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  • Leserpost: Luxemburgische Banknoten unter deutscher Besatzung

    Der Artikel "Wie die DNB den Banknotendruck für Syrien verhinderte" hier im Geldschein-Blog sowie in der Juli/August-Ausgabe von Münzen & Sammeln enthält einen Fehler: unter Punkt 8 steht, dass die luxemburgischen 10 F- und 1000 F-Noten unter deutscher Besatzung ausgegeben wurden. Dies stimmt nicht, da sie unter deutscher Besatzung in den Hochöfen der ARBED-Werke verbrannt wurden. Mit freundlichen Grüssen P. Melchior (Luxemburg) Antwort des Autors Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Ob die von Giesecke & Devrient für Luxemburg gedruckten Scheine tatsächlich ausgegeben wurden, hatte ich im Zusammenhang mit meinem Artikel nicht gesondert recherchiert, daher vielen Dank für die wertvolle Information hierzu. Von den 10-Frankennoten der Ausgabe 20. April 1940 (LUX-41) kommen im Sammlermarkt gelegentlich gebrauchte Exemplare vor. Waren diese Scheine daher doch kurzfristig im Umlauf, da die Reichsmark als Währung in Luxemburg erst ab Ende Januar 1941 eingeführt wurde und die luxemburgischen Banknoten bis dahin im Umlauf waren? Sven Gerhard Antwort des Lesers Die Scheine wurden nie in Umlauf gebracht (am 10. Mai 1940, dem Beginn des deutschen Westfeldzugs, waren sie noch nicht ausgegeben), sie wurden in den Hochöfen der ARBED-Werke in Schifflingen verbrannt. Durch den Sog im Kamin flogen einige Scheine nur zum Teil verbrannt hinaus, wurden in den umliegenden Feldern verstreut und nachträglich von Leuten eingesammelt. Daher gibt es nur sehr wenige dieser Scheine, die keine Brandspuren aufweisen. Die eingesammelten Scheine blieben bis Kriegsende versteckt, denn wie man sich vorstellen kann, war es nicht ratsam, sich von der deutschen Besatzungsmacht damit erwischen zu lassen. Die Zehner und Tausender wurden am gleichen Tag im gleichen Werk verbrannt. Ich habe nur einen teils verbrannten Tausender in meiner Sammlung (siehe Abbildungen). P. Melchior

  • Franklinia: Land ohne eigene Geldscheine

    Ein paar Jahre nach Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika durch die Vertreter von 13 vormals englischen Kolonien wollte ein Gebiet an der Westgrenze vom Gründerstaat North Carolina der 14. Bundesstaat der USA werden: der State of Franklin im heutigen Tennessee. Fünf Countys bildeten am 23. August 1784 die Freie Republik Frankland, auch bekannt als Franklinia. Abb. 1: Lage von Franklinia an der Westgrenze von North Carolina und späterer Teil von Tennessee (hier noch Tennassee, nach der früheren indianischen Ansiedlung Tanasi). Das Gebiet der Cherokee, westlich des Appalachen-Gebirges, wurde entgegen der Abmachungen zwischen den Ureinwohnern und den USA von weißen Siedlern bevölkert und danach als South West Territory organisiert. Der Ort Jonesboro/Jonesborough wurde Hauptstadt, die man 1786 nach Greeneville verlegte. Abb. 2: Capitol State of Franklin in Greeneville, erster Tagungsort der Regierung, Zeichnung eines Nachbaus (Bernhardt Wall 1937). 1784 verzichtete der Kongress von North Carolina auf Gebiete außerhalb der Westgrenze – aus finanzieller Not. Diese waren von der US-Regierung zur Verwaltung übergeben worden. Später machte North Carolina allerdings diesen Handel wieder rückgängig. Die Bevölkerung der Countys im heutigen Nordosten von Tennessee waren schon längere Zeit nicht mehr mit der Herrschaft North Carolinas über ihr Gebiet zufrieden und erklärten im August 1784 ihr „Frankland“ in Jonesborough mit 28:15 Stimmen als unabhängig. Sie wählten John Sevier, Kongressabgeordneter von North Carolina, im März 1785 zum Gouverneur. Abb. 3: John Sevier (1745–1815) einziger Gouverneur von Franklinia; Oberstleutnant im Unabhängigkeitskrieg und Oberst der Miliz von North Carolina (Gemälde von Charles W. Peale 1792, Tennessee State Museum). Am 16. Mai 1785 stellten die nunmehr acht Countys den offiziellen Antrag, als neuer Staat in die amerikanische Union aufgenommen zu werden. Abb. 4: Verfassung des State of Frankland von 1785, Deckblatt A mit dem Punkt 1 ≈ „die gesamte politische Macht geht nur vom Volk aus“. Alexander Martin, der damalige Gouverneur von North Carolina, war über die Separatisten empört und drohte mit Gewalt. Der Konföderationskongress, das damalige Bundesgremium in Philadelphia, weigerte sich, den neuen Staat anzuerkennen. Die nötige erforderliche Zweidrittelmehrheit wurde nicht erreicht. Nur sieben der dreizehn Bundesstaaten stimmten für den neuen State of Franklin. So nannten die Bewohner ihr Gebiet fortan „Republik Franklin“. Dennoch gab man sich eine Verfassung, die u. a. vorsah, keine Anwälte, Mediziner oder Prediger für die Regierung zuzulassen. Die Einwohner von Franklin machten Geschäfte mit Indianern, die Regierung ließ neue Landkreise (= Countys) entstehen, richteten Gerichte und ein Grundbuchamt ein, bildeten eine Miliz, verkündeten Steuergesetze ... aber ließ kein eigenes Geld drucken oder prägen. Man verwendete die Geldscheine aus North Carolina und den anderen Gründerstaaten der USA. In der Kolonialzeit galt 1 Pound = 20 Shillings = 240 Pence – nicht vergleichbar mit dem Pound Sterling. Nach Gründung der USA druckten alle Staaten eigenes Papiergeld – die sog. Continental Dollars. Diese hatten aber sehr unterschiedliche Verrechnungskurse zum Schilling: 5 Schilling (Georgia), 6 Schilling (Connecticut, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island, Virginia), 7½ Schilling (Delaware, Maryland, New Jersey, Pennsylvania), 8 Schilling (New York, North Carolina) und sogar 32½ Schilling (South Carolina). Aber um 1780 hatten die Scheine nur noch den Wert eines Bruchteils ihres Nennwerts. Schon 1781 waren die Kontinentalmünzen wertlos geworden; so kursierten hauptsächlich Dollar-Scheine aus North Carolina und die üblichen Münzen, wie der spanische Dollar, der bis zum Coinage Act von 1857 gesetzliches Zahlungsmittel in den Vereinigten Staaten war. Seit 1737 galt 1 Dollar = 20 Reales de Vellón. Abb. 5: 20 Dollars 10. Mai 1775 Philadelphia, Pennsylvania. Abb. 6: 10 Shillings 17. Mai 1783 Hillsborough, North Carolina. Abb. 7: 40 Shillings 29. Dezember 1785 Hillsborough (= 2 Pounds/5 Crowns/5 Dollars), Vs., North Carolina. Die Bank of North America wurde am 26. Mai 1781 als erste zugelassene Bank in den Vereinigten Staaten gegründet, dann am 7. Januar 1782 in Philadelphia eröffnet und war für viele Jahre die Zentralbank des jungen Staates. Das Münzgesetz von 1792 legte fest, den künftigen US-Dollar mit 24 Gramm Feinsilber zu prägen. Die wertlos gewordenen Continental Dollars tauschte man im Verhältnis 1000:1 in US-Dollar um. Abb. 8: 3 Pence Spec. 6. August 1789 – es galten 3 Pence = drei neunzigstel Dollar; es wurden auch Scheine zu 1 Penny = ein neunzigstel Dollar mit demselben Datum bei Benjamin F. Bache in Philadelphia gedruckt. Der State of Franklin hatte mit seinen gerade einmal reichlich 5.000 Bewohnern keine politische Zukunft; wirtschaftliche Gründe zwangen zur Aufgabe. Man schloss sich dem Gebiet des entstehenden Staates Tennessee an; zwischen 1785 und 1788 wurde versucht, Tennessee als Bundesstaat der USA zu etablieren – das gelang erst am 1. Juni 1796, als Tennessee als Teil vom South West Territory nach Vermont und Kentucky als 16. Bundesstaat zu den USA kam. Die frühesten Geldscheine auf dem Territorium des gescheiterten Staates Franklin waren die Noten der Bank of East Tennessee und anderer regionalen Banken aus den 1830er- bis 1850er-Jahren. Von einigen Nationalbanken in diesem Gebiet sind z. T. sehr seltene Scheine bekannt: East Tennessee National Bank, First National Bank of Greeneville, First National Bank of Jonesboro, First National Bank of Jefferson City/TN. Auch von den kleinformatigen National Bank-Noten der Ausgaben von 1929 sind einige Ausgaben dieser Banken nachweisbar. Abb. 9: 5 Dollars 1. November 1834 Murfreesboro, Exchange Bank of Tennessee. Abb. 10: 5 Dollars 1. Januar 1838 Jonesboro, Bank of East Tennessee, Knoxville. Abb. 11: 5 Dollars 1. Mai 1854, Dandridge Bank. Abb. 12: 1 Dollar 1. Januar 1855 Jonesboro, Bank of East Tennessee, Knoxville. Abb. 13: 3 Dollars 1. Januar 1855 Jonesboro, Bank of East Tennessee, im Juli 1872 in Knoxville gegründet. Abb. 14: 20 Dollars 1. Januar 1855 Chattanooga, Bank of East Tennessee, Knoxville. Abb. 15: 20 Dollars 24. August 1892, East Tennessee National Bank of Knoxville. Abb. 16: 20 Dollars 24. November 1909, First National Bank of Greeneville, im November 1889 gegründet. Abb. 17: 10 Dollars 1929, ausgegeben 1933, Park National Bank of Knoxville, Aufgabe der Geschäftstätigkeit im November 1983. Außer der missglückten Aufnahme des State of Frankland (später State of Franklin) in die USA, versuchten andere Gebiete in der Folgezeit mit z. T. skurrilen Vorstellungen ebenfalls als eigenständige, unabhängige Gebiete oder Staaten in die USA aufgenommen zu werden. Über weitere wurde immer diskutiert. Seit 1776 gab es vielfältige Abspaltungs-Bemühungen aus unterschiedlichen Gründen. Von den ernsthaftesten Bemühungen für eine Eigenstaatlichkeit sind folgende Gebiete zu nennen: Deseret, Superior, Nickajack, Lincoln, Sequoyah, Jefferson, Texlahoma und Absaroka. Einzelne Städte, wie New York City, Chicago und Boston, wollten ebenfalls souverän sein. Über zwei Dutzend andere Möchtegernstaaten wie z. B. ein „Mount Rushmore State“ oder in sechs neue Staaten zu teilendes California sind bekannt und werden im Internet beschrieben. Abb. 18: Landkarte der USA mit geplanten Bundesstaaten, unvollständig, © 2010, Michael J. Trinklein. Viele davon ernannten eigene Gouverneure, entwarfen Flaggen und fertigten sogar Auto-Nummernschilder ... eigenes Geld hatten sie alle nicht. Michael H. Schöne Quellen: http://eh.net/encyclopedia/money-in-the-american-colonies http://loststates.blogspot.com https://de.wikipedia.org https://en.wikipedia.org https://jonesborough.com https://caseantiques.com/obsolete-currency https://tnsoshistory.com https://www.amazon.de/-/en/Michael-J-Trinklein https://www.coinsandstamps.com/united_states_currency https://www.ncdcr.gov Walter Durham: https://tennesseeencyclopedia.net, 2017 Evan Andrews: https://www.history.com, 2012

  • Geldscheinporträts: Hannibal – Roms gefährlichster Feind

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Abbildung 1: Hannibal-Porträtbüste, Datierung nicht gesichert, Museo Nazionale Archeologico, Neapel, Abbildung aus: Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Gekürzte Ausgabe, Phaidon Verlag, Wien-Leipzig, 1932, S. 265. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Marmorbüste ein authentisches Porträt Hannibals darstellt. Nur wenige Gestalten der antiken Geschichte haben so viel erreicht und mussten zugleich so fatale Niederlagen erleben wie der karthagische Feldherr Hannibal. Der Schreckensruf „Hannibal ante portas“ ist bis heute geradezu sprichwörtlich, sein Marsch über die Alpen mit Heer und Elefanten legendär. Geschichtlich gesicherte Kenntnisse über den Mann Hannibal gibt es sehr wenige. Der Charakter und die Beweggründe, die Hannibal zugesprochen werden, beruhen fast ausschließlich auf Vermutungen. Auch über seine frühe Kindheit wissen wir nahezu nichts. Er wuchs im Schatten der Niederlage des Ersten Punischen Krieges auf. Die Ereignisse und insbesondere die von den Römern diktierten erniedrigenden Friedensbedingungen dürften auf Hannibal einen prägenden Eindruck hinterlassen haben. Sein Vater Hamilkar Barkas wurde kurz nach seiner Geburt zum Oberbefehlshaber der karthagischen Truppen im Nordwesten Spaniens. Bereits im Alter von neun Jahren wurde Hannibal von seinem Vater in das Heerlager nach Spanien gerufen. Im selben Alter soll Hannibal auch den berühmten Schwur geleistet haben, Rom auf ewig feindlich gestimmt zu sein. Er war darin wesentlich von seinem Vater beeinflusst: Laut Überlieferung sagte Hamilkar über Hannibal und dessen jüngere Brüder Hasdrubal und Mago: „Diese drei Löwen ziehe ich zur Zerstörung Roms auf.“ Beides ist wahrscheinlich nachträglich von romtreuen Autoren verbreitet worden, um den Karthagern die alleinige Schuld am späteren Ausbruch des zweiten römisch-karthagischen Krieges zuzuweisen. Das Vorbild seines Vaters hat ihn dennoch tief geprägt. Abbildung 2/3: Banque Centrale de Tunisie, 5 Dinars, 2013. Vorderseite: Büste Hannibals, Ansicht Karthagos. Rückseite: Karthagische Schiffe. Die Ausweitung des karthagischen Einflusses in Spanien rief die Römer auf den Plan. Ein Zankapfel war die Stadt Sagunt. Sie befand sich im karthagischen Einflussgebiet, war aber dennoch eng mit Rom verbündet. Im Schutz der Römer fühlte man sich in Sagunt sicher und überzog die benachbarten Turboleten, Verbündete Karthagos, mit Krieg. 219 v. u. Z. traf Hannibal, mittlerweile Oberbefehlshaber der Truppen in Spanien, eine folgenschwere Entscheidung: Ein Überraschungsangriff auf Sagunt. Er duldete es nicht länger, sich von den Römern die Hispanienpolitik diktieren zu lassen. Der direkte Weg zum erneuten Ausbruch des Krieges war gewählt. Statt auf einen römischen Angriff auf Spanien zu warten, fasste Hannibal einen der kühnsten und brilliantesten Feldzugspläne der antiken Militärgeschichte: Die Entscheidung sollte in Italien gesucht werden. Ein beispielloser Siegeszug begann. Mit zehntausenden Fußsoldaten und Reitern sowie dutzenden Kriegselefanten überquerte er die Alpen, in nur etwa fünf Wochen bewältigte er die Strecke von der Rhône bis zur Poebene. Hier hatten sich bereits Roms Truppen gesammelt und es kam zu einer ersten Schlacht. Die Römer mussten trotz Überlegenheit eine deutliche Niederlage hinnehmen. Hannibals erster Plan war geglückt: Rom, das zur Ablenkung mittlerweile eine Gegenoffensive nach Nordafrika plante, musste seine Truppen von dort wieder Richtung Norden abziehen. Entgegen dem Rat einiger ihrer Feldherren ließen die Römer sich vorschnell zu einem erneuten Kampf hinreißen. Eine weitere vernichtende Niederlage folgte. Die Aufregung auf römischer Seite war groß. Hannibal rückte unaufhaltsam weiter Richtung Süden vor, gewann Schlacht um Schlacht. Er war ein herausragender Heeresführer: Für die gesamte Dauer seines Italienfeldzugs finden sich keine Mitteilungen über Meutereien der Truppen, wenngleich ihm vor seinem Alpenübergang Tausende die Gefolgschaft versagten. Auch die römischen Geschichtsschreiber bewunderten – trotz aller Feindseligkeit – Hannibals Willenskraft und seine „punische Cleverness“. Karthagos Truppen bewegten sich nun ungehindert durch Apulien und Kampanien. Die Entscheidung fiel schließlich in Cannae. Hannibal überlistete die Römer, indem er sie durch ein taktisch geschicktes Rückzugsmanöver einkesselte und von der numidischen Reiterei die Flanken der römischen Formation attackieren ließ. Die Verluste der Römer waren immens, über 70.000 Mann sollen umgekommen sein. Der Tag von Cannae war einer der schwärzesten Tage der römischen Geschichte. Überraschenderweise folgte auf diesen entscheidenden Sieg nicht die Belagerung Roms. „Zu siegen verstehst du, Hannibal, den Sieg zu nutzen verstehst du nicht!“, soll sein Reiterführer Marhabal nach der Schlacht gerufen haben. Häufig wird sogar angenommen, dass Hannibal Rom gar nicht stürmen und vernichten wollte: Er habe in den Kategorien der alten Welt gedacht, in denen der Unterlegene Verstand annimmt und Kompromisse schließt. Rom war am Boden, das Gesicht des Krieges veränderte sich jedoch. Rom regenerierte sich und begann, kleinere Siege einzufahren. Als sie ihre Kräfte bündelten und Capua erfolgreich belagerten, kippte das Kriegsgeschehen endgültig. Rom war wieder auf dem Vormarsch und begab sich, angeführt vom jungen Konsul P. Cornelius Scipio, wieder nach Spanien. Scipio war ein herausragender Taktiker, ging Allianzen mit umliegenden spanischen Stämmen ein, ließ die karthagischen Truppen ausspionieren und entdeckte eine Schwäche, die er zugleich nutzte: Er ordnete einen Überraschungsangriff auf den Hauptstützpunkt der Karthager, Karthago Nova, an. Das Vorhaben glückte. Die Verbindung zwischen Karthagos Mutterland und Spanien war getrennt. Rom rückte indes auch im Süden Italiens wieder vor. Scipio wurde nun mit einem Afrikafeldzug betraut. Ein Frieden zwischen Rom und Karthago stand bereits im Raum, als es in Zama zur letzten Schlacht des Zweiten Punischen Krieges kam. Scipio besiegte Hannibal und bekam seinen Beinamen „Africanus“. Hannibal entkam. Karthago musste kapitulieren. Vom Ergebnis erholte sich Karthago nie wieder, die römische Hegemonie im Mittelmeerraum war ungefährdet. Hannibal versuchte, in der Innenpolitik Karthagos Fuß zu fassen, hatte durch seine jahrzehntelange Abwesenheit allerdings nur wenige Verbündete. Von den Römern bedroht verließ er 195 v. u. Z. Karthago. In Ephesos beteiligte sich Hannibal als Feldherr für König Antiochos ein letztes Mal am Krieg gegen Rom, bevor er von römischen Gesandten aufgespürt wurde. Um der Gefangenschaft zu entgehen, beging Hannibal 183, fernab seiner Heimat, Suizid. Elias Heindl Literatur/Quellen: Barceló, Pedro: Hannibal. 2. Auflage, Verlag C.H. Beck, München, 2003 Garland, Robert: Hannibal: Das gescheiterte Genie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2012 Huß, Werner: Geschichte der Karthager, Verlag C.H. Beck, München, 1985 Bagnall, Nigel: Rom und Karthago: der Kampf ums Mittelmeer. 1. Auflage, Siedler, Berlin, 1995 Käppner, Joachim: Hannibal, ein Dirigent des Todes: Der Sieger, der verlieren musste. Süddeutsche Zeitung vom 13.5.2006. (aufgerufen über www.sueddeutsche.de/kultur/hannibal-ein-dirigent-des-todes-der-sieger-der-verlieren-musste-1.895071-0) Abbildungen Banknote: Sammlung Grabowski.

  • DGW-Themenheft: 100 Jahre Inflation 1923 – 2023

    DGW (verschiedene Autoren): Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2023-2 124 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Format 21 cm x 29,7 cm, Broschur, Berlin 2023. Preis: 19,60 Euro. Jährlich gibt der Verein Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler (DGW) zwei Informationshefte heraus. Diese sind für Vereinsmitglieder kostenlos, können aber darüber hinaus auch von Sammlern und Interessenten bezogen werden. In diesem Jahr wurde aus dem sonst üblichen zweiten DGW-Heft mit rund 40 Seiten ein dreimal so umfangreiches Sonderheft zum Thema 100 Jahre Inflation von 1923. Folgende Beiträge sind enthalten: Dr. Matthias Wühle: 1923 – 1973 – 2023: Wiederholt sich die Geschichte? Dr. Matthias Wühle: Die deutsche Inflation 1914 – 1923 – eine Wirtschaftskrise? Politische und ökonomische Fragen zur Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg Hans-Georg Glasemann: Mit wertbeständigen Anleihen und wertbeständigem Notgeld gegen den Geldwertverfall Hans-Georg Glasemann: Goldmarkanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Roggenwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Roggenscheine 1923 Hans-Georg Glasemann: Kohlenwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Holzwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Sonstige Sachwertanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Inländische Fremdwährungsanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Festwertbanken 1922/23 Hans-Georg Glasemann: Reichsgoldanleihen 1923 Hans-Georg Glasemann: Wertbeständiges Notgeld 1923 Prof. Dr. Rainer Geike: 1000 Mark von 1910 – wieviel wert war der Schein im Laufe seines Lebens? Thomas Krause: Billionenscheine Siegfried Seipold: Banderolen aus der Inflationszeit (1914 – 1923) – ein Sammel-Nebengebiet Christina Bach: Propaganda auf modefizierten Geldscheinen Hans-Jürg Alfred Dießner: Die Sittengeschichte der Inflation Thomas Krause: Die Kleinbahn Casekow-Penkun-Oder, das Notgeld der Odergau G.m.b.H. und der Radweg C-P-O Eberhard Wühle: Kriegsgeld, Werksgeld, Dollarnoten: Die Inflation in Eberswalde – Regionale Auswirkungen der Geldentwertung Thomas Krause: Besonderheiten zum Notgeld Prenzlau Prof. Dr. Rainer Geike: Buchbesprechung zu Frederick Taylor: Inflation – Der Untergang des Geldes in der Weimarer Republik und die Geburt des deutschen Traumas Abgeschlossen wird das Heft durch Übersichten zur Entwicklung des Dollarkurses von 1919 bis Ende 1923. Das Themenheft des DGW gibt einen empfehlenswerten Überblick über die deutsche Inflation vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zu deren Ende. Ganz besonders möchte ich den Beitrag von Matthias Wühle am Anfang des Heftes hervorheben, der auf die Phasen der Inflation eingeht sowie die zahlreichen Beiträge des bekannten Wertpapier-Spezialisten Hans-Georg Glasemann. 2021 hatte das Deutsche Historische Museum (DHM) die Sammlung von Wolfgang Haney gekauft. Teile dieser Sammlung fanden dann ihren Weg in die Sammlung für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte, deren Sammlungsleiterin Christina Bach im vorliegenden Heft einen Beitrag zu Propagandascheinen veröffentlicht hat, der von meinem Buch "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" (Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs) inspiriert wurde. Wie wir wissen, wurden insbesondere wertlos gewordene Geldscheine der Inflation – versehen mit entsprechenden Überdrucken oder Überstempelungen – als Propaganda in den Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" eingesetzt. Verwendet werden in dem Artikel Abbildungen von Scheinen, die auch schon in meinem Buch zu finden sind. Wenn man aber schon einen Schein ohne Rücksprache direkt aus dem Buch scannt, weil er in der Sammlung Haney nicht vorliegt, dann wäre es nett gewesen, wenn man die Quelle auch richtig benennt. In meinem Buch steht zu dem Propagandaschein (Kriegsschein Einhundert Markige Deutsche Hiebe) aus dem Ersten Weltkrieg "Sammlung des Autors" und nicht "Sammlung Wolfgang Haney, Berlin". Autor des Buches bin ich, Herr Haney war der Herausgeber! Gratulation an den DGW, für dieses bemerkens- und lesenswerte Sonderheft, das allen Sammlern deutscher Geldscheine und Wertpapiere empfohlen wird. DGW-Mitglieder haben das neue Heft sofort nach Erscheinen kostenfrei erhalten. Alle Nichtmitglieder können es über folgenden Kontakt bestellen: Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler e. V., Internet: www.dgwev.de, E-mail: info@dgwev.de. Hans-Ludwig Grabowski

  • Handelskammer-Goldmark von Baden 1923

    In einem Notgelderlass vom 23. Oktober 1923 auf Basis des Ermächtigungsgesetzes vom 13. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 lautete und durch diese Anleihe gedeckt war. Das Notgeld musste nominal auf 4,20 Mark Gold oder kleiner lauten. Die Scheine mussten neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen. Die höheren Nennwerte der Reichsgoldanleihe wurden daraufhin in beträchtlichem Umfang auch von Handelskammern bei der Reichsbank hinterlegt und so zur Deckung ihrer eigenen wertbeständigen Notgeldausgaben verwendet (1.141 Ausgabestellen). Die Handelskammern im Deutschen Reich erschienen 1923 besonders geeignet, einheitliches wertbeständiges Notgeld zur Vermeidung zahlreicher einzelner Firmenausgaben in den Verkehr zu bringen. Sie fungierten quasi als Treuhänderinnen der ihnen angeschlossenen Mitgliedsfirmen. Solch ein wertbeständiges Handelskammer-Goldmarknotgeld (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel) ist auch im Rheinland, in Hannover, Hessen, Westfalen, Sachsen, Württemberg und in Baden, wo es besonders hohe Auflagen gab, ausgegeben worden. Dagegen fehlt es in Gänze in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Thüringen, Mecklenburg und Bayern. Gutschein über Reichsgoldanleihe der Handelskammer für die Kreise Karlsruhe und Baden in Karlsruhe über 2.10 Mark Gold = 1/2 Dollar, ausgegeben Karlsruhe am 3. November 1923. Trotz kurzer Laufzeit: Schön sichtbar – die Gebrauchsspuren bei einem Schein zu 0.21 Mark Gold! Die badische Handelskammer für die Kreise Karlsruhe und Baden in Karlsruhe brachte am 3. November 1923 eigene Goldmark-Gutscheine über Reichsgoldanleihe in den Nennwerten 0.21, 0.42, 1.05, 2.10 und 4.20 Mark Gold (= 1/20, 1/10, ¼, ½, und 1 Dollar Nordamerika) in den Verkehr. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Battenberg-Gietl Verlag, Privat Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Wieder mehr Falschgeld im Umlauf

    Wie die Deutsche Bundesbank in einer Pressenotiz vom 28. Juli 2023 bekannt gab, wurden im ersten Halbjahr 2023 in Deutschland rund 26.700 falsche Banknoten im Nominalwert von knapp 2,9 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen. Das waren rund 35 Prozent mehr Fälschungen als im ersten Halbjahr 2022 und zehn Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2022. Besonders stark ist der Anteil an falschen 200- und 500-Euro-Scheinen gestiegen. Das Falschgeldaufkommen ist trotzdem immer noch sehr gering. Rein rechnerisch entfallen nur sechs falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner. Dennoch überstieg der Schaden mit 2,9 Millionen Euro wegen der vermehrt gefälschten hohen Nennwerten bereits den des gesamten Vorjahrs 2022, in dem Falschgeld im Wert von 2,7 Millionen Euro angehalten wurde. Die Qualität der falschen 200- und 500-Euro-Scheine sei dabei nicht einmal besonders gut. Die Bundesbank verglich sie mit einfachen "Blüten", die im Internet als "Movie Money" oder "Prop copy" angeboten werden. Trotzdem konnten Kriminelle damit mehrfach Schmuck, Gold, Luxusuhren und sogar teure Autos in fünf- bis sechsstelligen Beträgen "bezahlen". Laut Polizei waren bei den 26.690 "Blüten" im ersten Halbjahr 2023 prozentual folgende Stückelungen vertreten: 5 Euro mit 1,2 % 10 Euro mit 6,4 % 20 Euro mit 19,9 % (5.305 Stück) 50 Euro mit 37 % (9.862 Stück) 100 Euro mit 12,1 % 200 Euro mit 15,4 % (4.111 Stück) 500 Euro mit 8,2 % (2.178 Stück) Die Anzahl der angehaltenen falschen Fünfhunderter vervierfachte sich dabei fast von zuvor 554 auf nun 2.178 Stück. Vergleicht man das Falschgeldaufkommen im ersten Halbjahr 2023 mit den Vergleichszeiträumen von Vorjahren ergibt sich folgendes Bild: 1. Halbjahr 2015: 50.400 Fälschungen 1. Halbjahr 2019: 27.600 Fälschungen 1. Halbjahr 2021: 34.100 Fälschungen 1. Halbjahr 2022: 19.800 Fälschungen 1. Halbjahr 2023: 26.700 Fälschungen Lesen Sie auch unseren Beitrag "Ein falscher Fünfziger". Hans-Ludwig Grabowski

  • Lexikon: Giesecke & Devrient

    Die Firma Giesecke & Devrient, München und Leipzig ist die bedeutendste private deutsche Banknoten- und Wertpapierdruckerei. Sie wurde 1852 von Hermann F. Giesecke und Alphonse Devrient als typografisches Institut in Leipzig gegründet; pflegte von Beginn an den Qualitätsdruck in Buch-, Stein- und vor allem in Kupfer- und Stahldruck. Bereits 1857 wurde eine eigene Fabrik gebaut. Die Kupfer- und Stahlstichdruckerei wurde zur Grundlage des Banknotendrucks, der im Laufe der weiteren Entwicklung eine immer größere Bedeutung für die Firma gewann. Das Stammhaus von Giesecke & Devrient in Leipzig. Die ersten G+D-Noten dürften die für die Weimarische Bank von 1854 gewesen sein. Darüber hinaus druckte Giesecke & Devrient zahlreiche Noten altdeutscher Staaten und für deutsche Privatnotenbanken. Schon früh bemühte sich die Firma, durch besondere Methoden und Erfindungen den Notenfälschern ihre Arbeit zu erschweren. So wurde zum Beispiel die Glyphotopie entwickelt. Besonders Dr. Bruno Giesecke, der Sohn des Firmengründers, widmete sich der Entwicklung des Banknotendrucks. Druck- und Sicherheitstechniken von G + D fanden auch internationale Anerkennung und Wertschätzung, was viele Aufträge zum Druck von ausländischen Banknoten beweisen. Deutsch-Ostafrikanische Bank: 50 Rupien vom 15. Juni 1905 mit Porträt des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Uniform der Garde du Corps, Vorderseite. Durch Vermittlung einer inzwischen gegründeten Zweigniederlassung in Berlin wurden auch die Noten für die Deutsch-Ostafrikanische Bank (teilweise mit dem Porträt von Kaiser Wilhelm II.) und für die Deutsch-Asiatische Bank (deutsches Pachtgebiet Kiautschou und China) gedruckt. Während des Ersten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit bestand in Deutschland ein großer Bedarf an Notgeldscheinen, an deren Druck sich jedoch G + D wenig beteiligte, da diese Scheine ihren wertpapiermäßigen Charakter immer mehr verloren. Dagegen beteiligte man sich am Druck von Reichsbanknoten, da die Reichsdruckerei in der Inflationszeit nicht mehr in der Lage war, die benötigten Zahlungsmittel allein herzustellen. In der Zeit von 1914 bis 1945 stellte G + D auch wieder ausländische Banknoten her, so u. a. für Bulgarien, Kroatien, Luxemburg und Spanien. Bayerische Notenbank: 100 Mark vom 1. Januar 1900, Vorderseite. Mitte oben (gewölbtes Spruchband) und unten über dem Wappen freigelassene Bereiche für die bessere Ansicht des Wasserzeichens. Wie die Produkte aller großen Banknotendruckereien, so zeigen auch die von G + D gedruckten Noten einen eigenen Stil, der sich jedoch im Laufe der Zeit mehrfach wandelte. Die Produkte bis 1945 kann man leicht an den im eigenen Schnitt hergestellten Ziffern für die Nummerierung erkennen. Seit 1900 zeigen viele G + D-Drucke einen sog. Schaurand. Das ist ein über dem Wasserzeichen unbedruckt gebliebener Bereich, der ein leichteres Erkennen des Wasserzeichens ermöglicht. Dieser druckfreie Bereich wurde später an den Rand verlegt. Der erste Schein dieser Art war der 100-Mark-Schein der Bayerischen Notenbank von 1900. Kroatien: Note zu 1000 Kuna vom 26. Mai 1941, Papier mit eingelegten und bedruckten Seidenpapierstreifen, Vorderseite. Ein anderes Merkmal für einige G + D-Noten sind die ins Papier eingelegte bedruckten Seidenpapierstreifen. Es bestand jedoch die Gefahr, dass sich die Papierstreifchen bei stärkerer Benutzung der Scheine aus der übrigen Papiermasse herauslösten. Auch wurde ein eigenes Wasserzeichen, das G + D-Muster (auch Hakensterne) geschaffen. 1943 wurde der Betrieb in Leipzig durch alliierte Bomben zerstört und 1946 wurde die Firma, die nun in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands lag, zum "Volkseigenen Betrieb" (VEB) erklärt. In Leipzig wurde aus dem Stammsitz die VEB Wertpapierdruckerei der DDR, während 1948 in München unter der Leitung von Siegfried Otto ein neuer Betrieb entstand. Nach schweren Jahren des Wiederaufbaues hat die Firma Giesecke & Devrient die während des Zweiten Weltkriegs verlorenen Auslandskontakte wieder hergestellt. G + D stellte wieder Banknoten für Kunden aus aller Welt her, aber auch Banknoten für die Deutsche Bundesbank. Das Bemühen, richtungweisende Techniken für die Banknotenherstellung zu entwickeln und modernste Produktionsmittel und -methoden einzusetzen, verschaffte G + D rasch wieder Weltgeltung. In den Jahren 1964 bis 1966 dehnte G + D seine Aktivitäten auf die Herstellung von Banknotenpapieren aus. In einer Tochtergesellschaft, der Papierfabrik Louisenthal, errichtete G + D eine neue Produktionsanlage für Banknotenpapier, die von Fachleuten als eine der modernsten der ganzen Welt bezeichnet wurde. Dort wurde schon bald Banknotenpapier für zahlreiche Länder sowie das gesamte Papier für die Banknoten der Deutschen Bundesbank hergestellt. 1970 gründete G + D eine Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft, deren Hauptaufgabe die Entwicklung von Systemen und Maschinen zur automatisierten Bearbeitung von Banknoten in Zentralbanken (z. B. zur Echtheitsprüfung) ist. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Stammsitz von G + D in Leipzig wieder Teil des Gesamtunternehmens. Heute ist G+ D auch ein führendes Unternehmen für bargeldlose Zahlungsmethoden. Banknoten werden heute ausschließlich nur noch in Leipzig hergestellt. Lesen Sie auch unseren Beitrag zur aktuellen "Green Banknote" von Giesecke + Devrient. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

  • Leserpost: 100 Millionen Rentenmark, kann das sein?

    Sehr geehrter Herr Grabowski, ich wurde von Herrn Dießner an Sie als Experte verwiesen. Ich bin eigentlich Notgeldsammler und nebenbei bemerkt, ohne Ihre Kataloge wäre dieses Hobby ungleich schwieriger. Ich habe einen Reichsgeldschein, vermutlich eine Fälschung?! 100 Millionen aber mit Unterdruck Rentenmark, von der Sache her eigentlich nicht möglich. Wäre nett, wenn Sie die Zeit fänden, da was dazu zu sagen. Mit freundlichen Grüßen P. Brückmann Antwort der Redaktion Sie haben das schon richtig erkannt. Geldgeschichtlich macht es überhaupt keinen Sinn. Da hat jemand eine Reichsbanknote der Inflation manipuliert, indem er einen zusätzlichen Überdruck „Rentenmark“ angebracht hat. Ein Unterdruck kann es nicht sein, weil der fertige Schein nur überdruckt worden sein kann. Ob es tatsächlich ein Überdruck oder eine Überstempelung ist, kann ich anhand der Farbkopie nicht bestimmen. Vielleicht hatte jemand die Hoffnung, damit seine Zeitgenossen täuschen zu können. Aber so dumm dürfte dann wohl doch kaum jemand gewesen sein, einen solchen Schein als 100 Millionen Rentenmark anzunehmen, wenn der offizielle Umtausch bei 1 Billionen Papier-Mark für 1 Rentenmark lag! 100 Millionen Papier-Mark wären demnach gerade einmal 0,01 Rentenmark gewesen. Es handelt sich auf alle Fälle um einen interessanten Zeitbeleg, der es wert ist in einer Sammlung aufbewahrt zu werden. Vielen Dank für Ihr Interesse und noch viel Spaß beim Sammeln. Hans-Ludwig Grabowski

  • Ein falscher Fünfziger

    „Wer mich macht, der sagt es nicht. Wer mich nimmt, der kennt mich nicht. Wer mich kennt, der will mich nicht.“ Nimmt man im normalen Alltag Papiergeld entgegen, geht man normalerweise nicht davon aus, Falschgeld zu erhalten. Andererseits ist uns natürlich bewusst, dass auch unsere neuesten Eurobanknoten gefälscht und in Umlauf gebracht werden, besonders die am häufigsten zirkulierenden bläulichen Zwanziger und die orangefarbenen Fünfziger. Wie aber kann das sein, wenn doch die Banknoten von den ca. zwölf beauftragten Druckereien aus dem Euroraum mit den vielfältigsten Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sind? Damit die Euro-Banknoten in landeseigenen Druckereien hergestellt werden können, musste man sich aufgrund der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Betriebe auf eine niedrigere gemeinsame Sicherheitsstufe einigen, wodurch die Euroscheine eben leider nicht mit der höchstmöglichen verfügbaren Sicherheitstechnologie auf dem Markt gedruckt werden können. Bei Einführung der Eurobanknoten und noch einmal beim Austausch durch die zweite Serie, der Europa-Serie, wurde viel Zeit und Information darauf verwendet, die Bevölkerung im Euroraum zu schulen und über die vielfältigsten Sicherheitsmerkmale aufzuklären: Fühlen – Sehen – Kippen hieß die Devise! Für einen Selbsttest verwenden wir eine "echte" falsche 50-Euro-Banknote, wie sie mit 41% in Deutschland 2022 am häufigsten beim eingezogenen Falschgeld vorkam. Abb. 1/2, gefälschter Fünfziger der 2. Euroserie, Vorder- und Rückseite. Der falsche Geldschein fühlt sich mehr nach Papier an, nicht ganz so wie eine echte Banknote. Die Oberfläche lässt gewisse Erhebungen vermissen. Die Riffelung an beiden Seiten lässt sich nicht ertasten, der Stichtiefdruck scheint zu fehlen und der Sicherheitsstreifen hebt sich nicht ab. Dafür erscheint der Folienstreifen rechts etwas erhöht. Der gefälschte Schein sieht auf den ersten Blick aus wie jeder andere Fünfziger. Die Farben stimmen und die Größe ebenso wie der Bildinhalt von Vorder- und Rückseite auch. Die Unterschrift von Mario Draghi, dem italienischen EZB-Präsidenten in Frankfurt/M. von 2011 bis 2019, sieht absolut authentisch aus und passt zum angegebenen Druckjahr 2017. Die Kontrollnummer befindet sich einmal in der zwölfstelligen Langform mit zwei Buchstaben am Beginn und dann zehn Ziffern rechts oben auf der Rückseite an gewohnter Stelle, dazu in der sechsstelligen Kurzform um 90 Grad gedreht mittig unten in roter Druckfarbe. Die Druckplattennummer befindet sich an der richtigen Stelle, selbst die Anzahl der Inseln im Atlantik stimmt. Man muss den Schein schon gegen das Licht halten, um festzustellen, er verfügt weder über ein Wasserzeichen noch über ein Durchsichtsfenster. Abb. 2, Mikroschrift in einem Stern des Fünfers der zweiten Euroserie (Detailvergrößereung). Man braucht allerdings besonders scharfe Augen, eine Lupe oder besser noch ein Mikroskop, um festzustellen, dass die Mikroschrift in den Sternen nicht aus vielen kleinen Euro Schriftzeichen besteht sondern nur aus Gekräusel. Unter einer UV Lampe wird unser falscher Fünfziger auch sehr rot. Abb. 3, Mikroskopaufnahme eines Sterns der falschen Fünfzigernote. Abb. 4, falscher Fünfziger unter UV Licht. Abb. 5, Nachahmung des Wasserzeichens durch seitenverkehrten Druck auf der Rückseite der Fälschung. Wir betrachten nun besonders die linke Seite und haben doch irgendwie den Eindruck, wir könnten ein Wasserzeichen sehen und das Grün in der Ziffer 50 chargiert ein wenig und verändere sich beim Kippen. Erst im Vergleich z. B. mit einem richtigen Bundesdruckerei-Fünfziger fällt der kolossale Unterschied beim Folienstreifen und der Smaragdzahl auf. Wasserzeichen und Sicherheitsfaden sind nur aufgedruckt, was aber wohl für einen flüchtigen Echtheitseindruck reicht. Überhaupt erscheinen die Unterschiede erst im direkten Vergleich mit einem offiziell gedruckten Schein wirklich augenscheinlich. Wer hat schon immer einen Fadenzähler für die Mikroschrift dabei, wenn er als Privatperson einen oder mehrere Fünfziger entgegennimmt. Überhaupt besteht nur eine geringe Gefahr, Falschgeld aufzusitzen. Wer meistens unbar bezahlt, minimiert diese Gefahr noch mehr. Wer allerdings häufig mit Schwarzgeld zu tun hat, der muss aufpassen. Der Handwerker mit Schwielen an den Händen wird kaum merken, wenn die Papierfeinheiten nicht vorhanden sind. Er wird sich über ein Bündel Bargeld freuen und wird nicht jeden Schein gegen das Licht halten. Erst falls ihm auffällt, das viele Scheine die gleiche Kontrollnummer haben und einige der Scheine beim Einkaufen oder in der Bank abgelehnt werden, wird ihm klar, dass er gar nicht zur Polizei gehen kann, ohne sich selber zu belasten. Dann kauft er sich vielleicht einen Geldzählapparat, wie ihn die Bundesbank empfiehlt? Abb. 6, Ausschnitt mit der Kontrollnummer des falschen Fünfzigers. Unsere Geldscheine verfügen übrigens über ein weiteres, größtenteils unbekanntes Sicherheitsmerkmal, nämlich die Kontrollnummer. VB4592785429 12 Stellen: Druckereibuchstabe + Neuner-Restzahlbuchstabe + 9 Stellen + Prüfzahl. Wie man z. B. im Euro- Katalog Münzen und Banknoten 2023 des Leuchtturm Verlags im Schlusskapitel EURO-Banknoten nachlesen kann, soll deren 2. Quersumme der zweiten Euroserie stets die Zahl 7 ergeben. Den Buchstaben am Anfang wird eine fortlaufende Zahl zugeordnet, also A = 1 usw. Z = 26. Zu der Quersumme beider Buchstabenzählungen werden die einzelnen Zahlen der Kontrollnummer der Reihe nach addiert und ergeben dann als erneut die Quersumme die 7. Im vorliegenden Fall des falschen Fünfzigers rechnen wir nach: VB4592785429. Das V steht für die Königlich Spanische Münze (Fábrica Nacional de Moneda y Timbre), der Schein soll also in Burgos gedruckt worden sein. V steht an Position 22 im Alphabet, B an Position 2. Wir rechnen zusammen 22 + 2 = 24. Dazu 4 + 5 + 9 + 2 + 7 + 8 + 5 + 4 + 2 + 9 = 55, ergibt zusammen 79, davon die Quersumme 7 + 9 = 16. Das ist aber noch nicht die erwartete 7. Erst die Quersumme von 16, also 1 + 6 = 7 ergibt die gewünschte Kontrollzahl 7. Hat der Fälscher hier einen Fehler gemacht? Meine Stichproben bei anderen 50-Euro-Scheinen ergaben besonders bei Exemplaren mit Lagarde-Unterschriften tatsächlich öfter die 16 als zweite und erst als dritte Quersumme die 7. Eine Nachfrage von mir beim Leuchtturm-Verlag blieb leider unbeantwortet. Allerdings bestätigten mir das Bundesbank-Analysezentrum Mainz und die EZB die Plausibilität von Kontrollnummern, die erst eine Quersumme 16 und dann in einem weiteren Schritt die 7 ergeben. Die Serien – bzw. Kontrollnummer von Scheinen der zweiten Eurogeneration bestehen aus zwölf Stellen. Der erste Buchstabe gibt die Druckerei an und taucht auch im Druckcode an erster Stelle auf. In unserem Fall ein V für die Königlich Spanische Münze. Der zweite Buchstabe kann in einer Tabelle mit dem Neunerrest verglichen werden. Wir finden für VA die 2, für VB eine 1, VC die 0 und VH eine 4. Die folgenden zehn Ziffern enden mit der Prüfziffer, einer 9. Unsere erste Quersumme betrifft die beiden Buchstaben: 24. Dann addieren wir die folgenden neun Ziffern auf und erhalten 46. Beider Quersumme lautet 70 und wird durch 9 dividiert, ergibt 7, Rest 7 abzüglich 7 gleich 0, das bedeutet als Ergebnis eine Prüfziffer 9 und die haben wir als zehnte und letzte Ziffer. Jetzt können wir noch die zwölfstellige Kontrollnummer überprüfen. Dazu bilden wir wieder Quersummen, bis sie kleiner 9 sind.: Neunstellige Nummer plus Prüfzahl = 46 + 9 = 55, Quersumme 5 + 5 = 10, ultimative Quersumme 1 + 0 = 1 . Neunerrest mit Buchstabenkombination VB laut Tabelle = 1, die Kontrollnummer ist gültig! Abb. 7, Bildausschnitt dreier falscher Fünfziger mit der gleichen Kontrollnummer. Fazit: Der Fälscher hat sich mit der Kontrollnummer erstaunlich viel Mühe gegeben oder einfach eine bestehende kopiert. Sie hält einer Überprüfung stand, im Gegensatz zu anderen nur anscheinend essentiellen Sicherheitsmerkmalen. Falschgeld, das dennoch als echt akzeptiert wird, wenn es ansonsten nur handwerklich gut gemacht ist. Es hat zwar keine solchen Sicherheitsmerkmale, die aber sowieso in der Kürze einer Übergabesituation nicht überprüft werden, selbst wenn die eigentlich typische Haptik einer knisternden Banknote nicht reproduziert werden konnte und fehlt. Auch in unserem vorliegenden Beispiel fällt die Fälschung eigentlich erst dann auf, wenn man jeweils einen gefälschten mit einem echten Schein gegen das Licht hält oder wenn einem auffällt, dass ja alle Scheine die gleiche Nummer eingedruckt haben. Die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Banknote ins Portemonnaie zu bekommen ist weiterhin gering: pro 2000 Personen einmal im Jahr, von 1 Million pro Jahr in Umlauf gebrachten Banknoten sind 2022 nur vier gefälscht gewesen. Christian Merker

  • BASF 1923: Der "Anilin-Dollar"

    In Industrie und Handel gab es inflationsbedingt 1923 einige Maßnahmen zur Erhaltung des wertbeständigen Sparens. In erster Linie waren dies Vorkehrungen einzelner Betriebe zur Erhaltung der Wertbeständigkeit bei Löhnen und Gehältern. Die Badische Anilin & Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen am Rhein (Pfalz) führte zur wertbeständigen Entlohnung ab Ende August 1923 die sogenannte „Grundmark- bzw. Festmarkrechnung“ ein. Jeder Lohn- und Gehaltsempfänger erhielt ein auf seinen Namen lautendes Stammblatt, dem sogenannte Festmarkgutscheine über 1, 5, 10, 20 und 30 Festmark in voller Höhe seines Verdienstes angehängt waren. Es konnten bis zu 33⅓% des auf dem Stammblatt vermerkten Monatseinkommens mittels der Gutscheine gespart werden; die restlichen Scheine wurden jede Woche nach der in Ludwigshafen veröffentlichten Indexziffer umgerechnet und zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten in Papiermark ausgezahlt. Nach den Bedingungen sollte die Sparsumme den Betrag von zwei Monatseinkommen nicht übersteigen. Die Scheine sind heute nur aus einem im Archiv der BASF befindlichen Blanko-Bogen zu 10x21, 2x5, 4x10, 6x20 und 4x30 Festmark bekannt. Die BASF hatte mit diesem relativ komplexen Verfahren zwar gute Erfahrungen gemacht, wandte sich jedoch im Oktober 1923 vom Festmark-System ab und gab ab 25. Oktober 1923 zur Kaufkrafterhaltung der Löhne und Gehälter in mehreren Reihen eigenes Goldmarknotgeld als wertbeständiges Zahlungsmittel auf Dollarbasis aus. Die in einer ersten Reihe ohne Datum über 1, 2, 5, 10 Pfennig Gold und 1 Mark Gold lautenden Gutscheine wurden – wie auch die folgenden vier Reihen ­– mit Genehmigung des Bayerischen Finanzministers, des Reichsministers der Finanzen und der französischen Besatzungsbehörde in der Werkdruckerei der BASF hergestellt. Die Gutscheine der ersten Reihe dienten dem Wechselverkehr in der Fabrik. Eine Weitergabe in den freien Verkehr war unzulässig. Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 5 Pfennig Gold, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein, erste Reihe ohne Datum. In einer zweiten Reihe vom 25. Oktober 1923 (Rückzahlung: 1. April 1924) wurden Gutscheine über 1,05 Goldmark verausgabt. Mit Herausgabe am 31. Oktober 1923, am 3. November 1923 und am 5. November 1923 (Rückzahlung: 1. April 1924) erfolgten drei weiteren Emissionen, die als Zusatzwerte in den Verkehr gebracht wurden (31. Oktober 1923: 2,10 Goldmark; 3. November 1923: 1,05 Goldmark; 5. November 1923: 0,42 und 4,20 Goldmark). Diese Gutscheine (Reihen 2 bis 5) wurden von der Gesellschaftskasse sowie von den nachstehenden Banken in Mannheim bzw. Ludwigshafen eingelöst: Rheinische Creditbank, Darmstädter & Nationalbank, Dresdner Bank, Süddeutsche Disconto- Gesellschaft A.-G. und Bayerische Hypotheken- und Wechsel- Bank Filiale Ludwigshafen. Die Einlösung der Gutscheine erfolgte in Mark deutscher Reichswährung (Papiermark), wobei der US-Dollar zum Mittelkurs der amtlichen Berliner Notierung des der Einlösung vorhergehenden Börsentages umgerechnet wurde. Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 1,05 Mark Gold = ¼ Dollar, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein am 3. November 1923 (Vorderseite). Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 1,05 Mark Gold = ¼ Dollar, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein am 3. November 1923 (Rückseite mit Einlösungskonditionen). An alle Banken, Handels- und Gewerbekammern, Oberpostdirektionen, Stadtverwaltungen, Einzelhandels- und Gewerbeverbände ergingen Rundschreiben, in denen die Herausgabe des wertbeständigen Notgelds angezeigt und um Annahme als Zahlungsmittel ersucht wurde. Es wurde in der Rheinpfalz und weit darüber hinaus bis nach Nordbaden und Württemberg ein von der Geschäftswelt sehr begehrtes Zahlungsmittel, für das sich der Name „Anilin-Dollar“ einbürgerte. Der „Anilin-Dollar“ entwickelte sich seinerzeit vorübergehend zum beliebtesten Zahlungsmittel der Pfalz. Badische Anilin & Soda-Fabrik, Gutschein über 4,20 Mark Gold = 1 Dollar, ausgegeben in Ludwigshafen a. Rhein am 5. November 1923. Mit der Goldmark- Einführung wurden bei der BASF Löhne und Gehälter seinerzeit voll wertbeständig ausgezahlt. Im November 1923 wurden für die in einer Gesamtauflage von 6,5 Mio. Goldmark ausgegebenen Gutscheine 1,2 Mio. und am 5. Dezember 1923 weitere 1,5 Mio. niederländische Gulden als Sicherheit bei der „Rotterdamsche- Bankvereeniging N.V.“, Rotterdam, deponiert. Vom 27. November 1923 an erfolgte die Wiedereinlösung, die sich über mehrere Monate erstreckte. Gutscheine ohne Datum über 1, 2, 5 und 10 Pfennig Gold des Konsum-Vereins Ludwigshafen e.G.m.b.H und der Eier-, Butter- und Käsegroßhandlung Wilhelm Gerbig, Ludwigshafen, hatten den Vermerk, dass sie in den beiden Geschäften nur dem Wechselverkehr dienten und die Weitergabe in den freien Verkehr unzulässig war. Für die Mitarbeiter der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik spielten diese Gutscheine eine Rolle als Wechselgeld für den "Anilin-Dollar". Wilhelm Gerbig, Eier-, Butter- und Käsegroßhandlung, Gutscheine über 1, 2, 5 und 10 Pfennig Gold, ausgestellt in Ludwigshafen, ohne Datum. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Sience History Institute und BASF (7/2023) Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Lexikon: Gesetzliche Zahlungsmittel

    Gesetzliche Zahlungsmittel sind solche Geldzeichen, die über eine vom Staat verliehene Eigenschaft verfügen, nach der sie von jedem zur Tilgung von in Geld ausgedrückten Zahlungsverpflichtungen in Zahlung genommen werden müssen, die also über einen sog. Annahmezwang verfügen. Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Bundesbank: Banknote zu 100 Deutschen Mark vom 2. Januar 1980 (gesetzliches Zahlungsmittel bis 30. Juni 1995), Vorder- und Rückseite. Dabei kann es sich um Banknoten einer konzessionierten Notenbank (z. B. Deutsche Bundesbank) handeln, aber auch um Staatspapiergeld (z. B. staatliche Kassenscheine). In Ausnahmefällen können auch andere Zahlungsmittel (z. B. Notgeld) oder sogar Wertpapiere von einem Staat vorübergehend zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt werden (z. B. Zinskupons der deutschen Kriegsanleihen 1918/19). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

  • Geldscheinporträts: Gustave Eiffel – Der „Eisenzauberer“

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Gustave Eiffel auf einer 200-Francs-Note der Banque de France von 1996. Abbildung 1: Gustave Eiffel, von François Touranchet, in L'Illustration 1893 (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/ce/Gustave_Eiffel.jpg). Eiffel wurde am 15. Dezember 1832 als Gustave Bönickhausen in Dijon geboren. Seine Vorfahren stammen – daher der Name – aus der Eifel. Die Familie wanderte Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem kleinen Ort Marmagen nach Frankreich aus. Seine Eltern lassen sich wohl als „Neureiche“ bezeichnen. Sein Vater war Offizier und seine Mutter wusste die industrielle Revolution zu nutzen und erlangte im Kohlehandel beachtlichen Reichtum. Nach dem Abitur zog Gustave nach Paris. Er genoss das neue Leben, besuchte die Oper, ging schwimmen und fechten, begeisterte sich für die Weltausstellung von 1855. In der Großstadt bereitete er sich auf die Aufnahmeprüfung für die „Ecole Polytechnique“ vor. An der mündlichen Prüfung der Elitehochschule scheiterte er jedoch. Eiffel wurde stattdessen an der "Ecole Centrale" aufgenommen, einer industriell ausgerichteten Ingenieur-Hochschule. Dort studierte er zunächst Chemie, bevor er auf Metallbau umsattelte. Die richtige Entscheidung: Es begann die Zeit der Eisenbahnen. Überall wurden Trassen gebaut, Gleise, Lokomotiven, Brücken und Gebäude mit großen Dachstrukturen. Die Metallbranche erschien sehr zukunftsträchtig. Eiffel arbeitete in verschiedenen Konstruktionsbüros, bis er 1856 eine Anstellung als Brückenbauingenieur fand. 1858 ernannte man ihn zum leitenden Ingenieur beim Bau einer 500 Meter langen Eisenbahnbrücke über die Garonne in Bordeaux. Die „Passerelle Eiffel“ war sein erstes Bauwerk und wurde 1860 eröffnet. Fortan genoss der junge Konstrukteur einen ausgezeichneten Ruf. Als sich die Lage in der Firma verschlechterte, stieg Eiffel aus und machte sich selbstständig. Eiffel war nun mit gerade einmal 33 Jahren Chef seines eigenen Unternehmens. Durch seine soliden Erfahrungen und seine guten Beziehungen gelang es ihm, eine Vielzahl von geeigneten Ingenieuren für anspruchsvolle Bauvorhaben zu gewinnen. In den Folgejahren florierte sein Geschäft. Er arbeitete unermüdlich, konstruierte das Metalldach einer Pariser Synagoge, baute Viadukte und Gasometer. Die Entwürfe und Innovationen von Eiffel ermöglichten schnelle und günstige Brücken- und Gebäudekonstruktionen in noch nie dagewesenen Größenordnungen. Ein Beispiel ist das Garabit-Viadukt im Zentralmassiv: Zur Bauzeit war es die höchste Brücke mit der größten Spannweite der Welt: 565 Meter lang, 122 Meter über dem Wasser. Eiffels Stahlkonstruktionen sind weltweit zu sehen, außer in Deutschland: Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 exportieren französische Metallbauunternehmen nicht mehr ins Nachbarland. In die Folgezeit fallen Gustave Eiffels wichtigste Arbeiten: Die Freiheitsstatue und der Eiffelturm. Für die Freiheitsstatue entwickelten Eiffel und seine Mitarbeiter ein ausgeklügeltes Trägersystem für die Tragwerke des inneren Stützgerüsts. Die von Frédéric-Auguste Bartholdi entworfene Statue wurde 1886 in New York City eingeweiht. Mit deutlich weniger Euphorie wurde zunächst die Planung des Eiffelturms begleitet. Der skelettartige Bau widersprach dem damaligen Geschmack. Unter anderem der Sohn von Alexandre Dumas verfasste ein flammendes Pamphlet gegen den Bau des Turms und bezeichnete ihn als „Turm zu Babel“. Gustave beharrte auf den Plänen seines Konstrukteurs Maurice Koechlin. Der Eiffelturm wurde in nur 26 Monaten fertiggestellt. Ähnlich wie bei einem Puzzle ließ Eiffel die einzelnen Stahlelemente in Fabriken vorfertigen und mit genauen Zahlen und Anleitungen versehen, damit sie anschließend einfach und schnell zusammengebaut werden konnten. Mit der Eröffnung des Turms im Rahmen der Pariser Weltausstellung 1889 verstummten die kritischen Stimmen und das zur damaligen Zeit höchste Bauwerk der Welt wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Abbildung 2/3: Banque de France, 200 Francs von 1996. Vorderseite: Porträt von Gustave Eiffel, Trägerstrukturen des Eiffelturms. Rückseite: Blick durch den unteren Teil des Eiffelturms auf die Ausstellungsflächen des Marsfelds zur Pariser Weltausstellung von 1896. Bald darauf endete die ruhmreiche Phase im Leben des Ingenieurs jedoch wieder. Er unterschrieb einen Vertrag zur Lieferung von Schleusen für den geplanten Panama-Kanal. Das Mammutprojekt sollte den Atlantik mit dem Pazifik verbinden. 85.000 Kleinanleger hofften auf eine gute Rendite. Die Kanalbau-Firma ging jedoch in einem Korruptionsskandal unter. Auch Eiffel wurde hineingezogen. Es gelang ihm nicht, seinen Ruf zu retten. Er wurde als „ruchloser Profitmacher“ bezeichnet und saß sogar eine Woche lang im Gefängnis. Daraufhin übertrug er sein Unternehmen an Maurice Koechlin. Gustave Eiffel war nun 61 Jahre alt und ohne Firma. An Ruhestand dachte er aber nicht. Er begann eine zweite Karriere als Wissenschaftler und leistete Pionierarbeit im Bereich Aerodynamik, wobei ihm der Eiffelturm als Versuchsstation diente. Zuerst stellte er dort Wetterstationen auf, dann entwickelte er ein Fallgerät für aerodynamische Messungen. Eiffel konstruierte einen Windkanal, zuerst neben dem Eiffelturm, dann in seinem „Aerodynamischen Labor“. Noch als alter Mann ging er regelmäßig in sein Labor und wirkte an wissenschaftlichen Publikationen mit. Mit 88 Jahren schenkte er den Windkanal der französischen Armee. Gustave Eiffel starb drei Jahre später, am 27. Dezember 1923. Besonders in Jahr der Ausgabe der 200-Francs-Banknote feierte Paris den berühmten Konstrukteur: Sein Todestag jährte sich zum 100. Mal. Elias Heindl Literatur/Quellen Ralph Erdenberger, Matti Hesse​: Gustave Eiffel, Ingenieur (geboren am 15.12.1832). WDR ZeitZeichen, Sendung vom 15.12.2022, WDR 5, aufgerufen über www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-gustave-eiffel-100.html Bettina Kaps, Dirk Asendorpf, Günter Maurer: Gustave Eiffel und seine kühnen Bauten. SWR2 Wissen, Sendung vom 15. Mai 2023, SWR 2023, aufgerufen über www.swr.de/swr2/wissen/gustave-eiffel-und-seine-kuehnen-metallbauten-swr2-wissen-2023-05-15-100.html de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Eiffel Abbildungen Banknote: Sammlung Schilde.

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