Search this site
3671 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Aus privaten Sammlungen: Totentanz – Die Schweizer 1000-Frankennote der 5. Emission
Anfang Oktober 1957 begann die Schweizerische Nationalbank (SNB) damit, die seit September 1911 unverändert umlaufende, vom Schweizer Maler Eugène Burnand entworfen Banknote zu 1000 Franken der 2. Emission durch eine neu gestaltete Banknote zu ersetzen. Der Schein von Eugène Burnand war seit 46 Jahren im Umlauf und hatte zwei Weltkriege, die schwere wirtschaftliche Depression der 1930er-Jahre sowie diverse Regierungen unverändert überstanden. Obwohl auch der Schweizerfranken in diesem Zeitraum an Kaufkraft verloren hatte, war sein Wert im Vergleich zu allen anderen Währungen der Welt sehr stabil geblieben. Zur Ausgabe kam ein Entwurf des Schweizer Grafikers und Malers Pierre Gauchat, geboren am 5. Januar 1902 in Zürich, der auf einen bereits 1948 von der SNB gestalteten künstlerischen Wettbewerb zurückgeht, aus dem er als Sieger für die Notenwerte von 50 bis 1000 Franken hervorging. Da er bereits im Februar 1956 verstorben war, erlebte Pierre Gauchat die Ausgabe der von ihm gestalteten Noten nicht mehr. Der eindrucksvoll großformatige – in Blau und dunklem Violett gehaltene – Schein zeigt auf der Rückseite das Motiv eines Totentanzes. Bei genauerem hinsehen tritt der Tod in dreierlei Gestalt auf: Als Sensenmann mit Totenschädel, der ein junges Kind auf dem Arm hält, sodann als geflügelter Totenengel, der einem älteren Mann die Augen schließt, dessen Lebenszeit abgelaufen ist. Man erkennt es an der heruntergefallenen, neben dem Mann liegenden Sanduhr. Und schließlich als Totenengel, der eine junge Frau im Tanz umschließt. Die Gesichter der beiden Totenengel erkennt man nicht, sie sind durch wallende Umhänge verdeckt. Dieses Motiv kommt uns heute zumindest befremdlich vor. Welche Notenbank würde schon den Tod auf eigenen Geldscheinen abbilden? Insbesondere der Sensenmann, der ein Kind auf dem Arm hält, wirkt verstörend. Man stelle sich vor, diese Banknote würde heute zirkulieren: Dürfte sie ob vielleicht verschreckender Abbildungen überhaupt an Minderjährige abgegeben werden? Müssten Bankkunden vor Auszahlung schriftlich zustimmen, dass ihnen verstörende Bilder gezeigt werden, die seelische Schäden hervorrufen können? Totentanz bedeutet insofern nicht, dass Tote auferstehen (wie das Gegenstand vieler Horrorfilme ist), sondern dass Menschen mit dem Tod konfrontiert werden, der ihnen in Personengestalt begegnet. Der Mensch erkennt, dass er sterblich und sein Leben auf Erden endlich ist. Im Totentanz begegnet der personifizierte Tod den Menschen ohne Ansehen ihres Alters oder gesellschaftlichen Standes in gleicher Weise. Er nimmt Jüngere zu sich (das Kind auf dem Arm des Sensenmannes) genau wie Personen in der Blüte ihres Lebens (die junge, im Tanz umschlungene Frau) und Ältere nach einer erfüllten Lebenszeit. Motive des Totentanzes kommen in der Kunst im späten Mittelalter auf. In der Schweiz bekannt ist etwa die Abbildung eines Totentanzes an der Friedhofsmauer der Predigerkirche in Basel, die 1439/40 entstand, oder die Darstellung eines Totentanzes von Kaspar Meglinger auf der bekannten hölzernen Spreuerbrücke in Luzern, die zwischen 1626 und 1632 entstanden ist. Auch in den folgenden Jahrhunderten haben sich Künstler immer wieder mit diesem Motiv beschäftigt. Der Totentanz als Motiv für Geldscheine? Aus dem Zusammenhang der Zeit betrachtet – ja. Die Zeitung "Berner Tagwacht" etwa lobt in ihrer Ausgabe vom 12. Juni 1957 ausdrücklich die „künstlerische Kühnheit“ der Gestaltung des Scheins. Ein entrüsteter Aufschrei ob des Motivs, die Forderung nach Jugendschutz, der Wunsch, Unangenehmes zu verdrängen –Fehlanzeige. Demut aus der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit war jedenfalls Ende der 1940er-Jahre kein Grund für gesellschaftliche Verstörung. Die Entscheidung der SNB, dieses Motiv auf den höchsten Nominalwert der umlaufenden Banknoten zu setzen, konnte von einer bestehenden gesellschaftlichen Akzeptanz des Themas Tod ausgehen. Die Zeiten mögen sich gewandelt haben. Das Motiv des Totentanzes auf Papiergeld hat sich meines Wissens nicht wiederholt. Außer bei Notgeldscheinen sind mir keine weiteren Geldscheine bekannt, die ausdrücklich den Tod als Motiv aufweisen. Die 1000-Frankennote mit dem Totentanz als rückseitigem Motiv blieb bis Ende April 1980 im Umlauf. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Dr. Gerhard Authentizität: Original Land/Region/Ort: Schweizer Eidgenossenschaft Emittent: Schweizerische Nationalbank Nominal: 1000 Franken Datierung: 4. Oktober 1957 Vorderseite: Guillochen, Bankname, Wertangabe, Bildnis einer jungen Frau Rückseite: Guillochen, Wertangabe, Bild eines Totentanzes Material: Papier ohne Wasserzeichen, mit Sicherheitsstreifen Unterschriften: Dr. Alfred Müller, Dr. Otto Kunz, Dr. Walter Schwegler Entwurf: Pierre Gauchat Druck: Kupfertiefdruck und Offsetdruck durch Thomas de la Rue, London Format: 227 mm x 125 mm Nummerierung: 2C 43345 Auflage: 1,5 Millionen Stück (mit diesem Datum) Gültigkeit: 14. Juni 1957 – 1. Mai 1980, wertlos seit 1. Mai 2000 Zitate: CH 4d (Richter/Kunzmann: Die Banknoten der Schweiz) CHE-52 (Standard Catalog of World Paper Money) B336 (Linzmayer: The Banknote Book – Switzerland) Dr. Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Quellen Jürg Richter, Ruedi Kunzmann: Die Banknoten der Schweiz, Gietl-Verlag Regenstauf 2003 www.Wikipedia.de "Berner Tagwacht", Ausgabe vom 12.6.1957 – abgerufen unter www.e-newspaperarchives.ch
- Neu: Premium-Mitgliedschaft bei Geldscheine-Online
Für nur 4,90 Euro pro Monat bieten wir ab sofort eine Premium-Mitgliedschaft an, die folgende Leistungen beinhaltet: derzeit rund 300 Premium-Beiträge zu Themen rund um das Papiergeld wöchentlich weitere Premium-Beiträge (Fachartikel und mehr) Zugang zu PDF-Dokumenten über File-Sharing im Mitgliederbereich Konkordanzliste der deutschen Banknoten mit Sortier- und Suchfunktion über den Menüpunkt KATALOG das Angebot wird ständig erweitert Der überwiegende Teil aller Blog-Beiträge, wie z.B. aktuelle Nachrichten für Banknotensammler, Leserbriefe und weitere Fachartikel, bleibt kostenfrei. Im Juni 2018 startete das Online-Magazin Geldscheine-Online.com mit Nachrichten und Fachartikeln für Geldscheinsammler und alle, die sich für Geld- und Zeitgeschichte interessieren. Der erste kostenlose Newsletter ist am 5. Juli 2018 erschienen. Unser selbst gestecktes Ziel war es, eine Online-Plattform zum Thema Papiergeld zu schaffen, auf der Sammler umfassend informiert werden, durch gebündelte Fachkompetenz ein breites Angebot an Artikeln aus allen Bereichen der Notaphilie zur Verfügung gestellt wird und Leserfragen beantwortet werden. Dieses Ziel haben wir in den vergangenen Jahren mehr als erreicht, wie die stetig steigende Zahl der Leser, Newsletter-Abonnenten und Lesermeinungen beweisen. Mittlerweile sind fast 3000 Blogbeiträge erschienen. Monat für Monat werden derzeit rund 15.000 Blogbeiträge gelesen. Wöchentlich erscheint ein Newsletter, der über die neuesten Nachrichten und Beiträge auf Geldscheine-Online informiert. Seit 2018 wurden bereits 270 Geldschein-Newsletter verschickt. Viele Leserinnen und Leser bestätigen uns, dass mit Geldscheine-Online die beste Seite für Geldscheinsammler im Internet entstanden ist. Das alles ist nur möglich, weil die Autoren hervorragende Arbeit leisten und viel Zeit in die redaktionelle Betreuung und Pflege der Software investiert wird. Hinzu kommen die laufenden Kosten für den Betrieb des Blogs und den Versand der Newsletter sowie die Autorenhonorare, die wir als seriöser Verlag zahlen. Mit einer Premium-Mitgliedschaft unterstützen Sie die Arbeit von Geldscheine-Online.com. Die Einnahmen werden für Autorenhonorare verwendet. Die Premium-Mitgliedschaft kann jederzeit online gekündigt werden. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung im Namen der Redaktion und aller Autoren! Hans-Ludwig Grabowski
- Das Notgeld der Stadt Limburg/Lahn
Im Ersten Weltkrieg entdeckte die Kriegswirtschaft die Nickel- und Kupfermünzen als wertvolle Rohstoffreserve. Ihre Prägung wurde daher eingestellt und die Münzen von der Reichsbank aus dem Verkehr gezogen. Zudem flossen große Mengen an Zahlungsmitteln in die von deutschen Truppen besetzten Gebiete, und die Bevölkerung hortete die Silbermünzen wegen ihres Metallwertes. Da die staatlichen Münzanstalten mit der Produktion der Ersatzmünzen aus Eisen, Zink und Aluminium nicht nachkamen, machte sich ab Sommer 1916 ein spürbarer Mangel an Wechselgeld bemerkbar. Auch die Stadt Limburg/Lahn war davon betroffen. Der Mangel zwang die Verantwortlichen zum Handeln. Im Protokollbuch des Magistrats findet sich auf Seite 531 unter dem Datum des 24. Juli 1917 folgender Beratungspunkt: „Verhandlung mit der Firma Du Mont Schauberg in Köln a/Rh., betr. Die Herstellung von Kriegsnotgeld“ und folgender Beschluss: „Auf der Unterschrift des Bürgermeisters im Namenszug und der Herstellung ... Klischees wird bestanden; die [Übernahme] der Kosten der Herstellung der Klischees auf die Stadt wird indessen abgelehnt“. Die Formulierung lässt vermuten, dass Industrielle und Kaufleute die Ausgabe von Notgeld gefordert hatten, die sparsamen Stadtväter aber die Kosten abwälzen wollten. Die Zustände scheinen sich in den folgenden Tagen zugespitzt zu haben, denn am 9. August 1917 stimmten die Stadtverordneten einem Vorschlag des Magistrats vom 6. des Monats zu, bei der Druckerei M. Du Mont Schauberg in "Cöln" Papiernotgeld zu bestellen. Dafür wurde ein Betrag von 850 Mark bzw. 875 Mark genehmigt. Zur Ausgabe gelangten Scheine zu 10, 25 und 50 Pfennig, gedruckt auf Papier mit dem Wasserzeichen „Kölner Waben“ (75). Dieses Papier wurde von Poensgen & Co. in Bergisch Gladbach für M. Du Mont Schauberg hergestellt. Keller beschreibt es wie folgt: „Helle Linien bilden regelmässige Sechsecke von 8 mm Seitenlänge. An diesem genau geometrischen Muster ist die seitliche Verzerrung des Wasserzeichens bisweilen deutlich zu beobachten.“[1] Die Scheine kommen sowohl mit fünf- wie auch sechsstelliger Kontrollnummer vor. Die drei Werte datieren vom 20. Juli 1917 und sind einheitlich gestaltet. Am oberen Rand „Stadt Limburg (Lahn). Darunter links groß die Wertzahl, daneben dreizeilig „GUTSCHEIN / über / Pfennig“ und die Kontrollnummer auf einem Radter aus zwölf Strichen. Darunter dreizeilig. „Dieser Gutschein behält seine Gültigkeit bis drei Monate / nach öffentlicher Aufkündigung in den Limburger Tages- / zeitungen. Die Scheine werden von der Stadtlasse eingelöst.“ Am unteren Rand „Der Magistrat:“, gedruckte faksimilierte Unterschrift (Philipp) Haerten [* 12. Dezember 1869 in Rotterdam; † 4. April 1942 in Münster] und „Bürgermeister“. Der gesamte Text ist eingefasst in einem Zierrahmen. Im Unterdruck in der Mitte der Gutscheine in einem achteckigen Medaillon eine Abbildung des Limburger Doms, der auch auf der Rückseite abgebildet wird. Der Schein zu 10 Pfennig ist orange/gelb und 72 x 50 mm groß, der zu 25 Pfennig ist rosa/rot und hat die gleichen Masse und der Schein zu 50 Pfennig ist blau und 82 x 55 mm groß. Abb. 1.1/2: Stadt Limburg, 20. Juli 1917, 10 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 2.1/2: Stadt Limburg, 20. Juli 1917, 25 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: Stadt Limburg, 20. Juli 1917, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 4: Wasserzeichen „75 Kölner Waben“[2] Im Herbst 1918 zeichnete sich die Niederlage der Mittelmächte ab und das Vertrauen in die künftige Gestaltung des politischen und wirtschaftlichen Lebens schwand. Am 28. Oktober 1918 war im „Nassauer Boten“ das Folgende zu lesen: „In den letzten Wochen gibt sich das Publikum einer Hamsterei in Banknoten hin, die in volkswirtschaftlichen Belangen unerwünscht ist und ungünstig wirken muß. Von maßgebender Stelle wird auf das Verhängnisvolle dieser Hamsterei aufmerksam gemacht und ihr zu steuern versucht.“ Die Reichsbank gab notgedrungen ihre Reservebestände an Banknoten und die vorhandenen Vorräte an Reichssilbermünzen in den Umlauf. Gleichzeitig erteilte sie weiter Druckaufträge an die Reichsdruckerei, die jedoch die bestellten Mengen nicht annähernd erfüllen konnte, da in den vorhergehenden Wochen eine größere Anzahl ihrer Arbeiter zum Heeresdienst eingezogen worden waren und mehrere Hundert wegen der Erkrankung an der Spanischen Grippe ausfielen. [3] In ihrer Not erteilte die Bankleitung Druckaufträge an mehrere Privatdruckereien. Sie sollten eine neue Reichsbanknote zu 50 Mark im Buchdruckverfahren herstellten. Ferner forderte die Reichsbank die Kommunen auf, die Ausgabe von Notgeldscheinen bis zur Höhe von 20 Mark – später bis zu 50 Mark – mit "möglichster Beschleunigung" vorzubereiten. Sie erklärte sich bereit, die Hälfte der Herstellungskosten zu übernehmen und für mögliche Verluste durch Fälschungen aufzukommen. Zusätzlich wurden durch Bundesratsverordnung vom 22. Oktober 1918 (R.G.Bl. S. 1257) die am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheine der 5%igen Kriegsanleihen bis zu ihrem Fälligkeitstag zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Man erhoffte sich von dieser Maßnahme eine sofortige Entlastung, da die Anleihen gleichmäßig über das ganze Land gezeichnet worden waren. Ferner propagierte die Reichsbank den bargeldlosen Zahlungsverkehr. [4] Auch die Stadtverordneten der Stadt Limburg müssen sich der Problematik bewusst gewesen sein. Denn das Protokollbuch der Stadt führt unter dem Datum vom 9. November 1918 auf, dass die Firma Schleicher & Schüll, Düren, ein Angebot abgegeben habe, betreffend die Herstellung von Papiernotgeld zu 20, 10 und 5 Mark, das von der Finanzkommission nun geprüft werden sollte. Zwischenzeitlich lag auch ein Angebot der Firma C. Naumann’s Druckerei in Frankfurt/Main vor. Danach sollte der Druck der Nominale 3.680 Mark kosten, das vom Magistrat am 18. November 1918 angenommen wurde. Die Stadtverordnetenversammlung hatte bereits am 15. November 1918 die Übernahme der Druckkosten bewilligt. Abb. 5.1/2: Stadt Limburg, 20. November 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Stadt Limburg, 20. November 1918, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: Stadt Limburg, 20. November 1918, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 8: Wasserzeichen „73 Radmuster“, auch Naumann-Rad-Muster.[5] Die drei Nominale sind einheitlich gestaltet und unterscheiden sich nur in Format und Farbe: Der 5-Mark-Schein in Blau hat das Format 115 x 80 mm, der 10-Mark-Schein in Grün ist 130 x 90 mm und der 20-Mark-Schein in Rotbraun 130 x 90 mm groß. Gedruckt wurden sie auf Wertzeichenpapier mit dem Wasserzeichen „Rad-Muster“. Keller beschreibt das Wasserzeichen wie folgt: „C. Naumanns Muster, aus hellen Linien gebildet, stellt vierteilige Räder dar, deren Drehung durch leichte Biegung der Viertelstücke ausgedrückt wird, welche die Speichen andeuten. Die Speichen sind jeweils durch drei Linien dargestellt, von denen die mittlere als leicht gebogene Wellenlinie von einem Rad zum benachbarten übergeht und dort in der Mitte des Rades in einem kleinen Haken endet. Die äusseren Linien, Innenkanten der Speichen und Innenkranz des Rades darstellend, bilden sphärische Dreiecke. Der äussere Radkranz ist an der Berührungsstelle mit dem Nachbarrad unterbrochen; seine Linie geht in die des Nachbarrades über und bildet mit zwei weiteren Radkanten ein verzogenes Viereck, in dem ein Buchstabe N abwechselnd steht oder liegt. Die Räder sind seitlich etwas zusammengedrückt, also nicht kreisrund.“[5] Die Vorderseite der Notgeldscheine wird von einem Jugendstil-Zierrahmen eingefasst, in deren Ecken jeweils die Wertzahl in Ziffern angeben wird. Der linke Rahmen zeigt in ovalen Medaillons untereinander „L“, „I“, „M“, „B“ und auf der anderen Seite „U“, „R“, „G“ und „L“. Im oberen Rahmen „STADT LIMBURG A. D. L.“ Im Rahmen in der rechten oberen Ecke „No“ fünfstellige rote Kontrollnummer. Der neunzeilige Test lautet: „Gutschein / über / Wert Mark / Obigen Betrag zahlt unsere Stadtkasse dem Inhaber bei / Rückgabe innerhalb der öffentlich bekannt gemachten / Einlösungsfrist, mit deren Ablauf der Gutschein verfällt. / Der Magistrat: / gedruckte faksimilierte Unterschrift des Bürgermeisters Haerten“. In der Mitte unter dem Rahmen „C. Naumann‘ Druckerei, Frankfurt a./M.“ In der Scheinmitte im Unterdruck in einem runden Medaillon das Stadtwappen.[6] Die übrige Fläche wird mit Jugendstil-Ornamenten ausgefüllt. Die Rückseite ist mit einem schlichteren Rahmen im Jugendstil eingefasst; in den Ecken die jeweilige Wertzahl mit „Mk“. Während der Unterdruck zarte Jugendstil-Ornamenten zeigt, steht auf der linken Scheinseite die Darstellung St. Georgs hoch zu Ross den Drachen tötend im Vordergrund, während auf der rechten Seite die auf einem Kalkfelsen thronende Burg und der Dom abgebildet ist. Die Darstellung ist eine Homage an den sieben-türmigen Limburger Dom (damit hat er mehr Türme als jede andere Kirche in Deutschland), der seit 1827 nach seinem Schutzpatron St. Georg auch Georgsdom genannt wird. Leider finden sich in den Akten keine Angaben über die Auflagenhöhe. Aufgrund der Seltenheit der Scheine ist anzunehmen, dass ihre Auflage nicht allzu hoch war. Bereits am 15. November 1918 sprachen sich die Stadtverordneten auch einstimmig dafür aus, weitere 100.000 Kriegs-Notgeldscheine in Stücken zu 10, 25 und 50 Pfennig drucken zu lassen. Diese Scheine datieren vom 1. November 1918 und wurden ebenfalls von der Firma C. Naumann’s Druckerei in Frankfurt/Main auf Papier mit dem Wasserzeichen „Radmuster“ gedruckt. Die drei Werte unterscheiden sich nur in ihrer Farbe und haben die gleiche Größe wie die Scheine aus dem Jahr 1917. Während ihre Rückseite den Scheinen des bereits beschriebenen Großgeldes entspricht (allerdings erscheint hier am unteren Rand der Name der Druckerei), wurde die Vorderseite neu gestaltet. Eingerahmt in einem schmalen Zierrahmen mit Jugendstil-Ornamenten finden sich in der oberen Hälfte drei große Zeilen. In der 1. Zeile heißt es: „Stadt – drei Schmucksymbole – Stadtwappen – Limburg . a. d. Lahn“, in der 2 Zeile „Wertangabe in Ziffern . Pfennig . Wertangabe in Ziffern“ und in der 3. Zeile „No Kennziffer“ fünf oder sechsstellig. In der unteren Hälfte folgt der folgende fünfzeilige Text: „Dieser Gutschein behält seine Gültigkeit bis 3 Monate nach / öffentlicher Aufkündigungen in den Limburger Tageszeitungen. / Die Scheine werden von der Stadtkasse eingelöst. / Limburg (ohne Komma) den 1. November 1918, / DER MAGISTRAT: gedruckte faksimilierte Unterschrift (Haerten) Bürgermeister.“ Abb. 9.1/2: Stadt Limburg, 1. November 1918, 10 Pfennig, Vorder- und Rückseite, Rückseite ohne Künstlersignatur. Abb. 10.1/2: Stadt Limburg, 1. November 1918, 25 Pfennig, Vorder- und Rückseite, Rückseite ohne Künstlersignatur. Abb. 11.1/2: Stadt Limburg, 1. November 1918, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite, Rückseite ohne Künstlersignatur. Abb. 12.1/2: Stadt Limburg, 1. November 1918, 10 Pfennig, Vorder- und Rückseite, Rückseite mit Künstlersignatur. Abb. 13.1/2: Stadt Limburg, 1. November 1918, 25 Pfennig, Vorder- und Rückseite, Rückseite mit Künstlersignatur. Abb. 14.1/2: Stadt Limburg, 1. November 1918, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite, Rückseite mit Künstlersignatur. Abb. 15.1: Stadt Limburg, 1. November 1918, 25 Pfennig, Kennnummer „A No xxxxxx A“, Vorder- und Rückseite, Rückseite mit Künstlersignatur. Nach einer Meldung des Landrates vom 20. Oktober 1920 an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden waren nach dem 1. April 1919 Notgeldscheine im Wert von 70.000 Mark zu 50 Pfennig, 96.750 Mark zu 25 Pfennig und 41.000 Mark zu 10 Pfennig ausgegeben worden.[7] „Obwohl das Reichsfinanzministerium die Münzstätten veranlasst hatte bis zur äußersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit 5-, 10- und 50-Pfennigstücke aus Metall zu prägen“, bestand namentlich in der ersten Hälfte des Jahres 1920 ein Mangel an Kleingeld. „Im Laufe des zweiten Halbjahres ließ sich die Ausprägung von 50-Pfennigstücken aus Aluminium so weit fördern, daß die Nachfrage des Verkehrs im allgemeinen befriedigt und sogar an die allmähliche Einziehung der noch im Umlauf befindlichen kommunalen Notgeldscheine zu 50 und 25 Pfennig herangetreten werde konnte. Die Herstellung von 10- und 5-Pfennigstücken war indes leider trotz ihrer sehr erheblichen Steigerung in einer dem Bedarf genügenden Menge bisher nicht möglich.“ [8] Am 14. Januar 1921 wandte sich der Magistrat in einem Schreiben an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden mit der Bitte, die Umlauffrist für Ersatzwertzeichen der Stadt Limburg zu verlängern, denn eine preußische Verfügung vom 16. Dezember 1920 sah derer Einziehung vor. Der Magistrat begründete dies so: „Zur Behebung des Kleingeldmangels hat die Stadt Gutscheine zu 10, 25 und 50 Pf. in den Verkehr gebracht. Sie hat sich dazu erst entschlossen, als die Lage bei der hiesigen Geschäftswelt, bei den öffentlichen Kassen und im privaten Verkehr unhaltbar geworden war und man infolgedessen zur Briefmarke und zum privaten Gutschein als Behelfsmittel gegriffen hatte. Bis jetzt hat die Stadt an Gutscheinen ausgegeben: 520.000 Stück je 10 Pf.- 52.000,-- M 437.000 Stück je 25 Pf .- 109.250,-- M 180.000 Stück je 50 Pf.- 90.000,-- M Zus. 251.200,-- M Von dieser Summe sind abzurechnen die inzwischen eingelösten, nicht mehr kursfähigen Gutscheine im Gesamtwert von rund 20.000,-- M. Wie gross der Mangel an kleinen Zahlungsmitteln am hiesigen Platze zur Zeit noch ist, geht schon daraus hervor, dass die letzte Lieferung der Gutscheine vom September v. Js. von 30.000 Stücken schon nach kurzer Zeit vollständig vergriffen war. Die hiesige Eisenbahnstationskasse forderte sogar eine grössere Menge von Gutscheine zu 10 Pf. an, als die Stadt überhaupt in Bestellung gegeben hatte. Die hiesige Reichsbanknebenstelle erklärte auf Anfrage, dass die von ihr verausgabten kleinen Münzen in nennenswerten Mengen nicht zurückfliessen, und sie sei deshalb nicht in der Lage, den Bedarf an kleinen Zahlungsmitteln zu decken. Der grosse Bedarf an kleinen Zahlungsmitteln am hiesigen Platze erklärt sich aus der Bedeutung der Stadt als Geschäftsplatz infolge seiner günstigen Eisenbahnverbindungen und seiner guten Lage in Mittelnassau. Sie ist ausserdem der Sitz zahlreicher Behörden, Banken und Sparkassen. Dazu kommt noch, dass von den kreisangehörigen Gemeinden ausser Limburg nur die Stadt Camberg Ersatzwertzeichen in geringen Mengen ausgegeben hat. Der Kreis Limburg hat Ersatzwertzeichen nicht ausgegeben. Die Stadt Limburg hat deshalb, ohne es ursprünglich beabsichtigt zu haben, einen grösseren Umkreis mit kleinen Zahlungsmitteln versorgt. Die täglichen Anforderungen von diesen kleinen Zahlungsmitteln bei unserer Stadtkasse beweisen am besten dass für sie zur Zeit noch ein dringendes Bedürfnis besteht. Im Hinblick auf die angeführten Umstände bitten wir die Umlauffrist der Ersatzwertzeichen der Stadt Limburg zu 10, 25 und 50 Pf. weiterverlängern zu wollen.“[9] Dem Wunsch muss entsprochen worden sein, denn am 24. November 1921 beantragte der Magistrat eine weitere Verlängerung der Umlauffrist. In dem Schreiben nimmt man Stellung zu dem Erlass des Ministers für Handel und Gewerbe vom 3. Mai 1921. „Der Erlass geht davon aus, dass ein Bedürfnis zur Duldung des weiteren Umlaufs von Ersatzwertzeichen nicht mehr anerkannt werden könne, da die Reichsbankanstalten in der Lage seien, den an sie gestellten Anforderungen an gesetzlichen Zahlungsmitteln zu entsprechen. Es ist zuzugeben, dass von den Reichsbankanstalten grössere Mengen Kleingeld in den Verkehr gebracht werden. Nach unseren Feststellungen kann aber trotzdem noch nicht die Rede davon sein, dass der Kleingeldmangel behoben ist; immerfort werden noch Klagen aus der Industrie und der Geschäftswelt laut. Dass trotz stärkster Steigerung der Münzenprägungen nicht genügend Zahlungsmittel im Verkehr bleiben, kann nur so erklärt werden, dass die Münzen von einem Teil der Bevölkerung immer noch zurückgehalten werden. Es ergibt sich also die Notwendigkeit die systematische Belehrung der Bevölkerung über die Zwecklosigkeit und Schädlichkeit der Kleingeldhamsterei weiter fortzusetzen. Solange aber der Kleingeldmangel tatsächlich noch besteht, halten wir die Einziehung des städt. Notgeldes für bedenklich. Wir bitten zugleich im Namen der Städte Diez, Bad Ems, Niederlahnstein, Westerburg, Hachenburg, Montabaur und Langenschwalbach beim Herrn Minister für Handel und Gewerbe um Verlängerung der Umlauffrist der von diesen Städten ausgegebenen Ersatzwertzeichen unter 1 M zunächst für ein halbes Jahr zu beantragen. Nach Ablauf dieser Frist kann die Einziehung des Notgeldes unverzüglich erfolgen, wenn sich zeigt, dass durch die fortgesetzte Belehrung der Bevölkerung die Kleingeldhamsterei unterbleibt.“[10] Die Akten geben keine Auskunft darüber, ob dem Antrag stattgegeben wurde und auch nicht darüber, wann die Kleingeldscheine endgültig eingezogen wurden. Vergleicht man die Zahlen über die ausgegebenen Kleingeldscheine, so wird deutlich, dass sie in mehreren Auflagen gedruckt wurden. Hierauf sind wohl auch die Farbunterschiede zurückzuführen. Unabhängig davon lassen sich zwei deutliche Emissionen unterscheiden. Zum einen wird der Name des Künstlers „P. ASSMANN“ auf der Rückseite genannt und zum anderen wird er fortgelassen. Peter Assmann war Zeichenlehrer am Limburger Gymnasium. Er wurde 1862 in Meudt geboren und starb 1939 in Limburg. Seine Werke zeigen eine Vielzahl heimatlicher Motive. Bleibt noch anzumerken, dass auch die Limburger Großgeldscheine von ihm entworfen wurden. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Dr. Arnold Keller, Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Die Wasserzeichenpapiere des deutschen Notgeldes 1914 – 1948, Abbildungen gezeichnet von Kurt Lehrke, Berlin-Wittenau 1955, S. 30. [2] Ebenda, Tafel 4. [3] Wie viele Opfer die Spanische Grippe insgesamt forderte, ist nicht leicht zu beziffern. „Die höchsten Schätzungen gehen von 20 bis 30 Millionen Toten aus – zwei- bis dreimal mehr, als Soldaten im Ersten Weltkrieg fielen. Allein in Europa zählte man 2,3 Millionen Todesfälle, davon 250.000 in Deutschland.“ Bruno Cabanes und Anne Duménil (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg, Eine europäische Katastrophe, Darmstadt 1913, S. 357. [4] Vgl. Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1918, Vorgelegt in der Generalversammlung am 31. März 1919. S. 4 f. [5] Ebenda, S. 30. [6] Die Stadt Limburg führt seit 1908 das folgende Wappen: „Blasonierung: In Blau eine silberne Burg mit drei Zinnentürmen: der Mittelturm belegt mit einem blauen Schild, darin zweireihig von Rot und Silber geschachter Balken, begleitet oben von sieben, unten von sechs waagerechten goldenen Schindeln. Wappenbegründung: Das Wappen zeigt den Mauerring einer Burg mit zwei äußeren Türmen und einem mittleren Torturm, an dem unterhalb der Wehrplattform das Wappen der Herren von Isenburg-Limburg angebracht ist.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Limburg_an_der_Lahn (30.12.2023). [7] Hess. HStA Wiesbaden, Akte 405 Nr. 6099, Bl. 52. [8] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1920, Vorgelegt in der Generalversammlung am 31. März 1921. S. 5 f. [9] Hess. HStA Wiesbaden, Akte 405 Nr. 6099, Bl. 115. [10] Ebenda, Bl. 226.
- Messe-Gewinnspiel: 3 x 2 Dauerkarten für die NUMISMATA München
Wir verlosen 3 x jeweils 2 Dauerkarten für die NUMISMATA am 2. und 3. März 2024 in München. Wenn Sie gewinnen möchten, senden Sie uns eine E-Mail an info@geldscheine-online.com mit dem Betreff "München". Einsendeschluss ist der 21. Februar 2024. Später eingehende E-Mails nehmen nicht an der Ziehung teil. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt und erhalten einen Gutschein, den Sie am Veranstaltungstag an der Kasse gegen die Tickets eintauschen können. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen an, dieser wird im Gewinnfall dem Messeveranstalter mitgeteilt. Verlagsmitarbeiter, deren Angehörige und Gewinnspielservices dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Datenschutzbestimmungen finden Sie hier. Wir wünschen Ihnen viel Glück!
- Numismata: Die Münzbörse mit dem besonderen Flair
Vom 2. bis zum 3. März 2024 gibt es in München eine neue Ausgabe der weltweit beliebten NUMISMATA. Angela Modes lädt Sammler und Münzhändler aus aller Welt ein, einmal mehr das umfassende Angebot auf der NUMISMATA zu erleben. Es gibt Münzbörsen, deren Datum steht schon seit Jahrzehnten in der Agenda jedes ernsthaften Münzhändlers. Die NUMISMATA ist eine davon. Der Klassiker unter den deutschen Münzbörsen findet auch dieses Jahr wieder vom 2. bis 3. März 2024 im beliebten MOC Event Center an der Lilienthalallee 40 statt. Ob mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Auto, die NUMISMATA ist hervorragend erreichbar. Kein Wunder, dass jedes Jahr wieder Besucher aus der ganzen Welt kommen. Dieses Jahr können Sie ab 8.00 Uhr bei vier Kassiererinnen ihr Eintrittsticket zur NUMISMATA erwerben. Foto: Peter Kopitz. Ganz gleich, was Sie suchen: Die NUMISMATA hat für alle Besucher das richtige Angebot. Foto: Peter Kopitz. Ein numismatisches Familientreffen Auch wenn jedes Jahr zahlreiche Besucher zum ersten Mal da sind, die große Mehrheit der Anwesenden ist der NUMISMATA seit Jahrzehnten treu. Schließlich ist sie immer einen Besuch wert. Das breitgefächerte Angebot präsentiert von den wichtigsten Münzhändlern Europas und die angenehme Atmosphäre locken jedes Jahr wieder. Die NUMISMATA hat sich eben zu einer Art Selbstläufer entwickelt, der immer für gute An- und Verkäufe sorgt. Und das bedeutet, dass sich viele NUMISMATA-Teilnehmer seit Jahrzehnten kennen und schätzen; und das ist nur einer der Gründe, warum einem die NUMISMATA manchmal wie ein numismatisches Familientreffen vorkommt. Das Team der NUMISMATA freut sich auf Ihren Besuch. Foto: Peter Kopitz. Der andere Grund ist die kompetente Leitung der Veranstaltung durch ein erfahrenes Service-Team, geführt von Angela Modes. Jedes einzelne Mitglied des NUMISMATA-Teams kennt die Gewohnheiten und Vorlieben seiner Kunden seit Jahren und geht deshalb auf spezielle Wünsche gerne ein. Vier Kassiererinnen, und Ticketverkauf ab 8.00 Uhr Um die langen Warteschlangen zu vermeiden, gibt es bei der NUMISMATA erstmals vier Kassiererinnen, bei denen Tickets gekauft werden können. Die Kassen sind bereits ab 8.00 Uhr geöffnet. Einlass in die Halle für Besucher ist ab 9:30 Uhr. Für alle Münchner: Die Tickets sind im Vorverkauf in der Woche vom Montag, dem 26. Februar, bis zum Donnerstag, dem 29. Februar, auch direkt im Ladengeschäft von Münzen Modes zu den Öffnungszeiten zwischen 10 und 17 Uhr erhältlich. Versäumen Sie es also nicht, auch dieses Jahr wieder bei der NUMISMATA in München am 2. und 3. März 2024 dabei zu sein! 54. NUMISMATA München Samstag, 2. März 2024, 9.30-17.30 Sonntag, 3. März 2024, 9.30-15.00 MOC Halle 3 Lilienthalallee 40 80939 München Dauerkarte 15 Euro; Eintritt am Samstag 13 Euro; Eintritt am Sonntag 8 Euro; 10 Euro für Gruppen ab 10 Personen und Münzvereinsmitglieder; Jugendliche bis 16 Jahre haben freien Eintritt Eintrittskarten sind an beiden Messetagen ab 8:00 Uhr an der Kasse am Halleneingang erhältlich. Weitere Informationen bei: NUMISMATA International Münzen Modes Inh. Angela Modes Reichenbachstraße 17 D-80469 München Tel.: +49 (0) 89 260 39 42 Fax: +49 (0) 89 260 90 60 E-Mail: info@numismata.de Internet: www.numismata.de
- Lexikon: Horse-blanket
Horse-blanket (Englisch = Pferdedecke, auch "saddle-blanket" = Satteldecke) ist eine volkstümliche Bezeichnung für die US-amerikanischen sog. "Large Size Notes", die bis 1929 in den USA ausgegebenen großformatigen Geldscheinen. USA: Silver Certificate zu 1 US-Dollar von 1923, "Large Size Note", Vorder- und Rückseite. Als horse- oder saddle-blanket wurden in den USA auch die großformatigen Banknoten anderer Länder bezeichnet. Ab 1928 wurden die einheitlich großen Large Size Notes (Format 189 x 80 mm) durch Geldscheine in einem einheitlich kleineren Format (156 x 66 mm), den Small Size Notes, abgelöst. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Das größte Problem der Menschheit!
Zitate rund ums Geld und Diese Welt: Dieter Hallervorden "Das größte Problem in der Geschichte der Menschheit ist, dass die Leute, die die Wahrheit kennen, den Mund nicht aufmachen. Und diejenigen, die von nichts eine Ahnung haben, bekommt man einfach nicht zum Schweigen." Dieter Jürgen "Didi" Hallervorden (geb. 1935), deutscher Schauspieler, Kabarettist, Sänger, Moderator, Synchronsprecher und Theaterleiter. Anmerkung: Dem ist nichts hinzuzufügen!
- Liefer- und Ausgabezahlen der Kupons zur Währungsumstellung in der SBZ im Juni 1948
Am 23. Juni 1948 kündigte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit Befehl 111/48 zum 24. Juni 1948 die Durchführung einer Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone sowie in Groß-Berlin an. Über die Durchführung der Währungsreform sind zahlreiche Artikel publiziert werden[1], so dass hier auf Einzelheiten verzichtet werden kann. Ausgegeben wurden im Umtausch gegen Reichs- und Rentenmark als Übergangslösung zunächst mit Kupons versehene Reichs- und Rentenbankscheine, bevor am 25. Juli 1948 die auf Deutsche Mark lautenden Banknoten der Deutschen Notenbank zur Ausgabe kamen. Die sogenannten Kuponmark-Scheine[2] mussten in wenigen Tagen mit großem manuellem Aufwand beklebt werden. Sowjetische Besatzungszone Deutschlands (SBZ): Spezialkupon über 2 Deutsche Mark 1948 auf 2-Rentenmark-Schein der Deutschen Rentenbank von 1937, Vorderseite, Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Sowjetische Besatzungszone Deutschlands (SBZ): Spezialkupon über 100 Deutsche Mark 1948 auf 100-Reichsmark-Schein der Deutschen Reichsbank von 1935, Vorderseite. Die Kupons zur Beklebung wurden durch die Leipziger Wertpapierdruckerei Giesecke & Devrient[3] gedruckt, und zwar in Markenbogen zu 100 Stück für die Nennwerte 1, 2, 5 und 10 DM sowie zu 50 Stück für die Nennwerte 20, 50 und 100 DM. Die fertigen Kupons wurden durch die Deutsche Emissions- und Girobank[4] Mitte Juni 1948 direkt bei Giesecke & Devrient in Leipzig in Empfang genommen. Erhalten geblieben ist eine per 30. Juni 1948 durch Giesecke & Devrient nachträglich erstellte Übersicht der insgesamt ausgelieferten Kupons: 1.568.500 Bögen zu 100 Marken im Wert von 1,- DM = 156.850.000 Marken im Wert von 156.850.000 DM 523.000 Bögen zu 100 Marken im Wert von 2,- DM = 52.300.000 Marken im Wert von 104.600.000,- DM 531.000 Bögen zu 100 Marken im Wert von 5,- DM = 53.100.000 Marken im Wert von 265.500.000,- DM 634.000 Bögen zu 100 Marken im Wert von 10,- DM = 63.400.000 Marken im Wert von 634.000.000,- DM 1.823.000 Bögen zu 50 Marken im Wert von 20,- DM = 90.925.000 Marken im Wert von 1.823.000.000,- DM 963.500 Bögen zu 50 Marken im Wert von 50,- DM = 48.175.000 Marken im Wert von 2.408.750.000,- DM. 206.500 Bögen zu 50 Marken im Wert von 100,- DM = 10.325.000 Marken im Wert von 1.032.500.000,- DM Nachtäglich erstellter Lieferschein der Druckerei Giesecke & Devrient über die zum Umtausch gelieferten Kupons vom 30. Juni 1948. Quelle: Bundesarchiv. Der Gesamtbetrag der von Giesecke & Devrient gelieferten Kupons betrug demnach 6.425.200.000,- DM. Davon wurden durch die Deutsche Emissions- und Girobank zum bekleben von Geldscheinen Kupons im Gesamtwert von 5.737.300.000,- DM bereitgestellt, und zwar in folgenden Beträgen und Stückzahlen: Kupons zu 1 DM für insgesamt 124.200.000,- DM = 124.200.000 Stück Kupons zu 2 DM für insgesamt 80.600.000,- DM = 40.300.000 Stück Kupons zu 5 DM für insgesamt 240.500.000,- DM = 48.100.000 Stück Kupons zu 10 DM für insgesamt 522.000.000,- DM = 52.200.000 Stück Kupons zu 20 DM für insgesamt 1.690.000.000,- DM = 84.545.000 Stück Kupons zu 50 DM für insgesamt 2.255.000.000,- DM = 45.100.000 Stück Kupons zu 100 DM für insgesamt 825.000.000,- DM = 82.500.000 Stück Nur ein Teil der für den Umtausch zur Verfügung gestellten Kupons wurde im Zuge der Währungsreform dann – auf entsprechende Scheine geklebt – auch tatsächlich ausgegeben. Leider stehen insoweit nur Gesamtwerte und keine Ausgabezahlen nach Notenwerten zur Verfügung. Die nachfolgenden Zahlen zeigen die für den Geldumtausch zur Verfügung gestellten Beträge an Kupons, sowie die tatsächlich ausgegeben Beträge an mit Kupons beklebten Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen für die einzelnen Emissions- und Girobanken der Länder in der SBZ: Sachsen: zur Verfügung gestellte Kupons 1.395.000.000,- DM; tatsächlich ausgegebene Scheine 857.500.000,- DM Sachsen-Anhalt: zur Verfügung gestellte Kupons 1.090.000.000,- DM, tatsächlich ausgegebene Scheine 561.000.000,- DM Thüringen: zur Verfügung gestellte Kupons 826.000.000,- DM, tatsächlich ausgegebene Scheine 414.400.000,- DM Brandenburg: zur Verfügung gestellte Kupons 897.200.000,- DM, tatsächlich ausgegebene Scheine 440.400.000,- DM Mecklenburg: zur Verfügung gestellte Kupons 622.000.000,- DM, tatsächlich ausgegebene Scheine 275.800.000,- DM Das Berliner Stadtkontor wurde mit Kupons im Werte von 673.000.000,- DM zur Beklebung ausgestattet, an beklebten Scheinen wurde im Zuge der Währungsreform hiervon ein Betrag von 467.000.000,- DM tatsächlich ausgegeben. Auch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland erhielt neues Geld, und zwar mit Kupons beklebte Reichs- und Rentenmarknoten als Erstausstattung gemäß Empfangsbescheinigung schon am 18. Juni 1948, also fünf Tage vor Erlass des SMAD-Befehls. Der Gesamtbetrag an beklebten Noten, der der SMAD zur Verfügung gestellt wurde, betrug 234.100.000,- DM. Wieviel dieser Noten in den Geldumlauf gelangen, ist nach den Unterlagen der Deutschen Notenbank nicht nachzuvollziehen. Der Ausgabetrag im Zuge der Währungsreform am 24. Juni 1948 an Reichsmark und Rentenmark mit aufgeklebten Spezialkupons in den Ländern, in Berlin und an die SMAD betrug danach insgesamt 3.250.200.000,- DM. Das entsprach 50,6 % des tatsächlich hergestellten Betrages an Kupons – nur rund die Hälfte der von Giesecke & Devrient produzierten Kupons gelangte also tatsächlich in den Umlauf. Die Deutsche Emissions- und Girobank behielt nach dem Umtausch zudem einen Kassenbestand von 1.004.900.000,- DM. Man kann darüber spekulieren, warum nur Teilbeträge der Kupons verklebt und ausgegeben wurden. Möglicherweise reichte die kurze Zeit für die Beklebung weiterer Scheine nicht aus; möglicherweise wurden durch die einzelnen Emissions- und Girobanken die tatsächlich erstellten Beträge als für den Zahlungsmittelumlauf ausreichend angesehen. Vielleicht war auch die Menge der bei Giesecke & Devrient bestellten Kupons aufgrund der Kürze der Zeit, unzureichender statistischer Erhebungen über den Bargeldumlauf in der SBZ und Groß-Berlin, sowie aufgrund nicht vorhandener Hochrechnungen des Bargeldbedarfes auf Grundlage der Umtauschvorgaben schlichtweg zu hoch bemessen worden. Beklebt wurden die Scheine im Zeitraum vom 19. bis 23. Juni 1948 durch zahlreiche Freiwillige und dienstverpflichtete Personen in den Ländern der SBZ sowie im sowjetischen Sektor von Berlin[5]. Beklebt wurden[6] die Rentenbankscheine zu 1 und 2 Rentenmark der Ausgabe vom 30. Januar 1937, der Rentenbankschein zu 5 Rentenmark der Ausgabe vom 2. Januar 1926, sowie die Reichsbanknoten zu 5 Reichsmark vom 1. August 1942, zu 10 und 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929, zu 50 Reichsmark vom 30. März 1933 und zu 100 Reichsmark vom 24. Juni 1935[7]. Die zu beklebenden Banknoten wurden aus den Kassenbeständen der Emissions- und Girobanken sowie, in Berlin, des Berliner Stadtkontors zur Verfügung gestellt. Es dürfte sich in der Regel um gebrauchte Scheine aus dem Umlauf gehandelt haben. Der Kupon war auf dem Schaurand bündig zum Druckbild anzubringen[8] – Scheine, bei denen die Klebemarke mitten auf dem Wasserzeichenfeld angebracht ist sind – insbesondere in druckfrischer Erhaltung – in der Regel nachträglich angefertigt und stammen nicht aus dem Umtausch. Der Umtausch selbst fand in den von den Emissions- und Girobanken der Länder bestätigten Umtauschkassen und Kreditinstituten statt. Nicht beklebt wurden die noch umlauffähigen Reichsbanknoten zu 50 und 100 Reichsmark der Ausgabe von 11. Oktober 1924, sowie der „Tirolerschein“ zu 20 Reichsmark vom 16. Juni 1939. Gleiches gilt für Alliierte Militärmarknoten. Im Sammlermarkt tauchen immer wieder mit Kupons beklebten Noten dieser Ausgaben auf. Diese sind nachträglich angefertigt; sie gelangten nicht zur Ausgabe. Auch eine versehentliche oder zufällige Verwendung während des Geldumtauschs ist auszuschließen, da die beklebten Noten vor der Ausgabe einer Kontrolle unterzogen wurden. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Zuletzt sehr ausführlich Michael H. Schöne, Die drei Währungsreformen vor 75 Jahren in Deutschland, gelscheine-online.com vom 21. Juni 2023. [2] Lt. SMAD-Befehl 111/48 und der der Deutschen Wirtschaftskommission vom 21. Juni 1948, ZVOBl 1948 Nr. 20, S. 220) lautete die Bezeichnung offiziell „Reichsmark und Rentenmark alten Musters mit aufgeklebten Spezialkupons“. [3] Im Frühjahr 1948 war die private Firma Giesecke & Devrient in Leipzig enteignet worden; im selben Jahr erfolgte die Umfirmierung in den VEB Deutsche Wertpapierdruckerei. [4] Die Vorgängerbank der Deutschen Notenbank, deren Gründung offiziell am 20. Juni 1948 erfolgte. [5] Die Durchführung der Währungsreform oblag lt. Befehl 111/48 Ziffer 12 der SMAD und der gleichlautenden Verordnung der Deutschen Wirtschaftskommission vom 21. Juni 1948 in den Städten und Kreisen den Bürgermeistern und Landräten, die entsprechendes Personal zur Beklebung der Banknoten rekrutieren mussten. [6] Regelung dazu traf die Anlage zur Verordnung vom 21. Juni 1948 „Beschreibung der Spezialkupons und Regelungen für ihr Aufkleben auf Reichs- und Rentenmarkscheine“, ZVOBl 1948 Nr. 20, S. 223 - 224 [7] Grabowski DEU-222 – 223, DEU 209, DEU-220, DEU 183-184, DEU-210 – 211. [8] Ziff. 6 der Anlage zur Verordnung vom 21. Juni 1948 „Beschreibung der Spezialkupons und Regelungen für ihr Aufkleben auf Reichs- und Rentenmarkscheine“ Abbildungen Banknoten: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
- Leserpost: Wertbeständiges Notgeld des Reichsverkehrsministers mit unedierter Serie
Auf der World Money Fair vom 2. bis 4. Februar 2024 in Berlin erschien Herr G. Adam am Stand des Battenberg Gietl Verlags, der auch schon Ergänzungen zum Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" gemeldet hatte, und zeigte mir einen stark gebrauchten wertbeständigen Notgeldschein aus einer noch nicht katalogisierten Serie. Anmerkung der Redaktion Es handelt sich um eine Notausgabe zu 0,42 Mark Gold = 1/10 Dollar der Deutschen Reichsbahn im Namen des Reichsverkehrsministers in Berlin, Rudolf Oeser, vom 7. November 1923. Die Scheine des Reichsverkehrsministers wurden an allen Kassen der Deutschen Reichsbahn und zuletzt auch an allen öffentlichen Kassen im gesamten Deutschen Reich angenommen. Katalogisiert ist dieser Wert unter RVM-26a in meinem Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" (nur mit Firmenzeichen, aber ohne Serien) und mit Serien im Katalog "Das Papiergeld der deutschen Eisenbahnen und der Reichspost" unter 002.35i. Unter dem Firmenzeichen RA sind hier die Serien 7-21, 24, 27, 29, 34, 35, 37, 41, 45-56, 60 und 64 aufgeführt. Es wurden nur die Serien aufgenommen, die auch belegt sind. Der abgebildete Schein gehört zur Serie 62, die noch nicht verzeichnet ist und daher für eine eventuelle Neuauflage des Katalogs vorgemerkt wird. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Müller/Geiger/Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 13: Das Papiergeld der deutschen Eisenbahnen und der Reichspost Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-580-0 Auflage: 2. Auflage 2016 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 344 Preis: 39,90 Zur Leseprobe Mehr lesen
- Die Goldmark-Schuldverschreibungen der Stadt Aschersleben von 1923
Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld suchen. Eine von vielen seinerzeitigen Finanzinnovationen waren wertbeständige Schuldverschreibungen, die als Notgeld verwendet wurden und ab Mitte 1923 vermehrt in den Umlauf kamen. Die preußische Stadt Aschersleben (Provinz Sachsen) begab hierzu im Dezember 1923 eine Goldmarkanleihe als wertbeständiges Notgeld. Die Notgeldverordnung des Generals von Seeckt vom 12. November 1923 machte im Deutschen Reich unter dem Druck der Not die Ausgabe von auf Gold lautenden Geldes zu einem Recht für die Länder, Provinzen, Städte und Gemeinden. Innerhalb der Ausgabebezirke wurde damit wertbeständiges Notgeld, z. B. zur Beschaffung von Lebensmitteln, zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. So wurden in Aschersleben am 15. Dezember 1923 unverzinsliche Teilschuldverschreibungen als wertbeständiges, auf Gold lautendes Notgeld ausgegeben. Die Emissionswährung war die Goldmark bzw. Mark Gold mit Valutaklausel (4,20 Goldmark = 1 Dollar). Der absichtlich niedrige Nennwert bzw. die Stückelung dieser Teilschuldverschreibung war Zehn Mark Gold. Das Ausgabevolumen ist bis heute unbekannt. Die höchste bekannte Nummerierung ist die Nummer 6154, dies würde einem Volumen von 61.540 Mark Gold entsprechen. Der Nennwert von 10 GM dieser Teilschuldverschreibungen sollte nebst sieben von Hundert Zinsen am 15. Dezember 1924 an den Inhaber mit 10 Mark 70 Pfennig Gold in Mark Reichswährung zurückgezahlt werden (Agio von 7 Prozent). Stadt Aschersleben, Teilschuldverschreibung Nummer 004605 über 10 Mark Gold, ausgegeben am 15. Dezember 1923. Gleichzeitig und parallel zu dieser Emission gelang es im November 1923 mit der Währungsreform und der Ausgabe der Rentenmark die Inflation im Deutschen Reich zu stoppen. Die Ersparnisse weiter Bevölkerungskreise waren zu diesem Zeitpunkt aber bereits vernichtet, Vermögenswerte waren dahingeschmolzen. Am 20. November 1923 war 1 Dollar 4,2 Billionen Papiermark (= 4,20 Rentenmark oder Mark Gold) wert. Eine Rentenmark bzw. eine Mark Gold entsprach an diesem Tag offiziell einer Billion Papiermark. Die Einlösung des wertbeständigen Notgelds erfolgte gebietsweise im Deutschen Reich im Laufe des Jahres 1924 und speziell im Fall der 1923er-Teilschuldverschreibungen der Stadt Aschersleben wohl im Dezember 1924. Die Teilschulverschreibungen wurden bei der Einlösung durch einseitigen oder beidseitigen Aufdruck entwertet. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Dank an Oliver Sens Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- 17. Juni 1953: „Geldscheine“ mit Fake News und Propaganda
In Kriegen stirbt die Wahrheit zuerst – eine allgemein gültige Feststellung. Aber auch bei Revolutionen und Aufständen war das so! Vor 70 Jahren, im Juni 1953, kam es in Ostberlin und in einigen großen und kleineren Städten der DDR zu Demonstrationen. Hauptursache war der Beschluss des Politbüros auf der 2. Parteikonferenz der SED und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Veränderungen und spürbaren Verschlechterungen der Lebensverhältnisse großer Teile der Bevölkerung. Parteichef Walter Ulbricht kündigte 1952 den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ an, der weiter vorangetrieben werden sollte. Die Kollektivierung der Landwirtschaft, die Umwandlung größerer privater Firmen in „volkseigene Betriebe“ und die Stärkung der Schwerindustrie wurden ebenfalls festgelegt. Außerdem beschloss man den Aufbau einer Armee. Die zum 1. Juli 1952 gebildete „Kasernierte Volkspolizei“ sollte zur Nationalen Volksarmee umgebildet werden. Die Proteste in der Bevölkerung richteten sich vor allem gegen den Aufbau der SED zur führenden Partei und Ausschaltung der Opposition, gegen den Ausbau des Ministeriums für Staatssicherheit, gegen die Verschärfung des Kirchenkampfes und gegen die Abschaffung der fünf bis dahin bestehenden Länder samt ihrer Parlamente und die Neugliederung der DDR in 14 Bezirke. Das Fass zum Überlaufen brachte die Arbeitsnormerhöhung bei den Bauarbeitern in Ostberlin. Bei unveränderter Bezahlung war das eine Lohnkürzung, sodass 80 Bauarbeiter in der Stalinallee streikten, weitere solidarisierten sich und die Demonstration wuchs auf über 10.000 Menschen an. Der Streik weitete sich auf 72 Städte und viele Ortschaften in der DDR aus. Die Geschichte ist bekannt: Streik, Widerstand und gewaltsame Niederschlagung durch sowjetische Panzer und sog. Volkspolizisten. Abb. 1: sowjetische Panzerkolonne am 17. Juni 1953 in Ostberlin. Über insgesamt 167 der 217 Kreise in der DDR wurde der Ausnahmezustand verhängt. 55 Todesopfer können durch Quellen belegt werden, etwa 20 weitere Todesfälle sind bis heute ungeklärt. Viele Demonstranten wurden verhaftet – auch Todesurteile wurden ausgesprochen und vollzogen. Insgesamt waren 16 Divisionen der Roten Armee mit rund 20.000 Soldaten sowie etwa 8.000 Angehörige der Kasernierten Volkspolizei im Einsatz. Vom 17. bis 22. Juni 1953 wurden sowjetische Standgerichte eingesetzt, von denen 19 Aufständische zum Tode verurteilt und erschossen wurden. Auch einige Volkspolizisten und Angehörige der Staatssicherheit wurden getötet und auf sowjetischer Seite soll es ebenfalls Tote gegeben haben – man geht von etwa 40 standrechtlich erschossenen Soldaten und Offizieren der Roten Armee aus, die sich einer Beteiligung an der Niederschlagung des Volksaufstands widersetzt haben sollen. Abb. 2: Plakat zum Ausnahmezustand ab 17. Juni 1953 in Ostberlin. Aus dieser Zeit ist ein interessanter geldähnlicher Beleg bekannt: ein Flugblatt in der Form eines Propagandascheins, der ein besonderes Schlaglicht auf das Verhältnis zwischen Ost und West wirft. Spionage und Desinformation im damaligen "Kalten Krieg" waren auf beiden Seiten auf der Tagesordnung. Abb. 3: Vorderseite eines Flugblatts mit einem Aufruf an sowjetische Militärs und an Deutsche zu den Ereignissen vom 17. Juni 1953. Abb. 4: 20 D-Mark/Ost, Ausgabe 1948, Vorderseite, Austauschschein, Moskauer Druck. Die Vorderseite des Flugblatts war dem 20-DM-Schein von 1948 nachempfunden (übrigens eine Austauschnote). Urheber dieser „Scheine“ war der NTS, eine in den 1920-er Jahren gegründete Vereinigung von Exilrussen. Diese Organisation (НТС = Народно-Трудовой Союз российских солидаристов= Bund Russischer Solidaristen) hatte sich dem Kampf gegen den sowjetischen Kommunismus verschrieben. Der russische Text erwähnt einen Flugblatt-Aufruf des NTS („Freunde! Brüder! 18 russische Soldaten weigerten sich, auf unbewaffnete deutsche Arbeiter zu schießen, und halfen ihnen, Gefangene zu befreien und haben dafür mit dem Leben bezahlt“) . In der folgenden Beschreibung des Sowjet-Majors Nikita Ronschin finden sich Einzelheiten: Abb. 5: Rückseite des Flugblatts in russischer und deutscher Sprache, mit rotem Stempel ОБРАЗЕЦ (= Probe) und dem Zeichen des NTS, dem stilisierten Dreizack der Kiewer Rus (russisch Трезубец, ukrainisch Тризуб = Trysub, seit dem 19. Jh. ukrainisches Nationalsymbol). Übersetzung aus dem Russischen: Soldaten und Offiziere! Am 17. Juni 1953 revoltierten die Berliner Arbeiter. Sie widersetzten sich dem kommunistischen Regime. Zwei Tage fegte der Aufstand über die Zone. Die Machthaber reagierten in Panik mit unseren Panzereinheiten gegen die Aufständischen. Nach Aufruf des NTS weigerten sich die Panzerfahrer auf die Aufständischen zu schießen. Unser Volk sympathisiert mit den Deutschen. Er hat darauf gewartet, dass du den Aufstand unterstützt und ihn in deine Heimat bringst. Die Erfahrung des Aufstands vom 17. Juni war nicht umsonst. Jetzt brodelt die Ostzone wieder vor Unzufriedenheit. Ein Volksaufstand könnte jeden Augenblick ausbrechen. Wir müssen ihn unterstützen. Erschießt nicht die Rebellen! Geht mit ihnen ein Militärbündnis gegen einen gemeinsamen Feind ein: die kommunistische Regierung. Das Bündnis deutscher Kämpfer und unserer Soldaten ist der Schlüssel zum Erfolg im Kampf für die Freiheit unseres und des deutschen Volkes. Es lebe die Volksrevolution! NTS / Revolutionsstab für Russland! Am Sonntag, dem 28. Juni 1953, wurden im Sommerlager des 73. Schützenregiments der Roten Armee nahe Magdeburg 18 Soldaten von einem Sonderkommando standrechtlich erschossen. Die Exekution fand auf einer Waldlichtung am Rande eines Massengrabs statt. Unter den Erschossenen waren der Gefreite Aleksander Shcherbina, der Soldat Vasilj Djatkowskij und der Unteroffizier Nikolaj Tjuljakov. Eine Woche nach der Niederschlagung des Aufstands wurde auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Chaussee im Westberliner Ortsteil Nikolassee ein großes Holzkreuz zum Gedenken an die Opfer und die unerschrockenen Kämpfer errichtet. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Zehlendorfer Kleeblattes unweit des ehemaligen Checkpoint Bravo. Der ehemalige Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ehrte im Juni 2003 dort die deutschen Toten und die hingerichteten Sowjetsoldaten. Aber: diese toten Russen hat es nie gegeben! Sie sind Phantome des "Kalten Kriegs". Auch die angeblich durch Genickschuss im ehemaligen Schlachthof Berlin-Friedrichsfelde hingerichteten 23 Rotarmisten gab es nicht! Weder der Historiker Christian Ostermann hat in CIA-Akten oder in denen des US-Außenministeriums Beweise für die Hinrichtungen gefunden. Ebenfalls erfolglos waren die Recherchen der damaligen "Gauck-Behörde" in alten Stasi-Unterlagen. Heute wissen wir, dass das 73. Schützenregiment unmittelbar nach Kriegsende aus Deutschland in die Sowjetunion zurückgeführt und schon im Januar 1947 aufgelöst wurde. So bezweifeln Historiker diese beschriebenen Hinrichtungen und sprechen von bewussten Fehlinformationen. Zu den Hinrichtungen gibt es nur eine Quelle: das Flugblatt des NTS und Major Ronschin, der nach dem Aufstand in den Westen geflüchtet sein soll. Ronschin lief aber schon im April 1953 zu den US-Amerikanern über. Beim CIA in Pullach bei München stieg er zum Kronzeugen der Geschehnisse um die Hinrichtungen auf. Bis zum Herbst 1989, der sog. "Wende" in der DDR, fanden keine Überprüfungen der Angaben von Ronschin statt. Keine anderen deutsche oder sowjetischen Zeitzeugen, noch Angehörige von den Hingerichteten haben sich gemeldet. Der Autor Hans Halter schrieb in seinem SPIEGEL-Beitrag: „Bedauernd hat J. J. Tjulpanow, der Leiter der Rehabilitationsabteilung der Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, der Opfer-,Vereinigung 17. Juni 1953‘ im August 2000 mitgeteilt, dass bei den Informations- und Archivbehörden der Russischen Föderation keine Angaben über die Verfolgung oder Verurteilung sowjetischer Militärangehöriger im Zusammenhang mit dem genannten Fall – die 41 Exekutionen – aufgefunden wurden. Die drei Namen von angeblich Hingerichteten finden sich überhaupt nirgendwo. ... Auch die russischsprachigen Historiker, die aus dem Westen nach Moskau ausgeschwärmt sind, konnten nirgendwo den kleinsten Beleg entdecken. Obwohl russische Archivare grundsätzlich nichts wegwerfen. Nicht einmal in der minutiös geführten Hauptchronik des sowjetischen Generalstabs fand ein Wissenschaftler des bundesdeutschen ,Militärgeschichtlichen Forschungsamtes‘ aus Potsdam irgendeinen Hinweis.“ Also handelt es sich um pure "Fake News" und um einen entsprechenden geldähnlichen Beleg – einen Propagandaschein. In der Literatur (Dr. J. Mader) werden weitere solcher Scheine genannt – z. B. mit Kontrollnummer F 17 6 1953 (die sollte für „Freiheit 17. Juni 1953“ stehen; Abb. bei www.psywarrior.com). Die Vorlage für diesen Propagandaschein war die 20-DM-Banknote mit der Kontrollnummer YA 327752 – wiederum eine Austauschnote aus der 1948-er Serie der Deutschen Notenbank Berlin. Abb. 6: Propagandaschein, Vorderseite – in Form einer geteilten Banknote zu 20 D-Mark/Ost. Der Text der Rückseite ist plump: „Genossen! Jeder gesunde Geldumlauf beginnt und endet in Moskau, hierher kommen die Protestnoten, hierhin gehen auch unsere Banknoten. Wir müssen von ihnen Abschied nehmen, kaum daß wir sie in der Lohntüte rascheln hören. Denn unsere Butter muß uns die Regierung ebenso teuer verkaufen wie ihr nacktes Dasein. Die HO verlangt vom Werktätigen mehr Schein als sein sind: koste es, was es wolle, diesen Wohlstand heißt es um jeden Preis verteidigen. Denn durch die Hilfe unserer sowjetischen Freunde hat die Ostmarkwährung eine Werthöhe erreicht, wo Schwindel unvermeidlich sind. Das kommt von der Deckung, die die Freunde unserer Regierung dafür gaben. Ohne diese Deckung wäre eben ein gesunder Geldumlauf nicht möglich.“ Der NTS hatte möglicherweise eine Vorliebe für Propaganda in Geldform. In einem Beitrag über den NTS in der Zeitung der Landsmannschaft Ostpreußen wird ein anderer Geldschein abgebildet – leider nur die Vorderseite. Abb. 7: Vorderseite eines NTS-Flugblatts in Form und Aussehen der 25-Rubel-Banknote von 1947, abgebildet in „Das Ostpreußenblatt“, Seite 4, vom 25. Dezember 1952. Die Rückseite ist ebenfalls unter www.psywarrior.com einsehbar, der Text richtet sich in russischer Sprache an „Soldat! Unteroffizier! Offizier! Bruder und Kamerad!“ und beginnt mit: „Sie haben diesen Zettel in Ihre Hand genommen. Nein, das ist kein Geld, sondern das Wort der Wahrheit. Ist es nicht wertvoller als Geld? Welchen Wert hat der Rubel in einem Land, das die Kreml-Blutsauger zum ärmsten Ort der Erde gemacht haben? Es gibt kein anderes Volk im Westen, das ärmer lebt als wir. Was bedeutet das? Das Wort der Wahrheit ist wertvoll. Und hier ist sie: Die schicksalhafte und revolutionäre Stunde naht. Der große Feind aller Zeiten und Völker – Stalin – ist bereit, Sie und das Land in das Gemetzel eines neuen und schrecklichen Krieges zu stürzen, eines Krieges, den niemand auf der Welt will, außer ihm, Stalin. Dieses Stück Mensch in Form eines Generalissimus ist verrückt und sucht unersättlich nach Macht um jeden Preis, einschließlich Ihres Blutes. ...“ usw. usf. und das NTS-Zeichen fehlte auch nicht. Der NTS hatte nach Ende des Zweiten Weltkriegs sein Hauptquartier im hessischen Flüchtlingslager Mönchehof bei Kassel eingerichtet, bevor dessen Sitz nach Limburg und später nach Frankfurt am Main verlegt wurde. In Mönchehof waren russische Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht. Aus diesem DP-Lager sind 50-Pfennig-Scheine mit der Abkürzung О.Р.Ю.Р.(O.R.U.R.) bekannt; sie steht für die exil-russische Pfadfinderorganisation Организация Российских Юных Разведчиков. Das Lager Менхегоф (kyrillische Entsprechung für Mönchehof) bestand von 1947 bis 1948. Abb. 8: 50 Pfennig, 15. III. 1948, Vs./Rs., kyrillischer Aufdruck in Schwarz, Wertbezeichnung in Deutsch. Der russischen Emigranten-Organisation NTS gehörten damals einige tausend Mitglieder an: hauptsächlich ehemalige DPs ("Displaced Persons") und frühere Angehörige der mit Hitler gegen die Sowjetunion kämpfenden Wlassow-Armee mit dem Ziel, Russland in eine Demokratie nach westlichem Muster zu entwickeln. Als Ergebnis der Unruhen in der DDR und Ostberlin ist auch die Folgeauflage der Banknoten der Deutschen Notenbank zu werten. Der Notenumlauf hatte im Februar 1954 die Menge der 1948 gedruckten 4,2 Mrd. D-Mark/Ost überschritten; die sozialpolitischen Verbesserungen des Lebensstandards machten die Ausgabe der ab 1951 nachgedruckten Banknoten unumgänglich. Diese wurden mit 7-stelligen Kontrollnummern und sog. Plattennummern nunmehr in der Leipziger Wertpapierdruckerei der DDR hergestellt. Abb. 9: 20 D-Mark/Ost, Ausgabe 1948 (1951), Vorderseite, Leipziger Druck. Abb. 10: Null-Euro-Souvenirschein 2020 „Aufstand 17. Juni“, seit 2015 in Frankreich bei Oberthur Technologies ohne Wertangabe hergestellte Scheine zeigen historische Ereignissen oder touristische Sehenswürdigkeiten (Konzept Richard Faille). Abb. 11: „Dawaitje“ (sinngemäß „haut ab“) riefen angeblich die Sowjetsoldaten aus ihrer Panzerluke den Steinewerfern in der Leipziger Straße in Ostberlin zu. 2023 jährt sich der Aufstand von vor 70 Jahren. Das Motiv des 0-Euro-Souvenirscheins ist das weltweit bekannte Foto von Simon Laird. Zwei Demonstranten werfen Steine auf sowjetische Panzer in der Leipziger Straße in Ostberlin ... und nicht auf der damaligen Charlottenburger Chaussee, der heutigen Straße des 17. Juni. Das abgebildete Straßenschild auf dem Null-Euro-Schein ist irreführend ... und peinlich. Michael H. Schöne Quellen: https://de.wikipedia.org https://pressroom.rferl.org https://sascha313.wordpress.com https://www.academia.edu https://www.grin.com https://www.lpb-mv.de https://www.n-tv.de https://www.spiegel.de (Halter, Hans: „Die Legende von den toten Russen“ 2003) https://www.psywarrior.com
- Geldzeichen aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, Teil 2
Am 2. August 1870 marschierten französische Soldaten der Rheinarmee unter General Frossard in die wenig geschützte preußische Grenzstadt Saarbrücken ein. Damit begann die Phase der Kriegshandlungen. Am 5. August räumte Frossard Saarbrücken wieder, da er starke gegnerische Truppenverbände in der Nähe vermutete. Damit ging die Initiative auf die drei deutschen Armeen über. Anfangs waren die Siege der deutschen Armeen mit großen Verlusten erkauft; jedoch errangen sie taktische Vorteile, sodass es den französischen Truppen nie gelang, vereint zu kämpfen. Die von der Grenze zurückgedrängten Franzosen marschierten nach Nancy und Straßburg, um sich dort neu zu formieren, während die von Marschall François-Achille Bazaine geführte Rheinarmee ihre Stellung in Metz hielt. Zwischen dem 14. und 18. August kam es hier zu drei Schlachten. Bei Mars-la-Tour (16. August) gelang es Bazaines Armee den Weg in das schwer befestigte Verdun abzuschneiden und eine Vereinigung mit der Armee Napoleons III. zu vereiteln. Nach der verlustreichsten Schlacht des gesamten Krieges in Gravelotte am 18. August zog sich die französische Rheinarmee hinter die Festungsmauern von Metz zurück und wurde von deutschen Truppen eingeschlossen. Marschall Mac-Mahon zog seine Verbände in Châlons zusammen. Sie wurden jedoch von der 3. Armee des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich III., in Richtung belgische Grenze abgedrängt und in Sedan eingeschlossen. Nach starkem Bombardement kapitulierte am 2. September die eingekesselten Armée de Châlons. Mit ihr geriet auch der französische Kaiser Napoleon III. in preußische Gefangenschaft.[1] Als in Paris am folgenden Tag die Nachricht von der Niederlage eintraf, brach das bereits vorher angeschlagene kaiserliche Regime endgültig zusammen. Unter dem öffentlichen Druck gaben die Abgeordneten um Léon Gambetta nach und proklamierten am 4. September 1870 die Dritte Französische Republik. Die folgenden Monate bis zum Friedensschluss musste der entmachtete Kaiser in Gefangenschaft, in Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel, verbringen. Nach den Gepflogenheiten des Kabinettskrieges hätte die französische Niederlage bei Sedan – der größte Teil der französischen Berufsarmee geriet hier in Kriegsgefangenschaft oder war in der Festung Metz eingeschlossen – eigentlich das Ende des Krieges bedeutet müssen. Die „provisorische Regierung der nationalen Verteidigung“ in Paris sah sich jedoch außer Stande, der geforderten Abtretung des Elsass und Teilen Lothringens zuzustimmen, da dies unweigerlich zu Unruhen in Paris geführt und den Sturz der neuen Regierung bedeutet hätte. So ging der Krieg weiter. Am 9. September ergab sich Laon kampflos den Truppen des Großherzogs von Mecklenburg. Bereits am 18. September überquerte die deutschen Armeen die Marne und die Seine flussaufwärts von Paris und schlossen sich in Poissy zwischen Saint-Germain und Versailles, wo der preußische König Wilhelm und der Große Generalstab am 7. Oktober eintrafen, mit den flussabwärts gezogenen Korps zusammen. Bevor Paris am 19. September 1870 von deutschen Truppen eingeschlossen wurde, flüchtete die französische Regierung über Tours nach Bordeaux. Die massiven Festungsanlagen von Paris hielten die deutsche Heeresleitung davon ab, die Stadt erstürmen zulassen, auch fürchtete man die zu erwartenden Straßenkampfe. Moltke setzte darauf, dass die Vorräte in der belagerten Stadt nach acht Wochen aufgebraucht sein würden und die französische Regierung dann um Frieden bitten müsse. Besonders die ärmeren Schichten der Bevölkerung litten in der eingeschlossenen Stadt unter Hunger, Seuchen ((Typhus, Ruhr, Pocken) und Kälte. Der Artilleriebeschuss seit dem Jahreswechsel 1870/1871 forderte weitere Opfer. Die drei neu aufgestellten, schlecht ausgerüsteten französischen Armeen sollten Paris befreien. Nachdem es der „Ersten Loire-Armee“ nicht gelang, Paris zu entsetzen, eroberten die deutschen Truppen des Großherzogs von Mecklenburg [-Schwerin] Friedrich Franz II. und des Prinzen Friedrich Karl von Preußen am 4. Dezember Orléans wieder zurück, dass zuvor bereits am 11. Oktober von bayerischen Truppen unter dem Kommando des Generals Ludwig von der Tann-Rathsamhausen genommen worden war. Die „Zweite Loire-Armee“ unter General Chanzy konnte die deutschen Truppen am 4. Januar 1871 vor Le Mans nicht aufhalten; beim Waffenstillstand hatten sie gerade Alencon und Tours aufgegeben, hielten aber immer noch Laval. Im Süden hielt General Cambriels Vogesenarmee der Armee des Generals August von Werder nicht stand. Epinal wurde am 12. Oktober 1870 von deutschen Truppen und Dijon am 30. Oktober besetzt. Nach dem Fall von Metz am 27. Oktober 1870 standen auf deutscher Seite genügend Truppen zur Verfügung, um nun gegen die ostfranzösischen Festungen vorgehen zu können. General von Tresckows 1. Landwehrdivision, die bei Straßburg gekämpft hatte, erhielt den Auftrag die weiteren Aktionen des XIV. Korps abzusichern und die Festung Belfort zu belagern. In nordwestlicher Richtung erreichte Edwin von Manteuffels Armee am 28. November Amiens und am 6. Dezember Rouen, überquerte aber nur kurz die Seine und machte vor Le Havre halt. Erst im Januar 1871 zog seine Streitmacht weiter nach Péronne und Saint-Quntin. Als am 28. Januar der Waffenstillstand geschlossen wurde, hielt die französische Nordarmee noch immer Maubeuge, Landrecies, Cambrai, Arras und Doullens, war aber seit über zwei Monaten vom Rest des Landes isoliert. Südlich der Loire zog in Bourges die Regierung der Nationalen Verteidigung eine Armee unter dem Kommando von General Charles Bourbaki zusammen, die von Garibaldis Freiwilligenkorps verstärkt wurde. Sie sollten Belfort befreien und die deutschen Armeen von ihren Stützpunkten abschneiden. Die Verschiffung der Truppen begann jedoch erst am 21. Dezember in Nevers und die Konzentration in Besancon erst am 5. Januar. In der Zwischenzeit hatte General von Werders Truppe Dijon verlassen und zog nach Vesoul hinauf, um den Belagerern von Belfort zur Hilfe zu kommen und die französische Armee daran zu hindern, den Ort zu erreichen. Eine deutsche „Südarmee“ unter dem Kommando von General von Manteuffel wurde in der Gegend von Chatillon-sur-Seine gebildet. Sie stürmte zwischen Dijon und Langres nach Osten und schwenkte dann nach Süden ab, ließ Besancon links liegen und schnitt die Reste der französischen Armee ab, die in die Schweiz flüchtete und dort interniert wurde. Die besetzten französischen Gebiete wurden von einer preußischen Militärregierung verwaltet, die sich auf die Kooperation der verbliebenden französischen Kommunalverwaltungen stützte. Zwar wurde die Zivilbevölkerung für die Unterbringung und Versorgung der fremden Truppen in Anspruch genommen, ansonsten interessierte sich das Militär aber nicht für die Wirtschaft und das Währungswesen des Landes. „Die deutschen Heere verfuhren .. im allgemeinen mit großer Billigkeit und zwar auch, was die Festsetzung des Wertverhältnisses der beiderseitigen Münzen anbelangt. Zugrunde gelegt wurde dabei der Parikurs des französischen groben Silbergelds gegenüber dem deutschen. Man berechnete also den Taler zu dem festen Satz von 3,75 Franken und den süddeutschen Gulden zu 2,15 Franken, obwohl das silberne Fünffrankenstück gegenüber der den 10. August 1870 eingeführten französischen Papiervaluta (s. unten) in der Folge ein veränderliches kleines Aufgeld genoß. Umgekehrt ließ sich Deutschland jene Taler- und Guldenstücke an der im Friedensvertrag ausgemachten Kriegskontribution Frankreichs zu dem nämlichen Kurs anrechnen.“[2] Auch wenn einzelne militärische Verbände intern eigene Zahlungsmittel verwendeten, wurde von den deutschen Armeen und Verbänden kein Besatzungsgeld ausgegeben. Abb. 1.1/2: Preußen, 1862, 1 Thaler, Vorder- und Rückseite. Abb. 2.1/2: Baden, 1859, 1 Gulden, Vorder- und Rückseite. Noch vor Kriegsende gelang es Bismarck die süddeutschen Staaten (ohne Österreich) zum „Beitritt“ zum Deutschen Reich zu gewinnen. Die Verfassung des neuen deutschen Kaiserreichs trat am 1. Januar 1871 in Kraft. In Versailles wurde dann für alle sichtbar das Deutsche Reich aus der Taufe gehoben. Am 18. Januar 1871 versammelten sich die deutschen Landesfürsten mit ihren Stäben im Spiegelsaal des Schlosses und riefen dort den preußischen König Wilhelm zum deutschen Kaiser aus. Gerade diesen symbolträchtigen Akt nahmen die Franzosen den Deutschen übel. Nicht von ungefähr musste der Versailler Vertrag 1919, der die Niederlage Deutschland 1918 dokumentierte, an gleicher Stelle unterzeichnet werden.[3] Am 23. Januar 1871 nahm die französische Regierung gegen den Willen des Innenminister Gabetta geheime Waffenstillstandsverhandlung mit Bismarck auf. Am 28. Januar ergab sich die französische Hauptstadt und es trat ein auf 21 Tage befristeter Waffenstillstand in Kraft. Der Abschluss des Vorfriedens in Versailles sah die Abtretung eines Großteils der deutsch besiedelten Gebiete des Elsass und Teilen Lothringens vor, sowie die Zahlung von Kriegsentschädigungen bis zum März 1874. Den endgültigen Friedensschluss zögerte die französische Regierung in der Hoffnung hinaus, dass andere europäische Großmächte sich zu Gunsten Frankreichs diplomatisch einschalten würden. Diese Hoffnung wurde zunichte gemacht, da innenpolitische Ereignisse umgehendes Handeln und dazu die Duldung der deutschen Armee erforderten. Die Pariser Kommune, eine radikal revolutionäre Bewegung, bedrohte die Autorität der französischen Regierung, sodass am 10. Mai 1871 in Frankfurt am Main der endgültige Friedensschluss erfolgte. Neben den Gebietsabtretungen mit den wertvollen lothringischen Eisenerzgruben musste Frankreich 5 Millionen Goldfrancs als Reparation zahlen. Bis zur vollständigen Zahlung blieben Teile des Landes besetzt. Die deutschen Soldaten machten in Frankreich vollkommen neue Erfahrungen, wenn es darum ging, Einkäufe zu bezahlen. Zwar waren auch in Frankreich eine Vielzahl verschiedener Münzen im Umlauf, aber seit dem 7. April 1795 hatte man als erstes Land in Europa eine Dezimalwährung. Statt mit Livres rechnete man mit einem Franc zu 100 Centimes. Seit 1855 prägte die Monnaie de Paris Goldmünzen zu 50 und 100 Francs, die jedoch kaum im Umlauf anzutreffen waren. Dagegen waren die goldenen „Napoleons“ bzw. „Louis“, Münzen zu 20 Francs, die „Doubles“, 40-Francs-Münzen aus der Zeit Napoleon Bonapartes, dem ersten Konsul, französischen Kaiser und König von Italien, von Louis XVIII., Charles X. und Louis-Philippe, sowie Goldmünzen zu 10 Francs („Demis“, geprägt seit 1850) und 5 Francs („Quarts“, geprägt seit 1854) im Umlauf. Natürlich wurden sie mit Beginn des Krieges von der Bevölkerung gehortet. Bei den täglichen Zahlungen wurden dagegen zunächst weiter Silbermünzen verwendet. Die Geldbörsen waren voll von Münzen zu 5 Francs mit der Abbildung des Herkules („Union et Force“) und von Napoleon III. Zusätzlich liefen die wertgleichen Münzen der Lateinischen Münzunion aus Belgien, Griechenland, Italien und der Schweiz um.[4] Aber auch Münzen von Staaten, die nie der Münzunion angehört haben, aber nach gleichem Standard prägten, waren im Umlauf anzutreffen, so z. B. die des Kirchenstaates mit der Abbildung des Papstes. Dagegen waren die Münzen zu 2 Francs, 1 Franc und 50 Centimes aus der Zeit vor 1865 (aus 900/1000er Silber) nicht mehr gesetzliche Zahlungsmittel. In den vergangenen fünf Jahren waren aber fast 26 Millionen Münzen zu 2 Francs, fast 83 Millionen Münzen zu 1 Franc, 80 Millionen Münzen zu 50 Centimes und schließlich 12,5 Millionen Münzen 20 Centimes (835/1000er Silber) geprägt worden. Der Bestand an „Sous“ und „2 Sous“, die seit 1852 geprägt und in Umlauf gebracht wurden, betrug 331.789.765 Münzen zu 10 Centimes und 504.297.197 Münzen zu 5 Centimes, wobei fast 200 Millionen Münzen zu 1 und 2 Centimes hinzukamen.[5] Abb. 3.1/2: Empire Français, 1857, 20 Francs, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: Empire Français, 1867, 5 Francs, Vorder- und Rückseite. Nach weniger als zwei Monaten waren jedoch auch die Silbermünzen in der vom Krieg betroffenen nordöstlichen Zone vollständig verschwunden und auch im Westen und Süden des Landes wanderten viele Münzen in die berühmt berüchtigten wollenen Sparstrümpfe. Mit dem Gesetz vom 12. August 1870 wollte die Regierung dem Horten von Münzen vorbeugen. Die Banknoten der Banque de France erhielten Zwangskurs, d. h. die Bank wurde von der Pflicht enthoben, ihre Banknoten in Gold- oder Silbermünzen einzulösen. Das Notenkontingent der Bank, die seit 1848 das alleinige Emissionsrecht in Frankreich besaß, wurde auf 1.800 Millionen Francs erhöht und die Ausgabe von 25-Francs-Noten gestattet. Nur zwei Tage später wurde der Emissionsbetrag nochmals erhöht: auf 2.400 Millionen Francs.[6] Vorsorglich hatte die Bank schon vor Ausbruch des Kriegs den Druck von 100- und 50-Francs-Noten in Auftrag gegeben. Vom 16. Juli bis zum 16. August lieferte die Druckerei der Banque de France nicht nur 500.000 Banknoten zu 100 Francs und 300.000 Noten zu 50 Francs, sondern auch rund 200.000 Banknoten zu 500 Francs und 1.000 Francs. Vom 16. August bis zum 17. November druckte sie ferner 875.000 Noten zu 25 Francs. Abb. 5.1/2: Banque de France, 11. Oktober 1870, 25 Francs, Typ Paris, Vorder- und Rückseite.[7] Obwohl die beiden erstgenannten Nominale ab Juli 1870 in viel größeren Mengen als zuvor gedruckt wurden, sind sie als normale Ausgaben zu betrachten, da die aktuellen Typen (Blaudruck) seit 1862 (geändert 1866) für 100 Francs und seit 1864 (geändert 1868) für 50 Francs geschaffen worden waren – der 50-Francs-Schein „Clermont“ ist hingegen eine Sonderanfertigung aus der Kriegszeit (siehe weiter unten). Durch die Anfang August gestiegenen Bargeldanforderungen an die Bank, fiel ihre Bargeldreserve auf 900 Millionen Francs. Dies war sicherlich auch ein Grund dafür, dass sich die Bank nicht widersetzte, als ihre Banknoten Zwangskurs erhielten. Der Rat der Bank war gezwungen ein Moratorium für Handelswechsel zu erlassen. Zwar vermied es die Bank Goldmünzen auszuzahlen, gab aber Silberbarren aus ihrer Reserve zur Münzprägung frei, um so Lohnzahlungen und Transaktionen im Kleinhandel zu ermöglichen. Dennoch fehlte immer wieder das Kleingeld. Anstelle der Banknoten zu 25 Francs ersuchte der Bankrat bei der Regierung um die Genehmigung, Banknoten zu 20 Francs ausgeben zu dürfen. Sie würden der gängigen Goldmünze entsprechen, die praktisch aus dem Umlauf verschwunden sei. Erst am 23. Dezember, als die Hauptstadt bereits seit zweieinhalb Monaten von deutschen Truppen besetzt war, konnte die Bank mit dem Druck dieser Banknoten beginnen. Sie gelangte ab Anfang Januar 1871 in Paris in Umlauf. Bis Mai 1873 wurden 49.550.000 Scheine gedruckt. Allerding wurden sie ab Ende 1872 nicht mehr in Umlauf bracht und ab Dezember 1874 eingezogen, während die 25-Francs-Scheine, deren Fälschungen frühzeitig erkannt worden waren, bereits seit Januar 1873 offiziell aus dem Verkehr gezogen wurden. Abb. 6.1/2: Banque de France, 2. März 1871, 20 Francs, Vorder- und Rückseite.[8] Ende August 1870, als Paris bereits durch den Vormarsch der preußischen Truppen bedroht war, ließ die Banque de France „Reservebanknoten“ im Wert von 300 Millionen Francs und die Klischees der Banknoten und Unterschriften zusammen mit dem Goldbestand und den Kronjuwelen abtransportieren. Die „Reservescheine“ gingen über Nantes nach Tours, wo die Regierung der Nationalen Verteidigung und einige Bankvertreter vorübergehend ihren Sitz nahmen. Später verlegten beide ihren Sitz nach Bordeaux. Die Geldkisten gelangten bis nach Bayonne und kehrten nach dem Waffenstillstand im Februar 1871 nach Paris zurück. Jedoch wurde keiner dieser Scheine jemals in Umlauf gesetzt, da der Bestand während der Zeit der Kommune eingeäschert wurde. Ebenfalls im August 1870 richtete die Banque de France eine Druckerei in Clermont-Ferrand ein, um im Falle einer Belagerung der Hauptstadt die Filialen in den nicht besetzten Departements mit Banknoten versorgen zu können. Am 13. September erreichte Ingenieur Ermel die neue Druckerei und begann umgehend mit den Arbeiten. Bereits am 8. Oktober verließen die ersten Scheine zu 25 Francs die Druckerei und am 4. November wurden 50-Francs-Banknoten in Umlauf gebracht. Diese Banknoten unterschieden sich von den weiterhin regelmäßig in Paris gedruckten Banknoten durch die Hinzufügung von drei Sternen neben bzw. über der Wertangabe bei der Banknote zu 25 Francs. Beim Wert zu 50 Francs befinden sich die Sterne vor, hinter und unter der Zeile „Banque de France“. Außerdem wurde ihre Nummerierung handschriftlich vorgenommen, während seit 1866 alle in Paris gedruckten Banknoten maschinell nummeriert wurden. Die Banknoten zu 25 Francs und 20 Francs wurden auf glattem, weißen Papier gedruckt. Banknoten auf vergilbtem Papier sind zeitgenössische Fälschungen. Die Note zu 50 Francs zeigt als Wasserzeichen einen Merkurkopf von vorne. Weniger als zwei Monate nach ihrer Inbetriebnahme hatte die Druckerei in Clermot-Ferrand bereits 400.000 Banknoten zu 25 Francs und 134.000 Banknoten zu 50 Francs gedruckt, deren Papier von einer Fabrik in Thiers geliefert wurde. Als die Druckerei Mitte Dezember stillgelegt wurde, hatte sie 440 Alphabete von Banknoten zu 25 Francs und 115 Alphabete von Banknoten zu 50 Francs gedruckt. Auch während der Belagerung arbeitete die Monnaie de Paris weiter und prägte: 1.510.300 Münzen zu 5 Francs 1.563.000 Münzen zu 2 Francs und während der Zeit der Kommune 1871: 256.410 Münzen zu 5 Francs (mit Camelinats unterschiedlichem "Dreizack") und ab Juni bei der normalen Ausgabe 237.906 Münzen zu 5 Francs 4.757.257 Münzen zu 2 Francs 2,979,881 Münzen zu 1 Franc 235.803 Münzen zu 50 Centimes aus Silber sowie 2.508.494 Münzen zu 20 Francs aus Gold. Bleibt noch zu ergänzen: Von 1872 bis 1874 stellte die Pariser Münze weitere 35 Millionen 5-Francs-Münzen und etwa 20 Millionen Teilstücke her. Die Prägung von 20-Francs-Münzen wurde 1874 wieder aufgenommen, während die Monnaie de Bordeaux von September 1870 bis Ende 1874 fast 3,5 Millionen Ecus und plus 14 Millionen Teilstücke prägte. Abb. 7.1/2: Republique Française, 1871, 2 Francs, Vorder- und Rückseite. Trotz der großen Münzproduktion und der zusätzlichen Banknotenausgaben herrschte vielerorts weiterhin ein starker Mangel an Kleingeld und Banknoten. Um Löhne und Einkäufe bezahlt zu können, musste improvisiert werden. Handelskammern, Städten und Gemeinden, lokalen Banken, Industrielle und sogar Privatpersonen emittierten „Bons de Monnaie“. Dieses Notgeld wurde unter verschiedensten Namen ausgeben, wie z. B. Bon de Circulation, Bon d’Echange, Monnaie Municipale, Bon Divisionnaire, Bon Provisoire, Monnaie Obsidionale, Bon Municipaux, Bon au Porteur, Coupure de Billet de Banque, Bons Communaux, Cheque, Bon de Grantie usw.[9] Abb.8.1/2: Ville de Lille, 17. September 1870, 20 Francs, Blankette oder Neudruck?, Vorder- und Rückseite. Abb.9.1/2: Ville de Verdun, 15. Oktober 1870, 25 Centimes, Vorder- und Rückseite. Abb.10: Decombecque Lens, 15. Oktober 1870, 1 Franc, Blankette, Vorderseite. Abb.11: Decombecque Lens, 15. Oktober 1870, 5 Franc, Blankette, Vorderseite. Abb.12.1/2: Decombecque Lens, 15. Oktober 1870, 10 Franc, Blankette, Vorder- und Rückseite. Abb.13.: Verrerie de Vauxrot Deviolaine et Cie, 1. November 1870, 1 Franc, Vorderseite. Abb.14: Ville de Saint-Quentin, o. D., 1 Franc, Vorderseite. Abb.15.1/2: Villeneuve-l'archeveque, 4. Dezember 1870, 5 Francs, Vorder- und Rückseite. Abb. 16: Banque Commerciale de Sedan, 30. Dezember 1871, 2 Francs, Neudruck, Vorderseite. Abb.17.1/2: Ville des Piceys, 1. Februar 1872, 50 Francs, Vorder- und Rückseite. In fast 50 Departements gaben etwa 400 Emittenten 1.100 unterschiedliche Scheine aus. Dabei sind zwei Ausgabeepochen zu unterscheiden. Erstens die Ausgaben von Ende 1870, die als Ersatz für die gehorteten Gold- und Silbermünzen ausgegeben wurden und zweitens die Ausgaben von Ende 1871 und Anfang 1872, die das Geld, das durch die Reparationszahlungen nach Deutschland flossen, ersetzten sollte. Sie sind eher als Kreditscheine anzusehen, die eine Erholung der Wirtschaft ermöglichen sollten. Zur letzten Gruppe gehören auch die beiden folgenden Emissionen. Abb. 18.1/2: Comptoir d'Escompte (de Paris), 16. November 1871, 5 Francs, Vorder- und Rückseite.[10] Abb. 19.1/2: Société Généraöe. 18. November 1871, 1 Franc, Vorder- und Rückseite. Im Oktober 1871 trat die Industrie- und Handelskammer Paris an die Comptoir d'Escompte mit der Bitte heran, Münzscheine auszugeben, um so der Währungskrise zu begegnen.[11] Der Rat der Bank war hierzu grundsätzlich bereit, wollte aber zu diesem Zweck eine Anleihe im Namen von neun Instituten, darunter Crédit Foncier, Crédit Agricole, Crédit Lyonnais, Banque de Paris und Banque des Pays-Bas, ausgeben und wünschte hierzu die Zustimmung der Finanzverwaltung. Zur Ausgabe gelangte ein Schein zu 5 Francs – dies entsprach immerhin dem Lohn von 15 Arbeitsstunden eines Facharbeiters – mit dem Datum vom 16. November 1871. Der Entwurf der Note stammt vom Maler Charles Camille Chazal (1825 – 1875), die Gravur besorgte Paul Dujardin (1843 – 1913) und den Druck auf Papier ohne Wasserzeichen IMP. A. CHAIX ET CIE - C. PARIS.[12] Unter dem Druck der täglich wachsenden Bedürfnisse schloss sich auch die Société Générale dem Konsortium an, gab aber eigene „Bons de Monnaie“ aus. Die Scheine zu 1, 2 und 5 Francs datieren vom 18. November 1871. Fertige Bögen lieferte die Druckerei Chaix in der Rue de Provence, wo sie mit der Serie, der Nummer und den Unterschriften des Direktors Heroin, des Hauptkassierers Lemonnier und des Kontrolleurs Voller vervollständigt wurden. Die dazu notwendigen drei Druckmaschinen, an denen der Druckereibesitzer und die Druckereibesitzerinnen arbeiteten, wurden im Erdgeschoss aufgestellt.[13] Abb. 20: Der Druck der Bons de Monnaie[14] Die Banque de France schätzte die die Umlaufhöhe der beiden Emissionen auf 50 Millionen Francs. Da sie hierin den Versuch sah, ihr Banknoten-Ausgabemonopol zu untergraben, bat sie nun ihrerseits um Genehmigung, Hilfsbanknoten unterhalb des Wertes von 20 Francs ausgeben zu dürfen. Das Gesetz vom 29. Dezember 1871 erlaubte die Ausgabe von Banknoten zu 10 und 5 Francs und erhöhte gleichzeitig den Gesamtbetrag der Emissionen auf 2.800 Millionen Francs. Ferner verbot das Gesetz jede neue Ausgabe von Notgeld. Das von Gemeinden, Banken und Privatpersonen ausgegebene Notgeld bis 10 Francs war innerhalb von sechs Monaten einzuziehen. Damit wurde impliziert, dass die Ausgabe von lokalen Ausgaben zu 20 Francs und darüber ohnehin illegal seien, da die Bank von Frankreich seit Anfang 1871 legal Banknoten zu 20 Francs ausgab. Da zu diesem Zeitpunkt noch nicht genügend kleine Zahlungsmittel vorhanden waren, durften Gemeinden und bestimmte anerkannten Einrichtungen und Vereinigungen bis Juni 1872 weiterhin Notgeld emittieren. Für den Einzug wurde ihnen eine Frist bis Ende 1872 eingeräumt. Durch Modernisierung war die Druckerei der Banque de France in der Lage, täglich 100.000 Banknoten fertigzustellen. Der Druck der 5-Francs-Noten begann am 1. Dezember 1871. Am 8. Februar 1872 konnten bereits 1.200.000 Noten in Umlauf gesetzt werden. Bis zum 19. Januar 1874 wurden 34.000 Alphabete gedruckt, was etwa 85 Millionen Banknoten entspricht, von denen in dieser Zeit bis Mitte November 1874 allerdings nur 50 Millionen in Umlauf gebracht wurden. Die restlichen 35 Millionen Scheine wurden in Reserve gehalten und erst zu Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 ausgegeben. Abb. 21.1/2: Banque de France, 10. Juli 1873, 5 Francs, Vorder- und Rückseite.[15] Ab Mitte 1873 nahmen die Banque de France und ihre Filialen nach und nach auch die Auszahlung in Münzen im Austausch gegen ihre 100-Francs-Scheine vor, und Ende 1874 versuchte sie sogar, den Umlauf ihrer 100- und 50-Francs-Scheine einzuschränken, obwohl sich die Bevölkerung schon längst an sie gewöhnt hatte und die weitere Nutzung wünschte. Das Gesetz vom 3. August 1875 sah schließlich die Abschaffung des Zwangskurses vor, aber die Banknoten der Banque de France sollten weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel im Verhältnis zum Bargeld (Münzen) gelten; der Zwangskurs wurde offiziell erst am 1. Januar 1878 abgeschafft. Vor allem nach der Kapitulation von Sedan, Metz und anderen französischen Festungen schwoll die Zahl der Kriegsgefangenen an, die in rund 200 Festungen und Lagern in Deutschland untergebracht werden mussten. Bis Februar 1871 kamen 11.860 Offiziere und 371.981 Unteroffiziere und einfache Soldaten nach Deutschland.[16] Ihre Unterbringung und Versorgung stellte für das deutsche Militär eine große Herausforderung dar. In früheren Kriegen war es üblich, Kriegsgefangene noch während des Feldzuges in kurzen Abständen auszutauschen; wobei Mann gegen Mann des gleichen Dienstgrades entlassen wurde. In diesem Krieg war es anders. Während für die Mannschaftsdienstgrade eine täglich fünfstündige Arbeitspflicht bestand, erhielten Kriegsgefangene Offiziere vom Hauptmann aufwärts monatlich 25 Thaler ausgezahlt, Offiziere niederen Ranges immerhin noch 12 Thaler. Während die Unterbringung der Unteroffiziere und einfachen Soldaten „im Allgemeinen nach den für die Kasernierung preußischer Truppen im Krieg bestehenden Grundsätzen“ erfolgte, d. h. sich auf das unbedingt Notwendige beschränkte und Verpflegung und Bekleidung in natura im Rahmen der Löhnung eines preußischen Gemeinen erfolgte, konnten kriegsgefangene Offiziere und ihre Burschen Privatquartiere mieten. Voraussetzung für das Wohnen in Privatquartieren und das Tragen von Zivilkleidung war, dass sie sich durch Ehrenwort verpflichteten, nicht zu fliehen, nur über den Ortskommandanten mit der Heimat zu korrespondieren und keinerlei konspirative Aktionen zu betreiben. Während die Mannschaften so weit wie möglich von der Zivilbevölkerung getrennt wurden, nahmen Offiziere am gesellschaftlichen Leben teil, durften sogar innerhalb bestimmter Grenzen Reisen. Sie hatten auch die Möglichkeit, Geld gegen Schuldscheine zu erhalten, wie das folgende Dokument belegt. Der französischer Kriegsgefangene A. Coteaux erhielt am 12. Juni 1871 in Thorn in Westpreußen von einem Joh. Mich. Schwartz jun. 26 Thaler und 20 Silbergroschen, den Gegenwert von 100 Francs, ausgezahlt. Mit dem Betrag wurde L(Ous) Roederer, Reims, belastet. Das Haus Louis Roederer ist eine 1775 gegründete Champagner-Kellerei, die sich noch heute in Familienbesitz befindet. Abb. 22: Empfangsbescheinigung vom 12. Juni 1871 über 26 Thaler u. 20 Silbergroschen = 100 Francs, Vorderseite. Die Mannschaftdienstgrade hatten nur die Möglichkeit freiwillig bei privaten Arbeitgebern zu arbeiten, um so ein zusätzliches Einkommen zu erhalten. Dr. Keller beruft sich in seinem Katalog über das altdeutsche Papiergeld auf Günter Meinhardt, der das Papiernotgeld militärischer Einheiten zusammenstellte, darunter befindet sich auch Papiergeld für Kriegsgefangene des Deutsch-Französischen Krieges.[17] Die Repatriierung der Gefangenen begann sofort nach Unterzeichnung des Präliminarfriedens vom 11. März 1871. Der großen Mangel an Eisenbahnwaggons stellte eine erhebliche logistische Herausforderung dar. Allein in Bayern wurden für den Rücktransport der knapp 39.000 Gefangenen 32 Züge mit je 40 Waggons benötigt. Ende Juni war die Aktion hier aber abgeschlossen. Nach dem Sieg über Frankreich befand sich das neu gegründete Deutsche Kaiserreich im Siegestaumel. Bei der Siegesparade am 16. Juni 1871 jubelten die Berliner Bürger 40.000 Soldaten zu, die vier Stunden lang durch festlich geschmückte Straßen marschierten, angeführt von Generalfeldmarschall Friedrich Graf von Wrangel in Begleitung des russischen Generals Freiherr von Mierendorff und des österreichischen Generals der Kavallerie Freiherr von Gablenz. Abb. 23: Parade in Berlin am 16. Juni 1871 nach W. Camphausen[18] Die Länder Baden, Bayern, Bremen, Preußen, Sachsen und Württemberg ließen es sich nicht nehmen, den Sieg numismatisch zu verewigen. Sie ließen Erinnerungsmünzen prägen: Abb. 24: Baden, 1871, 1 Kreuzer, „Zu des Deutschen Reiches Friedensfeier“, Vorder- und Rückseite. Abb. 25: Baden, 1871, 1 Kreuzer, „Der Jugend zur Erinnerung, Karlsruhe“, Vorder- und Rückseite. Abb. 26: Bayern, 1871, 1 Thaler, Vorder- und Rückseite. Abb. 27: Bremen, 1871, 1 Goldthaler, Vorder- und Rückseite. Abb. 28: Preußen, 1871, 1 Thaler, Vorder- und Rückseite. Abb. 29: Sachsen, 1871, 1 Thaler, Vorder- und Rückseite. Abb. 30: Württemberg, 1871, 1 Thaler, Vorder- und Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Einzelheiten zum Kriegsverlauf: Th. Lindner, Der Krieg gegen Frankreich und die Einigung Deutschlands, Zur 25jährigen Wiederkehr der Gedenktage von 1870/71, Berlin 1895. [2] Dr. Gustav Schöttle, Der Geldkurs in vom Feind besetzten Landstrichen, Ein geschichtlicher Rückblick, Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, XV. Band, 1919, S. 53. [3] Uwe Bronnert, Vor 150 Jahren: „Seine Majestät, der Kaiser Wilhelm lebe hoch!“, , 3/2021 vom 18. O1.2021 [4] Albert Niederer, Die Lateinische Münzunion, Katalog sämtlicher Münzen der 5 Unionsstaaten mit gesetzlicher Gültigkeit in der Schweiz von 1852 – 1927, Hilterfingen 1976. [5] Victor Gadoury, Monnaies Françaises 1789 – 1975, Deuxième édition, Baden-Baden 1975. [6] Die Ausführungen zur Banque de France folgen weitgehend den Angaben bei Raymond Habrekorn, Catalogue des Papiers Monnaie Français de la Guerre de 1870 (Periode 1870 – 1873, Bulletin de la Société d’Etude pour l’Histoire du Papier-Monnaie, 10e – 11e -12e Années – 1955 – 1956 – 1957, Auxerre 1958. [7] Quelle: (22.05.2023) [8] Quelle: (23.05.2023) [9] Yves Jérémie, Les Billets de Necessité Français de la Guerre de 1870 – 1871, Collection „Histoire du Papier-Monnaie Français“, Volume 15, 2009. [10] Quelle: (21.05.2023) [11] Comptoir d’Escompte de Paris, Rapport a l’Assemblée Généraö Extraordinaire des Actionnaires, Du 31 Janvier 1872, Compte Rendu des Opérations du 1er Juillet au 31 Décembre 1871, S. 12 f. (21.05.2023) [12] (21.05.2023) [13] Société Générale, Centenare 1864 – 1964, S. 65. [14] L ‘Illustration, Journal Universel, No. 1500, 25 November 1871, Seite 4 [15] Quelle: (22.05.2023) [16] S. hierzu Manfred Botzenhart, Französische Kriegsgefangene in Deutschland 1870/71, in: Francia, Forschungen zur Westeuropäischen Geschichte, 21/3 (1994), S. 13 – 28. [17] Dr. Arnold Keller, Das Papiergeld der altdeutschen Staaten (Taler- und Guldenscheine) vom 17. Jahrhundert bis zum Jahr 1914, Berlin-Wittenau 1953, S. 106 – 113. [18] Th. Lindner.












