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  • Leserpost: 100 Reichsmark von 1955?

    Hallo, ich habe einen 100-Reichsmark-Schein in meiner Sammlung, wundere mich aber über das Datum 1955. Handelt es sich um einen Matrixfehler? Ist es eine perfekte Fälschung? War es damals möglich, ein Wasserzeichen zu erstellen? Ich habe Ihre Kontaktdaten von der Bundesbank erhalten! L. Woronecki Antwort der Redaktion Hallo Herr Woronecki, natürlich gab es 1955 keine Reichsbank mehr und es wurden auch keine Reichsbanknoten mit dieser Datierung ausgegeben. Leider ist die Abbildung nicht besonders gut und tatsächlich wäre es am besten, wenn ich mir das Original anschauen könnte, aber es handelt sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Manipulation. Im Datum des Originalscheins 24. Juni 1935 wurde die dritte Zahl der Jahresangabe abgeändert, so dass man statt 1935 nun 1955 lesen kann. Gerne hätte ich diese Manipulation hochauflösend eingesannt, um sie so zu belegen. Das Motiv für diese Manipulation ist sicher nicht darin zu suchen, dass man 1955 noch hätte Reichsbanknoten einlösen oder umtauschen können. Bereits 1948 gab es separate Währungsreformen in den Westzonen (später BRD) und der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (später DDR), mit denen die alten Reichs- und Rentenmarkscheine ungültig wurden. Wahrscheinlich diente sie lediglich der Täuschung von Sammlern. Hier noch eine kleine Ergänzung zum besseren Verständnis: Es handelt sich um einen Originalschein von 1935, auf dem jemand das Datum manipuliert hat. Bereits lange vor 1935 hatten Geldscheine Wasserzeichen und zahlreiche andere Sicherheitsmerkmale. Bei Ihrem Schein handelt es sich um einen sog. Friedensdruck mit dem Kopf von Justus von Liebig im Wasserzeichen. Hans-Ludwig Grabowski

  • Leserpost: Fehldrucke bei Reichsbanknoten zu 500.000 Mark vom 1. Mai 1923

    Sehr geehrter Herr Grabowski! Habe hier eine kleine Rarität. Hiervon sind einige Scheine bekannt. Denke, diese könnten auch im Katalog aufgenommen werden? Die Serien gehen in diesen Fällen immer um genau 600.000 Zähler auseinander. Bei mir nur bekannt im 7-stelligen auf Vorderseite und Rückseite. Außerdem habe ich noch einen Fehldruck mit je zwei verschiedenen Serienbuchstaben. Kennen sie diese Fehldrucke? Mit freundlichen Grüßen M. Berg DEU-99a: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote über 500.000 Mark vom 1. Mai 1923, Reichsdruck, Serie G, Vorder- und Rückseite mit je zwei 7-stelligen Kontrollnummern, Vs. mit "G•0309973" und Rs. mit "G•0909973". DEU-99b: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote über 500.000 Mark vom 1. Mai 1923, Reichsdruck, Vorder- und Rückseite mit je zwei 8-stelligen Kontrollnummern und mit abweichenden Serien: Vs. mit zweimal Serie "A" und Rs. mit zweimal Serie "D". Antwort der Redaktion Der ultimative Beweis ist natürlich erbracht, wenn man den Schein selbst in Händen hält. Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass Sie mir die Originalscheine zur Begutachtung zugesandt haben. Sehr schöne Fehldrucke, wenn man so will. Ich kann die abweichenden Kontrollnummern und Serien definitiv bestätigen und würde meinen, dass das zumindest eine Anmerkung im Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" verdient. Die Ursachen für diese Art von Fehldrucken sind prinzipiell die gleichen, wie bei den abweichenden Kontrollnummern bei Scheinen der DDR. Bei der zuletzt erfolgenden Nummerierung der Scheine wurden in der Druckerei (bei den beiden vorliegenden Scheinen war das die Reichsdruckerei in Berlin) unterschiedlich eingestellte Nummeratoren verwendet. Bei den Kontrollnummern weicht dabei die zweite Stelle der Kontrollnummer um sechs Zähler ab (09 statt 03). Abweichende Serien sind sogar noch seltener zu finden und umgelaufen ist dieser Fehldruck wahrscheinlich wegen der Gebrauchsspuren auch. Gratulation zu den seltenen Stücken. Hans-Ludwig Grabowski

  • Leserpost: Unbekannter Notgeld-Entwurf

    Mir liegt ein handgezeichneter Entwurf eines Notgeldscheins (wahrscheinlich eines Serienscheins für Quedlinburg) auf Karton vor. Siehe die beigefügte Abbildung. Vielleicht ist er ja noch nicht (jedem) bekannt. T. Neldner Anmerkung der Redaktion Es scheint sich offensichtlich um einen Entwurf zur Rückseite des ersten Scheins (siehe mittig oben "1") zu 50 Pfennig einer nicht umgesetzten Serie zu handeln. Der Bezug zu Quedlinburg entsteht durch den Text "Herr Heinrich sitzt am Vogelherd recht froh und wohlgemut", der aus einem Volkslied aus dem 19. Jahrhundert (1835) stammt. Den Text schrieb Johann Nepomuk Vogl (1802-1866) und die Musik komponierte Johann Karl Gottfried Löwe (1796-1866). Mit Heinrich ist der erste deutsche König Heinrich I. aus dem Hause der Liudolfinger gemeint, der ab 912 Herzog von Sachsen war und von 919 bis 936 König des Ostfrankenreichs. Er trug den volkstümlichen Beinamen "der Vogler" (Vogelsteller). Geboren und gestorben war er in der Kaiserpfalz von Memleben, seine letzte Ruhe fand er aber im Stift Quedlinburg, das Heinrich zu einer wahren Schatzkammer voller Heiligen-Reliqiuen machen wollte. Auch die berühmte Heilige Lanze, die sich heute in der Schatzkammer Wien befindet, soll einst in seinem Besitz gewesen sein. Eventuell wissen einige Sammler mehr zum Entwurf (z. B. zum Künstler) oder sind im Besitz weiterer Entwürfe zu dieser Serie? Hans-Ludwig Grabowski

  • Aus privaten Sammlungen: Deichmann-Bon zu 10 Francs von 1914/15

    Nachdem die französischen Behörden und Banken beim Vormarsch der deutschen Truppen 1914/15 fast alle Bargeldreserven mitgenommen oder vernichtet hatten, gaben verschiedene Teile des deutschen Heeres eigene Gutscheine zur Bezahlung von Arbeitslohn, Dienstleistungen und Warenlieferungen im besetzten Gebiet aus, die mit der Heereskasse verrechnet wurden. Es gibt zahlreiche Varianten von Lohn-Bons, da Daten, Ortsangaben, Truppenteile, Kontrollnummern usw. handschriftlich oder mit Stempeln auf den Scheinen vermerkt wurden und es warten wohl noch zahlreiche unbekannte Varianten auf ihre Entdeckung. Bekannt sind darüber hinaus auch sog. Anerkenntnis-Scheine und Gutscheine verschiedener deutscher Truppenteile, die Firmen und der Bevölkerung im besetzten Teil Frankreichs für Lieferungen an das deutsche Heer ausgehändigt wurden, wenn keine Barzahlung erfolgte. Vorläufer von gedruckten Lohn-Bons waren handschriftliche, hektografisch vervielfältige, provisorische Bons der Etappen-Inspektion I, die heute äußerst selten sind. Während die Erste Armee 1915 verschiedene Lohn-Bons ausgab, nutzte man in der Zweiten Armee sog. Deichmann-Bons. Das waren Bons zur Bezahlung von Lieferungen französischer Gemeinden an das deutsche Heer bestimmt. Die Bons sind links gezähnt, da sie aus Abrissblöcken mit Perforation getrennt wurden. Die sog. „Deichmann-Bons“ oder auch „Wirtschaftsausschuss-Bons“ wurden ab Februar 1915 in Gesamthöhe von 3,5 Mio. Francs in 192 beteiligten Gemeinden ausgegeben. Eingeführt wurden sie vom Major d. Res. Deichmann beim Wirtschaftsausschuss der Etappen-Inspektion 2. Sie sollten dem Mangel an Umlaufmitteln entgegenwirken, indem sie quasi erst durch den Stempel der einlösenden Gemeinde zu Geld wurden, ansonsten aber nur eine Quittung darstellten. Viele Gemeinden weigerten sich aber für die Bons als „Zahlstelle“ zu haften. Die Gültigkeit war auf bis zu sechs Monate nach Friedensschluss begrenzt. Anfang September 1915 wurden weitere Ausgaben untersagt und ab 3. November 1916 waren die noch nicht eingelösten Bons gegen französische Stadtscheine einzuziehen. Bis Ende August 1917 waren Bons im Wert von insgesamt rund 3 Mio. Francs eingezogen. Nicht ausgegebene Bons im Wert von 4,68 Mio. Francs wurden beim Generalwechselamt eingestampft. "Deichmann-Bons" gab es in Werten zu 5, 10, 20, 50 und 100 Francs. Alle Stücke sind heute sehr selten und gesucht. Objekttyp: Lieferungsschein / Bon de réquisition Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Authentizität: Original Land/Region/Ort: Frankreich, Département Aisne, Etreux Emittent: Zweite Armee, Etappen-Inspektion 2, Wirtschaftsausschuss Nominal: 10 Francs Datierung: 1914/15 Vorderseite: Wertzahl und Ornamente im Unterdruck. Text (Deutsch und Französisch) im Rahmen. Rückseite: Ohne Unterdruck. Text (Deutsch und Französisch) im Rahmen. Unterschrift: Deichmann, Rittmeister (Faksimile-Stempel) Material: Papier mit Wasserzeichen Kölner Waben Druck: M. Dumont Schauberg, Köln Format: 170 mm x 100 mm Nummerierung: E 015620 Umlauf: Februar 1915 bis August 1917 Zitate: EWK-58 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) 16 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) M10 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop

  • Nationalsozialistische Volkswohlfahrt – Wertschein des Kriegswinterhilfswerks zu 5 Reichsmark 1939

    Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) war am 18. April 1932 als eingetragener Verein gegründet worden. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er am 3. März 1933 zur Parteiorganisation und im Zuge der Gleichschaltung mit dem Verbot der Arbeiterwohlfahrt zur Staatsorganisation. In den ersten Jahren unterstützte die NSV hauptsächlich bedürftige Familien finanziell über verschiedene Hilfswerke, so dem Winterhilfswerk oder dem Hilfswerk Mutter und Kind. Während des Kriegs übernahm sie mehr und mehr Dienstleistungen, wie den Betrieb von Kindergärten und Gemeindepflegestationen, die Haushalts- und Jugendhilfe, den Bahnhofsdienst und die Kinderlandverschickung. 1938 waren rund eine Million ehrenamtliche Mitarbeiter für die NSV tätig und zu Kriegsbeginn zählte die NSV elf Millionen Mitglieder. Die Finanzierung erfolgte ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Eine der ersten Aufgaben der NSV war die Unterstützung sozial bedürftiger Personen in der Zeit hoher Arbeitslosigkeit. Hierzu sollten Sachwerte und Mittel aus Sammlungen verwendet werden. Zur praktischen Durchführung wurde bereits im September 1933 das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW) gegründet. Zum Reichsbeauftragten des WHW wurde Erich Hilgenfeldt ernannt, dessen gedruckte Unterschrift sich auf den WHW-Wertscheinen findet. Nachdem die Unterstützung Bedürftiger in den Friedensjahren hauptsächlich mit Sachwerten erfolgte und lediglich verschiedene zweckgebundene Gutscheine zum Bezug von Lebensmitteln (1933/1934 und 1934/1935), von Brennstoffen (1934/ 1935 und 1938/1939) und von Bekleidung (1938/1939) sowie Sonderausgaben zum „Tag der Machtergreifung“ (30. Januar) 1936/1937 und 1937/1938 für die Entnahme von Lebensmitteln, Kleidung, Wäsche und Schuhwerk sowie für Brot und Braunkohlebriketts Verwendung fanden, wurde mit Kriegs­beginn 1939 auf einheitliche Wertscheine des Kriegswinterhilfswerks (KWHW/WHW) umgestellt. Grund für deren Einführung war die kriegsbedingte Zwangsbewirtschaftung von lebenswichtigen Gütern, die nur im Rahmen der Rationierung auf „Karte” damit bezahlt werden konnten. Die vorherigen Gutscheine entsprachen dagegen einer Zusatzversorgung! Die WHW-Wertscheine waren zwar kein Geld im eigentlichen Sinne, sondern dienten vielmehr als Verrechnungsscheine (der Empfänger bezahlte damit eine Ware oder Leistung; der Kaufmann reichte den Wertschein bei einer Bank wie Bargeld ein; die Bank leitete die Wertscheine zur Verrechnung mit dem WHW an die Reichsbank weiter), sie waren aber im ganzen Reich gültig und konnten zur Bezahlung von Lebensmitteln, Bekleidung und Brennstoffen, ab 1941 auch für Mietzahlungen sowie zur Bezahlung von Gas- und Stromverbrauch verwendet werden. Der jeweilige Einlösungsvermerk erfolgte auf der Rückseite. Die letzten Wertscheine wurden für den Kriegswinter 1943/1944 ausgegeben und waren bis 31. Mai 1944 gültig. Für 1944/1945 gab es keine Wertscheine mehr. Neben den Wertscheinen für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes gab es auch solche der Winterhulp Nederland für die Bevölkerung in den besetzten Niederlanden sowie für die deutsche Bevölkerung im Generalgouvernement Polen. Hans-Ludwig Grabowski Münzen & Sammeln, Ausgabe 2017/12 Abbildungen: Hans-Ludwig Grabowski

  • Das deutsche Inflations-Trauma

    Als 2021 die Preise im EU-Raum zu steigen begannen, wurden in Deutschland sofort Erinnerungen an die Hyperinflation des Jahres 1923 und die Währungsreform von 1948 wach. Obwohl auch Österreich, Ungarn, Russland und Polen nach dem Ersten Weltkrieg die bitteren Erfahrungen einer Hyperinflation machten, hinterließ sie nirgendwo sonst in der Erinnerung der Gesellschaft so tiefe Spuren wie in Deutschland. Die Angst, das Ersparte zu verlieren, ist tief verwurzelt, sodass Psychologen und Soziologen von einem deutschen Inflations-Trauma sprechen. Propaganda-Postkarte vom Oktober 1917: „Helft uns siegen! zeichnet Kriegsanleihe“. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Vom untergegangenen Kaiserreich erbte die „Weimarer Republik“ nicht nur die Kriegsschulden, sondern man musste sich auch den harten Bedingungen des Versailler Diktats unterwerfen, d. h. Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld als Grundlage für die von den Alliierten geforderten Gebietsabtretungen, Reparationszahlungen sowie Beschränkungen beim Heer und bei der Flotte. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs belief sich das Volumen aller Zahlungsmittel – Reichsbanknoten, Reichskassenscheine, Privat- und Länderbanknoten, Gold- und Scheidemünzen – des Deutschen Reichs auf rund 6 Milliarden Mark. Durch Gesetz vom 4. August 1914 wurde zwar die Einlösungspflicht des Papiergelds in Gold aufgehoben, nicht aber die im Bankgesetz vorgesehene Dritteldeckung der umlaufenden Noten durch Gold, kursfähiges deutsches Geld oder Reichskreditkassenscheine. Gedacht als Begrenzung der Notenausgabe und Sicherung der Geldwertstabilität wurde diese Bestimmung aufgeweicht. Das ebenfalls am 4. August erlassene Gesetz über die Darlehenskassen ermächtigte diese, Darlehen gegen Verpfändung von Waren und Wertpapieren zu gewähren. Das bewilligte Darlehen konnte in besonderem Geld – den Darlehenskassenscheinen –ausgezahlt werden. Sie dienten nun ebenfalls der Dritteldeckung der umlaufenden Reichsbanknoten. Ende 1915 war der Zahlungsmittelumlauf auf 10,5 Milliarden Mark gestiegen, Ende 1916 waren es 12,3, Ende 1917 18,5 und bei Waffenstillstandsabschluss am 11. November 1918 28,4 Milliarden Mark: davon 17 Milliarden Mark Reichsbanknoten und 9,6 Milliarden Mark Darlehenskassenscheine. Der Zahlungsmittelumlauf war von rund 110 auf ca. 430 Mark pro Kopf der Bevölkerung gestiegen. Obwohl die Reichsbank in der Schweiz, den Niederlanden und Schweden während des Krieges fast 450 Millionen Mark zur Stützung des Markkurses aufgewendet hatte, sank der Wert der Mark gegenüber dem Franc auf knapp 56 %. Im Inland hatte die Mark bis Ende 1918 sogar drei Viertel ihres Vorkriegswertes eingebüßt. Die Staatsausgaben wurden während des Kriegs mithilfe der Notenpresse und durch Kriegsanleihen finanziert. Für die Verantwortlichen war klar, dass die Kriegsanleihen – knapp 100 Milliarden Mark hatten die Bürger gezeichnet – aus der erwarteten Kriegsbeute zurückgezahlt werden würde. Der erwartete Sieg blieb aber aus und die Regierung stand vor einer gigantischen Staatsverschuldung; sie übertraf 1919 sogar das deutsche Volkseinkommen. Auch nach Kriegsende wurde weiter munter frisches Geld gedruckt. Zunächst nutzten Regierung und Unternehmer die Geldschwemme wie ein Doping, „das die Nation bei erträglichen Nebenwirkungen vor schlimmerem Übel bewahrt. Im Laufe der ersten fünf Nachkriegsjahre geriet das Aufputschmittel aber völlig außer Kontrolle.“[1] John Maynard Keynes, der führende britische Ökonom dieser Zeit, stellte fest, dass sich die Regierung durch die fortgesetzte Inflation insgeheim und unbeachtet einen wesentlichen Teil des Vermögens seiner Untertanen aneignen würde. Von März 1920 bis zum Sommer 1921 blieb der Kurs der Mark relativ konstant. Am 11. Mai 1921 nahm das neu gebildete Kabinett unter Joseph Wirth die Bedingungen des Londoner Ultimatums an. Nach dem von den Entente-Mächten verabschiedeten Zahlungsplan hatte das Reich Reparationen in Höhe von 132 Milliarden Goldmark zu zahlen. Zudem wurde die deutsche Regierung aufgefordert, der im Versailler Vertrag festgeschriebenen Demilitarisierung und der „Auslieferung deutscher Kriegsverbrecher“ nachzukommen. Um eine drohende Ruhrbesetzung abzuwenden, verfolgte die Reichsregierung eine Politik, welche zwar auf die Erfüllung der alliierten Forderungen abzielte, tatsächlich jedoch versuchte, den Nachweis zu erbringen, dass die jährliche Rate von drei Milliarden Goldmark vom Deutschen Reich nicht aufzubringen sei. In der zweiten Jahreshälfte geriet der Kurs der Mark in ein kritisches Stadium, „daß zeitweise geradezu von einem Zusammenbruch der deutschen Währung gesprochen werden konnte.“[2] Am 8. November 1921 verdreifachte sich der Dollarkurs auf 310 Mark. Die Gründe für die unaufhaltsame Abwärtsentwicklung der Markvaluta sah die Reichsbank im Passivsaldo der deutschen Zahlungsbilanz. Weite Kreise des Auslands waren überzeugt, dass die Reparationsforderungen der Entente aus den Überschüssen der deutschen Volkswirtschaft nicht bestritten werden könnte und daher die Hilfe der Notenpresse herangezogen würde.[3] Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 10.000 Mark vom 19. Januar 1922, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Berlin 1922: In Wäschekörben holen Betriebe große Geldbeträge für Lohnzahlungen von den Banken. Auch im Jahr 1922 setzte sich die Abwärtsbewegung der Mark fort. Wurde der US-Dollar am 1. Januar noch mit 186,75 Mark gerechnet, so stand er am 1. Dezember bei 7650 Mark. Ende 1922 war die Mark im Vergleich zum Anfang des Jahres nur noch ein Zwanzigstel wert, gegenüber dem Vorkriegskurs sogar nur Eintausendfünfhundertstel. „Angesichts der plötzlich auftretenden Schwierigkeiten in der ausreichenden Versorgung des Verkehrs mit papierenen Zahlungsmitteln ließ es sich nicht vermeiden, vorübergehend auf die Ausgabe von ‚Notgeld‘ zurückzugreifen.“[4] Französische Truppen bei ihrem Einmarsch in Essen im Januar 1923. Am 11. Januar 1923 begannen französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet einzumarschieren. Kohle und Stahl sollten als Pfand für ausstehende Reparationsleistungen dienen. Die Reichsregierung antwortet darauf, indem sie die Bevölkerung zum passiven Widerstand aufrief. Nun wurden Unterstützungsgelder an die Arbeitslosen und Betriebe fällig. Durch Stützungskäufe versuchte die Reichsbank den Kurs der Mark stabil zu halten, was auch zunächst zu gelingen schien. Allerdings war ihr Goldbestand zu gering, um dies längere Zeit durchzuhalten. Wieder mussten größere Geldmengen gedruckt werden. Als 1923 die Preise jeden Monat um über 50 Prozent stiegen, war die „Hyperinflation“ da. „Wie eine Lawine, die zu Tal rollt, immer riesigere Schneemassen mit sich reißt, so überschlug sich die Entwicklung des Banknotenumlaufs im Jahr 1923.“[5] Ende Dezember 1922 betrug der Banknotenumlauf 1,3 Billionen Mark und hielt sich bis 23. Juni 1923 etwa auf dieser Höhe. Ende Juni betrug er bereits 17,3 Billionen Mark und Ende September 28,2 Billiarden Mark. Mitte November war der Gesamtumlauf auf 92,8 Trillionen Mark und am Jahresende war auf 496,5 Trillionen Mark angewachsen. Ende Juli hattes es bereits wieder an Zahlungsmitteln gefehlt, sodass Kommunen und Unternehmen Notgeld emittierten, und dies, obwohl die Reichsbank riesige Summen an Papiergeld in den Umlauf gab. Trotz enormer Anstrengungen geriet sie immer wieder ins Hintertreffen. Sie war in der gleichen Lage wie der Hase in der Fabel der Gebrüder Grimm. Die Geldentwertung war schneller als die Banknotenproduktion. Und das, obwohl „außer der Reichsdruckerei, bei der zeitweise mehr als 7500 Personen allein im Geld­betrieb beschäftigt waren … arbeiteten 84 Druckereien unmittelbar, 48 weitere Druckereien mittelbar (d. h. als Hilfsdruckereien für den Reichsdruckereibetrieb) für den Notendruck. Über 30 Papierfabriken waren in Vollbetrieb für die Papierbeschaffung tätig, Gedruckt wurden rund 10 Milliarden Geldzeichen im Nennbetrag von 3866 Trillionen Mark, 29 galvanoplastische Anstalten lieferten dazu 400.000 Druckplatten. Die Hauptschwierigkeit bei der Notenbeschaffung bestand in der schnellen Umstellung der Druckpressen und der Papierfabriken, die durch die sich überstürzende Entwertung der umlaufenden Noten und ihre immer wiederholte Ergänzung durch Abschnitte höherer Nennwertziffern notwendig wurde. Während die Industriereviere für Löhnungszwecke noch kleine Abschnitte benötigten, wurden in Handelsgegenden bereits große Stücke gefordert; so mußten zeitweise kleinste und größte Abschnitte nebeneinander gedruckt werden. Die Herstellung wurde auf immer leichtere Druckmuster eingestellt, um möglichst schnell große Massen emittieren zu können. Wo die Sicherung der Note gegen Fälschung nicht in den Druck gelegt werden konnte, wurden nur Feinpapiere mit lokalisiertem Wasserzeichen und Stoffauflage verwandt.“[6] In neun Monaten erschienen 47 neue Haupttypen von Reichsbanknoten, die Wasserzeichenunterschiede nicht mitgerechnet, die ihre Zahl auf etwa das Vierfache erhöhte. Also fast alle sechs Tage bekam man eine neue, vorher nie gesehene Reichsbanknote zu Gesicht (hinzu kamen beispielsweise im Westerwald die Notgeldausgaben der Reichsbahn, der Reichsbahndirektionen Frankfurt, Elberfeld und Köln, des Freistaates Preußen, der Landesbanken der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen, sowie diverse Notgeldscheine von Kreisen, Gemeinden, Unternehmen usw. der näheren und weiteren Umgebung), so dass man sich über einen neuen Geldschein überhaupt nicht mehr wunderte und ihn ohne weiteres annahm. Die Zeitungen warnten fast täglich vor falschem Geld. Da wurde ausgegebenes Geld durch einen falschen Überdruck aufgewertet oder auch Fantasiescheine vollkommen neu „erfunden“. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 5 Billionen Mark vom 7. November 1923. Anfang Oktober 1923 war die Geldentwertung bei einem neuen Höchststand angekommen und von Kommunen und Unternehmen wurden, wie im August, vermehrt Notgeldscheine ausgegeben. Die Forderung nach wertbeständigem Geld wurd immer lauter. Um die Hyperinflation zu stoppen, bereitete Reichskanzler Stresemann eine Währungsreform per Ermächtigungsgesetz vor, um das langwierige Gesetzgebungsverfahren abzukürzen. Noch stritt man über das Vorgehen. Der Ökonom Karl Helfferich wollte den Geldumlauf durch etwas Anderes als Gold decken, während Finanzminister Rudolf Hilferding einen drastischen Währungsschnitt zur Beseitigung der Überliquidität wünschte. Er war der Überzeugung, dass es weniger auf die Deckung einer Währung ankommt als auf eine strikte Beschränkung der Geldmenge. Der ihm im Amt folgende Finanzminister, Hans Luther, griff die Idee von Helfferich auf und wollte das neue Geld durch Hypotheken auf den Grundbesitz „absichern“. Der Bevölkerung sollte dadurch suggeriert werden, dass die neue Währung, die Rentenmark, vor einer weiteren Inflation gesichert sei. Die ersten Rentenbankscheine gelangten am 14. November 1923 zur Ausgabe.[7] Das Wunder der Währungsstabilisierung geang. Ab dem 20. November 1923 kostete der US-Dollar 4,2 Billionen Mark. Damit endete die Zeit der Hyperinflation, auch wenn die Inflationsnoten bei einem Kurs von einer Billion Mark gleich einer Rentenmark noch bis zum 5. Juni 1925 gesetzliche Zahlungsmittel blieben. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Millionenfaches Trauma, in: Der Spiegel Geschichte, Die Weimarer Republik, Nr. 5/2014, S. 38. [2] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1921. Generalversammlung am 30. März 1922, S. 7. [3] Ebenda. [4] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1923. Generalversammlung am 30. Mai 1923, S. 7. [5] Richard Gaettens, Geschichte der Inflationen, vom Altertum bis zur Gegenwart, München 1982, S. 261. [6] Vgl. Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1923. Generalversammlung am 5. Juli 1924, S. 14 f. [7] Die Deutsche Rentenbank wurde am 15. Oktober 1923 gegründet. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop

  • Sammelgebiete: Deutsche Kolonien – Deutsch-Ostafrika

    Es werden Friedens- und Interims-Noten der Deutsch-Ostafrikanischen Bank aus der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs vorgestellt. Eine Besonderheit: Auf mehreren Friedensausgaben finden wir die einzigen Porträts von Kaiser Wilhelm II. auf deutschen Banknoten! Eine andere Besonderheit: Die zahlreichen Varianten und Besonderheiten der Interims-Ausgaben faszinieren die Sammler. Zum historischen Kontext: Deutsch-Ostafrika (DOA) wurde ab 1884 von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft erworben und war die größte und reichste deutsche Kolonie. Sie umfasste die heutigen Staaten Tansania, Ruanda und Burundi sowie einen Teil des heutigen Mosambik. In der Region kursierte die indische Rupie, weshalb man diese Währung auch für die deutschen Kolonialausgaben beibehielt. Am 1. April 1903 übernahm die deutsche Reichsregierung das Münzrecht, welches vorher die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft ausgeübt hatte. Bereits 1890 ging die Verwaltung der Kolonie auf das Deutsche Reich über. Man erlaubte aber der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft eine eigene Notenbank – Die Deutsch- Ostafrikanische Bank (DOAB)– zu gründen, die am 23. Juni 1905 ihre Arbeit aufnahm und ihren Sitz in Daressalam hatte. Der festgesetzte Umtauschwert der DOA-Rupie lag bei 1 RM = 0,75 Rupien. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Friedensausgaben der DOAB von 1905 zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Kolonie von der Versorgung durch das Reich und damit auch von Papier- und Münzlieferungen abgeschnitten, man behalf sich deshalb mit primitiven Kriegsausgaben. Der Druck dieser Interims-Banknoten wurde durch die Deutsch-Ostafrikanische Zeitung GmbH in Daressalam und an anderen Orten ausgeführt. Nach der Kapitulation der deutschen Schutztruppe am 14. November 1918 ließ General von Lettow-Vorbeck den einheimischen Askaris (farbige Soldaten der Schutztruppe) und Trägern noch 1,5 Millionen Rupien in Interims-Noten auszahlen, die später von der deutschen Regierung eingelöst wurden. Neben den Ausgaben der Deutsch-Ostafrikanischen Bank gab es 1917 auch noch Notausgaben der Deutsch-Ostafrikanischen Feldpost, die äußerst selten sind. Zum Sammelgebiet: Die Friedensausgaben der Deutsch-Ostafrikanischen Bank genießen wegen ihrer Gestaltung schon fast Kultstatus und erzielen hohe Preise auf dem Sammlermarkt. Durch die primitive Art der Herstellung der Interims-Noten während des Kriegs und die Nutzung aller verfüg­baren Papierarten – von Karton über Jutepressung bis zum Ölpapier – sowie durch zahlreiche Besonderheiten wie Druck auf Briefköpfen, Geheimzeichen und vielem mehr ist eine faszinierende Variantenvielfalt entstanden, wie sie mit keinen anderen Papiergeld-Ausgaben vergleichbar ist. Die Interims-Noten von Deutsch-Ostafrika sind deshalb zu einem beliebten Sammelgebiet geworden. Viele dieser Scheine sind auch noch zu moderaten Preisen zu bekommen. Gra. DOA-3c: Deutsch-Ostafrikanische Bank, Friedensausgabe zu 50 Rupien vom 15. Juni 1905, Vorder- und Rückseite. Gra. DOA-17e: Deutsch-Ostafrikanische Bank, Interims-Banknote zu 1 Rupie vom 1. November 1915 mit Hand- und Faksimile-Unterschrifts-Stempel, Vorder- und Rückseite. Gra. DOA-30aB11: Deutsch-Ostafrikanische Bank, Interims-Banknote zu 1 Rupie vom 1. Februar 1916 mit zwei Faksimile-Unterschrifts-Stempeln, Rückseite mit Diagonalstempel der Bank und Stempel der Missions-Verwaltung Herrnhut, Vorder- und Rückseite. Gra. DOA-39c: Deutsch-Ostafrikanische Bank, sog. "Buschnote" (hergestellt mit Gummitypen einer Kinderdruckerei) über 5 Rupien vom 1. Juli 1917 mit zwei Handunterschriften, Vorder- und Rückseite. Land/Region/Ort: Deutsch-Ostafrika, Daressalam und Tabora Emittent: Deutsch-Ostafrikanische Bank Objekttyp: Banknoten Nominale: 1 bis 500 Rupien Datierung: 1905 bis 1917 Material: verschiedene Papierarten (u.a. Jutepapier, Karton, Ölpapier) Druck: Giesecke & Devrient, Leipzig (Friedensausgaben); Deutsch- Ostafrikanische Zeitung, Daressalam und Tabora (Interims-Banknoten) Abbildungen: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte Authentizität: Originale Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop

  • Lexikon: Hemdenstoffgeld

    Hemdenstoffgeld (sog. Shirt-Money) wurde im Burenkrieg 1902 in Südafrika während der Belagerung durch die Buren von einer kleinen britischen Kompanie in Upington ausgegeben. Der Wert der Scheine (2 und 10 Shilling sowie 1 und 5 Pfund) wurde mit Tinte auf Stoff von Khakihemden geschrieben. Upington Border Scouts. 2 Shillings vom 1. Februar 1902. Handschrift auf “Khaki Shirt"-Uniformrest. Dienstsiegel der Grenzbrigade und Unterschrift von Major Birbeck. Dieses Stück wurde offenbar eingelöst, da rückseitig mit Stempel "CANCELLED BY PAYMENT" versehen (Pick S711). Abb. Sincona AG. Außerdem befindet sich ein Stempel "Issued by Paymaster B. S. Upington" auf den Scheinen und die Unterschrift von Major J. Birbeck, O. C. Zum Sammelgebiet: Südafrikanische Geldscheine aus der Zeit des Zweiten Burenkriegs – ein spezielles Sammelgebiet https://www.geldscheine-online.com/post/s%C3%BCdafrikanische-geldscheine-aus-der-zeit-des-zweiten-burenkriegs-ein-spezielles-sammelgebiet Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte

  • G+D Stiftung Geldscheinsammlung feiert 20. Geburtstag

    20 Jahre Stiftung Geldscheinsammlung – Papiergeld aus acht Jahrhunderten Mit mehr als 350.000 Banknoten zählt die G+D Stiftung Geldscheinsammlung heute zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Im November 2003 gegründet, um die einzigartige Sammlung des Papiergeldexperten Albert Pick (1922–2015) zu bewahren, wissenschaftlich auszuwerten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, feiert die Stiftung Geldscheinsammlung in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die Vielfalt der Banknoten ist groß – sie reicht von den ersten Ausgaben in China im 14. Jahrhundert bis zu den heute weltweit ausgegebenen Geldscheinen. Wie alles begann 1930 kaufte der damals erst achtjährige Albert Pick, Sohn eines Druckereibesitzers, in Köln zwei Notgeldscheine für einen Pfennig. Aus dem ungewöhnlichen Hobby für einen Jungen seines Alters entwickelte sich schon bald eine lebenslange Leidenschaft: In den 1950er und 1960er Jahren erweiterte er seine Sammlung mit Banknoten aus der ganzen Welt und den unterschiedlichsten Epochen. Damit wurde Pick, der hauptberuflich einen Verlag in Köln betrieb, zum international anerkannten Pionier auf dem Gebiet des Banknotensammelns. 1964 verkaufte er schließlich seinen Verlag, denn seine Sammlung war mit rund 180.000 Exemplaren bereits so umfangreich geworden, dass er sie nebenberuflich nicht mehr adäquat betreuen konnte. Daraufhin erhielt er Angebote von mehreren Banken und privaten Interessenten – auch von Siegfried Otto, dem damaligen Inhaber von G+D. Albert Pick, undatiert (Quelle: Albert Pick – Ein Nachruf (geldscheine-online.com) Übergabe der Privatsammlung an die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank Anfang Mai 1964 entschloss sich Pick, seine gesamte Privatsammlung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank (heute: HypoVereinsbank) zu überlassen. Im Gegenzug wurde er als Kurator der Sammlung angestellt. In seiner neuen Funktion tätigte er eine Reihe spektakulärer Ankäufe, organisierte Ausstellungen und schrieb diverse Bücher und Kataloge. 1975 veröffentlichte er erstmals den „Standard Catalog of World Paper Money“, der bis heute in zahlreichen Auflagen erschien und seither als Standardwerk für Papiergeldsammler gilt. Hierin erhielten alle Emissionen eines Landes in der Reihenfolge ihres Ausgabedatums eine Signatur mit der sogenannten Pick-Nummer, mit der jede bisher ausgegebene Banknote eindeutig identifiziert werden konnte. 1985 ging Albert Pick in den Ruhestand und die mittlerweile auf rund 260.000 Banknoten angewachsene Sammlung wurde als Teil des Historischen Archivs der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank weitergeführt. Ägypten, National Bank of Egypt: Banknote über 5 Ägyptische Pfund von 1918. Niederländisch-Indien, Vereenigde Oostindische Compagnie: Geldschein über 50 Ryksdaalders von 1805. 2003 – Gründung der Stiftung Geldscheinsammlung Im November 2003 überführte die HypoVereinsbank die Sammlung schließlich in die „HVB Stiftung Geldscheinsammlung“. In den Beirat der neu gegründeten Stiftung wurde Walter Schlehbusch, damals Leiter des G+D-Unternehmensbereichs Banknote (heute: Currency Technology), berufen. Seitdem bestand eine enge Verbindung zwischen der Stiftung Geldscheinsammlung und G+D. Seit 2008 ist die Sammlung, mit einer kurzen Unterbrechung, in den Räumen von G+D untergebracht. Aufgrund ihrer großen kulturhistorischen Bedeutung wurde die Banknotensammlung im Mai 2010 sogar in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen. Das bedeutet, dass ihre Bestände besonders geschützt sind, zum Beispiel bei Ausleihe oder Diebstahl. Dr. Franziska Jungmann-Stadler, Dr. Walter Schlehbusch und Verena von Mitschke-Collande anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Jahr 2013. 2021 – Umbenennung in „Giesecke+Devrient Stiftung Geldscheinsammlung“ Aus den Erträgen des Stiftungskapitals konnte die HVB Stiftung Geldscheinsammlung weiterhin Neuemissionen erwerben und die Altbestände ergänzen. Darüber hinaus wurden auch Ausstellungen in Kooperation mit Bankfilialen und der Staatlichen Münzsammlung München konzipiert. Neben den Ausstellungen erschienen zudem zahlreiche Artikel und Einzelpublikationen zum Thema Papiergeld, das sich zunehmend als eigenständiges Teilgebiet der Numismatik etablierte. Ein Großteil der Geldscheine wird in speziellen Alben aufbewahrt, die höchste Anforderungen an die Alterungsbeständigkeit erfüllen. Anfang der 2020er Jahre reifte dann der Entschluss, das langjährige Engagement von G+D für den Erhalt und die Weiterentwicklung einer der weltweit größten und bedeutendsten Geldscheinsammlung auch nach außen zu dokumentieren: G+D beantragte bei der Stiftungsaufsicht die Umbenennung in „Giesecke+Devrient Stiftung Geldscheinsammlung“ –mit Erfolg. Seit dem 14. Oktober 2021 ist die G+D Stiftung Geldscheinsammlung nun eine rechtsfähige öffentliche Stiftung bürgerlichen Rechts und wird durch die Vorständinnen Celia von Mitschke-Collande und Kirsten Peter vertreten. „Die Sammlung ist eng verwandt mit dem Kerngeschäft von G+D und auch deshalb ist sie so wichtig innerhalb der G+D-Familie – damit das kulturelle Erbe gesichert ist und solche Schätze nicht verloren gehen.“ (Celia von Mitschke-Collande, Vorstandsmitglied der G+D Stiftung und G+D Stiftung Geldscheinsammlung). Digitalisierung und Präsentation der Sammlungsbestände Bereits seit 2016 sind ausgewählte Bestände der Sammlung auch online zugänglich: Rund 5.000 Banknoten werden auf bavarikon, der digitalen Schatzkammer für Kunst und Kulturschätze Bayerns, präsentiert. Hier findet man u.a. nicht nur die Sammlungen über das Papiergeld Bayerns oder Europas sowie seltene Scheine aus aller Welt, sondern auch virtuelle Ausstellungen der Geldscheinsammlung, u.a. zur Geschichte des Papiergelds oder zur Ikonographie der Wirtschaft auf Banknoten Zentral- und Südamerikas. Nach Voranmeldung können relevante Objekte auch vor Ort eingesehen werden. Zudem können sich G+D-Kolleg/-innen aus dem Vertrieb ausgewählte Banknoten oder Alben für Kundentermine ausleihen oder Digitalisate für Präsentationen anfordern. Auch das Banknotendesign profitiert bei seiner Arbeit von den Beständen der Sammlung. Für 2024 sind außerdem wieder Ausstellungen in Kooperation mit Partnern aus München geplant. Auch eine Zusammenarbeit mit dem von G+D geförderten Museum für Druckkunst am Gründungsstandort Leipzig ist im Gespräch. Fest steht, dass die Präsentation der einzigartigen Sammlung in der Öffentlichkeit in den kommenden Jahren wieder stärker in den Fokus rücken wird. Weitere Informationen zur G+D Stiftung Geldscheinsammlung und den bisherigen Ausstellungen finden Sie auf der Homepage der Stiftung unter folgendem Link https://www.geldscheinsammlung.de/ oder auch auf Instagram. Giesecke+Devrient Stiftung Geldscheinsammlung

  • Neuer Katalog über Zahlungsmittel der Niederländischen Handelsgesellschaft

    Adrian J. Lansen / Patrick Plomp: Geldswaardige Documenten van de Nederlandsche Handel-Maatschappij / Monetary Documents of the Netherlands Trading Society 1888–1946 141 Seiten, durchgängig farbig bebildert. Niederländisch und Englisch. Format 21 cm x 29,7 cm, Harteinband. Ijsselstein, 2023. Preis: 32,50 Euro + 7,50 Euro Versand (nach Deutschland). ISBN: ohne. Die Niederländische Handelsgesellschaft wurde 1824 auf Erlass von König Wilhelm I. der Niederlande gegründet, um die Handelsbeziehungen zwischen dem Mutterland und Niederländisch-Indien auszubauen. Sie unterhielt u.a. Büros und Vertretungen in Batavia (Jakarta), Singapur, Penang, Hongkong, Bombay (Mumbai), Kalkutta und Dschidda (Jeddah). Ab 1870 betrieb die Gesellschaft auch professionelle Bankgeschäfte und gab schließlich eigene Zahlungsmittel heraus. Der vorliegende Katalog ist der erste umfassende Überblick über die Zahlungsanweisungen und Banknoten der Niederländischen Handelskompanie mit umfangreichen Hintergrundinformationen und zahlreichen Farbabbildungen. Er ist damit auch eine einzigartige und besonders wichtige Dokumentation zur Geschichte der Handelsgesellschaft und zur niederländischen Kolonialgeschichte insgesamt. Aufgeführt sind alle Zahlungsanweisungen der Niederländischen Handelsgesellschaft und die Banknoten der Niederlassung in Shanghai. Außerdem sind Muster und Druckproben abgebildet und ausführlich beschrieben. Zu den Autoren: Adrian J. Lansen sammelt bereits seit 1957 Münzen und Geldscheine. Sein Hauptinteresse gilt dabei der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien (heute Indonesien). Er sammelt jedoch nicht nur Objekte, sondern beschäftigt sich auch intensiv mit der Geschichte. In den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichte er mehrere wichtige Arbeiten zu diesem Gebiet, darunter zur Niederländische Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC), zu Plantagen-Münzen und zum Papiergeld von Sumatra. Patrick Plomp ist seit 1979 passionierter Papiergeldsammler. Bekannt ist er u.a. durch seinen Katalog zum niederländischen Papiergeld von 1573 bis 2002 mit allen Ausgaben seit dem 80jährigen Krieg. In einem zweiten Teil führte er dann auch alle überseeischen Ausgaben auf, was den Anstoß für den vorliegenden Katalog über die Ausgaben der Niederländischen Handelsgesellschaft bot. Ausblick: Zur Vervollständigung der Dokumentation zur Geldgeschichte der Niederländischen Handelsgesellschaft ist ein zweiter Teil in Vorbereitung, der auch einen Überblick über die Zahlungsmittel in ausländischen Währungen der Gesellschaft in der Zeit von 1865 bis 1921 bieten wird. Bestellungen bitte direkt über die Autoren: E-Mail: lansenkil@hotmail.nl / patrick@patrickp.nl Post: A. J. Lansen, Haanderik 94, 3401 ET Ijsselstein, Nederland Internet: www.patricko.n/en GB/c-2912049/catalogues-books/ Hans-Ludwig Grabowski

  • Inflation 1923: Peinlicher "Goldmark-Platzer"

    Das Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Herrenwyk bei Lübeck, gab mit Genehmigung des Reichsfinanzministeriums am 1. November 1923 mit einem Volumen von 120.000 Goldmark wertbeständiges Notgeld in den sechs Wertstufen von 5, 10 und 42 Goldpfennigen sowie 1,05, 2,10 und 4,20 Goldmark aus. Zugleich veröffentlichte das Werk in den Tageszeitungen einen Aufruf, in dem gebeten wurde, das Notgeld nicht zu hamstern und bei Gestellung der Goldmarkpreise darauf Rücksicht zu nehmen, dass mit wertbeständigem Geld gezahlt werde. Die Notgeldscheine wurden umgerechnet auf Grund des amtlichen Berliner Mittelkurses für die Dollardevise. Die Scheine waren genehmigt durch den Reichsminister der Finanzen und gedeckt durch Hinterlegung von wertbeständiger Anleihe des Deutschen Reiches bei der Reichsbankstelle Lübeck. Die Rückzahlung sollte bis zum 15. Dezember 1923 erfolgen durch Umtausch bei der Werkskasse oder anderen bekanntzugebenden Zahlstellen in Schatzanweisungen der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches oder gegen einen gleichwertigen Reichsmarkbetrag. Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Notgeldschein Litera A über 5 Goldpfennige, ausgegeben in Herrenwyk bei Lübeck am 1. November 1923. Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Notgeldschein Litera A über 2.10 Goldmark, ausgegeben in Herrenwyk bei Lübeck am 1. November 1923. Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Notgeldschein Litera A über 4.20 Goldmark, ausgegeben in Herrenwyk bei Lübeck am 1. November 1923. Aus der Werkszeitung „Unser Schaffen“ (Nr. 10 vom Oktober 1953) war zu ersehen, dass der Bedeutung des Objektes wegen während der gesamten Druckdauer eine Werkswache gestellt worden war. Beim Transport der so sorgfältig behüteten Scheine von der Druckerei in die Fabrik platzte dann eine der beiden für die Beförderung verwendeten alten Ledertaschen auseinander, und das Geld ergoss sich auf die Straße. Die hilfreich herbeieilende Bevölkerung sammelte es wieder ein, und es soll kein Stück verloren gegangen sein. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Landesarchiv Baden-Württemberg und Privat (6/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Lexikon: Helfferich, Karl

    Karl Theodor Helfferich (geb. 22. Juli 1872 in Neustadt a. Haardt, gest. 34. April 1924 in Bellinzona, Schweiz) war ein bedeutender deutscher Wirtschaftspolitiker, Bankier und Staatsmann. Ab 1890 studierte Helfferich Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, München und Straßburg. Karl Helfferich, Abb. Wikimedia Commons (digital restauriert unter Einsatz von KI). Helfferich studierte in Berlin, München und Straßburg Rechts- und Staatswissenschaften. 1894 promovierte er mit einer Dissertation über den Wiener Münzvertrag von 1857. 1899 habilitierte er sich in Berlin mit seiner Arbeit „Die Reform des deutschen Geldwesens nach der Begründung des Deutschen Reiches“ im Fach Nationalökonomie und wurde 1902 Professor für Staatswissenschaft in Berlin. Von Januar 1915 bis Mai 1916 war er Staatssekretär im Reichsschatzamt und im Anschluss bis Oktober 1917 Staatssekretär des Reichsamtes des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers. Von 1920 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Reichstags. Während der Hochinflation 1923 entwarf Helfferich einen Plan zur "Roggenmark", der jedoch abgelehnt wurde. Er gilt jedoch als geistiger Urheber der Rentenmark, bei deren Einführung wesentliche Merkmale der "Roggenmark" übernommen wurden. Ende 1923 bewarb er sich als Reichsbankpräsident, unterlag jedoch gegen Hjalmar Schacht. Helfferich kam 1924 bei einem schweren Eisenbahnunglück in der Schweiz ums Leben. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte

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