Banknoten der faschistischen "Pfeilkreuzler" in Ungarn

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Ungarn im Kontingent der k. u. k. Truppen an der Seite Österreichs und Deutschlands. Mit der Zerschlagung Österreich-Ungarns nach dem Krieg wurde das Land zwar unabhängig, verlor jedoch mit dem Frieden von Trianon einen Großteil seines Gebiets. Ungarn blieb bis 1944 eine konstitutionelle Monarchie unter dem Reichsverweser Miklós Horthy von Nagybánya.


Kurz nachdem Jugoslawien dem Dreimächtepakt Deutschlands, Italiens und Japans beigetreten war, wurde die jugoslawische Regierung durch einen Militärputsch unter General Dušan Simović Ende März 1941 gestürzt. Mitte April rückten daraufhin die Achsenmächte in Jugoslawien ein, woran sich Ungarn mit zehn Brigaden beteiligte. Ungarn hatte nach dem Ersten Weltkrieg – wie Deutschland und Österreich auch – erhebliche Gebietsverluste hinnehmen müssen (vor dem Krieg war Ungarn rund 325.000 qkm groß, danach nur noch rund 93.000 qkm). Große Teile Ungarns waren z.B. der neu gebildeten Tschechoslowakei, Rumänien und auch dem am 1. Dezember 1918 ausgerufenen Königreich Jugoslawien einverleibt worden, wo weiterhin ungarische Minderheiten lebten.


Auf der Seite Deutschlands nahm Ungarn ab 27. Juni 1941 auch am Krieg gegen die damalige Sowjetunion teil, die ihre Grenzen durch Annexion (z.B. der baltischen Staaten, Ostpolens und Moldawiens) immer weiter nach Westen verschoben hatte.

Am 12. Dezember 1941 erklärte Ungarn dann auch den USA den Krieg.



Zwischen 1938 und 1941 wurde Ungarns Territorium durch Rückgewinnung des Oberlandes (südliche Slowakei), der Karpato-Ukraine, des nördlichen Siebenbürgens und der Batschka (Nord-Vojvodina) wesentlich erweitert, was auch großen Einfluss auf den Geldverkehr hatte, da die in diesen Gebieten kursierenden Geldscheine durch ungarische Banknoten ersetzt werden mussten.


Anfang März 1944 begann die sowjetische Frühjahrsoffensive mit dem Vorstoß der 1. Ukrainischen Front. Ausgehend von der militärischen Entwicklung und der Bedrohung Ungarns durch eine Invasion der Roten Armee drängte Hitler Reichsverweser Horthy, der Besetzung Ungarns durch die Deutsche Wehrmacht zuzustimmen (Unternehmen Margarethe I), die ab 19. März 1944 erfolgte.


Parteiflagge der ungarischen Pfeilkreuzler

Als Horthy am 15. Oktober 1944 versuchte, einen separaten Waffenstillstand mit der Sowjetunion und den Westmächten zu schließen, wurde er abgesetzt und in Deutschland interniert. Die neue ungarische Regierung der Pfeilkreuzler unter Ferenc Szálasi führte den Kampf an der Seite Deutschlands bis zum bitteren Ende weiter.

Ende 1944 beauftragte die nationalsozialistische Pfeilkreuzler-Regierung die Ungarische Nationalbank (Magyar Nemzeti Bank) mit der Ausgabe von Banknoten über insgesamt neun Milliarden Pengö, hauptsächlich in 1000-Pengö-Scheinen, die zwar ein Datum von 1943 tragen, bis dahin aber noch nicht in den Umlauf gekommen und gemeinsam mit ihren Druckplatten nach Deutschland transportiert worden waren.


Magyar Nemzeti Bank: 1000 Pengö vom 24. Februar 1943 (in Umlauf vom 4. November 1944 bis 14. Juni 1945)


Diese Tausender, die wohl zu den schönsten Geldscheinen der Welt zählen, wurden noch in Veszprém, wo sich die ausgelagerte Nationalbank befand, gedruckt.

Mit den Geldern wurden die im weiteren Kriegsverlauf nach Österreich verlegten ungarischen Truppen bezahlt. Nach dem Krieg flossen die Zahlungsmittel dann nach Ungarn zurück und heizten die Inflation weiter an, die auch durch die massenhafte Ausgabe ungedeckten sowjetischen Besatzungsgelds ausgelöst worden war und im Mai 1946 ihren Höhepunkt erreichte. Die 1000-Pengö-Scheine wurden im Sommer 1945 von der Ungarischen Nationalbank eingetauscht.


Die durch die Pfeilkreuzler 1944 neu in Umlauf gegebenen Banknoten zu 1, 10 und 100 Pengö mit früheren Daten lassen sich leicht durch einen Kreuzstern vor dem Serienbuchstaben erkennen.


Magyar Nemzeti Bank: 1 Pengö vom 15. Januar 1938 mit Stern vor der Serie (Zweite Auflage)


Die gesamte Auflage der 1-Pengö-Scheine von 1938 wurde aufgrund Verordnung von 1941 in Umlauf gesetzt. Wegen der wieder angeschlossenen Gebiete und den dadurch angestiegenen Geldverkehr erwies sich die Auflage jedoch bald als zu gering.

Die 1-Pengö-Scheine waren deshalb nur vom 20. Januar 1941 bis zum 10. März 1942

in Umlauf. Da der Bedarf für dieses kleine Nominal jedoch auch 1944 bestand, ließen die Pfeilkreuzler eine zweite Auflage mit Stern vor der Serienbezeichnung drucken und in Umlauf geben.


Magyar Nemzeti Bank: 10 Pengö vom 22. Dezember 1936 mit Stern vor der Serie (Zweite Auflage)


Die 10-Pengö-Scheine mit Datum vom 22. Dezember 1936 waren vom 15. Mai 1939 bis 6. Mai 1946 in Umlauf. Ende 1944 hatten die Pfeilkreuzler-Regierung eine zweite Auflage mit Kreuzstern vor dem Serienbuchstaben in Veszprém herstellen lassen.


Magyar Nemzeti Bank: 100 Pengö vom 1. Juli 1930 mit Stern vor der Serie (Zweite Auflage)


Die Hunderter von 1930 waren vom 23. Oktober 1932 bis 6. Mai 1946 in Umlauf. Ende Dezember 1944 ließ die Pfeilkreuzler-Regierung eine zweite Auflage mit Stern vor der Serienbezeichnung in Veszprém drucken.


Ende 1944 ließen die Pfeilkreuzler auch noch neue Hunderter mit Datum vom 24. Februar 1943 in Veszprém drucken, die jedoch nicht mehr in Umlauf kamen.



Lediglich ein Teil der nach Österreich verlagerten ungarischen Truppen nutzten die unfertigen Scheine (ohne Serie und Kontrollnummer) zur Abwicklung von Zahlungen untereinander.


Bereits am 22. Dezember 1944 hatte sich in dem zwischenzeitlich sowjetisch besetzten Debrecen eine provisorische Regierung der sog. "Ungarischen Nationalen Unabhängigkeitsfront" unter Generaloberst Béla Dálnoci-Miklós gebildet, der mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand schloss und am 28. Dezember 1944 Deutschland den Krieg erklärte. Am 27. Dezember 1944 hatten die Sowjets Budapest eingeschlossen. Der Kampf um die ungarische Hauptstadt endete erst am 12. Februar 1945 mit dem Einmarsch der Roten Armee. Die letzte deutsche Offensive begann am 6. März 1945 nördlich des Plattensees. Sie scheiterte jedoch am massiven Gegenstoß der Sowjets, die von Ungarn aus weiter bis nach Österreich vorstoßen sollten.


Hans-Ludwig Grabowski

Abb. Banknoten: Hans-Ludwig Grabowski; Karte und Flagge: wikipedia

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