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- Lexikon: Einlösungstermin
Der Einlösungstermin ist der auf Geldscheinen angegebene oder öffentlich bekannt gegebene Termin für die Einlösung von außer Kurs gesetzten Scheinen, die nicht mehr als Zahlungsmittel gelten. Anhalt-Dessauische Landesbank, Banknote zu 100 Mark vom 1. Juli 1874, Vorderseite. Abb. Sammlung Manfred Kranz. Eine Verlängerung des Einlösungstermins ist nicht ungewöhnlich (Beispiel: Anhalt-Dessauische Landesbank, Einlösungstermin für den letzten 100-Mark-Schein 30. Juni 1876, dann 30. Dezember 1876, 1. April 1878, 31. Dezember 1878 und 1. April 1879). Es gab Emissionsstellen, die auch nach Überschreitung des letzten Einlösungstermins die außer Kurs befindlichen Noten einlösten, wobei allerdings meistens die Gründe für die zu späte Einlösung der Noten angegeben werden mussten (Beispiel: Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, Formular von 1885; der Einlösungstermin für die letzte 100-Mark-Note war der 31. Dezember 1884, doch wurden noch bis 1898 Noten angenommen). Bayern, Notgeld der Kreisgemeinde Pfalz über 20 Millionen Mark vom 11. August 1923, Gültig bis einen Monat nach erfolgter Bekanntmachung, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Aschaffenburg, Kleingeldschein über 50 Pfennig des Magistrats der Stadt ohne Datum, gültig bis 1. Januar 1921, Vorder- und Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Auf Notgeldscheinen waren oft Zeiträume für den Umtausch der Scheine nach Bekanntmachung oder konkrete Ablaufdaten für die Gültigkeit genannt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Geike: Mehrsprachige Geldscheine
Rainer Geike: Mehrsprachige Geldscheine – Geldscheine als Zeitdokumente 137 Seiten, Format 19 x 27 cm, Broschur, BoD, Norderstedt 2022, Preis: 32,50 Euro ISBN: 978-3-756216-82-6 Der Autor dieses neuen Buches wird vielen Geldscheinsammlern schon bekannt sein durch sein Werk, in dem es um „Kleingedrucktes auf Geldscheinen“ geht. Mehrsprachige Geldscheine als Zeitdokumente sind diesmal das Thema, das in dieser Gründlichkeit und diesem Umfang noch nicht behandelt wurde. Auf 137 Seiten stellt Professor Geike viele interessante mehrsprachige Banknoten aus verschiedenen Gebieten vor. Dabei sind häufig zu findende Scheine ebenso wie Raritäten, die alle meist in kassenfrischer Erhaltung sehr gut abgebildet werden. Die Bildqualität ist auch bei vergrößerten Details sehr gut. Ausführliche Informationen gibt es zu Österreich-Ungarn und Ungarn, der Tschechoslowakei und Jugoslawien und besonders umfangreich zu Russland, der ehemaligen UdSSR und den Nachfolgestaaten sowie Transkaukasien. Zu letzterem Gebiet erschien bereits ein Buch des Autors. Was alles noch in den insgesamt elf Kapiteln zu finden ist, kann man im Inhaltsverzeichnis nachschlagen. Es folgen drei Seiten mit üblichen Danksagungen und Klassifizierungsvorschlägen. In einem Beitrag von 2007 hatte der Autor bereits eine Einteilung der Scheine in sechs Gruppen vorgenommen, die nochmals präsentiert werden. Das Kapitel 9 „Gedanken zum Schluss“ lohnt mehrfach gelesen zu werden. Meist werden solche klugen Überlegungen im Vorwort erörtert, das traditionell viele Buchbenutzer überschlagen. So war es sinnvoll, diese Ausführungen am Ende des Buches zu präsentieren, nachdem man das Buch gelesen, nicht durchgeblättert hat. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass auch dieses Werk kein Katalog ist, in dem man Banknoten von A wie Afghanistan bis Z wie Zypern im Idealfall vollständig aufgelistet findet. Ein solches Werk würde auch „Telefonbuchstärke“ annehmen. Professor Geike beschreibt hier die Zusammenhänge von Sprache und Kultur und erörtert auch, welche Probleme das Wechseln der Schriften mit sich bringen kann. Als Beispiel nennt er hier Atatürks aktive Anpassungspolitik an Europa 1920, als er kurzerhand die lateinische anstelle der arabischen Schrift einführte. Ähnliche Maßnahmen gab es auch in heutiger Zeit, denn Kasachstan wollte weg von der kyrillischen Schrift und führte das lateinische Alphabet ein, was man in Moskau sicher nicht gern sah, zumal Stalin sogar die Moldauer gezwungen hatte, das Rumänische kyrillisch zu schreiben. Zu Kasachstan wurde übrigens eine Münze als Beleg vorgelegt. Nicht ausgespart wurden auch solche Scheine, deren Hauptsprache bei uns nur wenige beherrschen: dies betrifft China (Kapitel 6). Selbst der Euro und die EZB wurden nicht vergessen, denn bei den fast „wortlos“ gestalteten Banknoten gibt es immerhin Abkürzungen, auch in kyrillischer Schrift. Dazu erfahren wir etwas über Blindenschrift und Symbole zu Wertstufen und vieles mehr. Dieses Buch wird manche Leser auch nachdenklich stimmen. Denken wir nur an die Weißrussen, die mühsam nach einer eigenen Sprache suchen, die vielleicht irgendwo auf dem Lande gesprochen wurde, doch die Masse der Leute verständigt sich weiterhin Russisch, so wie die Ukrainer teilweise in Kiew, aber recht häufig im Osten des Landes. Weißrussische Inschriften auf Scheinen aber gab es schon zu Zeiten der verblichenen Sowjetunion, die gern das Russische als Weltsprache gesehen hätte. In allen von der UdSSR beherrschten Ländern war Russisch Pflichtfach und selbst Abiturienten in der DDR mit acht Jahren Russischunterricht konnten meist kaum ein Gespräch in dieser Sprache führen. Heute ist man sich einig, dass das Englische Weltsprache war und ist. Tatsache ist aber auch, dass in den Medien beispielsweise von Politikern gelegentlich ganz einfache Sachbegriffe in Englisch in Reden eingefügt werden. Was Geldscheine angeht, so kennen die Menschen in der ganzen Welt die „Greenbacks“, die hinten grünen Scheine der Vereinigten Staaten. Der Dollar ist Weltwährung, so wie das Englische eben Weltsprache ist. Englisch ist meist die zweite Sprache, die von vielen kleinen Ländern Afrikas und Asiens auf Banknoten benutzt wird. Interessanterweise benutzen afrikanische Staaten auch die Sprache ihrer ehemaligen Kolonialherren, so das Französische bei den Banknoten. Geldscheinbeschriftungen sind natürlich immer auch eine politische Angelegenheit. Hier beschreibt der Autor auf der Seite 129, dass es in der Republik Mauritius riesige Proteste gab, nur weil die „richtige“ Einhaltung der Reihenfolge der Sprachen Englisch-Tamil-Sanskrit bei Scheinen von 1998 verletzt wurde. Im vorletzten Satz geht der Autor darauf ein, dass vieles unbearbeitet blieb, was vielleicht auch interessant gewesen wäre. Alles in allem ist dieses Buch wirklich „lesenswert“, wie andere Bücher des Autors auch, was sie eben von Katalogen unterscheidet. Und dies eigentlich von der ersten bis zu den letzten fünf Seiten. Diese „Anmerkungen“ als Kapitel 11 muss ein Hochschullehrer und Wissenschaftler ebenfalls akribisch genau einarbeiten. Die Texte sind mit hervorragend guten Bildern von Scheinen illustriert und auch bei vielen fremdsprachigen Worten und Begriffen im Text merkt man, dass hier solide Sprachkenntnisse und Hang zur Genauigkeit hilfreich waren. Mutig hat der Autor seine Betrachtungen auch über Europa hinaus ausgedehnt und auch Münzen abgebildet. Auf der Rückseite des Buches ist übrigens eine sehr gute Zusammenfassung zum gesamten Themenbereich zu finden. Biografische Angaben fehlen diesmal. Beschaffungsprobleme dürfte es nicht geben, jeder Buchhändler kann es bestellen, aber das geht auch über den Online-Handel und direkt beim Verlag (https://www.bod.de/buchshop/). Bei Eingabe des Titels und des Namens des Verfassers „Geike“ im Internet gibt es zahlreiche Treffer, die auch zum Kauf genutzt werden können. Wolfgang J. Mehlhausen
- Republik Maluku Selatan
Der japanische Überfall auf den US-amerikanischen Flottenstützpunkt von Pearl Harbor auf der Insel Oʻahu (Hawaii) am 7. Dezember 1942 markiert den Beginn des Krieges im Pazifik. In den folgenden Wochen besetzte die japanische Armee auch die britischen und niederländischen Besitzungen in Südostasien. Nach nur zwei Monaten kapitulierte das „Koninklijk Nederlands-Indisch Leger“1) (Königliche Niederländisch-Indische Armee/KNIL) am 9. März 1942 auf Java und am 28. März auf Sumatra. Die japanischen Soldaten wurden von der Mehrheit der indonesischen Bevölkerung als Befreier von der niederländischen Kolonialherrschaft gefeiert. Jedoch wurde ihre Hoffnung enttäuscht, da die japanische Verwaltung jegliche indonesisch-nationalistische Bewegung unterdrückte. Zwei Tage nach der japanischen Kapitulation riefen die Anführer der indonesisch-nationalistischen Bewegung, Sukarno [* 6. Juni 1901 in Surabaya, Java; † 21. Juni 1970 in Jakarta; von 1945–1967 erster Präsident von Indonesien] und Mohammad Hatta [* 12. August 1902 in Bukittinggi auf Sumatra; † 14. März 1980 in Jakarta, war Vizepräsident und Ministerpräsident von Indonesien], am 17. August 1945 die Republik Indonesien aus. Innerhalb weniger Monate übernahmen die Nationalisten die Herrschaft über den größten Teil Javas. Auf dieser Insel lebten 55 Millionen der 70 Millionen Einwohner des gesamten Inselreichs. Ferner kontrollierte man Madura und die westlich gelegene Insel Sumatra, während die Niederländer am liebsten den Kolonialstatus beibehalten hätten. Indonesien sollte weiter vom Mutterland kontrolliert und wirtschaftlich genutzt werden. Daher strebte man einen Zusammenschluss von Einzelstaaten in einer Union mit dem Mutterland an. Allerdings kontrollierten die Niederländer nur Neu-Guinea, Borneo und die östliche Inselwelt mit Celebes und Ambon. Mithilfe von Kollaborateuren sollte eine föderative Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien errichten werden. Nach zähen Verhandlungen schlossen die Republik Indonesien und die Niederlande im November 1946 den Vertrag von Linggadjati. In ihm verständigten sich beide Seiten auf die Gründung der Vereinigten Staaten von Indonesien, die in einer Union mit den Niederlanden verbunden bleiben sollten. Nur kurze Zeit später beschuldigten die Niederländer die Republik Indonesien den Vertrag gebrochen zu haben und griff militärisch ein. Obwohl die Aktion – „politionele actie“ – militärisch durchaus erfolgreich war, war sie politisch gesehen ein Fiasko, denn die internationale Reaktion schadete dem Ansehen der Niederlande und die Republik Indonesien ließ sich nicht militärisch zur Einhaltung des Vertrags zwingen. Auch die zweite „politionele actie“ im Dezember 1948 änderte daran nichts. Schließlich entließen die Niederländer Indonesien am 27. Dezember 1949 in die Unabhängigkeit. Die Niederländer hatten im Osten Indonesiens die Gründung von Teilstaaten gefördert. Im Dezember 1946 wurde „Negara Indonesia Timur“ (Teilstaat Ost-Indonesien) gegründet, der den gesamten Osten des Archipels, außer Neu-Guinea umfasste. Obwohl die molukkische Organisation „Persatoen Timoer Besar“ (Vereinigung des großen Ostens) die Errichtung eines eigenen Staates anstrebte, erklärte der Südmolukken-Rat im März 1947 den Beitritt. Dennoch strebten ihre Anführer Lukas Polhaupessy und Vigeleyn Nikijuluw einen eigenen Staat der Südmolukken an. Im April 1947 wandten sie sich mit dem Wunsch an die niederländische Königin, dass Selbstbestimmungsrecht, das im Vertrag von Linggadjati festgelegte war, umsetzen zu dürfen. Abb. 1: Gebiet der Republik Maluku Selatan Nur kurz nachdem die Niederlande Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen hatte, begann die Republik Indonesien damit, den Anschluss der Teilstaaten zu betreiben. Am 21. April 1950 trat der Teilstaat Ost-Indonesien unter militärischen Druck der Republik bei.2) Daraufhin rief man nur vier Tage später auf Ambon die „Republik Maluku Selatan“ (Republik der Südmolukken) aus. Die christlichen Bewohner der Insel fürchteten eine javanische Herrschaft und eine daraus drohende Überfremdung durch den Islam. Auch hoffte man auf die Unterstützung der Niederlande, stand die Bevölkerung doch stets loyal zum Königshaus. Der Sezessions-Versuch wurde von der indonesischen Armee mit Waffengewalt unterdrückt. Ende September 1950 griff die indonesischen Armee Ambon an und Anfang Dezember floh die Regierung der Südmolukken auf die Nachbarinsel Ceram. Bis 1955 wurde das gesamte Gebiet der Republik Maluku Selatan erobert. Der Versuch, internationale Hilfe und Aufmerksamkeit zu erlangen, scheiterte. Weder die Vereinten Nationen noch die Niederlande kamen den Südmolukken zu Hilfe oder setzten sich für deren Belange ein. Die Niederlande führte schließlich eine Massenevakuierung ihrer ehemaligen Kolonialsoldaten und deren Familien durch. Abb. 2: Ovalstempel: Republik Maluka Selatan. Die Republik Maluka Selatan druckte selbst kein eigenes Geld, sondern versah Noten der Javasche Bank – sowohl Vorkriegsnoten wie auch Noten vom 15. Juli 1947 –, sowie Muntbiljete der „Netherlands Indies Civil Administration“ (NICA)3) mit einem meist roten, ovalen Stempelabdruck bzw. mit einem großen schwarzen Stempelabdruck „REPUBLIK MALUKU SELATAN R.M.S“ zwischen zwei dicken Balken. Ob diese Abstempelungen einem echten Bedürfnis entsprang oder Propagandazwecken diente, ist heute kaum noch zu belegen. Bei Erwerb dieser Scheine ist aber Vorsicht geboten, da die Echtheit der Stempelaufdrucke kaum zu beweisen ist. Abb. 3.1: De Javasche Bank, 1946 (ausgegeben am 15. Juli 1947), 10 Gulden, Ovalstempel: Republik Maluka Selatan, Vorderseite. Abb. 3.2: De Javasche Bank, 1946 (ausgegeben am 15. Juli 1947), 10 Gulden, Ovalstempel: Republik Maluka Selatan, Rückseite. Bleibt noch anzumerken, dass im philatelistischen Handel zahlreiche „Briefmarken“ der Republik Maluku Selatan angeboten werden. Die meisten von ihnen stammen aus der Zeit nach der Ausrufung der Republik. Der New Yorker Briefmarkenhändler Henry Stolow ließ bei der Österreichischen Staatsdruckerei über 150 verschiedene Marken drucken, die natürlich die Postverwaltung der Südmolukken nie sah. Uwe Bronnert Literatur: Sugiana Handjaja et al., Katalog Uang Kertas Indonesia 1782-2005, Jakarta 2005 UnO, Oeang Noesantara, Perpustakaan Nasional Republik Indonesia: Data Katalog Dalam Terbilan, 2015 Anmerkungen: Das KNIL wurde 1830 nach dem Javakrieg (1825–1830) gegründet. Die meisten Soldaten waren Einheimische, die bei der Niederschlagung von Aufständen gegen ihre eigenen Landsleute kämpften. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Niederländer zu einer offensiven Expansionspolitik auf dem Archipel übergingen, suchte die Armeeführung nach vertrauenswürdigen einheimischen Soldaten. Daher begann man um das Jahr 1870 damit, molukkische Christen anzuwerben, die Stolz auf ihre christliche Bindung zu den Niederlanden und zum Haus Oranien waren. Mit finanziellen Anreizen und Bildungsangeboten verstand es die Armeeführung, vor allem Männer von der Insel Ambon anzuwerben. Am 17. August 1950 wurde Indonesien als Einheitsstaat proklamiert. Im Gebiet, das nach dem Zweiten Weltkrieg von den zurückkehrenden niederländischen Behörden wieder in Besitz genommen wurde, gab die „Netherlands Indies Civil Administration“ (NICA) in den USA gedruckte Muntbiljete zu 50 Cent, 1, 2 ½, 5, 10, 25, 50, 100 und 500 Gulden aus.
- Der "Propaganda-Tausender"
Der Erste Weltkrieg wird immer wieder zu Recht als „Urkatastrophe“ des Zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnet. Ihm fielen nicht nur Millionen Menschen zum Opfer, er führte auch zum Sturz von drei bedeutenden Reichen (Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn) sowie zu revolutionären Umwälzungen und in den Kampf der Weltanschauungen. In dieser Zeit nimmt antisemitisch motivierte Propaganda drastisch zu, sowohl auf Postkarten als auch auf Geldscheinen. Von nationalistisch-konservativen Kreisen wurde die deutsche Sozialdemokratie im Verbund mit der "jüdischen Presse" verantwortlich gemacht für die Novemberrevolution und den Sturz der Monarchie, für den Ausgang des Kriegs und dessen Folgen durch das "Versailler Diktat" ("Dolchstoßlegende") sowie für die Inflation. Wahlkampf zur Wahl der deutschen Nationalversammlung 1919, bei der erstmals auch Frauen wahlberechtigt waren. (Bundesarchiv, Bild 146-1970-051-27) Spätestens mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatten Geldscheine die Münzen in ihrer bis dahin führenden Bedeutung für den allgemeinen Zahlungsverkehr abgelöst. Mit der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg verschwanden dann die Münzen vorübergehend ganz aus dem Umlauf. In Deutschland, wie auch im damaligen Deutschösterreich, kam es zu einer wahren Notgeldflut. Da ein wesentlicher Geldcharakter neben der allgemeinen Akzeptanz auch im Geldumlauf, also der Zirkulation, besteht, geht Geld im wahrsten Sinne des Worts von Hand zu Hand und eignet sich dadurch hervorragend als Kommunikations- und Propagandamittel. Geld übt als Propagandamittel sogar einen ganz besonderen Reiz aus, da sich der Geldcharakter mit der politischen bzw. der Werbe-Botschaft verbindet. Uneingeschränkt trifft dies natürlich auf kursgültiges Geld zu, das bis in die jüngste Zeit in den verschiedensten Ländern der Welt von Parteien, Revolutionären und politischen Aktivisten immer wieder auch mit handschriftlichen Parolen, Stempeln oder Überdrucken versehen wurde und so zirkulieren sollte, um möglichst viele Menschen mit der Botschaft zu erreichen. Der Sinn dahinter ist simpel. Menschen beachten kaum ein Flugblatt oder werfen es nach dem Lesen weg, es ist eben nur bedrucktes Papier. Das ebenfalls bedruckte Papier „Geldschein“ ist dagegen auch richtiges Geld, das man nicht wegwirft. Dieser Umstand macht einen Geldschein sogar noch dann als Propagandamittel interessant, wenn er schon längst nicht mehr gültig ist. Auch dann wird er immer noch als „Geld“ erkannt. Das gleiche trifft auf Fantasiescheine zu, die Merkmale echten Gelds kopieren, um als „Geld“ wahrgenommen zu werden. Deutsches Reich ("Weimarer Republik"), Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 15. September 1922, Vorder- und Rückseite, Firmenzeichen OE = Druckerei Otto Elsner in Berlin, gültig bis 5. Juli 1925, durch die Inflation aber praktisch wertlos ab August 1923. Die durch Inflation und anschließende Währungsstabilisierung wertlos gewordenen Banknoten und Notgeldscheine wurden in Deutschland und Österreich zu beliebten Trägern politischer und antisemitischer Propaganda. Eine der dabei am häufigsten genutzten Reichsbanknoten in den heißen Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" war der 1000-Mark-Schein vom 15. September 1922, der von vielen verschiedenen privaten Druckereien im Auftrag der Deutschen Reichsbank gedruckt und schon ab August 1923 durch die voranschreitende Inflation völlig wertlos geworden war. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit handschriftlicher antisemitischer Propaganda auf der Rückseite. Anfertigung privat, wahrscheinlich 1923/24, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Ein primitives Beispiel antisemitischer Propaganda auf einer Reichsbanknote zu 1000 Mark ist der hier abgebildete handschriftliche Zusatz „Haut die Juden alle tot! Dann kommt Deutschland aus der Not!“. Durch handschriftliche Zusätze manipulierte Geldscheine sind die einfachste Art zur Zweckentfremdung des Gelds im Sinne von – egal wie gearteter – Werbung und Propaganda. Fast zeitgleich gab es den Tausender auch mit Schreibmaschinen-Texten auf der Rückseite, die deren Verfasser zumindest nicht durch die Handschrift verraten konnten. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit maschinenschriftlicher antisemitischer Propaganda auf der Rückseite. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Der hier abgebildete Propagandaschein wurde wahrscheinlich vom Wahlbündnis Völkisch-Sozialer Block, damals bestehend aus der Deutschen Arbeiterpartei, der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und der Deutschvölkischen Freiheitspartei, im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen vom Mai und Dezember 1924 verwendet. Die antisemitische Botschaft "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck, uns Deutschen liess er diesen Dreck." wiederholt sich in dieser oder abgewandelter Form immer wieder auch auf späteren Propaganda-Stempelungen und Überdrucken. Angespielt wird auf die Folgen von Krieg und Inflation, wobei man den Juden pauschal vorwarf auf Kosten der Allgemeinheit als Kriegs- und Inflationsgewinnler hervorgegangen zu sein. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit gestempelter antisemitischer und Wahl-Propaganda auf der Rückseite. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. In den Wahlkämpfen der "Weimarer Republik" nutzten hauptsächlich politisch rechte Parteien auch immer wieder Propaganda-Überstempelungen. Das abgebildete Beispiel zeigt einen Tausender mit Stempeln der sog. "Hitler-Bewegung" aus dem Wahlkampf zu den Reichstagswahlen vom November 1932. Die wertlose Banknote wird dabei als "Errungenschaft der Judenrevolte 1918", gemeint ist die Novemberrevolution, bezeichnet. Auch diese "Botschaft" findet sich immer wieder auf damals wertlosen Inflations-Banknoten in verschiedenen Nennwerten. Antisemitische Wahlpropaganda der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Wahlkampf 1930 in Neukölln: „Vorwärts mit Hugenberg – Deutschnational Liste 2“. Auf dem unteren Transparent die Karikatur eines Juden, ein David-Stern, ein Geldsack und die Parole „Wir bekämpfen die Auslieferung Deutschlands an das internationale Judenkapital“. (Bundesarchiv, Bild 183-2006-0329-504) Beim weitaus größten Teil propagandistischer Nutzungen von Geldscheinen aus dieser Zeit handelt es sich um Überdrucke. Nachstehend sollen einige wenige Beispiele hierfür gezeigt werden, bei denen der Tausender der Reichsbank von 1922 genutzt wurde. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit Propaganda-Überdruck auf der Rückseite, wahrscheinlich der NSDAP zum Regierungswechsel im August 1923. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit antisemitischem und Wahl-Propaganda-Überdruck auf der Rückseite vom Nationalsozialistischen Zeitungsvertrieb Quedlinburg am Harz, genutzt in den Wahlkämpfen zu den Reichstagswahlen 1928 bis 1933, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Eröffnung des 5. Reichstags am 13. Oktober 1930. Ganz links die Abgeordneten der NSDAP in „Braunhemden“. (Bundesarchiv, Bild 102-10549) 1000 Mark vom 15. September 1922 mit antisemitischem Propaganda-Überdruck auf der Rückseite, wahrscheinlich NSDAP in den Wahlkämpfen 1928 bis 1933. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. 2 x 1000 Mark vom 15. September 1922 mit antisemitischen Propaganda-Überdrucken auf den Rückseiten, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Eigentlich hätte die Nutzung von Inflationsgeld als Propagandamittel mit der sog. "Machtübernahme" der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 enden können. Bereits im Parteiprogramm der NSDAP von 1920, dem sog. „25-Punkte-Programm“, war die Verdrängung der deutschen Juden aus dem Wirtschaftsleben beschlossen worden und ab 1925 folgten immer mehr Gewalttaten der SA gegen Juden und deren Geschäfte, Einrichtungen, Büros und Wohnungen. 1929 rief die „National-Zeitung“ von Gauleiter Terboven in Essen sogar zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. SA-Aufmarsch zum „Judenboykott“ am 1. April 1933 in Berlin mit Plakaten: „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!“ (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Nach der „Machtergreifung“ kam es Ende Februar und nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 erneut zu Überfällen von SA-Trupps auf jüdische Geschäfte sowie zu Misshandlungen und sogar zur Ermordung einiger jüdischer Geschäftsinhaber. Im Ausland wurde diese Entwicklung sehr aufmerksam und besorgt verfolgt. Am 13. März 1933 erklärte ein Führungsmitglied des American Jewish Congress im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise, die auf Deutschland besonders schwere Auswirkungen hatte: „Ein bellum judaicum (Jüdischer Krieg) bedeutet für Deutschland Boykott, Untergang und Verderben, bedeutet das Ende der deutschen Hilfsquellen und das Ende aller Hoffnungen auf den Wiederaufstieg Deutschlands.“ Nur fünf Tage später beschlossen die US-amerikanischen jüdischen Kriegsveteranen (Jewish War Veterans), deutsche Waren und Dienstleistungen zu boykottieren, deren Beispiel andere Organisationen aus den USA und Großbritannien folgten. Am 24. März 1933 berichtete der britische „Daily Express“ unter der Überschrift „Judea declares war on Germany“ (Judäa erklärt Deutschland den Krieg) über eine Beratung Londoner Kaufleute zu einem möglichen Boykott deutscher Waren. Dies nahm die NS-Propaganda als „Jüdische Kriegserklärung“ zum Anlass für den Boykott jüdischer Geschäfte in Deutschland, der schon seit Mitte März vorbereitet wurde. Hier könnten ein letztes Mal Propagandascheine zum Einsatz gekommen sein, sie könnten aber auch noch aus dem Wahlkampf der „Weimarer Republik“ stammen. Die Botschaft war die gleiche. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte auf der Rückseite, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Propaganda-Überdrucke wurden zwar meist von rechten Parteien verwendet, aber nicht nur. Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Propagandaüberdruck, wahrscheinlich der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), zur Reichstagswahl vom Mai 1928. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit kommunistischer Propaganda auf der Rückseite, Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Dass der Reichsbank-Tausender von 1922 als Träger von Propaganda-Botschaften noch längst nicht ausgedient hat, beweist ein aktueller Überdruck aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Ganz offensichtlich dient der Schein ukrainischen Interessen, stellt Putin als Sowjet-Imperialist dar und der Schriftzug kann als "KRIEGS – VERBRECHER" übersetzt werden. Es wäre sehr interessant zu klären, aus welcher Quelle dieser Schein stammt. 1000 Mark vom 15. September 1922 mit modernem Propaganda-Aufdruck gegen den russischen Präsidenten Putin auf der Rückseite. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen … Leseprobe
- Aus privaten Sammlungen: 3 Pesos des Estado Soberano de Panamá von 1868
Objekttyp: Schatzschein Sammlung: Josef Gerber Historischer Kontext: Anfang des 16. Jahrhunderts begann für Panama die Zeit der spanischen Kolonialherrschaft. Im Gegensatz zu seinen Nachbarstaaten konnte das Land 1821 ohne Blutvergießen die Unabhängigkeit von der spanischen Krone erklären und trat dem Vizekönigreich Neugranada bei, das in der Republik Kolumbien – heute auch Großkolumbien genannt – aufging. Aber auch in Großkolumbien selbst wurde bald die Forderung nach Nationalstaaten immer lauter: Am 26. September 1830 erklärte die Provinz Panama ihre Unabhängigkeit vom Rest Großkolumbiens. In den Wirren kam es jedoch zu einem weiteren Gegenputsch in Panama, und nach dem Tod Simón Bolívars im Dezember 1830 löste sich Großkolumbien in die Nachfolgestaaten Venezuela, Ecuador und Neugranada auf. Panama wurde Teil der neu gegründeten Republik Neugranada. Am 18. November 1840 erfolgte ein erneuter Anlauf zur Unabhängigkeit: Im Zuge eines Bürgerkriegs in der Republik Neugranada, der auch separatistische Aufstände nach sich zog, wurde der Estado Libre del Istmo ("Freistaat von Isthmus") ausgerufen. 13 Monate hatte dieser Staat Bestand; auch eine eigene Verfassung wurde unter dem ersten Präsidenten Tomás de Herrera im März 1841 verabschiedet, bevor Panama am 31. Dezember 1841 mit Neugranada wiedervereint wurde. Aus der Republik Neugranada entstand 1858 die Granada-Konföderation und 1863 wiederum die Vereinigten Staaten von Kolumbien. Die endgültige Unabhängigkeit konnte Panama erst mit militärischer Hilfe der USA im Jahr 1903 erlangen, was jedoch den US-Amerikanern die Hoheitsrechte über den späteren Panamakanal – bis heute die wichtigste Einnahmequelle Panamas – sicherstellte. Diese Rechte wurden erst 1999 von den USA an Panama übertragen. Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 34
Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Abstrakt und Modern, Vorschlag M 854 Patricia Vouez Geboren 1952 in Uccle, Belgien. Studierte Kunst, Humanistik und Illustration in Brüssel. Banknotendesignerin und -graveurin seit 1981 bei der belgischen Zentralbank. Sie entwarf auch Briefmarken und Lotteriescheine. Monique Golaire Geboren 1958 in Brüssel. Studierte Architektur und Innenausstattung in Brüssel und spezialisierte sich auf Typografie im Grafikdesign. Seit 1985 Grafikerin bei der belgischen Zentralbank. 5 Euro, TECHNISCHE UND WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG. Vorderseite: Erstes Kepler'sches Gesetz zur Planetenbewegung, Sterne und Eichenlaub; Rückseite: Sonnenringe, Rad und Astrolabium. 10 Euro, Vorderseite: Fresnel-Gleichungen zur Reflexion und Lichtbrechung, Marienkäfer und zerknülltes Papier; Rückseite: Astrolabium, Spirale und astronomisches Kompendium. 20 Euro, Vorderseite: Fische, Fraktale und Kondensation; Rückseite: Sanduhr und Hebel. 50 Euro, Vorderseite: Bienentanz und Honigwaben; Rückseite: Sonnenuhr, Flaschenzug und Sterntafel mit Mondphasen. 100 Euro, Vorderseite: Tauben, Vogelnest und chemische Reaktion; Rückseite: astronomisches Messgerät und Zahnräder. 200 Euro, Vorderseite: Katzen, Wirbel und Baumrinde; Rückseite: Taschenuhr, Magnetismus und moderne Armbanduhr. 500 Euro, Vorderseite: Fossilien und der Mensch sowie Reaktion in einer Blasenkammer; Rückseite: Radioteleskop, Kernreaktion und Schaltbilddetail. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)
- Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 33
Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Abstrakt und Modern, Vorschlag M 194 Maryke Degryse Studierte Textilgestaltung, Design, Grafik, Keramik und Siebdruck. Arbeitet seit 1981 als Grafikdesignerin bei der Belgischen Nationalbank. 5 Euro, TECHNISCHE UND WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG. Vorderseite: Mikroskop, genetischer Fingerabdruck und computergeneriertes DNA-Molekül; Rückseite: Megabit-Chip und mit einem Scatterometer erstellte Wetterkarte. 10 Euro, INTERNATIONALE KOMMUNIKATION UND NETZWERKE. Vorderseite: von der Druckerpresse zur Satellitenkommunikation; Rückseite: Radiowellen, Buchstaben und Transportnetze. 20 Euro, WIRTSCHAFTS- UND WÄHRUNGSUNION. Vorderseite: Münzen Europas aus verschieden Jahrhunderten; Rückseite: Zahnräder, Elektromagnet, Turbine und Baustelle. 50 Euro, VERSCHEIDENHEIT UND EINHEIT. Vorderseite: Menschen, Regionen und Kulturen; Rückseite: Volkstanzgruppe und Webstuhl. 100 Euro, DAS GRÜNE EUROPA. Vorderseite: Eiche und Blumen; Rückseite: Honigwaben, Brombeeren und Naturlandschaft. 200 Euro, DIE UNIO UND DIE WELT. Vorderseite: die Welt und die Zeitzonen; Rückseite: Kompass und Entwicklungshilfe. 500 Euro, DAS EUROPA DER MENSCHEN. Vorderseite: Europapalast in Straßburg; Rückseite: Friedenstaube. Fortsetzung folgt … Kana Totsuka Abb. Europäische Zentralbank (EZB)
- Indonesien: Erneuerte Banknotenfamilie eingeführt
Am 18. August 2022, dem ersten Tag nach dem Feiertag der indonesischen Unabhängigkeitserklärung, gab die Bank Indonesia eine aktualisierte Version ihrer Banknotenserie in Umlauf. Die Noten aus Baumwollpapier in den Wertstufen zu 1000, 2000, 5000, 10.000, 20.000, 50.000 und 100.000 Rupiah orientieren sich motivisch stark an die ab 2016 ausgegebene Vorgängerserie, weisen jedoch Unterschiede in den Details der Ausführung und Gestaltung sowie aktuelle Sicherheitsmerkmale auf. Außerdem haben sich die Formate geringfügig verändert: Die Höhe von 65 mm blieb bestehen, jedoch wurde die Länge aller Nominale gekürzt. Einige Komponenten sind mit UV-Tinte gestaltet: Je nach Nominal lassen sich einzelne Elemente und Ornamentumrisse, der Bankname und die Wertzahl auf der Rückseite sowie unter normalem Licht unsichtbare Bildteile oder auch der Sicherheitsfaden unter UV-Licht in bunten Farben erkennen. Die (Fenster-)Sicherheitsfäden geben außerdem die Abkürzung "BI" für den Banknamen sowie die bis auf die Tausenderstelle gekürzte Wertzahl wieder; die Wasserzeichen zeigen die jeweiligen Vorderseiten-Porträts. Außerdem sind wieder an den kurzen Kanten der Vorderseite ertastbare Schräglinien für Menschen mit Sehbehinderung angebracht. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Lexikon: Einlösungsstelle
Die Einlösungsstelle ist die auf Geldscheinen genannte Stelle, die für deren Einlösung zuständig ist. Dabei kann es sich auch um mehrere Einlösungsstellen handeln. Wenn nicht anders auf dem Geldschein vermerkt, ist die Ausgabestelle gleichzeitig auch die Einlösungsstelle. Da jedoch oft die Ausgabestelle, vor allem bei Staatspapiergeld und bei Notgeldscheinen, aus organisatorischen Gründen die Einlösung der Scheine nicht selbst durchführen konnte, übertrug man diese Aufgabe einem auf dem Geldscheinen genannten Institut. DEU-4: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote über 100 Mark vom 3. September 1883 mit Einlösungstext "… zahlt die Reichsbankhauptkasse in Berlin …" Um eine Konzentration der Einlösung auf bestimmte Stellen zu verhindern, druckte man auf die preußischen Scheine von 1809 die für die Einlösung zuständige Kasse ("Realisations-Comptoir zu Berlin" bzw. "Breslau" oder "Königsberg"). GK-269b: Preußischer Tresor-Schein über 1 Thaler ohne Datum (1809) mit Angabe der Einlösungsstelle "Realisations-Comptoir zu Berlin", Vorderseite. Mit dem Aufdruck des Ortes der für die Einlösung zuständigen Bankfiliale ("Payable at … only") wollte die Imperial Bank of Persia (bis 1932) den Abfluss der Scheine aus bestimmten Gebieten des Landes und die Konzentration auf andere Gebiete verhindern. Für die Einlösung von Scheinen an anderen Orten als dem auf dem Schein genannten musste man eine Gebühr bezahlen. Den gleichen Zweck der regionalen Zirkulationslenkung hatten die verschiedenen Ortsangaben auf den indischen Scheinen (bis zum Zweiten Weltkrieg) und die variierenden Orts- oder Provinzaufdrucke der zwischen den beiden Weltkriegen von zahlreichen chinesischen Großbanken ausgegebenen Geldscheine. CHN-116m: Bank of Communications, Note über 1 Yuan vom 1. Oktober 1914 mit Angabe der Bankfiliale Shanghai auf der Rückseite. Auf Notgeldscheinen werden häufig Bankinstitute genannt, die für die Einlösung zuständig waren, wie z. B. Stadtsparkassen. Eine ganz besondere Rolle spielen hierbei die als "Schecknotgeld" bezeichneten deutschen Inflations-Notgeldscheine von 1923. Die verschiedenen Banken gaben ihren Kunden Scheckformulare, die auf vorgedruckte, gestempelte oder handgeschriebene runde Summen lauteten und die von den Kunden mit ihrem Namen als Aussteller versehen und in Umlauf gebracht wurden. Die Banken hatten hier also nur die Einlösungsfunktion. Müller 4298W1: Scheck-Notgeld der Bayerischen Vereinsbank Filiale Selb (Einlösungsstelle) über 500.000 Mark (Überdruck) vom 18. August 1923, ausgegeben von der Porzellanfabrik Ph. Rosenthal & Co. AG in Selb. Auch die 1944/45, 1966 und 1975/76 in Italien ausgegebenen "Assegni Circolari" (Eigenschecks der Banken als Notgeld) gehören in diesen Zusammenhang. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Sudan: 1000-Pounds-Note überarbeitet
Am 16. August 2022 gab die Central Bank of Sudan eine überarbeitete Version der 1000-Pounds-Noten in Umlauf. Die Bank hatte erst vor Kurzem als neues Höchstnominal den Tausender eingeführt. Die bildliche Gestaltung bleibt dieselbe; die Unterschiede liegen zum einen im Datum ("MAY 2022" statt "JUNE 2019") und zum anderen in der Blume auf der Vorderseite: Der "alte" Schein weist ein Kinegramm mit einer Hibiskusblüte auf, während der neue eine gedruckte Sonnenblume zeigt. Außerdem variiert die Unterschrift des Bankgouverneurs minimal. 1000-Pounds-Note mit Datum "JUNE 2019" und Hibiskusblüte. 1000-Pounds-Note mit Datum "MAY 2022" und Sonnenblume. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Eine unbekannte Banknotendruckplatte aus der Tschechoslowakei
Im März dieses Jahres präsentierte uns eine Privatperson Banknotendruckplatten[1] und fragte, ob diese überhaupt etwas wert seien, da sie ja nicht aus einem edlen Metall bestehen, wenig attraktiv aussehen und sich zudem spiegelverkehrt zeigen, was die Lesbarkeit zusätzlich erschwere. Eine dieser Druckplatten soll an dieser Stelle genauer untersucht werden. Abb. 1: Druckplatte im Originalzustand, ca. 15 x 9,2 cm, Druckbereich 12,1 x 6 cm. 179,18 g. Zink. Gitterartige Kratzer sorgen dafür, dass eine weitere Verwendung unmöglich ist. Als einfachster Weg, sich auf solch filigranen Strukturen zurechtzufinden, entpuppt sich jeweils, die fotografierte Platte horizontal zu spiegeln und Helligkeit und Kontrast so gut wie möglich zu verbessern. Abb. 2: Druckplatte gespiegelt und bearbeitet. Damit fiel die Bestimmung recht leicht. Es handelt sich um eine Vorderseiten-Druckplatte des jungen Staates Tschechoslowakei mit Datum des Gesetzes und demselben Ausgabedatum, 10. April 1919, sowie Unterschrift "Novak". Eine Künstlersignatur ist nicht zu sehen. Abb. 3: Detailausschnitt vergrößert mit Datum, der Wert- und Währungsangabe und Unterschrift. Wer sich bei den Banknoten der Tschechoslowakei auskennt, findet schnell einmal eine ähnliche Banknote, welche das gleiche Format aufweist. Sie ist ebenfalls mit Gesetzesdatum 10. April 1919, jedoch Ausgabedatum 28. September 1921, aber derselben Unterschrift und anderen besonderen Merkmalen versehen, dass man geradezu darüber stolpern muss. Abb. 4: Tschechoslowakei, 5 Kronen vom 28. September 1921. Václavík[2] 18 / SCWPM (Pick) 15. Die Banknote wurde vom Künstler Jaroslav Benda entworfen und in der Druckerei Česká grafická únia in Prag hergestellt. Laut Pick erfolgte die Ausgabe ab dem 26. Mai 1924 und die Noten blieben gültig bis zum 30. Juni 1933. Die Vorderseite zeigt im Medaillon links den tschechischen Philosophen und Theologen Johann Amos Comenius[3] (1592–1670). Der Künstler hat als Vorlage vermutlich einen der häufig anzutreffenden Kupferstiche genommen. Es stellt sich die Frage, ob auch für das Druckplattenbild eine Vorlage bekannt ist. Ein Vergleich beantwortet das umgehend. Abb. 5: Ausschnitt Porträt von Johann Amos Comenius und Ölgemälde[4] als mögliche Vorlage. Als weitere auffällige Merkmale müssen im Vergleich ganz klar die Verzierungen und die Wertziffern "5" in den vier Ecken hinzugezogen werden. Da stimmen Druckplatte und die 1921 ausgegebene Banknote weitestgehend überein. Wenden wir uns noch dem Künstler Jaroslav Benda (1882–1970) zu. Nach der künstlerischen Ausbildung an der Schule für Angewandte Kunst (1907–1912) machte er schnell Karriere und wurde 1920 Professor an der Kunstgewerbeschule, wo er 1926–1928 gleichzeitig Rektor war. Er gilt als bedeutender tschechischer Grafiker und Maler, der nicht nur für Banknoten verantwortlich zeichnete, sondern auch Briefmarken und Münzen, wie etwa die berühmten Dukaten (inkl. Mehrfachstücke) von 1929–1939, entwarf. Er lebte immer in Prag. Abb. 6: Dukat 1923, Münzstätte Kremnitz, geprägt 1923-1938 (1939, 1951). Friedberg 2. Alle Hinweise und Vergleiche führen schlussendlich zur Ansicht, dass die Druckplatte ein bereits fortgeschrittenes Stadium zu einer Banknote über 5 Korun darstellt, welche dann aber doch nicht für das Endprodukt in Anwendung kam. Der Entwurf zur Druckplatte, als auch die endgültig ausgegebene Banknote, stammen von Benda. Ruedi Kunzmann, SINCONA AG, Zürich Anmerkungen: [1] Die Druckplatten werden anlässlich der Oktoberauktionen von SINCONA AG in Zürich im Kapitel Banknoten versteigert. [2] Radim Václavík, Bankovky Československa, Českej a Slovenskej republiky 1918-2019, 2. Auflage, 2019 [3] Tschechisch: Jan Amos Komenský [4] Standort: Museum der Vojvodina-Slowaken (Múzeum vojvodinských Slovákov) in Bački Petrovac, Serbien. Bildquelle: Wikimedia Commons, public domain, weltweit gemeinfrei ohne Restriktionen.
- 4. Geldscheinsammlertreffen am 19.11.2022 in Unterfranken
Je nach Corona-Lage und G-Regeln: Das 4. Geldscheinsammlertreffen in Unterfranken findet wieder im Luftkurort Heigenbrücken am 19. November 2022 ab 10 Uhr statt. Als Veranstaltungsort, Gasthaus und Pension "Zur Frischen Quelle", Hauptstrasse 1, 63869 Heigenbrücken, steht uns wieder ein sehr großer Saal zur Verfügung, mit reichlich Platz und Licht, für Tische im Zentrum, und zum Plaudern, entspannen, essen etc. Zur Örtlichkeit: Heigenbrücken ist ein Luftkurort mit ca. 2.300 Einwohnern. Im Sommer 2017 wurde der neue Bahntunnel freigegeben und es wurde ein neuer Bahnhof zentrumsnah errichtet. Von hier sind es ca. 6 Minuten Fußweg zum Veranstaltungsort. Fahrtzeit von Aschaffenburg 10 Minuten und von Würzburg 50 Minuten. Anfahrt über Autobahn A3 per Ausfahrt 63 Weibersbrunn / Heigenbrücken, von dort ca. 10 Minuten. Über Autobahn A66 per Ausfahrt 45 Bad Orb / Wächtersbach von dort ca. 35 Minuten. In unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort (keine 100 Meter) liegt ein großer Parkplatz (Hüttenwiesenweg). Geldautomaten bei Sparkasse 35 Meter und Raiffeisenbank 50 Meter. Veranstalter : RBcurrency Germany GbR Tel.: +49 (0) 6021 3288 560 info@rbcurrency.com Thomas Roßberg / Curt Banspach RBcurrency Germany GbR 63773 Goldbach Aschaffenburger Strasse 138 Tel: 06021 3288558 (15 – 18 Uhr) E-mail: info@rbcurrency.com












