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- Das deutsche Inflations-Trauma
Als 2021 die Preise im EU-Raum zu steigen begannen, wurden in Deutschland sofort Erinnerungen an die Hyperinflation des Jahres 1923 und die Währungsreform von 1948 wach. Obwohl auch Österreich, Ungarn, Russland und Polen nach dem Ersten Weltkrieg die bitteren Erfahrungen einer Hyperinflation machten, hinterließ sie nirgendwo sonst in der Erinnerung der Gesellschaft so tiefe Spuren wie in Deutschland. Die Angst, das Ersparte zu verlieren, ist tief verwurzelt, sodass Psychologen und Soziologen von einem deutschen Inflations-Trauma sprechen. Propaganda-Postkarte vom Oktober 1917: „Helft uns siegen! zeichnet Kriegsanleihe“. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Vom untergegangenen Kaiserreich erbte die „Weimarer Republik“ nicht nur die Kriegsschulden, sondern man musste sich auch den harten Bedingungen des Versailler Diktats unterwerfen, d. h. Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld als Grundlage für die von den Alliierten geforderten Gebietsabtretungen, Reparationszahlungen sowie Beschränkungen beim Heer und bei der Flotte. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs belief sich das Volumen aller Zahlungsmittel – Reichsbanknoten, Reichskassenscheine, Privat- und Länderbanknoten, Gold- und Scheidemünzen – des Deutschen Reichs auf rund 6 Milliarden Mark. Durch Gesetz vom 4. August 1914 wurde zwar die Einlösungspflicht des Papiergelds in Gold aufgehoben, nicht aber die im Bankgesetz vorgesehene Dritteldeckung der umlaufenden Noten durch Gold, kursfähiges deutsches Geld oder Reichskreditkassenscheine. Gedacht als Begrenzung der Notenausgabe und Sicherung der Geldwertstabilität wurde diese Bestimmung aufgeweicht. Das ebenfalls am 4. August erlassene Gesetz über die Darlehenskassen ermächtigte diese, Darlehen gegen Verpfändung von Waren und Wertpapieren zu gewähren. Das bewilligte Darlehen konnte in besonderem Geld – den Darlehenskassenscheinen –ausgezahlt werden. Sie dienten nun ebenfalls der Dritteldeckung der umlaufenden Reichsbanknoten. Ende 1915 war der Zahlungsmittelumlauf auf 10,5 Milliarden Mark gestiegen, Ende 1916 waren es 12,3, Ende 1917 18,5 und bei Waffenstillstandsabschluss am 11. November 1918 28,4 Milliarden Mark: davon 17 Milliarden Mark Reichsbanknoten und 9,6 Milliarden Mark Darlehenskassenscheine. Der Zahlungsmittelumlauf war von rund 110 auf ca. 430 Mark pro Kopf der Bevölkerung gestiegen. Obwohl die Reichsbank in der Schweiz, den Niederlanden und Schweden während des Krieges fast 450 Millionen Mark zur Stützung des Markkurses aufgewendet hatte, sank der Wert der Mark gegenüber dem Franc auf knapp 56 %. Im Inland hatte die Mark bis Ende 1918 sogar drei Viertel ihres Vorkriegswertes eingebüßt. Die Staatsausgaben wurden während des Kriegs mithilfe der Notenpresse und durch Kriegsanleihen finanziert. Für die Verantwortlichen war klar, dass die Kriegsanleihen – knapp 100 Milliarden Mark hatten die Bürger gezeichnet – aus der erwarteten Kriegsbeute zurückgezahlt werden würde. Der erwartete Sieg blieb aber aus und die Regierung stand vor einer gigantischen Staatsverschuldung; sie übertraf 1919 sogar das deutsche Volkseinkommen. Auch nach Kriegsende wurde weiter munter frisches Geld gedruckt. Zunächst nutzten Regierung und Unternehmer die Geldschwemme wie ein Doping, „das die Nation bei erträglichen Nebenwirkungen vor schlimmerem Übel bewahrt. Im Laufe der ersten fünf Nachkriegsjahre geriet das Aufputschmittel aber völlig außer Kontrolle.“[1] John Maynard Keynes, der führende britische Ökonom dieser Zeit, stellte fest, dass sich die Regierung durch die fortgesetzte Inflation insgeheim und unbeachtet einen wesentlichen Teil des Vermögens seiner Untertanen aneignen würde. Von März 1920 bis zum Sommer 1921 blieb der Kurs der Mark relativ konstant. Am 11. Mai 1921 nahm das neu gebildete Kabinett unter Joseph Wirth die Bedingungen des Londoner Ultimatums an. Nach dem von den Entente-Mächten verabschiedeten Zahlungsplan hatte das Reich Reparationen in Höhe von 132 Milliarden Goldmark zu zahlen. Zudem wurde die deutsche Regierung aufgefordert, der im Versailler Vertrag festgeschriebenen Demilitarisierung und der „Auslieferung deutscher Kriegsverbrecher“ nachzukommen. Um eine drohende Ruhrbesetzung abzuwenden, verfolgte die Reichsregierung eine Politik, welche zwar auf die Erfüllung der alliierten Forderungen abzielte, tatsächlich jedoch versuchte, den Nachweis zu erbringen, dass die jährliche Rate von drei Milliarden Goldmark vom Deutschen Reich nicht aufzubringen sei. In der zweiten Jahreshälfte geriet der Kurs der Mark in ein kritisches Stadium, „daß zeitweise geradezu von einem Zusammenbruch der deutschen Währung gesprochen werden konnte.“[2] Am 8. November 1921 verdreifachte sich der Dollarkurs auf 310 Mark. Die Gründe für die unaufhaltsame Abwärtsentwicklung der Markvaluta sah die Reichsbank im Passivsaldo der deutschen Zahlungsbilanz. Weite Kreise des Auslands waren überzeugt, dass die Reparationsforderungen der Entente aus den Überschüssen der deutschen Volkswirtschaft nicht bestritten werden könnte und daher die Hilfe der Notenpresse herangezogen würde.[3] Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 10.000 Mark vom 19. Januar 1922, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Berlin 1922: In Wäschekörben holen Betriebe große Geldbeträge für Lohnzahlungen von den Banken. Auch im Jahr 1922 setzte sich die Abwärtsbewegung der Mark fort. Wurde der US-Dollar am 1. Januar noch mit 186,75 Mark gerechnet, so stand er am 1. Dezember bei 7650 Mark. Ende 1922 war die Mark im Vergleich zum Anfang des Jahres nur noch ein Zwanzigstel wert, gegenüber dem Vorkriegskurs sogar nur Eintausendfünfhundertstel. „Angesichts der plötzlich auftretenden Schwierigkeiten in der ausreichenden Versorgung des Verkehrs mit papierenen Zahlungsmitteln ließ es sich nicht vermeiden, vorübergehend auf die Ausgabe von ‚Notgeld‘ zurückzugreifen.“[4] Französische Truppen bei ihrem Einmarsch in Essen im Januar 1923. Am 11. Januar 1923 begannen französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet einzumarschieren. Kohle und Stahl sollten als Pfand für ausstehende Reparationsleistungen dienen. Die Reichsregierung antwortet darauf, indem sie die Bevölkerung zum passiven Widerstand aufrief. Nun wurden Unterstützungsgelder an die Arbeitslosen und Betriebe fällig. Durch Stützungskäufe versuchte die Reichsbank den Kurs der Mark stabil zu halten, was auch zunächst zu gelingen schien. Allerdings war ihr Goldbestand zu gering, um dies längere Zeit durchzuhalten. Wieder mussten größere Geldmengen gedruckt werden. Als 1923 die Preise jeden Monat um über 50 Prozent stiegen, war die „Hyperinflation“ da. „Wie eine Lawine, die zu Tal rollt, immer riesigere Schneemassen mit sich reißt, so überschlug sich die Entwicklung des Banknotenumlaufs im Jahr 1923.“[5] Ende Dezember 1922 betrug der Banknotenumlauf 1,3 Billionen Mark und hielt sich bis 23. Juni 1923 etwa auf dieser Höhe. Ende Juni betrug er bereits 17,3 Billionen Mark und Ende September 28,2 Billiarden Mark. Mitte November war der Gesamtumlauf auf 92,8 Trillionen Mark und am Jahresende war auf 496,5 Trillionen Mark angewachsen. Ende Juli hattes es bereits wieder an Zahlungsmitteln gefehlt, sodass Kommunen und Unternehmen Notgeld emittierten, und dies, obwohl die Reichsbank riesige Summen an Papiergeld in den Umlauf gab. Trotz enormer Anstrengungen geriet sie immer wieder ins Hintertreffen. Sie war in der gleichen Lage wie der Hase in der Fabel der Gebrüder Grimm. Die Geldentwertung war schneller als die Banknotenproduktion. Und das, obwohl „außer der Reichsdruckerei, bei der zeitweise mehr als 7500 Personen allein im Geldbetrieb beschäftigt waren … arbeiteten 84 Druckereien unmittelbar, 48 weitere Druckereien mittelbar (d. h. als Hilfsdruckereien für den Reichsdruckereibetrieb) für den Notendruck. Über 30 Papierfabriken waren in Vollbetrieb für die Papierbeschaffung tätig, Gedruckt wurden rund 10 Milliarden Geldzeichen im Nennbetrag von 3866 Trillionen Mark, 29 galvanoplastische Anstalten lieferten dazu 400.000 Druckplatten. Die Hauptschwierigkeit bei der Notenbeschaffung bestand in der schnellen Umstellung der Druckpressen und der Papierfabriken, die durch die sich überstürzende Entwertung der umlaufenden Noten und ihre immer wiederholte Ergänzung durch Abschnitte höherer Nennwertziffern notwendig wurde. Während die Industriereviere für Löhnungszwecke noch kleine Abschnitte benötigten, wurden in Handelsgegenden bereits große Stücke gefordert; so mußten zeitweise kleinste und größte Abschnitte nebeneinander gedruckt werden. Die Herstellung wurde auf immer leichtere Druckmuster eingestellt, um möglichst schnell große Massen emittieren zu können. Wo die Sicherung der Note gegen Fälschung nicht in den Druck gelegt werden konnte, wurden nur Feinpapiere mit lokalisiertem Wasserzeichen und Stoffauflage verwandt.“[6] In neun Monaten erschienen 47 neue Haupttypen von Reichsbanknoten, die Wasserzeichenunterschiede nicht mitgerechnet, die ihre Zahl auf etwa das Vierfache erhöhte. Also fast alle sechs Tage bekam man eine neue, vorher nie gesehene Reichsbanknote zu Gesicht (hinzu kamen beispielsweise im Westerwald die Notgeldausgaben der Reichsbahn, der Reichsbahndirektionen Frankfurt, Elberfeld und Köln, des Freistaates Preußen, der Landesbanken der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen, sowie diverse Notgeldscheine von Kreisen, Gemeinden, Unternehmen usw. der näheren und weiteren Umgebung), so dass man sich über einen neuen Geldschein überhaupt nicht mehr wunderte und ihn ohne weiteres annahm. Die Zeitungen warnten fast täglich vor falschem Geld. Da wurde ausgegebenes Geld durch einen falschen Überdruck aufgewertet oder auch Fantasiescheine vollkommen neu „erfunden“. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 5 Billionen Mark vom 7. November 1923. Anfang Oktober 1923 war die Geldentwertung bei einem neuen Höchststand angekommen und von Kommunen und Unternehmen wurden, wie im August, vermehrt Notgeldscheine ausgegeben. Die Forderung nach wertbeständigem Geld wurd immer lauter. Um die Hyperinflation zu stoppen, bereitete Reichskanzler Stresemann eine Währungsreform per Ermächtigungsgesetz vor, um das langwierige Gesetzgebungsverfahren abzukürzen. Noch stritt man über das Vorgehen. Der Ökonom Karl Helfferich wollte den Geldumlauf durch etwas Anderes als Gold decken, während Finanzminister Rudolf Hilferding einen drastischen Währungsschnitt zur Beseitigung der Überliquidität wünschte. Er war der Überzeugung, dass es weniger auf die Deckung einer Währung ankommt als auf eine strikte Beschränkung der Geldmenge. Der ihm im Amt folgende Finanzminister, Hans Luther, griff die Idee von Helfferich auf und wollte das neue Geld durch Hypotheken auf den Grundbesitz „absichern“. Der Bevölkerung sollte dadurch suggeriert werden, dass die neue Währung, die Rentenmark, vor einer weiteren Inflation gesichert sei. Die ersten Rentenbankscheine gelangten am 14. November 1923 zur Ausgabe.[7] Das Wunder der Währungsstabilisierung geang. Ab dem 20. November 1923 kostete der US-Dollar 4,2 Billionen Mark. Damit endete die Zeit der Hyperinflation, auch wenn die Inflationsnoten bei einem Kurs von einer Billion Mark gleich einer Rentenmark noch bis zum 5. Juni 1925 gesetzliche Zahlungsmittel blieben. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Millionenfaches Trauma, in: Der Spiegel Geschichte, Die Weimarer Republik, Nr. 5/2014, S. 38. [2] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1921. Generalversammlung am 30. März 1922, S. 7. [3] Ebenda. [4] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1923. Generalversammlung am 30. Mai 1923, S. 7. [5] Richard Gaettens, Geschichte der Inflationen, vom Altertum bis zur Gegenwart, München 1982, S. 261. [6] Vgl. Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1923. Generalversammlung am 5. Juli 1924, S. 14 f. [7] Die Deutsche Rentenbank wurde am 15. Oktober 1923 gegründet. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop
- Sammelgebiete: Deutsche Kolonien – Deutsch-Ostafrika
Es werden Friedens- und Interims-Noten der Deutsch-Ostafrikanischen Bank aus der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs vorgestellt. Eine Besonderheit: Auf mehreren Friedensausgaben finden wir die einzigen Porträts von Kaiser Wilhelm II. auf deutschen Banknoten! Eine andere Besonderheit: Die zahlreichen Varianten und Besonderheiten der Interims-Ausgaben faszinieren die Sammler. Zum historischen Kontext: Deutsch-Ostafrika (DOA) wurde ab 1884 von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft erworben und war die größte und reichste deutsche Kolonie. Sie umfasste die heutigen Staaten Tansania, Ruanda und Burundi sowie einen Teil des heutigen Mosambik. In der Region kursierte die indische Rupie, weshalb man diese Währung auch für die deutschen Kolonialausgaben beibehielt. Am 1. April 1903 übernahm die deutsche Reichsregierung das Münzrecht, welches vorher die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft ausgeübt hatte. Bereits 1890 ging die Verwaltung der Kolonie auf das Deutsche Reich über. Man erlaubte aber der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft eine eigene Notenbank – Die Deutsch- Ostafrikanische Bank (DOAB)– zu gründen, die am 23. Juni 1905 ihre Arbeit aufnahm und ihren Sitz in Daressalam hatte. Der festgesetzte Umtauschwert der DOA-Rupie lag bei 1 RM = 0,75 Rupien. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Friedensausgaben der DOAB von 1905 zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Kolonie von der Versorgung durch das Reich und damit auch von Papier- und Münzlieferungen abgeschnitten, man behalf sich deshalb mit primitiven Kriegsausgaben. Der Druck dieser Interims-Banknoten wurde durch die Deutsch-Ostafrikanische Zeitung GmbH in Daressalam und an anderen Orten ausgeführt. Nach der Kapitulation der deutschen Schutztruppe am 14. November 1918 ließ General von Lettow-Vorbeck den einheimischen Askaris (farbige Soldaten der Schutztruppe) und Trägern noch 1,5 Millionen Rupien in Interims-Noten auszahlen, die später von der deutschen Regierung eingelöst wurden. Neben den Ausgaben der Deutsch-Ostafrikanischen Bank gab es 1917 auch noch Notausgaben der Deutsch-Ostafrikanischen Feldpost, die äußerst selten sind. Zum Sammelgebiet: Die Friedensausgaben der Deutsch-Ostafrikanischen Bank genießen wegen ihrer Gestaltung schon fast Kultstatus und erzielen hohe Preise auf dem Sammlermarkt. Durch die primitive Art der Herstellung der Interims-Noten während des Kriegs und die Nutzung aller verfügbaren Papierarten – von Karton über Jutepressung bis zum Ölpapier – sowie durch zahlreiche Besonderheiten wie Druck auf Briefköpfen, Geheimzeichen und vielem mehr ist eine faszinierende Variantenvielfalt entstanden, wie sie mit keinen anderen Papiergeld-Ausgaben vergleichbar ist. Die Interims-Noten von Deutsch-Ostafrika sind deshalb zu einem beliebten Sammelgebiet geworden. Viele dieser Scheine sind auch noch zu moderaten Preisen zu bekommen. Gra. DOA-3c: Deutsch-Ostafrikanische Bank, Friedensausgabe zu 50 Rupien vom 15. Juni 1905, Vorder- und Rückseite. Gra. DOA-17e: Deutsch-Ostafrikanische Bank, Interims-Banknote zu 1 Rupie vom 1. November 1915 mit Hand- und Faksimile-Unterschrifts-Stempel, Vorder- und Rückseite. Gra. DOA-30aB11: Deutsch-Ostafrikanische Bank, Interims-Banknote zu 1 Rupie vom 1. Februar 1916 mit zwei Faksimile-Unterschrifts-Stempeln, Rückseite mit Diagonalstempel der Bank und Stempel der Missions-Verwaltung Herrnhut, Vorder- und Rückseite. Gra. DOA-39c: Deutsch-Ostafrikanische Bank, sog. "Buschnote" (hergestellt mit Gummitypen einer Kinderdruckerei) über 5 Rupien vom 1. Juli 1917 mit zwei Handunterschriften, Vorder- und Rückseite. Land/Region/Ort: Deutsch-Ostafrika, Daressalam und Tabora Emittent: Deutsch-Ostafrikanische Bank Objekttyp: Banknoten Nominale: 1 bis 500 Rupien Datierung: 1905 bis 1917 Material: verschiedene Papierarten (u.a. Jutepapier, Karton, Ölpapier) Druck: Giesecke & Devrient, Leipzig (Friedensausgaben); Deutsch- Ostafrikanische Zeitung, Daressalam und Tabora (Interims-Banknoten) Abbildungen: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte Authentizität: Originale Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop
- Lexikon: Hemdenstoffgeld
Hemdenstoffgeld (sog. Shirt-Money) wurde im Burenkrieg 1902 in Südafrika während der Belagerung durch die Buren von einer kleinen britischen Kompanie in Upington ausgegeben. Der Wert der Scheine (2 und 10 Shilling sowie 1 und 5 Pfund) wurde mit Tinte auf Stoff von Khakihemden geschrieben. Upington Border Scouts. 2 Shillings vom 1. Februar 1902. Handschrift auf “Khaki Shirt"-Uniformrest. Dienstsiegel der Grenzbrigade und Unterschrift von Major Birbeck. Dieses Stück wurde offenbar eingelöst, da rückseitig mit Stempel "CANCELLED BY PAYMENT" versehen (Pick S711). Abb. Sincona AG. Außerdem befindet sich ein Stempel "Issued by Paymaster B. S. Upington" auf den Scheinen und die Unterschrift von Major J. Birbeck, O. C. Zum Sammelgebiet: Südafrikanische Geldscheine aus der Zeit des Zweiten Burenkriegs – ein spezielles Sammelgebiet https://www.geldscheine-online.com/post/s%C3%BCdafrikanische-geldscheine-aus-der-zeit-des-zweiten-burenkriegs-ein-spezielles-sammelgebiet Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte
- G+D Stiftung Geldscheinsammlung feiert 20. Geburtstag
20 Jahre Stiftung Geldscheinsammlung – Papiergeld aus acht Jahrhunderten Mit mehr als 350.000 Banknoten zählt die G+D Stiftung Geldscheinsammlung heute zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Im November 2003 gegründet, um die einzigartige Sammlung des Papiergeldexperten Albert Pick (1922–2015) zu bewahren, wissenschaftlich auszuwerten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, feiert die Stiftung Geldscheinsammlung in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die Vielfalt der Banknoten ist groß – sie reicht von den ersten Ausgaben in China im 14. Jahrhundert bis zu den heute weltweit ausgegebenen Geldscheinen. Wie alles begann 1930 kaufte der damals erst achtjährige Albert Pick, Sohn eines Druckereibesitzers, in Köln zwei Notgeldscheine für einen Pfennig. Aus dem ungewöhnlichen Hobby für einen Jungen seines Alters entwickelte sich schon bald eine lebenslange Leidenschaft: In den 1950er und 1960er Jahren erweiterte er seine Sammlung mit Banknoten aus der ganzen Welt und den unterschiedlichsten Epochen. Damit wurde Pick, der hauptberuflich einen Verlag in Köln betrieb, zum international anerkannten Pionier auf dem Gebiet des Banknotensammelns. 1964 verkaufte er schließlich seinen Verlag, denn seine Sammlung war mit rund 180.000 Exemplaren bereits so umfangreich geworden, dass er sie nebenberuflich nicht mehr adäquat betreuen konnte. Daraufhin erhielt er Angebote von mehreren Banken und privaten Interessenten – auch von Siegfried Otto, dem damaligen Inhaber von G+D. Albert Pick, undatiert (Quelle: Albert Pick – Ein Nachruf (geldscheine-online.com) Übergabe der Privatsammlung an die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank Anfang Mai 1964 entschloss sich Pick, seine gesamte Privatsammlung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank (heute: HypoVereinsbank) zu überlassen. Im Gegenzug wurde er als Kurator der Sammlung angestellt. In seiner neuen Funktion tätigte er eine Reihe spektakulärer Ankäufe, organisierte Ausstellungen und schrieb diverse Bücher und Kataloge. 1975 veröffentlichte er erstmals den „Standard Catalog of World Paper Money“, der bis heute in zahlreichen Auflagen erschien und seither als Standardwerk für Papiergeldsammler gilt. Hierin erhielten alle Emissionen eines Landes in der Reihenfolge ihres Ausgabedatums eine Signatur mit der sogenannten Pick-Nummer, mit der jede bisher ausgegebene Banknote eindeutig identifiziert werden konnte. 1985 ging Albert Pick in den Ruhestand und die mittlerweile auf rund 260.000 Banknoten angewachsene Sammlung wurde als Teil des Historischen Archivs der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank weitergeführt. Ägypten, National Bank of Egypt: Banknote über 5 Ägyptische Pfund von 1918. Niederländisch-Indien, Vereenigde Oostindische Compagnie: Geldschein über 50 Ryksdaalders von 1805. 2003 – Gründung der Stiftung Geldscheinsammlung Im November 2003 überführte die HypoVereinsbank die Sammlung schließlich in die „HVB Stiftung Geldscheinsammlung“. In den Beirat der neu gegründeten Stiftung wurde Walter Schlehbusch, damals Leiter des G+D-Unternehmensbereichs Banknote (heute: Currency Technology), berufen. Seitdem bestand eine enge Verbindung zwischen der Stiftung Geldscheinsammlung und G+D. Seit 2008 ist die Sammlung, mit einer kurzen Unterbrechung, in den Räumen von G+D untergebracht. Aufgrund ihrer großen kulturhistorischen Bedeutung wurde die Banknotensammlung im Mai 2010 sogar in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen. Das bedeutet, dass ihre Bestände besonders geschützt sind, zum Beispiel bei Ausleihe oder Diebstahl. Dr. Franziska Jungmann-Stadler, Dr. Walter Schlehbusch und Verena von Mitschke-Collande anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Jahr 2013. 2021 – Umbenennung in „Giesecke+Devrient Stiftung Geldscheinsammlung“ Aus den Erträgen des Stiftungskapitals konnte die HVB Stiftung Geldscheinsammlung weiterhin Neuemissionen erwerben und die Altbestände ergänzen. Darüber hinaus wurden auch Ausstellungen in Kooperation mit Bankfilialen und der Staatlichen Münzsammlung München konzipiert. Neben den Ausstellungen erschienen zudem zahlreiche Artikel und Einzelpublikationen zum Thema Papiergeld, das sich zunehmend als eigenständiges Teilgebiet der Numismatik etablierte. Ein Großteil der Geldscheine wird in speziellen Alben aufbewahrt, die höchste Anforderungen an die Alterungsbeständigkeit erfüllen. Anfang der 2020er Jahre reifte dann der Entschluss, das langjährige Engagement von G+D für den Erhalt und die Weiterentwicklung einer der weltweit größten und bedeutendsten Geldscheinsammlung auch nach außen zu dokumentieren: G+D beantragte bei der Stiftungsaufsicht die Umbenennung in „Giesecke+Devrient Stiftung Geldscheinsammlung“ –mit Erfolg. Seit dem 14. Oktober 2021 ist die G+D Stiftung Geldscheinsammlung nun eine rechtsfähige öffentliche Stiftung bürgerlichen Rechts und wird durch die Vorständinnen Celia von Mitschke-Collande und Kirsten Peter vertreten. „Die Sammlung ist eng verwandt mit dem Kerngeschäft von G+D und auch deshalb ist sie so wichtig innerhalb der G+D-Familie – damit das kulturelle Erbe gesichert ist und solche Schätze nicht verloren gehen.“ (Celia von Mitschke-Collande, Vorstandsmitglied der G+D Stiftung und G+D Stiftung Geldscheinsammlung). Digitalisierung und Präsentation der Sammlungsbestände Bereits seit 2016 sind ausgewählte Bestände der Sammlung auch online zugänglich: Rund 5.000 Banknoten werden auf bavarikon, der digitalen Schatzkammer für Kunst und Kulturschätze Bayerns, präsentiert. Hier findet man u.a. nicht nur die Sammlungen über das Papiergeld Bayerns oder Europas sowie seltene Scheine aus aller Welt, sondern auch virtuelle Ausstellungen der Geldscheinsammlung, u.a. zur Geschichte des Papiergelds oder zur Ikonographie der Wirtschaft auf Banknoten Zentral- und Südamerikas. Nach Voranmeldung können relevante Objekte auch vor Ort eingesehen werden. Zudem können sich G+D-Kolleg/-innen aus dem Vertrieb ausgewählte Banknoten oder Alben für Kundentermine ausleihen oder Digitalisate für Präsentationen anfordern. Auch das Banknotendesign profitiert bei seiner Arbeit von den Beständen der Sammlung. Für 2024 sind außerdem wieder Ausstellungen in Kooperation mit Partnern aus München geplant. Auch eine Zusammenarbeit mit dem von G+D geförderten Museum für Druckkunst am Gründungsstandort Leipzig ist im Gespräch. Fest steht, dass die Präsentation der einzigartigen Sammlung in der Öffentlichkeit in den kommenden Jahren wieder stärker in den Fokus rücken wird. Weitere Informationen zur G+D Stiftung Geldscheinsammlung und den bisherigen Ausstellungen finden Sie auf der Homepage der Stiftung unter folgendem Link https://www.geldscheinsammlung.de/ oder auch auf Instagram. Giesecke+Devrient Stiftung Geldscheinsammlung
- Neuer Katalog über Zahlungsmittel der Niederländischen Handelsgesellschaft
Adrian J. Lansen / Patrick Plomp: Geldswaardige Documenten van de Nederlandsche Handel-Maatschappij / Monetary Documents of the Netherlands Trading Society 1888–1946 141 Seiten, durchgängig farbig bebildert. Niederländisch und Englisch. Format 21 cm x 29,7 cm, Harteinband. Ijsselstein, 2023. Preis: 32,50 Euro + 7,50 Euro Versand (nach Deutschland). ISBN: ohne. Die Niederländische Handelsgesellschaft wurde 1824 auf Erlass von König Wilhelm I. der Niederlande gegründet, um die Handelsbeziehungen zwischen dem Mutterland und Niederländisch-Indien auszubauen. Sie unterhielt u.a. Büros und Vertretungen in Batavia (Jakarta), Singapur, Penang, Hongkong, Bombay (Mumbai), Kalkutta und Dschidda (Jeddah). Ab 1870 betrieb die Gesellschaft auch professionelle Bankgeschäfte und gab schließlich eigene Zahlungsmittel heraus. Der vorliegende Katalog ist der erste umfassende Überblick über die Zahlungsanweisungen und Banknoten der Niederländischen Handelskompanie mit umfangreichen Hintergrundinformationen und zahlreichen Farbabbildungen. Er ist damit auch eine einzigartige und besonders wichtige Dokumentation zur Geschichte der Handelsgesellschaft und zur niederländischen Kolonialgeschichte insgesamt. Aufgeführt sind alle Zahlungsanweisungen der Niederländischen Handelsgesellschaft und die Banknoten der Niederlassung in Shanghai. Außerdem sind Muster und Druckproben abgebildet und ausführlich beschrieben. Zu den Autoren: Adrian J. Lansen sammelt bereits seit 1957 Münzen und Geldscheine. Sein Hauptinteresse gilt dabei der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien (heute Indonesien). Er sammelt jedoch nicht nur Objekte, sondern beschäftigt sich auch intensiv mit der Geschichte. In den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichte er mehrere wichtige Arbeiten zu diesem Gebiet, darunter zur Niederländische Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC), zu Plantagen-Münzen und zum Papiergeld von Sumatra. Patrick Plomp ist seit 1979 passionierter Papiergeldsammler. Bekannt ist er u.a. durch seinen Katalog zum niederländischen Papiergeld von 1573 bis 2002 mit allen Ausgaben seit dem 80jährigen Krieg. In einem zweiten Teil führte er dann auch alle überseeischen Ausgaben auf, was den Anstoß für den vorliegenden Katalog über die Ausgaben der Niederländischen Handelsgesellschaft bot. Ausblick: Zur Vervollständigung der Dokumentation zur Geldgeschichte der Niederländischen Handelsgesellschaft ist ein zweiter Teil in Vorbereitung, der auch einen Überblick über die Zahlungsmittel in ausländischen Währungen der Gesellschaft in der Zeit von 1865 bis 1921 bieten wird. Bestellungen bitte direkt über die Autoren: E-Mail: lansenkil@hotmail.nl / patrick@patrickp.nl Post: A. J. Lansen, Haanderik 94, 3401 ET Ijsselstein, Nederland Internet: www.patricko.n/en GB/c-2912049/catalogues-books/ Hans-Ludwig Grabowski
- Inflation 1923: Peinlicher "Goldmark-Platzer"
Das Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Herrenwyk bei Lübeck, gab mit Genehmigung des Reichsfinanzministeriums am 1. November 1923 mit einem Volumen von 120.000 Goldmark wertbeständiges Notgeld in den sechs Wertstufen von 5, 10 und 42 Goldpfennigen sowie 1,05, 2,10 und 4,20 Goldmark aus. Zugleich veröffentlichte das Werk in den Tageszeitungen einen Aufruf, in dem gebeten wurde, das Notgeld nicht zu hamstern und bei Gestellung der Goldmarkpreise darauf Rücksicht zu nehmen, dass mit wertbeständigem Geld gezahlt werde. Die Notgeldscheine wurden umgerechnet auf Grund des amtlichen Berliner Mittelkurses für die Dollardevise. Die Scheine waren genehmigt durch den Reichsminister der Finanzen und gedeckt durch Hinterlegung von wertbeständiger Anleihe des Deutschen Reiches bei der Reichsbankstelle Lübeck. Die Rückzahlung sollte bis zum 15. Dezember 1923 erfolgen durch Umtausch bei der Werkskasse oder anderen bekanntzugebenden Zahlstellen in Schatzanweisungen der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches oder gegen einen gleichwertigen Reichsmarkbetrag. Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Notgeldschein Litera A über 5 Goldpfennige, ausgegeben in Herrenwyk bei Lübeck am 1. November 1923. Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Notgeldschein Litera A über 2.10 Goldmark, ausgegeben in Herrenwyk bei Lübeck am 1. November 1923. Hochofenwerk Lübeck Aktien-Gesellschaft, Notgeldschein Litera A über 4.20 Goldmark, ausgegeben in Herrenwyk bei Lübeck am 1. November 1923. Aus der Werkszeitung „Unser Schaffen“ (Nr. 10 vom Oktober 1953) war zu ersehen, dass der Bedeutung des Objektes wegen während der gesamten Druckdauer eine Werkswache gestellt worden war. Beim Transport der so sorgfältig behüteten Scheine von der Druckerei in die Fabrik platzte dann eine der beiden für die Beförderung verwendeten alten Ledertaschen auseinander, und das Geld ergoss sich auf die Straße. Die hilfreich herbeieilende Bevölkerung sammelte es wieder ein, und es soll kein Stück verloren gegangen sein. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Landesarchiv Baden-Württemberg und Privat (6/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Lexikon: Helfferich, Karl
Karl Theodor Helfferich (geb. 22. Juli 1872 in Neustadt a. Haardt, gest. 34. April 1924 in Bellinzona, Schweiz) war ein bedeutender deutscher Wirtschaftspolitiker, Bankier und Staatsmann. Ab 1890 studierte Helfferich Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, München und Straßburg. Karl Helfferich, Abb. Wikimedia Commons (digital restauriert unter Einsatz von KI). Helfferich studierte in Berlin, München und Straßburg Rechts- und Staatswissenschaften. 1894 promovierte er mit einer Dissertation über den Wiener Münzvertrag von 1857. 1899 habilitierte er sich in Berlin mit seiner Arbeit „Die Reform des deutschen Geldwesens nach der Begründung des Deutschen Reiches“ im Fach Nationalökonomie und wurde 1902 Professor für Staatswissenschaft in Berlin. Von Januar 1915 bis Mai 1916 war er Staatssekretär im Reichsschatzamt und im Anschluss bis Oktober 1917 Staatssekretär des Reichsamtes des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers. Von 1920 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Reichstags. Während der Hochinflation 1923 entwarf Helfferich einen Plan zur "Roggenmark", der jedoch abgelehnt wurde. Er gilt jedoch als geistiger Urheber der Rentenmark, bei deren Einführung wesentliche Merkmale der "Roggenmark" übernommen wurden. Ende 1923 bewarb er sich als Reichsbankpräsident, unterlag jedoch gegen Hjalmar Schacht. Helfferich kam 1924 bei einem schweren Eisenbahnunglück in der Schweiz ums Leben. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte
- Aus privaten Sammlungen: 100 Kronen der tschechoslowakischen Staatsbank von 1951
Mit der Auflösung der k. u. k. Monarchie führte die neue tschechoslowakische Republik eine eigene Währung ein. Durch Regierungsverordnung vom 6. März 1919 wurde dem Bankamt des Finanzministeriums die Regelung des Währungswesens übertragen. Ihm oblag auch die Ausgabe des Papiergelds. Aufgrund der Bekanntmachung des Finanzministers vom 1. April 1926 ging dieses Recht auf die Národní Banka Československá (Tschechoslowakische Nationalbank) über. Dies blieb auch so bis 1950, sieht man von der Unterbrechung in der Zeit der deutschen Besatzung und dem Protektorat Böhmen und Mähren ab. Am 1. Juli 1950 wurde die Funktion der Národní Banka Československá auf die Státní Banky Československá (Staatsbank der Tschechoslowakei) übertragen. Dies bedeutete auch, dass die alten Banknoten durch neue mit dem geänderten Banknamen ersetzt werden mussten. Im Finanzministerium war man der Meinung, dass man mit dem Schein zu 1000 Kronen beginnen sollte. Im Mai 1950 wurden bereits verschiedene Künstler aufgefordert, Entwürfe vorzulegen. Die Kommission, die am 15. Dezember 1950 im Büro des Finanzministers Jaroslav Kabeš tagte, sprach sich für Josef Kaplický‘s Entwurf aus. Besonders angetan war man vom Porträt des Staatspräsidenten Klement Gottwald auf der Vorderseite, Kabeš wünschte jedoch eine Überarbeitung der Gesichter der drei Personen auf der Rückseite, die Arbeiter, Bauer und arbeitende Intelligenz symbolisierten. Im Februar 1951 ließ der Finanzminister diese Forderung jedoch fallen und schlug stattdessen vor, dass Josef Kaplický, Josef Liesler und auch Ludovít Ilečko, Adolf Zábranský oder Antonin Stmadel und möglicherweise auch Karel Svolinský einen weiteren Versuch unternehmen sollten, die endgültigen figürlichen Motive der Rückseite zu schaffen. Am 25. März 1952 trat die Jury erneut zusammen und einigte sich darauf, den Entwurf von Josef Liesler als Ausgangspunkt für die weitere Gestaltung der Tausend-Kronen-Banknote zu nutzen, allerdings sollte die Rückseite nun Stahlarbeiter vor einer entsprechenden Umgebung zeigen. Das Finanzministerium drängte auf die beschleunigte Einziehung des Staatspapiergelds der Ausgabe A. Hierbei handelte es sich um den 1000-Kronen-Schein ohne Ausgabedatum, der auf der Vorderseite das Kopfbildnis von Jiří Poděbrad und auf der Rückseite die Burg Karlstein zeigt. Auf dem Schein befindet sich die Unterschrift des ehemaligen Finanzministers Ladislav Karel Feierabend, der nach der kommunistischen Regierungsübernahme im Jahr 1948 emigriert war und nun Persona non grata war. Gleichzeitig wurden die Bestände der Tausend-Kronen-Banknoten der Ausgabe B mit dem Ausgabedatum 16.5.1945 eingezogen. Da die zunehmenden Ost-West-Spannungen die Gefahr eines neuen militärischen Konflikts heraufbeschworen, sollten die Bestände an Umlauf- oder Reservebanknoten erhöht werden. Die Banknotendruckerei befand sich jedoch in einem Dilemma, zum einen fehlten nicht nur der Lagerraum für Material und unvollendete Drucke sowie qualifizierte Arbeitskräfte, sondern auch die Devisen zum Kauf von Qualitätspapier im Ausland. Die neuen, mit den praktischen Aspekten der Herstellung gesetzlicher Zahlungsmittel nicht vertrauten Vertreter der Notenbank waren offensichtlich auch von der Zeit überrascht, die die Künstler für die Erstellung der Entwürfe benötigten. So wurde beschlossen, den Druck einer provisorischen Tausend-Kronen-Banknote vorzubereiten, die voraussichtlich 1952 in Umlauf gelangen sollte. Ihre Gestaltung basierte auf der in Umlauf befindlichen Tausend-Kronen-Banknote der Ausgabe B, wobei lediglich der Name Národní Banka Československá durch Státní Banky Československá ersetzt wurde. So wurde 1951 die erste Banknote im Namen der Staatsbank geschaffen und in den Seriendruck gegeben – kam aber nie in Umlauf. Neben der Tausend-Kronen-Banknote wurden auch die Vorbereitungen für die Ausgabe der zweitwichtigsten Banknotenstückelung, der Hundert-Kronen-Banknote Ausgabe C, fortgesetzt. Nachdem die Entscheidung gefallen war, den siegreichen Entwurf von Vilma Vrbová-Kotrbová nicht umzusetzen, wurde Karel Svolinský eingeladen, an der künstlerischen Gestaltung mitzuwirken. Er hatte bereits 1949 mindestens zwei Entwürfe eingereichte, die das Porträt einer jungen Frau zeigen. Sie sollte die nunmehr volksdemokratische Republik auf der Vorderseite symbolisieren. Jedoch war Minister Kabeš das Porträt nicht hübsch genug, sodass es mehrmals geändert wurde, bis die endgültige Version erreicht war, die Ladislav Jirka in der Banknotendruckerei gezeichnet hat und ätzte. Zunächst sollte die Rückseite eine figürliche Darstellung zeigen, später wurde sie durch eine guillochierte Komposition ersetzt. Es wurden zwei verschiedene Guilloche-Lösungen vorbereitet, eine symmetrische und eine asymmetrische, aber schließlich entschied man sich dafür, auf der Rückseite ein kleines Staatswappen in einer inoffiziellen Form zu platzieren, die auf einer Arbeit von Karel Svolinský basierte. Die Banknote wurde zunächst mit dem Datum vom 1. April 1950, dann mit dem 5. Mai 1950 vorbereitet und schließlich auf Grundlage der endgültigen Genehmigung vom 27. September 1951 mit dem Datum des 24. Oktober 1951 gedruckt. Wie der Note zu 1000 Kronen, so wurde auch die zu 100 Kronen nie in Umlauf gesetzt. Der Grund dafür war mit ziemlicher Sicherheit, dass in der Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt bereits neue Banknoten für die Währungsreform gedruckt wurden. Die ebenfalls geplante Note zu 500 Kronen verließ nie das Stadium des Entwurfs. Auf Grundlage des Gesetzes 41 und 45/1953 erfolgte am 1. Juni 1953 eine Währungsreform. Die Tschechoslowakische Krone wurde einem Gegenwert von 0,123426 g Feingold gleichgesetzt und das Austauschverhältnis auf 1,80 Kčs : 1 Rubel festgelegt. Innerhalb von nur drei Tagen erfolgte die Abwertung der alten Geldzeichen. Jeder Einwohner konnte bis zu 300 Kčs gegen neue Geldscheine im Verhältnis 5 : 1 umtauschen. Alle Barbeträge, die dieses Limit überschritten, unterlagen einem Umtausch von 50 : 1. Für Spareinlagen u. ä. galten besondere Umtauschsätze. Objekttyp: Banknote Sammlung: Uwe Bronnert Authentizität: Original Land/Region/Ort: Tschechoslowakei, Prag Emittent: Státní Banky Československá Nominal: 100 Korun Datierung: 24. října (Oktober) 1951 Vorderseite: Porträt einer jungen Frau, im Volksmund: „Anna Proletářka“ (Anna Proletarierin) genannt Rückseite: Offset-Druck, Staatswappen Unterschriften: Dr. Pohl, Kováčik Material: Papier ohne Wasserzeichen Druck: TB SBCS Praha Format: 150 mm x 68 mm Nummerierung: A 29 / 3527339 Umlauf: Nicht ausgegeben! Zitate: 76 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B303 (Owen W. Linzmayer: The Banknote Book: Czechoslovakia) 10 (Jan Bajer: Papírová platidla Československa 1919 -1993, České republiky / Slovenské republiky 1993 – 2003) 96 (Pavel Hejzlar: Papírová platidla na území Čech, Moravy a Slovenska 1900 – 2019) Vladimír Tomšíj et al., 100 Years of the Koruna, monetary policy I instituions I Money, CNB Czech National Bank 2018 Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Kein falscher Fünfziger!
Schon als Kind kommt man mit Geld in Berührung. Zuerst mit Münzen, später mit Papiergeld. Bei mir waren es in den 50-Jahren des letzten Jahrhunderts zuerst noch Scheine der Bank Deutscher Länder: die blauen Zehner und die grünen Zwanziger mit den allegorischen Frauen und Gesellen. Fünfziger oder den roten Hunderter habe ich nicht mehr gesehen, dafür aber die "Franzosenscheine", die mir damals nur wegen des dünnen Papiers und den beeindruckenden Kaufleuten auffielen. Eigentlich nur der Fünfziger, damit ging meine Mutter die Wochenendeinkäufe erledigen. Dann natürlich der Fünfmarkschein mit dem Motiv der barbusigen Europa, aber der kam gar nicht so oft vor. Dafür gab es die silberne Münze zu 5 Mark, auch "Heiermann" genannt. Zu Beginn der 1960er-Jahre kamen dann neue Geldscheine heraus, bei denen mich aber eher die Rückseiten interessierten, das Eichenlaub des Fünfers, die Musikinstrumente auf dem Zwanziger und für mich als Jungen besonders der Segler im Stil der "Gorch Fock", dem Segelschulschiff der Bundesmarine auf dem Zehner. Aber auf dem Fünfziger, da war vorne wieder so ein braun behüteter Mann abgebildet, der mich faszinierte. Abb. 1/2: Bank Deutscher Länder, 50 DM, Vs., sog. "Franzosenschein" vom 9.12.1948. BRD-2, Ro. 254, Pick 14a, Vorder- und Rückseite. Abb. 3/4: Bundesbanknote über 50 DM vom 2.1.1960, Vorderseite Mann mit braunem Fellhut nach einem Gemälde von Barthel Beham aus dem Jahr 1527, KN rechtsbündig, BRD-9, Ro. 265, Pick 21, Rückseite Lübecker Holstentor. Der blaue Hunderte dagegen beeindruckte mich durch seine schiere Größe, dem Adler auf der Rückseite und der Strafandrohung:“ Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft.“ In die Hände bekam ich ihn natürlich erst später. Abb. 5/6: Blanko-Euroscheck der Bezirkssparkasse Bensheim mit lfd. Schecknummer, Kontonummer des Ausstellers und eingedruckter BLZ, der Rest wurde von Hand eingetragen. Seit dem 01.01.2002 nicht mehr ausgegeben. Abb. Wikipedia. Auf der Rückseite musste die Kartennummer der EC-Karte eingetragen und die Karte selbst vorgezeigt werden. Die Unterschrift musste echt wirken, aber nicht echt sein, um die garantierte Einlösung zu erwirken. Als ich dann am Ende der 1970er-Jahre bei einem Reisebüro in einem bekannten Kaufhaus auf der Zeil in Frankfurt am Main in der Einkaufsmeile arbeitete, wurde noch viel mit Bargeld oder Euroschecks bezahlt. Eurochschecks (Eurocheques) waren bis vierhundert DM garantiert und hatten trotz des Namens noch nichts mit dem Euro zu tun, jedoch waren sie europaweit nutzbar. Dafür kam ich aber nunmehr in Kontakt mit Fünfhunderter- und Tausender-Banknoten, musste abends alles Geld zählen und bis auf das Wechselgeld zur Bank bringen. Dabei fiel mir bald bei den Fünfzigern ein Schein in die Hände, der mir falsch vorkam. Ein Schein, der um die Wertzahl herum nur grün war, und zwar Vorder- und Rückseite, obwohl hier sonst ein Wechsel zwischen Braun und Grün zu finden war. Auch die Druckfarbe des Strafsatzes sah nur einfarbig aus. Auf der Bank wurde der Schein aber problemlos akzeptiert und ich auf meine Nachfrage beruhigt, der Schein sei wirklich in Ordnung, trotz der Farbabweichung. Abb. 7: Detail, grüner Rahmen der Wertangabe von der Vorderseite BRD-9, 1960. Abb. 8: Detail, grünbrauner Rahmen Vs. BRD-24, 1977. Abb. 9: Detail, grüner Rahmen der Wertangabe von der Rückseite BRD-9, 1960. Abb. 10: Detail, braungrüner Rahmen Rs. BRD-24, 1977. Abb. 11: Detail, Strafsatz "Zuchthaus" einfarbig braun, Rs. BRD-9, 1960. Abb. 12: Detail, Strafsatz "Freiheitsstrafe" zweifarbig, Rs. BRD-24, 1977. Heute weiß ich, dass der erste Fünfziger der neuen sog. "Gemäldeserie" (BBk I) zu den variationsreichen Scheinen zu Beginn der Bundesbanknoten gehört, und, wie auch die Fünfer, Zehner, Zwanziger und Hunderter über je sechs verschiedene Ausführungen verfügt: a – f, mit und ohne Fasereinlage, UV- aktiv oder nicht, sowie drei verschiedene Austauschnoten. Im Januar 1986 veröffentlichte die Deutsche Bundesbank unter der Überschrift "Kursfähige Bundesbanknoten" eine präzise und bebilderte Beschreibung aller Banknoten von 5 bis 1000 DM mit Datum der Erstausgabe und dem Format der Scheine. Der Eintrag zum Fünfziger lautet wie folgt: Banknote zu 50 Deutsche Mark, Erstausgabe 18. Juni 1962, Format 75 x 150 mm. Die vorherrschenden Farben der Vorder- und Rückseite sind Schwarzbraun, Rötlichbraun und Olivgrün. Das große Kopfbild ist einem Gemälde entnommen, das sich unter der Bezeichnung „Mann mit Kind, Schwäbischer Meister um 1525“ im Besitz des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main befindet. Das Hauptmotiv der Rückseite, das Holstentor in Lübeck, soll den „deutschen Bürgerstolz“ verkörpern. Am Ende des Textes finden sich folgende Hinweise: Banknoten zu 50 Deutsche Mark sind in zwei farblich voneinander abweichenden Varianten im Umlauf, und zwar sind die auf Vorder- und Rückseite befindlichen großen Zierstücke mit der hellen Wertzahl 50 sowie der Straftext auf der Rückseite bei Noten mit dem Ausgabedatum 2. Januar 1960 einfarbig grün, bei den nachfolgenden Ausgaben braun/grün gedruckt. Banknoten zu 5, 100 und 1000 Deutsche Mark weisen in jedem Falle unter UV-Licht fluoreszierende Fasern auf; bei den vier anderen Werten können auch Noten ohne Fluoreszenzfasern vorkommen. Die meisten umlaufenden Banknoten tragen fluoreszierende Notennummern. Gelegentlich kommen auch noch ältere Scheine vor, bei denen die Notennummer nicht fluoresziert. Das erklärt die Vielfalt der Banknoten mit Datum 2. Januar 1960 im Aufdruck. Auch die Kontrollnummer im Kragenbereich des Mannes ist bei den späteren Ausgaben 1970 (nicht bei Serie M), 1977 und 1980 (mit und ohne Copyright © Deutsche Bundesbank 1962) weiter nach links, mehr mittig versetzt. Abb. 11: KN Vorderseite rechts unten mehr rechtsbündig, BRD-9, 1960. Abb. 12: KN Vorderseite mehr links, BRD-16, 1970. Abb. 13: KN 1970 Serie M wie KN Position 1960. Inzwischen wurde die Deutsche Mark vom Euro abgelöst und das Hertie-Kaufhaus auf der Zeil in Frankfurt am Main geschlossen. Sic transit gloria mundi! (So vergeht der Ruhm der Welt!). Christian Merker
- Leserpost: "Black Eagle" Serie 1899 – Silberzertifikat zu 1 US-Dollar
Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe eben mit großem Interesse den Artikel von Michael H. Schöne dazu gelesen. Ich habe einen solchen Schein, M47872685A, mit zwei im Artikel nicht genannten Unterschriften: Links Speelman, rechts White. Ist der Schein evtl. etwas Besonderes? Ich freue mich auf eine Rückmeldung und verbleibe mit freundlichen Grüßen M. Schmid Zum Beitrag von Michael H. Schöne: Aus privaten Sammlungen: Silberzertifikat zu 1 US-Dollar "Black Eagle" der Serie 1899 Antwort der Redaktion Sehr geehrter Herr Schmid, die Redaktion von Geldscheine-Online hat mir freundlicherweise Ihre Anfrage weitergeleitet. Die 1-Dollar-Noten von 1899 erfreuen sich bei Sammlern nicht nur in den USA großer Beliebtheit. Aufgrund der Vielzahl der möglichen Varianten ist es fast unmöglich, die über 100 verschiedenen zusammenzutragen. Hiervon sind sehr seltene Scheine belegt – auch Unikate. Ihr Schein ist die früheste Ausgabe der seit 1900 gedruckten sog. "Black Eagles"; Harley V. Speelman und Frank White hatten eine gemeinsame Dienstzeit vom 25. Januar 1922 bis zum 30. September 1927. Während dieser Zeit wurden diese Scheine mit der Unterschriftskombination auch gedruckt, bis man 1928 die kleinformatigen Silver Certificates für den Umlauf vorbereitete. Speelman-White-Scheine mit dem Präfix-Buchstaben M kommen mit 4- bis 8-stelligen Kontrollnummern, mit unterschiedlichen Platten-Buchstaben A bis H und mit vierstelligen Platten-Nummern vor. Wenn auch für Sammler jeder Schein etwas Besonderes ist; denn: könnten sie sprechen, würden wir sicher interessante Geschichten erfahren. Ihr Schein ist aber leider nicht außergewöhnlich, je nach Erhaltung kann man ihn auf dem Sammlermarkt in gebrauchter Erhaltung für um die 100 US-Dollars erwerben. Ich hoffe, mit der Beantwortung Ihrer Frage ist Ihnen weitergeholfen. Mit freundlichen Sammlergrüßen Michael H. Schöne
- Chemnitzer Lohnscheckbank: Goldmark-Notgeld 1923
Als in der Hyperinflation Ende 1923 die deutsche Markwährung total zusammenbrach, suchten viele Kreditinstitute nach kreativen Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld zur Vereinfachung der Lohn- und Gehaltszahlungen. In dieser Situation begab die Chemnitzer Lohnscheckbank im November 1923 Notgeld auf Goldmarkbasis. Für die Versorgung der zahlreichen Chemnitzer Industriebetriebe mit Goldmark-Notgeld sorgte die Lohnscheckbank Chemnitzer Industrieller G.m.b.H. in Chemnitz (Sachsen), die seinerzeit auch schon zahlreiche Papiermark-Notgeldschecks über Millionen- und Milliardenbeträge herausgebracht hatte. Lohnscheckbank Chemnitzer Industrieller G.m.b.H., Lohnscheck über 100 Mio. Mark als Papiermark-Ersatz, ausgegeben in Chemnitz am 17. Oktober 1923. Mit Genehmigung des Reichsfinanzministeriums gab die Bank ab 1. November 1923 Notgeldscheine auf Goldmarkbasis mit Dollar-Valutaklausel über 20 Pfennig-Gold (2/42 Dollar) sowie 1, 2 und 4 Mark Gold (10/42, 20/42/ und 40/42 Dollar) aus, für die wie üblich die Betriebe wertbeständige Reichsgoldanleihe hinterlegten. Die Einlösung des Notgelds war zum 15. Dezember 1923 geplant. Von all diesen Notgeldscheinen liefen Fälschungen um, die aber am unklaren Druck und bei fehlendem Wasserzeichen verhältnismäßig leicht erkennbar waren. Lohnscheckbank Chemnitzer Industrieller G.m.b.H., Notgeldschein über 1 Mark-Gold = 10/42 Dollar der Schatzanweisung der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches, ausgegeben in Chemnitz am 1. November 1923. Lohnscheckbank Chemnitzer Industrieller G.m.b.H., Notgeldschein über 2 Mark-Gold = 20/42 Dollar der Schatzanweisung der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches, ausgegeben in Chemnitz am 1. November 1923. Lohnscheckbank Chemnitzer Industrieller G.m.b.H., Notgeldschein über 4 Mark-Gold = 40/42 Dollar der Schatzanweisung der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches, ausgegeben in Chemnitz am 1. November 1923. Die Einlösung des Goldmark-Notgelds erfolgte für die Lohnscheckbank Chemnitzer Industrieller G.m.b.H. im sächsischen Chemnitz nach Aufruf des Reichsfinanzministers Anfang 1924 für den Freistaat Sachsen im Zeitraum vom 15.6. bis 15.7.1924. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat (6/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Die ''versteckten'' Informationen in den Kontrollnummern der schwedischen Banknoten der 2015er-Serie
Die Kontrollnummern der 2015er-Serie der Schwedischen Reichsbank (Sveriges Riksbank) beginnen mit einem Buchstaben, gefolgt von einer neunstelligen Zahl. Die Kontrollnummer enthält mehrere Informationen. Schweden, SWE-69: 20 Kronen ohne Datum (2015), Vorder- und Rückseite. Der Buchstabe, der der Kontrollnummer vorangestellt ist, zeigt an, in welchem Jahr die Scheine gedruckt wurden. Es gilt: A = 2013 (Testserie; angeblich wurden alle Noten vernichtet) B = 2014 (Wertstufen: 20, 50, 100, 200, 500, 1000 Kronen) C = 2015 (100, 500 Kronen) D = 2016 (20, 100 Kronen) E = 2017 (500 Kronen) F = 2018 (500 Kronen) G = 2019 (500 Kronen) J = 2022 (100 Kronen) Es wird also fortlaufend ''durchbuchstabiert,'' beginnend mit dem Startjahr 2013. Da 2020 und 2021 keine schwedischen Banknoten gedruckt wurden, entfallen die Buchstaben H und I. Im Jahr 2023 wurden (Stand: Mitte November 2023) ebenfalls keine schwedischen Geldscheine gedruckt. Damit entfällt auch der Buchstabe K. Schweden, SWE-72: 200 Kronen ohne Datum (2015), Vorder- und Rückseite. Die beiden ersten Ziffern nach dem Buchstaben geben den Platz auf der Druckplatte an. Bei den 20- und 50-Kronen-Scheinen sind es 60 Stück auf einer Druckplatte bzw. einem Bogen, bei den 100-, 200-, 500- und 1000-Kronen-Scheinen sind es 50. Die Zahlenkombinationen gehen somit von 01 bis 60 bzw. 01 bis 50. Die dritte Ziffer (nach dem Buchstaben) gibt die Unterserie der Note an. Bisher sind folgende Unterserien bekannt: 20 Kronen: B0, B1, D0 50 Kronen: B0, B1 100 Kronen: B0, C0, C1, D0, J0 200 Kronen: B0, B1, B2 500 Kronen: B0, C0, C1, C2, E0, F0, G0 1000 Kronen: B0 Die restlichen sechs Ziffern sind dann die individuelle Kontrollnummer der Banknote. Die schwedische Reichsbank veröffentlich zwar kurz nach Beginn eines jeden Monats die Anzahl der Scheine (und Münzen) im Umlauf. Die Anzahl der produzierten Scheine wird (bzw. wurde bisher) aber nicht veröffentlicht. Was die Reichsbank allerdings veröffentlicht, sind die Kosten für die Produktion von Scheinen (und Münzen). Diese Informationen zusammen mit den Beobachtungen und Meldungen von Sammlern über Kontrollnummern der im Umlauf gefundenen Banknoten lassen einen ziemlich guten Rückschluss auf die Anzahl der gedruckten Scheine zu. Hier die von einem schwedischen Sammler errechneten Zahlen, die sehr glaubwürdig sind: 20 Kronen: Serie B0 & B1: insgesamt 108 Millionen Stück 20 Kronen: Serie D0: 54 Millionen Stück 50 Kronen: Serie B0 & B1: insgesamt 72 Millionen Stück 100 Kronen: Serie B0: 6 Millionen Stück 100 Kronen: Serie C0 & C1: insgesamt 90 Millionen Stück 100 Kronen: Serie D0: 15 Millionen Stück 100 Kronen: Serie J0: 25 Millionen Stück 200 Kronen: Serie B0 & B1 & B2: insgesamt 120 Millionen Stück 500 Kronen: Serie B0: 6 Millionen Stück 500 Kronen: Serie C0 & C1 & C2: insgesamt 105 Millionen Stück 500 Kronen: Serie E0: 35 Millionen Stück 500 Kronen: Serie F0: 30 Millionen Stück 500 Kronen: Serie G0: 40 Millionen Stück 1000 Kronen: Serie B0: 11 Millionen Stück Die Serien A bis F wurden von der Firma Crane produziert, die Serien G und J von der Firma DeLaRue. Unter UV-Licht lassen sich Unterschiede zwischen den beiden Produzenten erkennen. Ralf Faust












