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- Wertbeständiges Notgeld: Die Bremer Anteilscheine von 1923
Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen sowie zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit „wertbeständige Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle, etc. zunehmend bis Ende 1923 – oft verbrieft in Form von Anteilscheinen – in Umlauf kamen. Im Oktober 1923 beschloss der Senat des Bremischen Staates eine Dollaranleihe, gestückelt in Anteilscheine im Gesamtwert von einer Million Dollars nordamerikanischer Währung (= 4,2 Millionen Mark Gold) zu emittieren. Die Anteilscheine waren Inhaberpapiere und dienten insbesondere den täglichen Einkäufen, ohne die Notwendigkeit, diese mit Unmengen von täglich wertloserer Papiermark zu zahlen. Zur Sicherstellung der Dollaranleihe bzw. ihrer Anteilscheine haftete der Bremische Staat mit seinen gesamten Einkünften und seinem ganzen Vermögen. Es wurden in sieben Reihen als Notgeld verwendbare, wertbeständige Anteilscheine an der Dollaranleihe ausgegeben, verbrieft in folgenden Nennwerten: Reihe 1: 1/100, 1/50, 1/10, 1/5, 1/2, 1, 5 und 10 Dollar Reihe 2: 1/100, 1/50, 1/10, 1/5, 1/2 und 1 Dollar Reihe 3: 1/100, 1/50, 1/5 und 1/2 Dollar Reihen 4 und 5: 1/100 und 1/50 Dollar Reihen 6 und 7: 1/100 Dollar Die Anteilscheine über einen Dollar der Reihen 1 und 2 hatten eine Besonderheit: Sie waren zu jeder Zeit zum vollen offiziellen Wechsel und ohne die üblichen Steuern auf Devisentransaktionen einlösbar. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 1 Dollar nordamerikanischer Währung (= 4,20 Mark Gold), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 5 Dollar nordamerikanischer Währung (= 21 Mark Gold), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 10 Dollar nordamerikanischer Währung (= 42 Mark Gold), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Die Inhaber der am 22. Oktober 1923 ausgegebenen Anteilscheine waren berechtigt nach rund fünf Monaten am 31. März 1924 bei der Staatshauptkasse nach ihrer Wahl entweder eine vom 1. April 1924 an mit 5 Prozent verzinsliche und am 15. Oktober 1926 rückzahlbare Schatzanweisung des Bremischen Staates in gleichem Dollarbetrag zu fordern, oder den Gegenwert des Nennbetrags in Reichswährung nach dem Mittelkurs der letzten dem 31. März 1924 vorhergehenden amtlichen Notierung für Kabel New York zu fordern. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 1/10 Dollar nordamerikanischer Währung (10 Cents = 42 Goldpfennig), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 3 von 1923 über 1/50 Dollar nordamerikanischer Währung (2 Cents = 8,4 Goldpfennig), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 3 von 1923 über 1/100 Dollar nordamerikanischer Währung (1 Cent = 4,2 Goldpfennig), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Die Anteilscheine des Bremischen Staates in den Nennwerten ab 1 Dollar aufwärts sind selten zu finden, die Nennwerte unter 1 Dollar werden dagegen häufiger angeboten. Diese Anteilscheine sind katalogisiert bei: Hans-Ludwig Grabowski: "Deutsches Notgeld, Band 10 – Das Papiergeld der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke" (BRE-20–27), Manfred Müller: „Deutsches Notgeld, Band 12 – Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924“ (0535) sowie bei Kai Lindman: „Das wertbeständige Notgeld von 1923/24“ (B080). Hinweis: Die als Rückzahlungsvariante 1923 angebotene mit 5 Prozent verzinsliche Schatzanweisung des Bremischen Staates (geplant: vom 1. April 1924, rückzahlbar am 15. Oktober 1926) wurde tatsächlich begeben als „Bremer Dollar-Schatzanweisung“, ausgegeben am 10. März 1924, rückzahlbar im Januar 1927, Nennwerte 1, 5, 10 und 20 Dollars. Die Schatzanweisungen sind äußerst selten. Hans-Georg Glasemann Abb. des Autors sowie Privat.
- Euro-Souvenirscheine des Welterbe-Vereins Regensburg
Der gemeinnützige Verein „Welterbe Kulturfonds Regensburg-die Förderer. e.V.“ hat es sich zum Ziel gesetzt, in bürgerschaftlichem Engagement zum Erhalt und zur Pflege Regensburger Baudenkmäler beizutragen. Die an Personenzahl kleine Vereinigung initiierte und finanzierte in den letzten zehn Jahren die Restaurierung und Rückführung der Denkmäler von König Ludwig I. auf den Domplatz und von Bischof Johann Michael Sailer auf den Emmeramsplatz – also auf deren ursprünglichen Standort. Größtes, jahrelang betriebenes Projekt war die Sanierung des ältesten Hochbaus in Bayern und zugleich einzig erhaltenen Legionslager-Tores aus der Römerzeit weltweit, der Porta Praetoria. Mit einem Aufwand von rund 1,6 Millionen Euro konnte die Außensanierung, Neugestaltung des Umfelds und die Errichtung eines „documents“ im Innern durchgeführt werden, erfreulicherweise auch finanziell unterstützt mit Bundesmitteln aus dem Fond „Nationale Projekte des Städtebaus“. Als nächste Aufgabe hat sich der Verein die Unterstützung der Restaurierung der bedeutenden Basilika St. Emmeram auf seine Fahnen geschrieben. Seit 2018 finanziert der Verein einen Teil seiner Aktivitäten durch den Verkaufserlös von 0-Euro-Souvenirscheinen. Mittlerweile konnten folgende Motive herausgebracht werden: Welterbe Regensburg, Stadtansicht mit Steinerner Brücke 10 Jahre lang wurde die Steinerne Brücke im Rahmen einer Generalsanierung um rund 20 Millionen Euro wieder aufgepeppt. Sie galt als achtes Weltwunder des Mittelalters und überspannte mit über 300 Metern Länge die Donau jahrhundertelang als einziger steinerner Übergang bis Wien. Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten und zum Welterbetag 2018, erschien eine Gedenkmedaille und dieser Euro-Souvenirschein. Porta Praetoria Regensburg Am nördlichsten Punkt, den die Donau in ihrem Lauf jemals erreicht, bauten die Römer das Kastell Castra Regina, aus dem sich das heutige Regensburg entwickelte. In den letzten Jahren sanierte die Stadt Regensburg dankenswerter Weise die erhaltenen und öffentlich zugänglichen Teile der Römermauer. Vom Südost-Eck bis zum Nordost-Eck wurden die erhaltenen Teile – heute das längste Stück Römermauer in Deutschland – saniert. Die Porta Praetoria war das Nordtor und konnte 1885 in den späteren Bauschichten wiederentdeckt werden. Sie ist des einzig erhaltene Lagertor eines römischen Legionslagers weltweit. Dank der ebenfalls wiederentdeckten Gründungsinschrift (heute im Historischen Museum Regensburg), kann sie auf das Jahr 179 nach Christus datiert werden. Zum Abschluss der Sanierungsmaßnahmen wurde durch den Welterbeverein 2019 dieser Schein herausgegeben. Dom St. Peter Regensburg Das Hauptwerk der Gotik in Bayern, der Dom St. Peter in Regensburg, wurde vom 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet, aber nicht fertig gestellt. Der bayerische König Ludwig I. ergriff die Initiative zur Vollendung mit dem Bau der beiden Turmhelme. 1869, also vor 150 Jahren, war das Werk nach zehnjähriger Bauzeit zu Ende gebracht. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten erschien 2019 dieser Souvenir-Schein. Weitere Ausgaben: Asam-Kirche Aldersbach Dieser Sakralbau gilt als schönste Marienkirche Bayerns. Vor 300 Jahren wurde er von dem kongenialen Künstlerpaar Cosmas-Damian und Egid-Quirin Asam prachtvoll im Geist des Barock ausgestaltet. 2019 begannen die umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Innern der Kirche. Mit dem Verkaufserlös des aus diesem Anlass herausgebrachten 0-Euro-Scheins wird die auf 15 Millionen Euro veranschlagte Baumaßnahme unterstützt. Kloster Weltenburg An einer der zehn schönsten Flusslandschaften Europas (Europa-Diplom) liegt die über tausend Jahre alte Benediktinerabtei Weltenburg. Immer wieder durch Hochwasser heimgesucht, erhielt die Kloster-Anlage im 18. Jahrhundert ihr heutiges Gesicht. Die Brüder Asam schufen damit ein Hauptwerk des bayerischen Barock. Mit dem Verkaufserlös des 2019 edierten Scheins werden notwendige Bauunterhalts-Maßnahmen unterstützt. Händler und Sammler, die die Projekte des "Welterbe-Vereins" durch den Kauf von hier vorgestellten O-Euro-Souvenirscheinen unterstützen möchten, wenden sich bitte direkt an: Welterbe Kulturfonds Regensburg-die Förderer. e.V. Herrn Klemens Unger Sternbergstraße 7A 93047 Regensburg Tel. 0941/565825 E-Mail: unger.lk@freenet.de Klemens Unger
- Vöhrenbachs Holzwertanleihe von 1923
Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen kreative Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit die „wertbeständige Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle etc. zunehmend auf den Kapitalmarkt gelangten. In waldreichen Gegenden, unter anderem in Freiburg, Glogau, Heidelberg und Offenbach, gab man in dieser Notlage wertgesicherte Holzanleihen aus. So auch in der Stadtgemeinde Vöhrenbach, gelegen im mittleren Schwarzwald im Bregtal, denn der Bau der Linachtalsperre musste hier unter großen Schwierigkeiten finanziert werden. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die Energieversorgung in vielen Gebieten des Deutschen Reichs teuer und unzuverlässig. Viele Kommunen überlegten eigene Energiequellen, beispielsweise die Wasserkraft, zu nutzen. Auch in der Stadtgemeinde Vöhrenbach plante man zur Sicherung der Stromversorgung und zum Hochwasserschutz den Bach „Linach“ mit einer Talsperre aufzustauen. Um kostengünstig zu bauen wählte man die damals sehr fortschrittliche Stahlbetonbauweise in Form einer Gewölbe-Reihenstaumauer mit schrägliegender Wasserseite. Der gemeindliche Beschluss zum Bau der Linachtalsperre fiel 1921, die Bauzeit war geplant von 1922 bis 1925. Im Januar 1922 begann der Bau. Ab Mai schritten die Bauarbeiten zügig voran, auf der Großbaustelle waren 350 Arbeiter beschäftigt. Der Bau der Linachtalsperre war seinerzeit Präzisionsarbeit und erforderte hohes handwerkliches Können für die Herstellung der komplizierten Verschalung. Das folgende Jahr 1923 war gekennzeichnet durch die enorme Geldentwertung im Deutschen Reich. Die Inflation stellte die Stadt Vöhrenbach vor große Probleme bei der weiteren Finanzierung ihres Bauvorhabens. Nach der Mitte 1923 einsetzenden Hyperinflation wurden der Stadt keine weiteren Bankkredite mehr gewährt, die Arbeiten kamen ins Stocken, das Projekt stand finanziell am Abgrund. In dieser Geldnot sah sich die Stadt gezwungen, ungewöhnliche Maßnahmen zur Geldbeschaffung einzuleiten. Zunächst begann man eigenes Geld zu drucken. Mit Genehmigung des Innenministeriums gab die Stadt im August 1923 erstmals Notgeld in hohen Nennwerten aus. Um die Schuldenlast zu bewältigen, ging man auch zur verstärkten Abholzung des Stadtwaldes über. Aber auch der Holzverkauf reichte nicht, um die Arbeiten weiterzuführen. Keiner traute dem Papiergeld mehr. Notgeldschein der Stadtgemeinde Vöhrenbach über 10 Milliarden Mark vom 20. Oktober 1923. Die Geldscheine wurden mit Datum 14. August 1923 in den Nennwerten 100.000 Mark, 500.000 Mark, 1 Million Mark und mit Datum 20. Oktober 1923 zu 1 Milliarde Mark, 10 Milliarden Mark, 50 Milliarden Mark und 1 Billion Mark ausgegeben. Notgeldschein der Stadtgemeinde Vöhrenbach über 10 Milliarden Mark vom 20. Oktober 1923. Als Motiv wurde bei fast allen Nominalen auf der Rückseite der Notgeldscheine die seinerzeit im Entstehen begriffene Staumauer der Linachtalsperre abgebildet. Zur Baufinanzierung eine eigene Anleihe in entwerteter Mark aufzulegen, war zu diesem Zeitpunkt durch die hohe Geldentwertung nicht mehr möglich, niemand hätte solche Schuldverschreibungen gekauft. Der einzige Ausweg wäre eine von 1922 bis 1923 gern eingesetzte Finanzinnovation gewesen: eine wertbeständige Anleihe. Hier gab es reichsweit Beispiele für wertgesicherte Anleihen in Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle etc. Das waldreiche Vöhrenbach entschied sich unter dem Aspekt „Gestaut soll werden die Wasserflut“ für die Begebung einer wertbeständigen Holzanleihe in folgender Ausstattung: Emittent: Stadtgemeinde Vöhrenbach im Freistaat Baden, Emission: 6% mündelsichere und wertbeständige Holzanleihe von 1923, Zinstermin: jeweils am 1. November (1.11.1924–1.11.1929), Emissionsvolumen zunächst 5.000 fm (Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse), später nach Bedarf, Ausstellungsdatum: 9. Oktober 1923, Stückelung: Inhaberschuldverschreibungen über 0,25 fm, 0,5 fm, 1 fm, 2, fm und 5 fm (Litera E–A), Realwertsicherung: Gesichert wurde die Anleihe durch das gesamte Vermögen der Stadtgemeinde Vöhrenbach, welches allein an Waldungen eine Fläche von 1.300 ha umfasste (jährlicher Holzeinschlag 6.500 fm), Heimzahlung: Tilgung in fünf gleichen Jahresraten, jeweils auf 1. November, erstmals im Jahr 1925, letztmals im Jahr 1929 durch Rückkauf oder Verlosung, Berechnung der Geldbeträge: Die zur Auszahlung kommenden Geldbeträge für Zins und Tilgung wurden berechnet unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Holzerlöses, wie er von der zuständigen Forstbehörde während des dem Zahlungstermin vorausgegangenen Jahres für Fichtennutzholz dritter Klasse … festgestellt worden ist. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera A über den Holzwert für 5 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Binnen weniger Tage waren die ersten 5.000 Festmeter der Anleihe gezeichnet, so dass wieder Zahlungen an die Baufirmen geleistet werden und der Bau langsam weitergehen konnte. Im Dezember 1923 wurde das im Jugendstil erbaute Turbinenhaus fertiggestellt. Die neu ausgegebene Rentenmark beendete Ende des Jahres 1923 die Inflation und führte ab 1924 wieder zu geordneten Finanzverhältnissen in Deutschland. Ab August 1924 wurde die Reichsmark zusätzlich zur Rentenmark eingeführt. Vom 1. August bis Ende Oktober 1924 konnten nun die Bauarbeiten an der Staumauer in vollem Umfange wieder aufgenommen werden. Am 7. November 1925 war die Staumauer vollendet, im Maschinenhaus liefen zwei von drei Turbinen. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera B über den Holzwert für 2 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera C über den Holzwert für 1 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Durch die Kraft des fließenden Wassers der Linach konnte die Stadt Vöhrenbach von nun an mit preiswertem Strom versorgt werden. Im Mai 1926 war das Becken der Talsperre randvoll. Bei Vollstau betrug das Fassungsvermögen 1,1 Millionen Kubikmeter. Der See hatte eine Länge von einem Kilometer und eine überflutete Fläche von 110.000 Quadratmetern. 11.000 Kubikmeter Beton wurden in der Staumauer verarbeitet. Das Kraftwerk lieferte 374.000 Kilowattstunden, was 72 Prozent des Gesamtbedarfs Vöhrenbachs betrug. 100.000 Festmeter Holz waren insgesamt für die Anleihefinanzierung des Anlagenbaus erforderlich gewesen. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera D über den Holzwert für 0,5 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera E über den Holzwert für 0,25 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Bis 1969 tat das Kraftwerk seinen Dienst, denn in diesem Jahr fasste der Gemeinderat den Beschluss, die Eigenstromerzeugung wegen Unrentabilität einzustellen. Ein weiterer Grund waren anstehende aufwändige Sanierungsarbeiten. Ab diesem Zeitpunkt war die komplette Anlage dem Verfall preisgegeben. Der Stausee war aber weiterhin ein beliebtes Freizeitziel. In den 1980er wurden Anstrengungen unternommen, die Linachtalsperre wieder zu reaktivieren, was allerdings nicht gelang. 1988 wurde der Stausee komplett abgelassen. Nachdem die Linachtalsperre in einen „Dornröschenschlaf“ gefallen war, hat es die 1997 gegründete „Gesellschaft für dezentrale Energieanlagen“ gemeinsam mit engagierten Bürgern und der Stadt Vöhrenbach tatsächlich geschafft, das Kraftwerk zu sanieren und wieder zu reaktivieren. Zur Wiederinbetriebnahme der Talsperre für die Produktion umweltfreundlichen Stroms und zur Wiederherstellung des Stausees als Naherholungsgebiet, erstellte die Stadt 2003 ein umfassendes Sanierungskonzept, das mit Unterstützung öffentlicher und privater Stellen bis 2007 verwirklicht wurde. Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf 7,1 Millionen €. Die offizielle Einweihung der sanierten Linachtalsperre wurde im Juni 2008 mit einem großen Fest gefeiert. Die Staumauer im Tal der Linach ist die erste und einzige Gewölbe-Reihenstaumauer Deutschlands – sie ist heute ein Baukulturdenkmal. Die äußerst dekorativen Holzanleihen der Stadtgemeinde Vöhrenbach von 1923 sind heute seltene und gesuchte Sammlerstücke. Die Linachtalsperre kurz nach ihrer Erneuerung im Juli 2008. Hans-Georg Glasemann Bildquellen: Dank an Erwin Beyerle und Wikipedia
- Polnisches Geld im sächsischen „Zittauer Zipfel“
Wenn man von der deutschen Bevölkerung spricht, die 1945 von der polnischen Verwaltung aus den ehemals deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße anfangs vertrieben und später ausgesiedelt wurde, denkt man an die Menschen aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Danzig, Oberschlesien und dem größten Teil Niederschlesiens. Manche wissen auch vom östlichen Teil Brandenburgs, der zu Polen kam. Aber von der Allgemeinheit kaum beachtet: zu den ehemaligen deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie, die vom besetzten Deutschland durch die Beschlüsse der Berliner Konferenz (Potsdamer Abkommen, 2. August 1945) abgetrennt wurden, gehört auch das kleine Gebiet von Ostsachsen – der sog. "Zittauer Zipfel". Selbst auf vielen historischen Karten und in zeitgenössischen Dokumenten schlug man den „Zipfel“ einfach Niederschlesien zu. In dem etwa 145 qkm großen Gebiet gab es neben dem Hauptort Reichenau (poln. Bogatynia) noch 28 Dörfer mit üblichen deutschen Ortsnamen: Bad Oppelsdorf (Opolno Zdrój), Blumberg (Bratków), Dornhennersdorf (Strzegomice), Friedersdorf (Biedrzychowice Górne), Friedreich (Wolanów), Gießmannsdorf (Gościszów), Großporitsch (Porajów), Grunau (Krzewina), Kleinschönau (Sieniawka), Königshain (Działoszyn), Lehde (Trzciniec Dolny), Lichtenberg (Jasna Góra), Markersdorf (Markocice), Maxdorf (Wyszków), Oberullersdorf (Kopaczów), Radmeritz (Radomierzyce), Reibersdorf (Rybarzowice), Reutnitz (Ręczyn), Rohnau (Trzcieniec), Rusdorf (Posada), Schönfeld (Lutogniewice), Seitendorf (Zatonie), Sommerau (Białopole), Türchau (Turoszów), Wanscha (Spytków), Weigsdorf (Wigancice Żytawskie), Wolfsberg (Niedów), Zittel (Pasternik). Einige Dörfer wurden eingemeindet, aufgegeben oder fielen dem Braunkohleabbau des Tagebaus Turów (vormals ASW/AG Sächsische Werke) zum Opfer. Das ganze Territorium gehört heute zum Powiat Zgorzelec (ehem. östlicher Stadtteil von Görlitz) in der Woiwodschaft Dolny Śląsk (Niederschlesien). Anfang 1945 lebten dort noch 24.000 Einwohner in einer intakten Infrastruktur. Es galt wie überall im damaligen Deutschen Reich die Reichsmark und die Rentenmark. Abb. 1: Ostsachsen Anfang 1945 (gelb), der östlichste Teil des damaligen Landkreises Zittau ist rot liniert (östlich der Lausitzer Neiße). Wie erging es den Menschen des damaligen sächsischen Landkreises Zittau östlich der Neiße? Wie waren dort die Währungsverhältnisse 1945 und danach? Wer musste gehen – wer konnte bleiben? Sowjetische Einheiten der 73. Garde-Schützendivision der 52. Armee kamen erst in den Morgenstunden des 9. Mai 1945; erreichten als erste die Stadt Zittau und gelangten, die Kipper überquerend, nach Reichenau und richteten eine Kommandantur ein. Am Abend des 9. Mai war der gesamte Landkreis Zittau besetzt. Abb. 2: Ansicht der Stadt Reichenau in Sachsen mit ca. 7.000 Einwohnern im Jahr 1939. Die alliierte Militärmark, die schon seit September 1944 im Ural gedruckt wurde, gaben die Militärzahlmeister der Roten Armee, wie in anderen Gebieten östlich der Oder und Neiße, auch im Raum Reichenau für kurze Zeit aus. Die Auszahlungen waren anfangs kein Sold für Soldaten und Offiziere (in Kriegszeiten bekamen sie ihre Besoldung auf Sparbücher in ihrer Heimat überwiesen), sondern wurden z.B. für Einkäufe und mitunter für Löhne verwendet. Abb. 3: 100 Militärmark mit Datum 1944, Vs. der sowjetischen Ausgabe, die in Höhe von 12,1 Mrd. Mark in Krasnokamsk gedruckt wurde. In den folgenden Wochen übergaben die sowjetischen Militärs die Verwaltung des Gebiets um Reichenau an die Polen. Nach dem Dekret vom 5. Februar 1945 über den Geldumtausch war eine Währungsreform nur für die polnischen Gebiete bestimmt, die das Territorium Polens in den Grenzen von 1937 umfasste. So blieb die Mark vorerst das übliche Zahlungsmittel in den „Wiedergewonnenen Gebieten“. „Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung wurde in Punkt 13 des Potsdamer Abkommens im August 1945 sanktioniert. Allerdings hatte man bereits im Juni des gleichen Jahres begonnen, Deutsche aus den Grenzstreifen auszusiedeln, was im Prinzip vollendete Tatsachen schuf und die Übernahme dieser Gebiete durch Polen bekräftigen sollte. Dies war insofern berechtigt, als eine Delegation des Nationalrates (Krajowa Rada Narodowa), des selbsternannten, von den kommunistischen Machthabern geschaffenen Parlaments, in Moskau Stalins Zustimmung zum Verlauf der Westgrenze einholte.“1) Am Donnerstag, dem 21. Juni 1945, veröffentlichte die polnische Verwaltung einen Sonderbefehl: „Umsiedlung der deutschen Bevölkerung in das Gebiet westlich der Neiße“, das bedeutete die sofortige Ausweisung aller Deutschen ab dem 22. Juni 1945. Angeblich hatten die Menschen einen Tag Zeit, alles Nötige zusammenzupacken – es gibt aber auch Schilderungen wie: „Früh kurz nach acht sind sie gekommen und haben gesagt: Um zehn müsst ihr raus sein. Mitnehmen dürft ihr nur, was ihr tragen könnt.“ oder: „Johanna Scheibler aus Dornhennersdorf war gerade mit ihrer Mutter beim Melken, als ein Nachbar die Nachricht überbrachte. Der Reichenauer Lehrer Emil Engicht las sie morgens auf dem Weg zur Schule. Bergleute aus der Braunkohlegrube Türchau erfuhren auf dem Weg zur Arbeit von Soldaten, was noch an diesem Tag passieren würde. Und bei Familie Zschuppe in Kleinschönau tauchte nachts um 2 Uhr ein Kommandant auf und sagte nur: »Es stimmt doch«.“ Alles Vieh und alle Landmaschinen mussten dableiben – auch manch deutscher Facharbeiter oder Ingenieur, die meist im Braunkohlentagebau beschäftigt waren. Das war nicht nur im polnisch verwalteten „Zittauer Zipfel“ so, sondern überall in den ehemals deutschen Gebieten. Zu diesem Zeitpunkt traf eine neue Bevölkerung ein: freiwillig oder zwangsweise kamen polnische Flüchtlinge aus dem Ostteil Polens, den die Sowjetunion annektiert hatte (Galizien und Wolhynien), polnische Zwangsarbeiter aus Deutschland, deportierte Polen aus Sibirien und Rückkehrer aus aller Herren Länder.2) Eine geordnete Ausweisung endete 1949, die spätere (Spät-)Aussiedlung Deutschstämmiger dauerte bis 1990. Viele Deutsche, die in ihrer Heimat bleiben wollten oder mussten, änderten auf Drängen der polnischen Verwaltung ihre Namen; so wurde bspw. aus „Herrn Georg Hiller“ ein „pan Jerzy Hyla“. In Polen, vorwiegend in den „Wiedergewonnenen Gebieten“ lebten im Jahr 1946 nach polnischen Angaben noch 2.075.957 Deutsche (lt. der Volkszählung vom 14. Februar 1946). Und: womit bezahlten die Menschen im „Zittauer Zipfel“ nach dem 9. Mai 1945? Im „Lubliner Polen" (den „ehemaligen Ostgebieten“ und dem ehemaligen Generalgouvernement) wurden die „Krakauer Złoty“ in neue polnische Złoty entsprechend dem Dekret vom 5. Januar 1945 im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht – die Reichsmark im Verhälnis 2 : 1. Ab dem 10. Januar 1945 verloren die „Krakauer Złoty“ ihre Gültigkeit – die Reichsmark ab dem 28. Januar 1945. Das deutsche Münzgeld von 1 bis 50 Reichspfennig wurde weiter verwendet (50 Rpfg. = 25 Groszy). Nicht aber so im „Zipfel“. Dort wurde überhaupt keine Währungsreform durchgeführt. Eine Denkschrift im September 1945 an die obersten polnischen Instanzen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Niederschlesien und der Forderung eines Umtauschs der Mark wurde nie berücksichtigt. Im „Zipfel“ wurde die Reichsmark polnischerseits nicht akzeptiert und neue polnische Złoty wurden als Lohn an Deutsche nicht ausgezahlt. Meistens erhielten sie nur Naturalien oder gar kein Geld. Es herrschte Arbeitspflicht. So kehrte man zur Tauschwirtschaft zurück und die Deutschen verkauften einen Teil ihres Hab und Gutes gegen Złoty. Eine Selbstversorgung der Menschen fand zwar statt, eine allgemeine Hungersnot machte sich dennoch breit. „... Zum einen sind die vertriebenen Sachsen oftmals in unmittelbarer Nähe ihrer alten Heimat geblieben. Teilweise konnten sie ihr Vieh am anderen Ufer blöken hören. Es gibt Berichte, dass noch einige Zeit ein regelrechter Schmuggel betrieben wurde, um Sachen vom eigenen Hof oder sogar Tiere über die neue Grenze zu holen. ... Außerdem bestanden teilweise enge Familienbande zu beiden Seiten des Flusses, denn die Neiße war bis dahin keine Staatsgrenze und auch keine Sprachbarriere, ...“3) Abb. 4: 50 Złotych 1. August 1941, Bank Emisyjny w Polsce, Rs. die Sukiennice am Rynek Główny (Tuchhallen am Hauptmarkt ) in Krakau; in Polen bezeichnet man diese Ausgaben für das Generalgouvernement wegen des Emissionsorts auch „Krakauer Zloty“ („złoty krakowski“). Die Entlohnungsbedingungen waren sehr unterschiedlich und wurden erst 1946 rechtlich festgeschrieben. Im April wurden gleiche Löhne wie im übrigen Polen festgelegt, mit einer 25-%igen Sozialversicherungsabgabe! Die Menschen tauschten ihre Reichsmark auf dem Schwarzmarkt. Es gab aber auch Hilfsleistungen durch kommunale polnische Verwaltungen durch die Ausgabe von Essen, Lebensmittelkarten oder die Bezahlung ärztlicher Behandlung durch die Steuereinnahmen, die die Deutschen leisten mussten. Eingenommene oder konfiszierte Reichsmark wurden von den Behörden teilweise und illegaler Weise für Einkäufe in der sowjetischen Besatzungszone jenseits der Neiße verwendet. Obwohl es weiterhin keine Geldreform gab, sickerte der neue Złoty auf vielerlei Wege auch in den „Zipfel“. Niederschlesien litt stark unter dem Mangel an Umlauf- und Kleingeld. Eine Entlohnung von 40 bis 50 % durch Naturalien, Schuhwerk und Kleidung war Mitte 1946 noch üblich. Das deutsche Münzgeld wurde per Dekret vom 5. August 1947 außer Kraft gesetzt. Durch die Aussiedlung des größten Teils der deutschen Bevölkerung bis dahin, die ihre noch vorhandenen Reichsmark-Bestände mitnahmen, war das Währungsproblem fast abgestellt. Durch die Währungsreform am 30. Oktober 1950 war dann das Währungsdurcheinander der Nachkriegszeit im weitesten Sinne gelöst. Neue Geldscheine und Kleinmünzen wurden eingeführt. Abb. 5: 500 Zlotych 15. Januar 1946, Rs. mit einer Ansicht auf Danzig mit Krantor von der Mottlau aus; man setzte bewusst ein Danziger Motiv ein, um sie zur "polnischen Stadt" zu erklären. Michael H. Schöne Anmerkungen: 1) zitiert aus: Dziewanowski-Stefańczyk, Bartosz „Das Geld in den »Wiedergewonnenen Gebieten«“ aus „Die Währungsreform in Polen in den Jahren 1944–1945“ in: „Aufbrüche“, Folge 8–9, Berlin 2015/2016. 2) vergl.: Dannenberg, Dr. Lars-Arne „Do hoan uns die Polen nausgetriebm. (Vertreibung, Ankunft und Neuanfang im Kreis Zittau 1945-1950)“, Königsbrück 2020. 3) zitiert aus dem Interview von Anja Beutler mit Dr. Dannenberg „Die Vertreibung aus dem Zittauer Zipfel war lange tabu“, SZ PLUS (Sächsische Zeitung online, 19.6.2015, 21:00 Uhr).
- Einige Bemerkungen zur Ningpo Commercial Bank
Die Ningpo Commercial Bank (上海四明銀行) öffnete ihre Pforten am 16.8.1909, also noch zur Kaiserzeit, in Shanghai. Manager war ein gewisser Sūn Héngfǔ (孫衡甫), dessen Unterschrift wir auf der Rückseite aller von der Bank ausgegebenen Noten finden. Abb.1: 1 Yuan 1909, Vorder- und Rückseite. Schon im Jahr der Eröffnung, also 1909, wurden die ersten Banknoten emittiert. Sie zeigen, wie damals üblich, als Zeichen der Verbundenheit zum Kaiserhaus, auf Vorder- und Rückseite zwei Drachen. Außerdem sieht man eine Gebirgslandschaft. Dabei handelt es sich um einen Berg des Sìmíng-Gebirges (四明山) bei der Stadt Ningbo (寧波). Der abgebildete Berg ist 1028 m hoch. Entsprechend lautet der chinesische Name der Bank 上海四明銀行 = Sìmíng Bank in Shanghai. Später, als die Bank viele Filialen in anderen Städten hatte und nicht mehr auf Shanghai beschränkt war, ließ man die ersten beiden Zeichen 上海 weg und die Bank nannte sich auf Chinesisch nur noch 四明銀行, also einfach „Sìmíng-Bank“. Die Bank war rein kommerziell ausgerichtet, das Kapital stammte zu 100% aus privaten Quellen. Von Anfang an verfügte sie über reichlich Geld, genauer über 500.000 Liang (im Englischen meist als Tael bezeichnet), und es gab Bürgschaften über weitere 1,5 Millionen Liang. Alle Mitglieder des Vorstands sowie der Manager Sūn Héngfǔ stammten aus der Stadt Ningbo (nahe Shanghai), teilweise waren es die bekanntesten Kaufleute in Shanghai. Allesamt spielten sie eine bedeutende Rolle in Chinas aufstrebendem Kapitalismus. Eine besonders wichtige Rolle nahm dabei ein gewisser Yú Qiàqīng (虞洽卿) ein. Er war „Komprador“ der Niederländischen Handels-Maatschappij und Präsident einer von Ningbo aus operierenden Schifffahrtsgesellschaft. Er wurde Co-Manager der Ningpo Commercial Bank. Yú erkannte frühzeitig, dass es mit dem Kaisertum zu Ende ging und unterstützte finanziell die Rebellen, die 1911 die Monarchie endgültig abschafften. So gelang es ihm, die Ningpo Commercial Bank über die Revolutionswirren zu retten. Abb.2: 5 Yuan 1920, Specimen. Nach der Revolution waren Banknoten mit dem kaiserlichen Drachensymbol natürlich verpönt, daher mussten neue Banknoten her. Die erste nach-revolutionäre Ausgabe zeigte das Hauptgebäude der Bank in Shanghai. Abb.3: 10 Yuan 1920. Etwas später (noch im seleben Jahr) gab man wieder Banknoten mit dem Sìmíng-Gebirge aus. Abb.4a: Shanghai, Abb.4b: Ningbo, Abb.4c: Hankow, Abb.4d: Wuchang. Weil ein Yuan nicht überall gleich war, versuchten manche, daraus Kapital zu schlagen. Sie versuchten, in einer Ortschaft, wo der Yuan etwas weniger wert war, in größerer Menge Noten der Bank zu erwerben und dann in der Stadt, in der man für jeden Yuan ein wenig mehr bekam, umzutauschen. Um dies zu verhindern, druckte man auf die Noten so genannte Monogramme, Kürzel für bestimmte Ortsnamen. So gab es „SH“ für Shanghai, „NP“ für Ningbo, „HK“ für Hankow (heute Wuhan). Viele derartiger Kürzel sind vorläufig nicht zuzuordnen, gerade gelang es mir, ein weiteres Monogramm zu deuten: „WC“ für Wuchang. Abb.5: 10 Yuan 1925, Monogramm „SH“ für Shanghai, Vorder- und Rückseite. 1935 wurde in China eine Währungsreform durchgeführt, deren Ziel es war, die Notenausgaben zu zentralisieren. Das so genannte Fabi-Geld wurde eingeführt, Noten durften nur noch von den vier Nationalbanken (Central Bank of China, Bank of China, Bank of Communications und Farmers Bank of China) ausgegeben werden. Davon war natürlich auch die Ningpo Commercial Bank betroffen, sie durfte jetzt keine eigenen Noten in Umlauf bringen. Die früher von ihr ausgegebenen Scheine wurden in Noten der vier Nationalbanken umgetauscht. Es ist nicht uninteressant, dass auch gewisse Lokalscheine das Motiv „Sìmíng-Berge“ aufgegriffen und das Klischee nachgeahmt haben. Hier zwei Beispiele: Abb.6: 2 Yuan, Firma Yǒngfēngchéng. Abb.6 zeigt einen Lokalschein über 2 Yuan, 1928 ausgegeben von der Firma Yǒngfēngchéng (永豐成) in Xiapu (霞浦), Provinz Fujian. Abb.7: 2 Jiao, Firma Gōngzhèngfēng. Auch der 2-Jiao-Schein aus Dàzhōngjí (大中集), Provinz Jiangsu (Abb.6) bildet den Hauptberg des Sìmíng-Gebirges ab., mit einer dazu erfunden Brücke, wie sie sich auf ganz anderen Scheinen findet. Die Note ist undatiert, sie stammt aus der Zeit des chinesischen Widerstandskampfes gegen die Japaner. Ausgegeben wurde die Note von einer Firma namens Gōngzhèngfēng (公正豐), der mit „花糧“ handelte. Das ist eine abgekürzte Schreibweise. „花“ steht für 棉花 = Baumwolle, „糧“ steht für 糧食 = Getreide. Die Firma handelte also mit Baumwolle und Getreide. Ein Teil des Lohns der in dieser Firma Arbeitenden wurde in diesen Scheinchen ausgezahlt, auf denen aber vermerkt ist, dass sie gegen Scheine in Nationalwährung umgetauscht werden können. Erwin Beyer Alle Abb. Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun.
- Die Goldobligationsanleihe in St. Andreasberg 1923
Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen und zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit die „wertbeständigen Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle etc. zunehmend bis Ende 1923 – oft verbrieft in Form von Anteilscheinen – in Umlauf kamen. So begab die Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923 eine wertbeständige Goldobligationsanleihe in Mark Gold und Dollar nordamerikanischer Währung (1 Dollar = 4,20 Mark Gold). Der Gesamtbetrag der Anleihe sollte 225.500 Goldmark (rund 52.690 Dollars) betragen. Zur Sicherstellung der Anleihe bzw. ihrer Anteilscheine wurde durch die Gewerbebank Aktien-Gesellschaft in Hannover als Treuhänder eine erststellige Sicherungshypothek für den Gegenwert von 237.500 Goldmark auf den Grundbesitz der Bergstadt St. Andreasberg (Harz) und eines großen Teils der St. Andreasberger Industrie bestellt. Es wurden in vier Serien als Notgeld verwendbare, wertbeständige Anteilscheine an der Goldobligationsanleihe ausgegeben, und zwar: Serie A: 1 Dollar = 4,20 Mark Gold, Serie B: 2 Dollars = 8,40 Mark Gold, Serie C: 4 Dollars = 16,80 Mark Gold und Serie D: 5 Dollars = 21,00 Mark Gold. Die aus den Anteilscheinen resultierenden Beträge sollten am 1. April 1924 oder vierzehn Tage nach Kündigung wie folgt vergütet werden: in so viel gesetzlichem Gelde, als dem amtlichen Mittelkurse der Berliner Börse im Durchschnitt der letzten 14 Tage vor Fälligkeit a) des amerikanischen Dollars oder b) der 6%igen Goldanleihe des Deutschen Reiches oder c) der Rentenmark entspricht. durch kostenlose Aushändigung einer Teilschuldverschreibung der Stadt St. Andreasberg (Harz) oder der Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), die mindestens ebenso wie die bisherigen Anteilscheine hypothekarisch sichergestellt ist. Nach dem 15. April 1924 erlöschen alle Ansprüche aus den am 18. November 1923 ausgegebenen Anteilscheinen. Die Anteilscheine liefen noch bis Ende 1923 als Bedarfs-Notgeld um. Die Goldobligationsanleihe wurde vom Landesfinanzamt Hannover am 4.12.1923 genehmigt und bezüglich der Sicherungshypothek am 22.11.1923 notariell beurkundet. Die Anteilscheine waren Orderpapiere und konnten rückseitig mit ausgefülltem Indossament ohne Gewähr auf Personen übertragen werden bzw. lauteten an Order des Treuhänders Gewerbebank Aktien-Gesellschaft, Hannover. Ein Indossament oder Begebungsvermerk ist ein gesetzlich vorgesehener schriftlicher Übertragungsvermerk auf einem Orderpapier, durch den die Rechte aus dem Orderpapier (insbesondere das Eigentum hieraus) ganz oder teilweise auf einen neuen Begünstigten übertragen werden. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie A, Nummer 17, über 4,20 Mark Gold = 1 Dollar nordamerikanischer Währung, ausgegeben St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie C, Nummer 63, über 16,80 Mark Gold = 4 Dollar nordamerikanischer Währung, ausgegeben St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie D, Nummer 2680, über 21 Mark Gold = 5 Dollar nordamerikanischer Währung, ausgegeben St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie D vom 18. November 1923 (Rückseite mit Indossament-Feld und Kündigungs- bzw. Rückzahlungsbedingungen). Die Anteilscheine der Industrie- und Kommunalbank A.-G. in St. Andreasberg (Harz) sind extrem selten zu finden. Sie sind katalogisiert in: Manfred Müller: "Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924" unter Nr. 4280. Die Anteilscheine sind auch von Arnold Keller in seinem Katalog „Das wertbeständiges Notgeld (Goldnotgeld) 1923/24“ beschrieben worden (im unveränderter Nachdruck der zweiten Auflage von 1954). Hans-Georg Glasemann #Notgeld #Europa #Deutschland #Mark #Dollar #Glasemann
- Ein Star unter den Stern-Noten von 1899
Es kann immer wieder vorkommen: man stöbert auf Flohmärkten in einer Kramkiste und findet einen Geldschein, den man so noch nie sah. Das kann auch beim Trödler um die Ecke passieren ... oder weltweit. 2010 fand ein Händler in den USA unter einer Menge neu aufgekaufter, auch schmutziger Geldscheine eine ungewöhnliche 1-Dollar-Note von 1899. Er war überrascht und erkannte sofort die Sensation: eine Austauschnote der Silver-Certificate-Serie 1899 (katalogisiert bei Friedberg unter # 229★1) Aber was war das Besondere bei diesem Schein? Austauschnoten mit einem Stern statt dem Prefix-Buchstaben in der blauen Nummerierung bei den SC-Noten sind verhältnismäßig selten, vereinzelt findet man die frühen Varianten mit der Unterschriften-Kombination Vernon/McClung – öfter jedoch die Variante Speelman/White. Der Autor D. Murray listet in seinem Katalog2) über 770 Ersatzscheine auf; davon nur 28 Exemplare aus der Druckzeit vom 1. November 1909 bis 14. März 1911 (Vernon/McClung, aber immerhin 197 aus der Zeit vom 25. Januar 1922 bis 2. Mai 1923 (Speelman/White). D. Bowers schätzt die Menge hingegen auf maximal 840 Stück. 3) Der entdeckte besondere Schein mit der Kontrollnummer ★1702B hat einen vollflächigen Stern (solid star) im Gegensatz zu den 770 erwähnten Noten, die einen Lochstern (star with hole) haben. Abb. 1: 1 Dollar (Silber-Zertifikat 1899), Austauschnote, bisher einziges gefundenes Exemplar mit den Unterschriften von William Tecumseh Vernon und Thomas Lee McClung. Abb. 2: Ausschnitt 2 Dollar (Treasury Note 1890), Nummerierung Standardnote mit Suffix-Stern. 1909 entschied man im Bureau of Engraving and Printing in Washington, fehlgedruckte/fehlgeschnittene Noten wie üblich auszusondern, jedoch mit einer Sondernote (replacement note) zu ersetzen. Man griff auf bereits vorhandene Sonderzeichen beim BEP, die seit 1869 für den Nummerndruck verwendet wurden: für einen Vollstern, wie bspw. bei den 2-Dollars-Treasury-Notes. Dort wurde der Stern als normales Element der Standard-Nummerierung, jedoch als Suffix verwendet. Erstmals druckte man die Austauschnoten im Jahr 1910 – 100 Jahre später fand man den vorgestellten Schein mit Vollstern. Es ist bisher nicht bekannt, wann der Wechsel vom Lochstern zum Vollstern vollzogen wurde. Den 1-$-Stern-Noten folgten am 14. Juli 1910 die Scheine zu 5 Dollars und am 27. Juli 1910 die Scheine zu 2 Dollars. Das waren alles Silver Certificates. Theoretisch sollte bei den ersten Drucken der 2- und 5-$-Noten ebenfalls der Vollstern gedruckt worden sein. Bildbelege ließen sich bis heute nicht finden – auch nicht bei den Gold Certificates 1907 (Vernon/McClung), die ebenfalls im Juli 1910 nummeriert wurden. Es folgten die Legal Tender Noten zu 5 (19. Juli 1910) und 10 Dollars (10. August 1910), die mit einem Präfix-Stern gedruckt wurden. Der Wechsel muss schon bald erfolgt sein – noch im Jahr 1910. Denn es folgten die Scheine aus der Zeit 1910/1911 immer noch mit den Unterschriften von Vernon/McClung, jedoch mit dem Lochstern. Die niedrigste registrierte Kontrollnummer mit vorgestelltem Lochstern lautet 21809B. Die Serien lassen sich nur eingrenzen und der einen oder anderen Variante zuordnen, wenn zukünftig Scheine zwischen 1703B und 21808B gefunden werden. Abb. 3: Aufstellung der seit 1910 gedruckten Austauschnoten – hier die Angaben für 1 $ Silver Certificate. Abb. 4: 1 Dollar (Silber-Zertifikat 1899), Austauschnote mit Lochstern, 6-stellige Kontrollnummer. Der erwähnte US-Händler, der den Vollstern-Austauschschein fand, wusste sofort, welchem Sammler er dieses Unikat zum Kauf anbieten sollte: Doug Murray, anerkannter Sammler von US-Papiergeld. In dessen Sammlung lag der Schein bis 2018 und wurde im Januar in Florida4) versteigert ... für 15.000 US-Dollar! Der Zuschlag lt. PMG-Erhaltung „very fine 20“ lag bei einer verhältnismäßig geringe Summe, wenn man sich an das Preisniveau für seltene US-Scheine erinnert. Abb. 5: Nummerierung der 4er-Bogen beim BEP, die Drehnummerierpresse wurde 1903 in Dienst gestellt. Nummeriert wurden anfangs die Scheine zu 4 Nutzen (Platten-Buchstaben A, B, C und D), später erweiterte man den Druck auf 2 x 4 Noten und den zusätzlichen Buchstaben E, F, G und H. Dabei wurden die Bogen von oben eingelegt, nummeriert und danach wieder oben entnommen. Abb. 6: Nr. „1“ der neuen Geldschein-Serie mit sog. Pheonen vor und nach der Kontrollnummer. Abb. 7: die letzten beiden 1-Dollar-Noten mit Pheonen vor und nach den Kontrollnummern aus einem 4er-Druckbogen. Schon Ende 1899 erfolgte der Druck der ersten „Black Eagle“-Noten; er begann mit der Kontrollnummer „1" mit sog. Pheone (Pfeilspitzen) als Präfix- und Suffix-Zeichen. Beim Erreichen der 100-Mio.-Grenze ersetzte man das Präfix-Pheon durch den Präfix-Serienbuchstaben A – das Suffix-Pheon blieb unverändert. Das führte man bis zur Kontrollnummer Z99999999 mit Suffix-Pheon fort; es folgten dann durchgehend Blockbuchstaben vor und nach der Kontrollnummer in unterschiedlichen Kombinationen – von A1A bis Z99999999Z und K1A bis zur angeblich letzten Kontrollnummer X32692000A. Der weltweit beliebte Schein mit dem Weißkopfseeadler vor dem Kapitol in Washington und dem Sternenbanner in seinen Fängen sowie den Porträts der beiden US-Präsidenten Lincoln und Grant wurde von George F. C. Smillie (1854–1924) entworfen. Michael H. Schöne Anmerkungen: 1) Arthur L./Ira S. Friedberg „Paper Money of the United States“, Clifton NJ, 19. Aufl. 2010, ISBN-13 978-0-87184-519-1 2) Douglas D. Murray „The Complete Catalog of United States Large Size Star Notes 1910–1929“, Clifton NJ, 3. Aufl. 2007, ISBN 978-0-87184-203-9 3) Q. David Bowers „Whitman Encyclopedia of Paper Money of the U.S. Paper Money“, Atlanta GA, 2009, ISBN 978-0-79482-702-1 4) angeboten bei Heritage Auctions 3.–9. Januar 2018, Tampa FL, Lot # 22067
- Die Agricultural, Industrial and Commercial Trust Company Ltd.
Vor etwa 50 Jahren erwarb ich einen chinesischen Geldschein über dessen geschichtlichen Hintergrund zunächst nichts bekannt war. Der Englische Titel lautet „THE AGRICULTURAL, INDUSTRIAL AND COMMERCIAL TRUST COMPANY; LIMITED”, was eine wörtliche Übersetzung des chinesischen Namens 農工商信託有限公司 ist. Es handelt sich um einen undatierten 1-Yuan-Schein mit dem Porträt von Sun Yatsen. Ortsangabe Zhāngzhōu (漳州) / CHANG CHOW in Süd-Fújiàn (siehe Abb. 1). Abb. 1: The Agricultural, Industrial and Commercial Trust Company, 1 Yuan ohne Datum, Vorder- und Rückseite. In Internet kann man – zumindest als Probedrucke – weitere Werte finden, nämlich 1, 2 und 5 Hao (1 Yuan = 10 Hao). Im Standard Catalog of World Paper Money (SCWPM) sind die Noten unter P.S3931–3935 aufgelistet, wobei die unteren Wertstufen fälschlich als „Chiao“-Werte angegeben werden. In ihrem Buch „A Brief Illustrated History of Chinese Military Notes and Bonds” schreibt Frau S.P. Ting, im Jahr 1918 sei die Guǎngdōng-Armee in die Provinz Fújiàn eingefallen, habe erfolgreich gegen einen gewissen Lǐ Hòujī (李厚基) gekämpft und u.a. den Ort Zhāngzhōu (漳州) eingenommen. Um die großen militärischen Kosten für den Feldzug zu decken, habe man die Scheine ausgegeben. Doch hat S.P. Ting leider keinerlei Quellen angegeben. Ich habe dann mehrfach versucht, in der Literatur und im chinesischen Internet die Angaben von Frau Ting zu verifizieren. Doch ist mir das nie gelungen. Dann sah ich im vorigen Jahr, als ich auf einer Auktion der Yangming Auction Company in Shanghai war, eine Anleihe, die von derselben Gesellschaft ausgegeben war. (siehe Abb. 2). Die Anleihe war mit „Jahr 13 der Republik“ datiert, also 1924. Das Datum passte gar nicht zu den Angaben von Frau Ting. Internet-Recherchen erbrachten zunächst wieder nichts, ich schrieb dann kurzerhand an den Bürgermeister von Zhāngzhōu und bat um Hilfe. Ähnliches habe ich schon öfter getan und erhalte fast stets eine Reaktion, auch wenn diese nicht immer weiterhilft. In diesem Fall hörte ich lange nichts. Aber dann traf vor einigen Tagen eine Mail von einem Redakteur der Zeitschrift „Minnan Daily“ (閩南日報, das bedeutet „Tageszeitung von Süd-Fújiàn) ein. Die hatte vor längerer Zeit über die Geschichte der Stadt Zhāngzhōu referiert und über ihre Recherchen im Provinzarchiv berichtet. Dadurch wurde klar, dass der Hintergrund ein ganz anderer war als Frau Ting berichtet hatte. Demnach hat „warlord“ Zhāng Yì (張毅), der 1923 nach Zhāngzhōu gekommen war, 1924 zusammen mit zwei Taiwanesen, nämlich den Herren Chén Chǎngfú (陳長福) und Chén Chánggēng (陳長庚), die hier in Rede stehende Treuhandgesellschaft mit einem Anfangskapital von 2 Millionen Yuan gegründet. Man gab Geldscheine aus sowie verzinsliche 5-Yuan-Schuldscheine. Von den Geldscheinen, die lokal gedruckt wurden, sollen nur wenige in Umlauf gekommen sein. Abb. 2: Anleihe über 2 Millionen Dollars. Die Anleihe selbst zeigt oben in der Mitte das Logo der Gesellschaft, mit den drei untereinander und in altertümlicher Schrift geschriebenen Zeichen 農, 工und 商 (für „agriculturtal, industrial und commercial“). Daneben ein in der chinesischen Mythologie beliebtes Motiv, die „fliegenden himmlischen Jungfrauen“ (飛天仙女), zwei links und -spiegelbildlich- zwei rechts. Dem aufmerksamen Betrachter der Anleihe fällt vielleicht auf, dass „2 Millionen“ in der Form „200,0000“ statt „2,000,000“ dargestellt wurde. Das beruht darauf, dass im Chinesischen „2 Millionen“ als „200 (mal) 10.000“ (兩百萬) geschrieben wird. Am 8. Oktober 1926, also nur etwa zwei Jahre nach der Gründung der Gesellschaft, wurde die Stadt Zhāngzhōu von Hé Yīngqīn (何應欽), dem Ersten Befehlshaber des sog. Nordfeldzugs, eingenommen. Die Treuhandgesellschaft musste schließen, die Banknoten verfielen, die Schuldscheine wurden nicht eingelöst. Erwin Beyer Abb.-Nachweis: Abb. 1 Huang Qi, vormals Sammlung E. Beyer Abb. 2: Yangming Auction Company, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun
- Zwei Banken, die oft verwechselt werden
In westlichen Katalogen zu chinesischem Papiergeld werden zwei Banken, die einen sehr ähnlichen, jedoch nicht gleichen Namen tragen, verwechselt und durcheinander geworfen. Der Standard Catalog of World Paper Money (SCWPM) ist ein Beispiel dafür: unter P.S2854 bis S2965 finden sich die Noten beider Banken gemeinsam bei einer einzigen Bank aufgelistet. Der chinesische Name der einen Bank besteht aus sechs Zeichen und lautet 東三省官銀號, wörtlich „Regierungsbank der drei Ostprovinzen“, während der Name der anderen Bank nur aus fünf Zeichen besteht und 東三省銀行 lautet, was „Bank der drei Ostprovinzen“ bedeutet. Mit den drei Ostprovinzen meinte man die Mandschurei, bestehend aus den drei Provinzen Fèngtiān (heute Liáoníng), Hēilóngjiāng und Jílín. Die eine Bank (東三省官銀號,) wurde noch unter dem vorletzten Kaiser der Qing-Dynastie gegründet, genauer im Jahre 1905, mit Sitz in Mukden, heute Shěnyáng (瀋陽) genannt und Hauptstadt der Provinz Liáoníng. In Mukden gab es schon vorher eine Bank der Provinzregierung, sie hieß 奉天官銀號 (Regierungsbank von Fèngtiān), aber infolge des russisch-Japanischen Krieges war diese Bank in eine Schieflage geraten. Um das Finanzwesen der Mandschurei wieder zu stabilisieren, gründete General Zhào Ěrxùn (趙爾巽) eine neue Bank mit Sitz in Mukden, eben die 東三省官銀號 (mit sechs Zeichen), die als Zentralbank für die Mandschurei fungieren und eigenes Geld emittieren sollte. 1908 wurden dann die ersten Noten ausgegeben. Sie waren durch Silber gedeckt, Silberstandard war „dà lóng yuán“ (大龍元), wörtlich „großes Drachensilber“, was sich auf eine Silbermünze mit Abbildung eines Drachen bezieht. Auf manchen dieser Noten wurde der englische Name „TOONG SAN SANG BANK“ verwendet. „TOONG SAN SANG“ ist die lokale Aussprache der drei Zeichen 東三省 (Aussprache im Hochchinesischen: „dōng sān shěng“). Sowohl unter Kaiser Dézōng in der Periode Guāngxù als auch unter seinem Nachfolger Pǔyí (Epoche Xuāntǒng) wurden auf Silber bezogene Noten ausgegeben, und es gelang tatsächlich, die Finanzen der Mandschurei einigermaßen in Ordnung zu bringen. Abb.1a/b: 1 Liang 1908 (Guāngxù Jahr 34) Abb.2a/b: 10 Jiao 1909 (Xuāntǒng Jahr 1) Nach der Xīnhài-Revolution 1911, welche das Kaisertum abschaffte und die Republik China schuf, arbeitete die Bank weiter und gab auch wieder Banknoten aus. Jetzt jedoch benutzte sie einen anderen englischen Namen, nämlich „THE BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES“ und etwas später leicht verändert „PROVINCIAL BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES“, zwischendurch auch „THE PROVINCIAL BANK OF MANCHURIA“, und genau diese drei Namen sind es, die zur Verwechslung mit der anderen Bank führten. Abb. 3a/b: 50 Jiao 1913 (Titel THE BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES) Abb. 4a/b: 1 Yuan 1917 (Titel THE PROVINCIAL BANK OF MANCHURIA) Abb.5: 5 Yuan 1929 (Titel PROVINCIAL BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES) 1920 wurde Zhāng Zuòlín (張作霖) Generalgouverneur der drei mandschurischen Provinzen. Für seine militärischen Unternehmungen benötigte er viel Geld, daher kam er auf die Idee, eine Bank mit Hauptsitz in Hā'ěrbīn (哈爾濱), Provinz Hēilóngjiāng, zu gründen. Diese Bank, die er 東三省銀行 (fünf Zeichen) nannte, wurde als eine Art Aktiengesellschaft gegründet und war mit einem Anfangskapital von 8 Millionen Yuan in Silber ausgestattet. Es wurden 80.000 Aktien zu jeweils 100 Yuan ausgegeben. Die eine Hälfte davon wurde von Privatleuten erworben, die andere von Regierungen der drei Provinzen. Es war eine rein kommerzielle Bank. Die Anteile sollten jährlich 6% Zinsen bringen. Auch diese Bank hatte von Beginn an das Recht, Noten zu emittieren. Zunächst wollte man Noten nach dem so genannten „Xiǎoyáng“ (小洋) Silberstandard ausgeben. Das ist ersichtlich aus Druckproben zur 1. Serie. Diese Druckproben zeigen nämlich auf der Rückseite den Satz 壹圓作十二角用, was man mit „jeweils 12 Jiao machen 1 Yuan aus“ übersetzen kann. Nun hatten aber zwei in China führende Banken, die Bank of China und die Bank of Communications, in Hā'ěrbīn schon Noten nach einem besseren, so genannten Hādàyáng (哈大洋) Silberstandard emittiert. Bei diesen Scheinen galt, dass man schon mit 10 Jiao-Münzen einen Dollar kaufen konnte. Solche Noten galten beim Volk als besonders vertrauenswürdig. Unter Führung von Zhāng Zuòlín kam man daher überein, dass die neu auszugebenden Noten aus Wettbewerbsgründen ebenfalls diesem Standard entsprechen sollten. Die schon gedruckten Noten wurden nun auf der Vorderseite mit dem Satz 兌換現大洋 (= „wird in Dayang gewechselt“) versehen; auf der Rückseite wurde die Angabe mit den 12 Jiao-Münzen durch ein Ornament überdruckt und so unleserlich gemacht. Abb.6a/b: 1 Yuan 1920 der neuen Bank 1921 gab die Bank eine Reihe von Kleingeld-Noten aus, welche die Münzen ersetzen sollten, nämlich 5 Fen, 1 Jiao und 2 Jiao. Die Ortsangabe 哈爾濱= Hā'ěrbīn zeigt, dass die Noten nur in dieser Stadt und ihrer näheren Umgebung umlaufen sollten. Auf der Rückseite findet man den englischen Namen, ganz ähnlich dem von der anderen Bank benutzten: „THE EASTERN PROVINCIAL BANK“. Abb. 7a/b: 1 Jiao 1921 „THE EASTERN PROVINCIAL BANK” Schon kurz nach der Ausgabe dieser Noten entschloss man sich, diesen englischen Namen nicht mehr zu verwenden. Schon auf den Kleingeldnoten, die nur 2 Jahre später erschienen, finden wir den neuen Namen „BANK OF MANCHURIA“, ebenfalls sehr ähnlich dem von der anderen Bank verwendeten Namen. Abb. 8a/b: 1 Jiao 1921, „BANK OF MANCHURIA” Im Dezember 1923 gab es in große Unruhen in Hā'ěrbīn, die Menschen hatten das Vertrauen in Papiergeld verloren und viele wollten ihre Noten in Silbermünzen umtauschen. Wegen der Schwierigkeiten in Hā'ěrbīn verlegte man den Hauptsitz der Bank kurzerhand nach Mukden in der damaligen Provinz Fèngtiān (heute Liáoníng). Aber hier war die Situation ähnlich und die Bank sah keine Zukunft mehr für sich. Zunächst wollte man es noch mit einer Neuausgabe von Banknoten versuchen, dieses Mal natürlich mit Ortsangabe 奉天 bzw. MUKDEN, aber über das Stadium von Probedrucken ist diese Ausgabe nie hinausgekommen. Abb.9: Druckprobe 1 Yuan 1924, Mukden Am 15.6.1924 wurden zwei Banken, nämlich die Fèngtiān Industrial Bank (奉天興業銀行) und die hier in Rede stehende „Bank of Manchuria“ (東三省銀行) in die „Provincial Bank of Three Eastern Provinces“ (東三省官銀號) inkorporiert. Die Bank bestand bis 1932. In diesem Jahr wurde von den Japanern auf dem Gebiet der Mandschurei „Manchukuo“ gegründet, ein reiner Marionettenstaat. Die neu gegründete „CENTRAL BANK OF MANZHOU“ (滿洲中央銀行), die am 1. Juli 1932 ihre Pforten öffnete, gab sogleich eigene Noten aus. Alle in den drei Provinzen kursierenden Scheine mussten in die neuen Noten umgetauscht werden. Für 1,25 Yuan der „Provincial Bank of Three Eastern Provinces“ bekam man 1 Yuan in der neuen Währung. Erwin Beyer Bildnachweis: Abb.1, 2, 3 und 6, Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun Abb.4,5,7 und 8: www.banknote.ws , Erlaubnis durch P. Mösselberger Abb.9 ehemalige Sammlung E. Beyer
- Währungsaustausch 1964 in der DDR
Folgendes Szenario hatte sich im Hochsommer 1964 so oder so ähnlich im Süden der DDR abgespielt: Auf einer Dienstreise fuhr ein Abteilungsleiter eines Reifenwerkes am Freitag, dem 31. Juli, auf der damaligen DDR-Autobahn A 6 von Dresden aus in Richtung Eisenach. Kurz vor dem „Hermsdorfer Kreuz“ überraschte ihn eine Rundfunkmeldung aus dem Autoradio. Es erschreckte ihn, als er vernahm, dass „auf Beschluß des Ministerrates der DDR die Ausgabe von neuen Banknoten ab 1. August 1964 erfolgt.“ Die Erinnerungen an den Banknotenaustausch vom 13. Oktober 1957 wurden wach: seit den Morgenstunden informierte der DDR-Rundfunk über den Tausch an jenem Sonntag. Damals vor knapp sieben Jahren konnten je Person 300 D-Mark im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht werden. Alles nur an diesem Tag und nur von 12.00 bis 22.00 Uhr durch Vorlage des Personalausweises (schon ab 20.00 Uhr war das 1948er Papiergeld ungültig – mit Ausnahme der 50-Pfennig- und 1-DM-Banknoten). Weiteres Geld wurde auf Konten gutgeschrieben, wenn die Herkunft plausibel erklärt werden konnte. Abb. 1: 50 DM 1948, Vorderseite, Lochentwertung, Stempel: „22.10.1957“ und „Zur Gutschrift § 9 / Spezialumtauschkasse / Berliner Stadtkontor“ (vergl. „Einführung der MDN / Umtausch alter Scheine“ www.banknotesworld.com 28. September 2008, Sammlung: Kai Lindman). Unter der Bezeichnung „Aktion Blitz“ wurde im Herbst 1957 überraschend ein Geldscheinaustausch der Serie 1948 mit der neuen 1955 gedruckten Serie durchgeführt. Die DDR-Staatsführung hatte aus ihrer Sicht gute Gründe für einen blitzartigen Austausch: Spekulanten, Schiebern und Schmugglern sowie Wechselstubenbesitzern im Westen sollte der Garaus gemacht und der Schwindelkurs verhindert werden. Originaltext aus der Verordnung über die Ausgabe neuer Banknoten vom 13. Oktober 1957 (GBl. I, Nr. 73/1957, Seite 603) im Ton damaliger amtlicher Sprache: „Diese Maßnahmen werden getroffen, weil die Monopolisten und Militaristen in Westdeutschland gewisse Mengen von Banknoten in ihren Besitz gebracht haben mit dem Ziel zu spekulieren, Störungen in unserer Volkswirtschaft zu organisieren und Agenten- und Spionageorganisationen zu finanzieren. Es liegt daher im Interesse der Bürger der Deutschen Demokratischen Republik und des demokratischen Sektors von Groß-Berlin, diejenigen Banknoten, die im Besitz westdeutscher und westberliner kapitalistischer Kreise und Agentenorganisationen sind, wertlos zu machen...“ Wie wird das nun diesmal?“ war die Frage – passiert das alles am kommenden Sonnabend wieder? Eventuell am darauf folgenden Sonntag, wie meist bei solchen Aktionen? Der Dienstreisende im Auto musste das klären. Er stoppte am „Hermsdorfer Kreuz“ vor der HO-Raststätte „Teufelstalschänke“, rief das Sekretariat seines Betriebs südlich von Dresden an und erfuhr, dass in der Zeitung schon alles stünde, auch Abbildungen von den neuen Banknoten wären zu sehen. So setzte er seine Fahrt fort und konnte am Ziel seiner Reise, im VEB Automobilwerk Eisenach, im „Neuen Deutschland“ alles nachlesen, alles anschauen: Abb. 2: Titelseite „Neues Deutschland“ vom 31. Juli 1964 (ND-Archiv). „Berlin (ND). Das Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates teilt mit: Der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik beschloß in seiner Sitzung vom 30. Juli 1964, die Deutsche Notenbank zu ermächtigen und zu beauftragen, neben den bereits im Umlauf befindlichen Banknoten neue Banknoten mit dem Ausgabedatum 1964 auszugeben. Die neuen Banknoten tragen das Emblem der Deutschen Demokratischen Republik, das Bildnis hervorragender Persönlichkeiten der deutschen Geschichte wie Alexander von Humboldt, Friedrich von Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Engels und Karl Marx. Die neuen Banknoten tragen auf der Rückseite Abbildungen, die das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Deutschen Demokratischen Republik charakterisieren, wie die Humboldt-Universität, den VEB Carl Zeiss in Jena, das National-Theater in Weimar, die Darstellung einer Getreideernte und das Brandenburger Tor. Die neuen Banknoten sind im Format handlicher als die zur Zeit im Umlauf befindlichen. Vom 1. August 1964 an wird als Währungsbezeichnung der Deutschen Demokratischen Republik eingeführt: »Mark der Deutschen Notenbank«, wodurch aber der Goldgehalt, die Kurse und die Preise, d. h. die Kaufkraft der Währung, nicht geändert werden. Die Ausgabe der neuen Banknoten erfolgt, vom 1. August dieses Jahres an. Die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik werden ab 1. August ihre fälligen Löhne, Gehälter, Renten, Stipendien usw. in neuen Banknoten erhalten. ... Der Ministerrat hat in diesem Zusammenhang beschlossen, daß die alten Banknoten neben den neuen Banknoten vom 1. August d. J. bis zum 30. April des kommenden Jahres, also neun Monate lang, noch gesetzliches Zahlungsmittel sind. Das bedeutet, daß jedermann, d. h. Bürger, Betriebe, Einrichtungen und Verwaltungen ihre Zahlungen sowohl in alten als auch in neuen Banknoten vornehmen können, aber auch jedermann verpflichtet ist, sowohl alte als auch neue Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel anzunehmen. Nach Ablauf dieser neun Monate können weitere sieben Monate lang alte Banknoten von jedermann bei allen Banken, Sparkassen und Postämtern gegen neue Banknoten eingewechselt werden. Während dieser Zeit, d. h. vom 1. Mai 1965 bis zum 30. November 1965, sind Bürger, Betriebe, Einrichtungen und Verwaltungen nicht mehr verpflichtet, aber auch nicht mehr berechtigt, alte Banknoten entgegenzunehmen. Im Unterschied zum Geldumtausch am 13. Oktober 1957 handelt es sich bei der jetzigen Ausgabe der neuen Banknoten um eine infolge der natürlichen Abnutzung erforderliche Erneuerung durch moderne, dem Wesen unseres Staates entsprechend gestaltete Banknoten. ... Der Ministerrat spricht allen, die an der Herstellung und Herausgabe der neuen Banknoten beteiligt sind, den Dank aus.“ Grundlage dieser ND-Mitteilung war die Verordnung über die Erneuerung der Banknoten der Deutschen Notenbank vom 30. Juli 1964, unterschrieben von Bruno Leuschner, Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, und Willy Rumpf, Minister der Finanzen der DDR. Diese Verordnung trat am 1. August 1964 in Kraft. Auf der 4. Sitzung des Ministerrates am Donnerstag, dem 30. Juli 1964, war die Erneuerung der Banknoten der Deutschen Notenbank beschlossen worden. Es folgten dort die Erklärung des Ministers der Finanzen der DDR und eine anschließende Pressekonferenz des Presseamts am selben Tag. Auf der Konferenz waren auch der Präsident der Deutschen Notenbank, Helmut Dietrich, und der Direktor der Deutschen Notenbank, Johannes Weissflog, anwesend. Die Deutsche Notenbank wurde auf Grund des § 2 Abs. 2 des Gesetzes vom 31. Oktober 1951 über die Deutsche Notenbank ermächtigt und beauftragt, neben den bereits umlaufenden Banknoten ab 1. August 1964 die neuen Banknoten auszugeben. Interessant ist die wiederholte Aussage aus der Pressekonferenz. „Daß die neuen Banknoten auf »Mark der Deutschen Notenbank« lauten und die Währungsbezeichnung der DDR ab 1. August 1964 dahingehend geändert wird, hat nichts mit einer Änderung der Preise, des Goldgehaltes oder anderen finanzpolitischen Änderungen zu tun. Die neue Währungsbezeichnung knüpft an die deutsche Tradition an.“ Damit wurde de facto die Deutsche Mark in der DDR und Ostberlin abgeschafft – MDN hieß fortan die neue Währungsbezeichnung. Gesetzliche Grundlage war also DAS DDR-Gesetzblatt II Nr. 75/1964, Seite 653. Unter der Zwischenüberschrift „So sehen die neuen Geldscheine aus“ wurde die aus fünf Wertstufen bestehende neue Serie in allen DDR-Zeitungen abgebildet. Abb. 3: „Neues Deutschland“, S. 3, vom 31. Juli 1964 (ND-Archiv) Alle hier zitierten Texte (in Kursiv) wurden der SED-Zeitung „Neues Deutschland“ entnommen; die Bilddaten wurden freundlicherweise von Frau Angela Wichmann (Abt. Information/ Dokumentation, Neues Deutschland Druckerei und Verlag GmbH, Berlin) zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank. Angaben zu den 1964er Banknoten findet man auch im Sachbuch „Die Münzen und Banknoten der Deutschen Demokratischen Republik“, herausgegeben 1989 von der Staatsbank der DDR, bzw. „Die Geldzeichen der DDR“ von Günter Graichen, 1982. In der Verordnung vom 30. Juli 1964 sind alle bildliche Darstellungen sowie technische Daten zu den Banknoten aufgeführt, wie Maße, Farben und Wasserzeichen usw. Tatsächlich war die neue Serie VON 1964 die grafisch gelungenste Ausgabe aller DDR-Banknoten. Außer Kurs gesetzt wurde sie zum 31. Dezember 1982, knapp zehn Jahre vor Einführung der letzten DDR-Geldschein-Serie (Verordnung über die Außerkraftsetzung von Banknoten der Ausgabe 1964 vom 29. Juni 1982, GBl. I, Nr. 27/1982, Seite 499). Die 1971/1975er Banknoten kamen erst 1973 (50 M), 1975 (10 DM), 1976 (20 M), 1978 (100 M) und 1979 (5 M) in Umlauf. Dabei wurden leider die Porträts von Alexander von Humboldt (5 MDN) und Friedrich von Schiller (10 MDN) durch Bildnisse von Thomas Müntzer (5 M) und Clara Zetkin (10 M) ersetzt. Wichtig war auch folgende Textpassage „... Die Münzen der Deutschen Notenbank zu 1 und 2 Deutsche Mark werden nicht erneuert, sie bleiben auch nach dem 30. April bzw. nach dem 30. November 1965 gesetzliches Zahlungsmittel.“ So galt neben den 1955er Banknoten die Deutsche Mark weiterhin auch in Münzform. Die 1-DM-Münzen mit den Prägejahren 1956, 1962 und 1963 sowie die 2-DM-Münzen mit dem Prägejahr 1957 wurden erst zum 1. Januar 1981 ungültig und durch „Mark“-Münzen ab den Prägejahren 1972 bzw. 1974 ersetzt. (GBl. I/1978, Nr. 38, Seite 419). Abb. 4: 2 und 1 DM, Vorderseite, Aluminium. Abb. 5: Banknotenset 5–100 MDN 1964, Vorderseiten: roter Aufdruck und Perforation MUSTER mit 5-stelliger Ausführungs-Nr., Rückseiten: roter Aufdruck MUSTER (aus C.G. Christoph Gärtner Auctions, dort am 5./6. Juni 2019 in der 44. Auktion für 800,00 Euro ausgerufen und ersteigert). Leider sind die Gestalter der 1964er Banknoten-Serie namentlich nicht bekannt; Auskünfte erteilte seinerzeit die Staatsbank der DDR auf Nachfrage nicht. Am 23. Mai 1973 antwortete Herr Remus lediglich: „... Die Nennung der Gestalter ist nicht üblich. ...“ Und es muss erwähnt werden, dass die neuen Banknoten in der Sowjetunion, bei der damaligen Staatsdruckerei Goznak Moskau, gedruckt wurden. Dem wurde von amtlicher Stelle stets widersprochen. Michael H. Schöne
- Die Bank von Ost-Hebei (冀東銀行)
Nach der Gründung von Mandschukuo versuchten die Japaner, ihren Einfluss auch auf die angrenzenden Gebiete auszudehnen. Eines der Gebiete, für das die Japaner ein besonderes Interesse zeigten, war Ost-Hebei mit Tianjin (天津) als wichtigster Stadt. Um ihre Ziele durchzusetzen, arbeiteten die Japaner mit chinesischen Politikern zusammen, die Japans Interessen vertraten. Einen solchen Kollaborateur fanden sie in Yin Rugeng (殷汝耕). Dieser wurde 1883 in Pingyang (平陽), Provinz Zhejiang geboren. Als junger Mann hatte er in Japan studiert, auch hatte er eine Japanerin geheiratet, mit deren Hilfe er Kontakte zu den höchsten politischen und militärischen Kreisen Japans knüpfte. Nach Abschluss seiner Studien kehrte Yin nach China zurück und beteiligte sich aktiv an Aktionen gegen das Qing-Kaisertum. Nach der Revolution 1911 wurde er zunächst Mitglied der Kuomintang. Dann nahm er sein Studium in Japan (Jura) wieder auf. Wieder in China, stellte er sich in den Dienst der Beiyang-Regierung und half bei der Gründung der Bank of China. 1926 nahm er an der „Nordkampagne“ von Tschiang Kai Schek teil. Später wurde er mehrfach beauftragt, zwischen Chinesen und Japanern zu vermitteln, z.B. nach dem Massaker von Shanghai. 1933 wurde Yin Rugeng Verwaltungskommissar für die entmilitarisierte „Zone Ost-Hebei“ (冀東). Die Japaner hatten vor, in verschiedenen Nordprovinzen Chinas autonome – d.h. Japan-hörige, von der Nationalregierung Tschiang Kai Scheks unabhängige – Gebiete zu gründen. Yin Rugeng war der erste, der darauf einging und das Gebiet um Tianjin, bestehend aus 22 Kreisen, am 25.11.1935 für autonom erklärte. Seither gilt Yin Rugeng bei den Chinesen als „großer Landesverräter“. Abb. 1: Yin Rugeng auf einer zeitgenössischen Postkarte Sitz der autonomen Regierung von Ost-Hebei war zunächst Tongzhou (通州, ein Stadtteil von Peking), aber nach dem Thongzou-Zwischenfall wurde der Regierungssitz im August 1937 nach Tangshan (唐山 ) verlegt. Als williger Erfüllungsgehilfe der Japaner tat Yin Rugeng alles, um die in „seinem“ Gebiet wohnenden Chinesen für Japan zu begeistern. So ließ er z.B. die Schulbücher dahingehend umändern, dass alle Bezüge zur Nationalregierung gelöscht und stattdessen Beiträge zur japanischen Kultur gebracht wurden. Die lokale Tageszeitung „Jìdōng Rìbào“ (冀東日報) brachte ebenfalls nur regierungsfreundliche Beiträge. Ein autonomes Gebiet muss natürlich seine eigene Währung haben. Bereits im November 1936 wurde die „Bank von Ost-Hebei“ (冀東銀行) mit Hauptsitz in Tianjin gegründet und mit einem Kapital von 5 Millionen Yuan ausgestattet. Von der japanischen „Central Bank of Manchukuo“ wurde Personal bereitgestellt, auch logistische Hilfe wurde geleistet. Schon 1937 machte die Bank von ihrem Notenrecht Gebrauch; es wurden Münzen und Banknoten im Gesamtwert von etwas mehr als 8,3 Millionen Yuan emittiert. Die Münzen über 1 Li, 1 Fen, 5 Fen, 1 Jiao und 2 Jiao wurden in Osaka geprägt. Die Banknoten zeigen zwar keine Druckerei, aber es ist bekannt, dass sie in Japan durch die Druckerei des Finanzministeriums hergestellt wurden. Abb. 2a/b: 1 Fen 1937, Vorder- und Rückseite. Die Münzen tragen allesamt ein Datum, nämlich „Jahr 26“ = 1937. Hier sei als Beispiel die 1-Fen-Münze aus Kupfer abgebildet. Die Banknoten, die wegen ihrer nur einjährigen Umlaufzeit ziemlich selten sind, sind nicht datiert, die Vorderseite ist graviert, die Rückseite lithographiert. Ausgegeben wurden die Wertstufen 5 Jiao, 1 Yuan, 5 Yuan, 10 Yuan, die 100-Yuan-Note scheint nicht in Umlauf gebracht worden zu sein, sie ist nur als (primäres) Muster bekannt. Auch auf den ausgegebenen Noten finden sich keine Unterschriften. Wohl aber ein rotes Siegel, es zeigt acht Zeichen in alter Siegelschrift: 冀東銀行總經理章 = Siegel des Hauptmanagers der Ost-Hebei-Bank. Wer das war, ist mir unbekannt. In der chinesischen Geschichtsschreibung kommt sein Name nicht vor, niemand soll sich an ihn erinnern. Abb. 3: Amtssiegel auf den Banknoten. Von allen Noten sind Specimen bekannt, von den meisten Wertstufen gibt es zwei völlig verschiedene: Einmal „primäre“ Specimen, Blocknummer 0, Kontrollnummer 000000, auf beiden Seiten in Rot „Specimen“ in Schreibschrift und 樣本, dazu drei Lochungen, eine durch das Siegel, zwei durch die Wertangabe. Diese Muster tragen alle auf der Rückseite eine schwarze Nummer, im hier gezeigten Beispiel 000076. Abb. 4a/b: 5 Jiao, „primäres“ Specimen, Vorder- und Rückseite. Daneben gib es „sekundäre“ Specimen, das waren normale Umlauf-Noten, die später zu Mustern umfunktioniert wurden. Sie tragen alle Blocknummer 1 und eine gewöhnliche Kontrollnummer, dazu in Schwarz „SPECIMEN“ und 樣本. Außerdem finden sich acht Lochungen zur Entwertung. Auch diese Muster tragen eine Muster-Nummer, allerdings als Perforation. Abb. 5a/b: 1 Yuan, „sekundäres“ Specimen, Vorder- und Rückseite. Die Wertstufen im Einzelnen: Abb. 6a/b: 5 Jiao, Vorder- und Rückseite. 5 Jiao: Auf der Vorderseite ist der „Shanhaiguan“ (山海關) abgebildet, ein strategisch wichtiger Pass, ein Durchbruch durch die Chinesische Mauer bei der Stadt Qinhuangdao (秦皇島市) in der Provinz Hebei. Dieser Durchgang galt lange Zeit als einzige Verbindungsmöglichkeit zwischen den Zentrum Ost- und Nordostchinas. Es fällt auf, dass die Wertangabe auf der Rückseite „50 FEN“ lautet. Abb. 7a/b: 1 Yuan, Vorder- und Rückseite. 1 Yuan: Rechts auf der Vorderseite sieht man einen Abschnitt der Chinesischen Mauer. Abb. 8a/b: 5 Yuan, Vorder- und Rückseite. 5 Yuan: Auf der rechten Notenhälfte findet man eine Pagode. Joe Boling (in Schwan-Boling, WWII Remembered) behauptet, es handele sich um die „Yu-Sheng Pagode“, aber eine solche kann ich nirgendwo finden. Es ist jedoch in Wahrheit eindeutig die Rándēng- Pagode (燃燈塔) in Tongzhou. Abb. 9: 10 Yuan, Vorderseite. 10 Yuan: Diese Note bildet rechts den Eingang zu einem Haus ab, das bei Schwan-Boling „Ta Ch’eng Tien“ genannt wird, eine mir leider unbekannte Bezeichnung. Es ist jedoch sicher, dass es sich um den Eingang zu einem konfuzianischen Tempel in Tongzhou handelt. Abb. 10: 100 Yuan, Specimen, Vorderseite. 100 Yuan: Das doppelstöckige Gebäude auf der rechten Notenhälfte ist ein der Göttin Guanyin gewidmeter Pavillon des Dule-Tempels (獨樂寺) in Kreis Ji, Tianjin. Schon 1938 waren die Noten ungültig, sie wurden ersetzt durch Noten der Federal Reserve Bank of China (中國聯合準備銀行), eine der sog. "Puppet-Banks" der Japanischen Besatzer. Die „Bank von Ost-Hebei“ verlor das Recht zur Notenausgabe und wurde mit der Mengjiang-Bank (蒙疆銀行, Bank für den japanischen Marionettenstaat auf dem Gebiet der sog. "Inneren Mongolei") zu einem rein kommerziellen Institut zusammengelegt. 1945, nach der Kapitulation der Japaner, wurde Yin als Landesverräter verhaftet und nach Nanjing gebracht. Vor Gericht brachte er zu seiner Verteidigung vor, seine Handlungen seien durchaus patriotisch gewesen, aber er wurde zum Tode verurteilt, der Oberste Gerichtshof bestätigte dieses Urteil am 8.11.1947. Am 1.12.1947 wurde Yin durch Erschießen hingerichtet. Erwin Beyer Bildnachweis: Abb. 1, 2 und 3: Erwin Beyer Abb. 5 und 10: www.chinazhibi.com, Erlaubnis durch Wang Jie Abb. 4, 6, 7, 8 und 9: Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun
- Geldscheine zum D-Day
An die Landung der Alliierten an der normannischen Küste in Frankreich erinnern sich jährlich viele Menschen zum 6. Juni, dem sog. D-Day. Während der „Operation Overlord“ gingen 1944 Truppen der USA, Großbritanniens und Kanadas von England aus an die feindlichen Strände. Abb. 1: Landung amerikanischer Truppen am 6. Juni 1944 am Omaha Beach (Quelle: National Infantry Museum Foundation, Columbus, USA). Zum Gedenken daran gibt es eine handvoll „fancy notes“ aus den USA und Frankreich, aber auch Sondermünzen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien, der Tschechischen Republik und Neuseeland. Abb. 2/3: 1 Million Dollar 2015, Vs. General Eisenhower, Rs. Szenen der Landung US-amerikanischer Truppen. Abb. 4: 0-Euro-Souvenirschein 1917 zum D-Day, Landkarte mit den Code-Namen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword für die jeweiligen Landungsstrände nördlich von Caen. Abb. 5/6: 2 Euro 2014, Sondermünze Frankreich (links); 2 Dollars 2019, Sondermünze Kanada (rechts). Außer den US-amerikanischen, britischen und kanadischen Seeleuten, Soldaten und Fliegern kamen auch französische Einheiten bei der Landung im Juni 1944 zum Einsatz. Und sie brachten Geldscheine mit, die in den USA gedruckt waren. Noch in England wurde der Sold an alle Alliierten in französische Francs ausgezahlt, die zuvor noch niemand gesehen hatte. Abb. 7: Männer der 5. Fallschirmbrigade betrachten das Geld, welches sie auf dem französischen Festland verwenden werden (fotografiert am 3. Juni 1944 auf dem englischen Flughafen Faiford bei Swindon in Gloucestershire). Vorgeschichte: Im Dezember 1943 traf man in Washington die Entscheidung zum Druck einer „Special Invasion Currency“ für die Verwendung bei der Besetzung europäischer Länder durch US-amerikanische und britisch-kanadische Truppen. Zuvor hatte der britische Botschafter dem US State Department gemeldet, daß die Londoner Regierung eine französische Landeswährung bevorzuge, die vom Französischen Komitee der Nationalen Befreiung zu genehmigen sei. Dadurch verzögerte sich die Entscheidung über die Geldschein-Frage für einige Wochen. Ende Januar 1944 erinnerte der britische Kriegsminister Sir James Grigg den mittlerweile zum SHAEF-Oberbefehlshaber ernannten General Dwight D. Eisenhower an die Klärung der Währungsfrage mit den Franzosen. Bis Anfang Mai 1944 wurde keine Einigung erzielt. Ende Mai schlug Eisenhower „eine Lösung der Verzweiflung“ vor und ließ eine Proklamation vorbereiteten. In dieser sollten neben den kursierenden französischen Francs-Noten („Metropolitan Francs“ = „Francs métropolitaine“) auch die Geldscheine der Alliierten („Supplemental French Francs Currency“ = „Francs français complémentaires“) zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt werden. Die Proklamation sollte entsprechend der Frontlage veröffentlicht werden und die Franzosen über die „Zusätzlichen Französischen Francs“ informieren. Man stellte den Franzosen ein Ultimatum bis zum 28. Mai 1944. Der Oberbefehlshaber und sein Stabschef bezweifelten zwar ihr Recht auf eine solche Verkündung und die Verwendung des Invasionsgelds – da war das Geld aber längst gedruckt und lag in England bereit. Der Auftrag zum Druck für diese Geldscheine vergab das US-Kriegsministerium über das US-Finanzministerium und die Staatsdruckerei an die Privatdruckerei Forbes. In der geheimen „Operation Tom Cat“ wurden drei Lieferungen der „Supplemental Francs“ von New York aus über England nach Frankreich verschifft: die erste Lieferung am 15. Februar 1944, die letzte am 27. Juni 1944. Abb. 8: Verpackung der „Supplement French Francs“ unter Aufsicht des Secret Service in der Druckerei Forbes – gut zu sehen sind Kisten mit je 32.000 Scheinen zu 100 Francs „XF 32/TOMCAT“. Schon Tage vor der Invasion wurden die Truppen mit französischen Francs versorgt. Zum einen waren das die gültigen Francs-Noten der Banque de France und zum anderen die eigens in den USA gedruckten Geldscheine. Vor dem D-Day kam General de Gaulle nach London und wurde von der bevorstehenden Landung der Alliierten informiert. Er brachte seinen Groll über die kleine Menge an vorhandenen BdF-Noten und die Unmenge an „Zusatz-Francs“ zum Ausdruck, sah das Vorrecht des Komitees beeinträchtigt und verbot die Übersetzung von 180 französischen Verbindungsbeamten auf das Festland. General de Gaulle lenkte bei der Währungsfrage nicht ein und sah sich verletzt, da in der Proklamation weder sein Name noch das Französische Komitee der Nationalen Befreiung erwähnt wurden und er „eine Art Übernahme der Macht in Frankreich durch ein Alliiertes Militärkommando“ vermutete. Er warnte außerdem davor, daß „die Ausgabe einer sogenannten französischen Währung in Frankreich ohne Zustimmung der fran-zösischen Behörden zu ernsthaften Komplikationen führen würde.“ Um die Kriegslage nicht zu beeinträchtigen, entschlossen sich US-Amerikaner und Briten zur Ausgabe des Invasionsgelds und der Festland-Francs. Die Währungsfrage spitzte sich Wochen später derweil immer mehr zu. Abb. 9/10: 5 Francs Serie 1944, Vs. und Rs. mit Graffiti von Angehörigen des 5. US-Ranger-Bataillons, Datum: 6. Juni 1944 (Quelle: https://theddaystory.com Portsmouth, GB). Abb. 11: Navy-Offizier Joseph P. Vaghi erklärt französischen Dorfbewohnern den Wert des Invasionsgelds (fotografiert am 19. Juni 1944 in St.-Laurent-sur-Mer/Omaha Beach). Am 14. Juni 1944 kam François Coulet, ein Kommissar der erst zehn Tage zuvor in Algier ausgerufenen Provisorischen Republik, in die Normandie und wurde von der Bevölkerung stürmisch empfangen. Verwundert sah er erstmals die neuen Geldscheine vom „Typ Dollar“ und riet den Banken, dieses Geld nicht wieder in Umlauf zu bringen. Der Legende nach soll General Charles de Gaulle nach seinem Eintreffen am 27. Juni 1944 in Frankreich mit der Faust auf den Tisch geschlagen und das Alliiertengeld mit der Trikolore auf den Rückseiten der Scheine als „Falschgeld“ bezeichnet haben; er verbot deren Umlauf. Beim Treffen de Gaulles mit US-Präsident Franklin Roosevelt am 6. Juli 1944 erpresste man die Franzosen. Roosevelt gab de Gaulle unmissverständlich zu verstehen: falls das französische Volk das Invasionsgeld nicht akzeptiere, würde er General Eisenhower ermächtigen, statt dessen „Yellow-Seal-Dollars“ der US-Amerikaner und „BMA“-Noten der Briten in Umlauf zu bringen – de Gaulle wäre dann für mögliche negative Auswirkungen verantwortlich. Danach lenkte General de Gaulle ein, forderte aber den Druck neuer Scheine mit der Auftragserteilung durch die Franzosen. Seine erhoffte Anerkennung als oberster französischer Staatschef durch die Alliierten erfüllte sich nicht. Abb. 12: 50 Francs 1944, Musterschein mit Null-Numerierung. Abb. 13: Rs. Ausgabe der „Supplemental Francs“, 50, 100, 500, 1.000 und 5.000 Francs 1944. Abb. 14: Neue Rs. Ausgabe der „Committee French Francs“, ebenfalls von 50 bis 5.000 Francs. Darüber hinaus sagte General de Gaulle, dass er über das Radio ankündigen würde, dass das Volk die Scheine nicht annehmen sollte, wenn das alliierte Hauptquartier dieses Geld ausgeben würde. Die Verhandlungen zwischen den USA-Amerikanern und dem CFLN (Comité français de Libération nationale) ergaben Vereinbarungen zum Druck neuer Geldscheine noch 1944. Vier Druckaufträge Frankreichs gingen in die USA: der erste wurde vom CFLN erteilt, die anderen von der im August 1944 gebildeten GPRF (Gouvernement provisoire de la République française). Schon im Juli 1944 standen 104.000.000 „Flaggenscheine“ in 3.250 Holzkisten bei der Federal Reserve Bank of New York für den Transport nach Europa bereit. Sie wurden fortan weiter verwendet und sollten bis zum Eintreffen neuer, geänderter Scheine (Rückseitenaufdruck „FRANCE“ statt der Trikolore) gesetzliche Zahlungsmittel bleiben. Die großformatigen Scheine liefen bis zum 15. Juni 1945 um und wurden durch die „Committee French Francs“ (auch „Provisional French Francs“, ohne den Aufdruck „ÉMIS EN“) ersetzt. Die kleinformatigen zu 2, 5 und 10 Francs blieben bis Juli 1946 in Umlauf. Die erste Lieferung erfolgte am 31. August 1944, die Restlieferung am 2. Oktober 1945. Die Scheine waren in acht Kartons zu je 4.000 Stück in Kisten verpackt. Auf denen war der Codename „Mushroom“ der Operation aufgebracht. Im November 1944 befanden sich nochmals 10.000 Kisten mit insgesamt 320.000.000 Scheinen in einem New Yorker Wertdepot. Deshalb unterscheidet man heute zwischen „Billets drapeau“ und „Billets France“. Alle Scheine wurden auf dem bekannten Wasserzeichenpapier mit „ALLIED MILITARY AUTHORITY“ gedruckt; sie tragen ebenfalls das Druckerzeichen „F“ für Forbes. Die kleinwertigen Scheine zu 2, 5 und 10 Francs wurden in der Folgeserie nicht wieder gedruckt. Abb. 15: Francs 1944, 27 mm Ø, Messing. Neben den beiden Serien der US-Amerikaner wurden später auch die im Juni 1945 in England gedruckten 500 und 1.000 Francs o. D. (1945) „Typ Marianne“ ausgegeben. Eine weitere Besonderheit sind die 2-Francs-Münzen, die 1944 in der Philadelphia Mint geprägt wurden. Einen offiziellen Auftrag zur Herstellung hat es angeblich nie gegeben. Weder das US-Kriegsministerium noch die Franzosen hatten solche Münzen bestellt; auch die Briten kommen als Auftraggeber nicht infrage. Angeblich waren es Privatpersonen, die für diese Münzen verantwortlich sind, sie wurden über Marokko und Algerien dennoch nach Frankreich gebracht. Es wurden 50 Millionen Stück geprägt, die man 1949 aus dem Zahlungsverkehr nahm. Michael H. Schöne












