Aus alten Zeitungen: Kurz nach der Währungsreform – Falschgeld aus Paris
- Hans-Ludwig Besler (Grabowski)

- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Gefunden in: "Die Rheinpfalz", Ludwigshafen vom 23.12.1956


Kurz nach der Währungsreform –
Die falschen Geldscheine kamen damals aus der Seinestadt Paris
Fragwürdige Finanztransaktion endete vor der Mannheimer
Strafkammer – Zuchthaus für den Hauptschuldigen
sch. Mannheim
Vor der Mannheimer Strafkammer wurde in diesen Tagen eine Tat gesühnt, die mehr als sechs Jahre zurücklag. Angeklagt waren die Brüder Erwin und Bruno J., zwei Männer, die in Mannheim ihre Jugend verlebt hatten, nach 1933 aber aus rassischen Gründen die Heimat verlassen mußten.
Sie suchten ihr Glück da und dort, in Europa und Uebersee, und sie fanden es nirgends. Erst nach Kriegsende konnten sie wieder festen Fuß fassen und diesmal richtig. Sie machten dunkle Geschäfte in Westdeutschland, ihren Wohnsitz behielten sie allerdings in Paris. Nach der Währungsreform kam viel Falschgeld nach Deutschland, erschreckend viel Falschgeld. Die Fachkundigen wußten bald, daß es in Paris gedruckt wurde. Die diesbezügliche Verbreitung ließen sich auch die beiden Brüder angelegen sein. In Mannheim hatten sie einen Jugendkameraden sitzen, der sich nicht lange treten ließ, Helferdienste zu leisten. Erich, so hieß der Mann, entwickelte einen Rieseneifer; er ging zusammen mit Erwin auf Tour, um den Leuten aller Schichten die falschen Fünfer, Zwanziger und Hunderter anzudrehen.
Die ersten Opfer waren Mannheimer Geschäftsleute. Bei ihnen kauften Erich und Erwin ein, vor allem Maschinen und Kugellager, und mischten falsche Scheine unter die echten. Nach kurzer Zeit waren die beiden das Mischen leid, von nun an bekamen die Lieferanten nur noch "Blüten" in die Finger. Die Generalprobe wurde in Wiesbaden gemacht, sie verlief zur beiderseitigen Zufriedenheit, also wurden der Frechheit keine Grenzen mehr gesetzt. Sogar die Fahrkarten bezahlte das Duo mit falschem Geld. Großeinkäufe im Rheinland.
In Köln ging die Herrlichkeit zu Ende. Die Kassiererin war besonders aufmerksam, die Zwanziger waren aber auch besonders schlecht ausgefallen. Sie beschaute sich die Scheine sehr genau, trotz des Protestes von Erwin. Rasch türmen! Erwin, der Erich immer vorgeschickt hatte, wenn das Geschäft riskant war, konnte sich in Sicherheit bringen. Erich blieb auf der Strecke. Er bekam drei Jahre Gefängnis, als Erwin schon längst wieder in Paris saß.
Aber Erich verpfiff seine Hintermänner in keiner Weise.
Erst vor einigen Monaten wurde Erwin und sein Bruder Bruno den deutschen Behörden ausgeliefert. Um diese Zeit befand sich Erich längst wieder auf freiem Fuß, er hatte seine Strafe bis auf den letzten Tag verbüßen müssen. Selbstverständlich mußte er als Zeuge bei und jetzt pfiff er sehr herzhaft. Er machte seine Aussagen so peinlich genau und so vorbehaltlos, daß er sich erneut selber belastete. Der Tenor: Für 70 000 Mark Falschgeld war von Paris nach Mannheim geschafft worden, der größte Teil davon wurde ausgegeben. Den Koffer mit dem restlichen Geld verbrannte, als die Geschichte mulmig wurde, ein Mannheimer Geschäftsmann. So endete eine fragwürdige Finanztransaktion.
Je mehr Erich seine Aussage beteuerte, um so hartnäckiger leugnete Erwin. Er will das Geld in Frankfurt gegen Dollars eingetauscht und nicht gewußt haben, daß es sich um Falschgeld handelt. Au! Und der Bruder Bruno? Er war von Anfang an weniger belastet, beziehungsweise er hielt sich klugerweise ganz im Hintergrund.
In die vorderste Front mußte ja Jugendfreund Erich. Es sprach nicht wenig gegen Bruno, aber die Zeugen konnten sich nach Jahr und Tag an die Vorgänge eben doch nicht mehr ganz genau erinnern. Zum Glück für Bruno.
So viel Glück hatte Erwin nicht; er wurde für schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren, zu drei Jahren Ehrverlust und zur Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Ob die Geschichte damit ganz erledigt ist, vermag der Laie nicht zu sagen. Vor allem wäre die Rolle des verbrennungswütigen Mannheimer Geschäftsmanns noch zu klären. So geschehen im Frühjahr des Jahres 1949, also kurz nach der Währungsreform …
Hier lesen Sie mehr zu den Währungsreformen 1948 in Deutschland:
Hans-Ludwig Besler (Grabowski)
Anmerkung der Redaktion
Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen.
Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!



Kommentare