Von Aphrodite bis Zeus – Götter der Antike auf Banknoten

Mythologie spielte eine große Rolle im Alltagsleben der Menschen in der Antike. Die Welt der Götter war in allen Lebensbereichen präsent. Dabei waren sie den Menschen sehr ähnlich: sie liebten, stritten, betrogen und töteten. Die vielen Geschichten rund um die antiken Götter erklärten den Ursprung der Welt und der Menschheit sowie viele Naturphänomene. Zugleich erzählten sie von Menschen in Extremsituationen. Zum allgemeinen Bildungskanon gehörte die Kenntnis der Götter mit ihren Attributen, die nicht nur ihre Eigenschaften symbolisierten, sondern auch als Erkennungsmerkmale dienten. Das kollektive Wissen um die Götter wurde auf Gegenständen des Alltags weitergegeben, so z.B. auf Abbildungen der Vasenmalerei, Kleinkunst-Skulpturen und nicht zuletzt Münzen. Im öffentlichen Raum waren die Tempel und Kultstätten der sichtbarste Ausdruck der Präsenz der Götterwelt im Leben der Menschen.


Seit Einführung des Papiergelds gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich diese antike Tradition fort. Mit der Entstehung eines Bildprogramms auf Banknoten wurde die Darstellung antiker Götter und Mythen ein fester Bestandteil der Ikonographie. Die Figuren der griechischen und römischen Mythologie wurden als Symbol und Sinnbild für die Wirtschaft verwendet. Da die klassische Bildung im 18. und 19. Jahrhundert die Kenntnis der antiken Mythologie umfasste, waren die Götter und ihre Attribute den Menschen präsent. Für die Gestaltung der Banknoten konnten die Notenbanken auf Vorlagen zurückgreifen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts waren Druckwerke entstanden, die alle Stilformen der Antike abbildeten. Diese wurden von den Künstlern gerne mit modernen Elementen kombiniert. So finden sich viele der ursprünglich den Göttern zugehörigen Attribute bei Personifikationen von Städten.

Zunächst dienten die Darstellungen antiker Götter auf Banknoten also vor allem als Allegorien. Die Vorlagen basierten auf fiktiven Entwürfen, gefertigt von Graveuren und Stechern. Dies änderte sich gegen Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Götter repräsentierten nun das kulturelle Erbe einer Nation. So fanden jetzt auch berühmte Kunstwerke der Antike als Motive auf Banknoten Verwendung. Im Folgenden wird anhand von Beispielen die Darstellung der antiken Götter auf Banknoten erläutert.


Abb. 1: Zypern, Central Bank of Cyprus, 20 Pfund, 1.4.2004, Vorder- und Rückseite.


Aphrodite, die griechische Göttin der Schönheit und Liebe, ist auf einer 20-Pfund-Note der Republik Zypern von 2004 (Abb. 1) abgebildet. Hier wurde der Torso der „Aphrodite von Soloi“ aus dem 1. Jahrhundert v.u.Z. als Vorlage ausgewählt. Zypern war in der Antike eines der Hauptzentren der Verehrung der Aphrodite. Der Sage nach ist sie nach ihrer Geburt aus dem Meeresschaum dort an Land gegangen. Im Hintergrund auf der Rückseite ist wahrscheinlich eben diese Bucht im Süden Zyperns dargestellt. Zudem ist das Schiff von Kyrenia zu sehen. Dabei handelt es sich um ein antikes Handelsschiff, das vermutlich 300 v.u.Z. gesunken ist. Das Wrack wurde 1965 im Norden Zyperns entdeckt und ist heute im Schiffswrack-Museum in Kyrenia ausgestellt. Auf der Banknote werden also Kulturdenkmäler aus der seit 1974 in die Republik Zypern im Süden und die Türkische Republik Nordzypern geteilten Insel gezeigt.


Athene, bzw. ihr römisches Pendant Minerva, gehört zu den am häufigsten abgebildeten Gottheiten auf Banknoten. Sie ist die Göttin der Weisheit, der Klugheit und der Künste, sowie des Krieges und des Handwerks. Außerdem ist sie die Stadtgottheit Athens. Schon bei ihrer Geburt erschien sie vollbewaffnet mit Helm, Schild und Lanze. Weitere Attribute sind die Eule als Symbol für Weisheit und der Ölbaum, ein Geschenk an die Bürger Athens. Auf Banknoten wurde Athene vor allem als Symbol für Weisheit und Vertrauen eingesetzt.


Abb. 2: Paraguay, República del Paraguay, 50 Centavos, 28.1.1916, Vorderseite.


Am Beispiel Athene zeigt sich, dass verschiedene Druckereien, so z.B. die American Banknote Company, Klischees für mehrere Auftraggeber verwendeten. So verwundert es zunächst, Athene auf einem Geldschein von Paraguay aus dem Jahr 1916 (Abb. 2) zu sehen. Eine mögliche Erklärung liefert ein Blick auf die Entstehung der Banknote. Die American Banknote Company hatte für eine griechische Note des Jahres 1905 das gleiche Motiv verwendet.


Abb. 3: Hongkong, The Hongkong & Shanghai Banking Corporation, 1 Dollar, 1.6.1935, Vorderseite.


Ein weiteres Beispiel für ein wanderndes Klischee ist eine Banknote aus Hong Kong von 1935 (Abb. 3). Nach der ausgebenden Bank, der Hongkong & Shanghai Banking Corporation (HSBC), soll es sich um Britannia, die Personifikation Großbritanniens, handeln. Britannia wurde schon in der Antike auf Münzen abgebildet und weist ähnliche Merkmale wie Athene auf. So trägt auch sie den korinthischen Helm, allerdings nicht, wie auf der Banknote zu sehen, mit Sphinx und Pegasus.


Abb. 4: Griechenland, Bank of Greece, 5 Drachmen, 10.11.1897, Rückseite.


Vermutlich wurde hier ein vorhandenes Klischee falsch zugeordnet. Denn dieses Bildnis der Athene findet sich auch auf einer griechischen Banknote (Abb. 4). Beide Noten wurden von der englischen Druckerei Bradbury, Wilkinson & Co hergestellt.

Griechenland definiert sich wie kaum ein anderes Land bis heute über seine antike Vergangenheit. Dementsprechend wurde die Ikonographie der Banknoten von Beginn an stark durch Motive der Antike geprägt. Einen großen Stellenwert nahmen hierbei die griechischen Götter ein.


Abb. 5: Griechenland, National Bank of Greece, 500 Drachmen, 1.10.1932, Vorderseite.


Das erste Beispiel von 1932 (Abb. 5) zeigt Athene, basierend auf der Skulptur „Athene von Varvakeion“.


Abb. 6: Griechenland, Bank of Greece, 5.000 Drachmen, 19.7.1943, Vorderseite.


Eine spätere Banknote aus dem Jahr 1943 (Abb. 6) nimmt die Skulptur „Athena Velletri“ zur Vorlage.


Abb. 7: Griechenland, Bank of Greece, 100 Drachmen, 8.12.1978, Vorderseite.


Schließlich verbindet sich Antike mit Moderne: die Banknote von 1978 (Abb. 7) zeigt die Göttin der Weisheit nach der Statue „Athene von Piräus“ zusammen mit der Universität von Athen.

Die Druckprobe eines geplanten 500-Mark-Scheins von 1876 zeigt Minerva. Die römische Schutzgöttin des Handwerks und Gewerbes wurde im Laufe der Zeit Athene gleichgesetzt.


Abb. 8: Hessen, Kurhessische Leih- und Commerzbank, 10 Taler, 1.5.1855, Vorderseite.


Eine der am häufigsten dargestellten Figuren ist der griechische Gott Hermes bzw. sein römisches Pendant Merkur. Der Gott des Handels und der Reisenden, aber auch der Diebe und Betrüger zählte schon in der Antike zu den beliebtesten Göttern. So setzten sich die Herrscher der Antike gerne mit ihm gleich, wie z.B. Alexander der Große. Hermes verkündete die Botschaften der Götter und begleitete die Verstorbenen in die Unterwelt. Zu seinen Attributen zählen der Petasos, eine geflügelte Kappe, geflügelte Schuhe sowie der Hermesstab, lateinisch Caduceus. Der Hermesstab wird von zwei Schlangen umwunden und an seinem oberen Ende befinden sich zwei Flügel. Er symbolisiert vor allem den Handel, ähnlich wie der Geldbeutel, den Merkur oft in seinen Händen hält.

Besonders die Notenbanken der altdeutschen Staaten verwendeten häufig Hermes als Ausdruck ihrer Tätigkeit. So ist er auf der 10-Taler-Note der Kurhessischen Leih- und Commerzbank von 1855 (Abb. 8) als Knabe links zu sehen, erkennbar an den Attributen geflügelter Helm und Hermesstab. Ihm gegenüber ist eine Personifikation der Industrie abgebildet. Die Kurhessische Leih- und Commerzbank, 1721 gegründet, etablierte sich als verläßliches Kredit- und Handelsinstitut und genoß ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Allerdings verstrickte sich die Bank seit Mitte der 1820er Jahre in Spekulationsgeschäfte, die zu hohen Verlusten führten. Zur Deckung ihres Geldbedarfs gab sie seit 1850 eigene Banknoten aus. Erst als die Bank 1859 ihre Noten nicht mehr einlösen konnte, wurden die Ausmaße der zwielichtigen Geschäfte öffentlich bekannt.


Abb. 9: Danzig, Danziger Privat-Actien-Bank, 10 Taler, 1.7.1857, Rückseite.


Das nächste Beispiel verdeutlicht die Verbindung antiker Figuren mit zeitgenössischen Elementen. Auf der Rückseite der 10-Taler-Note der Danziger Privat-Actien-Bank von 1857 (Abb. 9) verbirgt sich hinter der Personifikation der Stadt Danzig (Bildmitte) etwas verschüchtert ein Hermes-Knabe. Neben der Stadtgöttin befinden sich die Personifikationen der Weichsel (links) und der Ostsee (rechts). Am unteren Bildrand sind weitere Symbole des Handels und der Wirtschaft zu sehen: Hermesstab, Münzen und ein Anker. Mit dieser Darstellung betonte die Bank ihre Bedeutung für die Wirtschaft und den Handel der Stadt Danzig.


Abb. 10: Lübeck, Commerz-Bank in Lübeck, 20 Taler, 1.7.1865, Vorderseite.


Als Ausdruck des Selbstverständnisses und der Tätigkeitsfelder der ausgebenden Banken findet Hermes auf zahlreichen weiteren Banknoten Verwendung. So erscheint Hermes zusammen mit einer Personifikation der Schifffahrt auf den Noten der Commerz-Bank in Lübeck (Abb. 10). Auf der linken Seite ist Hermes, erkennbar an der geflügelten Kappe und dem Hermes­stab, auf der rechten Seite ein junger Mann mit Ruderblatt und Anker abgebildet. Mit diesen Motiven verweist die Commerz-Bank auf ihre Hauptgeschäftsfelder: die Vergabe von Krediten und Versicherungen für Handel und Schifffahrt.


Abb. 11: Bayern, Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, 10 Gulden, 1.7.1865, Vorderseite.


Auch die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank bediente sich des Hermes zum Ausdruck ihrer Tätigkeit. Der 10-Gulden-Schein von 1865 (Abb. 11) zeigt Hermes als Knaben, der am Rockzipfel einer Frau, der Personifikation der Bank, hängt. Gegenüber ist eine Personifikation der Landwirtschaft zu sehen. Damit betont die Bank ihren Gründungszweck: die Förderung der Landwirtschaft durch Vergabe von Krediten und Hypotheken.


Abb. 12: Sachsen, Sächsische Bank zu Dresden, 10 Taler, 15.1.1866, Vorderseite.


Ein recht verschmitzter Hermes mit Geldbündel in der Hand ist auf der 10-Taler-Note der Sächsischen Bank von 1866 (Abb. 12) zu sehen. Auf der linken Seite ist eine Personifikation der Bank abgebildet. Dieses Motiv wurde auf den folgenden Ausgaben der Sächsischen Bank im Kaiserreich fortgeführt, die zusammen mit drei anderen Notenbanken noch bis 1935 neben der Reichsbank Noten ausgeben durfte.


Abb. 13: Deutsches Reich, Reichsbank, 50 Reichsmark, 30.3.1933, Rückseite.


Auf den Noten der Reichsbank selbst wurde in der Regel auf antike Figuren verzichtet. Ausnahmen bilden z.B. ein 1000-Mark-Schein von 1876, der auf der Rückseite einen Hermes-Knaben mit Füllhorn zeigt sowie ein 50-Reichsmark-Schein von 1933 (Abb. 13) mit Brustbild des Hermes auf der Rückseite.


Abb. 14: Argentinien, El Banco de la Provincia de Buenos Ayres, 10 Centesimos Fuertes, 1.1.1869, Vorderseite.


Darstellungen von Hermes finden sich nicht nur auf den Banknoten altdeutscher Staaten.

So ist er auf einer argentinischen Banknote von 1869 (Abb. 14) zu sehen. Ob Hermes und seine Eigenschaften der Bevölkerung bekannt waren, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Eine mögliche Erklärung für die Auswahl des Motivs liegt bei der herstellenden Druckerei, der American Banknote Company. In den Vereinigten Staaten erfolgte seit dem 18. Jahrhundert eine vielseitige Rezeption der Antike. Diese schlug sich vor allem in Politik und Architektur nieder, aber auch auf Banknoten erscheinen vereinzelt antike Figuren. Das selbe Motiv findet sich auf einer griechischen Banknote von 1889, ebenfalls gedruckt von der American Banknote Company. So fand Hermes als wanderndes Klischee Verwendung auf Banknoten dieser Druckerei.


Abb. 15: Bolivien, El Banco de la Nacion Boliviana, 1 Boliviano, 11.5.1911, Vorderseite.


Bolivien bietet ein besonderes Beispiel für die Verbindung der Antike mit der Moderne.

Auf der Banknote aus dem Jahr 1911 (Abb. 15) sitzt ein nackter Hermes auf einem Elektro-Motorblock. Erkennbar ist Hermes an seinen Attributen, der geflügelten Kappe, den geflügelten Schuhen sowie dem Hermesstab. Die Bedeutung dieser allegorischen Darstellung lässt sich aus der Geschichte Boliviens ableiten. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1825 befand sich der junge Staat in einer permanenten politischen Krisen-Situation. Erst seit den 1880er Jahren begann eine Phase der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Zinnabbau, in den folgenden Jahrzehnten wurde der Rohstoff zum wichtigsten Exportgut Boliviens. In diesem Zusammenhang erklärt sich die Wahl des Motivs: Hermes als Schutzgott des Handels sichert den erfolgreichen Export des Zinns. Der Elektromotor kann dabei als Symbol für den Aufbruch in die Industrialisierung gedeutet werden. Die Wasserfälle im Hintergrund verweisen auf die enorme Bedeutung der Wasserversorgung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.


Abb. 16: China, The Mercantile Bank of India Limited, 1 Dollar, 1.7.1924, Rückseite.


Auch im asiatischen Raum finden sich vereinzelt Geldscheine, die Hermes zeigen. So ist er auf der Rückseite einer 1-Dollar-Note von 1924 (Abb. 16) zu sehen. Diese Note wurde von der Mercantile Bank of India in Shanghai ausgegeben. Als Auslandsbank hatte die Mercantile Bank of India das Recht, Banknoten in bestimmten Gebieten auszugeben. Die Ausgabe der Noten diente vor allem der Finanzierung des Handels zwischen Asien, Europa und Amerika.

Somit erklärt sich die Wahl des Motivs mit Hermes als Schutzgott des Handels.


Abb. 17: Curaçao, 1 Gulden, 1942, Vorderseite.


Das letzte Beispiel für den Gott Hermes führt nach Curaçao, ins Jahr 1942 (Abb. 17). Hermes wird als athletischer junger Mann dargestellt, der ausgestattet mit geflügelter Kappe, Flügelschuhen und Hermesstab vor einem Frachthafen posiert. Die Wahl dieses Motivs erklärt sich mit der Geschichte der ehemals niederländischen Kolonie Curaçao. Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich auf Aruba und Curaçao die weltweit größten Erdölraffinerien. Um die Versorgung der Alliierten zu stören, griffen italienische und deutsche U-Boote im Frühjahr 1942 Aruba und Curaçao an. Bei dem Angriff wurden sechs Öltanker zerstört. Zum Schutz vor weiteren Angriffen entsandte die US-Regierung Militär auf die Karibikinseln. Eben zu dieser Zeit wurde der beschriebene Geldschein von der niederländischen Regierung ausgegeben, gedruckt von der American Banknote Company. Somit könnte Hermes hier als Personifikation der Vereinigten Staaten gedeutet werden, die als starker Partner die Erdölversorgung sichern.


Abb. 18: Griechenland, Bank of Greece, 1000 Drachmen, 1.11.1970, Vorderseite.


Zahlreiche weitere Vertreter des Olymps finden sich auf griechischen Banknoten. Der oberste Herrscher der griechischen Götterwelt, Zeus, ist auf einer 1000-Drachmen-Note von 1970 (Abb. 18) abgebildet. Daneben in der Bildmitte ist das Theater von Epidauros in Griechenland zu sehen. Die Darstellung basiert auf der Statue „Poseidon oder Zeus vom Kap Artemision“. Ob es sich bei der griechischen Bronzestatue aus dem 5. Jahrhundert v.u.Z. wirklich um Zeus handelt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Da das Wurfgerät fehlt, kann die Figur entweder Zeus (Blitz) oder Poseidon (Dreizack) darstellen. Der Göttervater Zeus ist neben dem Blitz an seinen Attributen Zepter und Adler erkennbar.


Abb. 19: Syrien, Central Bank of Syria, 500 Syrische Pfund, 1992, Vorderseite.


Neben der klassischen griechisch-römischen Götterwelt zeigen Banknoten auch Figuren der altsyrischen Mythologie. Auf einer syrischen 500-Pfund-Note von 1992 (Abb. 19) ist in der Mitte die Göttin Anat abgebildet. An ihrer Brust trinken zwei Jünglinge. Rechts ist die Büste eines Prinzen zu sehen. Die Darstellung der Göttin beruht auf einem Elfenbeinpaneel, das zu einem im Königspalast von Ugarit gefundenen Bett gehört. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert v.u.Z. Anat ist die Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe, des Krieges und Herrin der wilden Tiere. Mit der Liebe schafft sie neues Leben, durch den Krieg vernichtet sie es wieder. Damit werden in ihrer Göttergestalt Leben, Liebe und Tod vereint. Sie gehört zu den wichtigsten Göttergestalten der altsyrischen Mythologie. Ihre Attribute sind Hörner, Flügel und Sonnenscheibe, ähnlich der ägyptischen Gottheit Hathor.


Abb. 20: Syrien, Central Bank of Syria, 50 Syrische Pfund, 1991, Vorderseite.


Das letzte Beispiel (Abb. 20) zeigt eine weitere gelungene Verbindung von Antike mit Moderne. Neben dem Staudamm ist eine wassersprudelnde Gottheit aus Mari abgebildet.

Die Skulptur der Gottheit stammt aus dem 18. Jahrhundert v.u.Z. Mari war ein mesopotamischer Stadtstaat und bedeutendes kulturelles Zentrum Vorderasiens.

Die über 1 ½ Meter große Skulptur verfügt im Innern über eine Bohrung, durch die Wasser geleitet werden kann. Das Wasser sprudelt dann aus dem Gefäß hervor, welches die Göttin in der Hand trägt. Mit dieser Banknote wird die Bedeutung des Wassers für die Entwicklung einer Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart betont.


Götter der Antike auf Banknoten – dies ist und bleibt ein spannendes Thema. Es beleuchtet nicht nur die Welt der antiken Mythologie, sondern wirft einen spannenden Blick auf den Zeitgeist im 19. und 20. Jahrhundert. Zugleich führt es den Betrachter zu den Wurzeln einer Nation. Geschichte und Kultur eines Landes werden auf den Banknoten wieder lebendig. Spannend bleibt die Frage, wie in Zukunft das Erbe der Antike auf Banknoten präsentiert werden wird.


Katharina Depner


Abbildungsnachweis:

Abb. 1–20: HVB Stiftung Geldscheinsammlung München

Abb. 1, 5, 10, 18: Fotos: Nicolai Kästner, Staatliche Münzsammlung München






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