwirklichung findet, aus ihr Kapital schlägt. Der Wiener Antiquitätenhändler Josef Drach will nichts Geringeres gefunden haben als ein Mittel, künftige Kriege unmöglich zu machen. Vom Kriegführen und davon, was man dazu braucht, dürfte er nicht viel mehr wissen, als der selige Montecuccoli. Wenn dieser gewiegte altösterreichische Politiker mit seinem Ausspruch, man benötige zum Kriegführen bloß dreier Dinge, Geld, Geld und wieder Geld, recht hat, und daß er es hat, beweist der große europäische Dalles selbst bei den Siegerstaaten, dann ist doch auch schon das Gegenmittel gefunden, das Mittel, das den Krieg unmöglich macht: Man entziehe den Völkern das Geld zum Kriegführen und der ewige Friede ist da. Gibt es etwas Einfacheres, Einleuchtenderes? Drach beteuert nein, und ich, der ich ihm glaube, daß die japanische Göttin Kwannon 8. Jahrhundert ist, glaube ihm auch das: weil ich von dem einen wie von dem andern gleichviel verstehe .... „Mensch," sagt Herr Drach, „jetzt lassen Sie dem Buddha seine Weisheit und hören Sie auf mich." Ich reiße nur schwer den Blick vom sinnenden Gott, der seinen Nabel anstarrt. Täusche ich mich, oder lächelt er bei des Händlers Worten deutlicher, verständnisvoller? Herr Drach schleppt mich, den wildfremden Käufer und Sammler, in sein Allerheiligstes, drückt mich auf einen gotischen Kirchenstuhl des 14. Jahrhunderts, öffnet eine Lade eines entzückenden Empireschreibtisches und zieht kein vergilbtes Pergament, lieber Leser, sondern eine mit neuzeitlicher Maschinenschrift bedeckte Flugschrift heraus. Dann beginnt er (Buddha lächelt noch breiter): „Ein Mittel, jeden Krieg unmöglich zu machen, erblicke ich in der Schaffung einer einheitlichen Währung für alle Länder. Die Emission dieses neuen Geldes soll einzig und allein in die Hände des Völkerbundes gelegt werden. Alles Geld darf ausschließlich nur für Friedenszwecke in Umlauf gebracht werden und wird von der zu errichtenden„Welt-Friedensbank" hergestellt. Als Zentralsitz für den Völkerbund und die Friedensbank schlage ich Schönbrunn in Wien vor, dessen historische Bedeutung als Kulturstadt und Ort, wo der Gedanke zur Schaffung des Friedensdollars und die Umwechslung der Zahlungsmittel aller Staaten gegen diesen entstand, nachweisbar ist. Ist einmal das Geld zur Erzeugung von Kriegsmaterial nicht mehr vorhanden, so hört automatisch die Bedrohung der Grenzen auf. Das Geld darf nur für Zwecke des Friedens und der Wirtschaft verwendet werden, die Erzeugung von Waffen und Munition unterliegt strengster Bestrafung und die Abrüstung aller Staaten muß unbedingt erfolgen. Welch ungeheure Mittel werden hierdurch frei und dem Wohle der Allgemeinheit zugeführt! Die Volksvermögen, welche durch die Kriege vergeudet und buchstäblich verpulvert wurden, könnten künftighin dem Wiederaufbau der friedlichen Kulturarbeit, der Schaffung neuer Werte zugeführt werden. Die Grenzen würden geöffnet, die Handelsbeziehungen, die durch die unseligen Absperrungen erschwert sind, würden rege werden, Handel und Industrie zu neuer Blüte sich entfalten und die Völker in friedlichem Wettbewerbe zu Höchstleistungen auf allen Gebieten angespornt werden. Der Freihandel würde eine Verbilligung der Waren und eine Senkung der Kosten für die Lebensführung ermöglichen. Die Arbeitslosigkeit würde aufhören, sobald die Länder und Städte die Geldmittel zur Ausführung großzügiger Bauprojekte zur Verfügung stellen könnten." Herr Drach ist zu Ende. Er blickt mich an: „Was sagen Sie dazu? Habe ich recht?" Ich blicke zu Buddha hinüber. Wer deine Weisheit hätte! Könntest du Allwisser die Frage beantworten? Gibt es ein Mittel gegen den Krieg? Buddha schweigt und lächelt. Und blickt den Nabel an. Kommt aus dem Nabel die Weisheit? Des halb sind wir so unweise, weil uns unsere Kleidung hindert.... Hat Drachs Idee nicht einen guten Kern? Ich glaube schon. Ein Größerer hat sie gangbar gefunden. Sie besteht im wesentlichen aus folgendem: Um dem chaotischen Zustand in den Weltwährungen mit einem Schlage ein Ende zu machen, propagiert Herr Drach die Einführung einer einheitlichen Währung für alle Staaten Europas. In dem Augenblick, da alle Europäer, wenn sie in ihr Portefeuille greifen, nur Dollars und keine Franken, Pfunde, Schillinge usw. herausnehmen können, ist Drachs Gedanke zur Wirklichkeit geworden. Die Schaffung dieser Währung ist in der Hauptsache darauf gerichtet, künftighin Kriege zu verhindern, da ihre Verwendung nur für Zwecke des Friedens erfolgen darf. Drachs Devise „Gegen Waffen und Grenzen" sagt schon, daß für Kriegsrüstungen kein europäischer Staat auch nur einen Heller ausgeben darf. Zur Herstellung und Emission der einzelnen Teilwerte des Weltfriedensdollars soll die„Weltfriedensbank" gegründet werden. In dem Augenblicke, wo alles Geld ausschließlich nur für Friedenszwecke ausgegeben werden darf, würden automatisch alle Zollschranken, die die Völker trennen und bedrücken, fallen, ebenso die Sprachenzwistigkeiten und die Paßschikanen ein Ende finden. Ist einmal das Geld zur Erzeugung von Kriegsmaterial nicht mehr vorhanden, so hört automatisch die Bedrohung der Grenzen auf. Das Geld darf nur für Zwecke des Friedens und der Wirtschaft verwendet werden, die Erzeugung von Waffen und Munition unterliegt strengster Bestrafung und die Abrüstung aller Staaten muß unbedingt erfolgen. Welch ungeheure Mittel werden hierdurch frei und dem Wohle der Allgemeinheit zugeführt! Herr Drach hat sich an den Völkerbund mit seiner Idee gewendet. Er hat keine Antwort bekommen, die Herren waren anscheinend mit der„Abrüstung" beschäftigt. Wo haben sie Zeit für Friedensvorschläge? Der Wiener ist nicht irre geworden: Er hat einen gewaltigen Folianten auf einem Tische liegen: „Schreiben Sie mir hier Ihre Meinung über meine Idee nieder," bittet er. Ich blättere in dem dicken Bande und traue kaum meinen Augen: Heerführer neben Politikern, Zeitungsmänner und Künstler, Gelehrte neben Koryphäen auf dem Gebiete des Handels haben sich hier verewigt und in wenigen Worten ebensoviel Schmeichelhaftes über Drachs Idee geäußert. Ich gerate da in keine schlechte Gesellschaft. Deshalb schreibe ich: „Von des Krieges Weh und Ach / Befreie uns Herr Josef Drach. / O, hört auf ihn, ihr Herr'n in Genf. Da bockte mein Pegasus, ich fand den Vers auf Genf nicht gleich. Schöne Blamage! Da blickte ich zu Buddha hinüber. Jetzt lachte er vollends und schien zu sagen:„Auf deinen Senf kommts an!" Senf, Senf, da habe ichs! Und als Schlußvers schrieb ich: „Sein Plan ist mehr als bloßer Senf. Und nun lächelten wir alle, Buddha, Herr Drach und ich. J. x. o. "Badener Zeitung", Baden bei Wien, 31. August 1929 Friedensgeld. Da war im Krieg in der Abteilung des Kriegsministeriums, der ich vorstand, ein Landsturmmann eingerückt, Titularkorporal mit Intelligenzbörtel, im zivilen Leben ein angesehener Geschäftsmann. Er war mein Kanzleileiter; geschickt, diskret, voll rührender Ergebenheit für seinen Rittmeister. Und dann brach der Friede aus, ich verließ Wien und hörte nur selten von meinem, Kriegskameraden. Neulich ging ich spazieren und kam durch Zufall in einen mondainen Kaffeegarten mit Jazz und furchtbar verruchten Großstadtmädeln. Plötzlich rief mich jemand an. Hochelegant, 12 Jahre älter, gewichtig aber nach zwei gewechselten Worten war die alte Zusammengehörigkeit wieder hergestellt. Der Herr Kommerzialrat lud mich zu seinen Tisch. Dort saß ein gedrungener Herr in den besten Jahren, unauffällig für die Maße, nur in seinen Augen sah ich etwas glühen, was mir verwandt schien, Künstlerfeuer oder Phantasie mit einen Schuß Besessenheit. Sein Name wurde mir genannt – Josef Drach. Da setzte ich mich interessiert hin, denn mit diesem Namen verband ich die dunkle Erinnerung an einen Fanatiker des Friedens, eines wirklichen, echten, heiligen Gottesfriedens, unbeschwert von Versailles, St. Germain und Trianon. Überstürzt war seine Rede, ringend mit dem Worte, immer aber kehrte das Bekenntnis wieder zu einem tiefen Glauben an eine Mission, an ein Werk, umwälzender und revolutionärer als alle Bewegungen der christlichen Aera. Denn dieser Mann will das Engelwort der Weihnacht in die Tat umsetzen: Und Friede den Menschen auf Erden. Nicht durch papierene Vorträge, an die sich kein Mensch hält, nicht durch Pakte, die mit goldner Feder unterzeichnet und endlich nur bequeme Fragen für Kanditaten der Staatswissenschaft werden; nicht durch Demonstrationen, die nur zu Leitartikeln Anlaß geben, nicht durch genferne Diners und Empfänge oder durch sensationell aufgezäunte Pan-Europa-Vorträge gräflicher Utopisten [gemeint ist Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi] – sondern durch das einzige, was in dieser entgötterten Welt allein idealen Wert darstellt, an dem alles hängt, nach dem alles drängt – durch das Geld. Und dann war ich in Wien in seinen Milieu. Unter Boulemöbeln, Maria Theresien-Sekretären, Biedermaierkomoden, gotischen Heiligen und steiflehnigen Chippendalestühlen, unter alten italienischen und niederländischen Bildern, umweht von einer Vision von Gabriel Max und den preziösen Frauen einer Angelika Kaufmann sitzt er an einem mächtigen Empiretisch und holt aus einer grellbemalten Bauerntruhe einen Stoß mächtiger Bände hervor – sein Stammbuch. Jedes Blatt ein Dokument ehrlichster Menschlichkeit, Zeugen von fast religiösen Fanatismus für Ueberbrückung und Verständigung, Namen aus allen Weltteilen, Namen, die jeder kennt und achtet. In allen Sprachen der Welt, in arabischer, türkischer, chinesischer, kyrillischer und armenischer Schrift leuchtet aus diesen Folianten das Bekenntnis zum Erdenparadies, Hoover steht neben Hindenburg und Pflanzer-Baltin. Ueber den Schreibtisch ein großes Tableau, die Entwürfe zur Einheitswährung der Welt, zum „Friedensdollar". Nicht Regentenbildnisse schmücken die Note, die großen Apostel und Bahnbrecher der Menschheit grüßen vom Zahlungsmittel der Zukunft, Christus, der Erlöser der Seele, und Abraham Lincoln, der Befreier aus körperlicher Sklaverei und Marconi, der Weltumspanner. Drach erzählt :» Eine Weltfriedensbank sieht er im Geiste aufgestellt, sieht Grenzen verschwunden, Zölle aufgehoben, sieht Völker verbunden mit einheitlichem Schaffen unter einheitlichen, wirtschaftlichen Bedingungen, nicht Pan-Europa, sondern Pan-Univers und sieht Wien, sein geliebtes Wien, als glückliches, zufriedenes Kultur- und Kunstzentrum der Welt. Erschüttert steht man vor diesem Glauben, der, wie der Apostel sagt, Berge versetzen kann, nein. Schwereres vollbringen, Haß zerstören und die Vernunft auf den Thron erheben. Im Ausland kennt man Drach und seine Idee. Hervorragende Politiker und Wirtschaftler ziehen mit ihm an einem Strang. Hier in der Heimat ereilt ihn das österreichische Los. Erst wenn Deutschland und England, wenn Amerika und das ferne Japan von Drach und seinem Werke als einen selbstverständlichen Evolutionsschritt sprechen, werden die Oesterreicher darauf kommen, daß es einer der Ihrigen ist, der in Wien die Fäden einer Weltbewegung in der Hand hält. Richard Kühnelt "Bergland", Illustrierte alpenländische Monatsschrift. XIII. Jg., Heft 12, 1931 Das Geld von Morgen: Der europäische Friedensdollar – Die Einigung Europas Der Plan einer europäischen Friedensbank und das Projekt der Emission von europäischen Friedensdollars stammt von einem Wiener Antiquitätenhändler, Josef Drach, der bereits vor acht Jahren in einem ausführlichen Memorandum ein Projekt entwickelte, das geeignet ist, den europäischen Kontinent mit neuen, verjüngenden Kräften zu erfüllen, die Produktion zu heben, allgemeinen Wohlstand herbeizuführen. Das Projekt einer europäischen Friedenswährung ist bis ins Detail ausgearbeitet und allen Regierungen der europäischen Staaten unterbreitet worden. Finanzgrößen, Herrscher, Minister, Diplomaten, Bankfachleute haben es geprüft und für gut befunden. Die Friedensdollars sollen neben autonomen Währungen aller europäischen Staaten anerkannt werden; gleichzeitig soll eine Friedensbank gegründet werden, der die metallische Deckung der in Umlauf zu setzenden Währung vorbehalten bleibt. Warum man noch immer nicht auf die Lösung der Finanzprobleme durch Schaffung einer zwischenstaatlichen Währung verfallen ist, wobei alle Zollgrenzen fallen und die Zinsverhältnisse auf gesunder Basis geregelt werden? Josef Drach besitzt ein interessantes Buch, in dem sich unter anderen großen Männern der Öffentlichkeit auch der Franzose Herriot und der Präsident der Vereinigten Staaten Hoover eingetragen haben, also sichtbar für seine Idee eingetreten sind. Trotzdem bleibt man vorerst bei dem alten, komplizierten Währungssystem, das die ohnedies hohen Produktionskosten steigert, die Staaten durch einen komplizierten Kreditverkehr, durch Zollschranken gegeneinander absperrt. Bei Einführung des Friedensdollars würde der Güteraustausch ständig zunehmen, Perspektiven für den Freihandel würden sich eröffnen, die Verbindlichkeiten der Kaufmannswelt könnten reibungsloser und günstiger liquidiert werden. Der Friedensdollar soll, wie es im Exposé heißt, das Symbol dafür sein, daß es, ähnlich wie jenseits des Ozeans, auch in [Europa]…" Fakt ist, dass Josef Drach sich nicht nur mit der Idee zufrieden gab, sondern diese auch in die Tat umsetzen wollte. Hierzu beauftragte er den vom Jugendstil geprägten Maler, Grafiker und Plakatkünstler Alfred Offner (1879–1947) mit der Herstellung von Entwürfen. Offner hatte sich auch mit der Gestaltung von Plakaten und Wertpapieren für die Wiener Kommerzial-Bank und das Rote Kreuz beschäftigt. Nachstehend übernehme ich die Beschreibung der einzelnen Motive der Entwürfe aus dem Artikel von 1931, die heute wohl nur noch wenigen Numismatikern und Historikern bekannt sein dürften. Die 1-Dollar-Note zeigt besonders sinnvoll die Zerstörung des Krieges durch die Friedensarbeit, die Friedensgöttin, die das Elend lindert, im Hintergrund das Aufblühen von Handel und Gewerbe. [Rückseite] Die 2-Dollar-Note zeigt die bekannte Wiener Vorkämpferin gegen den Krieg Berta von Suttner. [Vorderseite] Die 5-Dollar-Note weist als Symbol zwischen den Allegorien der Freundschaft und der Arbeit das Porträt des Friedensapostels Leo. Tolstoi. [Vorderseite] Eine andere 5-Dollar-Note zeigt den Erdball von Ketten des Friedens und der Freiheit umschlungen. [Rückseite] Christus mit dem Lamm zwischen den Symbolen der Freundschaft und des Fleißes ist der Schmuck der 10-Dollar-Note. [Vorderseite] Auf der 20-Dollar-Note sieht man Goethe als einen der ersten Wegbahner des europäischen Einigkeitsgedankens. [Vorderseite] Auf der 50-Dollar-Note kann man das Porträt Jean Jaurés, des großen europäischen Sozialpolitikers, erkennen. [Vorderseite] Von der 100-Dollar-Note blickt Lord Beaconsfield, der große Wirtschaftsphilosoph, als einer der Pioniere des europäischen Friedensgedankens. [Vorderseite] Die ursprünglich handgezeichneten Entwürfe sind alle auf Wien, den 1. Juli 1922 datiert und als Emittent ist die "Europäische Friedensbank" bzw. "Drach's Europäische Friedensbank" angegeben. Der Druck erfolgte in unbekannter, aber wohl sehr kleiner Zahl. Die Entwurfsdrucke im Format von ca. 130 mm x 60 mm wurden auf dünnem Zeitungspapier aufgeklebt. Einzelne Entwürfe (5, 10 und 100 Friedensdollar) sind rechts unten mit der Künstlersignatur "OFFNER" versehen. Ob es tatsächlich auch einen Entwurf mit dem Porträt von Abraham Lincoln gab, wie im Artikel der "Badener Zeitung" vom 31. August 1929 behauptet, oder ob es sich um eine Verwechslung des Berichterstatters z. B. mit dem Porträt von Lord Beaconsfield auf dem Entwurf zum 100-Friedensdollar-Schein handelt, bleibt offen. Die Gültigkeitsklausel, die man so auf den Entwürfen zu 1 und 5 Friedensdollar findet, besagt: "Die Drach'sche Europäische Friedensbank zahlt sofort auf Verlangen gegen diese Note den vollen Gegenwert in ihrem gesetzlich anerkannten Metallgelde bei ihrer Hauptanstalt in Wien. 1 Juli 1922." Woher die Einlagen zur Deckung der Ausgaben der Friedensdollars in gesetzlichem Metallgeld kommen sollten, war wohl neben der Anerkennung als alternatives Zahlungsmittel und der Festlegung von Umtauschverhältnissen zu fortbestehenden nationalen Währungen eines der Hauptprobleme Drach's gewesen sein. Immerhin hatte er bereits einige, hauptsächlich jüdische Geschäftsleute, für seine Idee gewinnen können. Drach unterbreitete seine Idee vom Friedensdollar zahlreichen einflussreichen Personen, ein angeblicher Kontakt zum damals größten Kunsthändler Wiens, Ferdinand Spany (1897–1983), dürfte aber eher unbedeutend gewesen sein, auch wenn Spany selbst ein Verfechter des Pan-Europa-Gedankens und einer europäischen Einheitswährung war. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man von einer echten Einheits- oder von einer Alternativwährung spricht, die sich vorerst neben fortbestehenden nationalen Währungen behaupten muss. Eine europäische Einheitswährung haben wir mit dem Euro, zumindest für dessen Gültigkeitsbereich, erst seit 2002, also 80 Jahre nach den Ideen von Josef Drach in der Praxis verwirklichen können. Über Drach selbst, einen selbstbewussten Visionär, dessen Idee an der harten Realität einer Zeit scheiterte, in der Reparationsforderungen in klingender Münze den vermeintlichen Siegern und die Bewahrung nationaler und Verteidigung wirtschaftlicher Interessen den vermeintlichen Verlierern wichtiger waren als der europäische Einheitsgedanke, ist wenig bekannt. Seine Idee vom Friedensdollar sollte dennoch nicht ganz in Vergessenheit geraten und Drach selbst in der Geschichtsschreibung der Europäischen Union einen gebührenden Platz erhalten. Fest steht aber auch, dass Josef Drach nicht ganz allein mit seiner Idee einer einheitlichen europäischen Bank war, aus den USA kam bereits im Frühjahr 1922 eine entsprechende Initiative, die aber noch keine europäische Einheitswährung vorsah. "Wiener Zeitung", Wien, den 8. März 1922 Das Projekt einer Europabank Aus Berlin, 7. d. M., wird gemeldet: Der amerikanische Senator Robert L. Owen, der sich zurzeit in Berlin aufhält und heute nach Paris und London abreisen wird, erklärte in einer Unterredung mit dem Vertreter der "Zeit" über seinen Plan, mit amerikanischer Hilfe eine Europabank zu gründen, u. a.: Die Bank, die den Namen Federal Reserve Foreign Bank erhalten soll, soll ihren Hauptsitz in New-York und Zweigniederlassungen dort haben, wo solche von den Banken und Regierungen in Europa gewünscht werden. Die Bank soll über ein Kapital von 500 Millionen Golddollar verfügen, das von den 12 großen Federal Reserve-Banken der Vereinigten Staaten beigestellt würde. Die Bank werde sich einzig und allein mit der Diskontierung von Handelspapieren befassen, die auf greifbare Waren begründet seien. Die Reservebank werde den europäischen Banken auch Goldkredite gegen solche Papiere geben und so mit Unterstützung europäischer Banken Goldkreditreserven ansammeln, die sie bis zu einer Höhe von 2-5 Milliarden bringen will. Amerika werde auf diese Weise seinen Goldschatz nutzbringend für die europäische Produktion verwenden. Sollten die europäischen Bank dem Plane zustimmen, so würde er sein Äußerstes tun, den amerikanischen Kongreß zur Annahme des Gesetzes zu bewegen. Auch diese Idee aus den USA verlief wohl im viel zitierten Sande. Aller wohl gemeinte Idealismus muss sich letztlich an den politischen Realitäten jeder Zeit messen lassen und Europa war in der Zwischenkriegszeit noch weit von einer umsetzbaren Vision einer Einheit entfernt. Erst die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine haben so manche Naivität im politischen Alltag auch von heute schwinden lassen. Interessant ist, dass der Gestalter der Entwürfe Alfred Offner, der 1879 im damals österreichischen Tschernowitz in der Bukowina (heute Ukraine) geboren wurde, jüdische Wurzeln hatte und während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht vor Verfolgung ausgerechnet in der Burg Ronsperg des Adelsgeschlechts Coudenhove-Kalergi in der Nähe von Taus in Westböhmen (Sudetenland) fand. So schließt sich wieder der Kreis der frühen Pan-Europäer und Vorkämpfer einer europäischen Einheitswährung. Hans-Ludwig Grabowski Danksagung: Herzlichen Dank an Rudolf Richter aus Salzburg für die Bereitstellung von Informationen sowie für die Abbildungen der Entwurfsdrucke aus seiner Sammlung. Anmerkungen: Der Großteil der Zitate aus österreichischen Presseveröffentlichungen wurde erst durch die Digitalisierungen der Österreichischen Nationalbibliothek möglich. Es hat sicher noch weitere Veröffentlichungen zu Drachs "Friedensdollar" – auch in Deutschland und anderen Ländern – gegeben.












