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- Ein Thüringer im Westharz und sein "Gutschein" von 1921
Als mit den Kleingeldscheinen (Notgeld in Pfennig-Beträgen) aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und danach das Sammeln von Geldscheinen in Deutschland immer beliebter wurde, war der Schritt hin zu den sog. "Serienscheinen", die nur noch für die Alben der Sammler produziert und verkauft wurden, nicht mehr weit. Neben Städten und Gemeinden gaben auch Vereine und private Geschäftsleute Serienscheine aus, die heute sogar häufig zu den selteneren Ausgaben gehören. Zu diesen gehört auch der "Gutschein" über den merkwürdigen Betrag von 60 Pfennig des Papierhändlers Fritz Croenitz aus Gandersheim am Westharz im damaligen Land Braunschweig aus dem Jahr 1921 (gültig bis 8. Mai 1922). Croenitz macht bei seinem "Gutschein" – im Unterschied zu den meisten Serienscheinen – als Alleininhaber der Firma Westharzer Papierhaus keinen Hehl daraus, dass es sich in Wahrheit um Reklame handelt und schreibt: Dieser Gutschein unterscheidet sich Vom Staatsnotgeld ganz wesentlich. Für Sammler, Kunden nur bestimmt, Weil niemand ihn in Zahlung nimmt. Reklame muss nun einmal sein, Deshalb erschien auch dieser Schein! Ich grüss die Freunde im Beruf, Für die den Schein ich auch nur schuf! Wenn nächstes Jahr bis 8. Mai bringt jemand diesen Schein herbei, So zahle ich 6 Groschen raus Reklame dieses ist dann aus. Ich zahle sie mit meiner War, In Reichsnotgeld selbst auch in bar. Auf der Rückseite wird auch geklärt, warum es sich nicht um Notgeld, sondern um einen "Gutschein" handelt. Außerdem nimmt der Unternehmer hier auch Bezug zu seinen thüringischen Wurzeln, weshalb der Schein auch für Sammler von Notgeld und Serienscheinen aus Thüringen von Interesse ist. Neben der Darstellung der Stiftskirche von Gandersheim mittig oben, finden wir links oben Stadtwappen sowie zwei Ansichten (Leuchtenburg und Jenaisches Tor) seines Geburtsortes Kahla an der Saale sowie rechts oben Stadtwappen und Ansichten zum Ochsen- bzw. Pferdemarkt seines Heimatortes Buttstädt. Beide Städte sind Sammlern natürlich durch ihre eigenen Serienscheine bekannt, ganz besonders Kahla, das gleich mehrere Serien ausgab und wo auch damals schon eine Notgeldausstellung stattfand. Siehe dazu auch unseren Beitrag: https://www.geldscheine-online.com/post/bilder-einer-ausstellung Gandersheim wird als Geschäfts-Wohnsitz seit 1910 genannt. Ein Blick in das "Deutsche Reichsadressbuch für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft" von 1919 verrät, dass unter der damaligen Kreisstadt Gandersheim in Braunschweig mit 2.711 Einwohnern bei "Buchdruck" und "Papiergroßhandel" lediglich eine Firma C. F. Hertel angegeben ist. Vermutlich wird diese dann von Fritz Croenitz als Alleininhaber übernommen worden sein. Auf der Vorderseite finden sich ein Porträt des Händlers, ein patriotisches Gedicht, das unmittelbar Bezug auf die damalige Situation nach dem "Diktat-Frieden" der Entente-Mächte von Versailles nimmt und schließlich ganz unten eine kleine Übersicht über die vom Westharzer Papierhaus gehandelten Waren. Gedruckt wurde der Schein in der eigenen Firma auf Papier ohne Wasserzeichen. Gandersleben Mit seinem "Reklame-Schein" war Fritz Croenitz damals nicht allein (wir kennen auch andere Serienscheine, die diesem Zweck dienten), auch nicht mit seinem Patriotismus nach dem folgenreichen Ersten Weltkrieg und dem Frieden von Versailles, der schließlich in eine Inflation ungeahnten Ausmaßes führen sollte, die Fritz Croenitz noch nicht ahnen konnte, als er u.a. schreibt: Und wenn Parteien erst mal heller Und fleischen sich nicht selbst entzwei, Dann ist "Entente-Macht" vorbei! Wir trotzen dann den lieben Herren Und unser Geld wird sich vermehren, Papier verschwindet immer mehr Und unsre Mark find't mehr Begehr! Das genaue Gegenteil trat ein, nachdem Deutschland mit der Erfüllung der immensen Forderungen des Versailler Vertrags in Rückstand geriet und französische und belgische Truppen das zum Vorwand nahmen, um 1923 das Rheinland zu besetzen. Damit begann der rasante Absturz der Mark und der Weg in die Hochinflation. Was dieser Schein – mehr als viele andere Serienscheine dieser Zeit – deshalb ist, er ist nicht nur ein interessanter Beleg der Geld-, sondern auch der Zeitgeschichte, den uns der Papierhändler aus Thüringen hinterlassen hat, der damals sein Geschäft in Gandersheim am Westharz betrieb. Hans-Ludwig Grabowski
- Noch mehr Geld-Kunst des Matej Gábriš
Letzte Woche stellten wir verschiedene Projekte des slowakischen Künstlers vor, die in Deutschland eher unbekannt sind, aber in seiner Heimat und der Tschechischen Republik bereits auf großes Interesse bei Sammlern stoßen. Gábriš geht es nicht um möglichst viel Profit durch den Verkauf seiner Fantasie-Banknoten, sondern um die Gestaltung von Geldscheinen als grafische Kunstobjekte. Deshalb realisiert er nur sehr kleine Auflagen über Druckereien in Bratislava und Prag. Ich möchte Ihnen heute noch mehr seiner Arbeiten vorstellen, darunter auch solche mit deutschem Bezug und ganz aktuelle Projekte. Deutschland Nr. 17: 20 Deutsche Mark ohne Datum (Druck: 13. April 2014) Auflage: 400 Scheine Saarland Nr. 47: 2 Francs / Mark von 2015 (Druck: 15. Juni 2015) Auflage: 650 Scheine DDR Nr. 67: 300 Mark von 2016 (Druck: 21. Mai 2016) Auflage: 600 Scheine Kosovo Nr. 71: 20 Dinara von 2016 (Druck: 24. Juni 2016) Auflage: 680 Scheine Saarland Nr. 78: 100 Francs / Mark von 2017 (Druck: 13. Februar 2017) Auflage: 1.100 Scheine Niederländisch Indien De Javasche Bank Nr. 83, 10 Rupies von 2017 (Druck: 5. Mai 2017) Der Original-Entwurf wurde entstand 2015 für den JB Numismatic Club in Singapur. Von den ursprünglich 700 gedruckten Scheinen wurden beim Beschneiden viele zerstört, so dass nur die angegebenen 334 Scheine übrig blieben. Auflage: 334 Scheine Slowakei Nr. 106, 50 Korún 2018 aus Kunststoff mit Durchsichsfenstern zum 50. Jahrestag des "Prager Frühlings" von 1968. (Druck: 13. August 2018) Auflage: 693 Scheine Niederlande Projekt von Jaap van Rossum: 45 Gulden von 2018 "Anne Frank" Auflage: 1.300 Scheine Moravany nad Váhom Ein ganz aktuelles Projekt war ein Schein für die westslowakische Gemeide Moravany nad Váhom: 100 Korún vom 5. Oktober 2019 (mehrsprachig in: Slowakisch, Deutsch, Tschechisch, Rumänisch und Ungarisch). Auflage unbekannt. Vatikan Ebenfalls vom 5. Oktober 2019 ist das Projekt eines vatikanischen 500-Lire-Scheins mit Porträt des seit 2014 amtierenden Papstes Franziskus. Weimar Das neueste Projekt ist ein 50-Billionen-Mark-Schein (Weimarische Philosophische Banknote) vom 5. November 2019 zu ehren von Friedrich Nietzsche. Sämtliche Papier-Scheine sind auf Wasserzeichen-Papier gedruckt. Die Drucke auf Kunststoff ähneln den bekannten Polymer-Scheinen, sind aber etwas dicker und stabiler im Griff. Mehr Informationen findet man auf https://www.gabrisbanknote.com Hans-Ludwig Grabowski
- Die Geld-Kunst des Matej Gábriš
Unlängst stellte ich in diesem Blog das neue Buch über die Fantasie-Banknoten des slowakischen Künstlers Matej Gábriš vor. Yuri Minkin / Henrieta Gábrišová / Jaap van Rossum: "Money Art – Notes as a Way of Expression" Ich hatte angekündigt, dass ich hier einige weitere Arbeiten von ihm vorstellen werde, die ich von der Sammlermesse Sberatel Anfang September 2019 aus Prag mitgebracht habe. Das möchte ich hiermit gerne tun, zumal etliche Sammler interessiert nachgefragt haben. Gábriš begann 2012 mit seiner "Geldkunst". Wir zeigen Beispiele seiner Arbeit aus verschiedenen Jahren. Makedonien Nr. 9: 200 Denari vom August 2013 Auflage: 800 Scheine Griechenland Nr. 54: 10 Eurodrachmen vom 16. September 2015 Auflage: 600 Scheine Norwegen Nr. 66: 1000 Takk vom 21. Mai 2016 Auflage: 900 Scheine Lappland Nr. 85: 100 Kroner Sami vom 20. Juni 2017 Auflage: 800 Scheine Danzig Nr. 88: 200 Zlotych vom 19. Juli 2017 Auflage: 759 Scheine Åland Nr. 107, 100 Kronor vom 37. Juli 2018 Auflage: 876 Scheine Ost-Görlitz Nr. 108, 100 Zlotych vom 10. Oktober 2018 Auflage: 1003 Scheine Deutschland Nr. 113, 50 Deutsche Mark vom 1. November 2018 Auflage: 1.200 Scheine Pitcairn Im Rahmen eines exklusiven Projekts wurde 2018 eine ganze Serie zu 1, 5, 10, 20, 50, 100 und 200-Dollars-Scheinen von Pitcairn, wo einst die Meuterer mit ihrer Bounty zusammen mit Frauen von Tahiti Zuflucht fanden und heute noch einige von deren Nachfahren leben, aus Kunststoff mit Durchsichts-Fenstern (ähnlich Polymer-Kunststoff, aber etwas fester) hergestellt. Wir zeigen Ihnen den 1-Dollar-Schein. Die Auflagenhöhe ist mir leider nicht bekannt und wird auch in dem erwähnten Buch nicht genannt. Hans-Ludwig Grabowski
- Die Schweizer 20-Franken-Banknote und der Nobelpreis für Physik
Am 8. Oktober 2019 gab das Nobelpreis-Komitee in Stockholm bekannt, dass der diesjährige Nobelpreis für Physik an die beiden Schweizer Physiker Michel Mayor und Didier Queloz sowie den Kanadier James Peebles überreicht werde. Eine Ehre, die für jeden Gelehrten die Krönung für seine langjährigen Forschungen darstellt. Die drei Wissenschaftler haben vor beinahe 25 Jahren den ersten Planeten, der um einen sonnenähnlichen Stern ausserhalb unseres Sonnensystems kreist, entdeckt. Das Ganze wird errechnet aus der farblichen Änderung des Sternenlichts, wenn der Planet beim Umkreisen seiner Sonne mal näher und mal weiter von uns entfernt ist. Diese astrophysikalische Methode hat unterdessen dazu geführt, dass in der Zwischenzeit mehr als 4000 weitere solche Himmelskörper entdeckt wurden, welche wie die Planeten in unserem Sonnensystem um eine Sonne kreisen. Man schätzt, dass Millionen solcher Planeten im Universum existieren. Was hat das alles mit der 20-Franken-Banknote zu tun? Die Note der neuesten Ausgabe der Schweizerischen Nationalbank (9. Emission) wurde erstmals am 17. Mai 2017 ausgegeben, und sie hat diese epochale, physikalische Entdeckung mit „Nobelpreischarakter“ bereits integriert. Das Hauptelement dieses Nominales beschäftigt sich mit dem Thema Licht. Die auf der Vorderseite abgebildete Hand hält ein Prisma, welches das Licht in ein Spektrum aufteilt. Darunter die Erdkugel (übrigens ein spannendes Sicherheitsmerkmal), mit verschiedenen Sternenbildern eingefasst. Der unterhalb dieser Erde verlaufende Sicherheitsstreifen ist ein weiteres Hauptelement der Note. Schauen Sie dort mal genau hin! Links sieht man den Umriss der Schweiz und ihrer angrenzenden Gebiete und, mit kleinen blinkenden Kreisen dargestellt, die regionalen Lichtemissionen der Städte bei Nacht. Uns interessiert jedoch der rechte Teil. Von der Mitte aus ist in leuchtender Mikroschrift[1] eine Liste mit 21 verschiedenen Himmelskörpern und ihrer Entfernung zur Erde lesbar, gemessen in Lichtsekunden (s). Vom Mond, über unsere Nachbarn Venus, Sonne, Mars, Jupiter, etc., geht es immer weiter hinaus ins Weltall. Integriert in dieser Liste ist mit 1‘580‘000‘000s der Planet „51 Pegasi“ – und somit genau dieser erste aufgespürte Exoplanet[2], für dessen Entdeckung die drei oben erwähnten Physik-Nobelpreisträger verantwortlich waren. Wenn Sie "nur" an Banknoten interessiert sind, müssen Sie ab hier nicht mehr weiterlesen! Trotzdem gibt es noch weitere spannende Sachen in dieser Liste zu finden; etwa unser nächster Fixstern „Proxima Centauri“, natürlich einiges näher zu uns als 51 Pegasi. Die Entfernung zum Milchstrassenzentrum „Sagittarius A*“ (820‘000‘000‘000s) hingegen ist bedeutend größer. Einen weiteren schweizerischen Bezug findet sich unter dem 9‘800‘000‘000‘000‘000s entfernten Coma-Galaxienhaufen, „Galaxiae Comae Berenicis“. Der in die USA ausgewanderte Schweizer Astronom Fritz Zwicky hatte bereits im Jahr 1933 postuliert, dass die mit Fernrohr sichtbare Materie in diesem Sternenhaufen kaum ausreichen konnte, um die dortigen Sonnen zusammenzuhalten, und so prägte er den Begriff der sog. Dunklen Materie[3]. Schlussendlich noch etwas besonders Astronomisches, nur noch für wirkliche Fans unserer Sterne. Die angegebenen Distanzen zur Erde in Lichtsekunden sind nicht die bekannten, mittleren Entfernungen. Das wäre zu einfach, denn die Abstände zu uns ändern sich ständig, da die Umlaufbahnen ja elliptisch verlaufen. Folglich muss diese Liste auf der Banknote auf ein ganz bestimmtes Datum hinweisen. Zum Beispiel sind die 494s Abstand von Erde zur Sonne (Sol) nur rund 0,99 astronomische Einheiten, also kleiner als im Durchschnitt. Drei Mitglieder der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft, Beat Bühlmann, Roland Stadler und Christian Wernli, haben sich diesem Problem angenommen[4] und anfänglich bemerkt, dass es sich um ein Datum im Winterhalbjahr zwischen dem 8. November und dem 24. Februar handeln muss, wenn die astronomische Einheit kleiner als 1 ist; aber in welchem Jahr? Schlussendlich konnten die Drei errechnen, dass es sich um den 23. Februar 1987 um 08:52 MEZ handeln muss, was ihnen die Schweizerische Nationalbank denn auch bestätigte. Doch, was geschah an diesem betreffenden Tag? Seit physikalische Astronomie überhaupt betrieben wird, wurde an diesem betreffenden Tag die hellste bisher bekannte Supernova durch den japanischen Detektor Kamiokande II registriert, mittels eines Signals von nur gerade 11 Elektronen und das nach einer Reise von 168‘000 Jahren. Alle Rätsel zu unserer Banknote sind also lösbar! Wer findet auf weiteren Banknoten solche versteckten Rätsel? Ruedi Kunzmann [1] Siehe grün eingekreiste Fläche [2] Gemeint ist ausserhalb unseres Sonnensystems [3] Der Schweizer Dichter Friedrich Dürrenmatt hat Zwicky mit der Figur des Möbius ein Denkmal in seiner Tragikomödie „Die Physiker“ gesetzt. [4] B. Bühlmann, Die neue 20-Franken Note, in: NOVA, Monatliche Vereins-Informationen der Astronomischen Gesellschaft Luzern, Nr. 554 (Juli/August 2017)
- Ein seltener Schein der Xinjiang Government Bank
Die Xinjiang Government Bank, die den Schein emittierte, wurde 1885 von einem gewissen Liú Jǐntáng (劉錦棠), dem ersten Gouverneur der Provinz Sinkiang, gegründet, Hauptsitz der Bank war Dihua, seit 1954 heißt diese Stadt Urumqi. Anfangs hatte die Bank ein Kapital von 25.000 Liang. Der eigentliche Hauptgrund, warum die Bank gegründet wurde, war, dass man ein einheitliches Zahlungsmittel in der Sinkiang-Währung, dem „hongqian“ (紅錢) – das bezieht sich auf die roten Kupfermünzen – schaffen wollte. Bis dahin gab es nur lokale Geldscheine, ausgegeben von teils dubiosen Geschäftsleuten. Vier Jahre nach der Gründung, also 1889, nahm die Bank ihren Geschäftsbetrieb auf. Aber es sollte noch lange dauern, bis die ersten Geldscheine erschienen. Erst nachdem die Bank 1908 ganz neu aufgestellt (reorganisiert) wurde, kam es zur Notenausgabe. Das Kapital war inzwischen auf 1.200.000 Liang angewachsen. Man ließ 1 Million Scheine über 400 Wen (oder „Cash“) in „Hongqian“-Währung in Shanghai drucken. Papier und Druck weisen eine für damalige Zeit hervorragende Qualität auf. Warum aber gerade 400 Wen? Weil 400 Wen „Hongqian“ genau 1 Liang Silber entsprachen. Wegen ihrer Größe und der abgebildeten Drachen (ein Symbol des Kaisers) wurden die Noten allgemein als „große Drachennoten“ bezeichnet. Die Noten wurden von der Bevölkerung voll akzeptiert, ebenso wie Silbermünzen, da man der Regierungsbank voll und ganz vertraute. 1911, unter dem letzten Qing-Kaiser, gab es weitere Ausgaben, ebenfalls mit den Drachensymbolen, hier waren die Papierqualität und der Druck bei weitem nicht so gut. Die Bevölkerung vertraute der Bank nicht mehr, der Wert der Noten sank erheblich, denn es wurden mehr Noten ausgegeben als Deckung vorhanden war. Wehmütig wünschte man nun die „alten Drachennoten“ zurück. Die Note ist selten, wenn auch nicht extrem selten. Inzwischen kenne ich zehn Personen bzw. Museen, die diese Note besitzen. Zuletzt wurde der Schein in der Yangming-Auktion vom 12. Oktober 2018 versteigert, bei einem Ausruf von 80.000 Yuan für 94.300 Yuan, das sind ziemlich genau 12.000 €. Am 24. Oktober 2019 wird der abgebildete Schein in der SINCONA-Auktion 62 in der Schweiz versteigert. Hier geht es zum Online-Katalog der Auktion! Erwin Beyer
- Gutscheine der Rudelsburg von 1921
Unlängst nutzte ich einen Besuch in Weimar für einen Ausflug auf die Rudelsburg bei Bad Kösen an der Saale. Rudelsburg und die nur wenige hundert Meter entfernte Ruine der Burg Saaleck bilden ein einzigartiges Ensemble in der "Thüringer Toskana", wie sich die Region selbst nennt, die heute zu Thüringen und Sachsen-Anhalt gehört. Rudelsburg, Burgwirt: Gutschein über 50 Pfennig ohne Datum (Ende 1921), Schein 1 Vorderseite: Links Turm der Rudelsburg, Mittig Komplettansicht der Rudelsburg, Rechts Türme der Burgruine Saaleck, Unten Text 1: "An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn. Ihre Dächer sind zerfallen und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin." Rückseite: Ansicht von Rudelsburg und Burg Saaleck über dem Saaletal zwischen Bad Kösen und Bad Sulza, links und rechts je eine Rose, unten Text "An der Saale hellem Strande" Im 19. Jahrhundert wurde die Burgruine ein beliebtes Ziel für Wanderer und Treffpunkt für Studenten aus Jena, Leipzig und Halle. 1826 dichtete der Berliner Student Franz Kugler aus Stettin auf der Rudelsburg sein berühmt gewordenes Lied "An der Saale hellem Strande". Im Revolutionsjahr 1848 trafen sich 500 Corps-Studenten auf der Burg um die Gründung eines Dachverbands der deutschen Studentenverbindungen vorzubereiten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden Besucher auch auf der Burg bewirtet. Ende 1921 nutzte der damalige Burgwirt die Popularität der Burg und die Gunst der Stunde, als Serienscheine gerade zu einem Sammelboom in Deutschland führten, zur Ausgabe einer Serie von fünf Gutscheinen zu je 50 Pfennig, die hier vorgestellt werden sollen. Die Gutscheine waren laut Aufdruck bis einen Monat nach Aufruf nur im Zahlungsverkehr der Burg gültig. Rudelsburg, Burgwirt: Gutschein über 50 Pfennig ohne Datum (Ende 1921), Schein 2 Vorderseite: Links Ritter in Rüstung mit Schild und Schwert, Mittig Komplettansicht der Rudelsburg, Rechts Erscheinung einer jungen Frau, Unten Text 2: "Zwar die Ritter sind verschwunden, nimmer klingen Speer und Schild. Doch dem Wandersmann erscheinen in den altbemoosten Steinen oft Gestalten zart und mild." Rückseite: Bootspartie auf der Saale mit Rudelsburg und Burg Saaleck, links und rechts je eine Rose, unten Text "stehen Burgen stolz und kühn" Rudelsburg, Burgwirt: Gutschein über 50 Pfennig ohne Datum (Ende 1921), Schein 3 Vorderseite: Links zwei weibliche Gestalten, Mittig Komplettansicht der Rudelsburg, Rechts junges Paar, Unten Text 3: "Droben winken holde Augen, freundlich lacht manch roter Mund. Wandrer schaut wohl in die Ferne, schaut in holder Augen Sterne, Herz ist heiter und gesund." Rückseite: Ansicht der Burgruine Rudelsburg, links und rechts je eine Rose, unten Text "Ihre Dächer sind zerfallen" Rudelsburg, Burgwirt: Gutschein über 50 Pfennig ohne Datum (Ende 1921), Schein 4 Vorderseite: Links grüßender Wanderer, Mittig Komplettansicht der Rudelsburg, Rechts winkende Frau, Unten Text 4: "Und der Wandrer zieht von dannen, denn die Trennungsstunde ruft. Und er singet Abschiedslieder. Lebe wohl! tönt ihm hernieder, Tücher wehen in der Luft." Rückseite: Zwei Frauen in einer zugigen Halle, links und rechts je eine Rose, unten Text "und der Wind streicht durch die Hallen" Rudelsburg, Burgwirt: Gutschein über 50 Pfennig ohne Datum (Ende 1921), Schein 5 Vorderseite: Links junger Mann, Mittig Komplettansicht der Rudelsburg, Rechts junge Frau, Unten Text 5: "Franz Kugler schrieb dieses Lied im Jahre 1826 auf der Rudelsburg" Rückseite: Blick über die Burgruine Saaleck auf die Rudelsburg, links und rechts je eine Rose, unten Text "Wolken ziehen drüber hin." Die Gestaltung der Scheine stammt von einem Künstler Namens Kötschau. Gedruckt wurden die Serien bei der Firma Eduard Giltsch in Jena. Ähnliche thüringische Wirts-Ausgaben sind auch vom Wachsenburg Komitte Gotha, von der Fuchsturmgemeinde Jena und von der Leuchtenburg-Wirtschaft Kahla bekannt. Der an der Universität Jena gegründete Kösener Senioren-Convents-Verband tagt seit 1849 in Kösen (mit Unterbrechung während der DDR-Zeit) und die Rudelsburg wurde zum Mittelpunkt studentischer Treffen. So findet man im Umfeld der Burg auch einige bedeutende Denkmale, so etwa in Erinnerung an die gefallenen Corps-Studenten im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, den "Kaiserobelisk" für Wilhelm I., das "Löwendenkmal" für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und das "Jung-Bismarck-Denkmal". Hans-Ludwig Grabowski
- Dr. Adolf Ehrenfeld und seine Papiergeldsammlung
Heute ist das Papiergeldsammeln zu einem schönen Hobby geworden, das neben Stunden der Erbauung viel zu unserer Bildung beiträgt, unseren Horizont erweitert, die gesellschaft-lichen Zusammenhänge vergangener Zeiten aufzeigt und die Ursachen bloßlegt, die die monetären Erscheinungen auslösten. So wird das Hobby schließlich zu einer ernsthaften Beschäftigung mit unserer geschichtlichen Vergangenheit. Da liegt es nahe, auch einmal Rückschau zu halten und zu fragen, wie sich das Papiergeldsammeln entwickelt hat. Wer waren denn die ersten Sammler, die systematisch Papiergeld zusammentrugen? Warum traten diese wenigen Pioniere doch erst verhältnismäßig spät auf den Plan, wenn man einen Vergleich mit den Münzsammlern zieht? Das hat mehrere Gründe: Münzen werden schon seit vielen Jahrhunderten gesammelt. Heute gibt es viele Münzsammlungen in aller Welt. Dagegen blieb das Sammeln von Papiergeld bis zum Ersten Weltkrieg eine Ausnahme, weil es schwer war, altes Papiergeld zu beschaffen. Heute kann man alte Münzen mit genügend Geld erwerben. Beim älteren Papiergeld bedarf es schon vieler Jahre fleißiger Arbeit. Zum anderen traten ja auch die Geldscheine relativ spät auf. Geldscheine brachte man schon wegen ihres höheren Wertes zur Einlösung, wenn diese außer Kurs gesetzt wurden. Und nur wenige konnten es sich leisten, einen solchen Schein zurückzuhalten. Auch war ein Geldschein nach dem Einzug völlig wertlos, im Gegensatz zur Münze, die doch ihren Metallwert behielt. So ist auch erklärlich, dass am Endes des 19. Jahrhunderts nur wenige ältere Papiergeldsammlungen auf der Welt existierten, die wirklich Bedeutung erlangten. Zum anderen muss man auch beachten, dass das Sammeln in dieser Zeit nur den gehobenen Ständen möglich war, ganz im Gegensatz zu heute. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fast keine Fachhändler für Papiergeld gab. Eine Ausnahme machte die Münz- und Papiergeldhandlung Zschiesche und Köder in Leipzig, die schon um 1895 seltene Scheine anbot, wo – wie aus einem alten Angebot hervorgeht – man z.B. 10 Taler Hessen von 1855 für 6 Mark erwerben konnte. Aber auch das war für den einfachen Mann der Straße schon nicht mehr erschwinglich. Alle diese Fakten wären also für den verspäteten Beginn des Papiergeldsammelns zu nennen. Zu den Pionieren des Papiergeldsammelns zählen wir Dr. Adolf Ehrenfeld aus Wien. Über seine Lebensdaten war bisher kaum etwas bekannt. Erst intensive Nachforschungen im Wiener Stadt- und Landesarchiv ergaben, dass Dr. Adolf Ehrenfeld am 28. Oktober 1836 in Lèva (Ungarn) geboren wurde. Das Wiener Adressenverzeichnis von 1880 gibt einen Hinweis. Dort erscheint er als JDr. (Dr. jur.) fürstlich Esterhazyscher Majorats-Consulent, wohnhaft Wien I., Schellingasse 7. Ab 1897 war seine Adresse auf Wien XIII., Anhofstraße 15, geändert. Er wurde jetzt als Privatier bezeichnet. Inzwischen war er Ritter des schwedischen Wasa-Ordens geworden. Seit 1876 war Dr. Adolf Ehrenfeld Mitglied der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft. Er war bekannt als Sammler von Papiergeld. Im Mitgliederverzeichnis von 1897 wird er dann aber nicht mehr aufgeführt. Inwieweit die Firma Ehrenfeld u. Co., Kommissionshandlung mit Börseneffekten und Wertpapieren, Wien I., Hohenstaufengasse 2, mit unserem Dr. Ehrenfeld zu tun hatte, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Vermutlich war er dort als Bankier tätig. Albert Pick gibt ihn in seinem Papiergeld-Lexikon auch als solchen an. Er war also schon von Haus aus prädestiniert, Papiergeld-Raritäten zu seiner Zeit bewusst zusammenzutragen und hatte auch die nötige finanzielle Basis dafür. Ehrenfeld hat schon in den 1870er und 1880er Jahren mit viel Überlegung und Fleiß zielgerichtet seine Sammlung aufgebaut und wertvolle Stücke der Nachwelt erhalten, von denen heutige Sammler nur zu träumen wagen. Er hat keinen Aufwand gescheut, um fehlende Stücke aus fernen Ländern heranzuziehen. Zu diesem Zweck hat er sogar weite Reisen unternommen. Er nutzte auch auf Geschäftsreisen jede Möglichkeit, um an interessante Scheine heranzukommen, so dass er nach einiger Zeit schon eine schöne Sammlung aufgebaut hatte. Und schließlich kam ihm auch noch ein staatliches Ereignis zugute. Die Wiener Jubiläumsausstellung der Numismatischen Gesellschaft zum 40-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs von 1888 stand vor der Tür. Hier wollte man zu Ehren des Monarchen auch sämtliche in Österreich erschienenen Papiergeldscheine ausstellen. Was lag näher, als sich an den schon bekannten Bankier Dr. Adolf Ehrenfeld mit der Bitte zu wenden, seine Exponate dafür zur Verfügung zu stellen. Dr. Ehrenfeld nahm diese Gelegenheit wahr und konnte dem Publikum auch andere Papiergeld-Raritäten präsentieren. Die Presse war des Lobes voll und zollte hohe Anerkennung. Das wiederum hatte zur Folge, dass auch offizielle Stellen der k.-u.-k.-Monarchie darauf aufmerksam wurden und seine Sammeltätigkeit sogar unterstützten. In diesem Zusammenhang ist eine Zirkularnote vom 30.6.1889 von Bedeutung, die das k.-u.-k.-Ministerium des Äußeren für alle ihre Konsularämter herausgab, in der angewiesen wurde, ihre im Amtsbereich liegenden Notenbanken zu ersuchen, Scheine ihrer älteren und neueren Ausgaben direkt an Dr. Adolf Ehrenfeld zu übersenden. Diese große Unterstützung von Seiten des Staates brachte in kurzer Zeit einen beachtlichen Zustrom von Noten, so dass die Ehrenfeldsche Sammlung schon bald einen Bestand von über 5000 Stück hatte, zumal die Museen zur damaligen Zeit den Wert einer solchen Papiergeldsammlung noch nicht erkannten. So hat Dr. Adolf Ehrenfeld viel für die Geschichte des Papiergeldsammelns getan, das spätere Generationen erst richtig zu würdigen wussten. Die Sammlung muss ein reines Raritätenkabinett gewesen sein. Heutige Sammler können sich kaum eine Vorstellung davon machen, weil es diese Stücke in so einer Anhäufung in einer Hand jetzt nicht mehr gibt. Grafiker und Kunsthistoriker fanden in der Sammlung neue Anregungen. Da wären die auf gewöhnlichem Papier in Buchdruck hergestellten Noten zu nennen und das reichte weiter bis zu den auf Büttenpapier und in Holzschnitt-Technik hergestellten Scheinen. Schließlich waren noch die auf Stein- und Kupferdruck hergestellten Noten der damaligen Zeit zu finden. Um sich wenigstens ein ungefähres Bild vom Ausmaß der Kostbarkeiten zu machen, sei hier eine Übersicht angeführt, ehe wir danach einige ausgefallene Raritäten betrachten. In der berühmten Ehrenfeldschen Papiergeldsammlung waren u.a. Scheine aus den in der Tabelle aufgeführten Ländern enthalten. In der Sammlung befanden sich insgesamt mehr als 5500 Stücke. Wenn wir das Ergebnis mit dem Umfang mancher Sammlungen aus heutiger Zeit vergleichen, so mag das wenig erscheinen, nachdem es jetzt Sammlungen mit Zehntausenden von Scheinen gibt. Aber es handelte sich damals eben um alte historische Geldscheine. Und das muss uns dann doch in Staunen versetzen! Wenn man nur die 158 Stück aus den Altdeutschen Staaten von 1772 – 1884 betrachtet, so ist das schon ein derartiger Umfang an Raritäten, den auch der eifrigste Sammler heute kaum mehr zusammentragen kann. Wir müssen uns mit einigen wenigen Exemplaren davon begnügen. Nun zu einigen besonderen Stücken, die in der Sammlung enthalten waren. Da fand man auch das älteste erhaltene Papiergeld der Welt des chinesischen Kaisers Tai-Tsu der Ming-Dynastie (1368 – 1398) in Form einer nur noch in wenigen Exemplaren existierenden 1000-Käsch-Note. Das bläuliche Papier dieser Note wurde aus den Fasern des Maulbeerbaums hergestellt (225 mm x 340 mm). Besonders selten auch das älteste noch erhaltene europäische Papiergeld: Es ist eine während der Belagerung Leydens 1574 herausgegebene Pappmünze zu 28 Stüber. Die Sammlung präsentierte auch die von der Stockholmer Bank 1653 herausgegebenen Credityf-Zedel. Schließlich waren auch die ältesten englischen Noten, die Exchequer-Bill vorhanden. Diese waren 1697 vorübergehend zu Staatsnoten erklärt worden und auf den Überbringer ausgestellt. Auch von Frankreich finden wir eine Note der Law’schen Banque Royale von 1720. Von den Noten der Oesterreichischen Nationalbank konnte man besonders die Scheine des berühmten Notenfälschers Peter von Boor bewundern. Die Sammlung enthielt auch große Mengen Notgelder von 1848/1849 aus Böhmen und Italien, die außerordentlich selten sind. Eine besondere Kuriosität stellte eine 100-Francs-Note dar. Diesen Schein ließ der französische General Beileisle zur Zeit der Belagerung von Prag 1742 als Notgeld drucken. Hierbei musste nämlich noch der Stempel des 1740 verstorbenen Kaisers Karl VI. benutzt werden, weil der Stempel Karls VII. nicht vorhanden war. Zu finden waren auch sämtliche Belagerungsnoten: Lyon (1793), Mainz (1793), Mantua (1796), Colberg (1807), Erfurt (1813). Aber auch die damals neuesten Noten fehlten nicht. Hier wären z.B. die von Gordon Pascha 1883 in Khartum herausgegebenen Scheine zu nennen, die anlässlich seiner Einschließung durch den Mahdi in Umlauf kamen. Besonders reichhaltig waren Noten der Vereinigten Staaten von Amerika vertreten. Die Aufstellung nennt ca. 1600 Stück aus der Zeit von 1775 – 1884. Beachtung verdienen auch die noch auf Pfund und Schilling lautenden Kolonialnoten. Hier müssen noch zwei bei Benjamin Franklin gedruckte 20-Schilling-Scheine von Delaware 1758/59 genannt werden. Wir finden die ersten Staatsnoten von 1777 ebenso wie die Ausgaben der konföderierten Staaten und der Nationalbanken. Wir wollen es mit diesen Andeutungen bei den Besonderheiten bewenden lassen, wohl wissend, dass noch manches schöne Stück genannt werden müsste. Heute stellt sich aber besonders die Frage, was aus der berühmten Ehrenfeld- Sammlung im Laufe der Jahre geworden ist. Die Museen hatten ja inzwischen den Wert dieser Sammlung erkannt. So war es besonders das Wiener Münzkabinett, das diese Sammlung gern erworben hätte. Trotz größtem Interesse gelang es damals nicht, von öffentlicher oder privater Seite, die Mittel für den Erwerb aufzubringen. Auch der Ungarischen Nationalbank wurde die Sammlung angeboten. Leider konnte die damalige Direktion die Bedeutung der wertvollen Sammlung nicht ermessen. Bei der weiteren Entwicklung der Sammlung sind wir heute zum großen Teil auf Vermutungen angewiesen. Fest steht nur, dass 1927 in Wien ein umfassender Katalog der Sammlung herausgegeben wurde, der in Auszügen auch für die Ausarbeitung dieser Studie mit verwendet wurde. Dieser Katalog (ohne Verfasser!) weist die Ehrenfeldsche Sammlung als eine der komplettesten und umfangreichsten der Welt aus. Hier finden wir eine fast vollständige Aufstellung aller ausgegebenen alten Papiernoten. 1927 war wohl auch das Jahr, in dem die Sammlung zum letzten Mal genannt wurde. Heute vermuten wir, dass damals diese herrliche Sammlung in Wien oder im Ausland durch Versteigerung aufgelöst und dadurch in alle Winde zerstreut wurde. Diese Vermutungen werden noch durch folgende in Erfahrung gebrachte Fakten gestützt: Dr. Adolf Ehrenfeld starb am 9. April 1903 in Wien und wohnte zuletzt im 13. Bezirk, Anhofstraße 15. Leider ist im Archiv der Stadt Wien keine Verlassen-schaftsabhandlung vorgefunden worden. Erbe unseres Dr. Adolf Ehrenfeld war Ministerialrat Dr. Richard Ehrenfeld-Popp, Wien III., Ungargasse 50, gewesen. Die Prachtsammlung hat also über 20 Jahre bei ihm gelegen. Dieser Herr stand dann 1926 in Verhandlungen mit dem Bundesdenkmalamt wegen Ausfuhr einer Papiergeldsammlung. Deshalb setzte er sich mit Dr. Loehr, dem damaligen Direktor des Wiener Münzkabinetts, in Verbindung. Dieser hatte als Konsulent des Bundesdenkmalamtes ein Urteil abzugeben. Dabei wurde die gesamte Sammlung auf 20.000 österreichische Schilling geschätzt. Das entspricht nach damaliger Umrechnung einem Wert von etwa 12.000 RM und gibt zum Nachdenken Anlass. Eine Bewertung aus heutiger Sicht würde uns in Erstaunen versetzten. Es wird dann noch festgestellt, dass der Eigentümer der Sammlung – also der Erbe – 108 Stück dem Wiener Münzkabinett gewidmet hat und dass einer Ausfuhrbewilligung für die anderen Objekte nichts entgegenstehe. Was nun tatsächlich mit der Sammlung geschehen ist, ist nicht geklärt. Für die vielen Anregungen und Hinweise zu dieser Studie gilt der besonderer Dank dem früheren Direktor des Wiener Münzkabinetts, Herrn Hofrat Dr. Bernhard Koch und Frau OR Dr. Eva Obermayer-Marnach von der Redaktion des Österreichischen Biografischen Lexikons der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, die mir alle in mühevoller Kleinarbeit halfen, die bisher weitgehend unbekannten und unbelegten Fakten zusammenzutragen und die Forschungen zu dem ganzen Themenkreis voranzubringen. Dank auch dem ehemaligen Direktor des Berliner Münzkabinetts , Herrn Dr. Heinz Fengler, der für die Nachforschungen wertvolle Hinweise gab. Ich bin mir bewusst, dass das Lebensbild dieses großen Papiergeldsammlers nicht vollständig ist und noch weitere Überlegungen angestellt werden müssen. Walter Linke Literatur: Pick, Albert: Papiergeldlexikon, München 1978 „Katalog der Papiergeldsammlung Weiland Dr. Adolf Ehrenfeld“, Wien 1927 Kupa, M.: Die Dr. Adolf Ehrenfeldsche Papiergeldsammlung, in „Der Geldschein“ 1/1976
- Die MUSTER-Banknoten der Sammlung des Geheimen Finanzrats Otto Karl Seiffert
Otto Karl Seiffert wurde am 6. Oktober 1870 in Frankfurt/Oder geboren. Nach Abschluss seiner Schulen leistete er sein militärisches Dienstjahr bei den Liegnitzer Königsgrenadieren, absolvierte anschliessend eine Lehre beim Bankhaus Selle & Matthaeus und wurde in der Folge als Stellenanwärter bei der Reichsbank angenommen. 1897 heiratete Otto Seiffert seine Liegnitzer Jugendliebe, Emma Herrmann; Anfang 1900 wurde Tochter Johanna, als einziges Kind des Paares, geboren. Die verschiedenen Beamtenstufen bei der Reichsbank erledigend, wurde Otto Seiffert Vorstand der Reichsbank-nebenstelle in Striegau, 1912 Bank-Assessor und 2. Vorstandsbeamter der Reichsbankstelle in Bandenburg/Havel. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs berief ihn das Reichsbankdirektorium in Berlin als kommissarischen Sachbearbeiter in die Hauptstadt. 1916 wurde Seiffert in den Dokumenten als Reichsbankdirektor und Rat 4. Klasse und gleichzeitig 1. Vorstandsbeamter der Reichsbankstelle Eisenach aufgeführt. Ab 1. Juli 1919 wurde Otto Seiffert zum Mitglied des Reichsbankdirektoriums und Geheimen Finanzrat gewählt. In den Jahren der Inflation arbeitete er intensiv mit – seine Unterschrift findet sich auf mehreren Ausgaben der Reichsbanknoten. Im August 1933 trat Otto Seiffert in den Ruhestand, um den Lebensabend in seiner großen Villa mit parkartigem Garten in Berlin-Dahlem zu genießen. Er starb am 24. März 1938. Mit Datum 11. Oktober 1924 gab die Deutsche Reichsbank eine neue Banknotenserie heraus und schloss damit die Periode der Inflationsbanknoten drastisch ab. Von diesem Zeitpunkt an konnten Sammler und historisch interessierte Kreise die alten Inflationsbanknoten, jetzt versehen mit dem Aufdruck MUSTER, in einem Briefumschlag mit Fenster käuflich erwerben. Die Druckproben der neuen Banknoten ab 11. Oktober 1924 weisen diesen Aufdruck MUSTER in genau derselben Schriftart auf, sodass angenommen werden kann, dass alle früheren Ausgaben mit diesem Schriftzugsmuster solchen nachinflationären Sammlersendungen entstammen. Spätere Banknotendruckproben weisen den Aufdruck MUSTER in anderer Schrift auf. Offenbar hat sich Otto Seiffert ebenfalls um eine solche Zusammenstellung mit dem MUSTER-Aufdruck bemüht, er war ja in vielen Fällen sogar an den Ausgaben beteiligt. Als Mitglied des Reichsbankdirektoriums gelang es ihm offenbar, von der neuen Notenserie vom 11. Oktober 1924 auch eine MUSTER-Serie zu erhalten. Solche Scheine, mit der Kontrollnummer A.0000000 und "MUSTER" sind bis heute noch nicht aufgetaucht, fehlen in der bekannten Literatur gänzlich und stellen dementsprechend interessante Dokumente dar. Beinahe 100 Jahre später fand sich bei einem Nachkommen Otto Seifferts eine Schachtel mit einem aufgeklebten Blatt und dem Text: Sammlung / der verausgabten Reichsbanknoten, / Reichskassenscheine und Darlehnskassenscheine. / Zusammengestellt in der Reichsbankhauptk(asse). Darin enthalten sind über 100 verschiedene Ausgaben in Briefumschlägen mit Fenster, welche Anfang November 2019 in der Auktion 153 der Frankfurter Münzhandlung Nachfolge GmbH (zum Auktionskatalog) versteigert werden. Ruedi Kunzmann www.frankfurter-muenzhandlung.de
- Südafrikanische Geldscheine aus der Zeit des Zweiten Burenkriegs – ein spezielles Sammelgebiet
Der erste große Krieg des 20. Jahrhunderts, weit weg von Europa, jedoch größtenteils von Europäern geführt, endete am 31. Mai 1902 mit dem Friedensvertrag von Vereeniging bei Johannesburg. Beide Parteien – auf der einen Seite die Buren aus den Republiken Transvaal und Oranje Freistaat mit Jan Christiaan Smuts und Louis Botha; auf der Seite die Briten mit Lord Kitchener als Verhandlungsführer – hatten eingesehen, dass ein Fortführen des Krieges das unsägliche Leid nur noch vergrößern und das Land endgültig in den Abgrund ziehen würde. Die Auslöser des Konflikts waren, wie zu vermuten, die ersten Funde von fantastischen Diamanten ca. 1870 auf britischem Territorium (unter dem Gouverneur der Kapkolonie, Alfred Milner) und vor allem die nur etwa 15 Jahre spätere Entdeckung von Goldvorkommen in Witwatersrand bei Johannesburg (Transvaal mit Paul Kruger). Die darauf einsetzende Zuwanderung und das Entstehen größerer Städte durch die vom Goldfieber angezogenen Menschen, oft englische Goldsucher und Abenteurer, führten verständlicherweise zu Konflikten zwischen der angestammten Burenbevölkerung, bekanntlich Nachfahren ehemaliger holländischer Kolonisten, und den Zuzüglern. Nun, die Buren ließen diesen Ausländern (Uitlanders) keine Chance zu einer politischen Mitbestimmung, was die Briten als wichtigen Grund für den aufkommenden Krieg anführten. Erste Gefechte verliefen allerdings meist zu Ungunsten der Engländer; anderseits gelang es den siegenden Buren kaum, Nutzen aus den gewonnenen Schlachten zu ziehen, denn sie verfolgten die fliehenden britischen Truppen nicht, so dass diese sich anschließend wieder reorganisieren und für Nachschub sorgen konnten. Durch die fehlende Strategie der Buren wendete sich in der Folge das Kriegsglück zusehends zugunsten der Engländer. Ab Mai 1900 gerieten bei solchen Kämpfen die Städte Johannesburg und Pretoria in die Hände der Briten, welche auch bei der letzten großen Schlacht von Belfast im Osttransvaal siegreich waren. Die Buren verlegten sich anschließend erfolgreich auf neue Guerillataktiken mit kleinen, flexiblen Truppenteilen. Dieses Katz- und Maus-Spiel setzte den gegnerischen Streitmächten erheblich zu, so dass die Briten eine furchtbare Gegentaktik einführten, indem sie die Familien des Gegners nun ebenfalls als Feinde in den Konflikt integrierten. Farmen der Buren wurden niedergebrannt, das Vieh geraubt und Frauen und Kinder in primitive Konzentrationslager gesteckt. Durch dieses rüde Verhalten der englischen Truppen verlor Großbritannien viel Prestige in Europa. Aus mehreren Ländern zogen engagierte Männer nach Südafrika und unterstützten die Buren in ihrem Kampf gegen die unbeliebten Briten. Man spricht von rund 3000 europäischen Waffenbrüdern der Buren, welche schlußendlich wegen der fehlenden Strategie doch unterlagen. Die Opferbilanz des Konflikts liest sich erschreckend: Die Briten hatten etwa 900.000 Soldaten in ihre Kolonie geschickt, ca. 20.000 Männer kamen nicht mehr in ihre Heimat zurück. Die Buren hatten zwischen 50.000 und 90.000 bewaffnete Mitstreiter und beklagten schlußendlich etwa 7.500 Tote in den Gefechten, aber auch bis zu 30.000 zivile Opfer. Die Schwarzen, welche auf beiden Seiten mitmachen mussten, mit etwa 10.000 bis 15.000 Gefallenen, ergänzen diese traurige Liste. Die Papiergeld-Geschichte von Südafrika widerspiegelt die verworrene Situation in diesem großen Land an der Südspitze Afrikas einzigartig, und viele spezielle Ausgaben haben Bezug zur Zeitperiode um die Wende zum 20. Jahrhundert. Wir stellen deshalb Stelle einige Beispiele vor[1]. Anlässlich dieses Konflikts wurde der britische Oberst Baden-Powell im Juni 1899 zur Unterstützung nach Südafrika geschickt, wo er sich mit seinen Truppen in Mafekin verschanzen musste. Mit weniger als 2.000 Soldaten verteidigte er sich 217 Tage lang gegen 9.000 Buren unter General Cronje. Dieses Notgeld ist Ausdruck der schwierigen Verhältnisse, welchen die damaligen Menschen ausgesetzt waren. Mafeking war die extraterritoriale Hauptstadt des Protektorates Betschuanaland, bis dieses 1965 als Botswana unabhängig wurde. Robert Baden-Powell (1857 – 1941) wurde später weltweit bekannt als Gründer der Pfadfinder-Bewegung im Jahr 1907. Ein zweites Beispiel aus derselben Gegend. Als Konsequenz von Krieg und der Belagerung von Mafekin durch Burentruppen resultierte ein Mangel an Kleingeld. Der damalige Staatssekretär von Matabele-Land und Beauftragte von Bulawayo, Marshal Hole, ließ deshalb in der Druckerei Chronicle Printing Works in Bulawayo Karten herstellen und versah diese mit Briefmarken der British South Africa Company (übrigens die einzige Briefmarken-Ausgabe dieser Company). Der Umlauf der Karten beschränkte sich allerding nur auf gut zwei Monate vom 1. August bis 1. Oktober 1900. Noch im Mai 1900, kurz vor der Eroberung durch britische Truppen, gab die Regierung der Zuid-Afrikaansche Republiek in Pretoria mehrere Nominale heraus. Erfreuen konnten sich die Besitzer der Scheine wohl kaum lange, denn die erobernden britischen Besatzer tolerierten dieses Geld offenbar nicht. Sie beschlagnahmten und demonetisierten die Scheine mittels eines Stempels C.J.C. / 44 (Central Judicial Commission). Die von den burischen Border Scouts unter Major J. Birkbeck 1902 (gegen Ende des Zweiten Burenkriegs) ausgegebene Währung wurde zuerst auf dem wenig verfügbaren Papier, später jedoch auf Uniformresten und anderen Stoffen gedruckt und beschriftet. Nach dem Abzug der meisten Weißen waren als lokale Verteidiger hauptsächlich Nachkommen von Burenbauern und einheimischen Frauen zurückgeblieben. Sie waren hervorragende Scharfschützen, gute Reiter und als Späher von großem Wert. Allerdings konnte während Monaten kein Sold ausbezahlt werden, so dass Major Birbeck zu dieser geldpolitischen Massnahme griff. Da die wenigsten der Soldaten lesen konnten, wurden für die verschiedenen Nominale auch unterschiedlich farbige Tinten verwendet. Der Umlauf der "Noten", bis zur Bezahlung der Beträge, soll vom Februar bis April 1902 stattgefunden haben. Traurige historische Dokumente zu den Internierungslagern der Engländer, die verschiedenen Nominale des Green Point Kriegsgefangenenlagers. Nahe Kapstadt wurde dieses Lager durch die britischen Truppen für ca. 5.000 gefangene Buren eingerichtet. Man beabsichtigte, diese Soldaten später in gut eingerichtete Konzentrationslager auf Ceylon oder in andere britische Kolonien zu transportieren. Heutzutage befindet an dieser Stelle (Green Point) das Fußballstadion von Kapstadt, erbaut für die Weltmeisterschaft von 2010. [1] Der Autor hat bereits einmal über eine solche spezielle Banknote berichtet, als er in Münzen & Sammeln 9 /2015 über die 1 Pond-Note 1868 aus Griqualand-Ost schrieb. Mehrere dieser hier erwähnten Beispiele versteigert SINCONA AG in Zürich anlässlich ihrer Banknotenauktion vom 24. Oktober 2019. Ruedi Kunzmann Abb. Sincona AG, www.sincona.com
- Dokumente der Reichsbank: Zur Ausgabe 1 Million Mark vom 25. Juli 1923 (Kölner Provisorium)
Wir möchten Ihnen ein weiteres historisches Dokument der Reichsbank zur deutschen Papiergeldgeschichte vorstellen, heute eine Bekanntmachung des Reichsbank-Direktoriums vom 14. August 1923 zur Ausgabe neuer Banknoten zu 1 Million Mark mit Datum vom 25. Juli 1923. Bei sämtlichen Noten mit Datum vom 25. Juli 1923 handelt es sich um sog. Hilfsbanknoten. Diese sind in der Regel nur einseitig bedruckt. Die hier angekündigte Note ist jedoch eine Ausnahme. Da für ihren Druck die Platten der Reichsbanknoten zu 20.000 Mark vom 20. Februar 1923 angepasst und u.a. von den Druckereien Bachem und DuMont Schauberg in Köln genutzt wurden, wird dieser Schein auch als "Kölner Provisorium" bezeichnet. Firmendrucke fertigten folgende Druckereien: BK J. P. Bachem, Köln DB A. Bagel, Dortmund DK M. DuMont Schauberg, Köln Hans-Ludwig Grabowski
- Papiergeld der Republik Arzach
Im Südwesten Aserbaidschans befindet sich ein kleines Staatsgebilde: die Republik Arzach (bis 2017 Republik Bergkarabach). Das überwiegend von Armeniern besiedelte Gebiet gehört völkerrechtlich zur Republik Aserbaidschan; sowohl Aserbaidschan als auch Armenien bestreiten – wie die internationale Gemeinschaft – die De-facto-Unabhängigkeit der Republik Arzach. Die Streitigkeiten um die Region nahmen ihren Lauf, als Aserbaidschan und Armenien 1918 ihre Unabhängigkeit von Russland erklärten und beide Seiten den Anspruch auf dieses Gebiet erhoben. Unter der Sowjet-Herrschaft wurde 1923 Bergkarabach der Status eines Autonomen Gebiets innerhalb der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik verliehen. In der Endphase und nach dem Fall der Sowjetunion gipfelten die Konflikte in blutigen Auseinandersetzungen. Auf der Vorderseite des 2-Dram-Scheins sehen wir ein Standbild von Gregor dem Erleuchter vor dem Gandzasar-Kloster; auf der Rückseite ist die Taufe Jesu vor dem Hintergrund des in der Kathedrale Johannes' des Täufers befindlichen, reliefverzierten Kruzifixes zu sehen. Das Motiv der Vorderseite der 10-Dram-Scheine zeigt Jesus mit zwei Jüngern sowie das Dadiwank-Kloster. Auf der Rückseite sind die Hudaferin-Brücke sowie ein Weinfass und ein Karabach-Teppich abgebildet. Die 2004 in der Österreichischen Staatsdruckerei im Auftrag der Firma Educational Coin Company aus Highland, US-Bundesstaat New York, gezielt für Sammler hergestellten staatlichen Geldscheine werden trotz ihres Status als gesetzliches Zahlungsmittel in der Republik Bergkarabach kaum verwendet. Stattdessen werden Zahlungen zumeist mit dem armenischen Dram getätigt, der zum Bergkarabach-Dram in einem festgelegten Verhältnis von 1:1 steht. Der Nennwert der Scheine von 2004 ist im Vergleich mit den Ausgaben der aktuellen armenischen Serie von 2018 (1000 bis 50.000 Dram) auch so gering, dass man für sie kaum etwas kaufen könnte. Die Scheine kamen Mitte 2004 in Umlauf, dienten aber mehr als Symbol nationaler Unabhängigkeit und sollten für Aufmerksamkeit für das bis heute international nicht anerkannte Land mit nur rund 147.000 Einwohnern sorgen. Der Druck erfolgte auf Kartonpapier mit Wasserzeichen "SECURITY PRINT by ÖSD". Kana Totsuka Abb.: Hans-Ludwig Grabowski
- Die ungarische Revolution von 1848/1849, Teil 1 – Ausgaben der Ungarischen Handelsbank
Mitte des 16. Jahrhunderts verlor Ungarn seine Unabhängigkeit, als die Osmanen einen Großteil des Landes eroberten. Der Rest Ungarns fiel an Habsburg. 1686 endete die osmanische Herrschaft mit dem Fall von Buda, als die Habsburger ganz Ungarn eroberten. Die harte Herrschaft der Habsburger führte zu Spannungen zwischen dem ungarischen Adel und dem Wiener Hof. Als am 24. Februar 1848 erneut eine Revolution in Frankreich ausbrach, sollte dies bald in weiten Teilen Europas Wirkung zeigen. Anfang März 1848 wurden in Pest die Geldwechsel-Stellen gestürmt, weil die Bevölkerung ihr österreichisches Papiergeld gegen Münzen eintauschen wollte. Immerhin waren die Noten der Oesterreichischen Nationalbank Anfang des 19. Jahrhunderts bereits zweimal durch Inflation abgewertet worden. An den Wechselstellen kam es zu Tumulten, weil diese nicht in der Lage waren, alles Papiergeld einzulösen. Der damalige ungarische Abgesandte Lajos Kossuth forderte in einer Parlamentsrede am 3. März 1848 mehr Silbergeld aus Österreich, damit das Papiergeld, dem die Menschen nicht mehr vertrauten, umgetauscht werden könne. Außerdem schlug er die Gründung eines eigenen ungarischen Finanzministeriums vor. Jetzt entluden sich die Spannungen zwischen Ungarn und Österreich in einer ungarischen Revolution im Kampf um die Unabhängigkeit. Am 11. April 1848 wurde eine erste eigenständige ungarische Regierung gebildet, die auch vom Monarchen sanktioniert war und in der Kossuth Finanzminister wurde. Kossuth begegnete den erfolglosen Verhandlungen mit der Oesterreichischen Nationalbank, die die ungarische Regierung nicht zur Kenntnis nehmen und sogar noch Gold und Silber aus Ungarn nach Wien bringen lassen wollte, indem er ein Gerücht durchsickern ließ, nachdem die Ungarn eigene Banknoten ausgeben würden. Die Oesterreichische Nationalbank wollte dennoch nicht ihre Noten eintauschen, Briefe des ungarischen Finanzministeriums wurden einfach nicht mehr beantwortet. Anfangs hatte man wenigstens noch Banknoten bis zur Obergrenze von 500 Forint in Münzen getauscht, dann aber nur noch bis 25 Forint und 5 Forint. Am 22.Mai 1848 wurde die Einlösung schließlich vollständig eingestellt. Die Ungarn suchten verzweifelt nach einer Lösung aus der Misere. Die erwogene Ausgabe von verzinslichen Schatzscheinen durch die Pester Handelsbank wurde verworfen, weil man nicht mit Krediten aus dem Ausland rechnen konnte und deshalb eine Deckung durch nationale Spenden bevorzugt wurde. Kossuth einigte sich mit der Handelsbank auf eine Ausgabe eigenständiger ungarischer Geldscheine. Einem begeisterten Spendenaufruf an die Ungarn folgte aber die Ernüchterung. Die tatsächlichen Spenden blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem konnten die zur Ausgabe notwendigen 5 Millionen Forint Deckung durch öffentliche Spenden, aber auch durch Ausgabe von Schatzanweisungen sowie aus dem Einkommen von Gold- und Silbergruben aufgebracht werden. Mit dieser Deckung brachte die Ungarische Handelsbank 1- und 2-Forint-Scheine im Gesamtwert von 12,5 Millionen Forint heraus. Ungarische Handelsbank: 2 Forint ohne Datum (1848), Vorder- und Rückseite. Kossuth informierte den österreichischen Finanzminister über die ungarische Papiergeldausgabe. Diese sei sogar von Vorteil, weil dadurch die Oesterreichische Notenbank deren eigene Noten in Ungarn nicht mehr in Silber einlösen müsse. In Österreich brachte man dem ungarischen Vorstoß jedoch wenig Sympathie entgegen, da man verhindern wollte, dass sich Ungarn nun auch finanzpolitisch von Wien lösen könnte. Die Österreicher bezeichneten das selbständige ungarische Papiergeld unter Berufung auf das eigene Patent zur Ausgabe von Banknoten als rechtswidrig. Um das ungarische Papiergeld zu verhindern, bot man nun sogar ein Darlehen in Höhe von 12,5 Millionen Forint an, wenn sich die Ungarn bereit erklären würden, auf die Ausgabe der Scheine der Handelsbank zu verzichten. Der Finanzminister Kossuth lehnte das Angebot aus Wien ab und ließ die ersten Scheine der Ungarischen Handelsbank am 5. August 1848 in Umlauf geben. Die ungarischen Scheine durften natürlich nicht in Österreich umlaufen, sie wurden von der Oesterreichischen Nationalbank des Landes verbannt. Die Scheine der Ungarischen Handelsbank waren offiziell vom 14. August 1848 bis 8. März 1849 in Umlauf. Der Entwurf beider Werte stammt von József Tyroler. Hergestellt wurden die Scheine im Stein- und Hochdruckverfahren. Bis zur Ausgabe hatte man einen langen Vorlauf gebraucht, weil erst die technischen Voraussetzungen für einen eigenen Druck von Geldscheinen in Ungarn geschaffen werden mussten. Der Drucker Lajos Landler wurde mit der Gründung und Leitung einer Notendruckerei beauftragt. Gegründet wurde die Druckerei in der Károly-Kaserne in Pest, die im Juni 1848 mit einer Lieferung von einer Schnelldruckpresse aus London und zwei weiteren aus Wien begann, die damalige Spitzentechnologie darstellten. Hans-Ludwig Grabowski Abb. zu 1 Forint: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de Abb. zu 2 Forint: Hans-Ludwig Grabowski












