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  • Banker will Schwarzen eigenes Geld geben

    African-American Face Reserve Obligations Am 11. Januar 1991 titelte die „Chicago Tribune“ einen Bericht mit „Banker wants to give Blacks own Money“ [Banker will Schwarzen eigenes Geld geben].[1] In ihm berichtete A. Dahleen Glanton, dass der Banker Derric Price gerade 70 Millionen US-Dollars in 5-,10- und 20-Dollars-Scheinen habe drucken lasse. Die Währung, die er A.F.R.O-Dollar nennt, sei natürlich kein echtes Geld, vielmehr handele es sich um Zertifikate, die in verschiedenen Geschäften in Chicago zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen benutzt werden können. „Und jedes Mal, wenn die Kunden die roten, schwarzen und grünen Scheine für irgendetwas verwenden - von einer Rolle Toilettenpapier bis zur Hypothekenzahlung - tragen sie dazu bei, dass Schwarze auf der wirtschaftlichen Leiter ein oder zwei Stufen höher steigen, so Price.“ Dem 32-jährigen Investmentbanker kam die Idee der eigenen Geldausgabe für Schwarze, als er sich fragte, warum Afroamerikaner als ethnische Gruppe auf der wirtschaftlichen Leiter ganz unten stehen, obwohl sie 300 Milliarden Dollars pro Jahr ausgeben würden. Diese Kaufkraft wollte er mithilfe des A.F.R.O-Dollars bündeln und bei sozialen Projekten nutzen. Sein Plan sah vor, dass bei Ausgabe jedes A.F.R.O.-Dollars ein Prozent in einen kommunalen Treuhandfonds fließt. Dieses Geld sollte gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung stehen, die sich für die Bereitstellung von Wohnraum für einkommensschwache Bevölkerungsschichten, Risikokapital für kleinere Unternehmen und Bildungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche einsetzen. Price war überzeugt, dass sich die schwarzen Amerikaner durch Verwendung der A.F.R.O.-Dollars selbst helfen könnten. Er schätzte, dass allein in Chicago jeden Monat „African-American Face Reserve Obligations“ für 100 Millionen Dollars ausgegeben werden könnten und somit der Trust jährlich 10 Millionen Dollars einbringen würde. Nicht nur unterprivilegierte Schwarze könnten vom Gebrauch des „neuen Geldes“ profitieren, sondern jeder der mit A.F.R.O.-Dollars in Berührung kommt. Verbraucher, die 100 US-Dollars bei ihrer örtlichen Bank gegen A.F.R.O.-Dollars eintauschen, erhalten zwei Dollars in Punkten, die sie beim Kauf von Lebensmitteln bis hin zu Luxusautos verwenden können. Price argumentierte ferner, dass Geschäfte, die A.F.R.O.-Dollars akzeptieren würden, eine Fülle neuer Kunden gewännen. Zusätzlich würden sich auch die Geldverkehrskosten der Unternehmen verringern; 4 bis 7 Prozent des Zahlungsbetrags koste die Zahlung mit Kreditkarten, aber nur 2,9 Prozent bei Umtausch der A.F.R.O.-Dollars in US-Dollars. Abb. 1: Vorderseiten der vier A.F.R.P.-Dollar-Scheinen, Quelle: (05.02.2022) Die Ausgabe der ersten Obligationen der „African-American Face Reserve Obligation, Inc.“ gelangten wohl bis zum 1. Februar 1991 in Umlauf, gerade rechtzeitig zum „Black History Month“.[2] Die Serie umfasst vier Nominale, die bei „Northern Bank Note“ in Countryside gedruckt wurden und auf deren Vorderseite prominente schwarze Amerikaner abgebildet sind: Beim 1-A.F.R.O.-Dollar-Schein das Gesicht von Booker T. Washington[3], beim 5-A.F.R.O.-Dollar-Nominal Louis Armstrong[4] beim 10-A.F.R.O.-Dollars-Wert George Washington Carver[5] und schließlich bei der Note zu 20-A.F.R.O.-Dollars Frederick Douglass. Die Wertzeichen wurden auf festem Papier ohne Wasserzeichen banknotenmäßig hergestellt. Price ist mit seinem A.F.R.O.-Dollar einer der frühen Pioniere und Gründer der lokalen Währungsbewegung. Sie ist die Einzige, die vom Finanzministerium in den USA als Umlaufwährung zugelassen wurde. Jeder A.F.R.O.-Dollar ist durch einen US-Dollar gedeckt und wird von den teilnehmenden Banken garantiert. Das Konzept schien so erfolgversprechend, dass sich von Anfang an etwa 15 Banken aus ganz Chicago, mehrere Lebensmittelgeschäfte, Kaufhäuser, Restaurants und andere Unternehmen bereit erklärt haben, A.F.R.O.-Dollars zu verwenden. A.F.R.O.-Dollar-Noten haben unabhängig von ihrem Wert die Größe von 151 mm x 67 mm – sie sind damit ca. 5 mm kürzer als die US-Banknoten der Federal Reserve Bank. Ihre Gestaltung lehnt sich an den damals umlaufenden US-Banknoten an, weist jedoch bereits farbige Bereiche auf. Die Vorderseite ist vorwiegend in Grün gehalten, im mittigen Oval das schwarze Brustbild eines bekannten Afroamerikaners, links davon die Wertangabe in großen Ziffern und unterlegt in roten Buchstaben, rechts vom Oval das US-amerikanische Wappentier, der Weißkopfadler auf einer Felsspitze, am unteren Rand die Wertabgabe in Buchstaben und in den Ecken in roten Ziffern, am oberen Rand „AFRICAN-AMERICAN FACE RESERVE OBLIGATION“, es folgt darunter „PAY IN UNITED STATES (WERT) DOLLARS“ [ZAHLBAR IN (WERT) DOLLAR DER VEREINIGTEN STAATEN], über dem Adler klein zweizeilig „THE FACE AMOUNT DENOMINATION IS REDEEMABLE / IN U.S. DOLLARS AT PARTICIPATING BANKS“ [Der Nennwert ist bei den teilnehmenden Banken in U.S. Dollar rückzahlbar], unter dem Adler eine siebenstellige Kennnummer mit zwei vorangestellten Großbuchstaben, über der großen Wertziffer „Chicago, Illinois“, darunter eine faksimilierte Unterschrift der im Oval abgebildeten Person. Abb. 2: 20 Dollars der „African-American Face Reserve Obligation, Inc.“, Vorderseite. Abb. 3: 20 Dollars der „African-American Face Reserve Obligation, Inc.“, Rückseite. Im Banknotenhandel wird wohl ausschließlich der Wert über 20 A.F.R.O.-Dollars angeboten. Im Oval der Vorderseite befindet sich hier das Brustbild des ehemaligen Sklaven und späterer Abolitionisten und Schriftstellers Frederick Douglass. Er wurde 1817 oder 1818 im Talbot County, Maryland als Frederick Augustus Washington Bailey in Sklaverei geboren. 1838 gelang ihm die Flucht nach New York, in die Freiheit. Dort änderte er seinen Namen, wie es bei entkommenen Sklaven üblich war, in Frederick Douglass. Er starb am 20. Februar 1895 in Washington, D.C. Die Rückseite des 20-A.F.R.O.-Dollars-Scheins zeigt in schwarzer Farbe sein Wohnhaus in den Hügeln von Anacostia, direkt gegenüber dem Anacostia River vom Kapitol und dem Weißen Haus, aber immer noch innerhalb der Stadtgrenzen von Washington, D. C. Cedar Hill wurde ein Wallfahrtsort für Journalisten, Fans und Machthaber, die Douglass hier von 1877 bis zu seinem Tod im Jahr 1895 besuchten. Eingerahmt wird die Abbildung durch einen roten Schmuckrahmen, in deren Ecken jeweils der Wert in Ziffern angegeben wird. Oben im Rahmen „PAY IN UNITED STATES TWENTY DOLLARS“ und unten im Rahmen die Wertangabe „TWENTY DOLLARS“. Über dem Haus „IN GOT WE TRUST“. Links und rechts des Hauses das Einlösungsversprechen: „This Certificate is redeemable form all trade, merchandise or services for business under / Agreement with African-American Face Reserve Obligation or those displaying this logo“ [Dieses Zertifikat kann bei allen Geschäften, Waren oder Dienstleistungen eingelöst werden, die dem System der African-American Face Reserve Obligation angeschlossen sind oder die dieses Logo tragen]. Das Logo befindet sich oberhalb mit der Abkürzung „A.F.R.O.“. Aus dem alternativen Währungsprojekt ist im Laufe der Jahre ein mobiles Banking-System entstanden, das Zahlungen, Hypotheken, Kreditvergaben für Privatpersonen und kleine Unternehmen sowie gemeinnützige Spenden auf seiner Plattform auch digital ermöglicht. Der Community Fund unterstützt lokale Unternehmen bei der Deckung der Kosten für die Einstellung von Arbeitslosen und hilft gemeinnützigen Organisationen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in der Gemeinde.[6] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (03.02.2022) [2] „Der Black History Month wird in Kanada und in den Vereinigten Staaten alljährlich im Februar gefeiert. Dem Black History Month ging die Negro History Week voraus, die in der zweiten Februarwoche gefeiert wurde. Diese Feierbewegung schwarzer Geschichte in den Vereinigten Staaten wurde 1926 von Carter G. Woodson initiiert, womit er die breite Öffentlichkeit auf den Beitrag von Afroamerikanern zur Geschichte ihres Landes aufmerksam machen wollte. Woodson wählte den Februar deshalb, weil in diesem Monat Abraham Lincoln, Frederick Douglass und Langston Hughes geboren wurden. Zur Gründungszeit des Black History Month wurden die Geschichte und Traditionen der schwarzen Bevölkerung kaum in Geschichtsbüchern behandelt. Die Darstellung Schwarzer in Geschichtsbüchern beschränkte sich auf ihren niederen sozialen Status.“ (05.02.2022) [3] Booker Taliaferro Washington [* 5. April 1856 auf der Burroughs Farm, Hale’s Ford, Franklin County, Virginia; † 14. November 1915 in Tuskegee, Alabama] war ein US-amerikanischer Pädagoge, Sozialreformer und Bürgerrechtler. [4] Louis Daniel „Satchmo“ Armstrong [* 4. August 1901 in New Orleans; † 6. Juli 1971 in New York City] war ein US-amerikanischer Jazztrompeter, Sänger und Schauspieler. [5] George Washington Carver [* um 1864 in Missouri; † 5. Januar 1943 in Tuskegee, Alabama] war ein Botaniker, Chemiker und Erfinder in der Landwirtschaftsforschung in den Südstaaten der USA. [6] Vgl. (05.02.2022)

  • Eine australische Gedenkbanknote zu 10 Dollars von 1988

    Die Banknote aus Polymer-Kunststoff erinnert an die Gründung der Sträflingskolonie in New South Wales Zwar hatte James Cook bereits am 22. August 1771 die Ostküste Neu-Hollands für die englische Krone in Besitz genommen und in New South Wales umbenannt, jedoch gilt der 26. Januar 1788 als Geburtsstunde des heutigen Australiens. Als Folge der Amerikanischen Revolution war es England nicht mehr möglich „Schwerst-Verbrecher“ nach Nordamerika zu deportieren. Da die eigenen Gefängnisse restlos überfüllt waren, schlug der Naturforscher Joseph Banks das entfernte New South Wales als Sträflingskolonie vor. Er hatte die Küstengegend als Teilnehmer einer von James Cook unternommenen Forschungsreise (1768 bis 1771) erkundet. Acht Jahre später gab Innenminister Lord Sydney die Entscheidung Königs Georg III. bekannt, die Botany Bay als neuen Platz für verurteilte Straftäter zu nutzen. Dass der Kontinent zu diesem Zeitpunkt bereits bevölkert war, spielte bei der Entscheidung keine große Rolle. Am 13. Mai 1787 verließ die „First Fleet“ (Erste Flotte), bestehend aus zwei Schiffen der Royal Navy, drei Lagerschiffen und sechs Sträflingstransportern unter dem Kommando von Kapitän Arthur Phillips mit mit 750 männlichen und weiblichen Sträflingen, 400 Matrosen, vier Kompanien der Marineinfanterie und ausreichendem Viehbestand sowie genug Nahrungsmitteln für zwei Jahre Portsmouth in England. Nach 24.000 Kilometern und über 250 Tagen erreichte sie ihr Ziel: Botany Bay in New South Wales. Da der Landstrich nicht den Erwartungen entsprach, segelte man weiter. Am 26. Januar 1788 ging man in Port Jackson, einer geschützten Bucht mit einem perfekten Hafen, vor Anker und gründete mit der Siedlung Sydney die erste britische Kolonie in Australien. Die zweite Flotte erreichte 1790 mit weiteren Verurteilten und einigen Versorgungsgütern die Ostküste von Australien. Ein Jahr später, mit der Ankunft der dritten Flotte, wuchs die Bevölkerungszahl auf ca. 4.000 Personen an. Bis 1868, dem Jahr in welchem diese Praxis endete, wurden insgesamt 162.000 Sträflinge nach Australien deportiert. „New South Wales war für die Neuankömmlinge ein harscher und grauenvoller Platz. Die Verbrechen, welche mit dem Abtransport nach Australien bestraft wurden, waren oftmals von geringer Bedeutung. Sie wurden dennoch mit mindestens 7 Jahre Freiheitsentzug bestraft, was aufgrund der weiten Entfernung zum Heimatland einer lebenslangen Strafe gleichkam. Es gab zu jener Zeit keine Hoffnung auf eine Rückkehr nach England. Obwohl die neue Kolonie, bestehend aus Soldaten, Matrosen, Taschendieben, Prostituierten und Kleinkriminellen die ersten schwierigen Jahre überstand, glich das Leben in Australien durch die Grausamkeiten des Wachpersonals eher einer Hölle. In der ersten Zeit waren die Siedler stark vom Nachschub aus Europa abhängig und eine Verzögerung oder gar ein gekentertes Versorgungsschiff kam einer Katastrophe gleich. Die Gefahr von Hungersnot bestand über die ersten 16 Jahre in der neuen Kolonie. Dies besserte sich mit den ersten Farmen in Australien. Mit steigenden Ernteerträgen der neuen Farmen wurde New South Wales zunehmend unabhängiger vom Nachschub aus Großbritannien.“[1] Abb. 1: Reserve Bank of Australia, 26. Januar 1988, 10 Dollars, Vorderseite. Abb. 2: Reserve Bank of Australia, 26. Januar 1988, 10 Dollars, Rückseite. Abb. 3: Offizielle Abgabemappe, in dem die Gedenknote eingelegt ist. Die Vorderseite zeigt eine Montage eines Stichs von E. Dayes nach einer Skizze von John Hunter mit dem Titel „View of the Settlement on Sydney Cove“, der erstmals 1783 veröffentlicht wurde, und von Paddy Carroll Tjungurryi’s „Men’s Dreaming“. In der Mappe finden sich die folgenden Informationen, die hier in freier Übersetzung wiedergegeben werden: „Die in der Banknote enthaltene Technologie ist das Ergebnis langjähriger gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Reserve Bank of Australia und der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation. Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein hochentwickeltes optisch variables Gerät (OVD) entworfen, hergestellt und in die Banknote integriert, um Fälschungen zu verhindern. Das OVD, ein Porträt von Captain Cook, ist von beiden Seiten der Banknote sichtbar. Es bricht das Licht und erzeugt ein Regenbogenmuster, wenn der Blickwinkel verändert wird. Ein klares Porträt und das Regenbogenmuster sind wichtige Sicherheitsaspekte der neuen Banknote. Um die Verwendung eines OVD zu ermöglichen, wurde ein spezielles Polymer-Substrat entwickelt, das das herkömmliche Banknotenpapier ersetzt. Das Polymer ist nach der Behandlung im Druckverfahren vergleichbar leistungsfähig wie das Papier. Dies ermöglicht die Einbeziehung traditioneller Fälschungsschutzvorrichtungen, die auf den Fähigkeiten des Banknotendruckers beruhen. Der Stichtiefdruck, der für die Hauptmerkmale verwendet wird, erzeugt beispielsweise einen deutlichen erhabenen Effekt an den Stellen, an denen die Farbe aufgetragen wurde; der Offsetdruck, der für die Hintergrundmuster auf der Banknote verwendet wird, wird auf beiden Seiten gleichzeitig aufgetragen, so dass sie perfekt zueinander passen. Das Wasserzeichen, das bei Papiernoten üblich ist, ist dem OVD gewichen.“ Passend zum Jubiläum waren am 26. Januar 1988 die neuen Gedenkbanknoten emittiert worden. Owen W. Linzmayer berichtet in seinem Katalog, dass diese Scheine bereits nach kurzer Zeit wieder eingezogen wurden. Es hatte sich herausgestellt, dass das OVD des Durchsichtfensters leicht abgerieben werden konnte. Am 24. Oktober wurde dann eine fehlerfreie Version ausgegeben, bei der das OVD mit einer dünnen Plastikfolie überzogen war.[2] Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Scheine ohne Datum mit dem Präfix „AB“. Von der Gedenkausgabe sollen insgesamt 17.500.000 Exemplare gedruckt worden sein. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (10.01.2022) [2] Owen W. Linzmayer, The Banknote Book: Australia, 19.05.2021, S. 29.

  • Griechenland 1941/42 – ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen

    Am 6. April 1941 rückten deutsche und bulgarische Truppen in Griechenland ein, um dem verbündeten Italien zur Hilfe zu kommen. Die Nachfrage nach Banknoten stieg sprunghaft an, da die Menschen in Erwartung der Schwierigkeiten der bevorstehenden Besetzung eilig lebensnotwendige Lebensmittel und Waren kauften. Darüber hinaus veranlasste die ungewisse Zukunft die griechische Bevölkerung verstärkt Bargeld zu horten, sodass schon bald Zahlungsmittel knapp wurden. Auf diese Situation war die Bank von Griechenland nicht hinreichend vorbereitet. Der Bankvorstand sah sich gezwungen, auf eine ungewöhnliche Art Abhilfe zu schaffen. Am 25. April 1941 kündigte er an, alle im Umlauf befindlichen Banknoten, die aufgrund von Abnutzung bereits eingezogen, aber noch nicht vernichtet worden waren, wieder in Umlauf zu setzten. Jedoch war eine große Menge dieser Scheine, um einen Missbrauch zu verhindern, bereits mit sechs Stanzlöchern versehen und damit entwertet worden. Zusätzlich trugen sie meistens einen Kastenstempel mit „AKYRON“ (UNGÜLTIG) und weiteren Angaben. Diese eigentlich ungültigen Banknoten wurden durch Verordnung 45 der Bank am 14. Mai 1941 wieder ausgegeben. Sie zirkulierten fast ein Jahr lang, bis sie durch Verordnung 37 vom 1. Januar 1942 mit der ergänzenden Verordnung 30 vom 31. März 1942 am 1. April 1942 endgültig aus dem Verkehr gezogen und gegen neue Noten umgetauscht wurden. Am 14. Mai 1941 waren die folgenden Noten der Bank von Griechenland im Umlauf: Theoretisch können alle diese Noten mit Entwertungsstempel und -lochung wieder ausgegeben worden sein. Bisher sind die mit dem Stern (*) gekennzeichneten Ausgaben nachgewiesen. Die mit der Raute (#) gekennzeichneten Noten kommen auch ohne den Aufdruck des neuen Banknamens ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ vor. Die bekannten Kataloge verzeichnen wohl, dass entwertete 5.000-Drachmen-Banknoten (+) wieder ausgegeben wurden, die Veröffentlichungen der Bank von Griechenland führen diese jedoch nicht auf. Abb. 1.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 15. Oktober 1926, 1000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 1.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 15. Oktober 1926, 1000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 2.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 4. November 1926, 1000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 4. November 1926, 1000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 3.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 24. Mai 1927, 50 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 3.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 24. Mai 1927, 50 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 4.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1932, 5000 Drachmen, Vorderseite. Abb. 4.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1932, 5000 Drachmen, Rückseite. Abb. 5.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. Oktober 1932, 500 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 5.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. Oktober 1932, 500 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 6.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 50 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 6.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 50 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 7.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 100 Drachmen, Vorderseite. Abb. 7.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 100 Drachmen, Rückseite. Das Fehlen anderer Scheine in gelochter Form ist wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass diese Ausgaben und Stückelungen erst kurze Zeit im Umlauf und daher noch nicht abgenutzt genug waren, um sie gegen neue Banknoten auszutauschen bzw. es waren von den eingezogenen Scheinen keine (nennenswerten) Bestände mehr vorhanden. Außerdem halten nur wenige Leute aktuelle Banknoten für Sammlerzwecke zurück, besonders in Zeiten großer Instabilität wie in den ersten Monaten der deutschen Besatzung. In der Regel wurden die Banknoten zur Entwertung mit sechs Stanzlöchern versehen. Ein Vergleich der Lochung zeigt, dass mit verschiedenen Locheisen gearbeitet wurde. Vier Lochgrößen lassen sich unterscheiden: sehr klein, etwas größer, „normal“ und groß. Außerdem gibt es Unterschiede in dem Rechteck, das die Löcher bilden. Normalerweise bedecken die sechs Löcher eine Fläche von 75 x 40 mm; seltener sind Rechtecke von 65 x 40 mm, 60 x 40 mm oder 75 x 35 mm. Scheine, die eine 9- oder 12fach-Lochung aufweisen dürften durch Doppelentwertungen entstanden sein. Auf der Rückseite haben die lochentwerteten Noten einen Kastenstempel, einzig in der Gegend um Athen-Piräus scheint man darauf verzichtet zu haben. Der Stempel besteht aus vier Zeilen: Die 1. Zeile nennt den Namen der Bank „ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ“, die 2. Zeile den Namen des Ortes der Bankfiliale, die 3. Zeile gibt das Jahr bzw. das komplette Datum der Einziehung an und in der 4. Zeile steht immer „AKYPON“ (Ungültig). Wie aus den Daten der Stempel ersichtlich, wurden sie in den Jahren 1932 bis 1941 eingezogen. Am häufigsten sind die Jahre 1938 und 1939 anzutreffen. Da die eingezogenen und wieder ausgegebenen Banknoten der griechischen Notenbank immer noch preiswert zu erwerben sind, bietet sich hier für den Sammler die Möglichkeit eine Spezialsammlung aufzubauen. Uwe Bronnert Literatur: Hans-Ludwig Grabowski unter Mitarbeit von Henning Huschka und Wolfgang Schamberg, Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Regenstauf 2006. Manousopoulos Spiros, The Circulation of Cancelled and Perforated Banknotes from Hellas 1941 – 1942, o. O., 2013. National Bank of Greece – Welfare Foundation for Social and Cultural Affeirs, Greek Banknotes, A Journey, 1822 – 2002, Athens 2005

  • Die Deutsch-Südamerikanische Bank als Notgeld-Emittent in Torreón

    Die Finanzgruppe Dresdner Bank, A. Schaaffhausenscher Bankverein und Nationalbank für Deutschland gründeten am 4. Januar 1906 die Deutsch-Südamerikanische Bank A.G. mit Sitz in Berlin und Hamburg. Die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 26. desselben Monats. Die Bank wurde mit einem Kapital von 20 Millionen Mark ausgestattet, von dem 25 Prozent sofort eingezahlt wurden. Der Rest folgte in Raten bis 1911. Bereits am 1. Juli nahm die Niederlassung in Buenos Aires (Argentinien) ihre Arbeit auf und am 10. Juni 1907 eröffnete die Bank eine Niederlassung in Mexico (Stadt).[1] Auch wenn diese Filiale im Geschäftsjahr noch nichts zum Gewinn beitragen konnte, war man mit ihrer Entwicklung in Berlin zufrieden. Der Bankvorstand warnte jedoch vor einer zu großen Euphorie: „Allerdings wird auch in Mexico die Entwicklung nur eine allmähliche sein, indem die Rückwirkung der Krisis in den Vereinigten Staaten sich fühlbar macht und in der Ausdehnung der Geschäfte zur Zurückhaltung mahnt.[2] [3] Abb. 1: Briefsiegel der Deutsch-Südamerikanischen Bank A.G. Die Wahl des Termins für den Beginn der geschäftlichen Tätigkeit in Mexiko schien günstig. Die mexikanische Regierung hatte die Währung des Landes neu geordnet und die bisherige freie Ausprägung von Silberpesos mit dem 15. April 1905 ausgesetzt. Neue Silberpesos wurden nur noch vom mexikanischen Schatzamt gegen Einzahlung von Gold ausgegeben und die gesamte mexikanische Silberproduktion der Kontrolle des Staates unterstellt. Das Ziel dieser Währungsreform war die Umstellung der mexikanischen Währung von Silber- auf Goldbasis. Der Kurs des Silberpesos galt fortan 50 US-Cents Gold.[4] Die mexikanische Regierung folgte bei ihrer Währungsumstellung einer allgemeinen internationalen Entwicklung, die im frühen 19. Jahrhundert von Großbritannien ausging. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert sprach man von Geld und meinte damit Münzen, deren Wert durch Gewicht und Feingehalte bestimmt war. Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber galt ab 1795 mit der Einführung des „Franc de Germinal“ 15,5, d. h. Gold hatte den 15,5-fachen Wert des Silbers. Diese Wertrelation hatte lange Zeit bestand. 1821 wurde die Bank of England verpflichtet, ihre Pfundnoten in Goldmünzen einzulösen. Damit schuf Großbritannien die erste Währung, die auf dem Goldstandard beruhte. Aber erst mit der Peel’schen Bankakte 1844 wurde die Golddeckung der Banknoten verfügt. Im System der Goldwährung entsprach jede Währungseinheit einer gesetzlich festgelegten Gewichtsmenge an Gold. Eine Mark des Kaiserreichs z. B. 0,358423 Gramm Feingold. Da sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Goldwährung in den meisten Staaten durchsetzte, standen diese Währungen in einem festen Wertverhältnis zueinander, z. B. 1 Mark = 1,25 Francs. Die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos war so verlockend, dass die Deutsch-Südamerikanische Bank 1910 im Norden des Landes, in Torreón, einer aufblühenden Stadt im Zentrum des Baumwolldistrikts, eine Filiale eröffnete. Jedoch änderte sich das politische Klima grundlegend. Seit 1876 regierte Präsident Porfirio Díaz als Diktator das Land mit eiserner Hand. Zwar hatte er das Mexiko modernisiert und die Wirtschaft angekurbelt, aber auch jede politische Opposition niedergeschlagen. Der krasse Gegensatz zwischen dem rasch steigenden Wohlstand der Elite und der Verarmung der Massen führte schließlich zur mexikanischen Revolution. Bei der manipulierten Wahl 1910 ging Díaz zwar als Sieger hervor, sein Herausforderer Francisco Madero rief jedoch aus seinem texanischen Exil zur bewaffneten Revolution auf. Überall im Land erhoben sich Rebellenarmeen gegen die amtierende Regierung, sodass Díaz schließlich sein Amt im Mai 1911 niederlegte und Madero am 6. November 1911 zum Präsidenten gewählt wurde. Die Erhebung gegen Díaz war der Beginn einer Serie von zum Teil überaus blutigen Kämpfen und Unruhen, die große Teile Mexikos erfassten und das Land bis weit in die 1920er Jahre nicht zur Ruhe kommen ließen. Der Geschäftsbericht für 1910 erwähnt, dass das Gebiet der Stadt Torreón zeitweise von der revolutionären Bewegung heimgesucht worden sei und dass die „Tätigkeit mit Rücksicht auf die politischen Unruhen zunächst mit großer Zurückhaltung aufgenommen“ wurde. Der Bankvorstand setzte weiter auf eine Expansion, so bezog die Niederlassung in Mexico (Stadt) Ende Oktober 1911 ein neues Bankgebäude und die Filiale in Torreón errichtete auf einem bereits früher hierfür gekauften Grundstück ein Lagerhaus für Baumwolle, um so eine bessere Kontrolle über die Finanzierung der Ernte zu erhalten.[5] Im Februar 1913 putschte die Armee und General José Victoriano Huerta Márquez übernahm am 19. Februar das Präsidentenamt. Drei Tage später wurde der rechtmäßige Präsident, Francisco Madero, beim Transport vom Nationalpalast zum Staatsgefängnis „auf der Flucht“ erschossen. Dem neuen und de facto diktatorisch regierenden Machthaber Huerta stellte sich eine Koalition nahezu aller revolutionärer Kräfte entgegen. Venustiano Carranza, Gouverneur von Coahuila rief das Volk auf, zu den Waffen zu greifen und den Usurpator zu vertreiben. Am 26. September 1913 beschlossen die wichtigsten Rebellenführer der Bundesstaaten Durango und Chihuahua bei ihrem Treffen in Jiménez den strategisch wichtigen Bahnknotenpunkt Torreón im Bundesstaat Coahuila anzugreifen. Den Oberbefehl über die Rebellenarmee, die als División del Norte von sich reden machte, übernahm Pancho Villa. Seiner vereinten Streitmacht – 6.000 bis 8.000 Mann, Bauern, Bergarbeiter, ehemalige Banditen und US-amerikanische Abenteurer – standen in der Schlacht um Torreón vom 29. September bis 1. Oktober 1913 etwa 3.000 Federales (Regierungstruppen) und Milizionäre gegenüber. Der Sieg markierte den Übergang Pancho Villas vom Guerillero zum Revolutionsführer. Da reguläre Zahlungsmittel fehlten und die Truppen entlohnt werden mussten, stellten sechs Banken in Torreòn – Deutsch-Südamerikanische Bank, Banco de Londres y México, Banco de Coahuila, Banco de la Laguna, Banco Minero und Banco Nacional de México – (Notgeld)-Schecks aus, die auf andere Banken gezogen waren. Die Mehrzahl der Schecks datieren vom 7. Oktober 1913 und lauten über 5, 10 und 20 Pesos. Die Deutsch-Südamerikanische Bank stellte Schecks auf die Banco de Londres y México und Banco Nacional de México aus und umgekehrt. 1. Tabelle: Scheckausgaben in Torreón 1913/14. Die Schecks wurden auf weißem Papier mit Fabrik-Wasserzeichen gedruckt und sind meist 180 mm x 90 mm groß. Die Vorderseite ist mit „SERIE ESPECIAL A“ überschrieben. Darunter links der Kontrollnummer und rechts das Ausgabedatum – meist 7- Oktober 1913. In der nächsten Zeile der Name der bezogenen Bank, z. B. Sudamerikanische[6] Bank (Berlin), es folgt „Sucursal en Torreón“ (= Filiale Torreón) und „Páguese al portador“ (zahlbar an Überbringer), dann die Wertangabe in Worten und schließlich der Name der ausgebenden Bank, z. B. Banco Nacional de México, und zwei Handunterschriften. Nur bei der Banco Minero wird als Zahlungsort „Gomez Placio, DGO“ angegeben. Der vierzeilige Text auf der Rückseite nennt den Ausgabegrund: „Este Cheque será reembolsado en cualquier tiempo en giros / sobre México á la vista y á la par, ó en dinero efectivo al quedar / definitimente abierto el tráfico ferrocarrilero con la Capital de la / República.“ (Dieser Scheck wird jederzeit in Wechseln auf Mexiko bei Sicht und zum Nennwert oder in bar erstattet, sobald der Eisenbahnverkehr mit der Hauptstadt der Republik endgültig eröffnet ist.). Dann folgt der Hinweis: „Sin estampilla por estar clausurada la Administración del Timbre.“ (Ohne Stempel aufgrund der Schließung der Stempelverwaltung.) Abb. 2.1: DAB-70b, 5 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco Nacional de México, Vorderseite.[7] Abb. 2.2: DAB-70b, 5 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco Nacional de México, Rückseite.[7] Abb. 3.1: DAB-74, 10 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco de Londres y México, Vorderseite.[7] Abb. 3.2: DAB-74, 10 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco de Londres y México, Rückseite.[7] Abb. 4.1: DAB-76, 5 Pesos, Notgeldscheck der Banco Nacional de México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Vorderseite. Abb. 4.2: DAB-76, 5 Pesos, Notgeldscheck der Banco Nacional de México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Rückseite. Abb. 5.1: 20 Pesos, DAB-81a, Notgeldscheck der Banco de Londres y México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Vorderseite.[7] Abb. 5.2: DAB-81a, 20 Pesos, Notgeldscheck der Banco de Londres y México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Rückseite.[7] Scheine kommen auch mit dem Stempelabdruck „Falso“ vor. Die Bedeutung ist unklar, da auch diese Noten Originale sind und keine Fälschungen. Aufgrund der einheitlichen Ausführung der Schecks ist anzunehmen, dass alle bei „C. Montauriol, Torreón“ gedruckt wurden. Über die Umlaufdauer der Notgeldschecks ist nichts genaues bekannt. Man vermutet, dass sie über eine längere Zeit als Zahlungsmittel verwendet wurden; wahrscheinlich bis 1915 oder sogar noch länger. Abb. 6.1: 10 Pesos, Notgeldscheck der Banco de la Laguna auf Banco Minero mit Stempel „FALSO“, Vorderseite. Abb. 6.2: 10 Pesos, Notgeldscheck der Banco de la Laguna auf Banco Minero, Rückseite, Quelle: ebay Im Geschäftsbericht für das Jahr 1913 ist zu lesen, dass „die innerpolitischen Unruhen … dem Wohlstand des Landes schwere Wunden [zugefügt haben]. Besonders wurden im Norden der Republik liegende Centren der Minen- und Baumwolldistrikte durch die Kämpfe … in Mitleidenschaft gezogen. Eine Reihe von industriellen Betrieben musste in diesen Gegenden ganz schliessen. Die besonders reiche Baumwollernte konnte nur zum Teil gepflückt werden und der Versand an die Konsumenten infolge der fortwährenden Zerstörung der Eisenbahnlinien nur sehr schleppend erfolgen. Wir haben gegen Jahresende unsere Filiale Torreón bis zur Wiederkehr geordneter Verhältnisse geschlossen.“ Es sollte bis 1920 dauern, bis die Filiale in Torreón wieder ihre Pforten öffnete. Im Geschäftsbericht für 1913 heißt es weiter: „Die mexikanische Währung, deren Stabilität seit Bestehen des neuen Währungsgesetzes (1905) eine recht gute genannt werden konnte, brach im Berichtsjahr vollständig zusammen, indem der Kurs gegen Jahresende auf 1,45 fiel gegenüber einem normalen Stand von 2,09. Infolge der unsicheren Verhältnisse ist der Kurs inzwischen auf etwa 1,19 [April 1914, Anm. d. Verf.] heruntergegangen. Hand in Hand hiermit ist naturgemäß eine Verteuerung aller Lebensbedürfnisse eingetreten.“ Im Geschäftsbericht 1915 dann: „Besonders der Geldumlauf bedarf dringend einer Ordnung … Abgesehen von den Noten der verschiedenen Emissionsbanken, sind ungefähr 700 Millionen Pesos an Billets im Umlauf, die von der gegenwärtigen Regierung anerkannt sind. Der Kurswert dieser Billets stellte sich Ende 1915 auf ungefähr 5 Cents amerikanisches Gold und fiel bis Mitte 1916 auf ca. 2 ½ Cents nach einem niedrigsten Kurs von 1,65 Cents. … Eine gewisse Vereinheitlichung erfolgte im Juni 1916 durch den Umtausch von 20 verschiedenen kleineren Emissionen in eine neue Ausgabe, sogenannte ‚infalsificables“, der die Regierung einen Goldwert von 10 Cents amerikanisches Gold beilegte. Die Festsetzung des Wertverhältnisses zwischen den umzutauschenden Billets behielt sich die Regierung vor; im freien Verkehr wurden die neuen Noten mit 1 zu 4 gegen alte angenommen. Die Regierung erklärte den Gesamtumlauf auf 500 Millionen Pesos herabmindern zu wollen.“ Während des Ersten Weltkriegs konnte in den neutralen Staate Argentinien, Chile und Mexiko der Bankbetrieb aufrechterhalten werden. Nachdem Brasilien im November 1917 dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, wurde die Niederlassung in Rio de Janeiro unter Zwangsverwaltung gestellt, die am 9. August 1919 wieder aufgehoben wurde. Abb. 7.1: Scheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank, ausgestellt in Rio de Janeiro am 19. August 1921 über 10.000 Mark, Vorderseite. Abb. 7.2: Scheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank, ausgestellt in Rio de Janeiro am 19. August 1921 über 10.000 Mark, Rückseite. Abb. 8: Scheck der Deutsch-Südamerikanische Bank, ausgestellt in Berlin am 2. Dezember 1935 über 350 RM, Vorderseite. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zentrale der Bank von Berlin nach Hamburg verlegt und die unterbrochene Arbeit in Übersee wieder aufgenommen. 1996 wurde die Deutsch-Südamerikanische Bank in Dresdner Bank Lateinamerika AG umbenannt. Zu dieser Zeit hatte sie eine Bilanzsumme von 11,4 Mrd. Euro und beschäftigte etwa 1.100 Mitarbeiter. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] 1909 folgte eine Niederlassung in Valparaiso (Chile) und 1910 in Santiago (Chile) und Rio de Janeiro (Brasilien). [2] Geschäftsbericht 1907 der Deutsch-Südamerikanischen Bank, Aktiengesellschaft. [3] Zur Finanzkrise siehe: Uwe Bronnert, Ein Börsenbeben führte zur Gründung der „Fed“. , 23/2020. [4] Vgl. Bruno Simmersbach, Währungsreform und Budget in Mexiko, in: Finanzarchiv (1906), Jg. 23, Bd. 1, S. 170 ff. [5] Geschäftsbericht 1911 der Deutsch-Südamerikanischen Bank, Aktiengesellschaft. [6] Immer „u“ statt „ü“ in Südamerikanische Bank. [7] Quelle: Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2020/2021

  • Die griechische Hyperinflation unter deutsch-italienischer Besatzung 1941 – 1944

    Begonnen hatte der Zweite Weltkrieg für die Griechen am 28. Oktober 1940, als Truppen des faschistischen Italiens von Albanien aus in Nord-Griechenland einfielen. In den folgenden Monaten gelang es der griechischen Armee die Italiener nicht nur abzuwehren, sondern selbst in die Offensive zu gehen. Für Hitlers Pläne war das Debakel der Italiener nicht nur gefährlich, weil es das Prestige der Achsenmächte gefährdete, sondern auch den geplanten Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion hinausschob. Großbritannien hatte zur Unterstützung des griechischen Abwehrkampfes ein Expeditionskorps entsandt. Die vier aus Ägypten verlegten Bomberstaffeln stellten nun eine ernste Bedrohung der rumänischen Ölfelder von Ploiesti dar, die eine entscheidende Rolle bei den Überlegungen zur Versorgung der Wehrmacht in einem kommenden Russland-Feldzug spielten. So gab Hitler notgedrungen am 13. Dezember 1940 der Wehrmachtsführung den Befehl zur Planung des „Unternehmens Marita“. Am 6. April 1941 überschritt die 12. Armee unter Generalfeldmarschall Wilhelm List mit 18 Divisionen, darunter mehreren Panzer- und anderen Eliteverbänden, die bulgarische Grenze. Trotz drückender personeller und materieller Überlegenheit brauchte die Wehrmacht drei Tage, die Bunker der Metaxas-Linie zu durchstoßen, die von griechischen Soldaten mit veralteten Waffen aus dem Ersten Weltkrieg verteidigt wurde. Am gleichen Tag erreichten die deutschen Panzer das zur offenen Stadt erklärte Thessaloniki. In den folgenden Tagen rückte sie beständig nach Süden vor. Die Einnahme des Metsovo-Passes durch Teile der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ am 18. April machte einen griechischen Rückzug der Epirus-Armee unmöglich. Am 20. April bot der griechische Befehlshaber in Epeiros, Generalleutnant Georgios Tsolákoglu, in einem Handschreiben dem Kommandeur der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ Sepp Dietrich die Kapitulation an. Ohne mit seinem Armeeoberkommando Rücksprache zu halten, verfügte Dietrich, dass der Waffenstillstand auch für die italienischen Truppen an der Nordwestfront gelten solle. Zudem sollte die Entwaffnung der Griechen durch deutsche Verbände erfolgen. Und: Die griechischen Offiziere sollten ihr Lederzeug und vor allem ihren Degen behalten dürfen, womit der griechischen Bitte nach würdiger Behandlung Rechnung getragen wurde. Als der Duce von der Kapitulation erfuhr, schäumte er vor Wut und verlangte von den Griechen ebenfalls ein Waffenstillstandsersuchen, das an das italienische Oberkommando zu richten sei. Obwohl dies gegen die deutsch-griechischen Vereinbarungen verstieß, wollte Hitler seinen Verbündeten nicht brüskieren. So kapitulierten die 18 Divisionen der griechischen Armee am 23. April ein weiters Mal. Trotz aller italienischer Einwände durften die griechischen Offiziere ihren Degen behalten und alle Soldaten wurden ohne Internierung nach kurzer Zeit entlassen. Der alliierte Oberbefehlshaber im Mittelmehr und Nahen Osten, Feldmarschall Archibald Wavell, ordnete am 21. April die Evakuierung der alliierten Truppen nach Kreta und Ägypten an (Operation Demon). Über die Häfen in Attika und auf der Peloponnes gelang es der Royal Navy bis zum 30. April rund 50.000 Soldaten zu evakuieren, allerdings unter Zurücklassung der schweren Waffen und Geräte. Bereits einen Tag nach Wavells Rückzugsbefehl verließ auch der griechische König Georg II. und sein Premierminister Emmanuel Tsouderros Athen mit dem Flugzeug Richtung Kreta. Ihnen folgten auf Wunsch des Königs und des britischen Botschafters der Gouverneur und der Vizegouverneur der Bank von Griechenland, Kyriakos Varvaressos und Georgios Mantzavions. Die griechische Regierung und die Bank blieben zunächst in Chania. Hier wurde die Satzung der Notenbank dahingehend geändert, dass sie ihren Sitz in derselben Stadt wie die Regierung zu nehmen habe. Besichtigung der Akropolis. Foto der Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Der deutsche Feldzug auf dem griechischen Festland endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im Süden der Peloponnes. Zuvor hatten deutsche Truppen am 26. April Korinth besetzt und am 27. April rückten Vorausabteilungen der 5. Panzer-Division in Athen ein. Einige größere ägäische Inseln, darunter Limnos, Lesbos und Chios wurden bis Anfang Mai von deutschen Infanterie- und Luftlandetruppen besetzt. Italienische Truppen besetzten gleichzeitig die Ionischen Inseln. Einzig Kreta war noch in der Hand der 32.000 alliierten Soldaten (Briten, Australier und Neuseeländer) und 10.000 griechischen Soldaten sowie zahlreichen kretischen Freiwilligen. Am 20. Mai 1941 begann unter dem Kommando von General Kurt Student (1890 – 1978) das „Unternehmen Merkur“, das größte Luftlandeunternehmen des Zweiten Weltkriegs. Ein Großteil der 15.000 deutschen Fallschirmjäger wurden bereits in der Luft erschossen oder verwundet. Erst am 1. Juni beendete die Wehrmacht siegreich die Eroberung der Insel. Als sich abzeichnete, dass die Schlacht um Kreta für die griechischen und alliierten Streitkräfte verloren sein würde, verließen der König und die Regierung sowie die Notenbankleitung am 22./23. Mai Kreta. Nach einer Odyssee über Alexandria, Kairo und Johannisburg (Südafrika) wurde vom September 1941 bis 15. April 1943 London Sitz der Exilregierung, um dann nach Kairo zurückzukehren. Mit dem Bankvorstand wanderten auch die Goldreserven des Landes. Bereits im Februar 1941 hatte die Bank von Griechenland heimlich mit der Evakuierung der Goldreserven zur Filiale in Heraklion auf Kreta begonnen. Von dort wurden sie auf einem britischen Kriegsschiff nach Alexandria gebracht und später über Kairo und Suez per Schiff nach Durban in Südafrika. In Germiston wurde das Gold, das vorwiegend aus 750/1000-feinen Goldmünzen bestand, raffiniert und in Barren gegossen und anschließend in den Tresoren der South African Reserve Bank in Pretoria aufbewahrt. Bis September 1943 (Seitenwechsel Italiens) herrschte in Griechenland ein kompliziertes Kondominium der Achsenmächte: zwei Oberbefehlshaber, zwei politische Bevollmächtigte, seit Oktober 1942 noch zwei wirtschaftliche Sonderbeauftrage. Italien besetzte zwar den größten Teil des griechischen Festlandes, die Kykladen, den Ostteil Kretas und annektierte 1942 faktisch die Ionischen Inseln[1], während sich das Großdeutsche Reich als militärisch und wirtschaftlich stärkerer Partner mit wenigen strategisch wichtigen Gebiete begnügte: Thessaloniki mit dem makedonischen Hinterland bis zur ehemaligen jugoslawischen Grenze, den thrakischen Grenzstreifen zur Türkei, Athen, Piräus und die Inseln Lemnos, Lesbos und Chios vor der türkischen Mittelmeerküste sowie den Westteil Kretas. Bulgarien verleibte sich Ostmakedonien westlich des Strymon und Westthrakien ein. Abb. 0.1: Die Besetzung Griechenlands durch die Achsenmächte (1941–1944) Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Balkanfeldzug_(1941)#/media/Datei:Gr-triple-occupation-gr.png (24.07.2021) Die Wehrmachtsangehörige bezahlten ihre Einkäufe von Lebensmitteln und anderen Gütern in Griechenland zunächst mit Reichskreditkassenscheinen (RKKS). Durch Verordnung des Oberbefehlshabers waren sie zu gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt worden. Die deutschen Militäreinheiten stellten Leistungsbescheinigungen für die von der griechischen Bevölkerung erhaltenen Quartier-, Gespann- und Arbeitsleistungen aus, die später eingelöst wurden. Die RKKS galten zunächst 1 RM = 50 Drachmen. Ab 23. Juni 1941 wurde der Umrechnungskurs dann auf 1 RM = 60 Drachmen festgesetzt. Dieser Kurs galt offiziell dann unverändert bis zum Ende der Besatzung. Die italienische Wehrmacht finanzierte sich mit einem eigenen, auf Drachmen lautenden Zahlungsmittel, dem Bon der Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, für den ein Zwangskurs von 1 Lira = 8 Drachmen galt. Bulgarien führte im annektierten Gebiet die Lewa-Währung ein. Abb. 1.1: Reichskreditkassen, o. D. (1939), 5 Reichsmark, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 1.2: Reichskreditkassen, o. D. (1939), 5 Reichsmark, Rückseite, Sammlung Grabowski. Zur Ausgabe gelangten RKKS mit den Nominalen 50 Reichspfennig, 1, 2, 5, 20 und 50 Reichsmark. Abb. 2.1: Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, o. D. (1941), 5000 Drachmen, Vorderseite, Abb. www.worbes-verlag.de. Zur Ausgabe gelangten Scheine mit den Nominalen zu 5, 10, 50, 100, 500, 1.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Drachmen. Abb. 3.1: Bulgarische Nationalbank, 1938, 500 Lewa, Vorderseite, Abb. www.worbes-verlag.de. Abb. 3.2: Bulgarische Nationalbank, 1938, 500 Lewa, Rückseite, Abb. www.worbes-verlag.de. Abb. 4.1: Biglietti a corso legale per le Isole Jonie, o. D. (1942), 1.000 Drachmen, Vorderseite, Abb. www.banknoten.de. Abb. 4.1: Biglietti a corso legale per le Isole Jonie, o. D. (1942), 1.000 Drachmen, Rückseite, Abb. www.banknoten.de. Zur Ausgabe gelangten Scheine mit den Nominalen zu 1, 5, 10, 50, 100, 500, 1.000 und 5.000 Drachmen. Seit August 1941 wurden RKKS im Allgemeinen nur noch an abrückende Truppenteile und Heimaturlauber ausgegeben. Weil die Bank von Griechenland den Zahlungsmittelbedarf der Wehrmacht in Landeswährung nicht voll befriedigen konnte, kamen die RKKS im November 1941 sowie im Januar und Februar 1942 noch einmal zum Einsatz. Nach Hahn betrug die Gesamtsumme der im griechischen Raum zur Auszahlung gelangten RKKS etwa 150 Millionen RM von denen 56,4 Millionen RM, rund 3,3 Milliarden Drachmen, durch die Bank von Griechenland ohne Gegenwert an die Reichskreditkassen in Athen und Saloniki zurückgeliefert wurden. Von den schätzungsweise 5 Milliarden Drachmen der Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia löste die Bank von Griechenland 3,6 Milliarden Drachmen ein.[2] „Die völlige Abschnürung von seinen europäischen und überseeischen Handelspartnern, die schon durch den italienischen Krieg äußerst angespannten Finanzen, das Fehlen eines funktionsfähigen Geld- und Kapitalmarktes, die Vernichtung von Produktionsstätten, der Verlust wertvoller Landesteile, eine unzureichende Ernährungsbasis und schließlich das durch Zerstörung von Anlagen noch weniger leistungsfähig gewordene Verkehrsnetz charakterisierten die Wirtschafts- und Finanzlage Griechenlands beim Einmarsch der deutschen Truppen. Die Währungslage war durch die Belastungen des albanischen Feldzuges nicht unberührt geblieben und wies bereits in Ansätzen auf die kommende Entwicklung hin. Während der Banknotenumlauf sich in den Jahren 1935 – 38 zwischen 6 und 8 Milliarden Drachmen bewegte, wurde schon Ende 1939 nach einem Höchststand von 10,6 Milliarden Drachmen ein Umlauf von 9,4 Milliarden Drachmen ausgewiesen. Der griechisch-italienische Krieg im Jahre 1940 brachte eine Zunahme von 62,6 % infolge gesteigerten Staatsbedarfs, Preiserhöhungen und gewissen Hortungserscheinungen in ländlichen Bezirken. Im letzten veröffentlichten Ausweis der Bank von Griechenland vom 31.3.1941 erreichte der Zahlungsmittelumlauf den Stand von 19 Milliarden Drachmen. Somit war bereits bei Beginn der deutsch-italienischen Besatzung Griechenlands eine Erhöhung des Banknotenumlaufs von mehr als 100 % gegenüber dem Vorkriegsstand zu verzeichnen.“[3] Der Mangel an Zahlungsmitteln nahm durch den Einmarsch der Wehrmacht noch zu. Die Nachfrage nach Banknoten stieg sprunghaft an, da die Menschen in Erwartung der Schwierigkeiten der bevorstehenden Besetzung eilig lebensnotwendige Lebensmittel und Waren kauften. Darüber hinaus veranlasste die ungewisse Zukunft die griechische Bevölkerung verstärkt Bargeld zu horten, sodass schon bald Zahlungsmittel knapp wurden. Verschärft wurde die Situation dadurch, dass größere Mengen an Banknoten bei Luftangriffen verloren gingen. In der Filiale Larissa wurden 185 Millionen Drachmen unter den Trümmern des zerbombten Gebäudes begraben. Am 9. April 1941 gab die Bank von Griechenland eine neue 1000-Drachmen-Note in Umlauf. Hierbei handelte es sich um die bisher noch nicht ausgegebene 100-Drachmen-Note der Banknotenserie mit dem Ausgabedatum vom 1. Januar 1939 mit einem auffälligen Aufdruck des neuen, höheren Wertes. Schließlich sah sich die Bankleitung am 14. Mai 1941 gezwungen, bereits eingezogene, mit sechs Stanzlöchern entwerteter Banknoten, wieder in Umlauf zu setzen. Aufgrund der Kriegsereignisse in Europa überstieg der Materialwert der 10- und 20-Drachmen-Silbermünzen deren Nominalwert, sodass sie aus dem Umlauf verschwanden. Am 1. Juli 1940 wurden an ihrer Stelle sog. Münzscheine, die mit „Griechisches Königreich“ überschrieben sind, ausgegeben. Sie tragen als Ausgabedatum den 6. April 1940 und wurden in einer Auflage von je 20.000.000 Stück bei Giesecke & Devrient gedruckt. Als die deutsche Wehrmacht einmarschierte wurden auch die Nickelmünzen von der Bevölkerung gehortet. An ihre Stelle traten ab 1. August 1941 Münzscheine des „Griechischer Staates“ zu 50 Lepta sowie 1, 2 und 5 Drachmen. Die Scheine wurden bei Aspioti-ELKA, Athen, gedruckt und vom technischen Leiter Othon Pervolarakis entworfen. Die Scheine datieren vom 18. Juni 1941. Offiziell waren sie bis zum 24. Februar 1945 im Umlauf, aber aufgrund der Inflation bereits 1942 wertlos.[4] Tabelle 0.2: Münzscheine 1940/41. Abb. 5.1: Griechischer Staat, 18. Juni 1941, 5 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 5.2: Griechischer Staat, 18. Juni 1941, 5 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Der letzte ausgewiesene Bankausweis führte unter dem Posten „Scheidemünzen und sonstiges Kleingeld“ die außer Kurs gesetzten Nickelmünzen sowie die vom Staat ausgegebenen 10- und 20-Drachmen-Münzscheine im Gesamtbetrag von 333 Millionen Drachmen auf. Aufgrund eines Vertrags mit dem griechischen Finanzministerium übernahm die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt die Silbermünzen, die bis auf kleine Reste abtransportiert wurden. Der im Jahr 1944 eingeleitete Ankauf der Nickelmünzenbestände konnte nicht mehr realisiert werden.[5] Damit die Notenbank in Athen ihre Interessen gegenüber den Besatzungsmächten vertreten konnte, ernannte der Generalrat der Bank M. Negrepontis zum amtierenden Gouverneur und P. Dekazos zu seinem Stellvertreter.[6] Reichsregierung und italienische Regierung suchten ihrerseits von Anfang an, Einfluss auf die Bank zu nehmen. Daher wurden am 14. September 1941 Paul Hahn, Direktor bei der Reichsbank, und Dr. Forte, Direktor bei der Banca d’Italia, als Bankkommissare eingesetzt. Ihre Befugnisse waren sehr weitreichend, sie kontrollierten nicht nur die Arbeit der Bank, sondern hatten ein Weisungs- und Vetorecht gegenüber der Bankleitung; selbst die Einstellung von Mitarbeitern bedurfte ihrer Zustimmung. Die Notenbank wie auch die Besatzungsmächte sahen sich vor zwei Herausforderungen gestellt: Versorgung der Wirtschaft mit ausreichenden Zahlungsmitteln sowie Bekämpfung der immer stärker werdenden Inflation. Während der gesamten Besatzungszeit gestaltete sich die Verwirklichung dieser Ziele als unmöglich. Dies hatte verschiedenen Gründe. Zum einem die horrende Höhe der Besatzungskosten und zum anderen konkurrierten Besatzer und Stadtbevölkerung beim Kauf der knappen Lebensmittel. Die Bauern bezogen durch gestiegene Preise und den Erlösen auf dem Schwarzmarkt erhöhte Einkommen, die jedoch aufs Land abflossen und dort gehortet wurden. Die Notenbank gab daher im September bzw. November 1941 neue Banknoten zu 100 und 1000 Drachmen aus, ferner versuchte sie die Bargeldmenge durch verstärkte Nutzung der bargeldlosen Zahlung zu reduzieren. Die Verordnung Nr. 771 vom 29. November 1941 legte fest, dass Zahlungen, die über einen Betrag von 30.000 Drachmen hinausgingen, durch Hingabe von Schecks zu erfolgen hätten, wobei eine Indossierung, sprich Weitergabe als Zahlungsmittel, verboten war. Diese Maßnahme blieb jedoch auf die größeren Bankplätze Athen und Saloniki beschränkt. Die Umsetzung der Bestimmungen stießen bei den Bauern, die mit dem bankmäßigen Verkehr wenig vertraut waren, auf Widerstand. Auch führte die Barzahlungsbeschränkung zu einer Unterbewertung von Schecks. Das Disagio richtete sich nach der Liquidität des Marktes und erreichte in Zeiten besonderer Bargeldverknappung den Satz von 45 %. Da die Wehrmacht die Scheckzahlung ebenfalls einführte [und bis Mitte 1944 beibehielt] und das von dem Lieferanten einkalkulierte Disagio übernahm, hatte diese Maßnahme auch unerwünschte inflationäre Folgen. Abb. 6.1: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1941, 1.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 6.2: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1941, 1.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Gemäß dem Haager Abkommen von 1907 über die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges musste der griechische Staat für die Besatzungskosten aufkommen. Monatlich erhielten das Deutsche Reich und Italien 1.500 Millionen Drachmen. Da diese Beträge nicht ausreichten, verpflichtete sich die Bank von Griechenland in den Römischen Verträgen vom 14. März 1942 zur Gewährung von Darlehen an die Besatzungsmächte, um den übersteigenden Bedarf der Besatzungstruppen zu decken. Auf Druck der Besatzer musste die griechische Regierung dann am 1. Dezember 1942 die Besatzungskosten an die Inflation anpassen. Am 18. Mai 1943 wurde rückwirkend zum 1. April die Deckelung der Besatzungskosten auf 8 Milliarden Drachmen aufgehoben und der zuvor verwendete Preisindex auf eine breitere Basis gestellt.[7] Natürlich reichten die Steuereinnahmen des griechischen Staates nicht aus, um diese hohen Kriegs- und Besatzungskosten aufbringen zu können. Bereits vor Ausbruch des griechisch-italienischen Krieges hatte sich die Bank von Griechenland vertraglich verpflichtet, dem griechischem Staat Vorschüsse auf die staatlichen Einnahmen bis zum Betrag von einer Milliarde Drachmen zu gewähren. Schon Tage vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Athen, hatte der Staat den Vorschussrahmen bereits um 400 Millionen Drachmen überschritten. Um die Kriegsanstrengungen bewältigen zu können, genehmigte der Generalrat der Bank praktisch die unbegrenzte Fortsetzung der Zahlungen an die griechische Regierung. Der Bank blieb nichts anderes übrig, als die Notenpresse anzuwerfen. Im Herbst 1942 erlebte die griechische Währung ihre erste krisenhafte Zuspitzung. Der Notenumlauf betrug im Oktober mittlerweile das 13-fache des Vorkriegsstandes und die Geldentwertung betrug, über den Goldpfundkurs berechnet, dem charakteristischen Wertmesser für die Preisbildung am Markt, das 400-fache. Es war abzusehen, dass bei gleichbleibender Entwicklung die griechische Wirtschaft schon bald kollabieren würde. Natürlich hätte dies auch gravierende Auswirkungen auf die Versorgung der Besatzungstruppen gehabt. Daher wurden im Oktober 1942 die Gesandten Dr. Neubacher von der Reichsregierung und d’Agostino von italienischer Seite als Sonderbevollmächtigte für wirtschaftliche und finanzielle Fragen nach Athen entsandt. Der deutsche Bankexperte Dr. Schäfer, von Neubacher beauftragt, legte in einer Denkschrift seinen Vorschlag zu einem währungspolitischen Eingriff in Griechenland dar. Der Plan sah vor, durch einen Kaufkraftschnitt an einem bestimmten Stichtag die Noteninhaber unabhängig von ihrer Einkommens- und Vermögenslage zu treffen und die beiden damals größten Notenabschnitte von 5.000 und 1.000 Drachmen, die rd. 95 % des Gesamtumlaufs ausmachten, in eine freie und eine gebundene Kaufkraft zu verwandeln. Wie schon einmal in den 1920er Jahren von den Griechen praktiziert, sollten die Banknoten geteilt werden. Eine Notenhälfte wurde zur Zwangsanleihe und begründete ein Forderungsrecht gegen den Staat, während die als Banknote vorgesehene Notenhälfte mit einer Abstempelung ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel behielt. Schäfer war überzeugt, dass diese Maßnahme die Besatzungskosten für sechs bis sieben Monate ohne zusätzliche Notenausgabe decken würde. Allerdings beseitigte dieser Schritt nicht das Währungsproblem, sondern vertagte es nur. Unter Abwägung aller Für und Wider, verzichtete der Sonderbevollmächtigte schließlich auf die Ausführung des Plans.[8] Beide Sonderbevollmächtigte waren überzeugt, dass die griechischen Währungsprobleme nicht von der Geldseite zu lösen seien. Wollte man die Inflation eindämmen, musste die Güterversorgung verbessert werden. Dies schien bei der vollkommen unzureichenden Lebensmittelversorgung der städtischen Bevölkerung umso dringender, da 1941 die durchschnittliche tägliche Kalorienzufuhr nur bei 900 pro Person lag und während der gesamten Besatzungszeit nie 1.400 überstieg. Verhungerte Menschen waren im Winter 1941/42 an der Tagesordnung. Griechenlands Bevölkerungszahl sank während der Besatzungszeit von 7.335.000 (1940) um 415.000, darunter 260.000 Zivilisten. Höchstpreise und Marktregelungen nach dem Vorbild der deutschen Kriegswirtschaft mit Lebensmittelkarten und Höchststrafen bei Verstößen gegen das Verbot des Schwarzmarkthandels bewirkten nur eine weitere Leerung des Marktes. Daher wurde die Ausfuhr von Lebensmitteln und anderen für die Wirtschaft des Landes unentbehrlichen Waren mit sofortiger Wirkung gestoppt und Getreidelieferungen aus dem Banat sichergestellt. Hülsenfrüchte, Zucker und Kartoffeln wurden aus den Balkanstaaten eingeführt. Die Aussicht auf eine bessere Versorgungslage brachte spekulativ zurückgehaltene Warenbestände zum Vorschein.[9] Darüber hinaus versorgte das Internationale Rote Kreuz die griechische Bevölkerung mit Lebensmitteln. Nach anfänglicher Ablehnung stimmten Briten und die Achsenmächte der humanitären Hilfe für die griechische Bevölkerung zu. So traf Weizen aus Kanada auf schwedischen Schiffen in Griechenland ein. Gleichzeitig versuchte die griechische Regierung durch Ankäufe von Agrarprodukten das Angebot der preiskontrollierten Güter zu vergrößern und den Handel auf den Schwarzmärkten einzudämmen. Da jedoch der Notenumlauf nicht ausgeweitet werden sollte, erhielt die griechische Regierung gemäß Gesetzesdekret 1984/24.11.1942 besondere Kreditscheine von der Notenbank, mit denen 75 % der Ankäufe bezahlt wurden. Bei einer Laufzeit von etwa vier Monaten waren sie am 31. März fällig. Bis zu diesem Termin hoffte die Regierung die notwendigen Mittel zu ihrer Einlösung durch den Warenverkauf erwirtschaftet zu haben. Die Notenbank emittierte Kassenbons (Schuldscheine) in Stücklungen von 500.000, 100.000 und 25.000 Drachmen. Die Gesamtemission hat höchstens 10 % des Banknotenumlaufs erreicht.[10] Durch ein Bankenkonsortium bestand für die Bauern die Möglichkeit der Rediskontierung der Kassenbons. Die Maßnahmen der Notenbank zeigten Wirkung. Von Oktober 1942 bis Mai 1943 konnte der Lebenshaltungsindex trotz dreifacher Erhöhung des Banknotenumlaufs auf gleicher Höhe gehalten werden. Der psychologische Effekt, der durch das Eingreifen der Sonderbevollmächtigten erreicht wurde, war jedoch nicht von Dauer, da der zugesagte Warennachschub nach Griechenland aus Lieferungs- und Transportgründen nicht realisiert werden konnte. Der Athener Lebenshaltungskostenindex (Basis April 1941 = 100), begann nach halbjähriger Stabilität wieder zu steigen: 30. Juni 1943: 21.162,5 30. September 1943: 37.040,9 31. Dezember 1943: 157.274,0 Dem Aufwärtstrend entsprach die Entwicklung der monatlichen Besatzungskosten, die von 30 Mrd. Drachmen im Mai 1943 auf 440 Mrd. Drachmen im Dezember 1943 anstiegen. Der Banknotenumlauf erhöhte sich von 463 Mrd. Drachmen am 31. März 1943 auf 3.114 Mrd. Drachmen am 31. Dezember 1943. Der Preis des Goldpfundes stieg im gleichen Zeitraum von 162.670 Drachmen auf 1.541.667 Drachmen. Die besorgniserregende Entwicklung in Griechenland war am 8. November 1943 Thema einer Griechenland-Ressortbesprechung in Berlin, an der auch der Sonderbevollmächtigte Neubacher teilnahm. „Wieder wurden allerhand Stabilisierungsmanöver beschlossen. Darunter der schon seit Januar 1943 im Fall Rumänien praktizierte ‚Einsatz von Reichsgold in Griechenland‘. Tatsächlich lieferte die Deutsche Reichsbank von nun an regelmäßig per Kurierflugzeug Gold nach Athen, insgesamt mehr als acht Tonnen.“[11] „Der Sinn der Goldaktion war folgender: die aufgekauften Banknotenmengen wurden für die Deckung der Besatzungskosten verwendet, dadurch wurde die Banknotenpresse entlastet. Das ständige Angebot von Gold gegen Papierdrachmen auf der amtlichen Athener Börse legte der stürmischen Aufwärtsentwicklung des Goldkurses immer wieder eine Bremse an.“[12] Auch diese Maßnahme konnten die Inflation letztendlich nicht stoppen, höchstens verlangsamen. Im letzten Monat der deutschen Besatzung betrug der Teuerungsindex sage und schreibe 550 Millionen Prozent.[13] Ein weiteres Problem bereitete den Verantwortlichen Kopfschmerzen. Seit Juni 1941 wurde die Reichsmark unverändert mit 60 Drachmen gerechnet. Mit fortschreitender Inflation hatte dieser Kurs jede Beziehung zur inneren Kaufkraft der Drachme verloren. Von einer Anpassung ihres Außenwertes an ihren tatsächlichen Kaufwert wurde aus übergeordneten währungspolitischen Gründen abgesehen. Das Festhalten an der alten Kursrelation hatte unerwünschte wirtschaftliche Auswirkungen. Aus dem Reich gelieferte deutsche Waren wurden von griechischen Importeuren mit entwerteten Drachmen im Clearing bezahlt und zu hohen Inflationspreisen in Griechenland abgesetzt. Auf der anderen Seite fiel es deutschen Importeuren immer schwerer die Reichsmark-Beträge aufzubringen, um griechische Exportwaren zu erwerben. Die Sonderbevollmächtigten sahen sich unter diesen Umständen gezwungen, neue Regelungen zu treffen. Für den deutsch-griechischen Handel gründete die Reichsgruppe Industrie und die Wirtschaftsgruppe Groß- und Außenhandel die Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft m.b.H. (Degriges). Sie übernahm die Aufgabe, die sich aus dem unterschiedlichen Preisniveau zwischen dem deutschen und griechischen Markt ergebenden Gewinne volkswirtschaftlich zweckmäßig zu lenken. Griechische Ausfuhren nach Deutschland wurden preislich extrem gesenkt und die Preise für deutsche Güter nach Griechenland stark erhöht. Die abgeschleusten Preisdifferenzen wurden in Höhe von 3/7 zur Aufbringung der Besatzungskosten herangezogen, während 4/7 des Schleusungsaufkommens zur Verbilligung der Ausfuhr griechischer Überschussprodukte Verwendung fanden. Von italienischer Seite wurde die Sacig, Societa Anonyma Commerciale Italo-Greco, mit den gleichen Aufgaben betraut.[14] Tabelle 0.3: Banknotenausgaben 1941- 1944. Abb. 7.1: Bank von Griechenland, 19. Juli 1943, 5.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 7.2: Bank von Griechenland, 19. Juli 1943, 5.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 8.1: Bank von Griechenland, 12. August 1943, 25.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 8.2: Bank von Griechenland, 12. August 1943, 25.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 9.1: Bank von Griechenland, 21. Januar 1944-01, 100.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Schilde. Abb. 9.2: Bank von Griechenland, 21. Januar 1944-01, 100.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Schilde. Abb. 10.1: Bank von Griechenland, 20. Juli 1944, 5.000.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 10.2: Bank von Griechenland, 20. Juli 1944, 5.000.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 11.1: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1944, 500.000.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Schilde. Abb. 11.2: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1944, 500.000.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Schilde. Abb. 12.1: Bank von Griechenland, 11. Oktober 1944, 2.000.000.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 12.2: Bank von Griechenland, 11. Oktober 1944, 2.000.000.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Während der Besatzungszeit gab die Bank von Griechenland zwanzig Banknotentypen neu aus. Bis Mitte 1943 blieb die 5.000-Dramen-Note der höchste Wert. Dann aber folgten in immer kürzeren Abständen Noten mit immer höheren Werten. Kurz vor Rückzug der Wehrmacht aus Athen am 12. Oktober 1944 gab die Bank von Griechenland am 7. Oktober Noten über 500 Millionen Drachmen in den Verkehr und am 12. noch Noten zu 2 Milliarden Drachmen. Am 23. Oktober folgte noch ein Wert über 10 Milliarden Drachmen und am 5. November ein Schein zu 100 Milliarden Drachmen. Kriegsbedingt fiel der bisherige englische Banknotenlieferant aus. Zwar hatte das deutsche Unternehmen König & Bauer kurz vor Beginn des Kriegs modernste Offsetdruckmaschinen an die Staatsdruckerei geliefert, die aber wegen fehlender Kabel und anderen Montageteilen nicht einsatzbereit waren. Daher beauftragte das Finanzministerium der griechischen Kollaborationsregierung zusammen mit der Verwaltung der Notenbank vier Privatdruckereien mit der Banknotenproduktion: Papachrysanthou, Aspioti-ELKA, Karydes und Pechlivanides.[15] Angaben über die gedruckten Noten liegen nur von der ältesten und größten der vier Privatdruckereien, der Aspioti-ELKA Grafhic Arts S.A., vor. Das Unternehmen war an der Produktion von 16 der 20 Banknoten beteiligt: Am Druck der meisten Noten waren mehrere Druckereien beteiligt. Dies zeigt sich an den Druckunterschieden, z. B. bei der Anordnung und Gestaltung der Kontrollnummern, der Art des Papiers sowie diverser dekorativer Merkmale. In den Unterlagen der Aspioti-ELKA findet sich auch ein Bericht über die Notenherstellung. Danach kam es bei der Ausführung der Aufträge nur auf Schnelligkeit an, auf eine maximale Tagesproduktion. Faktoren wie Fälschungssicherheit, Qualität der Gestaltung und des Papiers waren von untergeordneter Bedeutung. Die Prototypen der Banknoten wurden von einer speziellen Abteilung der Notenbank vorbereitet und dann an Aspopti-ELKA weitergeleitet. Sodann wurden die Druckplatten für das Offset-Tiefdruckverfahren vorbereitet. Die Banknoten wurden anfangs meist auf beiden Seiten fünffarbig gedruckt. Später reduzierte man den Druck schrittweise auf drei Farben. Bei jedem Durchgang wurde einfarbig oder zweifarbig auf Hochgeschwindigkeits-Planeta-Offsetdruckmaschinen gedruckt. Nach den verfügbaren Daten entwickelte sich der Bargeldumlauf wie folgt: 11,2 Milliarden Drachmen im Jahr 1940; 19,4 Milliarden Drachmen am 30. April 1941; 79,1 Milliarden Drachmen am 30. April 1942; 560 Milliarden Drachmen am 30. April 1943; 18.100 Milliarden Drachmen am 30. April 1944 und 604.470.000 Milliarden Drachmen am 31. Dezember 1944. „Ende August 1944 fand im deutschen Hauptquartier eine Südostbesprechung statt, zu der ich (Neubacher, Anm. d. Verf.) mit Generalfeldmarschall von Weichs ins Führerhauptquartier (‚Wolfsschanze‘) nach Rastenburg in Ostpreußen flog. Generaloberst Löhr (Saloniki) war gleichfalls anwesend. Versammelt waren Hitler, von Rippentrop, Himmler, Keitel, Jodl, Warlimont, Speer und andere. Es war ein volles Haus. Die Räumung Griechenlands lag in der Luft, Hitler griff die Formel auf: ‚Die Inseln haben ihre Aufgabe erfüllt!‘ und befahl die Räumung der ägäischen Inseln und Kretas. Einen Tag später erfolgt der Umsturz in Bukarest, Bulgarien folgte nach, und aus der Räumung der Inseln wurde die Räumung des Balkans.“[16] Bei dieser Besprechung verweigert Hitler weitere Goldlieferung nach Griechenland. Stattdessen schlug er in Verkennung der Lage die Schaffung einer Renten-Drachme oder so etwas ähnliches vor. Er machte sogar den Vorschlag, auf Gold lautende Drachmen drucken zu lassen. Neubacher gab zu bedenken, das dies nicht funktionieren würde. Das griechische Publikum würde nur eine Viertelstunde benötigen, um den Schwindel zu durchschauen, nämlich dann, wenn sie die auf Gold-Drachmen lautenden Noten der Bank von Griechenland zur Einlösung in Gold präsentieren würden. Außenminister von Rippentrop bestand darauf, dass das weitere Vorgehen in dieser Frage in Absprache mit dem Reichsbankpräsidenten Funk und dem Reichsfinanzminister von Schwerin-Krosigk zu erfolgen habe. Allerdings fand ein Treffen der Drei nicht mehr statt, da sich die Angelegenheit wegen des deutschen Abzugs erübrigte.[17] Am 12. Oktober 1944, dem Tag des deutschen Rückzugs aus Athen, wurde der von den Besatzungsbehörden eingesetzte Gouverneur der Notenbank seines Amtes enthoben und einige Tage später kehrte der rechtmäßige Gouverneur Kyriakos Varvaressos aus dem Exil zurück. Mit ihm gelangten neue in England gedruckte Banknoten ins Land. Anfang November führte die Befreiungsregierung eine Währungsreform durch. 50 Milliarden Drachmen aus der Besatzungszeit wurden gegen eine neue Drachme gewechselt. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die italienische Regierung annektierten faktisch die Ionischen Inseln und führten hier eine eigene Währung ein. Die Ionische Drachme wurde neben der Lira zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt und die umlaufenden Banknoten der Bank von Griechenland 1:1 umgetauscht. [2] Paul Hahn, Die griechische Währung und währungspolitische Maßnahmen unter der Besatzung 1941 – 1944, Studien des Instituts für Besatzungsfragen in Tübingen zu den deutschen Besetzungen im 2. Weltkrieg, Nr. 10, Tübingen 1957, S. 12. [3] Ebenda, S. 11. [4] National Bank of Greece, Welfare Foundation for Social and Cultural Affairs, Greek Banknotes, A Journey 1822 – 2002. Athens 2005, S. 381. [5] Paul Hahn, S. 5 f. [6] Durch den neuen Finanzminister Gotzamanis wurde dann Prof. Dr. Santis zum Gouverneur bestellt. Wegen eines Finanzskandals musste er auf Drängen der Bankkommissare im Januar 1943 den Posten räumen. Sein Nachfolger wurde der frühere Minister Turkovassilis und nach dessen freiwilligem Rücktritt zu Beginn des Jahres 1944 blieb das Amt unbesetzt und durch den Vizegouverneur Hadjikyriskos erledigt. [7]Die gesamten Besatzungskosten betrugen 87.811.216.671.480 Drachmen oder 3.381.001 Gold-Sovereigns. Darüber hinaus gewährte die Bank von Griechenland ein Darlehen in Höhe von 1.530.190.356.165.819 Drachmen bzw. 4.506.226 Gold-Sovereigns in Form von Vorschüssen auf die Besatzungskosten. [8] Vgl. Paul Hahn, S. 38. [9] Ebenda, S. 21. [10] Michalis Psalidopoulos, History of the Bank of Greece 1928–2008, From gouvernment’s banker to guardian of financial stability, Centre for Culture, Research and Documention, Bank of Greece, Athen 2014, S. 142 f. [11] Götz Aly, Die Bekämpfung der Inflation in Griechenland und die Deportation der Juden von Saloniki, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG), Band 15 Nr. 2 (2004), S. 20. [12] Hermann Neubacher, Sonderauftrag Südost 1940–1945, Bericht eines fliegenden Diplomaten, 2. durchgesehene Auflage, Göttingen Berlin Frankfurt Mai 1957, S. 88. [13] Götz Aly, S. 20. [14] Vgl. Paul Hahn, S. 23 f. [15] Die von italienischer Seite angestrebte Herstellung der Noten in Italien wurde von den Griechen abgelehnt. Die 1944 eingeleiteten Verhandlungen mit der Staatsdruckerei Wien, den Druck höher Notenwerte betreffend, kam wegen des Kriegsverlaufs nicht mehr zum Abschluss. [16] Hermann Neubacher, S. 90. [17] Ebenda, S. 91.

  • Das Brandenburger Tor: Symbol deutscher Teilung – Symbol deutscher Einheit

    Es gibt sicherlich nur wenige deutsche Bauwerke, die so geschichtsträchtig und symbolbehaftet sind wie das Brandenburger Tor in Berlin. Mit seiner monumentalen Schlichtheit krönt es die Straße „Unter den Linden“ als architektonischer Blickpunkt, als Eingangspforte und festlicher Abschluss. Es gehört zu den schönsten und größten Schöpfungen des deutschen Klassizismus. In den stürmischen Jahren der Französischen Revolution und am Wendepunkt zweier Epochen erbaut, wurde es zugleich zu einem ersten baulichen Zeugnis einer neuen, vom Bürgertum mitbestimmten Zeit. Seit fast zwanzig Jahre begegnet uns dieses Denkmal deutscher Geschichte regelmäßig bei Zahlungsvorgängen. Nachdem Mitte Juni 1997 die europäischen Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen in Amsterdam die Entwürfe der gemeinsamen Wertseiten der zukünftigen Euromünzen der Öffentlichkeit vorgestellt hatten, billigte am 17. September 1997 das Bundeskabinett die Entwürfe für die nationalen Rückseiten der deutschen Euro-Münzen. Für Eichenzweig (1, 2 und 5 Cent), Brandenburger Tor (10, 20 und 50 Cent) und Bundesadler (1 und 2 Euro) hatte sich bereits das deutsche Preisgericht am 30. Juni 1997 ausgesprochen. 50 Eurocent, 2004, (alte) Vorderseite und gemeinsame Rückseite. Da die Gestaltung der europäischen Münzseiten sehr feingliedrig und belebt ist, „hielt es das Preisgericht für notwendig, die nationale Münzseite großzügiger und unter Beachtung besonders wichtiger nationaler Symbole zu gestalten. Vom Inhalt entschied sich die Jury für Symbole, die - jeweils auf spezifische Art - als typisch deutsch, sowohl von der eigenen Bevölkerung als auch international erkannt und verstanden werden.” [1] Für die mittleren Werte zu 10, 20 und 50 EURO-CENT wählte die Jury das Brandenburger Tor als sinnstiftendes Bauwerk, das von allen deutschen Bauwerken den höchsten Symbolwert besitzt. „Es steht im zu Ende gehenden Jahr­hundert für die Teilung und auch für die Einheit Deutschlands und Europas. Die perspektivische Erweiterung in der Gestaltung des Motivs betont die Durchlässigkeit des Tores und weist so be­sonders auf die wiedergewonnene deutsche und europäische Einheit hin. - Der Entwurf stammt von dem Medailleur Reinhard Heinsdorff, Friedberg.“[2] Allerdings musste dieser geringfügig geändert werden, da die Stellung der zwölf Sterne nicht den gemeinsamen Vorgaben entsprach. Bleibt noch anzumerken, dass die gemeinsame Wertseite von Luc Luycx vom Königlichen Münzamt in Brüssel entworfen wurde. König Friedrich Wilhelm II. von Preußen beauftragte den Baumeister Carl Gotthard Langhans für das im Mai 1788 abgebrochene alte Stadttor ein repräsentatives neues Tor zu planen. Es galt einen würdigen architektonischen Abschluss für die Straße „Unter den Linden” zu schaffen, der Prachtstraße des preußischen Staates mit ihren Palästen, öffentlichen Gebäuden und Immediathäusern. Langhans entwarf ein monumentales Tor nach dem Vorbild der Propyläen auf der Akropolis von Athen. In nur zweijähriger Bauzeit entstand eine 65,50 m breite und 11 m tiefe Toranlage mit fünf Durchfahrten. Um den vorgesehenen plastischen Schmuck, die 20 Reliefs auf den Scheidewänden, das Flachrelief auf der Attika, die 32 Metopen sowie die Statuen und Medaillons fertigzustellen, wurden aus Berlin und Potsdam Künstler herangezogen. Der bekannte Bildhauer Gottfried Schadow lieferte die Zeichnungen und einige Gipsmodelle für die Quadriga. Das Viergespann wird von einer auf einem zweirädrigen Siegeswagen stehenden Friedensgöttin gelenkt. Die Ausführung der Göttin in doppelter Lebensgröße übernahm der Potsdamer Kupferschmied Emanuel Jury. Da Schadow für die Figur nur eine Skizze entworfen hatte, stand Jurys Cousine Rieke Modell. Ihr Vater Samuel Heinrich Jury betrieb im sogenannten Bullenwinkel am Hausvogteiplatz eine Schmiedewerkstatt. Da die Zahl der Lehrlinge und Gesellen durch Gesetz begrenzt war, mussten ihm seine zwölf Töchter tüchtig helfen. Die kräftige junonische Gestalt der Rieke Jury war daher wie kaum eine andere geeignet, Modell für die Göttin zu stehen. Da das Bauwerk ursprünglich als Teil der Stadtbefestigung errichtet worden war, erhielt es neben den hölzernen Toren, die bei Nacht geschlossen wurden, eiserne Gittertore, um am Tage die Aussicht auf den schönen Tiergarten nicht zu versperren. Die vier Seitenöffnungen hatten eine Weite von 3,79 m, die mittlere war 5,65 m breit. Sie war für die Karossen der königlichen Familie bestimmt. Nahte im lebhaften Verkehr ein königlicher Wagen, dann hatte dies die Wache pflichtgemäß zu bemerken, herauszustürzen und das Gewehr zu präsentieren. Alle übrigen Wagen und Reiter mussten die Durchfahrten zu linker Hand benutzen, die Fußgänger konnten durch alle vier Durchgänge gehen. Wer das Stadttor passierte, wurde streng visitiert, musste sich ausweisen, sein Gepäck vorlegen und akzisepflichtige Waren versteuern. Langhans hatte keinen Zweifel darüber gelassen, dass er am Brandenburger Tor den Sieg des Friedens über den Tod dargestellt sehen wollte. Das Attikarelief sollte die „Göttin des Friedens mit einem Ölzweige und Lorbeerkranze in den Händen“ zeigen. Auch 1791 wurde in einem ministeriellen Erlass, der in den Akten der Königlichen Ministerial-Militär- und Baukommission überliefert ist, die Bezeichnung „das Friedenstor“ verwendet. Am 6. August 1791 wurde das neuerrichtete Brandenburger Tor nüchtern und ohne jede Feierlichkeit für den Verkehr freigegeben. Als Wahrzeichen Berlins wurde es bald Zeuge von Triumphzügen, Paraden, Empfängen und anderen historischen Ereignissen. Kurze Zeit nach der Vollendung des Tors kommentierten Zeitgenossen jedoch den Zug des Friedens auf dem Relief bereits als eine Kampfszene und als Verherrlichung einer „vaterländischen Heldentat“: Kurfürst Albrecht Achilles erobert im Kampf gegen die Nürnberger eine Fahne. Die offiziöse Geschichtsschreibung folgte dieser Glorifizierung des Krieges allzu gern, insbesondere als das Tor dann als Triumph-Pforte Verwendung fand. Knapp zwei Wochen nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt, die den vorläufigen militärischen und politischen Zusammenbruch Preußens besiegelte, hielt am 27. Oktober 1806 Napoleon Bonaparte Einzug in die preußische Hauptstadt. In einem seiner ersten Befehle forderte der siegesberauschte Kaiser auch die Entfernung der Quadriga, nicht etwa wegen ihres künstlerischen Wertes, sondern um die Besiegten durch die Beschlagnahme des Wahrzeichens ihrer Hauptstadt zu demütigen. Die Quadriga sollte als Kriegstrophäe einen Triumphbogen in Paris krönen, durch den die Armee beim großen Siegesfest ihren Einzug halten sollte. Eine Deputation unter der Führung Schadows überreichte vergebens eine Bittschrift. Friedensgöttin und Wagen wurden abgenommen, in mehrere Teile zerlegt, in 12 Kisten verpackt und am 21. Dezember 1806 über Hamburg auf dem Wasserweg nach Paris transportiert. Am 17. Mai 1807 trafen sie dort ein, zusammen mit 80 bis 100 Kisten, angefüllt mit anderen aus Berlin und Potsdam geraubten Kunstgegenständen. Nach der Niederlage Napoleons kehrte die Quadriga in einem wahren Triumphzug von Paris über Brüssel, Düsseldorf und Hannover nach Berlin heim. Die sechs Frachtwagen mit ihren mächtigen Kisten wurden festlich empfangen und mit Blumen und Kränzen geschmückt. Als am 7. August 1814 das siegreiche preußische Heer durch das Brandenburger Tor und die festlich geschmückte Lindenallee marschierte, wurde es auch von der Quadriga begrüßt. Die Friedensgöttin erhielt jetzt gegen den Willen Schadows anstelle des antiken Lorbeerkranzes mit seinem römischen Adler eine Standarte mit dem Eisernen Kreuz[3] umgeben von einem Eichenlaubkranz und einem darüber schwebenden preußischen Adler. Aus dem „Tor des Friedens“ wurde ein „Denkmal des Befreiungskrieges“ und Eirene, die Göttin des Friedens, zur Siegesgöttin Victoria. Seit dem Einmarsch Napoleons von 1806 nahmen fast alle Triumphzüge, Paraden und Empfänge ihren Weg durch das mächtige Brandenburger Tor. So blieb es auch bei den Nationalsozialisten, deren Fackelzüge schließlich in den wahnwitzigen Zweiten Weltkrieg mündeten. Um die Mittagsstunde des 21. April 1945 schlugen „Unter den Linden“ die ersten sowjetischen Granaten ein. SS-Einheiten machten die einstige Prachtstraße und den Reichstag zum Schauplatz eines sinnlosen „Endkampfes“. Erst am 1. Mai konnte die Rote Armee zum Brandenburger Tor vorrücken, während der Reichstag bereits besetzt war und auf seiner Kuppel seit dem 30. April die rote Fahne der UdSSR wehte. Der Rest ist nur zu gut bekannt. Die leidvolle Teilung Deutschlands und Berlins, der Volksaufstand von 1953, bei dem die Massen auch durch das Brandenburger Tor zogen, die Errichtung und Verbarrikadierung einer Grenze mitten durch die Stadt, so dass seit 1961 das Tor nicht mehr passiert werden konnte und es ein weit abgesperrter Teil der DDR-Grenzanlagen wurde. Im November 1989 gingen von diesem deutschen Schicksalstor Bilder und Meldungen durch die Medien, lange ersehnt, für viele unfassbar. Nach 28 Jahren trafen sich hier wieder Menschen aus beiden Teilen der Stadt wie des Landes. Auch strömender Regen hielt Zehntausende am Nachmittag des 22. Dezember 1989 nicht davon ab, als das Tor wieder geöffnet wurde. Kamera-Teams aus dem In- und Ausland waren postiert, Friedenstauben stiegen als Hoffnungszeichen in den regenverhangenen Himmel. Am 3. Oktober 1990 wurde nicht weit von hier – vor dem alten Reichstagsgebäude – die Wiedervereinigung Deutschlands verkündet. Die Toranlage zeigte bei Kriegsende schwere Schäden. Nach ersten Sicherungsarbeiten wurde sie dann in den Jahren 1956/57 in einem umfangreichen Rekonstruktionsprogramm wieder instand­gesetzt. Von der Quadriga waren nur einige wenige Stücke erhalten geblieben. Die Bild- und Bronzegießerei von Hermann Noack in Friedenau fertigte nach einem Gipsabdruck, der während des Kriegs angefertigt worden war, die Quadriga neu. Der Eichenlaubkranz, über dem sich der gekrönte preußische Adler mit ausgebreiteten Schwingen emporreckte, wurde 1958 beseitigt und verschwand bis zur erneuten Restaurierung 1990/91 in den Depots des Märkischen Museums. Zur Erinnerung an die Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember 1989 gab die Staatsbank der DDR am 3. April 1990 20 Mark-Münzen aus. Der Entwurf zu dieser Münze stammt vom Bildhauer und Medailleur Wilfried Fitzenreiter. Die Prägung erfolgte in zwei Ausführungen, so­wohl als Sonder- als auch Gedenkmünze, in der VEB Münze der DDR, Berlin. 20 Mark, Gedenkmünze der Deutschen Demokratischen Republik, 1989, Ausgabe zur Erinnerung an die Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember 1989, Vorder- und Rückseite. Anfang 1994 wurden dann die Sammler von der Meldung überrascht, dass die Staatsbank der DDR seinerzeit auch eine „Gedenk“-Banknote im Wert zu 20 Mark habe herstellen lassen. Diese Note ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, da hier erstmals eine Banknote gedruckt wurde, die nach dem Willen des Emittenten keine Zahlungskraft haben sollte. 20 Mark, Staatsbank der DDR, 22.12.1989, Vorder- und Rückseite. „SONDERDRUCK, KEIN GESETZLI­CHES ZAHLUNGSMITTEL“ ist auf Vorder- und Rückseite zu lesen. Im Gegensatz zu den damals kursierenden Banknoten gleichen Wertes mit dem Aufdruck „Staatsbank der DDR . Zwanzig Mark der Deutschen Demokratischen Republik . 1975“ liest man nun „Zwanzig Mark . Staatsbank der DDR . 22.12.1989“, darunter ebenfalls erstmals die Faksimile-Unterschrift des Präsidenten der Staatsbank, Kaminsky, und das Wappen der Stadt Berlin. Statt Goethes Kopfbild ziert die rechte Seite das von Carl Gotthard Langhans 1788–1791 errichtete Brandenburger Tor. Auf dem linken Schaurand eine große 20 und am oberen Rand die siebenstellige Kontrollziffer. Die vorgesetzten Serienbuchstaben GB könnten für „GedenkBanknote“ stehen. Die Rückseite zeigt links die Qua­driga mit der Friedensgöttin. Am rechten Rand das Staatswappen der DDR. Im mittleren Feld in fünf Zeilen der Ausgabeanlass „HERAUSGEGEBEN VON DER STAATSBANK . DER DDR . ANLÄSSLICH DER ÖFFNUNG DES . BRANDENBURGER TORES . DEZEMBER 1989“. Als Druckfirma wird am unteren Rand die „VEB Wertpapierdruckerei der DDR“ in Leipzig genannt. Die Scheine fallen mit 147 mm x 60 mm erheblich größer aus als die im Umlauf befindlichen Noten. Auch die Farbe weicht vom grünen Vorbild ab. Ansonsten weist die Note Sicherheitsfaden und Fasereinlagen auf. Im Januar 1990 sollen von den farbenfrohen Scheinen 530.000 an die Staatsbank in Berlin gelie­fert worden sein. Nach der Wiedervereinigung wurde die Staatsbank Berlin[4] Rechtsnachfolgerin der Staatsbank der DDR. Sie ließ im Frühjahr 1992 die bei ihr gelagerten Bestände unter neutraler Aufsicht bis auf ein Stück vernichten. Eine größere Anzahl von Scheinen müssen aber diesem Schicksal entgangen sein, denn in der Auktion 66 versteigerte am 2. März 1994 das Tempelhofer Münzenhaus Heinz Senger in Berlin drei Exemplare und in der Folgezeit immer wieder weitere Scheine. Wurde bei der ersten Auktion noch ein Höchstpreis von 2100 DM plus Aufgeld erzielt, liegt heute der Preis bei ca. 350 €. Ursprünglich waren die Noten zu 100 Stück = 2000 Mark gebündelt. Die Kontrollziffern der angebotenen Noten lagen zwischen GB 0385301 und GB 0383500 bzw. GB 0363517 und GB 0363587. Somit dürfen mindestens 300 Stück vorhanden sein. Allerdings wurde 1999 bei einer Auktion eines anderen Hauses erstmals ein Schein – Kennziffer GB 0421150 – angeboten, der nicht in die genannte Serie passt. 100 Mark der Deutschen Notenbank DDR, 1964, Vorder- und Rückseite. Bereits am 1. August 1964 gab die Deutsche Notenbank eine neue Banknoten-Serie in den Umlauf; unter ihnen auch ein 100-Mark-Schein, der auf der Rückseite das Brandenburger Tor und erstmals auch das Staatswappen der DDR zeigt. Die Vorderseite bildet das Porträt von Karl Marx ab und nennt neben dem Emittenten auch das Ausgabeland „DDR“. Der Geldschein ist in Blau gehalten und hat eine Größe von 155 mm x 73 mm. Das weiße Papier zeigt als Wasserzeichen auf dem Schaurand ebenfalls das Kopfbildnis. Der Schein wurde im Tiefdruckverfahren, und wie die Ziffern der Kontrollnummern beweisen, bei der staatlichen Banknotendruckerei Goznak in der UdSSR gedruckt. Er war bis zum 31. Dezember 1982 gesetzliches Zahlungsmittel und wurde noch bis zum 1. Januar 1984 eingelöst. 5 Mark, Deutsche Demokratische Republik, 1971, Vorder- und Rückseite. Darüber hinaus gab die DDR eine 5- Mark-Münze aus Neusilber mit einem Durchmesser von 29 mm einem Gewicht von 9,0 g aus, die auf der Rückseite das Brandenburger Tor abbildet. Die Umschrift lautet „HAUPTSTADT DER DDR BERLIN“. Die Vorderseite zeigt das Staatswappen mit Umschrift „DEUTSCHE DEMOKRATISCHE RE­PUBLIK 1971 5 MARK“. Über dem Staatswappen das Münzzeichen A für die Münze der DDR, Berlin. Der glatte Rand trägt die Inschrift „5 MARK * 5 MARK * 5 MARK * 5 MARK *“. Die Münze war seit dem 8. Mai 1972 im Umlauf und wurde wie die übrigen gesetzlichen Zahlungsmittel der DDR zum 30. Juni 1990 ungültig.[5] Der Entwurf stammt vom Berliner Gra­fiker, Professor Axel Bertram, und dem Bildhauer und Medailleur Wilfried Fitzenreiter. Die Münze wurde in den folgenden Jahren mit veränderter Jahreszahl weiter geprägt. 10 Mark, Gedenkmünze der Deutschen Demokratischen Republik, 1989, Johann Gottfried Schadow 1764 – 1850, Rück- und Vorderseite. Mit der Jahreszahl 1989 gab die DDR eine 10-Mark-Gedenkmünze zum 225. Geburtstag von Johann Gottfried Schadow aus. Der Entwurf stammt von A. Kahane und Ger­hard Rommel. Sie wurde in einer Auflage von 42.200 Stück geprägt, wiegt bei einem Durchmes­ser von 31 mm 17,0 g und besteht aus einer Legierung von 500/1000 Silber und 500/1000 Kup­fer. Die Rückseite zeigt die Quadriga, darüber im Halbkreis „JOHANN GOTTFRIED SCHADOW“, unten seine Lebensdaten „1764 – 1850“. Auch in der Bundesrepublik wurde das Brandenburger Tor als Motiv aufgegriffen. Am 18. Dezember 1991 begann man mit der Ausgabe einer 10-DM-Münze zur „Erinnerung an 200 Jahre Brandenburger Tor (1791 – 1991) - Symbol der Deutschen Einheit“, die gewissermaßen auch an den ersten Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erin­nerte. Die Prägung besorgte die Münze Berlin (Prägebuchstabe „A“). Die Auflage betrug 8 Millionen, sowie 450.000 in Polierter Platte. Die Randschrift lautet: „DEUTSCHLAND EINIG VATERLAND”. Zur Ausführung gelangte nach dem Beschluss des Bundeskabinetts vom 25. September 1991 der Entwurf des Medailleurs Erich Ott, München, der „im besten Sinne handwerklich vollendet durch­gearbeitet [ist]. Er gibt eine prägnante reduzierte Wiedergabe des Brandenburger Tores.“[6] So das Preisgericht, das diesen Entwurf mit dem 4. Preis bedacht hatte. 5 DM, Deutsche Bundesbank, 1. August 1981, Vorder- und Rückseite. Am 27. Oktober 1992 gab die Bundesbank die neue 5-DM-Banknote in den Verkehr. Während man für die Vorderseite das Brustbild der Schriftstellerin Bettina von Arnim (geborene Brentano, * 4.4.1785, + 20.1.1859) im Alter von 24 Jahren wählte, war die Gestaltung der Rückseite lange umstritten. Nach der Wiedervereinigung „bot sich als Motiv das Brandenburger Tor an, das zu Lebzei­ten Bettinas erbaut und eingeweiht wurde. Hinzu kam natürlich, dass dieses Bauwerk inzwischen zum unumstrittenen Symbol für die staatliche Einheit Deutschlands geworden war und somit der 5-DM-Note einen eindeutig gesamtdeutschen Charakter verlieh.“[7] Die 62 mm x 122 mm große, grünlich-gelbe Note vom 1. August 1991 zeigt das Brandenburger Tor von Osten aus einer leicht seitlichen Perspektive mit der restaurierten Quadriga. Die Entwürfe zu dieser Banknote stammen vom Grafiker Reinhold Gerstetter, der auch die anderen Noten dieser Serie entwarf. Der Schaurand gibt, von einem Briefumschlag unterlegt, Unterschriften bedeutender Persönlichkeiten wider. Mit eini­gen von ihnen stand Bettina von Arnim in einem regen Briefwechsel. Ebenso zeigt der Schaurand ihr Brustbild als Wasserzeichen. Auch im Unterdruck der Vorderseite sollte ursprünglich das Brandenburger Tor vorkommen, wurde allerdings dann durch die Silhouette der Museumsinsel ersetzt. Den Druck dieser Banknote besorgte die Bundesdrucke­rei in Berlin, wie man unschwer an den Ersatzbanknoten mit dem vorangestellten Y erken­nen kann. So mancher Sammler deutscher Münzen schüttelte den Kopf, dass es 2013 keine Gedenkprägung zur Völkerschlacht bei Leipzig gab, dafür aber eine für Schneewittchen. „Als dann im Prägeprogramm für 2014 Hänsel und Gretel herumirren durften, aber keine Münze vorgesehen war zu dem wunderbarsten Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte, dem Mauerfall vor 25 Jahren, wollten viele gar nicht glauben, dass man so geschichtslos sein kann. Aber es sollte noch schlimmer kommen: Das Gedenkmünzenprogramm für 2015 sah u.a. Dornröschen vor, aber nicht die deutsche Wiedervereinigung, das Ausgangsereignis der heutigen Bundes­republik.“[8] In letzter Sekunde erkannte die Bundesregierung ihren Fauxpas. Am 4. Juni 2014 beschloss sie, dass im Januar 2014 eine 2-Euro-Gedenkmünze an dieses Ereignis erinnern sollte. „In einer Hauruck-Aktion ohne Ausschreibung eines Wettbewerbs, sondern mit Griff in die Mottenkiste alter Entwürfe wurde eine Gedenkmünze „[25 Jahre] Deutsche Einheit“ hervorgezaubert.“[9] Der Entwurf der nationalen Seite stammt vom Künstler Bernd Wendhut aus Bernkastel-Kues, der beim Wettbewerb „20 Jahre Deutsche Einheit“ 2010 den 2. Preis gewann. 2 Euro, Bundesrepublik Deutschland, 2015, Vorder- und Rückseite. Die Bildseite zeigt von den üblichen Sternen begrenzt jubelnde Menschen vor dem Brandenburger Tor. Sie verkörpern Aufbruch und Neubeginn. Ihre Willens­bekundung „Wir sind ein Volk“, die den Weg zur deutschen Wiedervereinigung repräsentiert, findet sich auf der rechten Seite der Darstellung wider, während links der Anlass der Ausgabe genannt wird: „25 Jahre Deutsche Einheit 2015“. Die gemeinsame europäische Wertseite und die technischen Parameter entsprechen denen der normalen 2-Euro-Münze. Die Randumschrift lautet: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Insgesamt 30 Millionen Münzen wurden in den fünf deutschen Münzanstalten geprägt. 25 Euro, Bundesrepublik Deutschland, 2015, Vorder- und Rückseite. Am 1. Oktober 2015 gelangte dann erstmals und bisher zum einzigen Mal eine 18 g schwere 25-Euro-Gedenkmünze in Silber mit einem Durchmesser von 32,5 mm zur Ausgabe. Die Bildseite entspricht weitgehend dem 2-Euro-Stück. Sie zeigt den Bundesadler. Die Münze wurden in den fünf deutschen Prägeanstalten jeweils in einer Auflage von 300.000 Stück in Normalausführung sowie 50.000 Stück in polierter Platte geprägt. 2 Euro, Bundesrepublik Deutschland, 2019, Vorderseite. Auf den 30. Jahrestag des Berliner Mauerfalls emittierte die Bundesrepublik und Frankreich gemeinsam eine bildgleiche 2-Euro-Münze. Sie zeigt auf der nationalen Seite, wie in der Mitte durch eine Öffnung der Berliner Mauer jubelnde Menschen strömen und Tauben – Sinnbild der internationalen Versöhnung – fliegen. Auf dem linken Teil des noch stehenden Mauerabschnitts ist „30 Jahre Mauerfall“ als Graffiti gestaltet. Auf der französischen Ausgabe ist der Ausgabeanlaßss auch in französischer Sprache angegeben. Auf dem rechten Fragment ist ein Ausschnitt aus einem „Wir sind ein Volk“ betitelten Gemälde von Schamil Gimajev zu erkennen. Im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen. Am unteren Bildrand sind das Zeichen der jeweiligen Prägeanstalt, die Jahreszahl „2019“ und das „D“ für Deutschland aufgeprägt. Bei der französischen Ausgabe steht dort entsprechend „RF“. Der Entwurf der Münze stammt aus der Monnaie de Paris. Ausgabetag für die 30 Millionen deutschen Münzen war der 10. Oktober 2019. 20 Reichsmark, Reichskreditkassen, o. D., Vorder- und Rückseite. Vermittelt diese Münze ein Gefühl der Völkerfreundschaft und des Friedenswillens, so weckt die undatierte 20 Reichsmark-Note der Reichskreditkassen böse Erinnerungen bei unseren Nachbarn. Die Darstellung des Brandenburger Tors auf der Rückseite präsentiert sich ganz im Stil der NS-Zeit, wie auch das Brustbild „Der Baumeister“ nach einer Hand­zeichnung von Dürer. Der Schein wurde auf Papier mit dem Wasserzeichen „Sonnenrune“ ge­druckt und hat die Maße 155 mm x 80 mm. Die vorherrschenden Farben sind Braunviolett auf Grün, Braun und Rotbraun. Mit Verordnung vom 23. September 1939 gründete der Oberbefehlshaber des Heeres die Reichskreditkassen. Sie sollten den Zahlungs- und Kreditverkehr, in dem von deut­schen Truppen besetzten Polen regeln. Mit Ausweitung des Krieges wurde durch Verordnung des Ministerrats für die Reichsverteidigung vom 3. Mai 1940 der Tätig­keitsbereich der Reichskreditkassen auf andere besetzte Staa­ten übertragen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Reinhard Flören, Neuheiten aus aller Welt, Geldgeschichtliche Nachrichten, 32. Jahrgang, Nr. 182, November 1997, S. 349. [2] Ebenda. [3] Das Eiserne Kreuz war zu Beginn der Befreiungskriege als Orden gestiftet worden. [4] Heute mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau Frankfurt am Main fusioniert. [5] Die Banknoten und Münzen konnten bei den Banken noch bis zum 6. Juli 1990 in DM umgetauscht werden. Die DDR-Kleinmünzen (bis 50 Pfennig) blieben noch einige Monate umlauffähig. [6] Zitiert nach Geldgeschichtliche Nachrichten, 26. Jahrgang, Heft 146, November 1991, S. 299 f. [7] Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Von der Baumwolle zum Geldschein, Eine neue Banknoten­serie entsteht, Frankfurt am Main 1995, S. 18. [8] Späte Einsicht in Berlin: 2-Euro-Sonderprägung zur Wiedervereinigung, in: MünzenRevue, 10/2014, S. 22. [9] Ebenda.

  • Der Blutsauger auf den Zehntausendmarkscheinen

    So lautet die Überschrift zu einer kleinen Meldung in einer Zeitung aus dem Jahr 1922. Bereits 1920 hatten die Vorarbeiten für die Ausgabe höherwertiger Reichsbanknoten begonnen und am 18. Mai 1922 machte das Reichsbankdirektorium die Ausgabe einer Note zu 10.000 Mark mit dem Ausgabedatum 19. Januar 1922 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt entsprach ihr Wert etwa 50 US-Dollars. „Der Schein war gutgeschützt, aber so anspruchsvoll in der Ausführung, daß er trotz wiederholter Vereinfachung nicht in den vom Verkehr verlangten Mengen geliefert werden konnte; seine Auflage betrug 117.436.144 Stück.“[1] Abb. 1: Bekanntmachung betreffend die Ausgabe neuer Reichsbanknote zu 10.000 Quelle: Dieter Hoffmann, „Das Notenbuch“, Katalog der deutschen Banknoten ab 1874, 5. erweiterte Auflage 1989/90, Regenstauf 1989, S. 30. Abb. 2.1: DEU-76, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Reichsdruckerei, Vorderseite. Abb. 2.2: DEU-76, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Reichsdruckerei, Rückseite. Die erste Ausgabe zeigt auf der Vorderseite zwei siebenstellige Kennziffern mit vorangestelltem Buchstaben sowie einen Unterdruckbuchstaben, während dieser bei der zweiten Ausgabe, die am 21. Februar 1923 in Umlauf gelangte, fehlt. 10.000 Mark waren jetzt nur noch 0,43 US-Dollar wert. Beide Ausgaben sind 210 mm x 124 mm groß und zeigen im Schaurand ein verschlungenes Band mit „10000 M“ als Wasserzeichen. Jedoch wurde das Design der Rückseite stark vereinfacht. Abb. 3.1: DEU-77, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Reichsdruckerei, Vorderseite. Abb. 3.2: DEU-77, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Reichsdruckerei, Rückseite. Die dritte Auflage entspricht der zweiten Auflage, wurde jedoch erheblich verkleinert (180 mm x 100 mm) und auf Papier mit dem Wasserzeichen „Vierpass“ gedruckt. Sie gelangte ab 7. März 1923 in Umlauf. Neben der Reichsdruckerei beteiligten sich auch mehrere private Druckereien an der Herstellung. Die Reichsdruckerei verwendete sieben- bzw. achtstellige Kennziffern, während bei den Firmendrucken sechs- und siebenstellig vorkommen. Darüber hinaus variieren sie in der Größe (3,5 – 4,5 mm). Abb. 4.1: DEU-78b, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Reichsdruckerei, Vorderseite. Abb. 4.2: DEU-78 b, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Reichsdruckerei, Rückseite. Abb. 5.1: DEU-78c, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Privatdruckerei, Vorderseite. Abb. 5.2: DEU-78 c, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Privatdruckerei, Rückseite. Hin und wieder werden Noten angeboten, bei denen der Schaurand mit dem Ornament auf der rechten, statt auf der linken Seite zu finden ist. Hierbei handelt es sich um manipulierte Scheine, die aus Druckbögen geschnitten wurden. Der Abstand zwischen Ornament und Rahmen beträgt hier ca. 18 mm statt 9 mm. Von der dritten Auflage gibt es eine seltene Variante auf braunem Papier. Sie wurde mit dem Firmenbuchstaben B (R. Oldenbourg, München) und N (C. G. Naumann, GmbH, Leipzig) gedruckt. Leider werden auch hier Manipulationrn zum Schaden der Sammler angeboten. Das Papier wurde bei diesen entsprechend eingefärbt. Abb. 6.1: DEU-79, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Privatdruckerei, Vorderseite. Abb. 6.2: DEU-79, 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Privatdruckerei, Rückseite. In meiner Sammlung befindet sich auch ein Schein, bei dem der Firmenbuchstabe fehlt. Abb. 7.: DEU-(78), 10.000 Mark, 19. Januar 1922, Vorderseite. Abb. 8: Kopfeines jungen Mannes nach einem Gemälde von Albrecht Dürer. Schon bald nach der Ausgabe des Scheins, meinte das Publikum in der der Darstellung des jungen Mannes (nach einem Gemälde von Albrecht Dürer) einen „blutsaugenden Vampir“ zu erkennen. Viele Zeitgenossen deuteten dies so, dass die französische Regierung das deutsche Volk durch die Reparationsleistungen bis zum letzten Blutstropfen aussaugen wolle. Natürlich bestätigte weder Reichsbank noch Reichsdruckerei diese Deutung. Aber sicherlich hatte man auch nichts dagegen. Abb. 9: Vexierbild: Der „Blutsauger“. In der oben erwähnten Zeitungsmeldung heißt es: „In der rechten Ecke der Zehntausendmarknote befindet sich das Kopfbild – bis über die Schulter – eines deutschen Arbeiters (wie bekannt, Nachbildung eines Bildnisses von Albrecht Dürer). Auffallend ist sein wehleidiger Gesichtsausdruck. Man drehe den Schein herum, daß sich das Arbeiterbild links oben befindet. Die gesamte Halspartie zeigt nun ein deutliches spitzes Gesicht mit etwas langer Nase (Nasenspitze bis zum linken Ohrläppchen des Arbeitergesichts); die linke Rockpartie bildet eine weiche runde Mütze, die rechte Rockpartie bildet einen Halsschal, die Weste stellt die Haare (oder ein Kopftuch) dar. Der Mund des Vexierkopfes[2], dessen eingefallene Backen sichtlich Saugbewegungen des Mundes darstellen, liegt an der Halsschlagader des Arbeiterkopfes! Nun weiß man doch, warum der Arbeiter ein so wehleidiges Gesicht mach. Das Vexierbild ist in dem Bildnis so deutlich, daß man, wenn man es einmal erkannt hat, ohne weiteres immer die beiden Köpfe sieht.“ So kam die 10.000-Mark-Banknote zu ihrem Namen: Vampir- oder Blutsauger-Schein. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Fünfzig Jahre Reichsdruckerei 1879 – 1929, Mit einem Rückblick auf den Berliner Buchdruck für Hof und Staat bis zur Begründung der Reichsdruckerei. Verfasst und herausgegeben von der Direktion der Reichsdruckerei unter Mitwirkung von Dr. Ernst Crous, Berlin 1929, S. 161 f. [2] Anm. d. Verf.; Ein Vexierbild ist ein Bild, auf dem eine oder mehrere versteckt eingezeichnete Figuren zu suchen sind.

  • Die Zehn-Dollars-Millenniumbanknote der Reserve Bank of New Zealand

    Am 5. Februar 1999 kündigte die Reserve Bank of New Zealand an, zur Erinnerung an die Jahrtausend-Wende eine spezielle Zehn-Dollar-Note auszugeben. Bereits 1998, vor dem Weihnachtsfest, sichtete die Bankleitung die eingereichten Arbeiten zu dieser Banknote. Ihre Wahl fiel auf den Entwurf von Ken Wright, Peter Gray und Kyley Williams von „Cue Design“ in Wellington. Die Maori-Elemente des Designs steuerte Te Warihi Hetaraka aus Whangarei bei, einer der führenden Künstler, Schnitzer und Kenner der Kultur, Geschichte und Spiritualität der Maori. Am 17. Juni 1999 gab die Bank bekannt, dass die Millennium-Note im November 1999 zur Ausgabe gelangen würde. Über das Aussehen machte die Bank nur wage Angaben. Es wurde nur bekannt, dass sie in Größe (140 x 68 mm) und blauer Farbgebung den umlaufenden Zehn-Dollars-Noten entspreche. Abb. 1.1: Gedenkausgabe der Zehn-Dollars-Millenniumsbanknote der Reserve Bank of New Zealand. Vorderseite. Abb. 1.2: Gedenkausgabe der Zehn-Dollars-Millenniumsbanknote der Reserve Bank of New Zealand. Rückseite. Schließlich wurde am 15. September 1999 die Note vorgestellt. Die Darstellungen auf der Vorderseite verbinden Vergangenheit mit dem digitalen Zeitalter. In ihrem Mittelpunkt steht ein Waka, ein Maori-Kriegskanu mit Maori-Kriegern. Es symbolisiert die Reise, die mit der Ankunft der ersten Maori aus anderen Teilen des Pazifiks vor vielen Jahrhunderten begann und weiter fortgesetzt wird, wie es auf der Banknote heißt: „THE DAWN OF A NEW ERA LIGHTS THE WAY / FOR NEW ZEALAND’S PERPETUAL VOYAGE / OF INNOVATION AND DISCOVERY“ (DER ANBRUCH EINER NEUEN ÄRA WEIST DEN WEG FÜR NEUSEELANDS EWIGE REISE DER INNOVATION UND ENTDECKUNG). Neuseelands Umrisse überlagern eine Weltkarte und weisen auf die weltweiten Handelsbeziehungen des Landes hin. Ganz rechts ist eine Satellitenschüssel zu sehen, die für die technologischen Beziehungen stehen. Ein weißer Stern über einem sonnenähnlichen Bild direkt rechts von der Nordinsel symbolisiert den „ersten Schritt in die Zukunft“. Links unterhalb des Bootes die Unterschrift des Bankgouverneurs Dr. Donald Thomas Brash (1988 – 2002). Die perlmuttartige Paula-Muschel, die Neuseelands pazifischen Ursprung symbolisiert, wird in der linken unteren Ecke des Scheins abgebildet, darüber befindet sich dreizeilig die Wertangabe: „TEN / THIS NOTE IS LEGAL TENDER FOR / DOLLAR“; rechts davon zweizeilig „RESERVE BANK OF NEW ZEALAND / COMMEMORATING THE NEW MILLENIUM“. Oben links ist das Maori-Muster des Aoraki (Mount Cook), des höchsten Berges des Landes, abgebildet. Entlang der Oberseite des Scheins wird in zehn Zeilen die Binärzahl „01“ wiederholt, die die Grundlage der meisten Computerprogrammiersprachen bildet. Das wichtigste Merkmal der Rückseite ist die Darstellung des Hammerhais (Ko te Mango Pare), der für die Maori Tapferkeit, Ausdauer, Kraft und Stärke symbolisiert. Das Design des Hais wird zu einer Darstellung des Pazifischen Ozeans mit Körperteilen, die auf verschiedene Inseln des Ozeans hindeuten. Die Mitte des Kopfes steht für die Osterinsel, das Herz für Samoa, das rechte Auge für Hawaii und das linke Auge für Neuseeland – Aotearoa, dem „Land der langen weißen Wolke“. Die sechs wellenförmigen Locken (korus) stehen für die sechs Generationen, die seit dem Vertrag von Waitangi von 1840 zwischen den Weißen und den Maori vergangen sind. Die zwei Kinder in der Mitte der Banknote sind ein Symbol für den neuseeländischen Lebensstil und ein Hinweis auf die Zukunft; im Hintergrund die Zeichnung des Mount Cook. Die übrigen Abbildungen zeigen Freizeitaktivitäten, die Neuseeland so besonders machen: ein junger Mann, der über die Wellen surft, ein Skiläufer, Fallschirmspringer bei einem Tandemsprung und zwei Kajaks. In der Scheinmitte geschwungen: „CELEBRATING NEW ZEALAND’S FREE SPIRIT & / QUEST FOR ADVENTURE IN THE NEW MELLENIUM“ (NEUSEELANDS FREIER GEIST & SUCHE NACH ABENTEUERN IM NEUEN MELLENIUM). Auch hier ist das Muster der Paua-Muschel fast spiegelbildlich zu dem auf der Vorderseite abgebildet, sowie eine größere Karte Neuseelands, die den „Pazifikwirbel“ überlagert. Am unteren Rand wird wie auf der Vorderseite, der Emittent und die Wertangabe genannt. Die neue Banknote brach mit mancher Tradition; so wurde sie nicht auf Papier gedruckt, sondern als erste neuseeländische Banknote auf Polymer-Kunststoff, hergestellt von „Note Printing Australia“ in Craigieburg, Australien. Auch in anderer Hinsicht wich die Note von den bisherigen Entwürfen ab. Zum ersten Mal seit zweiunddreißig Jahren wurde Königin Elisabeth II. nicht auf einer neuseeländischen Banknote abgebildet. Überhaupt verzichtete man auf ein Porträt, einem Garanten beim Fälschungsschutz. Denn in der Vergangenheit war es schwieriger, Geldscheine zu fälschen, wenn sie mit den üblichen Details wie einem Porträt versehen waren, da die Menschen von klein auf in der Lage sind, selbst kleine Veränderungen im menschlichen Gesicht zu erkennen. Mit dem Aufkommen der Scantechnologie können Porträts nun jedoch so genau reproduziert werden, dass die Öffentlichkeit getäuscht werden könnte. Dies veranlasste die Hersteller von Banknoten, ihre Geldscheine mit ausgefeilten Sicherheitsmerkmalen auszustatten. Die Zehn-Dollars-Millennium-Banknote erhielt einige dieser neuen und innovativen Merkmale. Erstmals auf einer Weltbanknote wurde die „Screen Angle Modulation“ (SAM) und der „Diffraction Optically Variable Divice“ (DOVD) verwendet. Bei der Screen Angle Modulation handelt es sich um ein ausgeklügeltes und komplexes Sicherheitsmerkmal, bei dem bestimmte Bilder durch den Einsatz eines Filters und digitalisierter Ton- und Linienbilder verändert werden. Wird die Banknote gegen das Licht gehalten, erscheint in der „0“ der Wertziffer ein Schattenbild, das dem Wasserzeichen bei Papierbanknoten entspricht. Von beiden Seiten ist der Kopf einer Ahnenfigur sichtbar. Dem „Te Upoko“ stehen die Maori mit großer Ehrfurcht gegenüber. Beim DOVD handelt es sich um das durchsichtige Fenster unten rechts auf der Vorderseite mit den zwei silberfarbenen Farnen, die einen Kreis bilden. Dieses beugungsoptisch variable Sicherheitsmerkmal aus entmetallisierter Aluminiumbeschichtung führt je nach Lichteinfall dazu, dass die Farne in den Regenbogenmustern ihre Farbe verändern. Unter Vergrößerung zeigt das DOVD kleine silberne Bilder und den Text „NZ 2000“. Auf der Vorderseite befindet sich ferner unterhalb der vertikalen Kontrollnummer ein Maori-Spiralmuster, das für Wachstum und neues Leben steht. Es deckt passgenau die Spirale der Rückseite ab. Nur unter starker Vergrößerung wird der Mikrodruck „10NZ“ sichtbar, der in sieben bzw. neun Zeilen beiderseits des Kanus auf der Vorderseite und in sieben bzw. zwölf Zeilen in dem mittleren Feld unterhalb des Wellenreiters auf der Rückseite aufgedruckt wurde. Unter ultraviolettem Licht werden auf der Vorderseite mehrere fluoreszierende Bereiche sichtbar. Die Wertangabe in einem Kästchen unten links, beide Kontrollnummern, das Wappen der Reserve Bank of New Zealand bei der Gedenkbanknoten-Ausgabe und eine ansonsten verborgene Muschel in einem Quadrat über dem "Star Burst Design" in der oberen Mitte der Banknote. Abb. 2: Vorderseite der Gedenkausgabe der Zehn-Dollars-Millenniumsbanknote der Reserve Bank of New Zealand unter UV-Licht. Bleibt noch anzumerken, dass die Banknoten im Intaglio-Druck ausgeführt wurden. Bei diesem Tiefdruck wird ein Text, eine Zeichnung usw. in die Oberfläche einer Druckplatte graviert, die Druckfarbe bleibt in den Vertiefungen und wird auf das Papier oder die Polymerfolie übertragen. In erster Linie sollte mit der Banknote der Eintritt Neuseelands in das neue Jahrtausend gefeiert werden. Ein weiteres wichtiges Ziel war es, die Reaktion der Öffentlichkeit auf die neuen Merkmale zu testen und dadurch Rückschlüsse für die künftige Verwendung als normale Banknoten zu erlauben. Ursprünglich sollten 35 Blöcke zu je 50.000 Noten mit den Kennnummern AA 00 00001 – AA 00 050000, AB 00 00001 – AB 00 050000 usf. bis AM 00 00001 – AM 00 050000 sowie BA – BM, CA – CI für den Umlauf gedruckt werden, sowohl mit dem Buchstaben „I“ wie auch „J“. Ferner war der Druck von 1.000.000 Gedenknoten für Sammler mit dem Präfix NZ (NZ 00 000001 – NZ 00 999999) vorgesehen. Wie es scheint, wurden keine besonderen Ersatzscheine oder Musterscheine hergestellt. Letztendlich wurden etwas mehr als zwei Millionen Millenniums-Banknoten in Verkehr gegeben. Eineinhalb Millionen gingen in den allgemeinen Umlauf, während nur 508.000 der gedruckten „Gedenknoten“ in einem besonderen Folder an Sammler verkauft wurden. Den Vertrieb besorgte „Monyworld Asia“, ein Unternehmen aus Singapur, das sich auf den Verkauf von Sammlerausgaben über das Internet spezialisiert hat. Den Neuseeländern selbst standen nur 150.000 dieser Scheine zur Verfügung. Die Gedenknoten unterscheiden sich von den „umlaufenden“ Noten dadurch, dass die Kontrollnummern bei ihnen statt in schwarzer in roter Farbe und mit dem Präfix NZ gedruckt wurden, ferner befindet sich auf der Vorderseite zusätzlich in Rot das Wappen der Reserve Bank. Diese Banknoten wurden ab 11. November 1990 je nach Geldbeutel angeboten. Ein ungeschnittenes Blatt mit 20 Noten (insgesamt 100.000 Scheine) in einer Schutzhülle war für 345,00 NZ$ erhältlich, ein ungeschnittenes Notenpaar (ebenfalls 100.000 Scheine) in einer Mappe für 37,00 NZ$ und ein einzelner Schein (300.000 Scheine) für 19,00 NZ$, der entweder in einer Mappe oder in einer scheckheftartigen Brieftasche präsentiert wurde. Im März 2000 bot die Reserve Bank in ihrer Publikation „Mintage Notes 2“ Sammlern die Möglichkeit, einen kompletten Druckbogen mit 35 Banknoten zu erwerben. Die Anordnung auf dem Bogen ist waagerecht fünf Noten und senkrecht sieben Noten. Weltweit waren nur 150 Bögen zu einem Preis von 698 NZ$ erhältlich. Abb. 3.1: Umlaufausgabe der Zehn-Dollars-Millenniumsbanknote der Reserve Bank of New Zealand. Vorderseite. Abb. 3.2: Umlaufausgabe der Zehn-Dollars-Millenniumsbanknote der Reserve Bank of New Zealand. Rückseite. Die für den Umlauf vorgesehen Noten wurden erst am 2. August 2000 ausgegeben. Dabei kam es zu einer Panne, denn in den ersten Augustwochen wurden in Christchurch und New Plymouth irrtümlich etwa 30.000 Gedenkbanknoten mit den roten Kennziffern an Kunden abgegeben. Uwe Bronnert

  • Tausende Zehn-Dollars-Noten rieseln vom Himmel

    Schweizer Journalisten berichteten 1943, dass von deutschen Flugzeugen aus Tausende von „gefälschten“ Zehn-Dollars-Banknoten über Jugoslawien abgeworfen worden seien. Bei den Noten handele es sich um sog. Propagandascheine, in denen Titos Partisanen aufgefordert würden zur deutschen Wehrmacht überzulaufen. Deutsche Dornier Do-17 im Einsatz auf dem Balkan (Abb. "Der Zweite Weltkrieg in Bildern", Sammlung Reinhard Selzle, München). Abb. 1.1: Überläufer-Ausweis, 1943, im Design der 10 Dollars United States Gold Certificate, Vorderseite. Abb. 1.2: Überläufer-Ausweis, 1943, im Design der 10 Dollars United States Gold Certificate, Rückseite. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie United States Gold Certificates zu 10 Dollars von 1928. Angegeben ist jedoch die Serie „1943“. Die Kontrollnummer lautet A55838131A. Im Kleingedruckten auf der Vorderseite der Propagandanote finden sich oben, unten und links über dem Goldsiegel einige Botschaften, die in freier Übersetzung wiedergeben werden: „Dieser Schein ist zwar nichts wert, aber er kann Ihnen das Leben retten. Er ermöglicht es Ihnen, in Sicherheit zu den deutschen Truppen überzugehen. Wir fordern Sie auf, die Partisanen zu verlassen und zu den deutschen Streitkräften zu kommen. Mit diesem Ausweis in den Händen sind Sie von jeder Strafe befreit.“ Die Rückseite garantiert dem Überbringer des Scheins in deutscher, serbischer und kroatischer Sprache sicheres Geleit. Der deutsche Text lautet: „Ueberläufer-Ausweis / Nicht erschiessen, sondern zur nächsten / Deutschen Kdo-Stelle bringen und gut behandeln“. Rechts hiervon in einem Kreis der Reichsadler mit dem Hakenkreuz in den Fängen. Statt der Wiederholung der Wertzahl in Buchstaben befindet sich im Balken der unteren linken Wertziffer „10“ der Code „P.S.K.83“. Abb. 2.1/2: United States Gold Certificate, 1928, 10 Dollars, Vorder- und Rückseite (Quelle ebay). Der Überläuferausweis stammt also von der „Propagandaabteilung Südost Staffel Kroatien“, die ihren Hauptsitz in Belgrad und Zweigstellen in Banja Luka, Sarajevo, Varazdin, Essegg, Dubrovinik, Vukovar und Bjelovar hatte. Die Zahl „83“ gibt an, dass es sich bei diesem Druckerzeugnis um das 83. einer ganzen Serie von Flugblättern handelt. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs veranlassten die Wehrmachtsführung am 16. September 1938 zunächst vier Propaganda-Kompanien (PK) aufzustellen. Am 1. September 1939 wurde dann die Abteilung Wehrmachtspropaganda (WPr) beim Wehrmachtsführungsstab (WFSt) geschaffen, die für die Organisation und Führung der Propagandaeinheiten der drei Wehrmachtsteile und der Waffen-SS verantwortlich war und deren Einsatz steuerte. Bei der inhaltlichen Tätigkeit war die Wehrmacht an Weisungen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) gebunden. Zu den Aufgaben der Propaganda-Kompanien gehörte die Kriegsberichtserstattung, sowie die sog. „Aktivpropaganda“, also die Beeinflussung der Meinung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten und der feindlichen Soldaten. Ein weiterer Arbeitszweig war die Betreuung der eigenen Truppen. Bis 1942 hatte sich die Zahl der Propaganda-Kompanien des Heeres auf insgesamt einundzwanzig erhöht und ihr Personal erreichte fast Divisionsstärke (ca. 15.000 Mann). 1943 wurden die Propagandatruppen zur selbständigen Waffengattung und der neu geschaffenen Dienststelle „Chef der Propagandatruppen“ unterstellt. Für die besetzten Gebiete wurden Propaganda-Abteilungen gebildet, die sich wiederum in Staffeln gliederten. Die Propaganda-Abteilungen waren im Bereich eines Militärbefehlshabers tätig und diesem unterstellt; fachlich und einsatzmäßig blieben sie an Weisungen der Abteilung WPr gebunden. Sie sollten in den besetzten Gebieten die Institutionen der öffentlichen Meinungsbildung, insbesondere die Presse, den Rundfunk und den Film, wieder in Gang setzen, deren Arbeit überwachen und zensieren sowie u. a. mit Flugblatt- und Lautsprecheraktionen gezielt auf die einheimische Bevölkerung und die feindlichen Truppen einwirken. Zur Zeit der Flugblattaktion stand Jugoslawien unter dem Befehlshaber der Heeresgruppe E, dem die Propaganda-Kompanie 690 zu geordnet war. Zurück zu den Überläuferausweisen. Sie wurden in zwei Auflagen gedruckt, wobei auf der Rückseite der Abstand der kyrillischen Wörter in der zweiten Zeile vom unteren Rand 93 mm bzw. 80 – 83 mm lang ist. Der Druck der Scheine dürfte in der eigenen Druckerei der Propaganda-Kompanie erfolgt sein. Uwe Bronnert

  • RÜSTGELD

    In manch alter Papiergeld-Sammlung finden sich auch die kleinen, einseitig bedruckten, allerdings nicht gummierten "Marken", die das Wort "Rüstgeld" enthalten. Allen diesen ist gemeinsam, dass sie weder einen Ausgabeort noch den Verwendungszweck nennen. Auch der Emittent erscheint nur mit den Anfangsbuchstaben „B K“. Die meisten Sammler stehen diesen "Scheinchen" hilflos gegenüber. Mit dem folgenden Beitrag soll ein wenig Licht in die Angelegenheit gebracht werden. Aufdrucke wie "Opfert Gott Dank!" oder "Treu unserem Gott!" sowie die Darstellung des Kreuzes bzw. Opferaltars deuten auf eine religiöse Gemeinschaft als Emittent der Scheine hin. Und – in der Tat steht die Abkürzung "B K" für "Bund deutscher Bibelkreise". Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1883 zurück, als sich der Student Wilhelm Weigle und die Gymnasiasten Alfred Christlieb und Fritz Mockert in Elberfeld zu einem ersten "Bibelkränzchen" trafen. Die für uns heute sonderbar anmutende Bezeichnung "Kränzchen" war damals üblich für unterschiedliche Interessengruppen, die sich an höheren Schulen bildeten. Auch andernorts in Deutschland schlossen sich evangelische Schüler höherer Lehranstalten zu Bibelkreisen zusammen, sodass sich 1886 die bestehenden Gruppen in einem "Zentralkommitée für Bibelkränzchen an höheren Schulen" zusammenschlossen. Die Bibelkränzchen haben ihre Wurzeln im Pietismus, einer protestantischen Erneuerungsbewegung, die sich durch eine besondere, gefühlsbetonte Form der Frömmigkeit auszeichnet. "Sie fordert vom Gläubigen eine Verinnerlichung des Glaubens und ein vorbildliches moralisches Auftreten in der Öffentlichkeit. Der Glaubenseifer wird durch den regelmäßigen Kirchenbesuch, Hausandachten und Bibelstunden unter Beweis gestellt."[1] "Es ging den Gründern um den Kampf gegen einen verkehrten Klassengeist, Kneiperei, Mogelei und alles Ungöttliche‘. Grundlegend war[en] das Lesen und Auslegen der Bibel."[2] Insbesondere das Neue Testament mit Christus im Zentrum stand im Fokus der Arbeit. Schon 1898 erschien eine Anleitung zum täglichen Bibellesen mit einem Plan für ein Jahr. Die Arbeitshilfen „Suchet in der Schrift“ wurden erst 1968 eingestellt. Auch durch Geländespiele, Turnabende, Vorlesestunden, Wanderungen und Ferienfreizeiten sollte die männliche Jugend für die Kreise gewonnen werden. "1888 gab es 15 Kreise mit 200 Mitgliedern. Die Strukturen professionalisierten sich und wurden kirchlich legitimiert sowie durch Spenden finanziert. Bereits 1899 existierten allein in Berlin zwölf Bibelkränzchen, 1900 gab es in 40 Städten 1.000 BKler. Die BK blieben allerdings ein Verein für junge Männer. Mit dem Einstieg ins Berufsleben schieden die meisten von ihnen aus den Bibelkränzchen aus."[3]1913 gab es bereits 290 Kreise mit etwa 12.000 Mitgliedern. Der Begriff „Bibelkränzchen“ wurde 1915 durch „Bibelkreis“ unter Beibehaltung der Abkürzung „BK“ ersetzt. Im Ersten Weltkrieg wurden die älteren Jahrgänge der höheren Schulen zum Kriegsdienst eingezogen. Viele Überlebende kehrten nach Kriegsende in ihre Bibelkreise zurück. Aus dieser Zeit, den Anfangsjahren der Weimarer Republik, liegen mir verschiedene Marken vor, auf denen das Wort „Rüstgeld“ genannt wird. Die Scheinchen aus dem Jahr 1920 sind in Fraktur mit „Opfert Gott Dank!“ überschrieben. Die kleine Abbildung zeigt einen Altar, auf dem eine Opfergabe brennt. Darunter zweizeilig „Reichs B-R-Rüstgeld / 1920 Eine Mark 1920“. 1921 wurde die gleiche Marke mit dem roten Stempelaufdruck „1921“ verwendet. Im folgenden Jahr wurden Marken verwendet, die den Gauen des Bundes gewidmet waren. In einem Oval wird eine Landschaftsdarstellung gezeigt. Rechts und links davon drei Eichenblätter, darüber „B und R“ getrennt durch die Jahreszahl „1922“, unter der der Wert „1 M.“ angegeben wird. Unter der bildlichen Darstellung und der Angabe des Gaus „Rüstgeld“. Auch 1923 wurden Marken mit dem jeweiligen Gau-Namen ausgegeben. In einem Oval werden verschieden wichtige Personen aus der evangelischen Kirchengeschichte abgebildet. Über dem Oval „1923“ und in den beiden Ecken „5 M“ und unter dem Oval „B“ – „Rüstgeld“ – „K“. Abb. 1: Rüstgeld, 1920 und 1921, 1 Mark. Größe: ca. 30 x 40 mm. Abb. 2: Rüstgeld, 1922, 1 Mark. Größe: ca. 40 x 50 mm. Abb. 3: Rüstgeld, 1923, 5 Mark. Größe: ca. 35 x 40 mm. Zwei Marken erinnerten 1923 daran, dass 1883 der erste Bibelkreis gegründet wurde. Der fortschreitenden Inflation geschuldet, erhöhten sich die Ausgabewerte. Die erste Marke zeigt in einem Oval das BK-Abzeichen, einem in Fraktur gesetztem BK mit Kreuz, am oberen Rand „Treu unserm Gott!“, darunter links „1883“ und rechts „1923“. Am unteren Rand „Rüstgeld“ und darüber links „100“ und rechts „M“. Die zweite Marke zeigt in einem Halbkreis eine auf hohem Felsen thronende Burg, sicherlich eine Anspielung auf Martin Luthers Kirchenlied „Eine feste Burg ist unser Gott“. Das Lied hat für den Protestantismus große Symbolkraft. In der linken oberen Ecke „1883“ und in der rechten „1923“. Am unteren Rand „B-K – Rüstgeld – 500 M“. Abb. 4: Rüstgeld, 1923, 100 Mark (Größe: ca. 30 x 40 mm) und 500 Mark (Größe: ca. 45 x 35 mm). Neben den hier genannten Marken hat es noch weitere gegeben. Ihre Verwendung ist umstritten. Um Notgeld dürfte es sich nicht gehandelt haben, wahrscheinlicher ist, dass sie als Nachweis bei Spenden abgegeben wurden. Gegen ihre Nutzung als Beitragsmarken spricht, dass damals eine lose Teilnahme am Bibelkreis bestand, die von wöchentlichen Treffen, gemeinsamem Musizieren, Bibellesen, Gesellschaftsspielen und gemeinsamen Gottesdienstbesuchen gekennzeichnet war. Erst Mitte der 1920er Jahre wandelten sich die Bibelkreise zu Gemeinschaften mit einer festen Mitgliedschaft, „uniformartiger ‚Kluft‘ und mit Eintrittsversprechen. Fahnen und Wimpel, Paraden und Märsche, Fahrten und Lager bestimmten das äußere Erscheinungsbild und die Aktivitäten.“[4] Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch die gesellschaftliche Gleichschaltung. Am 15. Februar 1934 beschloss der Bund der Bibelkreise seine Auflösung. Zu diesem Zeitpunkt hatte er etwa 17.000 Mitglieder.[5] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bibelkreise wieder ins Leben gerufen und der „Bund Deutscher Bibelkreis“ (BK) als eingetragener Verein wieder aktiviert und er fungierte als Dachverband der Gruppen. Seine eigenständige Arbeit endete in den 1970er Jahren, als die Landeskirchen der EKD die Evangelische Schülerarbeit übernahmen.[6] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (21.02.2022) [2] (04.10.2021) [3] Herausgeber: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Medienzentrum für Westfalen in Kooperation mit dem Verein Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen (BK) e.V., Begleitheft zur DVD, Bibelkreise zwischen Aufbruch und Auflösung, Evangelische Jugendarbeit von 1883 bis in die 1930er Jahre, 2016, S. 7. [4] Ebenda, S. 9. [5] Vgl. (04.10.2021) [6] Vgl. (04.10.2021)

  • Wert: СТО ЉУДИ – 100 Ljudi – 100 Menschen

    Am 26. Januar 1944 verkündeten die deutschen Besatzungsbehörden in Jugoslawien eine Amnestie für alle Partisanen, die zur deutschen Armee überlaufen würden. Unterstützt wurde diese Ankündigung durch bisher nicht gekannte Propaganda-Maßnahmen. Zwischen Januar 1942 und Mai 1944 unternahmen deutsche, italienische, kroatische und bulgarische Verbände vergeblich mehrere Großoffensiven, an denen bis zu 120.000 Soldaten beteiligt waren. Dennoch gelang es nie die Partisanenverbände vernichtend zu schlagen und „das Land zu befrieden“. Dies wollte man nun ändern. Anfang 1944 überschwemmte die Deutsche Wehrmacht das von Partisanen beherrschte Gebiet mit Flugblättern in allen erdenklichen Ausführungen. Unter ihnen befanden sich auch solche, die wie die jugoslawischen 100-Dinara-Banknoten der Vorkriegszeit aussehen.[1] Abb. 1.1: Fälschung: Narodna Banka Kraljevine Jugoslavije, 1. Dezember 1929, 100 Dinara, Fälschung, Vorderseite. Abb. 1.2: Fälschung: Narodna Banka Kraljevine Jugoslavije, 1. Dezember 1929, 100 Dinara, Fälschung, Rückseite. Abb. 2.1: Srpska Narodna Banka, 1. Mai 1941, 100 Dinara, Vorderseite. Abb. 2.2: Srpska Narodna Banka, 1. Mai 1941, 100 Dinara, Rückseite. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich der Schein als Überläuferausweis/Passierschein, der 100 Partisanen Freiheit und Verpflegung versprach, wenn sie sich mit ihren Waffen den deutschen Streitkräften ergeben würden. Auf dem Schein heißt es in kyrillischer Schrift: „Diese Banknote bringt Ihnen die Freiheit und rettet Ihr Leben. Kommen Sie zu uns, bevor es zu spät ist. Retten Sie Ihr Leben, solange es noch Zeit ist. Schafft eure Kommissare[2]ab und kommt.“ Der Schein ist auf sehr dünnem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Beide Seiten präsentieren sich in violetter Farbe, während die echte Banknote in blasser Mehrfarbigkeit mit gelbem Unterdruck gehalten ist und ein Wasserzeichen aufweist. Die Propagandanote ist auf den 26. I. 1944 datiert; das Datum entspricht dem Datum der deutschen Amnestie-Ankündigung für Partisanen. Im Bereich des Wasserzeichens der Propagandanoten befindet sich auf der Vorderseite das „Siegel der Wehrmacht“ (Adler mit Hakenkreuz). Auf der Rückseite ist im Bereich des „Wasserzeichens“ die achtzeilige Anweisung an die deutschen Soldaten: „Diese / Überläufer / kommen freiwillig, / sie sind bevorzugt zu / behandeln und dem / nächsten deutschen / Offizier / vorzuführen“. Unten rechts am Rand ein Druckvermerk „PSK-NS“. Er steht für „Propagandaabteilung Südost Staffel Kroatien – Nebenstelle Sarajevo“. Die PSK hatte ihren Hauptsitz in Belgrad und verfügte u. a. über Zweigstellen in Sarajewo, Banja Luka und Dubrovnik. Abb. 3.1: Überläuferausweis, 26. Januar 1944, Variante 1, Vorderseite. Abb. 3.2: Überläuferausweis, 26. Januar 1944, Rückseite. Abb. 4.1: Überläuferausweis, 26. Januar 1944, Variante 2, Vorderseite. Abb. 4.2: Überläuferausweis, 26. Januar 1944, Variante 2, Rückseite. Von den Scheinen sind verschiedene Varianten bekannt. Eine ist sauber gedruckt, und die Schattierungslinien sind im Allgemeinen zart gezeichnet und leicht eingefärbt, um dem Stil der echten Banknote zu entsprechen. Von dieser Ausführung existieren zwei „Untervarianten“, die sich deutlich durch den Abstand zwischen der Unterschrift und dem kleinen Turm auf der Vorderseite unterscheiden. Daneben gibt es Scheine, die stärker eingefärbt sind und bei denen die Schattierungen wie Tintenflecken wirken. Die Überläufer-Scheine wurden vor allem über Kroatien und Slowenien abgeworfen, wo die Partisanenbewegung am stärksten war, seltener wohl in Mazedonien und Bosnien und Herzegowina, während sie in Serbien und Montenegro unbekannt waren. Ob die Aktion den gewünschten Erfolg hatte, kann bezweifelt werden. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die Banknote diente der Serbischen Nationalbank als provisorische Banknote. Zu diesem Zweck wurde sie mit dem neuen Banknamen und dem Datum 1. Mai 1941 überdruckt. Ihre Verwendung als Überläuferausweis verbot sich, da sie zu dieser Zeit noch im Umlauf waren. Auch wären die Propagandatexte auf einer bereits überdruckten Note kaum erkennbar gewesen. [2] Anm. d. Verf.: Ein Kommissar war ein politischer Offizier der Kommunistischen Partei, der einer Militäreinheit der Partisanen angehörte.

  • Anmerkungen zum Lagergeld des Camps de Concentration de Garaison

    Im August 1914 lebten mehr als eine Million Ausländer in Frankreich. Nach der Mobilmachung hatten sie zwei Tage Zeit, um das Land zu verlassen. Ausländer aus feindlichen Staaten (Deutschland, Österreich-Ungarn ...), die aufgrund der in dieser Situation verständlichen Überlastung der Verkehrsmittel nicht fliehen und alles zurücklassen konnten, wurden nach dem ersten Tag der Mobilisierung festgenommen und in Lager deportiert, die weit entfernt von den Kampfzonen und größeren Ortschaften lagen. Die Errichtung der Lager erfolgte in großer Eile. Inseln an der Küste, alte Forts, ehemalige Klöster, Seminare, Hochschulen, Kasernen und stillgelegte Fabrikgebäude dienten zur Unterbringung der Zivilisten. Während der sichtbare Feind im Sommer 1914 an den Grenzen vorrückte, meinte das Innenministerium, dass er sich auch hinter den Linien verstecken würde, bereit zu spionieren, zu verraten, zu sabotieren. Daher beschloss man die Ausländer zu internieren, die eine Gefahr für die Landesverteidigung darstellen könnten. Auch verhinderte man damit, dass wehrfähigen Männer in die Armee des Feindes eintreten konnten. Nicht nur Ausländer wurden inhaftiert. Unter Berufung auf Artikel 9 des Gesetzes vom 9. August 1849 über den Belagerungszustand führten die französischen Behörden regelmäßige Razzien durch, um auch unerwünschte Angehörige neutraler Staaten sowie Personen französischer Abstammung (Vagabunden, Ehepartner von Ausländern, Strafgefangene, Prostituierte, Kranke usw.) aus den Kampfzonen und der Hauptstadt zu entfernen. Während des Krieges wurden etwa 70.000 Zivilpersonen zeitweise in 70 Lagern interniert. Am Ende des Krieges waren es noch mehr als 12.000, und einige wurden sogar erst Anfang 1920 entlassen. Die Bezeichnungen der Lager war unterschiedlich, meist mit Nennung einer Ortschaft verbunden: Dépot de …, Dépot d’Internes Civils de …, Dépot d’Internes Civils Austro-Allemands, Camps de Concentration d’Austro-Allemands et de Suspects, Dépot des Alsaciens-Lorrains. Etwa 45.000 Deutsche wurden in französischen Lagern inhaftiert. Darunter befanden sich auch 8.000 Elsässer und Lothringer, die eine gesonderte Häftlingsgruppe bildeten. Einerseits wurden sie als Franzosen angesehen, andererseits galten sie als unzuverlässig. Daher wurden sie von einer Kommission überprüft. Wer vor dem 20. Mai 1871 als Franzose geboren wurde, einen väterlichen Vorfahren hatte, der vor diesem Datum Franzose war, oder wer unter dem Frankfurter Vertrag als Franzose geboren wurde, wurde als Flüchtling behandelt, erhielt eine dreifarbige Karte und wurde in einem freien Lager untergebracht. Hatte die überprüfte Person für deutsche Behörden gearbeitet (außer in den Gemeinden), nahm sie eine unsichere Haltung gegenüber der französischen Nation ein. Dies galt auch für Personen mit einem schlecht beleumundeten Beruf (Schausteller, Wanderarbeiter, Landstreicher). Sie wurden in überwachten Wohnheimen untergebracht und erhielt die Carte Blanche. Tagsüber waren sie zwar relativ frei, mussten die Nacht jedoch im Lager verbringen. Die dritte Kategorie, die als „S“ bezeichnet wurde, umfasste Verdächtige: Personen, die Frankreich feindselig gegenüber eingestellt waren, sowie Personen, deren Einstellung und Verhalten zu wünschen übrig ließen. Diese Personen wurden so schnell wie möglich in Camps interniert. Eines dieser Lager war das „Camp de Concentration de Garaison“ (Konzentrationslager von Garaison) im Département Hautes-Pyrénées, das in dem ehemaligen Kloster Notre-Dame-de-Garaison untergebracht war. Die Einrichtung war seit 1903 geschlossen worden und umfasste eine Fläche von 12.000 Quadratmeter. Gebäude, die nicht mehr als ein Dutzend betagte Priester beherbergten und vor allem riesige leere Schlafsäle inmitten einer Landschaft boten, die jeden Fluchtwilligen abschreckte. Am 7. September 1914 trafen die ersten Ankömmlinge ein, obwohl nichts für ihre Unterbringung vorbereitet war. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme wurden 111 Bettgestelle, 68 Lattenroste und 63 Matratzen ermittelt. Damit wurden 13 Zimmer mit Betten ausgestattet, aber es waren Hunderte von Häftlingen, die ankamen. Wie sollte man 561 deutsche Männer, darunter 18 alte Männer, 362 deutsche Frauen und 159 deutsche Kinder, 346 Ungarn, 120 Frauen und 189 Kinder, mehrere Bulgaren, Türken, eine Spanierin, 10 Zigeunerinnen, 2 Popen, 30 Ordensleute („Weiße Väter“) unterbringen? Insgesamt waren es mehr als 1.700 Personen. Ein paar mitten in den Sommerferien überraschte gut situierte Bürger trafen in Garaison auf eine große Zahl von Arbeitern, kleinen Handwerkern und Dienstboten, die sich nicht mehr als Deutsche, Österreicher oder Ungarn fühlten, weil sie vor der Armut in ihrer Heimat geflohen waren und schon viele Jahre in Frankreich gelebt hatten. Hier warteten sie nun darauf, vom Roten Kreuz in die Schweiz evakuiert zu werden und in ihre Heimat zurückkehren zu können, denn Frauen, Kinder und Alte wurden in der Regel ausgetauscht. Unter ihnen auch Eltern, deren Söhne in französischer Uniform an der Front kämpften, falls sie nicht schon gefallen waren. Abb. 1.1: Testnote 01 der Bundesdruckerei (Brustbild Albert Schweitzer), 2013, Vorderseite. Abb. 1.2: Testnote 01 der Bundesdruckerei (Brustbild Albert Schweitzer), 2013, Rückseite. Größe: 129 x 67 mm, weißes Papier ohne Wasserzeichen. Garaison beherbergte nicht nur viele Namenlosen, sondern auch Prominente. Einen Grafen Blücher und vor allem Albert Schweitzer, den späteren Friedensnobelpreisträger von 1952, und seine Frau Hélène. Der berühmte Arzt wurde 1875 in Kaysersberg im Elsass geboren. Nach dem Abitur studierte er in Straßburg Theologie, Philosophie und Medizin. Im Alter von 38 Jahren und bevor er nach Afrika ging, hatte er in drei verschiedenen Fächern promoviert, sich habilitiert und war Professor. 1913 setzte Schweitzer sein Vorhaben in die Tat um und gründete am Ogooué, einem 1200 km langen Fluss in Gabun, das Urwaldhospital Lambaréné. Das Gebiet gehörte damals zu Französisch-Äquatorialafrika. Schon ab 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden er und seine Frau, eine Lehrerin, aufgrund ihrer deutschen Staatsangehörigkeit von der französischen Armee unter Hausarrest gestellt. 1917, erschöpft von mehr als vier Jahren Arbeit und von einer Art tropischer Anämie, wurde das Ehepaar Schweitzer festgenommen, von Afrika nach Frankreich deportiert und in Garaison und dann Saint-Rémy-de-Provence bis Juli 1918 interniert. Gegen Kriegsende kam das Ehepaar ins Elsass zurück. Dort nahm Schweitzer die französische Staatsbürgerschaft an und ging 1924 nach Afrika zurück. Am 4. September 1965 starb er im Alter von 90 Jahren in Lambaréné. Die Internierungslager wurden vom Innenministerium kontrolliert und die Präfekturen stellten das Lagerpersonal, meist ehemalige Gendarmen oder ausgemusterte Militärs. Obwohl sich die Lagerordnungen an den Vorschriften für Strafanstalten orientierten, herrschte in vielen Lagern eine sehr große Promiskuität, da viele Prostituierten inhaftiert waren, die häufig an Krankheiten litten. Die unterschiedlichen sozialen Schichten der Häftlinge stellten ebenfalls eine Herausforderung dar. Einige Internierte erhielten regelmäßig Pakete von ihren Verwandten, während andere nur mit dem kargen Essen auskommen mussten, das in den Lagern angeboten wurde. Die Lebensmittelrationen änderten sich in Abhängigkeit von nationalen Engpässen. Vor 1917 betrug die Tagesration 600 Gramm Brot, ab 2. Februar 1917 nur noch 500 Gramm und im Dezember desselben Jahres nur noch 200 Gramm. Obwohl Zivilinternierte nicht zur Arbeit verpflichtet waren, wurden sie ab 1917 aufgefordert, Arbeit aufzunehmen, was die Anzahl von Fluchten erhöhte. Während die Honoratioren über Geld verfügten und teilweise in Luxushotels untergebracht waren, waren die meisten Internierten auf Postanweisungen ihrer Familien angewiesen. Angesichts der großen Zahl bedürftiger Personen beschlossen die Krieg führenden Regierungen ihre Gefangenen mit monatlichen Zuwendungen zu unterstützen. Jedoch konnten die Internierten nicht in vollem Umfang darüber verfügen. Um Fluchtversuche zu erschweren, wurden im Juni 1916 für Kantineneinkäufe nur maximal 20 Francs pro Woche ausgezahlt; auch hielt man ab Juli 1916 20 Prozent aller Geldbeträge ein, die an deutsche Internierte geschickt wurden, auch wenn die Zahlungen aus Frankreich oder dem neutralen Ausland stammten. Zur selben Zeit ging man dazu über, das Geld durch eine „spezielle Währung“ in Form von Münzen oder Papiergeld zu ersetzen, die nur in den Internierungslagern gültig waren. Dies hatte zwei Vorteile: Zum einen war das Lagergeld im Falle einer Flucht wertlos, zum anderen ermöglichte dieses System eine einfachere Kontrolle. Mit Rundschreiben vom 22. September 1916 wurde dieses System allgemein eingeführt. Einige Lager-Direktoren befürchten, dass das Lagergeld zum Spielen verleiten könnte. Daher schafften sie jegliches Bargeld ab und statteten jeden Internierten mit einem Kontobuch aus, in dem sein Guthaben vermerkt war. Abb. 2.1: Camp de Concentration de Garaison, o. D., 1 Franc, Vorderseite. Abb. 2.2: Camp de Concentration de Garaison, o. D., 1 Franc, Rückseite. Größe: 105 x 67 mm, weißes, dünnes Papier ohne Wasserzeichen. In Garaison führte der Direktor und sein Kassierer Lagergeld ein: 0,05 und 0,10 fr auf Karton und 0,50, 1 fr, 5 und 20 frs als Papierscheine. Die Auflage soll 50.000 Stück umfasst haben. Von den Nominalen gibt es auch Muster ohne Nummerierung. Jeder Internierte musste einen Franc pro Tag für die Verpflegung zahlen. Auf diese Weise machte die Lagerverwaltung einen Gewinn, da sie für die Lebensmittel nur 0,70 Centimes ausgab. 1919 leerte sich das Lager in Garaison allmählich. Am 23. Mai verließen 230 Ungarn und Österreicher das Lager, am 27. Juni 33 Bulgaren und Popen. Am 19. November 71 Türken. Am 16. Dezember 1919 wurde das Lager von den übrigen Gefangenen geräumt. Die letzten Internierungslager schlossen in den ersten Monaten des Jahres 1920. Uwe Bronnert Literatur Denis Bouglouan, L’argent des indésirables, La monnaie dans lest camps d’internés en France (1914-20), Eigenverlag, Champagne-Ardenne 2020. Siehe auch: http://ecoles.loucrup65.fr/garaisonconcentration.htm

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