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- Aus der HVB Stiftung: 500 Francs der Banque de la Guadeloupe von 1934
Guadeloupe, eine Insel der Kleinen Antillen, stand ab 1674 unter französischer Herrschaft. Seit 1946 ist sie ein französisches Überseedepartement. Das erste Papiergeld wurde 1848 von der Französischen Administration ausgegeben. Weitere Emissionen erfolgten durch den Trésor Colonial und vor allem durch die Banque de la Guadeloupe, die bis zum Ende des Zweiten Welkriegs Banknoten ausgab. Danach kursierten die Noten der Caisse Centrale de la France d'Outre-Mer (Zentralkasse von Französisch-Übersee). Banque de la Guadeloupe 500 Francs, o.D. (ausgegeben 1934) Vorderseite: Links eine Frau mit einem Stab, auf dessen Spitze eine ausgestreckte Hand, im Hintergrund mittig ein Schiff, rechts Fasces (Rautenbündel) und Attribute des Handels und der Schifffahrt sowie Eichenlaub. Rückseite: Am Rand umlaufend regionale Pflanzen und Bäume (links Bananenstaude und Ananas, rechts Palmen), in der Mitte ein mit Blumen gefülltes Boot, im Hintergrund Insel-Landschaft (Bucht von Saint-Pierre). Wasserzeichen: Frauenkopf im Durchsichts-Medaillon. Format: 182 x 120 mm. Entwurf: Georges Duval, Emile Crosbie; Jean-Baptiste Colbert (Wasserzeichen) Druckerei: Banque de France. Unterschriften: Philippe Marconnet, Emile Gascon, Jaques Picard. Katalogreferenz: GLP-17 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B320a (Linzmayer: The Banknote Book: Gouadelupe) Zur der HVB Stiftung Geldscheinsammlung bei bavarikon. Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de
- Aus privaten Sammlungen: Kleingeldschein des Landes Baden unter französischer Besatzung von 1947
Objekttyp: Notgeld Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Mit Genehmigung der Militärbehörde gaben nach dem Zweiten Weltkrieg in der französischen Besatzungszone die Landesregierungen von Baden, Rheinland-Pfalz und Württemberg-Hohenzollern Notgeldscheine aus, um dem Mangel an Kleingeld zu begegnen. Auch nach der Währungsreform hatten diese Scheine noch kurze Zeit Gültigkeit, diejenigen über 5 Pfennig bis zum 31.8.1948 und die 10- und 50-Pfennig-Scheine bis zum 31.5.1949 zu einem Zehntel des Nennwerts. In Baden gab die Badische Staatsschuldenverwaltung für Südbaden (Freiburg i. Br.) mit Genehmigung der französischen Militärverwaltung Notgeld in Gesamthöhe von 500.000 RM für fehlende Münzen aus. Der badische 50-Pfennig-Schein von 1947 ist heute der seltenste aller Kleingeldscheine unter französischer Besatzung aus dieser Zeit. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Französische Besatzungszone, Land Baden Emittent: Badische Staatsschuldenverwaltung Nominal: 50 Pfennig Datum: 1947 Umlauf: 1947 bis 31. Mai 1949 Vorderseite: Text und Wertangabe im Rahmen. Rückseite: Landeswappen und Text. Material: Papier Wasserzeichen: "Pro Valore" Format: 74 mm x 51 mm Nummerierung: A No. 068770 Authentizität: Original Zitate: FBZ-3 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) Ro/Gra-209 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) BAD-28 (Grabowski: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948) GER-S1002 (Standard Catalog of World Paper Money – Vol. I, Specialized Issues) Rup-5.3 (Rupertus: Das Papiergeld von Baden 1849 – 1948) Schöne-0403 (Schöne: Das Papiergeld im besetzten Deutschland 1945 bis 1949) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Zwei Geldscheine der DDR mit Frauenmotiv
Die Staatsbank der DDR zeigte auf zwei ihrer Banknoten Frauen an ihrem Arbeitsplatz. Solche Geldscheine erfüllten durchaus auch einen Propagandazweck[1]. Die ikonographische Darstellung einer jungen Ingenieurin bei ihrer Tätigkeit als Reaktor-Operateurin an der Schalttafel der Blockwarte des AKW-1 im brandenburgischen Rheinsberg[2], sollte auch ein optischer Beleg für die Aufstiegschancen und die hohe Frauen-Erwerbsquote sein. Sie lag am Ende der DDR-Ära bei stolzen neunzig Prozent[3], näherte sich dann aber nach der Wiedervereinigung ab 1989 den viel niedrigeren Werten im Westen an. Die Ausweitung der Frauenarbeit im sozialistischen Teil Deutschlands erfolgte sowohl als Maßnahme der Gleichstellung der Geschlechter, als auch aus der Not heraus, den stetigen Abfluss von Arbeitskräften durch Flucht in den Westen zu kompensieren und dringend benötigte Arbeitskräfte aus der „stillen Reserve“ zu ersetzen. Zudem war das Recht auf Arbeit in der Verfassung der DDR[4] festgeschrieben. DDR-21a (Ro/Gra. 359, Pick 28): 10 Mark der Staatsbank der DDR von 1971. Vorderseite: Altersporträt von Clara Zetkin (1857–1933), Reichstagsabgeordnete der KPD 1920–1933, enge Freundin von Rosa Luxemburg. Rückseite: Frau an einem großen Schaltpult. Wasserzeichen: Kopfbildnis von Clara Zetkin. Die Darstellung der Familie blieb dagegen eher bürgerlich traditionell, was sich deutlich auf einem nicht verausgabten Schein aus der Endphase der DDR erkennen lässt: Mutter, Vater und zwei Kinder – Sohn neben der Mutter, Tochter mit Schmusetier auf dem Arm des Vaters, vor einem modernen Plattenbau, wie sie im Osten verstärkt in den 1960er und 1970erJahren erstellt wurden. Die Mutter bekleidet mit einem Rock, ohne Handtasche, der Vater im Anzug mit Krawatte. DDR-26a (Ro/Gra. 364, Pick 32): 200 Mark der Staatsbank der DDR von 1985. Vorderseite: Kindergärtnerin mit Kittelschürze und acht spielenden Kindern vor einem modernen Kindergarten.Wasserzeichen: Friedenstaube. Mit der Ablösung der Banknotenserie von 1964 in Mark der Deutschen Notenbank (MDN) durch die Staatsbank der DDR ergaben sich ab 1971 auffällige Veränderungen. Das Format der Geldscheine schrumpfte auf Spielgeld-Größe und zwei Porträts wurden ausgetauscht. Der international bekannte Naturforscher und Südamerikareisende Alexander von Humboldt auf der 5-Mark-Note wurde durch Thomas Müntzer ersetzt, den Anführer und Märtyrer im Bauernkrieg (1524–1526). Statt Friedrich Schiller erschien der 10-Mark-Schein nun außerdem mit dem ersten Porträt einer Frau auf einem DDR-Geldschein. Christian Merker Anmerkungen [1] Stefan Hartmann/ Christian Thiel, Hrsg. Der schöne Schein – Symbolik und Ästhetik von Banknoten, hier: Peter Leisering, DDR-Banknoten als Spiegel der gesellschaftlichen Situation, S. 127 – 148: © 2016, Battenberg Gietl Verlag GmbH [2] Sebastian Stude, Roter Strom – Die Geschichte des Kernkraftwerkes Rheinsberg 1956 – 2000, Dissertation Halle – Wittenberg 2020, 1. Auflage November 2022 [3] Robert Nemitz, Ostdeutsche Frauen auf dem Arbeitsmarkt, Studienarbeit 2002 [4] Die Verfassung der DDR garantierte in Art. 24 das Recht seiner Bürger auf Arbeit durch die Pflicht zur Arbeit!
- Geldscheinporträts: Saul Tschernichowski
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Saul Tschernichowski auf einer Banknote zu 50 Neuen Schekel Israels von 2014. Abb. Saul Tschernichowski (1875–1943). Public Domain, Wikipedia. Quelle: Š. Bajeris (Laisvės Al. 58, Kaunas) – National Photo Collection D658-002). Aufnahme vom 1. Januar 1927. Saul Tschernichowski gilt als der erste moderne jüdische Poet. Er wurde am 20. August 1875 in Michailowka im Gouvernement Taurien geboren. Dort, in der südlichen Ukraine nahe der Krim, verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Er bewahrte sein Leben lang eine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat und machte die Idylle der ukrainischen Steppe oftmals zum Thema seiner späteren Gedichte. Seine Mutter liebte russische Lieder und brachte ihn früh dazu, russische Literatur zu lesen. Sein Vater war ein einfacher Ladenbesitzer. Die weiteren Vorfahren Tschernichowskis waren ebenfalls aus der Ukraine. Die Familiengeschichte oder „Familienmythologie“, wie er sie nannte, beschrieb er in autobiographischen Entwürfen. So soll sich beispielsweise einer seiner Vorfahren auf der Flucht vor marodierenden Kosaken in einem Heuhaufen versteckt haben. Dort überlebte er nur durch pure Willenskraft: Obwohl sein Fuß von einem Speer, der in den Heuhaufen gestoßen wurde, durchbohrt wurde, harrte er schweigend in seinem Versteck aus und wurde nicht entdeckt. Seine Vorfahren nutzte er als Charaktere für viele seiner Gedichte. Er erzählte die Geschichten jedoch nicht nur nach, sondern verknüpfte und vermischte sie mit der antiken und biblischen Mythologie und der jüdischen Geschichte. Diese Verbindung zwischen seiner privaten Familiengeschichte und den Wurzeln des Judentums wurde ein Charakteristikum von Saul Tschernichowskis Werk. Tschernichowski besuchte zunächst eine Mädchenschule, weil es in seinem Heimatdorf keine Schule für Jungen gab. Er beendete seine Schulbildung in Odessa. Dort erwarb er Kenntnisse in Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch und betätigte sich erstmals als Übersetzer. 1899 ging er nach Heidelberg, um ein Medizinstudium zu beginnen. Während seines Aufenthalts in Deutschland besuchte er Vorlesungen in Philosophie, las und übersetzte klassische deutsche Literatur und lernte seine zukünftige Ehefrau kennen. Nachdem er in Lausanne seine Promotion abschloss, kehrte er in das Russische Kaiserreich zurück. Dort arbeitete er als Arzt, zunächst in Melitopol und anschließend, nach kurzer Inhaftierung wegen „politischer Agitation“, in Charkow (Charkiw) und St. Petersburg. Er dort in eher ärmlichen Verhältnissen. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er als Feldarzt in die russische Armee eingezogen und verbrachte zwei Jahre als Chirurg an der Front. Während der russischen Revolution wohnte er in Odessa, und 1922 zog er schließlich nach Berlin, wo er bis 1931 lebte. In Berlin betätigte er sich nicht mehr als Arzt, sondern übersetzte Werke wie Homers Illias und Odyssee, den Gilgamesch-Epos, die isländische Edda, Sophokles´ König Ödipus, Goethes Reineke Fuchs und Shakespeares Macbeth ins Hebräische. Bank of Israel: 50 Neue Schekel von 2014, Vorderseite mit einem Porträt von Saul Tschernichowski und in Mikroschrift übersetzt "Oh, mein Land, mein Heimatland", Rückseite: arabischer, englischer und hebräischer Text, Kapitell einer korinthischen Säule und stilisierte Menora. Wasserzeichen: Porträt von Saul Tschernichowski und Wertzahl. Format 136 x 71 mm. Tschernichowski lehnte die Idee eines „geteilten Lebens“ ab: Für ihn gab es keinen Widerspruch zwischen jüdischer und europäischer Kultur. Er schrieb nicht für verschiedene Milieus, sondern für einen Leser, der durch seine Poesie und seine Übersetzungsarbeit erst noch gebildet werden sollte. Er wollte europäische Poesie auf Hebräisch verfassen. In seinen Gedichten wurden Elemente der jüdischen Geschichte und seiner eigenen Kindheit zum Thema europäisch geprägter Dichtkunst. Die hebräische Sprache passte er dazu an europäische Metren und Genres an. 1931 siedelte Saul Tschernichowski mit seiner Familie nach Palästina über, wo er bis zu seinem Tod 1943 blieb. 2011 wurde beschlossen, dass Saul Tschernichowski als einer von vier jüdischen Dichtern (neben Leah Goldberg, Rachel Bluwstein, und Nathan Alterman) auf einer neuen Banknotenserie abgebildet werden soll. Die 50-Neue Schekel-Note wird seit dem 16. September 2014 ausgegeben. Die Entscheidung, Saul Tschernichowski mit dem neuen Fünfziger zu ehren, war umstritten. In religiös-orthodoxen Kreisen wurde teilweise sogar zu deren Boykott aufgerufen. Grund dafür war unter anderem Tschernichowskis Ehe mit Melania Karlova, einer russischen Frau christlichen Glaubens. So bezeichnete beispielsweise Hagai Ben-Artzi, der Bruder von Premierminister Benjamin Netanjahus Frau Sara, die Darstellung des Dichters auf dem Geldschein als „Skandal“ und hielt es für unbegreiflich, wie Saul Tschernichowski als Symbol der „Assimilierungsideologie“ zu einem Symbol des Staates Israel werden konnte. Elias Heindl Literatur/Quellen Schulte, J. (2014). Saul Tchernichovsky. Colloquia Humanistica, 3, 137–148. doi.org/10.11649/ch.2014.009 Silberschlag, Eisig (1946): Tschernichowsky: Poet of Myths, Commentary Magazine, aufgerufen über commentary.org/articles/eisig-silberschlag/tschernichowsky-poet-of-myths/ (18.01.2023) Silberschlag, Eisig (1968): Saul Tschernichowsky: Poet of Revolt, Übersetzung von Sholom J. Kahn et al., Cornell University Press Yoeli, Meir (1965): Shaul Tchernichovsky. New England Journal of Medicine, 272(22), 1173–1174. doi.org/10.1056/nejm196506032722210 www.timesofisrael.com/does-face-of-poet-who-intermarried-belong-on-new-currency/ (18.01.2023) Abbildungen 50-Neue Schekel-Note: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Lexikon: Fliegendes Geld
"Fliegendes Geld" ist die Bezeichnung für die in China während der Zeit der Tang-Dynastie (618 bis 906) und auch der Sung-Dynastie (960 bis 1279) ausgegebenen Depositenscheine, die zunächst auch von privater Seite, dann nur noch vom Staat für Kaufleute ausgestellt und von diesen wieder gegen gemünztes Geld eingetauscht wurden. Es handelt sich damit um das älteste Papiergeld der Welt, von dem heute aber leider kein Belegstück mehr verfügbar ist. In der bedeutsamen Ming-Dynastie (1368 bis 1644) wurde das "Fliegende Geld" durch die sog. "Ming-Scheine" abgelöst. China, Staatspapiergeld des Reichsschatzamts der großen Ming-Dynastie nach 1375 zu 1 Kuan (= 1000 Käsch in Kupfermünzen oder 1 Tael in Silber), Originalgröße 215 x 335 mm. Mehr zum Thema "Fliegendes Geld" lesen Sie hier: https://www.geldscheine-online.com/post/zur-geschichte-des-geldes-fliegendes-geld-der-chinesen Mehr zur abgebildeten 1000-Käsch-Note aus der G+D Stiftung Geldscheinsammlung lesen Sie hier: https://www.geldscheine-online.com/post/aus-der-hvb-stiftung-1000-k%C3%A4sch-der-ming-dynastie-1368-1644 Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Unser 3D-Geldschein-Puzzle!
Abonnieren Sie gleich hier unseren wöchentlichen kostenlosen Newsletter für Geldscheinsammler und alle, die sich für Geld- und Zeitgeschichte interessieren. Mit jedem Newsletter gibt es ein neues kostenloses 3D-Geldscheinpuzzle, bei dem Sie sogar die Anzahl der Puzzleteile selbst bestimmen können. Aktuell: 100 Franken der Schweizerischen Nationalbank von 1946.
- Aus Deutschlands schwerster Zeit
Gedenk-Tafel für Kinder und Kindeskinder Viele Papiergeldsammler begnügen sich nicht damit, „nur“ die Geldzeichen ihres Sammelgebietes möglichst komplett zu sammeln, sondern nehmen auch gerne Belege in ihre Sammlung auf, die in einer gewissen Beziehung hierzu stehen und diese komplettiert. Hier sind z. B. Schecks, Wechsel, Münzen und Medaillen, Kriegsanleihen, Aktien, Schuldverschreibungen, Depositenscheine, Sparbücher, Rechnungen, Ansichtskarten, Zeitungsausschnitte usw. zu nennen. Heute steht einen Beleg im Fokus der Betrachtung, der das Ende der Inflationszeit thematisiert. Die hier vorgestellte Gedenk-Tafel wurde etwa zehn Jahre nach Ende der Inflation vom Verlag Friedrich Seelig aus Borna verkauft, gedruckt auf bräunlichem Karton von der Druckerei Conrad Müller, Schkeuditz-Leipzig. Abb. 1: Gedenk-Tafel für Kinder- u. Kindeskinder aus Deutschlands schwerster Zeit. Der Karton hat die Maße 255 x 240 mm und ist mit der vierzeiligen Überschrift „Gedenk-Tafel / für / Kinder- u. Kindeskinder / aus Deutschlands schwerster Zeit“ versehen. Gleich darunter wird eine nachgezeichnete Vorderseite der zu einer Milliarde Mark aufgewerteten 1000-Mark-Reichsbanknote vom 15. Dezember 1922 in Originalgröße abgebildet. Links vom Geldschein befindet sich eine Tabelle mit den Preisen ausgesuchter Waren und Dienstleistungen im November 1923. So erfährt man beispielsweise, dass damals 1 Pfund Salz 100 Milliarden und ein Glas Bier 200 Milliarden Mark kostete. Auf der anderen Seite ist eine Aufstellung, die über den damaligen Dollarkurs informiert. Musste man im Januar 1918 nur 4,20 Mark für einen US-Dollar ausgeben, so waren es 4.200 Milliarden Mark im Dezember 1923. Anhand des folgenden Aufdrucks „Im Januar 1924 – 1933 wieder wie im Jahre 1918 ein Dollar = 4,20 Mark“ kann auf das Herstellungsjahr 1933 geschlossen werden. Unterhalb der Banknote wird eine Alltagsszene abgebildet, die typisch für die Hochinflation war. Eine Schlange wartender Frauen steht vor einem Lebensmittelgeschäft, um noch schnell etwas einzukaufen, bevor die Preise weiter steigen. Rechts davon: Kartoffeln, Brot und Butter Bekam nur wenig Gramm die Mutter Nicht so einfach wie Ihr denkt, Denn der Einkauf war beschränkt. Manch alte kranke Mutter Verlor im Kriege ihren Sohn. Am Bettelstab, doch nicht verzagend, Erhielt sie ihren kargen Lohn. In der Inflation Da spielte Geld bei manchem keine Rolle. Da verkaufte ich meine Scholle. Als ich mich besann, Ward ich zum Bettelmann. Der Text erinnert an die wirtschaftliche Not der damaligen Zeit, sowie an das große Leid der Mütter, die ihre Söhne im Krieg verloren haben. Aber er erzählt auch von der Not, die manchen Besitzer von Grund und Boden zum Verkauf zwang und der nun mit wertlosem Geld dastand. Links von der Alltags-Szene geht der Text auf die Profiteure der Hyperinflation ein: Wie mag es heut‘ den Schiebern geh’n? Schöne Stunden sahen sie vorübergeh’n. Auch im Gasthaus dann und wann Traf man sie in Gesellschaft an Des Schiebers Lob: Die Mark zerstob! Die Milliarden kamen. Solch‘ schnödes Geld, Ward verachtet in der Welt. Doch Euer Geld Ihr Kinder, Das wir für Euch gesparet? Hier oben leset diese Preise, Zerrann wie Hauch auf diese Weise. Spekulanten wie der Großindustrielle Hugo Stinnes waren die Alchemisten, die aus Papier Gold machten. Sie kauften mit geborgtem Geld Sachwerte – Banken, Hotels, Fabriken, Immobilien, Zeitungen … – und zahlten die Kredite mit entwertetem Geld zurück. Im Ausland spekulierte man ebenfalls mit dem deutschen Geld. Mitte September 1923 aber setzten die führenden US-amerikanischen Banken die Notierung der deutschen Papiermark aus. In einer Zeitungsmeldung war zu lesen: „Die Banken seien der Ansicht, daß es ein lächerliches und vergebliches Bemühen sei, täglich die mathematischen Bruchteile des Dollarwertes auszurechnen, da praktisch die deutsche Währung so gut wie keinen Käufer mehr findet. Selbst die Spekulation habe sich vollkommen zurückgezogen.“[1] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Das Volk, Tageszeitung für Christentum, Deutschtum, Volkswohlfahrt. Anzeiger für amtliche Ankündigungen des Landratsamts Siegen, der Stadt Siegen, verschiedener Ämter und Landgemeinden, des Finanzamtes Siegen, der staatlichen Oberförsterei Siegen, der Eisenbahn-Direktion Elberfeld und Frankfurt a. M. sowie sonstiger kommunaler und staatlicher Behörden. 35. Jahrgang, Nr. 218 vom 17.09.1923.
- Tschechien: 1000-Korun-Noten mit Überdruck
Die Tschechische Nationalbank (Česká národní banka) wird am 8. Februar 2023 mit einem Überdruck versehene Umlaufnoten über 1000 Kronen ausgeben, um das 30-jährige Jubiläum der Bank und der tschechischen Währung zu feiern. Der Überdruck befindet sich auf der Vorderseite und ist zweiteilig: In grüner Farbe ist ein Faksimile der 1993 auf tschechoslowakischen 1000-Kronen-Noten angebrachten Abstempelung (Wertzahl in einem Rechteck mit dem Buchstaben M in den Ecken) nachgestellt; daneben ist das Akronym der Bank in Grau sowie "1993 / 30 / 2023" mit Farbverlauf von Blau auf Grün zu sehen. Die Ausgabe dieser Noten soll in einer Auflage von 200.000 Exemplaren erfolgen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Lexikon: Flemming & Wiskott
Die Firma Flemming & Wiskott im schlesischen Glogau war eine Großdruckerei, die während des Ersten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit deutsches Notgeld druckte. Sie wurde bei Notgeldsammlern vor allem durch den Druck von von sog. Sparkassen-Kleinschecks sehr bekannt. Beispiel: SS 69.2a5G: Sparkasse der Stadt Belgard in Pommern, Kleinscheck über 2 Mark ohne Datum, Vorder- und Rückseite aus der Serie "Schlachtenbilder" zu den Belgarder Totenkopfreitern. Rückseite mit Porträt des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Als die weitere Ausgabe von sog. Serienscheinen untersagt wurde, ließ sich die Druckerei Flemming & Wiskott über das Deutsche Reichsgebrauchsmuster (D. R. G. M.) 795679 die Ausgabe von Sparkassen-Kleinschecks schützen. Auf diese Weise erfolgten noch weitere Ausgaben von den zu Sammelzwecken hergestellten Scheinen für die Sparkassen von Belgard, Brühl, Brunshaupten, Glogau, Malchow, Schmiedeberg und Schneidemühl. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Philippinen: Aktualisierte 1000-Piso-Noten aus Papier eingeführt
Die Bangko Sentral ng Pilipinas verausgabte überarbeitete 1000-Piso-Noten aus Papier mit der Jahresangabe "2022". Der Tausender misst 160 x 66 mm und weist einige gestalterische Erneuerungen auf: Im Gegensatz zur 2022 eingeführten Polymernote desselben Nominals zeigt die Vorderseite wieder die Porträs von José Abad Santos, Josefa Llanes Escoda und Vicente Lim, an deren jedoch Änderungen im Detail vorgenommen wurden. Außerdem wurde die Vorderseite im linken unteren Eck um eine Szene mit einer Menschenmenge bei den Feierlichkeiten des 100-jährigen Unabhängigkeits-Jubiläums erweitert. Wie die letzten Tausender bildet auch diese neue Banknote auf der Rückseite den Naturpark Tubbataha-Riffe und die Perlmuschel Pinctada maxima ab und präsentiert ebenfalls mit einem T'nalak-Stoffmuster das traditionelle Handwerk des indigenen Volks der T'boli. Zu den Sicherheitsmerkmalen zählen ein Fenster-Sicherheitsfaden, ein OVI-Element in Form einer Perlmuschel sowie ein Wasserzeichen mit den drei Porträts. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Aus privaten Sammlungen: Philippinisches Notgeld aus dem Zweiten Weltkrieg
Objekttyp: Regionaler Notgeldschein Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Über drei Jahrhunderte war die Inselgruppe der nach König Philipp II. benannten Philippinen im Rahmen Neuspaniens spanische Kolonie gewesen. 1896 bis 1898 brach die philippinische Revolution aus, die zur Ausrufung einer ersten Republik führte und direkt in den Spanisch-Amerikanischen Krieg überging. Die USA besiegten die Spanier und erkannten die Republik nicht an. Stattdessen machten sie die Philippinen zu einer Kolonie der USA. 1935 wurde dann eine Teilautonomie beschlossen, mit dem Ziel, dass die Philippinen bis 1945 unabhängig werden sollten. 1941/42 landeten japanische Truppen auf der Inselgruppe, um das Land zu besetzen. Philippinische und US-amerikanische Truppen versuchten die japanische Invasion zu abzuwehren. Die letzten Einheiten der Verteidiger mussten aber am 8. Mai 1942 kapitulieren. Bereits mit dem Ausbruch des Kriegs im Dezember 1941 waren die philippinischen Militär- und Staatsausgaben stark gestiegen, was einen akuten Mangel an Zahlungsmitteln zur Folge hatte. Während des Kriegs kam es unter japanischer Besatzung zu einer großen Anzahl von Notausgaben durch Provinzen, kommunale Behörden und militärische Einheiten, die man auch als Partisanen- oder Guerilla-Geld bezeichnet. Viele dieser Scheine waren sehr einfach gestaltet. Nach dem Krieg waren sie sehr selten und von Sammlern in aller Welt gesucht. Seit von vielen Ausgaben größere Bestände gefunden wurden, kann man diese interessanten Zeitdokumente schon mit verhältnismäßig geringem finanziellem Aufwand sammeln. Die Philippinen erlangten am 4. Juli 1946 ihre Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Land/Region/Ort: Philippinen, Provinz Iloilo, Iloilo City Emittent: Philippine National Bank, Iloilo Currency Committee Nominal: 5 Pesos Datum: 1. Mai 1944 Vorderseite: Links: Porträt von US-General Mac Arthur, Mitte: Adler vor Sonnenstrahlen und Wolke. Rückseite: Ornamente und Text. Material: Papier Druck: Diolosa Printing Format: ca. 160 mm x 70 mm Nummerierung: 65296 C Authentizität: Original Zitate: PHL-S341 (Standard Catalog of World Paper Money – Vol. I, Specialized Issues) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Leserpost: "Goldenes Buch" von Solingen als Metallspende?
Mitunter erreichen die Redaktion auch Anfragen, die nicht unmittelbar etwas mit Numismatik und Papiergeld zu tun haben, dennoch aber von allgemeinem Interesse für unsere Leser sein können. Um einen solchen Fall dürfte es sich bei dem "Goldenen Buch" der Stadt Solingen aus der Zeit des "Dritten Reichs" handeln. Guten Tag! Ich habe einen Text auf einer Karte zur Metallspende 1940 gesehen und ich weiß nicht, was er bedeutet. "Goldenes Buch" (siehe Bild dieses Buches und den Text)? Und was bedeutet die Nummer 2893? Ist es eine Mitgliedsnummer der NSDAP? Wenn Sie Informationen haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Ich warte auf Ihre Antwort. Y. Natanzon (Israel) Goldenes Buch der Stadt Solingen und Widmung. Antwort der Redaktion Das "Goldene Buch" von Solingen ist historisch natürlich sehr interessant. "Goldene Bücher" wurden früher meist von Honoratioren den Städten gestiftet. In "Goldene Bücher" haben sich dann hochrangige offizielle Besucher der jeweiligen Stadt eingetragen, zum Beispiel Politiker, Regenten, aber auch Künstler, Wissenschaftler und Sportler. Diese Tradition gibt es in Deutschland bis heute. Man kann davon ausgehen, dass im "Dritten Reich" die NSDAP "Goldene Bücher" stiftete. Hier handelt es sich offensichtlich um ein Geschenk der Ortsgruppe Seesen der NSDAP mit der laufenden Nummer 2893 (Anzahl der bis dahin von der Partei gestifteten Goldenen Bücher) zum Geburtstag Hitlers am 20. April 1940, das für die Stadt Solingen bestimmt war. In die "Goldenen Bücher" trugen sich natürlich auch hochrangige Vertreter des NS-Regimes (zum Beispiel Gauleiter) ein, wenn sie eine Stadt besuchten. Anbei ein Foto von einem Besuch Hitlers in der Stadt Regensburg. Abb.: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Das Bild zeigt Hitler mit Vertretern der Stadt und der NSDAP sowie eine Abordnung der Hitlerjugend im Sitzungssaal des historischen Reichstags in Regensburg, wo über Jahrhunderte die Reichstage des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation abgehalten wurden. Aus diesem Anlass wird sich Hitler sicher auch in das "Goldene Buch" der Stadt Regensburg eingetragen haben. Es wäre aber interessant zu klären, ob dieses Buch im Archiv der Stadt Solingen vorhanden oder aber verschollen ist. Eine telefonische Rücksprache mit dem Stadtarchiv Solingen hat ergeben, dass tatsächlich ein Goldenes Buch der Stadt aus dieser Zeit vermisst wurde, das wohl am Ende des Kriegs "verloren ging". Kurz darauf erreichte die Redaktion folgende E-Mail des Stadtarchivs: Vielen Dank für Ihre überraschende Mitteilung zum „Goldenen Buch der Stadt Solingen“. Das seit Kriegsende verschollen geglaubte „Goldenen Buch“ ist im Sommer 2022 aus den USA wieder in den Besitz der Stadt Solingen gekommen. Es handelt sich dabei um das offizielle erste „Goldene Buch“ der Klingenstadt. Erste Einträge wurden ab 1933 gesammelt, das auf dem Foto abgebildete kunsthandwerklich gestaltete Buch wurde im Februar 1939 der Öffentlichkeit vorgestellt. Eintragungen erfolgten bis 1943. Überraschend und für mich überhaupt nicht einzuordnen ist die Verbindung zu Seesen sowie der Text des beigefügten Zettels. Nach meinem Kenntnisstand gibt es keine Verbindung zwischen den Städten Solingen und Seesen. Vielleicht diente das „Goldene Buch der Stadt Solingen“ als Vorlage für ein ähnliches Projekt in Seesen? Man müsste wohl nochmal in Israel nachfragen, ob es weitere Informationen in diesem Zusammenhang gibt. Nochmals vielen Dank für diesen sehr interessanten Hinweis. Mit freundlichen Grüßen Ralf Rogge Stadtarchivdirektor Solingen Das Buch galt seit dem Einmarsch US-amerikanischer Truppen 1945 als verschollen und tauchte erst 2012 im Katalog eines süddeutschen Auktionshauses wieder auf. Der Stadt Solingen gelang es damals nicht, das Buch zu kaufen. Sie ließ das Buch aber in die "Lost Art Datenbank" für Beutegut eintragen. Der US-amerikanische Besitzer zog das Buch daraufhin vor der Auktion wieder zurück und verkaufte es später in den Staaten weiter an den Sammler James Brown. Im Oktober 2022 reiste Brown nach Solingen und übergab das Buch der Stadt. Es freut mich, dass das "Goldene Buch" wieder da ist, wo es hingehört! Zur Metallspende: Was das Buch mit einer Metallspende zu tun haben soll, konnte ich nicht nachvollziehen. Das hatte für Verwirrung gesorgt. Jetzt ist klar, dass der Text der NSDAP-Ortsgruppe in Seesen nichts mit dem Goldenen Buch von Solingen zu tun hat, sondern sich einfach nur auf ein Goldenes Buch bezieht. Es muss also so gewesen sein, dass die Metallspende der Ortsgruppe Seesen unter der Nummer 2893 in ein "Goldenes Buch" der NSDAP eingetragen wurde, das dann Hitler zu seinem Geburtstag am 20. April 1940 als Geschenk überreicht wurde. Ein Bild der Vorderseite der Metallspende wäre hilfreich gewesen, dann wäre es von Anfang an klar gewesen. Es handelt sich sicher um keine Fälschung. Hans-Ludwig Grabowski












