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  • Zwei unedierte Notgeld-Kundenschecks des Bankhauses J. Wichelhaus P. Sohn in Elberfeld

    Historischer Rückblick Das Bankhaus „Wichelhaus-Bank“ wurde 1790 in Elberfeld gegründet und war neben der Von-der-Heydt-Bank die älteste Bank der Stadt. Im Gründungsjahr gab es im heutigen Wuppertaler Raum keine eigenständigen Banken. In der Regel waren die ersten „Banken“ einem Handelshaus angegliedert und erleichterten das Wechselgeschäft im Handelsverkehr. Das diente dem Handel insbesondere dadurch, dass das seinerzeit aufwändige und gefährliche Mitführen von Gold- und Silbermünzen in größerer Stückzahl unnötig gemacht wurde. Die Firma J. Wichelhaus P. Sohn war als Garn- und Tuchhandlung gegründet worden. Das hauseigene Wechselgeschäft entwickelte sich im Laufe der Jahre aber so gut, dass daraus bereits um 1800 ein eigenes Bankgeschäft hervor ging. Die Wichelhaus-Bank bestand bis 1970. In diesem Jahr wurde das Bankhaus durch die Deutsche Bank übernommen. Kundenschecks 1923 Im August 1923 gab die Wichelhaus-Bank Lohnschecks im Nennwert zu 1 Million Mark aus. In den nachfolgenden Monaten wurden keine Lohnschecks verausgabt. Die Scheckformulare haben ein einheitliches Aussehen und Format. Der Druck der Vorderseite ist überwiegend grünlich, das Papier ist weiß und verfügt über das Wasserzeichen Hakenmäander. Im Unterdruck ist ein Patrizierhaus zu sehen. Es war von 1817 bis 1930 Sitz der Bank und befand sich in Elberfeld an der Berliner Straße 73 (heute Hofkamp). Die Rückseite ist unbedruckt. Eine Druckfirma ist nicht genannt. Abb. 1: Das auf den Schecks abgebildete Bankgebäude der "Wichelhaus-Bank" in Elberfeld. Das Format der Schecks ist ca. 223 mm x 110 mm. Der gedruckte Text „Eine Million / Lohnscheck gegen gesperrtes Guthaben“ kommt in Schreibschrift und in Blockbuchstaben vor. Ort und Datum wurden durch die jeweiligen Firmen entweder handschriftlich oder durch Stempel ausgefüllt. Lohnschecks in Schreibschrift dürften nach Auffassung des Autors seltener vorkommen. Rechts unten ist der Aussteller genannt. Es sind rund 55 Aussteller bekannt, vgl. hierzu die entsprechenden Kataloge. [1][2][3] Ausgegeben wurden die Lohnschecks in den damals selbstständigen Städten und Gemeinden: Barmen, Beyenburg, Elberfeld, Dornap, Unterbarmen, Vohwinkel und Wichlinghausen. Auch heute, nach über 100 Jahren, werden in seltenen Fällen weitere, nicht katalogisierte Ausgaben bekannt. Der jeweilige Aussteller versah in der Regel den Lohnscheck rechts unten mit seinem Firmenstempel. Es sind aber auch wenige Lohnschecks bekannt, die anstatt eines Stempels nur handschriftlich gezeichnet sind. Dies ist keine Unterschrift eines Kunden, sondern der Firmenname. Diese Lohnschecks sind alle seltener. Zwei dieser Lohnschecks sollen hier vorgestellt werden. Beide sind in keinem der bekannten Kataloge beschrieben. Beide Kundenschecks liegen nach bisherigen Erkenntnissen nur als Einzelstücke vor. Brand & Figge Ausgabeort: Elberfeld (gestempelt) Ausstellungsdatum: 20. AUG 23 (gestempelt) Aussteller: handschriftlich Abb. 2: Lohnscheck über 1 Mio. Mark vom 20.08.1923, Firma Brand & Figge. Gegründet 1899 durch Ernst Brand und Ludwig Figge. Die Firma fertigte und vertrieb Damenkonfektion sowie im Besonderen Unterröcke und schwarze Schürzen in großen Stückzahlen. Sie war in Elberfeld zuerst in der Bleichstraße 18 ansässig und zog später mehrfach um. Zwischen 1912 und 1943 befanden sich die Geschäftsräume in der Straße „Hofaue 46“. Abb. 3: Die "Hofaue" in Elberfeld. Das Foto zeigt die Straße „Hofaue“ und stammt vermutlich aus den 1930er Jahren. Auf dem zweiten Haus auf der linken Bildseite ist der Firmenschriftzug „Brand & Figge“ zu erkennen. Die Hofaue war allgemein das Zentrum des Textilhandels und des Konfektionsgewerbes in Wuppertal und darüber hinaus. Auf den Eintrag in Wikipedia [4] sowie dem lesenswerten Buch von Hinrich Heyken: „Die Hofaue – Das Textil-Großhandelszentrum in Elberfeld“ [5] sei an dieser Stelle hingewiesen. In den 1920er Jahren ist der Mitinhaber Ludwig Figge ausgeschieden. 1937 wurde die Firma in Brand & Idel umbenannt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden wieder Wirkwaren gefertigt. Im Jahr 1965 ist die Fertigung eingestellt worden und die Firma erlosch. Am 20. August 1923, einem Montag, gab die Firma einen Lohnscheck aus. Der gedruckte Text „Eine Million / Lohnscheck gegen gesperrtes Guthaben“ ist in Blockbuchstaben ausgeführt. Wie viele Schecks ausgegeben wurden, oder ob an weiteren Tagen weitere Schecks ausgestellt wurden ist nicht bekannt. Auch zur Mitarbeiteranzahl liegen leider keine Angaben vor. Die Deutsche Reichsbank gab mit diesem Datum eine Banknote zu 5 Millionen Mark [6] aus und nur zwei Tage später Reichsbanknoten über 100 Millionen Mark. Ernst Graef jr. Ausgabeort: U. Barmen (handschriftlich) (U. Barmen = Unterbarmen) Ausstellungsdatum: 9. Aug. 23 (handschriftlich) Aussteller: handschriftlich Abb. 4: Lohnscheck über 1 Mio. Mark vom 09.08.1923, Firma Ernst Graef jr. Ernst Graef jr. gründete 1903 mit Unterstützung seiner Eltern und Geschwister am Stadtrand der damals selbstständigen Stadt Barmen eine Sägefabrik. In angemieteten Räumen wurden zunächst die notwendigen Maschinen für die Herstellung von Metallsägenblätter selbst konstruiert. Am 5. Juli 1903, dem Geburtstag von Ernst Graef jr., konnten die ersten Sägeblätter fertiggestellt und zum Verkauf gebracht werden. Die Firma entwickelte sich weiter und konnte auch frühzeitig Geschäftsbeziehungen ins Ausland knüpfen. 1913 wurde dann auf eigenem Grundstück in der Oberbergischen Straße in Unterbarmen eine Fabrik gebaut. Abb. 5: Firma Ernst Graef jr., Arbeiter und Angestellt um 1920/21. Das Foto wurde um das Jahr 1920/21 aufgenommen und zeigt die Belegschaft der Firma Ernst Graef jr. Der Firmeninhaber, Herr Ernst Graef jr., verstarb im Jahre 1921 viel zu früh. Seine Geschwister übernahmen die Firma gleichen Namens. Am 9. August 1923, einem Donnerstag, gab die Firma einen Lohnscheck aus. Der gedruckte Text „Eine Million / Lohnscheck gegen gesperrtes Guthaben“ ist in Schreibschrift ausgeführt. Wie viele Schecks ausgegeben wurden, oder ob an weiteren Tagen weitere Schecks ausgestellt wurden ist nicht bekannt. Die Deutsche Reichsbank gab mit diesem Datum Reichsbanknoten über 50.000, 200.000 Mark, 1 und 2 Millionen Mark [7]  heraus. Im Jahr 1924 wurde die Firma erweitert, aufgeteilt und unter den Namen der jeweiligen Besitzer weitergeführt. Eine der aus der Aufteilung hervorgegangenen Firmen führte August Graef, Bruder und Mitarbeiter von Ernst Graef jr., erfolgreich unter seinem Namen weiter.   Abb. 6: Firmenansicht und Firmeninhaber August Graef um ca. 1924. Heute führt diese den Namen „August Graef GNU GmbH“ und ist in Wuppertal in der Wernerstraße 28 ansässig. Sie ist spezialisiert auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Stanzlinien, Schnellzurichtung, Auswerfmaterialien und Zubehör für die Druck- und Verpackungsindustrie weltweit. Näheres zur August Graef GNU GmbH und seiner Produktpalette kann bei Interesse der Firmenwebseite entnommen werden. [8] An dieser Stelle meinen besonderen Dank an die Mitarbeiter des Stadtarchivs Wuppertal und an die Firma August Graef GNU GmbH für die freundliche Unterstützung. Thomas van Eck Bildnachweis: Kundenschecks: Sammlung van Eck Hofaue: mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Wuppertal Belegschaft Firma Ernst Graef jr. und Firmenansicht und Firmenansicht um ca. 1924: mit freundlicher Genehmigung der Firma August Graef GNU GmbH Anmerkungen: Keller-Katalog: Das Notgeld der deutschen Inflation 1923 Katalog van Eck: Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1948 Wolfgang Schulten: Wuppertaler Medaillen mit Anhang von Horst Kimpel: Das Wuppertaler Kriegs- und Inflationsgeld https://de.wikipedia.org/wiki/Hofaue http://stadtgeschichte-wuppertal.de/hheyken_bilder/heyken_hofaue.pdf Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871; DEU-117 Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871; DEU-110 bis 116 www.graef-gnu.com

  • Museum auf Geldscheine-Online mit neuer Software

    Aufmerksamen Lesern und Nutzern unseres Geldschein-Blogs wird aufgefallen sein, dass unser Museum schon seit längerer Zeit nicht weiter ausgebaut wurde. Das liegt vor allem daran, dass für jede einzelne Ausgabestelle (Bank, Land usw.) eine eigene Galerie erstellt werden musste und die Anzahl der möglichen physischen Seiten begrenzt ist. Wir haben uns deshalb unlängst für eine vollständige Umstellung auf ein modernes Datenbank basiertes System (CMS = Content-Management-System) entschieden. Die Erstellung der Software hierzu ist abgeschlossen und ein erster Meilenstein – die ersten 1000 Objekte – sind erfasst und können aktuelle bereits aufgerufen werden. In der Listenansicht haben Sie die Möglichkeit die Auswahl über sog. Filter nach Kontinenten und Subkontinenten, Ländern, Emittenten, Währungen und verschiedenen Schlagwörter zu begrenzen. Außerdem kann über eine Zeitleiste eine Eingrenzung der Auswahl nach Jahren erfolgen. Die Filter ergänzen sich gegenseitig, d.h. man kann ein Land auswählen und dann anschließend die Auswahl über weitere Filter und die Zeitleiste weiter konkretisieren. Die Anzahl der ausgewählten Datensätze (Objekte) wird links oben bei "Auswahl:" angezeigt. Über den Button "Filter zurücksetzen" kann man alle Filter wieder löschen. Zur Detailansicht gelangt man über einen Klick auf den Geldschein. Hier finden Sie Abbildungen von Vorder- und Rückseite (durch Anklicken gelangen Sie zu einer Bildschirm füllenden Großansicht) sowie weitere Angaben zu dem Schein. Das grafische Menü oben rechts erlaubt von Links nach Rechts die Rückkehr zur Listenansicht, das Blättern zurück und vor sowie den Wechsel zum jeweiligen Geldschein beim Bank Note Museum ( www.banknote.ws ) von Peter Mösselberg, wo man sich über weitere Details und die Varianten jeder Banknote informieren kann. Geplant sind in Zukunft auch Literaturhinweise bei den ausgestellten Scheinen. Das Museum wird in der nächsten Zeit weiter ausgebaut. Aktuell sind bereits folgende Länder mit einer jeweils repräsentativen (in einigen Fällen sogar vollständigen) Übersicht zu deren Geldscheinen abrufbar: Viel Spaß bei der Nutzung unseres kleinen Museums und mit den qualitativ hochwertigen Abbildung wünscht das Team von Geldscheine-Online.com . Hans-Ludwig Besler (Grabowski)

  • Das Großdeutsche Reich: Wie die Nationalsozialisten schrittweise das deutsche Staatsgebiet erweiterten, Teil 2

    Hitler sprach in „Mein Kampf“ von den Deutschen als „Volk ohne Raum“, das neuen „Lebensraum im Osten“ erobern müsse. Bevor Hitler sich anschickte, diesen Lebensraum erobern zu wollen, stand zunächst die Revision des Friedensvertrags von 1919 und die Rückgewinnung der durch das "Versailler Diktat" abgetretenen deutschen Gebiete auf der Agenda. Der "Anschluss" Österreichs 1938 Auch die nächste Aktion fand unter dem Deckmantel des Selbstbestimmungsrechts der Völker statt und verstieß gleichwohl gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrags. Am 12. März 1938 überschritten 65.000 deutsche Soldaten und Polizisten, teils mit schweren Waffen, unter dem spontanen Jubel der österreichischen Bevölkerung die deutsch-österreichische Grenze. Nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie rief am 12. November 1918 die Provisorische Nationalversammlung in Wien die deutschösterreichische Republik aus und bestimmte in Art. 2 des „Gesetzes über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich“, dass Deutschösterreich ein „Bestandteil der Deutschen Republik“ sei. Hierzu kam es nicht, da die Siegermächte im Friedensvertrag von Saint-Germain vom 10. September 1919 nicht nur den Namen „Deutschösterreich“, sondern auch einen Anschluss an das Deutsche Reich verboten hatten. Abb. 1: Banknote der Oesterreichisch-ungarischen Bank über 1000 Kronen vom 2. Januar 1902 (II. Auflage) mit rotem Überdruck "Deutschösterreich", deutsche Vorderseite, gültig von 1920 bis Ende Januar 1924. Abb. 2.1/2: "Südmark"-Spendenschein des Bundes der Deutschen zur Erhaltung ihres Volkstums über 2 Kronen vom Mai 1921, Vorderseite Motiv zum Anschluss Österreichs an Deutschland und Rückseite mit Zitat zum Selbstbestimmungsrecht der Völker von Dr. Franz Dinghofer, Präsident des Nationalrates der Republik Österreich. Abb. 3: Behelfsausgabe der Oesterreichischen Nationalbank über 1 Schilling auf 10.000 Kronen vom 2. Januar 1924, Vorderseite, in Umlauf vom 11. Mai 1925 bis Ende 1926. Die Weltwirtschaftskrise belastete die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse weltweit erheblich. Die Depression führte nicht nur zu einem starkem Wirtschaftsrückgang mit einer hohen Arbeitslosigkeit, sondern auch zu politischen Verwerfungen. Um die wirtschaftlichen Verhältnisse zu normalisieren, setzten die Regierungen auf unterschiedliche Maßnahmen. Der US-amerikanische Präsident forcierte kreditfinanzierte Staatsausgaben-Programme vor allem für konsumtive Zwecke. Das nationalsozialistische Deutschland setzte auf autoritäre Zwangsmaßnahmen und auf eine kostspielige inflationistische Kriegsrüstung, während Österreich eine klassische Deflationspolitik betrieb. Als die USA im März 1933 die Golddeckung des Dollars aufhob und im Januar 1934 den Goldpreis auf 35 US-Dollars je Feinunze festsetzte, entsprach dies einer rund 40prozentigen Abwertung des US-Dollars. Diesem Beispiel folgten nach und nach auch die meisten europäischen Staaten. Den Anfang machte 1936 Belgien, das den Franc um 28 Prozent abwertete, im September folgten Frankreich und die Schweiz mit einer Abwertung ihrer Währungen von jeweils 30 Prozent. Die Niederlande zogen mit einer Abwertungsrate von 20 Prozent nach und die Tschechoslowakei wertete die Krone um 16 Prozent ab. Italien stufte den Wert seiner Lira um ein Drittel herab. Österreich und Deutschland hielten dagegen an der alten Parität ihrer Währungen fest. Wie auch in anderen europäischen Staaten begannen sich in Österreich faschistische, antidemokratische Strömungen durchzusetzen. Am 4. März 1933 traten alle amtierenden Nationalratspräsidenten zurück. Der christlich-soziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß nutzte die Parlamentskrise, um den Nationalrat mithilfe des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes von 1917 auszuschalten und ein diktatorisches Regime zu errichten. Am 7. März 1933 erließ der Ministerrat ein Versammlungs- und Aufmarschverbot und führte die Zensur für österreichische Zeitungen wieder ein. Mit der neuen Verfassung vom 1. Mai 1934 wurde der „christlich-deutsche Ständestaat“ geschaffen, bei dem die Staatsgewalt von den in Kammern organisierten Berufsständen ausgehen sollte. In der Realität lag die Gesetzgebungsmacht jedoch bei der Regierung. Da die neue Verfassung Parlament und Parteien nicht vorsahen, wurden alle nicht verbotenen Parteien in der Einheitspartei „Vaterländische Front“ zusammengefasst und politische Gegner verfolgt. Am 10. Mai 1933 setzte die Regierung alle Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene aus. Am 26. Mai wurde die Kommunistische Partei Österreichs verboten und am 20. Juni auch die österreichische Landesorganisation der NSDAP,  die einen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich propagierte. In seinem in der Festungshaft 1924/25 verfassten Buch „Mein Kampf“ hatte Adolf Hitler bereits gefordert, dass Deutschösterreich wieder zum großen deutschen Mutterlande kommen müsse Am 25. Juli 1934 unternahmen die österreichischen Nationalsozialisten einen dilettantischen Putschversuch, den sogenannten Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete SS-Männer stürmten das Bundeskanzleramt, wo Engelbert Dollfuß angeschossen wurde und Stunden später an den Folgen der Schussverletzungen starb. Hitler bestritt jede Beteiligung von deutscher Seite, unterstützte aber weiterhin die verbotene österreichische Landesorganisation der NSDAP. Die deutsche Regierung ging nun verstärkt dazu über, das politische System in Österreich mit Vertrauensleuten zu unterwandern. Am 3. Oktober 1935 griff das faschistische Königreich Italien das Kaiserreich Abessinien (Äthopien) an. Großbritannien forderte vor dem Völkerbund Sanktionen gegen Italien. Benito Mussolini wurde damit international isoliert und an die Seite Hitlers gedrängt. Für Schuschnigg bedeutete das den Verlust seines wichtigen Schutzherrn, da Italien bis dahin als Garant für Österreichs staatliche Unabhängigkeit aufgetreten war (nicht zuletzt im eigenen Interesse, um Südtirol nicht aufgeben zu müssen). Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, Nachfolger des ermordeten Dollfuß, musste nun nach Wegen suchen, das Verhältnis zum übermächtig werdenden Deutschen Reich zu verbessern. Am 11. Juli 1936 schloss er mit Hitler das Juliabkommen. Zwar erkannte der große Nachbar die volle Souveränität Österreichs an und hob die infolge des Verbots der NSDAP in Österreich 1933 verhängte Tausend-Mark-Sperre [i] auf, andererseits musste Österreich inhaftierte Nationalsozialisten amnestierten und nationalsozialistische Zeitungen wieder zulassen. Darüber hinaus nahm Schuschnigg Vertrauensleute der Nationalsozialisten in sein Kabinett auf. Edmund Glaise-Horstenau wurde Bundesminister für nationale Angelegenheiten, Guido Schmidt Staatssekretär im Außenministerium und Arthur Seyß-Inquart Staatsrat. Auf „Einladung“ des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler reiste der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am 12. Februar 1938 in Begleitung des Staatssekretärs für Äußeres, Guido Schmidt, zu einem Treffen auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Nach einem zweistündigen Gespräch ohne Zeugen präsentierte Hitler schließlich den Entwurf eines Abkommens, durch das den österreichischen Nationalsozialisten weitreichende politische Entfaltungsmöglichkeiten zugesichert werden sollten. Unter anderem sollte Arthur Seyß-Inquart Innenminister mit absoluter Polizeigewalt werden. Dass Hitler zu keinen Kompromissen bereit war, wird an seinen Worten sichtbar: „Verhandelt wird nicht, ich ändere keinen Beistrich. Sie haben zu unterschreiben, oder alles andere ist zwecklos, und wir sind zu keinem Ergebnis gekommen. Ich werde dann im Laufe der Nacht meine Entschlüsse zu fassen haben.“  Schuschnigg beugte sich dem Diktat. Angesichts der Gefahr für die Souveränität Österreichs setzt Schuschnigg für den 13. März 1938 eine Volksbefragung über „ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich“  an. Sie fand allerdings nicht mehr statt, da bereits am 12. März der „Anschluss“ an das Deutsche Reich“ vollzogen wurde, [2]  den sich Hitler durch eine Volksabstimmung am 10. April 1938 bestätigen ließ. Die überwältigende Mehrheit – 99,6 Prozent – der Österreicher stimmen dem Anschluss zu. Allerdings waren etwa acht Prozent der Bevölkerung (Juden und verhaftete politische Gegner) von der Abstimmung von vornherein ausgeschlossen worden. Abb. 4: Jubel beim Einzug deutscher Soldaten am 11. März 1938 an der österreichischen Grenze bei Braunau. Foto aus dem Erinnerungsalbum eines deutschen Soldaten. Abb. 5: Wahlzettel zur Volksabstimmung über die am 13. März 1938 vollzogene Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 10. April 1938. Im Deutschen Reich stimmten 99,59 % und in Österreich 99,71 % für den Anschluss. Abb. 6: Deutsches Reich, Briefmarke über 6 Reichspfennig "Ein Volk – Ein Reich – Ein Führer" zur Volksabstimmung am 10. April 1938. Mit Verordnung vom 17. März 1938 führt das NS-Regime die Reichsmarkwährung in Österreich ein. [3] Der Schilling-Banknoten blieb daneben noch bis zum 25. April gesetzliches Zahlungsmittel und wurden bis 15. Mai, umgetauscht bzw. bis zum 31. Dezember 1938 noch von der Reichsbank und der Oesterreichischen Nationalbank in Liquidation eingelöst. Am 25. April wurde auch das Notenprivileg der Oesterreichischen Nationalbank formal aufgehoben und die deutschen Münz- und Bankgesetze in der neuen „Ostmark“ eingeführt. [4] Abb. 7: Seite aus einem Sparkassenbuch der Allgemeinen Sparkasse in Linz mit der Umrechnung des Schilling-Guthabens in Reichsmark. Als Umrechnungskurs wurde die Reichsmark mit einem Schilling fünfzig Groschen festgesetzt. Auch wenn dies in etwa dem Kaufkraftverhältnis entsprach, bedeutete dies eine Abwertung des Schillings von 36 Prozent gegenüber seiner offiziellen Notierung in Berlin. Die Goldmünzen zu 100 und 25 Schilling sowie die Silbermünzen zu 5 und 2 Schilling wurden zum 15. Juni 1938 außer Kurs gesetzt und nur noch bis zum 15. Juli umgewechselt. [5] Die kleineren Scheidemünzen zu 1 Schilling, 50, 10 und 5 Groschen sowie 1000 Kronen (= 10 Groschen) hatten noch eine Galgenfrist zum 1. Oktober und wurden ab 1. Januar 1940 auch von den öffentlichen Kassen nicht mehr angenommen. [6] Abb. 8.1/2: Österreich, 50 Groschen von 1935, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Österreich, 2 Schilling von 1930, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Banknote der Oesterreichischen Nationalbank über 20 Schilling vom 2. Januar 1928, in Umlauf von 23. April 1928 bis 15. Mai 1938, Vorder- und Rückseite. Hierfür erhielt man 0,33 Reichsmark, 1,33 Reichsmark bzw. 6,66 Reichsmark. Die Stücke zu 1 und 2 Groschen blieben als Reichsmark-Scheidemünzen im Wert von 1 und 2 Reichspfennig im Umlauf, [8] wurden also um ein Drittel aufgewertet. Erst am 1. März 1942 hörten sie auf, gesetzliche Zahlungsmittel zu sein. Umgetauscht wurden sie noch bis zum 30. April 1942. [9] Abb. 11.1/2: Österreich, 100 Kronen (= 1 Groschen) von 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. 12.1/2: Österreich, 200 Kronen (= 2 Groschen) von 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. 13.1/2: Österreich, 1 Groschen von 1925, Vorder- und Rückseite. Abb. 14.1/2: Österreich, 2 Groschen von 1937, Vorder- und Rückseite. Der letzte Bankausweis der Oesterreichischen Nationalbank vor dem Abschluss an das Deutsche Reich wies eine valutarische Deckung von rund 472 Millionen Schilling aus, davon zwei Drittel in Gold. Die Reichsbank verfügte zu diesem Zeitpunkt lediglich über Devisenvorräte in Höhe von 77 Millionen Reichsmark oder 116 Millionen Schilling. Die Plünderung der Gold- und Devisenbestände der Oesterreichischen Nationalbank füllten die Tresore der Reichsbank. Sie beschlagnahmte rund 78,2 Tonnen Feingold im Wert von 472 Millionen Schilling und Devisen im Wert von 60,2 Millionen Schilling. Hinzu kamen Gold und Devisen, die von der Bevölkerung abgeliefert wurden. Mit einem Schlag und ohne Blutvergießen bereicherte sich die NS-Führung mit Geld- und Devisenschätzen in Höhe von etwa zwei Milliarden Schilling. [10] Uwe Bronnert Fortsetzung folgt … Anmerkungen: Bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte Hitler verfügt, dass Reisende nach Österreich, 1000 Reichsmark hinterlegen mussten. Die Erschwerung der Reisen sollte die österreichische Wirtschaft schädigen und so das Land zur Nachgiebigkeit gegenüber politischen Forderungen erpresst werden. Im engen Kreis legte Hitler bereits am 5. November 1937 seine Pläne für eine Angliederung Österreichs und der Tschechoslowakei dar. Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung im Lande Österreich vom 17. März 1938, RGBl. I S.253). Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung im Lande Österreich und der Verordnung zur Übernahme der Österreichischen Nationalbank durch die Reichsbank vom 23. April 1938 (RGBl. I S. 405). Verordnung über die Außerkurssetzung der Bundesgoldmünzen im Nennbetrag von 100 Schilling und 25 Schilling sowie der Silberscheidemünzen im Nennbetrag von 5 Schilling und 2 Schilling des Landes Österreich vom 25. Mai 1938 (RGBl. I S. 601). Verordnung über die Außerkurssetzung der Scheidemünzen (Teilmünzen) im Nennbetrag von 1 Schilling, 50 Groschen, 10 Groschen, 5 Groschen und 1000 Kronen des ehemaligen Landes Österreich vom 11. August 1939 (RGBl. I S. 1390). § 5 (2) Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung … § 5 (2) Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung … Verordnung über die Außerkurssetzung der Kupfermünzen vom 10. Februar 1942 (RGBl. I S. 68). Vgl. Ernst Hofbauer, Das war der Schilling, Eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen, Wien 1998, S. 120 ff. Abbildungen: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Geldscheinsammlung. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Geldscheinsammlung. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Geldscheinsammlung. Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Zeitgeschichtliche Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Briefmarkensammlung. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Digitalarchiv. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors. Abbildung des Autors.

  • Die "Muhlenberg-Legende" – Warum Deutsch nicht zur Amtssprache in den USA wurde

    Hartnäckig hält sich ein altes Gerücht in Deutschland, dass die deutsche Sprache in den 1780er Jahren Amtssprache in den USA hätte werden können. Tatsächlich war in jener Zeit die deutsche Sprache dort weit verbreitet und eine der am häufigsten gesprochenen Sprachen in den USA. Ein Beispiel ist u. a. das deutschsprachige Pressewesen. Abb. 1: Erste deutschsprachige Zeitung in den USA vom 6. Mai 1732, den Leitartikel schrieb der „Dienstwillige und Sprachmeister“ L. Timothée aus Philadelphia [1] (Übersetzung der von Benjamin Franklin herausgegeben „Philadelphia Gazette“; im späten 19. Jahrhundert gab es um die tausend deutschsprachige Zeitungen in den Vereinigten Staaten von Amerika, die etwa achtzig Prozent der fremdsprachigen Presse des Landes ausmachten. Die Legende besagt, dass damals in Pennsylvanien angeblich eine Abstimmung über die deutsche Sprache als Staatssprache in den USA an einer einzigen Gegenstimme gescheitert sein soll. Die Wahrheit ist jedoch: in den USA gibt es bis heute keine Staats- bzw. Amtssprache; jeder einzelne Bundesstaat bestimmt über seine Amts-/Gerichtssprache selbst. Was ist der wahre Hintergrund dieser Legende, die bis heute immer mal wieder in den Medien hochkommt? Franz Löher, ein deutscher Historiker aus Paderborn, schrieb 1847, dass der Politiker Mühlenberg mit seiner Gegenstimme für die englische Sprache stimmte. Abb. 2: Ausschnitt aus „Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika“ auf Seite 198, Franz Löher, Leipzig 1847. [2] Hinter dieser Geschichte steckt eine Wahrheit: Am 9. Januar 1794 trug eine Gruppe deutscher Einwanderer in Virginia dem US-Repräsentantenhaus die Bitte vor, Gesetzestexte künftig auch in ihrer Sprache zu veröffentlichen. Das würde ihnen helfen, sich schneller in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden, hieß es zur Begründung. Die Gruppe konnte auf einen starken Rückhalt im Land verweisen, schließlich sprach rund ein Zehntel aller Einwohner von Virginia Deutsch. In Pennsylvania waren es sogar mehr als 30 Prozent. Als über den Antrag abgestimmt wurde, gab es ein Unentschieden von 41 Stimmen dafür und 41 dagegen. Frederick Muhlenberg, der kaum Deutsch sprach, gab seine entscheidende Stimme dafür ab, ausschließlich Englisch zu sprechen. Er soll gesagt haben: „Je schneller die Deutschen Amerikaner werden, desto besser.“ [3] Abb. 3: Frederick Augustus Conrad Muhlenberg (1750–1801), er war seit dem 1. April 1789 der erste Sprecher des Repräsentantenhauses der USA und Mitglied der konservativen und nationalistischen Federalist Party – er war deutscher Abstammung und studierte 1769/70 an der Universität in Halle. Von jeher dominierte die englische Sprache in den britischen Nordamerika-Kolonien und in den späteren USA. Das wird anschaulich dokumentiert durch die fast ausschließliche Verwendung des Englischen auch auf Geldscheinen. Als Beispiel gilt die Ausgabe der Bank of North America aus der Zeit der oben beschriebenen Abstimmung. Abb. 4: 1 Penny vom 6. August 1789, Vorder- und Rückseite, Bank of North America, Philadelphia; 1 Penny = 1/90 Dollar, man rechnete damals 5 Shillings = 2/3 Dollar (© Heritage Auctions, www.ha.com ). Sie war die erste Geschäftsbank der Vereinigten Staaten, erhielt vom Kontinentalkongress am 26. Mai 1781 ihre Zulassung und nahm am 7. Januar 1782 in Philadelphia (von 1790 bis 1800 Hauptstadt der USA) ihren Betrieb auf. Sie galt quasi als Zentralbank der Vereinigten Staaten von Amerika. Nach dem National Bank Act von 1862 unterstellte sie sich 1864 der neuen Gesetzgebung, wurde zu einer der Nationalbanken in Pennsylvania und bestand als solche bis zu ihrem Zusammenschluss mit der Commercial Trust Co. im Jahr 1923. Nach weiteren Fusionen und Übernahmen gehört sie seit 2008 zum Finanzdienstleister Wells Fargo. Abb. 5: 5 Dollars vom 1. Oktober 1860, Vorderseite, Bank of North America, Philadelphia; die letzte Ausgabe dieser Privatbank war der 1-Dollar-Schein mit Datum 17. April 1862 (Pierre Fricke/ebay.com). Abb. 6: 20 Dollars vom 24. November 1904, Vorderseite, Bank of North America, Philadelphia; die Bank führte als einzige Nationalbank das „National“ nicht im Namen, obwohl sie dazu aufgefordert wurde ( https://www.pmgnotes.com ). Eine ähnliche Entwicklung nahm die Bank of Germantown, Philadelphia. Der Ortsname lautete auf Pennsylvania Dutch „Deitscheschteddel“ (= Deutschstadt). Germantown ist heute ein Stadtteil im Nordwesten Philadelphias, liegt im Philadelphia County und wurde schon 1854 eingemeindet. Auf Einladung von William Penn kamen Deutsche und aus Glaubensgründen in die Pfalz und ins Rheinland übergesiedelte Schweizer und Niederländer nach Nordamerika. Die Quäker- und Mennonitenfamilien errichteten unter Franz Daniel Pastorius am 6. Oktober 1683 die erste deutsche Siedlung in Nordamerika. Hier gründete 1814 Charles J. Wister die Bank of Germantown, die im Oktober 1864 zur National Bank of Germantown und am 21. März 1929 zur Bank of Germantown and Trust Company fusionierte und bis 1934 bestand. Abb. 7: 1 Dollar vom 15. Januar 1862, Vorderseite, Bank of Germantown, Philadelphia; ( https://www.kagins.com ). Abb. 8: 1 Dollar vom 2. Juni 1865, Vorderseite, National Bank of Germantown, Philadelphia ( https://banknotehistory.spmc.org ). Abb. 9: 10 Dollars von 1929, Vorderseite, National Bank of Germantown and Trust Co., Philadelphia; ( https://banknotehistory.spmc.org ). Bekannt sind jedoch US-amerikanische Banknoten, die einen deutschen Text zeigen. Als Beispiele gelten die Ausgaben in Pennsylvanien: für die Northampton Bank Allentaun (Allenschteddel = Allenstadt) oder Lumbermens Bank zu Warren, die in Philadelphia bei Draper, Underwood, Bald & Spencer bzw. Underwood, Bald, Spencer & Hufty gedruckt wurden. Man wollte die Finanzdienstleistungen und die Bedürfnisse auch der deutschstämmigen Einwohnerschaft in der dortigen Holzindustrie nahebringen und entschloss sich zum Druck der interessanten 5- und 10-Thaler-Banknoten. 1814 wurde in Allentown die Northampton Bank von Pennsylvania-Deutschen eröffnet; unter Bankpräsident John Rice überstand die Bank die Finanzpanik von 1837 zwar gut, schloss aber am 3. März 1843 – das Gründungskapital umfasste 123.375 Dollars, aber als überführter Betrüger setzte sich Rice am Nationalfeiertag, dem 4. Juli 1843, nach New York ab. Es war bekannt geworden, dass die Bank über 400.000 Dollars Schulden angehäuft hatte und Einlagen veruntreut wurden. Abb. 10: 10 Thaler vom 22. Februar 1836, Northampton Bank – sie wurde 1814 gegründet, meldete aber 1843 Bankrott an ( https://www.hagenbuch.org ). Die Lumbermens Bank wurde am 28. Februar 1834 in Warren/PA gegründet, schloss aber aufgrund der am 10. Mai 1837 von New York ausgehenden Wirtschaftskrise [5] dann im Jahr 1838. Die Bank führte Robert Falconer als Präsident und hatte ein Kapital von 200.000 Dollars. Die englische Sprache war unwidersprochen zu allen Zeiten die führende Landessprache in den USA. Im Jahr 1990 gaben noch 58,0 Mio. US-Bürger ihre Deutschstämmigkeit an; 2005 waren es nur noch 49,0 Mio. und die Zahl sank 2015 auf 45,0 Mio. Die übergroße Mehrheit der Deutschstämmigen beherrscht heute kein Deutsch mehr; nach der letzten Volkszählung von 2000 gaben 1.382.610 Personen an, in ihren Familien noch Deutsch statt Englisch zu sprechen. Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, urteilte im 18. Jahrhundert über die Deutschen: „Nur wenige ihrer Kinder lernen Englisch ... sie importieren viele Bücher aus Deutschland … die Schilder in unseren Straßen sind in beiden Sprachen gehalten, manchmal sogar nur in Deutsch“ und er sagte voraus „dass sie uns bald zahlenmäßig überlegen sein werden, sodass all die Vorteile, die wir haben, nicht ausreichen werden, um unsere Sprache zu erhalten. Auch unsere Regierung gerät dadurch ins Wanken.“ Diese Bedenken trafen jedoch nie ein. Der Niedergang der deutschen Sprache spiegelt sich auch in der Anglisierung deutscher Familiennamen wider. Schon vor 1890, aber auch danach und vor allem seit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden viele Namen phonetisch ins Englische übertragen. So wurde z. B. aus Klein = Kline, aus Schäfer = Shafer, aus Hahn = Hawn oder eben auch aus Pressler = Presley. Um die 400.000 Menschen sprechen heute noch das sog. Pennsylvania Dutch; das sind vorwiegend die Amischen (= Amish people). Außer dem von Tom Stebbins gestalteten 50-Dollar-Schein der ACC-Serie (50-$-Fantasienoten aller USA-Bundesstaaten, hier für Pennsylvanien) gibt es keinen Geldschein, den man den Amischen oder irgendeinem Deutschstämmigen zuordnen kann – mit Ausnahme der 10-Dollars-Scheine mit dem Bildnis von Michael Hillegas. [6] Abb. 11: 50 Dollars von 2014, Rückseite, Polymer, abgebildet ist ein Amish People Buggy und Männer in typisher Tracht; auf der Vorderseite ist das Portät der Schriftstellerin Louisa May Alcott (1832–1888), die in Germantown geboren wurde ( https://www.currencybanknotes.com ). Abb. 12: Amish People Buggy, ein brandneuer Buggy kostet im Lancaster County etwa 9.000 US-Dollars, und fährt um die 8 km/h, auf belebten Straßen fahren sie auf sog. „Kutschenspuren“. Abb. 13: Tafeln im Klassenraum einer Amischen-Schule in Lancaster/PA; Erklärung der deutschen Doppel- und Umlaute für die englische Aussprache. Michael H. Schöne Anmerkungen https://www.jstor.org https://www.digitale-sammlungen.de https://www.welt.de/geschichte https://archives.upenn.edu Die Wirtschaftskrise in den USA von 1837 begann mit dem Platzen einer Spekulationsblase. Der hauptsächliche Auslöser der Krise war die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Andrew Jackson. Er misstraute dem ungedeckten Papiergeld und regelte daher im „Specie Circular“, dass Käufe von Indianerland nur in Gold und Silber und nicht in Banknoten zulässig seien. Hinzu kam der Verfall der Immobilienpreise. Das Flächenangebot in den Indianergebieten hatte sich ausgeweitet und führte zu einer starken Erhöhung des Angebots. Deshalb brachen Grundstückspreise ein, Preise von landwirtschaftlichen Produkten verfielen, Hypotheken konnten nicht mehr bezahlt oder abgelöst werden und zudem brachen die Grundsteuereinnahmen völlig ein. Siehe https://www.geldscheine-online.com : „Wer war Michael D. Hillegas?“, M. H. Schöne, 5. Mai 2020 ( https://www.geldscheine-online.com/post/wer-war-michael-d-hillegas ) https://de.wikipedia.org https://www.wfmz.com

  • Literatur: US-Paper Money Errors

    Frederick J. & Bianca B. Bart United States Paper Money Errors 5. Auflage 2025 ISBN: 9780794853945 Ebook: 9780794850920 Bindung: Paperback Format: 6 x 9 inches (15 x 23 cm) Seiten: 278 Preis: 29.95 USD https://whitman.com/united-states-paper-money-errors/ Die faszinierendsten Fehldrucke beim US-Papiergeld stehen im Mittelpunkt von Whitmans neuester Veröffentlichung Der Katalog "United States Paper Money Errors" kehrt in einer umfangreichen neuen 5. Auflage zurück, jetzt Teil der Whitman's Professional Series™ 25. Juni 2025 - Virginia Beach, VA : Whitman Brands ist stolz darauf, die lang erwartete fünfte Auflage von United States Paper Money Errors vorzustellen – ein reich illustrierter und vollständig überarbeiteter Leitfaden zu einem der aufregendsten Gebiete des Papiergeldsammelns in den USA. Der von dem erfahrenen Vater-Tochter-Gespann Dr. Fred Bart und Bianca Bart verfasste Katalog – ursprünglich vom Coin & Currency Institute unter der Leitung von Art Friedberg herausgegeben – ist nun offiziell Teil der Whitman-Familie und das Flaggschiff der neuen Professional Series™. Wir fühlen uns geehrt, das Erbe dieses wichtigen Buches unter dem Namen Whitman fortzuführen“, sagte John Feigenbaum, Präsident und CEO von Whitman Brands. „Da der Markt für Papiergeld wächst, insbesondere bei Fehldrucken, könnte diese fünfte Auflage zu keinem besseren Zeitpunkt erscheinen“. Es gibt nur wenige Bereiche der Numismatik, die so viel Aufsehen erregen wie Fehler beim Papiergeld mit ihren auffälligen Fehldrucken und einmaligen Herstellungsmängeln. Die neue Ausgabe von "United States Paper Money Errors" taucht mit über 550 Farbbildern, detaillierten Erklärungen, aktualisierten Bewertungen in bis zu vier Erhaltungsstufen, dem allgemein anerkannten Friedberg Numbering System™ und Seltenheitsleitfäden, die es sowohl Neulingen als auch erfahrenen Sammlern leicht machen zu verstehen, was Fehldrucke so besonders macht, tief in diese Nische ein. Beispielseite im Katalog. Das Buch ist jetzt nach dem tatsächlichen Produktionsablauf des Bureau of Engraving and Printing (BEP) gegliedert und bietet dem Leser einen Blick hinter die Kulissen der US-Papiergeldherstellung – und darauf, wie die Dinge gelegentlich auf unvergleichliche Weise schiefgehen. Historische BEP-Fotos verleihen dem Buch zusätzliche Tiefe, indem sie frühere und heutige Druckmethoden kontrastieren. „Wir haben einen spürbaren Anstieg des Interesses an Papiergeld festgestellt - vor allem bei jüngeren Sammlern, die nach etwas Einzigartigem und Erreichbarem suchen“, sagt Dr. Fred Bart, langjähriger Experte und Pionier der Fehldruckforschung. "Diese neue Ausgabe modernisiert nicht nur den Inhalt, sondern stärkt auch die Grundlage für das Lernen. Ich bin begeistert, dass Whitman es weiterführt." „Die Zusammenarbeit mit meinem Vater an diesem Projekt war unglaublich“, fügt Bianca Bart, Mitautorin und Mitwirkende an der neuen Ausgabe, hinzu. "Die Sammler werden den erweiterten Inhalt, die gestraffte Struktur und die visuelle Attraktivität lieben. Fehlervermerke sind wirklich der unterhaltsamste Teil des Währungssammelns – und dieses Buch erweckt diese Aufregung zum Leben, von Erst- und Zweitdruckfehlern über Überdrucke bis hin zu Falz- und anderen verschiedenen Fehlern." Dr. Fred Bart und Bianca Bart sind beide hochaktive und weithin respektierte Persönlichkeiten in der numismatischen Gemeinschaft, die für ihr Fachwissen, ihre Innovationen und ihre langjährigen Beiträge zu diesem Gebiet bekannt sind. Dr. Frederick J. Bart ist eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet der US-Papiergeldfehler und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Sammeln, Erforschen und Schreiben zu diesem Thema. An der Seite ihres Vaters stieg Bianca Bart schnell in der Branche auf und wurde CEO von Executive Currency. Sie treibt weiterhin Innovationen in der Branche voran und ehrt gleichzeitig das Erbe des Unternehmens. Als Teil der neuen Professional Series™ von Whitman bietet "United States Paper Money Errors" fortgeschrittene Erkenntnisse für engagierte Sammler, die ihr Fachwissen erweitern möchten. Die Reihe wird auch Titel wie "United States Pattern Coins", "Cherrypickers' Guide to Rare Die Varieties of United States Coins" und andere spezialisierte Kategorien der Numismatik umfassen. Jeder Band bietet eine ausführliche Geschichte, technische Details und maßgebliche Preisdaten, die von Branchenexperten zusammengestellt wurden. Herausgegeben von Whitman®, dem vertrauenswürdigsten Namen in der numismatischen Literatur der USA, ist "United States Paper Money Errors" jetzt bei Whitman.com und Amazon vorbestellbar. Mitte Juli wird es auch im Ebay Store von Whitman, bei Walmart.com, in Buchhandlungen, Hobbygeschäften und bei anderen autorisierten Einzelhändlern landesweit in den USA erhältlich sein. Whitman ist der führende US-Hersteller von numismatischen Büchern, Leitfäden und Referenzmaterialien. Bekannt für bewährte Titel wie das "A Guide Book of United States Coins" („Red Book“), das "Handbook of United States Coins" („Blue Book“) und das "A Guide Book of United States Paper Money", engagiert sich Whitman für die Wissensvermittlung und Inspiration von Sammlern aller Altersgruppen und Niveaus. Weitere Informationen finden Sie unter www.whitman.com . Fred J. Bart und Bianca B. Bart. Foto mit freundlicher Genehmigung von Bianca Bart. Über die Autoren Dr. Frederick J. Bart ist eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet der US-Papiergeldfehler und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Sammeln, Forschen und Schreiben zu diesem Thema. Er wurde von CNN, NBC, FOX, dem History Channel und in USA Today und dem Robb Report für seine Erkenntnisse über Währungsanomalien und das Sammeln von Geld vorgestellt. Bart hat sich auf nationale Banknoten der USA mit der Kontrollnummer 1 und 100-Dollars-Noten in großen Formaten spezialisiert und ist langjähriges Mitglied der Professional Numismatists Guild, der American Numismatic Association und der Professional Currency Dealers Association. Er wird weithin als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der heutigen Numismatik in den USA angesehen. Bianca B. Bart, die den Weg ihres Vaters verfolgte, aber ihren eigenen Weg ging, entwickelte schon in jungen Jahren eine Leidenschaft für die Numismatik. Fasziniert vom Ungewöhnlichen, hat sie eine tiefe Wertschätzung für Fehldrucke – und ein noch tieferes Interesse daran, herauszufinden, wie sie entstanden sind. Als Mitarbeiterin ihres Vaters und später als Praktikantin bei einer erstklassigen Bewertungsfirma stieg sie schnell in diesem Bereich auf. Innerhalb weniger Jahre erlangte sie die Vollmitgliedschaft in der angesehenen Professional Numismatists Guild und wurde deren drittjüngste Teilnehmerin. Im Jahr 2023 wurde sie CEO von Executive Currency und treibt weiterhin Innovationen in der Branche voran, während sie gleichzeitig deren Erbe ehrt. Coin World hat sie als eine der einflussreichsten Personen in der Numismatik der USA anerkannt. Über Whitman Brands™ Whitman Brands entstand 2023 aus der Fusion der numismatischen Verlagshäuser CDN und Whitman und vereint ikonische Serien und Titel wie das Red Book , Blue Book , 100 Greatest , Paper Money of the United States , and   Cherrypicker’s Guide sowie ein umfangreiches Sortiment an Mappen, Alben und Zubehör, die den Einzelhandelsmarkt seit Jahrzehnten prägen, mit der Preisgestaltung und dem datenreichen Fachwissen von Standardpublikationen wie Greysheet , Greensheet ,   Red Book Quarterly , The Banknote Book  and CDN Exchange .   Whitman Brands stellt umfassende Ressourcen für Sammler zur Verfügung und bietet eine unvergleichliche Abdeckung von Sammlerstücken, Literatur, Katalogisierung und Preisgestaltung. Whitman hat es sich zur Aufgabe gemacht, das reiche Erbe der Numismatik zu feiern und bereichert das Leben von Münz- und Papiergeldliebhabern auf der ganzen Welt. Als Nordamerikas führendes Unternehmen für Münz- und Währungsveranstaltungen hebt Whitman Expos die Marke weiter an, indem es jährlich drei erstklassige Messen in Baltimore veranstaltet und den nationalen Einfluss des Unternehmens in den USA ausbaut. Pressetext

  • Lexikon: Large Size Notes

    Als "Large Size Notes" werden großformatige Banknoten der USA (auch "horse-blanket" = Pferdedecke genannt) bezeichnet, die in dem bis 1929 für alle Noten einheitlichen Format von ca. 189 x 80 mm hergestellt worden sind. USA: 1 Dollar Silver Certificate aus der Serie 1923, Large Size Note, Vorder- und Rückseite. Die großformatigen Scheine wurden dann von den heute noch üblichen "Small Size Notes" im einheitlichen kleineren Format von ca. 156 x 66 mm abgelöst. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de

  • Leserpost: Deutsche Reichsbanknote mit Aufdruck zu 5 Toman

    Guten Tag Herr Grabowski, ich habe ihren Kontakt durch meine Internet-Recherche betr. zwei 20-Mark-Scheine der Deutschen Reichsbank mit persischem Aufdruck gefunden. Ich habe 21 Jahre im Iran verbracht (bis 1995), da meine Eltern seit 1968 dort tätig waren. Irgendwann Anfang der 1990er Jahre habe ich im Basar von Teheran diese Scheine gekauft und über die Jahre in Hamburg in einem Album fast vergessen, da ich die letzen 20 Jahre in Afghanistan tätig war. Deutsche Reichsbank: 20 Mark von 1914 mit persischen Überdrucken zu 5 Toman. Deutsche Reichsbank: 20 Mark von 1914 mit persischen Überdrucken zu 5 Toman. Ich habe einiges betr. Fälschungen usw. gelesen und bin auch so auf ihren Namen und die Kontaktdaten gekommen. Könnten Sie hierzu mit Ihrer Expertise etwas sagen? Die Scheine sind sind aus der Serie N und der Druck ist mit dem, was verfügbar ist (online etc.) wohl echt. Im Anhang auch noch die gewünschten hoch auflösenden Abbildungen in Originalgröße. C. Klawitter Antwort der Redaktion Soweit ich anhand der Abbildungen überprüfen konnte, handelt es sich bei Ihren beiden Scheinen um persische Original-Überdrucke aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Überdrucke selbst sind deckungsgleich mit den mir vorliegenden Originalen, die in der Reichsdruckerei in Berlin hergestellt wurden. Herzlichen Glückwunsch zu diesen seltenen Stücken! Ich gehe davon aus, dass Sie sich schon etwas mit der Geschichte rund um diese Scheine beschäftigt und so auch von der „Niedermayer-Expedition“ gehört haben.  Bei den historischen Hintergründen der Überdrucke handelt es sich zwar um nicht viel mehr als eine „Randnotiz“ zum Ersten Weltkrieg, allerdings um eine besonders interessante. Nachlesen kann man die auch in meinem Katalog „Die deutschen Banknoten ab 1871“. Hier findet man weitere historische Fakten sowie alle persischen Überdrucke mit entsprechenden Angaben, Abbildungen und aktuellen Bewertungen. Zum historischen Kontext Bereits seit etwa 1885 bemühte sich Persien um eine militärische Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich, da es sich aktive Unterstützung bei seinen Unabhängigkeitsbestrebungen versprach. Der Norden Persiens war russisches und der Süden britisches Interessensgebiet. Dazwischen bestand eine neutrale Zone.  Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs versuchte Deutschland die guten Beziehungen zu Persien (heute Iran) zu nutzen, um einen militärischen Vorstoß durch die neutrale Zone nach  Afghanistan zu führen, von wo aus mit Unterstützung kriegerischer Stämme die Briten in einem regionalen Konflikt um deren koloniale Interessen – allem voran um Indien – eingebunden werden sollten, um die europäische Westfront zu entlasten. Unter Führung von Oskar Ritter von Niedermayer und nach schwierigen Verhandlungen mit den türkischen Verbündeten, die lieber persische Gebiete annektieren wollten, als nach  Afghanistan zu marschieren, brach die „Niedermayer-Expedition“ schließlich im Februar 1915 in Bagdad auf und zog bis nach Teheran, das mitten im britischen Einflussgebiet lag. Am 25. Juni 1915 begann der Vorstoß nach Afghanistan. Unter großen Schwierigkeiten erreichten am 26. September 1915 etwa 60 Mann Kabul, wo das Ziel, die Afghanen zum Kriegseintritt gegen die Briten zu bewegen, jedoch nicht erreicht werden konnte. Im Mai 1916 verließen die Deutschen Kabul wieder und zogen zurück nach Teheran und von hier aus weiter nach Kermanschah , das man am 5. September 1916 erreichte. Hier besetzte der kleine deutsche Truppenverband – unterstützt von türkischen Einheiten – persische Gebietsteile, um wenigstens die Vereinigung von russischen und britischen Truppen im neutralen Gebiet Persiens zu verhindern. Die Besatzung hielt sich bis 1918. Aus Kulanz wurden derart überdruckte Scheine noch bis 1926 in Deutschland eingelöst und vernichtet. Heute existieren nur noch wenige Stücke in Archiven und Sammlungen. Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis:  39,90 EUR Zur Leseprobe Zum Buch

  • Aus privaten Sammlungen: 500-Mark-Gutschein der Stadt Siegburg mit historischem "Löwenstoff" aus Byzanz

    Im Herbst 1922 schritt die Stadt Siegburg unter dem Datum vom 15. Oktober 1922 zur Ausgabe von Notgeldscheinen zu 500 und 5000 Mark. Die Gutscheine bilden auf der Rückseite eine Kostbarkeit aus der Zeit der Stauferkaiser ab. In gleicher Zeichnung folgten mit Datum vom 10. Juli 1923 Scheine zu 5000 und 20.000 Mark. Die Rückseite zeigt ein besonders prächtiges Stoff-Fragment aus dem Kirchenschatz der Abtei St. Michael auf dem Michaelsberg (Siegburg). Ursprünglich hatte es die Maße von 80 cm x 230 cm. Der Stoff aus der Fertigung einer staatlichen byzantinischen Manufaktur ist auch als "Löwenstoff" bekannt. Anhand der Inschrift kann die Herstellung auf die Zeit der byzantinischen Kaiser Romanos I. (reg. 920 - 940) und Christophoros (reg. 921 - 931) datiert werden. Der Stoff zeigt auf purpurviolettem Grund zwei Reihen von jeweils drei Löwen, die in entgegengesetzter Richtung schreiten. Diese  Farbe, die seit der Antike den Königen und Kaisern vorbehalten war, gehört zu den kostbarsten überhaupt. Sie wurde aus der im Mittelmeer vorkommenden Purpurschnecke gewonnen. An den Pfoten und den Rücken der Löwen sind Granatapfel-Zweige zu sehen, die in goldgelber Rohseide gehalten sind. Wie kam nun dieser wertvolle Löwenstoff an die Sieg? Möglicherweise gehörte er zum Brautschatz der byzantinischen Prinzessin Theophanu (960 - 991). Sie heiratete im Jahr 972 den späteren Kaiser Otto II. Da Theophanu ihren Witwensitz in Köln nahm und dort auf eigenen Wunsch in der Kirche St. Pantaleon bestattet wurde, könnte er auf diesem Weg in den Kölner Kirchenschatz und danach nach Siegburg gelangt sein. Nach der Säkularisation und der Auflösung der Abtei 1803 wurde der Abteischatz herrenlos und nach turbulenten Zwischenfällen 1812 der Stadtpfarrei St. Servatius zum Eigentum übertragen. Als Siegburg Ende 1918 von französischen Truppen besetzt wurde, versteckte man den Stoff und die wertvollen Reliquien im Keller der Anno-Kirche, da man ihre Beschlagnahmung durch die Besatzer befürchtete. Nach Abzug der Truppen 1924 holte man den eingemauerten Kirchenschatz wieder hervor. Jedoch hatte der Stoff durch die Feuchtigkeit im Keller sehr gelitten. Daher wurde er zur Restaurierung in das Kunstgewerbemuseum nach Berlin gebracht, wo er auch während des Zweiten Weltkriegs blieb. Nach dem Krieg war das wertvolle Stück zunächst nicht auffindbar und galt als Kriegsverlust. Erst in den 1980er Jahren entdeckten Wissenschaftler den Löwenstoff wieder. Nach einer erneuten Restaurierung kehrte er schließlich 1999 nach Siegburg zurück. Objekttyp: Notgeldschein Sammlung: Sammlung Uwe Bronnert Authentizität: Original Land/Region/Ort: Deutschland / Preußen / Rheinprovinz Emittent: Stadt Siegburg Nominal: 500 Mark Datierung: 15. Oktober 1922 Vorderseite: Text, Druck braun. Rückseite: Abbildung eines byzantinischen Stoffes mit Löwendarstellungen in Braun. Unterschrift: Bürgermeister (Robert) Becker, 1918 - 1933. Material: Papier mit Wasserzeichen Furchen (135), kaum erkennbar. Papier: Papierfabrik J. W. Zanders in Bergisch Gladbach. Druck: B. Kühlen, M. Gladbach. Format: 130 mm x 90 mm Nummerierung: 04841 (hier: 4 mm). Zitat: 4305.1b (Manfred Müller, Deutsches Notgeld, Band 4, Die Notgeldscheine der deutschen Inflation von August 1922 bis Juni 1923, 3. Auflage, Regenstauf 2010, S. 566) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .

  • Notgeld der Bürgermeisterei Schlebusch: Eine neu entdeckte Variante

    Im Jahr 1135 wurde Schlebusch im Rheinland erstmalig urkundlich erwähnt. Die preußische Bürgermeisterei Schlebusch wurde 1815 gegründet und gehörte seit 1819 zum Kreis Solingen im Regierungsbezirk Düsseldorf. 1905 hatte Schlebusch 4.374 Einwohner. 1926 wurde die Bürgermeisterei in das Amt Schlebusch umgewandelt. Durch Zusammenschluss des Kreises Solingen mit dem  Kreis Lennep  in 1929 zum  Kreis Solingen-Lennep  löste sich das Amt Schlebusch auf. Die Gemeinden Schlebusch, Steinbüchel und Rheindorf schlossen sich zum 1. April 1930 zusammen der Gemeinde  Wiesdorf  an, die zeitgleich die Stadtrechte erhielt und in Leverkusen umbenannt wurde. [1] [2] Seitens die Bürgermeisterei Schlebusch wurde 1919, 1920 und 1923 Notgeld ausgegeben. Die Verkehrsausgaben vom 5. Oktober 1919 über 1 Mark, sowie die Ausgaben vom 1. November 1920 über 2 und 4 Mark, sind in den Katalogen von Tieste und Grabowski beschrieben. [3] [4] Inflationsbedingt erfolgten am 1. August, am 15. August und am 27. September 1923 weitere Notgeldausgaben. [5] [6] Im Rahmen dieses Artikels sollen die auf den 1. August 1923 datierten Notgeldscheine betrachtet werden. Es wurden drei Werte über 100.000, 500.000 und 1 Million Mark ausgegeben. Sie waren nur vom 1. August bis zum 1. Oktober 1923 gültig. Gemeinsam ist ihnen ein einheitliches Format von ca. 161 x 105 mm und eine leere unbedruckte Rückseite. Der Druck erfolgte auf dickerem Papier ohne Wasserzeichen. Eine Druckerei ist nicht angegeben und konnte im Rahmen der Recherche auch leider nicht ermittelt werden. Oben links befindet sich das aufgestempelte Siegel der Bürgermeisterei. Auf den Scheinen befinden sich drei Unterschriften. Für die Sparkasse und für die Gemeindekasse erfolgten die Unterschriften handschriftlich. Die Unterschrift des Bürgermeisters Dr. Malzkorn erfolgte mittels eines Faksimilestempels in Rot oder Violett. Dr. Joseph Malzkorn war von 1920 bis 1927 Bürgermeister in Schlebusch. Die relativ kurze Umlaufzeit von zwei Monaten ist ein Grund für die Seltenheit dieser Notgeldscheine. Die Werte zu 100.000 und 500.000 Mark werden nur sehr selten im Handel, in Auktionen oder auf Onlineportalen gesehen. Der Notgeldschein vom 1. August 1923 über 1 Million Mark wurde seit Jahren nicht mehr angeboten. Dem Autor lagen mehrere Scheine über 100.000 Mark vor. Nebeneinander liegend erfasste das Auge zufällig eine kleine Abweichung um Druckbild. Beim Abgleich der einzelnen Scheine wurden dann auch weitere Abweichungen festgestellt, die nachfolgend hier vorgestellt werden sollen. Zur besseren Unterscheidung werden die entsprechenden Notgeldscheine mit „Variante 1“ und „Variante 2“ bezeichnet. Variante 1 Variante 2 Die Unterschiede zwischen den vorliegenden Varianten stellen sich wie folgt dar: Variante 1: Länge der Wertziffer bis einschließlich des Punktes beträgt 36 mm. Variante 2: Länge der Wertziffer bis einschließlich des Punktes beträgt 38 mm. Der linke und rechte Balken neben der Wertziffer wurde etwas zum Rand hin verschoben. Variante 1: linker Balken endet unter den „r“ von „der“, der rechte Balken beginnt unter dem „c“ von „Schlebusch“. Variante 2: linker Balken endet unter den „e“ von „der“, der rechte Balken beginnt unter dem „h“ von „Schlebusch“. Der Rand besteht aus sogenannten Kreuzstich-Ornamenten.  Der wesentliche Punkt ist unten im rechten Eck-Ornament zu finden und zugleich das auffälligste Merkmal. Variante 1: das Eck-Ornament ist nach oben und nach links offen. Zur rechten Seite und unten befinden sich im Kreuz jeweils zwei Punkte. Variante 2: das Eck-Ornament wurde gedreht und ist nun nach oben und nach rechts offen. Zur linken Seite und unten befinden sich im Kreuz jeweils zwei Punkte. Alle übrigen Eck-Ornamente wurden nicht verändert. Insgesamt lässt sich feststellen, dass Scheine der Variante 1 mit einer ein-, zwei- und dreistelligen KN versehen sind und Scheine mit einer vierstelligen KN der Variante 2 zugehören. Daraus ergibt sich, dass während des Druckvorgangs des Druckklischee verändert wurde. Die vorgenannten Varianten sind in dieser Form bislang nicht katalogisiert. Beim 500.000-Mark-Schein wurden keine Varianten im Rahmen oder Druckbild festgestellt. Der 1-Million-Mark-Schein verfügt über den gleichen Rahmen aus Kreuzstich-Ornamenten, wie der zu 100.000 Mark. Ein Exemplar mit einer zweistelligen Kontrollnummer konnte gesichtet werden und entspricht hinsichtlich des unteren rechten Eck-Ornaments der Variante 1. Wegen der großen Seltenheit dieses Scheins ergab sich leider kein weiterer Abgleich mit anderen Exemplaren. Bereits am 15. August 1923 wurde weiteres Notgeld über 100.000 Mark und 1 Million Mark in großer Stückzahl ausgegeben. Allerdings in einem kleineren Format und die Rückseiten sind bedruckt. Im Gegensatz zu den Ausgaben vom 1. August 1923, kommen diese im Handel und Onlineportalen sehr häufig vor und sind preiswert zu erwerben. Thomas van Eck Anmerkungen: [1]   https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgermeisterei_Schlebusch [2]   https://de.wikipedia.org/wiki/Schlebusch [3]  Tieste, Katalog Kleingeldersatz aus Papier "Verkehrsausgaben" 1915–1922, Band 2: Nr. 6535.05.01, 6535.05.05, 6535.05.06 [4]  Grabowski, Deutsches Notgeld, Band 6, Deutsche Kleingeldscheine, Amtliche Verkehrsausgaben 1916–1922: S30.1, S30.2 [5]  Katalog Keller: Das Notgeld der Inflation, Nr. 4966a-f [6]  Katalog van Eck: Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914 bis 1948, Nr. 1215.1 – 18f

  • Geldscheinporträts: Túpac Amaru II. – Der letzte Inka

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. ​Geburtsname: José Gabriel Condorcanqui Noguera Zur Person: Widerstandskämpfer ​Nationalität: Peruanisch ​Lebensdaten: 19. März 1738 – 18. Mai 1781 ​Geburtsort: Tinta (Peru) ​Sterbeort: Cusco (Peru) Zeitgenössisches Aquarell von  José Gabriel Condorcanqui (Túpac Amaru II.), circa 1784–1806.   Museo Nacional de Bellas Artes, Buenos Aires.   Im Jahr 1780 erhob sich in den Höhen des peruanischen Hochlands ein Mann gegen das spanische Kolonialregime, dessen Name bis heute in der Geschichte lebt: Túpac Amaru II. Der von ihm angeführte Aufstand war die erste ernsthafte Auflehnung von Indigenen gegen die spanischen Kolonialherren nach zwei Jahrhunderten. Die Kolonialgeschichte Perus begann bereits 1531, als Francisco Pizarro das Land erreichte, den Inkakönig Atahualpa hinrichten ließ und die Hauptstadt Cusco einnahm. Kurz darauf wurde die Inquisition eingeführt, Lima zur Prachtstadt ausgebaut und eine umfassende spanische Kolonialherrschaft errichtet. Die Spanier waren vor allem am Gold- und Silberbergbau interessiert. Durch Infektionskrankheiten, Frondienste und Gewalt durch die Konquistadoren sank die Zahl der indigenen Bevölkerung von geschätzten 10 bis 15 Millionen auf etwa nur noch 800.000. Der letzte Inkakönig Túpac Amaru wurde 1572 gefangen genommen und öffentlich hingerichtet. Mehr als 200 Jahre später trat José Gabriel Condorcanqui in dessen Fußstapfen. Als (angeblich) direkter Nachfahre des letzten Inka-Herrschers Túpac Amaru gab er sich den Namen Túpac Amaru II. Dieser Name war ein symbolischer Akt des Widerstands und der Wiederbelebung der Inka-Tradition. Túpac Amaru II. wurde 1738 in Tinta, südlich von Cusco, geboren. Sein Vater war Kazike, eine Art Ortsvorsteher nach präkolonialem Vorbild. Túpac Amaru II. wurde früh Waise und erhielt eine Jesuitenausbildung. Mit 22 Jahren heiratete er Micaela Bastidas, die später an seiner Seite die Rebellion mit anführte. Im Erwachsenenalter trat er die Nachfolge seines Vaters an und wurde so Großgrundbesitzer und Feudalherr. Als Kazike hatte er eine Vermittlerrolle zwischen den spanischen Kolonialherren und der indigenen Bevölkerung. Die Spannungen zwischen den indigenen Völkern und der Kolonialmacht waren jedoch ständig spürbar: Die corregidores , die königlichen spanischen Beamten, konnten Preise und Tributzahlungen frei festlegen und die Indigenen zwingen, ihnen Waren abzukaufen. Zudem drohten die Mestizen (europäisch-indigene Mischlinge) durch die Bourbonischen Reformen von 1777 ihren privilegierten Status zu verlieren. Sie waren bis dahin von Zwangsarbeit und Tributzahlungen befreit. Der corregidor der Region Tinta, Antonio Arriaga, herrschte mit besonderer Grausamkeit und Skrupellosigkeit. Arriaga wurde damit auch zum ersten Opfer der Rebellion. Túpac Amaru II. ließ ihn gefangen nehmen und öffentlich hinrichten. Bald hatte er eine Armee von über 6000 Eingeborenen um sich versammelt, die er gemeinsam mit seiner Frau Micaela Bastidas in Richtung Cusco führte. Die Rebellen forderten ein Ende der spanischen Gewaltherrschaft und strebten eine Wiedergeburt des Inka-Reichs an. Gänzlich uneigennützig handelte Túpac Amaru II. dabei jedoch nicht. Er war selbst Mestize und stand kurz davor, seinen Status als Kazike zu verlieren. Außerdem hatte er hohe Schulden beim verhassten Antonio Arriaga. Banco Central de Reserva del Perú, 100 Soles de Oro, 1976–1986: Vorderseite: links Wappen, rechts Porträt von Túpac Amaru II. (1738–1781), Rückseite: Bild von Machu Picchu. Auf dem Weg nach Cusco war die Rebellion zunächst siegreich und es gelang sogar, weitere Unterstützer zu gewinnen. Erst durch Verrat zweier Generäle gelang es den Spaniern, die Rebellion einzukesseln und Túpac Amaru II. festzunehmen. Um die Moral der Aufständischen zu brechen, planten die Spanier eine öffentliche Hinrichtung. Zuerst wurden seine Frau, seine Kinder und seine Verwandten vor seinen Augen getötet. Danach wurde Túpac Amaru II. gevierteilt. Er starb auf demselben Platz in Cusco, auf dem zweihundert Jahre zuvor sein Ahnherr und Namensgeber Túpac Amaru getötet wurde. Elias Heindl Literatur/Quellen: Philip Ainsworth Means (1919): The Rebellion of Tupac-Amaru II, 1780–1781. The Hispanic American Historical Review, Vol. 2, No. 1, S. 1-25 https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Gabriel_Condorcanqui  (zul. aufgerufen am 07.04.2025) https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Perus#Unabh%C3%A4ngigkeitszeit  (zul. aufgerufen am 07.04.2025) https://www.ebsco.com/research-starters/history/rebellion-tupac-amaru-ii  (zul. aufgerufen am 07.04.2025) Abbildungen: Aquarell: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Acuarela_de_T%C3%BApac_Amaru_II_crop.jpg Banknote: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte

  • Kölnische Gummifäden-Fabrik: Unedierter Fehldruck eines Notgeldscheins zu 1 Million Mark

    Kölnische Gummifäden-Fabrik vormals Ferd. Kohlstadt & Co.: Bislang nicht dokumentierter Fehldruck des 1- Million-Mark-Notgeldscheins Kurzer historischer Überblick Die Gummiwarenfabrik  Ferd. Kohlstadt & Comp. [1]  wurde 1843 von Ferdinand Kohlstadt und Marcus Breuer in Köln gründetet. Erster Firmensitz der neu gegründeten Gummiwarenfabrik befand sich auf dem  Eigelstein Nr. 37 (neben dem damaligen Standort der  Privatbrauerei Gaffel ) in Köln. Dort wurden Fäden aus Kautschukplatten geschnitten, die zu gewebten Gummibändern und  Hosenträgern  verarbeitet wurden. Der Firmensitz wurde 1864 auf die rechte Rheinseite an die Deutz-Mülheimer Straße 127-129 in Deutz verlagert. 1872 wurde das Unternehmen in eine  Aktiengesellschaft  umgewandelt und in  Kölnische Gummifäden-Fabrik vorm. Kohlstadt & Comp.  umbenannt. Produziert wurden alle Arten von Gummiwaren. In den 1920er Jahren betrug die Anzahl der Beschäftigten um die 700 Personen. Historische Firmenansicht auf der Rückseite der Notgeldausgaben. 1962 hatte das Unternehmen 1.300 Beschäftigte. 1972 ging die  Kölnische Gummifäden-Fabrik  in Köln-Deutz in Konkurs. Der südliche Flügelbau des Fabrikgebäudes wurde am 4. März 2004 unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1995 etablierte sich in den Gebäuden das selbstverwaltete Künstler- und Gewerbeprojekt „Kunstwerk“. Heute besteht an dieser Stelle eine Mischnutzung aus Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Kultur unter dem Namen "Cologneo I". [2] Notgeld Die Firma gab im Jahr 1923 folgende Notgeldscheine aus: [3] [4] am 11. August 1923: 1 Million Mark (Wz. Delta-Muster und Rheinische Wellen) mit Gültigkeit bis zum 15. September 1923, am 22. August 1923: 5 Millionen Mark (Wz. Delta-Muster und Rheinische Wellen) mit Gültigkeit bis zum 15. September 1923, am 25. Oktober 1923: 10 Milliarden Mark (Wz. Furchen) mit Gültigkeit bis zum 11. November 1923. Kölnische Gummifäden-Fabrik: 1 Million Mark vom 11. August 1923. Kölnische Gummifäden-Fabrik: 5 Million Mark vom 22. August 1923. Kölnische Gummifäden-Fabrik: 10 Milliarden Mark vom 25. Oktober 1923. Gedruckt wurden alle Notgeldscheine von der Druckerei Karl Glitscher in Köln-Mülheim. Hier muss es zu einem kleinen Malheur gekommen sein. Vermutlich wurden einige Druckbögen des Notgeldscheins zu 1 Million Mark verkehrtherum eingelegt, so dass der Unterdruck von Vorderseite und der Druck der Rückseite kopfstehend ist. Der Fehldruck ist in keinem der bekannten Kataloge verzeichnet. Kölnische Gummifäden-Fabrik: Fehldruck zu 1 Million Mark vom 11. August 1923. Vermutlich ist so nur eine sehr kleine Anzahl an Fehldrucken entstanden. Nicht bekannt ist, wie hoch der Nutzen [5]  auf dem Druckbogen war. Er lag wahrscheinlich bei sechs bis acht Notgeldscheinen pro Druckbogen. Ich schätze daher, dass die Anzahl der Fehldrucke etwa 60 bis 160 Exemplare betragen haben könnte, aber das ist eine reine Spekulation. Der hier vorlegende Fehldruck trägt die Kontrollnummer (KN) 3152. Das Wasserzeichen ist „Delta-Muster“ und er ist gebraucht, d. h. er befand sich seinerzeit im Umlauf. Der Schein wurde nicht während des Druckprozesses als Makulatur aussortiert, sondern wurde als Lohn mit ausgezahlt. Auch dies spricht für eine sehr geringe Stückzahl an Fehldrucken. Im Rahmen der Recherche wurde ein Schein mit der KN 3828 in korrekter Druckausführung festgestellt. Alle Scheine sind heute noch relativ preiswert im Handel und auf Verkaufsplattformen zu erwerben, wobei der Fehldruck eine kleine Rarität darstellt. Aber schauen sie einmal in ihre Sammlung. Vielleicht enthält diese ebenfalls den beschriebenen Fehldruck. Thomas van Eck Anmerkungen: [1]   https://de.wikipedia.org/wiki/Kölnische_Gummifäden-Fabrik [2]   https://www.rheinische-industriekultur.com/seiten/objekte/orte/koeln/objekte/gummifaedenfabrik.html [3]  Keller-Katalog „Das Notgeld der deutschen Inflation – Teil 1“, Nr. 2719a-e [4]  Katalog van Eck „Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1948 – Band I“, Nr. 844.1-6 [5]   https://de.wikipedia.org/wiki/Nutzen_(Drucktechnik)

  • Der Euro bekommt ein neues Mitglied: Bulgarien

    Am 4. Juni 2025 gaben die Beamten der Europäischen Union grünes Licht für den Beitritt Bulgariens als 21. Mitglied der Euro-Währungsunion, einem wichtigen EU-Projekt zur Vertiefung der Beziehungen zwischen den Mitgliedsländern. Das Balkanland mit 6,4 Millionen Einwohnern wird am 1. Januar 2026 von seiner nationalen Währung, dem Lev, auf den Euro umstellen. Die Europäische Kommission kam zu dem Schluss, dass Bulgarien die Anforderungen erfüllt, und stützte sich dabei auf eine Stellungnahme der Europäischen Zentralbank. Die Angelegenheit wird nun auf einer für den 8. Juli anberaumten Sitzung der EU-Finanzminister zur Abstimmung gestellt. Nach Ansicht von EU-Beamten ist die Abstimmung eine beschlossene Sache. Bulgarien ist insofern ungewöhnlich, als es seine Währung, den Lev, gleich zu Beginn der Währungsunion im Jahr 1999 an den Euro gekoppelt hat, also noch vor dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2007. Bulgarien hat auch eine sehr niedrige Verschuldung, nur 24,1 % der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das liegt weit unter der 60 %-Marke, die in den wirtschaftlichen Kriterien für die Mitgliedschaft in der Eurozone festgelegt ist. Der letzte Schritt bestand darin, die Inflation unter den Richtwert von 2,8 % zu bringen, d. h. nicht mehr als 1,5 % höher als der Durchschnitt der drei niedrigsten Eurozonenmitglieder. Es gab Bedenken hinsichtlich des Ausmaßes von Korruption und Geldwäsche im ärmsten Land der EU. Die Kommission und die EZB stellten jedoch fest, dass Bulgarien in diesen Bereichen Fortschritte gemacht hat. Die jüngste von der EU durchgeführte Eurobarometer-Umfrage ergab, dass 50 % der Bulgaren dagegen und 43 % dafür waren. Zu den Gründen gehören Inflationsängste, Misstrauen gegenüber offiziellen Institutionen in einem Land, das in vier Jahren sieben Regierungen hatte, und weit verbreitete Fehlinformationen in den sozialen Medien. Das Thema wurde von pro-russischen nationalistischen Politikern aufgegriffen, die für die Beibehaltung der nationalen Währung plädieren. Präsident Rumen Radev schürte die Anti-Euro-Kräfte mit einem Vorschlag für ein Referendum, das vom Parlament abgelehnt wurde. Zu den Fehlinformationen gehörten falsche Behauptungen, der Euro würde es den EU-Beamten ermöglichen, Bankkonten zu beschlagnahmen oder einen digitalen Euro zur Kontrolle der Bürger einzusetzen. Ab dem 1. Januar 2026 werden an Geldautomaten nur noch Euro ausgegeben, obwohl beide Währungen einen Monat lang als Bargeld im Umlauf sein werden. Danach können Lev-Banknoten 12 Monate lang bei Banken und unbegrenzt bei der bulgarischen Nationalbank umgetauscht werden. Donald Ludwig

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