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Lexikon: Entwertung

Auch ohne besondere Kennzeichnung ist ein Geldschein entweder nach Überschreitung des aufgedruckten oder aufgestempelten Einlösungstermins oder eines öffentlich bekanntzugebenden Außerkurssetzungs- oder Einlösungstermins ungültig.

Eine Einlösungsverpflichtung besteht dann nicht mehr. Solche wertlos gewordenen Scheine, falls sie aus irgendwelchen Gründen nach der Einziehung oder Einlösung nicht vernichtet wurden, oder auch als solche gekennzeichnete Musterscheine wurden und werden vielfach mit zusätzlichen Entwertungsstempeln oder Lochungen versehen, um eine missbräuchliche Verwendung als Zahlungsmittel zu verhindern.


Vor allem bei Notgeld, das in vielen Fällen nach der Einlösung an Sammler abgegeben wurde, finden wir die verschiedensten Arten von Entwertungsabstempelungen. Die Stempel "Entwertet", "Ungültig" oder "Ungiltig" wurden am häufigsten verwendet, wobei oft noch zusätzlich der Gemeinde- bzw. Stadtstempel oder der Stempel der Einlösungsstelle und die Datumsangabe als Einlösungsbestätigung hinzugefügt wurden. Doch auch Staatspapiergeld und Banknoten kommen mit Entwertungsstempeln vor, im englischen Sprachgebrauch "Candelled" (Entwertet) oder "Void" (Wertlos). Sogar die Stempel "Falsch" oder "Falsum" und "Faux" besagen nicht immer, dass die Scheine Fälschungen waren. In einzelnen Fällen wollte man damit auch außer Kurs befindliche Scheine kennzeichnen.


Die primitivste Art der Entwertungskennzeichnung ist das Durchbalken der Scheine mit Tintenstrichen oder gar die Lochung oder Abtrennung von Geldscheinteilen (Ecken abschneiden, halbieren usw.). Solche den Schein beschädigende Entwertungsarten sind natürlich für den Sammler schmerzlich (Beispiele: Belgien, Hasselt, Notgeld von 1914/15; Deutschland, Berlin, Notgeld [Großgeld] von 1918; Trier, Notgeld [Großgeld] von 1918; Niederlande, viele Notgeldscheine von 1940). Variierten die fehlenden Stücke bei den einzelnen gleichartigen Scheinen oder blieben die abgetrennten Stücke erhalten, so wurden von den Sammlern vielfach durch Zusammenkleben mehrerer beschädigter Scheine oder von Teilstückchen "komplette" Scheine wieder hergestellt (Beispiel: Fanning Island, Plantations Ltd, 1 Pfund 1943). Der Sammlerwert der durch Kennzeichnung entwerteten Scheine ist in aller Regel niedriger als der von unveränderten Scheinen, wobei neben der Häufigkeit auch der Grad der Entstellung eine Rolle spielt.


Beispiele für verschiedene Entwertungen

Hier soll und kann nur eine kleine Auswahl von verschiedenen Entwertungen gezeigt werden.

Zusätzlich zu den von Albert Pick aufgeführten Arten gibt es natürlich auch noch handschriftliche Entwertungen, Entwertungen durch Perforation oder durch Überdrucke.

Es wäre sicher interessant, das Thema ausführlicher zu behandeln und die verschiedensten Arten von Entwertungen zu dokumentieren.


Abb. 1: Stadt Altenburg, Gutschein über 10 Mark vom 15. November 1918 (Großgeld) mit einzelner kleiner kreisrunder Lochentwertung.


Abb. 2: Volksstaat Hessen, Schatzanweisung über 21 Mark Gold = 5 Dollar (wertbeständiges Notgeld) vom 20. Oktober 1923 mit einzelner großer kreisrunder Lochentwertung.


Abb. 3: Stadt Apolda, Notgeldscheine der Hochinflation über 500 Milliarden Mark vom 10. November 1923 mit doppelter großer kreisrunder Lochentwertung.


Abb. 4: Bank von Griechenland, Banknote zu 500 Drachmen vom 1 Oktober 1932 mit sechsfacher großer kreisunder Lochentwertung. Interessant ist, dass bereits entwertete Scheine befristet wieder in Umlauf gegeben wurden, weil es unter deutsch-italienischer Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu einem Mangel an Zahlungsmitteln kam.


Abb. 5: Württembergische Notenbank, Banknote zu 100 Mark vom 1. Januar 1875 mit siebenfacher großer kreisrunder Lochentwertung.


Abb. 6: Generaldirektion der Berg-, Hütten- und Salzwerke in München, Nochgeldschein der Hochinflation über 20 Milliarden Mark vom 29. Oktober 1923 mit einfacher rechteckiger Lochentwertung.


Abb. 7: Sächsische Bank zu Dresden, Muster der Banknote zu 500 Mark vom 15. Juni 1980 mit Überdruck "MUSTERDRUCK", siebenfacher sternförmiger Lochentwertung sowie dreifacher Perforation "UNGÜLTIG".


Abb. 8: Stadt Apolda, Notgeldschein (Großgeld) über 5 Mark vom 15. November 1918

mit einfacher Perforation "UNGÜLTIG".


Abb. 9: Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden, Kassenschein über 40 Reichsmark vom 28. August 1933 mit Perforation "ENTWERTET" .

Die Scheine stammen aus dem ehemaligen Besitz der Deutschen Reichsbank, waren bei der Staatsbank der DDR eingelagert und wurden nach der Wiedervereinigung

mittels Perforation entwertet, bevor sie auf dem Sammlermarkt verkauft wurden.


Abb. 10: Preußen, Provinz Ostpreußen, Königliche Regierungshauptkasse Gumbinnen,

Gutschein (Großgeld) über 5 Mark vom 8. November 1918 mit handschriftlicher Entwertung "Unbrauchbar" und zusätzlichem Faksimile-Unterschriftsstempel.


Abb. 11: Deutsche Notenbank in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands,

Muster zur Banknote über 2 Mark von 1948 (sowjetischer Druck), Entwertung

durch Perforation "MUSTER" und zusätzlichem Kastenstempel "MUSTER".


Abb. 12: Stadt Bamberg, Gutschein (Kleingeld) über 50 Pfennig von 1919

mit Entwertungsstempel "Bezahlt".


Abb. 13: Frankfurter Bank, Banknote zu 35 Gulden vom 1. Januar 1855 mit Entwertung durch Kastenstempel "AUSSER COURS".


Abb. 14: Oldenburgische Landesbank, Banknote zu 100 Mark vom 1. april 1875 mit Entwertung durch neunfache Abstempelung mit "CASSIRT".


Abb 15: Bank of England, Banknote zu 1 Pfund: Entwertung im September 1941 durch die Inselverwaltung von Guernsey unter deutscher Besatzung mit Stempelaufdruck

"Withdrawn | from Circulation | September 18th. | 1941."

(Aus dem Verkehr gezogen, 18. September 1941.


Abb. 16: Bank von Griechenland, angehaltene und durch doppelte Abstempelung entwertete Fälschung zu 10.000 Drachmen vom 10. Januar 1995.


Abb. 17: Ostpreußen, Regierungshauptkasse in Allenstein, Gutschein (Großgeld) über 10 Mark vom 31. Oktober 1918 mit Überdruck "Ungültig!".


Abb. 18: Polnische Nationalbank, Muster der Banknote zu 200 Zlotych vom 25. März 1994

mit Entwertung durch Überdruck "WZÓR" (Muster), Nullnummer und zusätzlicher Angabe

einer Muster-Nummer.


Abb. 19: Winterhilfswerk des deutschen Volkes, Wertschein zu 1 Reichsmark 1941/42

mit Entwertung durch Eckabschnitt.


Abb. 20/21: Landesbank der Rheinprovinz, Notgeldschein über 1000 Mark

vom 15. September 1922 mit Entwertung durch Wellenschnitt und rückseitigem Bankstempel.


Abb. 22: Frankfurter Bank, Rückseite einer durch fünffache Lochung und zusätzlichen Randabschnitt entwerteten Banknote zu 500 Mark vom 1. Januar 1874, die durch Einsetzen fehlender Teile in die Lochungen repariert wurde.



Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)


Abb. 1–4, 6–12, 15–21: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

Abb. 4, 13, 14, 22: Sammlung Manfred Kranz

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